Dortmunder Qualitätsmomente

1. Bundesliga, 30. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 4

Borussia Dortmund hat dem Druck standgehalten und bleibt noch ein wenig am FC Bayern dran. Nicht mal viele BVB-Fans hätten wohl mit einem 4:0 in Freiburg gerechnet. Die Partie war – natürlich – auch nicht so einseitig wie das Ergebnis aussagt. Doch wir sahen, was dabei herauskommt, wenn Klassespieler stark zusammenspielen.

Dass die frühe Führung in der 12. Minute noch nicht das letzte Wort war, damit konnte man rechnen. Schon da zeigte sich aber, wie wichtig die individuelle Qualität, die Antizipation und eben das Zusammenspiel von Marco Reus, Jadon Sancho, Raphael Guerreiro und Mario Götze sind. Man sah das später auch beim zweiten (Guerreiro lang auf Reus) und dritten Tor (Sancho auf Reus, der Jadons Laufweg gekreuzt hatte und dann quer zu Götze passte). Den Elfmeter in der 87. Minute schenkte Marco Reus dann Paco Alcacer.

In der zweiten Hälfte der ersten und der Anfangsphase der zweiten Halbzeit hatte die Borussia allerdings eher passiv gewirkt und wenig Ansehnliches Richtung Strafraum kreiert. Diese Phasen scheint es also nicht nur über 90 Minuten in München zu geben. Taktik war das so wohl auch nicht. Immerhin: Die Verteidigung, besonders Weigl und Akanji, wirkte fast immer auf der Höhe. Gute Grätschen, ein im richtigen Moment gestrecktes Bein, sorgten für viele gewonnene Bälle in der eigenen Hälfte.

Verantwortlich für den Sieg waren aber die zuvor genannten Herren. Reus, Sancho und Guerreiro müssen jetzt jede Partie machen, wenn sie verletzungsfrei und fit bleiben. Zwischen Mario Götze und Paco muss Lucien Favre wohl von Spiel zu Spiel entscheiden. Ohne derartige Qualitätsmomente wie in Freiburg wird es in Bremen und Gladbach ganz eng. Was nun das Derby entscheidet, ist wieder eine ganz andere Frage…

Die Mannschaft: Bürki – Wolf (56. Toprak), Weigl, Akanji, Diallo – Witsel, Delaney – Sancho, Reus, Guerreiro (71. Pulisic) – Götze (80. Paco Alcacer). Tore: Sancho, Reus, Götze, Paco Alcacer (EM)

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Form + Personal = 0:5

1. Bundesliga, 28. Spieltag / Bayern München 5 BVB 0

Und das Imperium schlägt mal wieder zurück: Bayern München gewinnt auch in der Höhe verdient gegen einen desolaten BVB, kombiniert sich fröhlich und ungestört zu einem 5:0. Immerhin für Schwarz-Gelb ergebnistechnisch ein Fortschritt gegenüber der Vorsaison. Spielerisch war es mindestens genauso schrecklich.

Die seit letztem Samstag und dem folgenden seltsamen Pokalauftritt der Bayern moderat gestiegene Zuversicht vor dem Spitzenspiel war zwar schon am Freitag der Ernüchterung gewichen: Paco Alcacer und Raphael Guerreiro, sicherlich zwei Hoffnungsträger für die schwere Aufgabe, mussten verletzt zu Hause bleiben. Doch das heute hätte man trotz allem so nicht (noch mal) erwartet.

Die einzige Phase, in der sich die Schwarz-Gelben engagiert und angriffslustig präsentierten, waren die fünf Sekunden nach Anpfiff. Unheimlich schnell gewannen die Gastgeber die Oberhand und dominierten die Partie. Es gab nach wenigen Minuten eine Großchance für den BVB, bis dahin die beste Szene von beiden Seiten: Reus hatte den Ball von links quergelegt und Mo Dahoud traf mit einem flachen Schuss den Pfosten – Manuel Neuer wäre ohne Chance gewesen. Man sollte seine Chancen gegen die Bayern besser nutzen – aber niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass es so einseitig werden würde. Weiterlesen „Form + Personal = 0:5“

Perfekter Tag: BVB gewinnt dreckig und in letzter Minute

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 0

Genau so gewinnt man etwas – und sei es nur ein Spiel gegen Wolfsburg. Lange hatte Borussia Dortmund ohne den werdenden Vater Marco Reus nicht die richtigen Mittel gefunden, auf der Suche nach der Lücke bei den stark verteidigenden Wolfsburgern. Ja, die Gäste hatten sogar zielstrebiger ausgesehen. Unverdient war der späte Sieg trotzdem nicht: Die Borussia gab mehr Torschüsse insgesamt sowie mehr Schüsse aufs Tor ab. Wer sich bis zur letzten Sekunde abrackert, auch wenns mal nicht läuft, wird eben manchmal belohnt.

