Wie ich beinahe Lothar Matthäus lieben lernte

1. Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 3 Bayern München 2

An so einem Abend geschehen Zeichen und Wunder: Sky-Experte Lothar Matthäus führte nach dem Topspiel ein engagiertes Interview mit Marco Reus, stellte interessante Fragen mit zuvor gut beobachteten Inhalten und wirkte generell begeistert von der Dortmunder Leistung und der Partie insgesamt. Das war erfreulich weit entfernt vom üblichen Standard-nach-dem-Spiel-Gefrage der TV-Journalisten. Für einen kurzen Moment wünschte ich mir – wohl vergeblich – dass Lothar meinen bald Trainer-losen Zweitverein SV Babelsberg 03 übernimmt.

Über die ganze Breite der Südtribüne war gestern ein Banner gespannt, das sich unmissverständlich gegen die Teilnahme von Borussia Dortmund an einer Elite-Liga aussprach. Es passte perfekt zur Gelegenheit: Ein solches Topspiel ist so nur in der Bundesliga denkbar; in einer European Super League wäre dieselbe Begegnung entwertet. Auch wenn das einige RB Leipzig-Fans vielleicht nicht verstehen.

BVB gegen Bayern bot gestern Abend alles, was sich die weltweit zuschauenden Menschen und übertragenden TV-Sender erhofft hatten. Es war mal wieder eine Partie auf Augenhöhe – zum Nägelkauen, auf dem Sitz hin- und herrutschen, Aufregen. Und am Ende jubelten die Schwarz-Gelben, nachdem Robert Lewandowski uns kurz die Hände vors Gesicht schlagen ließ, ehe sein Treffer in der 90+5. Minute zurecht als Abseits gewertet wurde. Weiterlesen „Wie ich beinahe Lothar Matthäus lieben lernte“

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Vom Zypern-Freund zum Supercupsiegerbesieger

Champions League, 3. Spieltag / BVB 4 Atletico Madrid 0

Es ist erstaunlich bis atemberaubend wie sich die Europapokal-Geschicke von Borussia Dortmund gewandelt haben. Nach Nikosia und dem Ausscheiden gegen Salzburg nun der dritte Sieg in der Champions League, mit 4:0 gegen Atletico. Der Mannschaft, die angeblich so wenig zulässt.

Lucien Favre probierte es mit einem recht klassischen 4-2-3-1, wobei Marco Reus ganz vorne seine Rolle doch etwas anders spielte als Paco Alcacer. Zeitweise fehlte die Präsenz eines echten Neuners den Schwarz-Gelben: Wenn es keinen Abnehmer für die Flanken der flotten Außen gab. Dass unter den Torschützen des BVB letztendlich nur ein echter Offensivmann war, ist aber schon ein Hinweis, wie die Mannschaft des Fehlen von Paco ausgleichen konnte: mit einer fantastischen Mannschaftsleistung.

Wie so oft – außer in der letzten Saison – wirkte das Auftreten der Borussen in der Champions League noch etwas spritziger und engagierter als in der Bundesliga. Favre hatte es offensichtlich geschafft, die immense Qualität von Atletico allen klarzumachen. Wenn man jemand herauspicken will aus der Mannschaft, muss man mindestens diese Namen nennen: Witsel, Hakimi, die Innenverteidiger Diallo und Zagadou und Marco Reus. Auch dessen Kumpel Mario Götze hielt gut mit.

Die vier Tore fielen, weil das Team in entscheidenden Momenten heiß, schnell und kombinationssicher war. Sie fielen weniger durch herausragende Einzelleistungen. Es gab auch die Phase, in der die Partie wackelte und Madrid den Ausgleich hätte schießen können. Die Borussia kam gar nicht mehr ordentlich hinten raus. Mehr als ein Elftel Schuld daran hatte der für den verletzten Delaney eingewechselte Mahmoud Dahoud. Dessen Passspiel war zunächst absolut gruselig, nicht zum ersten Mal. Doch später bereitete er immerhin das 3:0 durch Sancho mit vor.

