Volle Portion Krise am County Ground

Kein Geld, kaum Spieler, kein Trainer, kein Geschäftsführer, Streit um die Eigentümerschaft, Mietschulden: Die Fans des englischen League Two-Clubs Swindon Town müssen derzeit einiges ertragen, vielleicht mehr als je zuvor. Die „Robins“ aus der 157.000-Einwohner-Stadt Swindon in Wiltshire sind außerdem frisch abgestiegen. Doch das ist noch das geringste Problem.

Kern des Dilemmas: Der bisherige Besitzer Lee Power, ein ehemaliger Profi und Spielerberater, kann oder will die Robins nicht mehr finanzieren und möchte den Club eigentlich veräußern. Allerdings nicht so gerne an Miteigentümer Clem Morfuni, dem aktuell 15 Prozent der Anteile gehören – denn Power schwebt ein werthaltigeres Angebot vor. Ein Gericht hat allerdings bestätigt, dass dem Miteigentümer ein Vorkaufsrecht zusteht. Morfuni, ein australischer Geschäftsmann, der erfolgreich in der Baubranche tätig ist, wird bei seinem Vorstoß zur Übernahme von Swindon vom Supporters Trust, der Fan-Stiftung des Vereins, unterstützt. Diese hat sich den wahrscheinlichen neuen Besitzer nach eigenen Angaben schon mal genauer angesehen.

Schuldzuweisungen und ein Exodus

Lee Power hat dagegen längst jeden Kredit bei den Anhängern der Robins verloren. Und an dieser Situation ist nicht nur die Corona-Pandemie schuld: Schon zuvor wurde Power vorgeworfen, im Zweifelsfall eher eigennützig als im Sinne des Clubs zu handeln. Entsprechend wenig Glauben wurde einer Mitteilung auf der Vereinshomepage geschenkt, in der Morfunis Axis Group für die Verzögerung bei der Übernahme verantwortlich gemacht wird. Es sei noch keine Zahlung eingegangen und dies habe zu diversen Problemen beim Betrieb des Clubs geführt.

Unabhängig davon, wer für die noch nicht vollzogene Übernahme verantwortlich ist: Die dramatische Situation von Swindon Town kam unter der Führung von Power zustande. In den letzten Wochen brachen die Hiobsbotschaften wie eine Sturmflut über die Fans herein. Für das Stadion, den County Ground, soll der Verein dem Bezirk Swindon seit über einem Jahr keine Miete mehr überwiesen haben. Bekannt wurde das Anfang Juli, einen Tag nachdem BBC Radio Wiltshire vermeldet hatte, dass Swindon Town im Juni weder Spieler noch das übrige Personal bezahlt habe.

Eine Woche zuvor hatte der neue Trainer John McGreal bereits hingeschmissen – nach einem Monat im Amt. McGreal ist damit nicht allein: Auch der langjährige CEO Steve Anderson hat den Verein verlassen. Von Sportdirektor Paul Jewell wird das Gleiche berichtet, eine offizielle Bestätigung gibt es hierfür jedoch noch nicht. Doch es fehlt nicht nur Personal auf den Entscheider-Positionen: Am 7. Juli hatte Swindon ganze sieben Feldspieler unter Vertrag. Zuletzt hatte sich Verteidiger Pierce Sweeney, gerade erst aus Exeter verpflichtet, wieder dorthin verabschiedet – an die angeblich familiären Gründe für diese Entscheidung dürfte kein Swindon-Fan glauben. Der Trainingsauftakt und das erste Testspiel der Robins waren zunächst verschoben worden – als es am 5. Juli dann losging, sah das so aus:

Sieben Feldspieler und ein Transferembargo

Selbst wenn es in den nächsten Tagen oder Wochen zu einer Übernahme durch die angeblich zahlungskräftigere Axis Group kommen sollte: Der Rückstand beim Kader dürfte bis zum Saisonstart am 7. August nicht so einfach aufzuholen sein. Wegen einer Reihe von Verfehlungen, darunter Zahlungsverzögerungen und fehlende Bilanzberichte, ist gegen Swindon vom Ligaverband EFL ein Transferembargo verhängt worden (wie gegen sieben weitere Vereine). Die Robins dürfen bis zur Klärung aller Punkte nur noch vertragslose oder Leihspieler verpflichten. Für Transfers dürfen zudem keine Gelder fließen. Selbst in der viertklassigen League Two wird es so schwierig, einen derzeit einstellig besetzten Kader zu einem konkurrenzfähigen zu machen.

Swindon-Fans werden indes froh sein, wenn sie in der kommenden Saison überhaupt noch einen Verein zum Unterstützen haben. Schließlich gab es in den letzten Jahren mit Bury und Macclesfield Town gleich zwei Vereine, die aus dem Profifußball geworfen wurden und den Ligabetrieb sogar komplett einstellen mussten. Bekanntlich gab es in England noch nie eine 50+1-Regel und neben einigen guten und vielen zumindest mit den besten Absichten angetretenen Clubbesitzern finden sich immer wieder ein paar, die ihre Vereine wirklich nur als ihr persönliches Eigentum sehen und sie entsprechend führen – eben nur solange es nicht schwierig wird.

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