Dortmund und der Spielverderber

1.Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 2 Bayern München 3

Da sieht man mal wieder ein über weite Strecken wirklich atemberaubendes Topspiel und dann wird es durch einen umstrittenen Handelfmeter entschieden. Das ist unabhängig von der Bewertung der Schiedsrichter-Entscheidung einfach nur traurig. Natürlich ist diese Sichtweise schwarz-gelb gefärbt, aber sicher hätten sich auch viele neutrale Fußballfans einen anderen Ausgang dieser Partie gewünscht. Nun wird es kommen wie immer: Bayern wird mit 12 Punkten Vorsprung Meister. Das mag die Fans vieler Bundesligavereine gar nicht so sehr stören – für die, die von der Spitze träumen oder sich einfach nur ein spannenderes Rennen wünschen, ist es einfach frustrierend.

Klar, man könnte das Spiel jetzt noch im Detail analysieren. Da muss man allerdings Lust zu haben. Es war bis zum Elfmeter in der 78. Minute eine tolle Partie, aus welcher der BVB mit erhobenen Köpfen rausgehen kann. Lassen wir mal Mats Hummels außen vor, der eben einen rabenschwarzen Tag hatte, obwohl ihn nur beim ersten Bayern-Tor klar die Schuld traf. Traumtore von Julian Brandt, dem es nach seinem Zusammenprall den Umständen entsprechend gut zu gehen scheint, und Erling Haaland. Klar, mehr als ein Unentschieden hatte sich der BVB spielerisch nicht verdient – aber es wäre eben eines der besten Unentschieden seit Langem gewesen.

#Zwayerlei Maß

Und dann kam Zwayer. Seinen Aussagen nach hatte er ein Handspiel von Mats Hummels wahrgenommen und den VAR nach der Hand- bzw. Armhaltung gefragt. Zwayer schaute sich die Bilder am Ende selber an und entschied auf Handelfmeter. Es war in der Entstehung eine unklare Situation, weil Hummels ihm Strafraum bedrängt wurde und so einen unnatürlichen Schritt zum Ball hin machte. Die Entscheidung kann man mit der Lupe so treffen, wenn man nur Hummels‘ Ballberührung bewertet.

Selbstverständlich fragen sich die BVB-Fans und -Spieler aber, warum der deutliche Schubser von Hernandez gegen Reus früher in der Partie von Felix Zwayer nicht überprüft wurde. Der Schiedsrichter sagte nach dem Spiel, er habe die Szene gesehen und für nicht strafstoßwürdig erachtet. Der VAR sagte ihm nichts Gegenteiliges. Mit einer möglichen, aber fraglichen Abseitsstellung von Haaland zuvor argumentierte Zwayer jedenfalls nicht. Im Vergleich der beiden umstrittenen Szenen ist wohl zumindest unstrittig, bei welchem Foulspiel mehr Absicht vorlag. Man darf sich auch fragen, ob der Handelfmeter auf der anderen Seite gepfiffen worden wäre. Selbst wenn man beide Entscheidungen für vertretbar hält, ergibt sich über die ganze Partie gesehen wieder mal der Eindruck, dass im Zweifel pro Bayern gepfiffen wurde, etwa beim möglichen Lewandowski-Foul an Haaland.

Die Reaktionen und der Effekt

Die Emotionen kochten auf Dortmunder Seite hoch. Marco Rose musste auf die Tribüne. Und Jude Bellingham gab nach dem Spiel ein Interview, wegen dem er noch Schwierigkeiten bekommen könnte, für das ihn aber viele BVB-Fans noch mehr lieben werden. Sein Vorwurf, dass Zwayer schon mal ein Spiel verschoben habe, ist nur halb wahr: Die Initiative ging ja vom damaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer aus und Zwayer wird meines Wissens nicht beschuldigt, absichtlich falsche Entscheidungen getroffen zu haben. Man darf sich aber natürlich schon wie Jude fragen, ob ein Mann, der Hoyzer damals eine Zeit lang gedeckt hat, nochmal auf höchster Ebene pfeifen sollte.

Am Ende steht die nächste Niederlage gegen die Bayern. Deren Fans können behaupten, alles sei für sich genommen OK gewesen, so lange sie wollen. Natürlich darf auch Leon Goretzka dem Schiedsrichter von Beginn an bei jeder strittigen Szene ein Ohr abquatschen. Der „Bayern-Bonus“ ist ohnehin nichts, was man an einem Spiel festmachen könnte. Trotzdem hätte genau diese Partie ein anderes Ende verdient gehabt – am liebsten natürlich einen Heimsieg; aber ein ehrenwertes Unentschieden oder sogar der nächste Lewandowski-Treffer aus dem Spiel heraus wären ebenfalls besser gewesen als dieser Elfmeter. Den Reaktionen in den sozialen Medien nach zu urteilen bin ich nicht der Einzige, dem die Bundesliga so keinen Spaß mehr macht.

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro (82. Schulz) – Can, Dahoud (60. Malen) – Brandt (69. Wolf), Reus, Bellingham – Haaland (82. Tigges). Gelbe Karten: Can, Bellingham. Tore: Brandt, Haaland

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