Aber ansonsten: Was waren das wieder für Einwechslungen von Favre? Okay, von Jadon Sancho erwartet die Fußballwelt das inzwischen fast schon. Aber zwei Tore vom schon ins zweite Glied gerückten Guerreiro? Klar: Das 0:2 in einer für sie bis dahin positiven zweiten Hälfte beeindruckte Atletico und euphorisierte Schwarz-Gelb sowie das Westfalenstadion. Aber wie das dann zu Ende gespielt wurde, war trotzdem extrem beeindruckend. Es spielte auch keine Rolle, dass Roman Bürki nur einen ordentlichen und keinen bockstarken Tag wie zuletzt immer erwischt hatte. Nicht jeder Pass und Abschlag von ihm saß.

Ein sehr großes Spiel also. Natürlich aber noch kein Fingerzeig, dass es der BVB auch in der Champions League weit bringen kann. Nun kommt mit Hertha BSC erst mal eine der derzeit unangenehmsten Mannschaften der Bundesliga nach Dortmund.

Borussia kompakt: Die neue Reife

Champions League, 2. Spieltag / BVB 3 AS Monaco 0

Nach dem Gewinn der High-Speed-Oper in Leverkusen zeigt Borussia Dortmund ein zweites Mal, dass das 7:0 gegen Nürnberg keinesfalls so bizarr war wie es sich nach der langen Wartezeit auf sieben eigene Tore zunächst anfühlte. Natürlich war es wieder nicht durchweg gut, was die Schwarz-Gelben spielten. Die erste Hälfte gehörte nach etwa einer Viertelstunde überwiegend den Monegassen. Doch der BVB 2018/19, der Favre-BVB, kann reagieren und findet Lösungen.

Auch heute hing das auch mit dem Gegner zusammen. Monaco hatte in den ersten 45 Minuten viel investiert und war wie in der Liga auch an der Chancenverwertung gescheitert. Normalerweise hätten sie über 90 Minuten ein, zwei Dinger machen müssen. Aber neben Roman Bürki überzeugten bei der Borussia auch die Innenverteidiger, Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou. Die spielen zwar nicht komplett fehlerfrei, aber weit souveräner, als man es aufgrund des Alters bzw. der bisherigen Einsatzzeiten vermuten würde.

Wieder schlug ein Wechsel von Lucien Favre voll ein. Unglaublich, wie Jacob Bruun Larsen sich selbst in der Champions League zurechtfindet. Ein Tor, eine herrliche Vorarbeit – wie schön, dass so eine Nachwuchs-Geschichte mal wieder funktioniert, auch wenn Larsen mit sechs Jahren noch kein Schwarz-Gelber war. Jadon Sancho, der gerade bis 2022 verlängert hat, legte Larsen das erste Tor vor. Die Zukunft kann kommen.

Stark auch, wie sich Paco Alcacer von seinem Elfmeter an die Latte erholte und umso entschlossener kurz danach das 2:0 machte. Weniger stark auch über 90 Minuten dagegen Axel Witsel, der mir in den letzten Partien öfter zu zögerlich wirkte und manchmal ins Fußgänger-Tempo verfiel. Für was die Borussia in dieser Saison reif ist? Sollen sich andere überlegen. Das CL-Achtelfinale erscheint jedenfalls möglich.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Zagadou, Diallo – Witsel, Delaney (65. Weigl) – Sancho (84. Philipp), Reus, Wolf (46. Larsen) – Paco Alcacer. Tore: Larsen, Alcacer, Reus

Spaß mit Favre

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 7 1. FC Nürnberg 0

Wann hat Borussia Dortmund eigentlich zum letzten Mal in der Bundesliga siebenmal getroffen? Sechs Tore haben sich mir in den vielen Jahren, die ich die Schwarz-Gelben verfolge, als eine Art Schwelle eingeprägt, die wir nie überschritten haben. Oder, liebe Statistiker?

Wie konnte es also dazu kommen, dass die Borussia gegen den sehr achtbar in die Saison gestarteten Aufsteiger zu dieser seltenen Ausbeute kam? Nun, wenn man mit einer derart konservativ-defensiven, nur auf Konter lauernden Taktik im Westfalenstadion antritt, darf man sich so gut wie keinen Fehler erlauben. Zunächst klappte das bei den Gästen ja trotz Rückstand noch leidlich, man war das eine oder andere Mal auch in der Dortmunder Hälfte. Aber sie forderten den BVB im Mittelfeld zu selten, sie hatten keine gefährlichen Außen wie Hoffenheim, die Präzision war zu niedrig und die Fehlerquote zu hoch.