Ohne Zweifel war das über weite Strecken ein mäßiges Spiel der Schwarz-Gelben. Wolfsburg ist inzwischen auch eine gute, disziplinierte Mannschaft – außer gegen Bayern. Und man muss es deutlich sagen: Bei allem Lob der letzten Zeit kann Mario Götze Marco Reus nicht ersetzen. Er ist nicht (mehr) wendig, schnell und instinktsicher genug. Es fehlte allgemein die Kreativität gegen gut verschiebende und defensivstarke Wolfsburger. Marius Wolf wirkte über rechts zwar engagiert, aber er hat zu viele Ungenauigkeiten und Ballverluste in seinem Spiel. Gefallen haben mir hauptsächlich Dan-Axel Zagadou und mit Abstrichen Akanji und Witsel.

Nicht dass die Gäste unglaublich viel Torgefahr ausstrahlten. Roman Bürki musste in der ersten Hälfte einen Schuss von Weghorst von links um den Pfosten lenken. Für den BVB setzte Alcacer den Ball knapp übers Tor. Dass am Ende ein Standard die Führung bringen sollte, war zuvor nicht abzusehen. Einmal war Zagadou bei einem Freistoß von außen frei, traf den Ball aber leider nur mit der Schulter. Die zwei zentralen Freistöße in der regulären Spielzeit der zweiten Hälfte waren noch weniger der Rede wert: Paco Alcacer schoss meilenweit drüber, Guerreiro Torwart Casteels in die Arme. Weiterlesen „Perfekter Tag: BVB gewinnt dreckig und in letzter Minute“

Zumindest Berlin

Als am Samstag das Spiel im Berliner Olympiastadion abgepfiffen war, das Borussia Dortmund in der Nachspielzeit gegen Hertha BSC gewonnen hatte, da war sie wieder da. Die Verbindung zum Herzensverein, die eigentlich – so sagt man – ein Leben lang hält, aber dennoch aus diversen Gründen spröde werden kann.

Es geht mir gar nicht darum, dass der BVB einen Spieltag punktemäßig mit den Bayern mithalten konnte. Alle Indikatoren sprechen dafür, dass der FCB auch in diesem Jahr Meister wird. Einer davon sind die jetzt schon fürs Topspiel fraglichen Borussen. Was am Samstag wieder da war, das war das gemeinsame Bis-zum-Schluss-gehen. Mannschaft wie Fans haben sich diesen Auswärtssieg beim Angstgegner verdient. Die schwarz-gelben Jungs haben mal wieder für eine positive Überraschung gesorgt, in letzter Minute, und das war einfach geil!

In der Anfangsphase sah es anders aus. So als ob sich Hertha, wie zuletzt fast alle Gegner, auf das Dortmunder Spiel richtig gut eingestellt hätte. Frühes Stören, die Mittelfeldzentrale nicht zur Entfaltung kommen lassen, das waren die Mittel der Wahl. Thomas Delaney kam damit besser zurecht als Julian Weigl auf seiner eigentlichen Position. Allerdings waren bei den Gegentreffern auch Pech und eigene Fehler im Spiel. Nach langer Zeit patzte Roman Bürki mal wieder größer: Bei erschwerten Bedingungen wehrte er einen Schuss von Mittelstädt nicht zur Seite ab, sondern ließ ihn in den Fünfmeterraum prallen, wo Kalou zur Stelle war. Und Weigls „Schutzhand“ verursachte den Elfmeter zum 1:2. Weiterlesen „Zumindest Berlin“

Schwarz-Gelb und das fatale Remis

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 3 TSG Hoffenheim 3

Partien, an die man sich erinnert, Partien, die eine Saison bestimmen können: So erscheint schon im direkten Nachgang das 3:3 der Borussia gegen die TSG, nach 3:0-Führung. Zu Recht?

