Traumtore und Gegentreffer: 4:2 ist das neue 2:0

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 4 1. FC Union Berlin 2

Aber eins, das bleibt in dieser Saison bestehen: Borussia Dortmund schießt mindestens drei Tore und kassiert zwei. Sieht man mal großzügig vom Freiburg-Spiel ab, das hoffentlich die die Regel bestätigende Ausnahme bleiben wird. Im Ernst: Der spektakuläre BVB gefällt mir ganz gut. Auch das super Haaland-Tor, das in der Schlussphase die Entscheidung bringt, darf gerne zur Regel werden. Schon klar, dass solch ein Spielverlauf dem Mannschaftskapitän nicht hundertprozentig behagen kann. Aber die Schwarz-Gelben werden daran arbeiten und solange gilt: Fußball ist ein Ergebnis-Geschäft.

Die frühe Schrecksekunde, als Unions Awoniyi ein Abseitstor erzielte, war schnell vergessen. Die Borussia ging druckvoll ins Spiel und wenn nach zehn Minuten Raphael Guerreiro von links mit einem Traumschuss ins lange Eck trifft, stehen die Chancen auf einen schönen Fußball-Abend nicht schlecht. Union brachte in der ersten Hälfte Gregor Kobels Tor nicht mehr ernsthaft in Gefahr, kam auch nur selten überhaupt in den Strafraum. Die Borussia zeigte immer wieder, aber nicht durchgehend, sehenswertes Kombinationsspiel. Die Gästeabwehr stand dementsprechend meist gut, aber zum 2:0 reichte es trotzdem. Denn auch das gehört zum Rose-BVB: Thomas Meuniers Flanken kommen plötzlich an und Erling Haaland trifft nun auch mit dem Kopf.

Licht und Schatten bei Meunier und Witsel

Über Haalands Beitrag auch zu diesem Spiel müssen wir nicht lange diskutieren. Bei Meunier muss man dagegen differenzieren: Nach vorne weiß er in dieser Saison durchaus zu überzeugen. Defensiv sah es gestern anders aus: Über seine Seite kamen zu viele Pässe und Flanken durch und die Ecke, die zum zweiten Gegentreffer führte, war von Thomas schlecht verteidigt. Licht und Schatten zeigte auch sein Landsmann Axel Witsel: einige gute Defensivaktionen, aber auch ein paar phlegmatische Momente. Überhaupt zog nach dem Eigentor zum 3:0, das Bellingham und Reus toll vorbereiteten, ein bisschen Phlegma, gemischt mit Schlampigkeit ins BVB-Spiel ein. Ein paar Ballverluste, weniger Druck auf den Gegner – und Union war wieder im Spiel. Man hatte nach dem berechtigten Elfmeter zum 3:1 nicht direkt Angst, dass gleich die nächste Bude fallen würde, aber es war eben auch kein souveränes Heimspiel mehr.

Dass es mal wieder ein Standard war, der die Partie nochmal knapp zwei Minuten spannend machen würde, überraschte nicht gerade und wird sicher in den fünf spielfreien Tagen Thema im Training sein. Doch er tat es erneut, dieser Erling: Nach einem starken langen Pass von Mats Hummels einfach alles klar machen. Und zwar ästhetisch sehr ansehnlich, mit einem perfekten Lupfer von links über den herauslaufenden Keeper Luthe. Wir hatten das Thema schon: Wo stünde der BVB ohne ihn? Als Experiment würde ich mir einen Sturm aus Donyell Malen und Youssoufa Moukoko schon mal gerne anschauen – aber es muss nicht unbedingt in der Realität sein.

BVB mehr als effektiv

Es war gegen eigentlich recht diszipliniert verteidigende Berliner und trotz des Endstandes kein Chancenfestival, das die Schwarz-Gelben zelebrierten. Der BVB verzeichnete ’nur‘ 13 Torschüsse (Union: neun). Vor allem aufgrund des Strafstoßes gewannen die Gäste sogar die xG (Expected Goals)-Wertung mit 1,02:1,90. Dass die Borussia aus einem erwartbaren Tor vier machen konnte, zeigt schlicht die Qualität der Aktionen, der verantwortlichen Spieler. Vor allem Guerreiros 1:0 und Haalands 4:2 waren ja Kunstschüsse, die nur einen xG-Wert von 0,04 bzw. 0,05 hatten, also eine Trefferwahrscheinlichkeit von vier bzw. fünf Prozent. Man braucht die Mannschaftsleistung der Borussia nicht zu schmälern – drei der vier Tore gingen schön ausgespielte Angriffe voraus. Aber am Ende setzte sich gestern die individuelle Qualität durch – nichts, wofür man sich schämen müsste.

Ganz ohne große prophetische Begabung sage ich voraus, dass wir am kommenden Samstagabend bei Marco Roses Rückkehr nach Mönchengladbach erneut ein packendes Spiel erleben werden. Einen Punkt hinter der Spitze, acht Punkte vor Leipzig – die schwarz-gelbe Welt ist zumindest sportlich in Ordnung.

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Akanji, Hummels (89. Pongracic), Guerreiro – Witsel – Dahoud (84. Hazard), Bellingham – Malen (73. Wolf), Haaland, Reus (89. Moukoko). Gelbe Karten: Hummels, Witsel. Tore: Guerreiro, Haaland (2), Friedrich (ET)

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