Gut für uns! So konnte die Borussia eine beeindruckende Leistungsschau abliefern. Und wem das zu sehr nach Business klingt: Das war super, das war elegant. Und mit Sicherheit auch Lucien Favre zu verdanken, der sich vor dem Spiel von Sky mal wieder die ewig gleichen Fragen nach Mario Götze anhören musste. Der war nicht im Kader, weil er im Moment schwächer spielt als die, die im Kader stehen. Punkt. Dass da so viele im Kader stehen, haben in erster Linie andere als der Trainer zu verantworten. Weiterlesen „Spaß mit Favre“

Heißes Spiel und heiße Köpfe

1. Bundesliga, 4. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 1

Hat diese Begegnung ihrem Ruf doch mal wieder alle Ehre gemacht. Guter Fußball – wenn auch nicht immer von Schwarz-Gelb, heiß umkämpft bis zum Schluss, Umstrittenes auf und neben dem Platz. Am Ende darf sich Borussia Dortmund über einen in Unterzahl errungenen Punkt natürlich etwas mehr freuen.

Bemerkenswerte Personalentscheidungen traf diesmal Lucien Favre: Der bis zu dieser Woche kaum zum Zug gekommene Shinji Kagwa stand in der Startelf, Marius Wolf spielte eine Art Mittelstürmer. Darüber dass Mario Götze nicht im Kader stand mussten sich nur einige Medien wundern. Die Schwarz-Gelben legten gut los, waren direkt im Spiel und bauten Druck auf. Allerdings nur bis zum Strafraum, dahinter ging nicht mehr viel.

Einige vorhergesagte Dinge trafen ein: die fehlende Durchschlagskraft ohne gelernten Stürmer, defensiv die Probleme auf den Flügeln. Marcel Schmelzer hatte vom Engagement her einen ganz starken Auftritt, aber er wurde auch etliche Male überspielt. Ein, zwei brauchbare Flanken und der Steilpass vor dem Ausgleich waren seine Offensivbilanz. Sagen wir es so: Es gab schon schwächere Partien von ihm. Ob uns das auf Dauer reicht, muss Lucien Favre entscheiden, am besten ganz allein.

Fehlentscheidung ins Glück

Als etwa zur Hälfte der ersten Halbzeit die Hoffenheimer ihrerseits Druck aufbauen konnten, wurde es dann ganz spärlich mit den Dortmunder Bemühungen nach vorne. Der Rückstand war schon folgerichtig, aber auch zu verhindern. Es war ja nicht nur Diallo, der per Kopf suboptimal klärte. Schon eine Aktion vorher konnten sich Witsel und Schmelzer in der Nähe des Sechzehnmeterraums nicht entscheiden, zum Ball zu gehen und den aus der Gefahrenzone zu befördern. Überhaupt war es mindestens bis zum Platzverweis gegen Diallo das schwächste Spiel von Axel Witsel in schwarz-gelb. Weiterlesen „Heißes Spiel und heiße Köpfe“

Borussia kompakt: 3:1 gegen den Pokalsieger

Borussia Dortmund gibt sich zu Hause keine Blöße und hat auch das zweite Heimspiel der Saison gewonnen. Es war zugleich das letzte Freitagabendspiel für die nähere Zukunft. Ich werde mich also zum vorerst letzten Mal kurz halten, weil ich das Spiel nur in der Zusammenfassung gesehen habe.

3:1 gegen den Pokalsieger. Da kann man nicht meckern. Aber natürlich wird der Erfolg durch den Aderlass und den mäßigen Saisonstart relativiert, den Eintracht Frankfurt zu verkraften hatte. Außerdem durch die spielerische Armut, die laut Sky oder Kicker lange vorherrschte. Sehen wir es positiv, so zeigte sich mal wieder die Effektivität von Favre-Teams.

Die Aufstellungen von Lucien Favre finde ich bisher mutig, konsequent und nachvollziehbar – mit einem kleinen Fragezeichen hinter Mo Dahoud. Der Startelfeinsatz von Jacob Bruun Larsen war ein wichtiges Zeichen an den Riesenkader, dass man es mit starken Leistungen auch unter die ersten 18 und weiter schaffen kann. Larsen zerlegte nun nicht gerade die Eintracht, schlug aber immerhin die Ecke, die Abdou Diallo zum 1:0 verwerten konnte. Favre gab auch Marius Wolf erneut eine Chance und der traf gegen seinen vorherigen Klub zum 2:1.

