Happy End zu Saisonbeginn

Bevor irgendetwas gewonnen oder auch nur in einem Pflichtspiel gegen den Ball getreten worden war, hatten die Fans von Swindon Town bereits gesiegt. Kurz vor Beginn der Spielzeit 2021/22 ging der englische Viertligist endlich aus den Händen von Lee Power in jene von Clem Morfuni über. Ein neuer Mehrheitseigentümer, der über den Club bestimmen kann – in Deutschland sieht man solche Deals aufgrund der hiesigen Fußball-Tradition eher kritisch. In England sind sie gang und gäbe, werden aber selten so enthusiastisch begrüßt wie in diesem Fall.

Dafür gibt es Gründe. Um das Ausmaß der Probleme vor der Übernahme zu begreifen, empfehle ich meinen Artikel aus jener Zeit. Kurz zusammengefasst haben der neue Eigentümer und seine Leute einen Verein mit nur noch wenigen Spielern, ohne sportliche Führung und ohne Geld in wenigen Wochen wieder in einen ganz normalen Viertligisten verwandelt. Das und nicht mehr haben sich die Fans der „Robins“ von Clem Morfuni erhofft, der zuvor einen Minderheitsanteil an Swindon Town gehalten hatte.

Neue Mannschaft in drei Wochen

Der australische Unternehmer aus der Baubranche hat die Basics erledigt: Ein neuer Trainer, Ben Garner, ein Sportdirektor, Ben Chorley, und ein scheinbar konkurrenzfähiger Kader sind da. Dazu wurden einige Akteure wieder verpflichtet, die schon in der letzten Saison oder früher bei den Robins gespielt hatten. Zudem kamen einige Spieler der Kategorie „jung, hungrig, aber anderswo nicht so recht zum Zug gekommen“. Ein potenzieller Coup gelang Chorley und Garner mit dem Transfer des 27-jährigen walisischen Nationalspielers Jonny Williams, der zuletzt bei Cardiff City in der zweiten Liga gespielt hatte und als echter Charakterkopf gilt. Allerdings darf Swindon aufgrund der Versäumnisse der vorherigen Führung derzeit nur Ein-Jahres-Verträge vergeben – eine Bestimmung des Ligaverbands EFL.

Clem Morfuni hat aber nicht nur eine Mannschaft auf die Beine gestellt. Unmittelbar nach seiner Übernahme umriss er in einem Statement an die Fans seine Visionen für den Club. Diese sind ambitioniert, aber nicht größenwahnsinnig: Morfuni will Swindon längerfristig nachhaltig in der zweitklassigen Championship etablieren. Das Stadion County Ground soll modernisiert werden und in den Besitz des Vereins übergehen. Ein eigenes Trainingsgelände zu finden wird ebenso angestrebt wie die Jugendakademie zur besten außerhalb der Premier League weiterzuentwickeln. Und die Absolventen der Akademie sollen ihren Weg in die erste Mannschaft finden. Schließlich will Morfuni die Verbindung zwischen Stadt, Umland, deren Bewohnern und dem Verein stärken. Dazu hat sich der neue Eigentümer in den letzten Wochen häufig sehen lassen, ob beim Verkauf von Dauerkarten oder bei der Besichtigung einer lokalen Brauerei.

Ein aktiver Fan als CEO

Man könnte denken, Morfuni mache Wahlkampf. Aber nach den Eindrücken der Menschen vor Ort (die ich aus Podcasts, Foren oder anderen Medien kenne) meint es der selbsterklärte Fußball-Verrückte und Swindon-Fan wirklich ernst. Ein weiterer Schritt, der Vertrauen geweckt hat, war die Installierung von Rob Angus als CEO. Angus war zuvor in erster Linie Fan und Vorsitzender des Trust STFC, der Stiftung der Supporter. Trust STFC unterstützte Morfuni bei seiner Übernahme vom verhassten Lee Power. Die Rekrutierung von Angus soll aber keine Gefälligkeit gewesen sein; die nötigen Referenzen und Erfahrungen hat der neue CEO.

Der Feel-Good-Factor rund um den County Ground war also zunächst unabhängig von den Ergebnissen. Den meisten Fans dürfte eine ruhige Saison im Mittelfeld der Tabelle fürs Erste ausreichen, obwohl die Robins in der letzten Saison noch eine Klasse höher in der League One spielten. Allerdings ist die neue Spielzeit durchaus positiv angelaufen. Trainer Ben Garner, 41, wurde noch letzten November bei den Bristol Rovers, dem späteren Mitabsteiger von Swindon, wegen ausbleibender Erfolge entlassen. Er gilt allerdings als ein vielversprechender Mann, der Spieler weiterentwickeln kann. Morfuni und Sportdirektor Chorley gingen mit ihm ins Risiko und werden – bisher – belohnt. Mit sieben Punkten aus vier Partien stehen die Robins derzeit auf dem vierten Platz der League Two (allerdings haben einige schlechter platzierte Teams noch ein Spiel nachzuholen). Ob das Happy End die ganze Saison anhält?

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