Einer geht, keiner kommt: Dortmunds Transfer Deadline Day

Es hat doch noch geklappt: Eine Transfer-Geschichte, die sich in diesem Sommer fast so sehr zog wie das Warten auf Regen, hat ein Ende gefunden. Wie sich schon gestern andeutete, wechselt Manuel Akanji für rund 18 Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni zu Manchester City. Der Wechselwunsch des Schweizers war seit dem Frühjahr bekannt und besprochen; Edin Terzic berücksichtigte den Innenverteidiger daher in dieser Saison nicht mehr für den Kader. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass der BVB ein Jahr vor Vertragsende (zumindest zunächst) nicht die einst bezahlte Transfersumme erlösen konnte – nicht mal bei einem Wechsel zum Scheich-Club.

Einen Ersatz für Akanji musste die Borussia nicht suchen – schließlich hat man für die Innenverteidigung schon einiges getan. Mit den aktuellen Nationalspielern Schlotterbeck und Süle, dem Ehemaligen Hummels, sowie Emre Can, Soumaila Coulibaly und Antonios Papadopoulos in der Hinterhand sind die Schwarz-Gelben gut aufgestellt. Bleibt die Frage, ob man mit den Einnahmen aus dem Akanji-Transfer heute noch etwas anderes hätte machen können und sollen.

Vernünftiges Nichtstun?

Finanziell ist die Tatenlosigkeit von Kehl, Watzke & Co sicher vernünftig. Für Anthony Modeste musste man bereits ungeplant in die Tasche greifen. Beim Gegenrechnen bleibt zwar noch etwas übrig, aber der BVB kann das Geld sicher an vielen Stellen gut gebrauchen. Zweifellos ist der Kader auch groß genug. Die Crux ist natürlich, dass es wieder mal nicht gelungen ist, mehrere Spieler loszuwerden, mit denen man nicht mehr plant. Zugegeben, das war im Fall Nico Schulz in diesem Sommer auch besonders schwierig.

Sportlich bleibt es nun aber bei den seit Jahren bestehenden Defiziten in der Außenverteidigung. Links hat man mit Guerreiro an einem guten Tag eine gute Lösung. Dahinter muss sich Tom Rothe noch beweisen, müsste das aber auch mal dürfen. Schulz spielt selbstverständlich keine Rolle mehr. Rechts bieten sich derzeit Thomas Meunier und Marius Wolf an. Mit Ersterem sind wir bisher nicht richtig glücklich geworden, auch wenn der belgische Nationalspieler zweifellos seine Qualitäten hat, etwa beim Flanken. Wolf hatte in dieser Saison offensiv einige richtig starke Aktionen, aber er ist kein Spezialist für diese Position und das zeigt sich gegen stärkere Gegner auch. Mateu Morey musste sich gerade einer erneuten Operation am (anderen) Knie unterziehen und fällt wieder monatelang aus. Und Felix Passlack ist höchstens gegen Teams aus unteren Tabellenregionen eine Alternative.

Konzept für die Außenverteidigung gesucht

Für die Außenverteidiger-Positionen muss sich Sebastian Kehl mit den anderen Verantwortlichen etwas einfallen lassen. Zumindest mittelfristig. Denn quantitativ ist der BVB dort ja gut besetzt, qualitativ jedoch eher nicht. Man hat Spieler aus verschiedenen Phasen der jüngeren Vereinsgeschichte gehortet. Das ist selbstverständlich nicht despektierlich gegenüber dem Einzelnen gemeint. Die Zusammenstellung auf diesen Positionen ist einfach nicht überzeugend. Es muss der Borussia hier irgendwann in der näheren Zukunft gelingen, den „Transferstau“ (Ruhr Nachrichten, €) aufzulösen.

In der jetzigen Kader-Konstellation dürfte der Abstand auf die Bayern zum Saisonende wieder zweistellig sein – und Platz 2 alles andere als sicher. Das ist keine Tragödie; Spannung belebt ja das Geschäft, selbst wenn es nur um die Champions League geht. Es wird auch so Spiele geben, die Spaß machen. Dass es dauerhaft nicht gut für die Bundesliga ist, wenn der Meisterkampf immer früh entschieden wird – darüber sind sich inzwischen aber auch alle einig. Ein ehrbarer anderer Bayern-Konkurrent wäre mir ja auch recht – noch ist der aber nicht in Sicht.

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