Die Hereinnahmen von Jadon Sancho und Paco Alcacer waren zu erwarten, aber nichtsdestotrotz goldrichtig. Das erste Tor im ersten Pflichtspiel für den Neuzugang aus Barcelona sollte ihm gleich den nötigen Schub für die nächsten Aufgaben geben. Gut möglich, dass Paco schon in Brügge in der Startelf steht.

Auch wenn Lucien Favre natürlich in den nächsten Wochen und Monaten rotieren lassen wird: Im Spieltagskader war kein Platz für Shinji Kagawa oder Julian Weigl. Sowie eine Reihe anderer Spieler. Während jene Schwarz-Gelbe, die immer oder häufig spielen, im Erfolgsfall wirklich zu einer neuen Einheit zusammenwachsen könnten, werden die, die selten oder nie im Kader stehen, nicht zufrieden sein. Dass sie alle trotzdem immer alles geben und gute Schwingungen aussenden, ist illusorisch. Das schwebt bei aller Freude über den gelungenen Saisonstart auch über Dortmund.

Zweiter Abschied von Sahin, erstes 0:0 in Hannover

Kurz vor Schließung des Transferfensters hat Borussia Dortmund noch einen Spieler abgegeben. Nur einen, was die Kadergröße auf immer noch stolze 29 Mann verringert. Weitere Abgänge sind ohne Vertragsauflösung nur noch ein paar Tage in Länder wie Tschechien, die Slowakei, Bulgarien oder ganz exotische Ziele wie Kongo und Curacao möglich. Halten wir also fest, dass es die BVB-Verantwortlichen erneut nicht geschafft haben, eine vernünftige Kadergröße zu erreichen.

Gegangen ist Nuri Sahin. Ausgerechnet Nuri Sahin, der Mann aus der eigenen Jugend und Held vieler Geschichten. Er wechselte zu Werder Bremen, für eine eher nominelle Ablöse von angeblich rund einer Million Euro, und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Von vielen traditionsbewussten BVB-Fans wird er vermisst werden. Es gab emotionale Abschiedsworte von beiden Seiten, von Nuri wie von Susi Zorc und Aki Watzke. Die Sätze sind passend und glaubwürdig.

Trotzdem sehe ich es etwas weniger sentimental. Nuri Sahin hat sich schon einmal von Schwarz-Gelb verabschiedet, um sein Glück bei Real Madrid zu versuchen. Hätte das funktioniert, wäre er heute wohl noch nicht zurück. Vielleicht wäre er mit 32 zum Karriereausklang mal zurückgekehrt. Es kommt hinzu, dass Nuri nie für längere Phasen an seine alte Stärke vor dem Wechsel anknüpfen konnte. Für mich ist der erneute Weggang also sportlich und emotional verkraftbar. Jemand wie Marco Reus verkörpert heute für mich glaubwürdiger einen ‚echten schwarz-gelben Jungen‘. Und natürlich hoffe ich, dass aus unserer Jugendakademie mal wieder jemand zu den Profis durchkommt.

Dann war da noch ein Freitagabendspiel, dessen bemerkenswertester Fakt der war, dass es erstmals in Hannover ein torloses Unentschieden für den BVB gab. Auch, aber nicht nur wegen der Übertragungssituation schaue ich mir die Freitagsspiele nur noch selten an. Die Sky-Zusammenfassung und die Presseberichte ergeben das Bild, das die schwarz-gelbe Defensive viel richtig machte und/oder kaum gefährdet war. In der Offensive standen zwei Alu-Treffer zu Buche und sonst wenig Brauchbares. Mehr Fürth als Leipzig also. Es scheint so, als ob noch viel Arbeit und Paco Alcacer nötig sind, um die Borussia richtig in Fahrt zu bringen.

Ist das schon der Favre-Faktor?

1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 4 RB Leipzig 1

Ohne jetzt schnelle Schlussfolgerungen ziehen zu wollen, aber: Komisch ist das schon. Noch im Pokalspiel sahen wir den Mo Dahoud der letzten Saison, mit vielen falschen Entscheidungen und fehlendem Glück. Heute bereitet er sein eigenes Tor vor. Ja, er hätte in der zweiten Hälfte noch mal treffen müssen. Aber das wäre dann wohl zu auffällig gewesen.