Die Sancho-Show

Lange sah es so aus, als könne ein Spieler, der den Schwarz-Gelben am Dienstag im Pokal gefehlt hatte, das bittere Aus gegen Bremen vergessen machen. Jadon Sancho war an allen drei Toren beteiligt, erzielte das erste selbst und bereitete das ohnehin geniale dritte mit der Hacke vor. Doch es sollte ganz anders kommen, als das wohl alle im Stadion und an den Bildschirmen gedacht hatten.

Zwei Trainer und doch einer zu wenig

Waren es am Dienstag Spieler wie Sancho, der gestern bis fast zum Schluss starke Bürki oder Piszczek, die man vermisste, war es gegen Hoffenheim ganz klar Lucien Favre. Nichts gegen Terzic und Stefes, die Favre immerhin im Ohr hatten, aber mit dem Cheftrainer an der Seitenlinie wäre das 3:3-Debakel schwer vorstellbar gewesen. Die Spieler schienen sich sicher zu wähnen, obwohl die zweite Hälfte eher für die physisch starken Gäste lief. Nach dem 3:0 hakten das manche wohl schon ab – oder schalteten aus anderen Gründen zurück. Zu viele Spiele in kurzer Zeit? Kann eigentlich auch nicht sein. Diallo, Hakimi und ein wenig beim dritten Gegentreffer auch Bürki sahen nicht so souverän aus, aber dass die TSG noch zu so vielen Torraumszenen kam, haben auch andere verdaddelt. Zuschlechterletzt hätte Schiedsrichter Marco Fritz den Freistoß vor dem 3:3 nicht geben müssen.

War’s das mit der Meisterschaft?

Das zu behaupten wäre genauso einseitig wie zu sagen, es seien doch noch fünf Punkte Vorsprung. Es gibt nun keinen Gang der Dinge, der automatisch eintreten wird. Und die vollkommen richtige schwarz-gelbe Weisheit, nur von Spiel zu Spiel zu denken, bleibt bestehen. Nur der Glaube, dass eine Mannschaft, der so etwas wie gestern passiert, auch gegen einen Jäger namens FC Bayern bestehen kann, der hat schon einen empfindlichen Knacks bekommen. Zum Glück geht’s jetzt zum Club, könnte man denken. Aber leider ist zuvor noch Champions League.

Die Mannschaft: Bürki – Piszczek, Weigl, Diallo, Hakimi – Dahoud, Witsel – Sancho, Philipp (70. Paco Alcacer), Guerreiro (90.+2 Wolf) – Götze (82. Toprak). Tore: Sancho, Götze, Guerreiro

Echter Fußball im Waldstadion

1. Bundesliga, 20. Spieltag / Eintracht Frankfurt 1 BVB 1

Man könnte glatt vergessen, um welche Millionen-Unsummen sich der Fußball heute dreht. Und dass die Klubs, um die es hier geht, beide in offiziell nach Sponsoren benannten Stadien auflaufen. Denn das gestern war echter Fußball, mit offenem Visier, aber kein simpler Kick-and-rush. Die Eintracht und der BVB trennen sich nach einem spannenden Spiel 1:1 und niemand kann sich hinterher beschweren.

Nur leichte Wackler hinten

Eintracht Frankfurt hat in dieser Saison ein richtig starkes Team. Zu dumm für sie, dass sie erst nach ein paar Spieltagen und einer Pokalrunde richtig losgelegt haben. Jetzt können Spieler wie Rebic und Jovic jede Bundesliga-Defensive in Schwierigkeiten bringen. Das geschah auch der Borussia das eine oder andere Mal. Einmal selbstverschuldet nach einem Missverständnis zwischen Abdou Diallo und Julian Weigl.

Aber diese provisorische Innenverteidigung durfte heute auflaufen, obwohl Ömer Toprak wieder spielbereit war und letztlich auf der Bank saß. Und das hat seine Gründe, denn in der großen Mehrzahl der Szenen waren die beiden auch gestern zur Stelle, klärten vieles souverän. Wenn doch alles zu spät war, half Roman Bürki, der Teufelskerl. Ob sich seine lautstarken Kritiker aus der letzten Saison noch an ihre Worte erinnern? Weiterlesen „Echter Fußball im Waldstadion“

Feuerwerk nach einer Stunde

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 5 Hannover 96 1

Borussia Dortmund gewinnt ein Spiel, das von der Tabellensituation her schon vorher und vom Ergebnis her danach klar aussah. Manche werden vor der Partie die Warnungen von Lucien Favre im Sky-Interview belächelt haben. Niemand gibt ja gerne zu, klarer Favorit zu sein. Aber es war eben eine Stunde lang tatsächlich kein Spaziergang für den Tabellenführer.

