BVB stolpert ins Achtelfinale

DFB-Pokal, 2. Runde / Hannover 96 0 BVB 2

Ein 0:2-Auswärtssieg beim Tabellenfünften der zweiten Liga ist zunächst mal ein vollkommen akzeptables Ergebnis. Die andere Borussia wäre sicher auch mit einem Sieg im Elfmeterschießen beim aktuellen Spitzenreiter jener Liga zufrieden. Doch war es natürlich die Art des BVB-Auftritts im Niedersachsenstadion, die gerade im Kontext der bisherigen Saison Fragezeichen hinterlässt. Denn in jenem Licht kann man den mühsamen Sieg eben nicht als „bad day at the office“ abtun. Trotzdem gab es auch etwas – jemanden – zu feiern…

Nach seinem angeblichen Fehler an der Alten Försterei präsentierte sich Torwart Gregor Kobel, als sei er die letzten Wochen nicht weg gewesen. Sieben gehaltene Schüsse auf sein Tor, davon mindestens drei wirklich starke Paraden, gute Strafraumpräsenz – da fallen auch zwei, drei ins Aus geschlagene Bälle nicht ins Gewicht. Ohne Kobel, das legte nach der Partie auch Emre Can nahe, hätte die Borussia in Hannover noch mehr, vielleicht sogar unlösbare, Probleme gehabt.

Besser als in Berlin, aber nicht in jeder Hinsicht

Dabei lief es zunächst gegensätzlich zum und deutlich besser als beim Union-Spiel: Schon nach zehn Minuten gingen die Schwarz-Gelben in Führung. Moukokos Schuss von rechts war eher eine Hereingabe, doch Hannovers Arrey-Mbi fälschte den Ball ins lange Eck ab. Trotzdem gebührt Youssoufa unbedingt Respekt dafür, wie er sich in der Szene flink durchsetzte – und Julian Brandt dafür, wie er den Ball über den Kopf zu Hazard weiterleitete. Überhaupt Brandt: Auch wenn bei ihm immer noch zu viel falsch läuft – er ist andererseits der Borusse für die besonderen Momente. Die münden nicht immer in einem Tor, aber man hat Spaß beim Zuschauen.

Mit der Führung im Rücken schafften es die Schwarz-Gelben eine ganze Weile, die Partie ruhig und dominant zu führen. Bis 96 nach einer knappen halben Stunde wieder häufiger mit guten Kombinationen vors Tor kam und Kobel zweimal in zwei Minuten mit dem gestreckten Bein retten musste. Auch im Pokal bleibt der BVB zumindest phasenweise anfällig bei schnellen Gegenstößen und bei Standards. Noch vor dem 0:1 musste Kobel nach einer Ecke und einem Kopfball eingreifen – Schlotterbeck hatte seinen Gegenspieler laufen lassen. Rund um Hannovers Doppelchance nach einer guten halben Stunde konnte man wieder beobachten, dass die Borussia den Gastgebern zu viel Raum ließ und nicht nah genug am Mann war. Es mögen nur Phasen der Passivität sein – doch in denen kannst du ein Spiel aus der Hand geben.

Es gab noch mehr Beobachtungen zu machen, die einem nicht neu vorkamen: Donyell Malen kann sich in Strafraumnähe durchaus durchsetzen und kommt auch zum Abschluss. Doch das Glück und/oder die nötige Präzision fehlen ihm dabei. Immerhin übersah er gestern keine offensichtlich besser stehenden Mitspieler. Nach der Halbzeitpause hatte der BVB erneut einige brenzlige Szenen zu überstehen, in denen man den 96ern im Strafraum zu viel Platz ließ.

Adeyemis gebrauchte Tage

In der 69. Minute musste Kobel noch mal richtig stark gegen Nielsen parieren, ehe der eingewechselte Bellingham auf der anderen Seite zu Recht einen Elfmeter zugesprochen bekam und ihn selbst verwandelte. Mit den Einwechslungen von Hummels, Reyna und Bellingham hatte Edin Terzic richtig gelegen und nicht überraschend präsentierte sich der BVB in den verbleibenden 20 Minuten plus Nachspielzeit nach dem 0:2 etwas souveräner.

Doch Hannover gab sich nicht geschlagen und es war noch Zeit für ein wenig spätes Drama: In der 85. Minute sah der 17 Minuten zuvor eingewechselte Karim Adeyemi Rot wegen einer Notbremse. Kurz vor der Strafraumgrenze hatte er Köhn kräftig geschubst. Es war eine harte Entscheidung, vielleicht war ein bisschen Konzession dabei. Im Kontext der Partie, den wir nicht erst seit dem Bayern-Spiel ja auch aus Schiedsrichter-Sicht betrachten sollten, war es aber wohl die richtige Karte von Sven Jablonski. Für Adeyemi passte sein unglücklich kurzer Auftritt natürlich zu den bescheiden gelaufenen letzten Partien. Der BVB trat dagegen in Unterzahl eher noch souveräner auf als in den Minuten zuvor. Niemand erwartete jetzt mehr viel von Schwarz-Gelb – trotzdem sprang sogar noch eine dicke Chance für den eingewechselten Passlack, eingeleitet von Reyna, heraus.

Was soll man zu diesem letztendlich erfolgreichen Pokalabend noch sagen? Die Borussia ist am Sonntag im Lostopf dabei. Ob es aber am Tag zuvor gegen den gestern mit 6:0 überzeugenden VfB für einen Heimsieg reicht, ist noch nicht absehbar.

Die Aufstellung: Kobel – Meunier (62. Hummels), Süle, Schlotterbeck, Guerreiro – Can, Özcan – Hazard (68. Reyna), Brandt (62. Bellingham), Malen (67. Adeyemi) – Moukoko (90. Passlack). Gelbe Karten: Hazard, Can. Rote Karte: Adeyemi. Tore: Arrey-Mbi (ET), Bellingham (EM)

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