Aber nicht nur Dahoud trifft – selbst die Standards gehen plötzlich rein. Es darf auch gerne im Nachschuss sein, nicht nur wenn es so herrlich ist wie Axel Witsels 3:1. Was hat Lucien Favre also gemacht? Der Trainer, dessen Teams laut Christoph Biermanns aktuellem Buch Matchplan viel effektiver sind als es die Spielstatistiken erwarten lassen?

Selbstverständlich kann das Zufall sein – gut möglich nach einem Ligaspiel. Aber es war ja tatsächlich so, dass Leipzig phasenweise, gerade zu Beginn, besser war. Schneller und gefälliger nach vorne spielte. Und am Ende mit 1:4 nach Hause fuhr. Dabei hatte der schnelle Führungstreffer der Gäste noch unangenehm an die letzte Saison unter Jürgen Klopp erinnert, die bekanntlich mit dem frühesten Tor der Bundesligageschichte begann, für Bayer Leverkusen im Westfalenstadion. Der Rest ist leider Geschichte.

Doch der BVB kam zurück in diese Partie. Entscheidend waren dabei – ja, wirklich – die Tore. Das 1:1, das gegen den Lauf des Spiels fiel. Der Doppelschlag vor der Pause, der den Mateschitzern so halb den Zahn zog – das kann schon schmerzhaft sein. Selbst wenn Roman Bürki auch in der zweiten Halbzeit noch überragend halten musste: Die Dominanz der Gäste war weg.

Das Haar in der Suppe: immer noch die Defensive. Lassen wir das 0:1 mal weg, auch wenn das nicht passieren sollte. Da schliefen eben alle Schwarz-Gelben noch. Doch die Leipziger hatten zu lange zu viel Platz auf dem Flügel. Die Außenverteidiger bekamen zu wenig kompetente Unterstützung. Ob Favres System nun ein 4-3-3, 4-1-4-1 oder 4-2-3-1 war: außen gab es zu große Lücken. Da ist noch Arbeit nötig.

Geil dagegen, Spieler zu haben wie Axel Witsel. Der macht wichtige Tore und Traumtore. Das passt, auch wenn das Mittelfeld voll ist. Oder Jadon Sancho, der reinkommt und schon wieder einen auflegt für Marco Reus. Und wenn unser Kapitän und Mo Dahoud mit Lucien Favre tatsächlich besonders gut klarkommen: Super, wenn es dann so funktioniert.

Ob Favres Magie oder nicht: 4:1 gegen Leipzig ist geil. Um das noch mal unterzubringen. Kein Videobeweis nötig, kein Meckern von Rangnick möglich. Der fand seine Mannschaft ja angeblich auch geil. Soll er doch.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Diallo, Schmelzer (87. Guerreiro) – Witsel – Pulisic (77. Sancho), Dahoud, Delaney, Reus – Philipp (69. Wolf). Gelbe Karten: Diallo, Dahoud. Tore: Dahoud, Sabitzer (ET), Witsel, Reus

Atemlos in Fürth

DFB-Pokal, 1. Runde / Greuther Fürth 1 BVB 2 (n.V.)

Und schon wieder Drama: Beim letzten Aufeinandertreffen mit der Spielvereinigung aus Fürth hatte der BVB in der Verlängerung gegen den Ersatztorwart der Franken den Einzug ins Pokalfinale klar gemacht. Gestern trafen die Schwarz-Gelben zweimal in der Nachspielzeit, davon einmal in der Verlängerung, und übertrafen somit noch das Drama vom letzten Mal.

Damals folgte eine magische Nacht in Berlin. Der Weg dorthin ist 2018 ungleich länger und schwieriger. Im ersten Pflichtspiel unter Lucien Favre offenbarten die Schwarz-Gelben noch einige Schwächen, die baldmöglichst abzustellen sind. Hier sind ganz kompakt meine Tops und Flops des Spiels.

Von heute auf morgen wird die Borussia auch unter Favre ihre Probleme gegen tief stehende Teams nicht los. Und die Fürther verteidigten sehr tief, oft komplett in der eigenen Hälfte. Trotz einiger Hochkaräter fehlten dem BVB noch zu oft die Ideen, wie man die Defensive der Gastgeber auseinanderspielen könnte.