Favre wollte sich vor dem Spiel nicht mal festlegen, wie defensiv Hannover wohl auftreten würde. Und das war mehr als eine ausweichende Antwort – sie war angemessen. 96 hatte die erste Chance des Spiels und sie stellten sich auch danach nicht nur hinten rein. Das häufige Anlaufen gerade durch die zwei Stürmer oder auch Nicolai Müller war nicht bloß reine Stichelei. Der BVB schaffte es zunächst nur phasenweise gefährlich vors Tor. Eine solche Phase begann um die 20. Minute, als zunächst Marco Reus zwei Riesenchancen vergab. Bei der zweiten, einem Pfostenschuss, war natürlich ne Menge Pech dabei. Doch dann spielte Achraf Hakimi einen einfachen Doppelpass mit Guerreiro und traf feinstens aus 16 Metern. Ein starkes Spiel von ihm, bis auf einen Schnitzer im Mittelfeld.

Ein Fehler führt zur BVB-Show

Ein Tor Rückstand schockte Hannover noch nicht sonderlich. Die Gäste blieben aktiv, ohne wirklich gefährlich zum Abschluss zu kommen. Dass Sarenren Bazee verletzt ausgewechselt werden musste, half da natürlich auch nicht. Zur Halbzeit konnte oder musste man von einem durchschnittlichen, kampfbetonten Spiel sprechen. Nach der Pause nahm die Qualität erst mal nicht zu, eher der Kampf etwas ab. Und 96 machte den entscheidenden Fehler zum Anfang vom Ende. Albornoz vertändelte den Ball, Hakimi profitierte und konnte für Reus querlegen, der den Ball künstlerisch wertvoll ins Tor beförderte.

Für eine Mannschaft am Abgrund mit einem angezählten Trainer kann sowas schon mal den technischen K.O. bedeuten. Mit einer Ausnahme lief danach für Hannover gar nichts mehr zusammen. Die Abwehr könnte man jetzt mit Käse- oder Hühner-Metaphern beschreiben, aber lassen wir mal die Mottenkiste halb zu. Sancho bereitete für Götze vor, der überragende Reus für Guerreiro, die Sache war in Minute 67 mehr als durch. Die Borussia ließ es deutlich ruhiger angehen, Favre wechselte noch zweimal. In der Schlussphase kam das einzige Lebenszeichen von 96 ausgerechnet durch den Ex-Schwarzgelben Marvin Bakalorz. Der tankte sich durch, zog ab und traf dank einer doppelten Abfälschung das Tor. Schön dass Axel Witsel in der Nachspielzeit und nach einem Eckball – ja, wieder ein Tor nach Standard – den alten Abstand wiederherstellte.

Am Ende war’s eine tolle Show im Westfalenstadion gegen angeknockte Hannoveraner. Maybe Andre Breitenreiter gets sacked in the morning. Dortmund hat jedenfalls überzeugend vorgelegt. Die Bayern werden gegen den VfB nachziehen. Oder?

Die Mannschaft: Bürki – Piszczek (70. Schmelzer), Weigl, Diallo, Hakimi – Witsel, Delaney (79. Dahoud) – Sancho, Reus, Guerreiro – Götze (66. Paco Alcacer). Gelbe Karte: Hakimi. Tore: Hakimi, Reus, Götze, Guerreiro, Witsel

Die Profis

1. Bundesliga, 18. Spieltag / RB Leipzig 0 BVB 1

Was mich bei Borussia Dortmund 2018/19 fast mehr als alle technischen Finessen und Zuckertore beeindruckt, war heute in Leipzig exemplarisch zu sehen. Zum Glück heute und in Leipzig. Der BVB wirkt fast nie ratlos. Gerät man, wie an diesem Unort zu erwarten, mal in die Defensive, dann kann man sich darauf verlassen, dass die Jungs hinten, besonders Julian Weigl, Abdou Diallo und Roman Bürki, einen raushauen und immer zur Stelle sind.

