Topspiel erfüllt die Erwartungen

1.Bundesliga, 31. Spieltag / FC Bayern München 3 BVB 1

Es kam, wie es kommen musste: Der FC Bayern sicherte sich die deutsche Meisterschaft. Junge Frauen in Trachtenkleidern standen bereit, um überdimensionierte Weißbiergläser zu reichen, von denen die einheimischen Akteure auf dem Rasen den üblichen Gebrauch machten. In der Simulation eines echten Saisonfinales war es ausgerechnet der Tabellenzweite und ewig unterlegene Widersacher Borussia Dortmund, der den Gastgebern als erstes gratulieren musste.

Dabei hatte sich der BVB zuvor vergleichsweise anständig aus der Affäre gezogen – gegenüber früheren Auswärtsspielen in München und den letzten „Topspielen“ zu Hause gegen Leverkusen und Leipzig. Die Partie begann, wie dieses Aufeinandertreffen so häufig beginnt: mit engagierten Schwarz-Gelben, deren erste Fehler von den Bayern sofort eiskalt bestraft wurden. Das 1:0 nach einer Viertelstunde war sicherlich ein sehenswerter Schuss von Serge Gnabry, der aber nach einer Ecke an der Strafraumgrenze auch sträflich allein gelassen wurde. Vor dem 2:0 durch Lewandowski in der 34. Minute hatte Dan-Axel Zagadou den Ball verloren, als er ihn schlampig-überhastet von hinten heraus spielte. Die Bayern dominierten nach der Führung wie so oft das Spiel.

Achtbare Hälfte wird nicht belohnt

Besser als erwartet lief die zweite Hälfte. Ob das Marco Roses Halbzeitansprache zu verdanken war, wissen wir nicht. Die Borussia bekam schnell, in der 52. Minute, einen berechtigten Elfmeter nach Foul von Kimmich an Reus. Der erste Elferschütze beim BVB ist derzeit Emre Can – und der machte es auch dieses Mal gut. Es entwickelte sich eine offene Partie mit Torchancen auf beiden Seiten. Trotz des späten 3:1 durch Musiala könnte man als Schwarz-Gelber seinen Frieden mit diesem Topspiel machen, denn immerhin war in der zweiten Halbzeit eine deutliche Leistungssteigerung zu erkennen, auch gegenüber den schon erwähnten Pleiten in der bisherigen Rückserie. Und die massive Verletzten-Misere dieser Spielzeit beeinträchtigte die Borussia auch in dieser Partie.

Doch ein immer wiederkehrendes Feature des Duells Bayern gegen den BVB sind zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen – in der Regel zugunsten des Rekordmeisters. Bei dieser Ausgabe kann es keine ernsthaften Zweifel geben, wer eher benachteiligt wurde. Es gab den nicht gegebenen Elfmeter beim Stand von 2:1, als Pavard im Strafraum eben zuerst Bellingham und dann den Ball traf – eine Szene, die sich Schiedsrichter Siebert während des Spiels offenbar nicht noch einmal anschauen wollte. Oder er wurde falsch informiert. Solche trotz VAR falschen Entscheidungen kommen allerdings nicht nur in Bayern-Spielen vor. Noch typischer fand ich daher das Foul mit gestrecktem Bein von Goretzka an Brandt, als das Unparteiischen-Team nicht mal eine Gelbe Karte für nötig hielt. Diese wäre hier das Mindeste gewesen. Und man darf sich sicher fragen, was Emre Can für die gleiche Aktion bekommen hätte.

Der Schiedsrichter und das größere Problem

Am Ende des Nachmittags kann niemand sagen, ob der BVB ein 2:2 in München gehalten hätte. Es wäre ohnehin nicht mehr als ein symbolischer Erfolg gewesen, denn wer glaubt ernsthaft, dass die Schwarz-Gelben den nötigen Sieg geholt hätten, um das Meisterschaftsrennen noch eine Woche offen zu halten? Trotzdem nervt das Prinzip, dass im Zweifel eher für rot als für schwarz-gelb entschieden wird. Es muss eben schon viel passieren, damit in der Münchener Arena mal zwei Strafstöße gegen die Hausherren gepfiffen werden. Da steckt keine Absicht dahinter, aber den Großteil der BVB-Fans inklusive mir dürfte diese statistische Häufung längst nerven. Es macht den Berg, vor dem die Borussia bei diesem Gegner steht, eben noch höher.

Zwei Absätze über die Schiedsrichterentscheidungen sind trotzdem fast zu viel angesichts des eigentlichen Problems, vor dem die Bundesliga nach dem zehnten Meistertitel der Bayern in Folge steht. Denn so groß ist der Anteil der Schiedsrichter daran doch nicht. Es ist ein Dilemma: Die Bayern arbeiten daran, ihren Vorsprung zu halten oder zu vergrößern. Das versteht sich von selbst – gerade, wenn man zwei Jahre lang in der Champions League nicht geglänzt hat. Der BVB bekommt es nicht hin, den Vorsprung zu verkürzen. Dafür gibt es Gründe innerhalb und außerhalb der Verantwortung des Vereins. Sonst traut man derzeit nur den Leipzigern zu, die Lücke für zumindest eine Saison zu schließen – und das kann kein echter Fußballfan wollen.

Überraschungen sind nicht auszuschließen. Vielleicht gelingt den Schwarz-Gelben oder jemand anderem doch mal die perfekte Spielzeit. Ich für meinen Teil hoffe jedoch erstmal nur, dass endlich das Gerede aufhört, der BVB müsse die Meisterschaft als Ziel ausgeben, damit die Mannschaft mental bereit für sie ist. Was ist von dieser Saison noch zu erwarten? Ein stimmungsvolles Nachbarschaftsduell gegen den VfL Bochum und zwei Spiele gegen die Kellerkinder Fürth und Hertha BSC, bei denen man sich hoffentlich würdiger aus der Saison verabschiedet als letztes Jahr.

Die Aufstellung: Hitz – Wolf (87. Moukoko), Akanji, Zagadou, Guerreiro – Can, Bellingham – Brandt, Reus, Reinier (67. Bynoe-Gittens) – Haaland (87. Passlack). Gelbe Karten: Can, Rose. Tor: Can (EM)

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