Damit hängt eine nicht unerhebliche Personalie zusammen: Mahmoud Dahoud. Der Mittelfeldspieler hatte durchaus einige ansehnliche Aktionen. Sie endeten aber alle schrecklich uneffektiv. Zu hastig wirkte der mit seinem Gladbacher Trainer Wiedervereinte, traf zu oft falsche Entscheidungen und war auch beim Gegentreffer nicht auf der Höhe, wo er zur Abwechslung mal zu langsam reagierte. Bleibt zu hoffen, dass es hier kein Spezitum zwischen Trainer und Spieler gibt. Mo ist sicher ein Netter, aber nach gestern sollte so bald wie möglich Witsel neben Delaney spielen, von Anfang an.

Marco Reus erzielte in den letzten Momenten der Partie den Siegtreffer, nach toller Vorarbeit von Jadon Sancho. Doch zuvor hatte es schon über längere Phasen so gewirkt, als ob den Schwarz-Gelben ein Stoßstürmer fehle. Reus über außen oder als 10 macht für mich immer noch mehr Sinn. Philipp sehe ich trotz fehlenden Glücks gestern eher in der Mitte.

+++— Gut gestanden hat gestern die Abwehr. Eigentlich. Diallo und Akanji als gute Innenverteidiger, die auch kicken können, das passt so schon. Wie so oft nicht ganz zufriedenstellend war es außen. Marcel Schmelzer stand häufig sehr zentral und überließ anderen die Absicherung des Flügels. Wenn das eine Vorgabe des Trainers war, was ich so bezweifle, brachte es keine Souveränität auf die Flügel.

+++ Natürlich muss man die Einstellung loben. Es gab auch andere Bundesligisten, die in dieser ersten Runde hart ums Weiterkommen kämpfen mussten, nicht zuletzt den amtierenden Meister. Es gab auch ein paar, die gescheitert sind. Aber keiner brauchte oder hatte die Nerven, einmal 30 Sekunden vor dem Ende der Nachspielzeit das Aus zu verhindern und dann kurz vor Ende der Verlängerung alles klar zu machen. Als die Beine schon sehr schwer und die Pause vor dem Elfmeterschießen schon ganz nah war.

Jetzt also: Leipzig. Ein Härtetest zum Bundesliga-Start, wenn es denn einen gibt. Auch die Brausesäufer wirkten im Pokal bei Viktoria Köln nicht souverän. Alles offen, alles drin also.

Ein passendes Saisonfinale

1. Bundesliga, 34. Spieltag / TSG Hoffenheim 3 BVB 1

Der letzte Spieltag ist vorbei und kein Schwarz-Gelber wird sich in fünf oder zehn Jahren gerne an diese Saison zurückerinnern. Es fällt einem auch schlicht kein Grund dafür ein, trotz starkem Auftakt, trotz dem Spiel gegen Leverkusen. Aber für das Selbstverständnis der Borussia war das alles zu wenig, und zwar spielerisch wie kämpferisch. Diesen Anschein hatten zu viele Auftritte des BVB und nur das Äußerliche kann man objektiv beurteilen.

Als hätte es noch eines Beweises bedurft, verlor die Borussia verdient in Sinsheim, wurde von der Nagelsmann-Truppe noch überholt und schleppte sich nur in die Champions League, weil Leverkusens Aufholjagd gegen Hannover irgendwann ins Stocken geriet. Selbst wenn es zählte – oder gerade dann – konnten die schwarz-gelben Jungs 2017/18 oft nicht ihr Leistungsvermögen abrufen.

Fehlerkette beginnt bei Stöger

Nach dieser Partie dürfte es noch einmal deutlich weniger Befürworter einer Weiterbeschäftigung des grundsätzlich sympathischen Peter Stöger geben als zuvor. Die Aufstellung wirkte wie der Höhepunkt eines hilflosen Rumtüftelns an der Startelf – dabei schien der Trainer in dieser Hinsicht schon weiter zu sein. Aber was ritt ihn, es mit einer Dreierkette inklusive Akanji als einzigem echten Innenverteidiger und Marcel Schmelzer zu versuchen? Warum stellte er mit Sahin und Weigl gleich zwei über die Saison hinweg eher enttäuschende Akteure in die Startelf? Und warum um alles in der Welt spielte André Schürrle und nicht Maximilian Philipp? Weiterlesen „Ein passendes Saisonfinale“