Was am Transfer Deadline Day nicht passierte

Es blieb nach Bekanntgabe der Pongracic-Verpflichtung ein ereignisarmer 31. August bei Borussia Dortmund. Schon etwas vor der Deadline hatte Sportdirektor Michael Zorc in seinem letzten Sommer-Transferfenster verkündet, dass es keine Zugänge für Schwarz-Gelb mehr geben würde. Weitere Aktivitäten waren zu einem großen Teil davon abhängig, ob der BVB noch Abgänge vermelden konnte. Nicht zum ersten Mal zeigte sich, dass diese schwerer zu bewerkstelligen sind als Verpflichtungen.

Kein Callum Hudson-Odoi also für die Borussia. Über den klangvollen Namen vom FC Chelsea war in den Medien spekuliert worden. Wie zu erwarten sehen nun einige Social Media-Kommentatoren, mögen es BVB-Fans sein oder nicht, den ausbleibenden Transfer als Zeichen des fehlenden Ehrgeizes auf Seiten des Vereins. Dieser Deal scheint aber im Bereich des Möglichen gewesen zu sein: Angeblich hatten sich der Spieler und die Borussia bereits auf ein Leihgeschäft geeinigt, ehe Chelsea absagte. Mit möglichen Animositäten zwischen Thomas Tuchel und dem BVB sollte das nichts zu tun haben – schließlich hatten die Blues in der Vergangenheit auch schon den FC Bayern abblitzen lassen.

Drei Fragezeichen bleiben

Nur, wer sich der schwarz-gelben Vergangenheit nicht bewusst ist, kann ernsthaft fordern, dass der BVB in Erwartung sportlicher Erfolge wieder finanziell unvernünftige Dinge macht. Abgesehen davon können aufgeblähte Kader ohnehin kontraproduktiv sein. Stand heute haben die Schwarz-Gelben 32 Spieler im Kader, von denen die Verantwortlichen wohl mindestens drei gerne abgeben würden. Weder am Transfer Deadline Day noch zuvor hat es geklappt. Mit dem Verbleib von Nico Schulz bis mindestens Januar wird man sich wohl schnell arrangieren. Abgesehen von vertragslosen Spielern dürfen deutsche Vereine nun niemand mehr verpflichten – und natürlich braucht die Borussia links hinten eine Alternative zu Raphael Guerreiro. Dass Schulz dabei nicht dem gewünschten Qualitätsstandard entspricht, muss man nun ihn Kauf nehmen.

Am Freitagabend kam Marius Wolf auf rund 20 Minuten Einsatzzeit in schwarz-gelb, die er ordentlich über die Bühne brachte. Es war die letzte Gelegenheit gewesen, ihn ins Schaufenster zu stellen. Den zuletzt an Köln ausgeliehenen 26-jährigen offensiven Mittelfeldspieler hätte der BVB sicher auch gerne schon früher abgegeben. Wäre der Kader nicht so voll, wäre Wolf als Typ ja gar nicht so verkehrt. Und immerhin stellt er wie Neuzugang Pongracic auch eine Option für rechts hinten dar. Doch unter den aktuellen Umständen dürfte er weiter auf der Liste erhoffter Abgänge stehen.

Der prominenteste Name, was seine bisherige Rolle beim BVB angeht, ist Roman Bürki. Viele Fans, ich eingeschlossen, sahen ihn nicht als perfekten Torwart, verstanden aber auch nicht, warum ihm nach seiner Verletzung Marwin Hitz vorgezogen wurde. Es mag dafür interne Gründe gegeben haben, doch man weiß es eben nicht. Nun holte der BVB nach der Saison Gregor Kobel als neue Nummer 1 und es wurde deutlich, dass Bürki der Keeper war, der im Idealfall weichen sollte – Marwin Hitz hatte kurz zuvor noch seinen Vertrag verlängert.

Dortmunder Überzahl im Tor

In diesem Zusammenhang hören sich Michael Zorcs gestrige Worte bei Sky etwas scheinheilig an: „Mit der Kobel-Verpflichtung hatte Roman für sich entschieden, dass er eine neue Herausforderung sucht“, erklärte der Sportdirektor. Klar, das ist eine gängige Sprachregelung im Fußball-Geschäft, aber sicher nur ein Teil der Wahrheit. Immerhin soll Bürki mit angeblich fünf Millionen Euro Jahresgehalt beim BVB der teuerste der Torhüterriege gewesen sein. Das Angebot aus dem Heimatland vom FC Basel, dem laut Sport1 ein Leihgeschäft vorschwebte, lehnte der Schweizer ab. Was man Zorc zugestehen muss: Er akzeptiert das vorläufige Scheitern des Transfers.

“Roman hat hier keine goldenen Löffel geklaut. Er war jahrelang unsere Nummer eins und wenn sich kein Transfer darstellen lässt, dann bleibt er und ist Mitglied unseres Kaders.”

Sky via Sport1

Nun ist das Transferfenster noch nicht komplett geschlossen, jedenfalls nicht überall. Der Kicker listet die bestehenden Möglichkeiten auf: Noch rund eine Woche sind Wechsel nach Russland, Tschechien und in die Türkei möglich, noch drei bis dreieinhalb Wochen nach Mexiko und Argentinien. Ob diese Länder für einen der drei angesprochenen Spieler in Frage kommen? Finanziell dürfte die russische Liga am lukrativsten sein, vermutlich vor der Türkei. Ob dort derzeit jemand bereit ist, für diese Drei Gehälter in BVB-Regionen zu zahlen, ist allerdings fraglich. Vermutlich müssten die Spieler Abstriche machen. Im Übrigen waren weder Bürki, noch Wolf oder Schulz bisher im nicht deutschsprachigen Ausland aktiv. Das muss alles nichts heißen, wenn man einfach kicken will, doch einfach ist eine solche Entscheidung für die Spieler sicher nicht.

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