Witsels Abschiedsgeschenk

1.Bundesliga, 25. Spieltag / FSV Mainz 05 0 BVB 1

Kaum jemand, der sich mit Borussia Dortmund beschäftigt, glaubt, dass Axel Witsel seinen Vertrag über den Sommer hinaus verlängern wird – oder dass er vom Verein verlängert werden würde. Zu selten war der belgische Mittelfeldspieler so wichtig wie gestern. Und auch die Partie in Mainz bestritt er bis zur 87. Minute nicht unbedingt glanzvoll: ein dummer Fehlpass und die gewohnten Geschwindigkeitsnachteile auf der einen Seite, ansonsten solide Arbeit auf der anderen. Doch gestern Abend ging es letztendlich nur darum, im richtigen Moment einmal zur Stelle zu sein – und genau das gelang Axel.

Es war erneut ein Spiel ohne viele Stammspieler – auch Mats Hummels war nicht rechtzeitig gesund geworden. Von der gestrigen Startelf war spielerisch nicht viel mehr zu erwarten – gegen heimstarke Mainzer, die eine vergleichsweise bemerkenswerte Saison spielen. Die Begegnung lebte vom Kampf und den daraus resultierenden Emotionen und nicht von der spielerischen Klasse. Man kann das ganz gut in Zahlen ausdrücken: Sieben gelbe Karten, davon vier für den BVB, sind heutzutage eher viel. Bei den Expected Goals lagen beide Teams ebenfalls dicht zusammen – auf niedrigem Niveau: 0,99 zu 1,06 für die Schwarz-Gelben. Jeweils etwa die Hälfte dieser Werte war auf Standardsituationen zurückzuführen.

Die Borussia kam in der ersten Hälfte nur auf einen xG-Wert von 0,13. Diese Harmlosigkeit im Spiel nach vorne war für den Zuschauer deutlich sichtbar. Nicht dass es die Mainzer viel besser machten – aber über längere Strecken fehlte den Schwarz-Gelben selbst die gewohnte optische Überlegenheit. Das änderte sich um die Einwechslung von Erling Haaland für Marius Wolf in der 57. Minute herum. Es war weniger die Leistung des Topstürmers selbst; eher das Zeichen, das sein Hereinkommen sendete. Ist er im Spiel, scheint gleich das Selbstvertrauen der ganzen Mannschaft zu steigen. Engagement konnte man den Borussen auch vorher nicht absprechen, aber nach vorne wurde es nun endlich zielstrebiger und die 05er ließen etwas nach.

Endlich wieder ein spätes Siegtor

Trotzdem: Vieles ging über eine optische Dominanz im Mittelfeld nicht hinaus. Klare Chancen gab es kaum, aber die Hoffnung lebte. Mit Giovanni Reyna kam in der 69. Minute nochmal ein belebendes Element ins Spiel. Entscheidend war gestern jedoch eine bestimmte Fähigkeit des US-Amerikaners: gute Standards zu schießen. Reus und Guerreiro fehlten, Hazard hatte sich zuvor nicht hervorgetan – also trat Reyna in der 87. Minute einen Freistoß von links, der Ball flog Richtung langem Pfosten und Axel Witsel war mit einem Sprung zur Stelle, um ihn über die Linie zu drücken.

Ein spätes Tor nach einem Spiel voll Kampf und Krampf – das tat gut, das hat mal wieder richtig Spaß gemacht! Was bleibt sonst von dieser Partie? Wohl eher wenig. Die Spannung im Kampf um die Meisterschaft wird sich spätestens am 31. Spieltag erledigen. Zuerst erwartet den BVB nun die kurze Fahrt nach Köln, wo es am Sonntagabend sicher auch nicht leicht wird und wir noch ein paar Minuten mehr Haaland und Reyna vertragen könnten.

Die andere BVB-Nachricht des gestrigen Tages: Roman Bürki verlässt den Verein im Sommer und wechselt zu St. Louis City in die USA, einem neuen Verein, der ab nächstes Jahr in der Major League Soccer antreten wird. Eine hoffentlich gute Lösung für alle Beteiligten, die sich für unsere ehemalige Nummer 1 auf jeden Fall nach einer spannenden Aufgabe anhört.

Die Aufstellung: Kobel – Passlack, Can, Pongracic, Schulz – Dahoud (69. Reyna), Witsel, Bellingham – Wolf (57. Haaland), Malen (69. Brandt), Hazard. Gelbe Karten: Wolf, Dahoud, Pongracic, Witsel. Tor: Witsel

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