Mit dem sicher hart erkämpften, aber sicher auch verdienten 1:0-Auswärtssieg haben sich die Schwarz-Gelben der Leipziger als Konkurrenten wohl entledigt. Und das war phasenweise eben auch noch richtig gut bis sensationell gespielt. Gut, es war eine Ecke, die zum Tor durch Axel Witsel führte. Aber was die Borussia in den ersten 25 Minuten spielte, war schon meisterhaft. Das Passspiel der Gastgeber wurde größtenteils schon im Mittelfeld unterbunden. Witsel war auch hier extrem stark und formt mit Thomas Delaney ein großartiges, abgeklärtes Duo. Mario Götze wusste eher als Achter zu gefallen als in seiner eigentlichen Position zwischen 9 und 10. Er war ebenfalls wichtig in der Balleroberung und -verteilung, aber zum Torgefahr ausstrahlen kam er gegen die schnelle, robuste Leipziger Abwehr nicht.

Sind alle zu spät, macht Bürki den Wolff

Spätestens ab Minute 30 begann eine Phase, in der die Gastgeber deutlich mehr Ballbesitz hatten, aber durch die Dortmunder Abwehrkette oder ihre eigenen Unzulänglichkeiten frustriert wurden. Ein sehr offenes, sehr spannendes Spiel dann in der zweiten Hälfte. Leipzig wollte das Tor und es eröffneten sich Räume für die Borussen. Jadon Sancho und Maximilian Philipp ließen zwei Großchancen liegen. Besonders Philipp dürfte sich heute ärgern: Zwar hielt RB-Keeper Gulasci einmal stark gegen ihn, aber bei allem Eifer und einigen geglückten Kombinationen hätte ich mir schon mehr gute Abschlüsse von „Millie“ gewünscht. Weiterlesen „Die Profis“

Sancho kriegt die nächste Überschrift

1. Bundesliga, 14. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 2

Dieses Mal ist alles anders: Der BVB hat endgültig alle Schatten der vergangenen Saison hinter sich gelassen und ist nach Bayern-Bezwinger nun auch Derbysieger. Hochverdient, ohne viel Glanz, aber mit einer umjubelten Rückkehr nach Dortmund.

Beim Eintreffen des Mannschaftsbusses am Trainingsgelände, natürlich schon im Dunkeln, erleuchtete Pyrotechnik die Szenerie. Hunderte Fans feierten, Axel Witsel und Achraf Hakimi mittendrin. Neu-Dortmunder, bei denen der Abend Eindruck hinterlassen haben dürfte. Schwarz-Gelbe, die schon länger dabei sind, fühlten sich natürlich an das erste Meisterjahr unter Jürgen Klopp erinnert.

Die Partie am Nachmittag hatte die Kräfteverhältnisse der laufenden Saison gut widergespiegelt. Natürlich kam Schalke über den Kampf, natürlich wollten die Blauen. Sie brachten Härte ins Spiel, die zum Glück nie ausuferte. Nerviger war das ewige Lamentieren der Gastgeber gegenüber dem Schiedsrichter, vor allem in der ersten Hälfte. Spielerisch zeigten sich die Blauen allerdings limitiert, vor allem offensiv. Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Burgstaller ging da kaum noch was. In Gelsenkirchen muss man sich langsam fragen, ob da nicht auch was in der Transferpolitik schief gelaufen ist.

Die Richtigen treffen

Eine Führung im Derby ist immer erfreulich – und noch mehr, wenn sie von einem Spieler wie Thomas Delaney erzielt wird. Einem Typen, den man in einem Derby braucht und der sich diesen Treffer durch seine Entschlossenheit verdiente. Ein wuchtiger Kopfball nach einer Ecke: Solche Tore dürfte der BVB gerne noch häufiger machen. Allerdings wurden die Gäste, die zuvor dominierten und ansehnlich kombinierten, nach dem 1:0 etwas passiver, ungenauer oder übermütig. Sagen wir es so: Schalke bestimmte jetzt das Niveau.

Es mangelte an echten Torszenen. Am Ende der Partie stand die Borussia bei neun, die Gastgeber bei sechs Torschüssen – und über deren Qualität sagt diese Statistik bekanntlich noch nichts aus. Burgstaller testete Roman Bürki aus kurzer Distanz, spielte aber zuvor Hand. Neben dem Elfmeter war das die einzige Großchance der Blauen. Schalke machte in der zweiten Hälfte etwas mehr, blieb auch nach dem Ausgleich dran, war aber nicht gefährlich. Und dann kam Jadon Sancho. Der 18-jährige Engländer spielte einen Doppelpass mit Raphael Guerreiro, zog dann über links in den Strafraum und traf an Fährmann vorbei ins rechte Eck. Ein großer Treffer von ihm, der in der Woche zuvor seine Großmutter verloren hatte. Ohne Zweifel hatte dieses Derby also die richtigen Torschützen. Und mit Guerreiro erneut einen eingewechselten Scorer.

Schön zu sehen war, wie weit die Blauen derzeit von Schwarz-Gelb entfernt sind. Das tut gut, das wird man ja wohl mal sagen dürfen. Die Arbeit von Zorc, Watzke und vor allem Lucien Favre ist auch unter diesem Gesichtspunkt bewundernswert. Nach dem großartigen Freiburger 3:0 gegen Leipzig sind die Bayern zumindest bis heute Abend wieder erster Verfolger der Borussia. Alles ist möglich und derzeit fühlt sich das so richtig gut an.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Diallo, Hakimi – Witsel, Delaney – Sancho (89. Pulisic), Reus, Bruun Larsen (61. Guerreiro) – Paco Alcacer (77. Götze). Gelbe Karten: Piszczek, Hakimi, Reus. Tore: Delaney, Sancho

Kick it like Sancho

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 2 SC Freiburg 0

Der Sportclub ist ein von mir immer gern gesehener Gast im Westfalenstadion. Nicht nur, weil er meistens Punkte da lässt, sondern auch wegen des großen Respekts, den ich vor der Arbeit in Freiburg habe. Ich konnte nie verstehen, warum manche diesen Verein langweilig finden und am liebsten nur die Bundesliga-Dinos sehen würden, selbst wenn die ohne Ende Mist bauen. Trotzdem freut es mich natürlich, dass die Borussia mit ihrem zehnten Sieg in der Liga weiter alle auf Trab hält. Und das kam so:

Die Viererkette steht. Obwohl Manuel Akanji ersetzt werden musste, wirkten die vier Abwehrspieler weitestgehend routiniert und eingespielt. Dan-Axel Zagadou klärte bis zu seiner Verletzung da hinten beinahe alles weg. Was für eine tolle Erfolgsgeschichte nach dem schwierigen Anfang! Lukasz Piszczek und Abdou Diallo ließen sich auch auf Ausflüge nach vorne ein, was gar nicht so schlecht aussah. Und Achraf Hakimi ist ja sowieso häufig in des Gegners Hälfte anzutreffen – ohne dadurch heute defensive Problemchen heraufzubeschwören. Gegen Freiburg passte diese recht offensive Abwehrkonstellation. Ja, es war ’nur‘ Freiburg. Aber dieses Freiburg hat anderen schon enorme Probleme bereitet.

Wehe dem Gegner, der Jadon von der Leine lässt. Bekommt Englands Teenie-Hoffnung den Platz und sprüht er vor Spielfreude wie heute in einigen Szenen, dann ist er inzwischen der bessere Pulisic. Das ist nicht so schön für Letzteren, da Christian deswegen seltener spielt. Aber heute stand das ohnehin nicht zur Debatte, der US-Amerikaner fehlte mit muskulären Problemen. Sancho war dafür an beiden Toren beteiligt: Sein Dribbling im Strafraum führte zum Elfmeter, den Reus verwandelte und sein tolles Power-Dribbling in der Nachspielzeit bereitete die Entscheidung vor.

Arbeitssieg mit einem Hauch Klasse. Der Sportclub machte es den Borussen nicht einfach. Christian Streich hat es nach Anlaufschwierigkeiten auch in dieser Saison wieder geschafft, eine Mannschaft zu bauen, die sehr gut das spielt, was sie kann. Man sah aber doch, dass die Schwarz-Gelben etwas mehr können. Vor allem in der zweiten Halbzeit gab es einige schöne Spielzüge, wenn auch nicht alle in Großchancen mündeten. Marco Reus tat sein Tor gut, auch Jacob Bruun Larsen drehte nach einer unauffälligen ersten Hälfte auf. Es war aber kein Chancenreigen und Freiburg traf durch Gondorf auch die Latte, wie später Piszczek.

Mäßige erste 45 Minuten, passend zur Anti-Montagsspiele-Nicht-Stimmung auf der Südtribüne, dann der souveräne zweite, lautere Teil. Voll ok, das Ganze. Doch jetzt kommt das Derby!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Diallo, Zagadou (37. Toprak), Hakimi – Delaney, Witsel – Sancho, Reus (81. Philipp), Bruun Larsen – Götze (70. Paco Alcacer). Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Reus (EM), Paco Alcacer