Der BVB hat es wieder schwer

1. Bundesliga, 28. Spieltag / BVB 0 Bayern München 1

Wie beflügelt segelte die Borussia scheinbar durch die Rückserie, ließ sich auch von Corona nicht stoppen – bis der FC Bayern kam. Das Topspiel war zum diesmal aber wirklich echten weltweiten Knaller stilisiert worden, konnte die Erwartungen aber eher nicht erfüllen. Danach ist alles wie immer in den letzten Jahren und in Dortmund wird schon wieder die T-Frage diskutiert.

Das Spiel

Die Partie war kein Reinfall, aber einseitiger, als sie manche gesehen haben wollen. Zweifellos war Borussia Dortmund in der ersten Hälfte besser im Spiel als danach. Am besten dann, wenn schnelle Gegenzüge gelangen. Das setzt gegen die Bayern immer Kombinationssicherheit voraus, die in den ersten 45 Minuten ein paar Mal aufblitzte. Doch am Ende standen meist doch noch ein Bayern-Spieler oder eine eigene Fehlentscheidung. Noch schwieriger wurde es, wenn der BVB auf bedächtigen Aufbau setzte: Dann war quasi kein Durchkommen gegen gut nach vorwärts verteidigende Gäste.

Das Tor der Bayern fiel folgerichtig, weil es ihnen immer häufiger gelang, sich durch zu kombinieren. Schon spätestens gegen Ende von Halbzeit 1 war nicht zu übersehen, dass der FCB insgesamt spielerisch besser aufgestellt ist. Das sollte sich in der Folge noch verdeutlichen. Die Hereinnahme von Can und Sancho nach der Pause verpuffte wirkungslos. Bei Schwarz-Gelb nahm die Zahl der Ballverluste und Fehlpässe weiter zu und erst spät im Spiel gelangen noch mal Torannäherungen, bei denen aber Manuel Neuer zur Stelle war. Das einzige Aber gegen den verdienten Bayern-Sieg: Der BVB hätte nach dem ausgefahrenen Ellbogen von Jerome Boateng Elfmeter kriegen müssen – den gab es trotz VAR allerdings nicht.

Die Wirkung

Es war schon von Anfang an komisch, unter der Woche um halb sieben gegen Bayern zu spielen. Dazu natürlich noch die Geisterkulisse und schon kann man das Ergebnis im Anschluss ganz nüchtern (abgesehen vom geringen Pegel) in all seiner Bitterkeit betrachten: Auch 2020 wird es für den BVB zu keinem Titel reichen, es wird nicht mal mehr ein spannendes Rennen geben. Wäre es nicht der Rekordmeister, wäre die Hoffnung größer – aber sieben Punkte auf den FCB in sechs Spielen aufholen? Und damit ist – auch wenn man das anders sehen darf – die Luft doch schon wieder ziemlich raus aus diesem seltsamen Saisonfinale.

Die Trainerdiskussion

Ja, diese Diskussion ist wieder da. Nach nur einer Niederlage schwelte sie wieder in den Medien, auch den sozialen, auch unter Fans. Man kann das kritisch sehen. Verständnis kann man dafür dann haben, wenn man sich an die teils schwachen Auftritte im letzten Jahr erinnert. Dass auch BVB-intern diskutiert wird, soll aus ein paar kryptischen Worten von Lucien Favre nach dem Spiel bei Sky hervorgehen („ich werde darüber sprechen in ein paar Wochen“). Dass Lucien Favre schon mal missverstanden werden kann, wenn er nach einer Niederlage Deutsch spricht, weiß aber eigentlich jeder Dortmund-Kenner und Journalist.

Heute kam dann gleich die deutliche Klarstellung von Favre. „An Aufgeben denke ich überhaupt nicht“, sagte er in einer Vereinsmitteilung. Und wieder zu Sky:

Ich werde weitermachen. Ich habe einen Vertrag. Ich werde diesen Vertrag erfüllen. Es gefällt mir hier.

Meine Prognose: Favre bleibt, wenn die Borussia halbwegs überzeugend die Champions League-Plätze schafft. Er hat noch Vertrag bis 2021, also nicht bis in alle Ewigkeit. Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc werden in unsicheren Zeiten nicht noch ein unnötiges Fass aufmachen. Schwierig wird es für Lucien Favre nur, wenn die Schwarz-Gelben es nun noch mal schleifen lassen.

Die Mannschaft: Bürki – Piszczek (80. Götze), Hummels, Akanji – Hakimi, Delaney (46. Can), Dahoud (85. Witsel), Guerreiro – Hazard, Brandt (46. Sancho) – Haaland (72. Reyna). Gelbe Karten: Hummels, Dahoud

Wie es sich heute anfühlt, Derbysieger zu sein

1. Bundesliga, 26. Spieltag / BVB 4 FC Schalke 0

Borussia Dortmund hat den höchsten Derbysieg seit 1966 errungen – und das nach zuletzt zwei wirklich üblen Revierderbys im Westfalenstadion. Ein Grund zur Freude? Wenn man es aufs rein sportliche runterbricht: ja. Ich habe mich gefreut. Sport gibt es mit vielen oder wenigen Fans und auch ganz ohne. Vom Kick auf dem Bolzplatz über das Tennisspiel zu zweit bis zum zuletzt öfter zitierten Kreisligaspiel mit zehn Zuschauern. Dass sich das Spiel gestern auf anderer Ebene nicht so gut angefühlt hat, ist aber ebenso klar.

Football or not

Die DFL hat sich für den Wiederbeginn der Saison 2019/20 ein- und diesen durchgesetzt. Es gibt ein Konzept, das die größtmögliche Sicherheit vor Corona bieten würde, wenn sich alle daran halten. Ob größtmöglich in diesen Tagen groß genug ist, wird sich zeigen. Die Spielzeit könnte nun geordnet zu Ende gehen oder noch in einer bösen Farce enden. Die Wahrscheinlichkeit für Letzteres erhöht sich, wenn Einzelne – wie etwa Ex-Borusse und Neu-FCA-Trainer Heiko Herrlich – ausscheren. Das ist aber nicht nur eine Frage des Spitzenfußballs, sondern der gesamten Gesellschaft. Mit Sicherheit werden die Anti-Lockdown-Demonstranten mehr zur Weiterverbreitung von Covid-19 beitragen als die Bundesliga-Fußballer. Genauso wie normale, unauffällige Leute, die im privaten Umfeld selber Lockerungen beschließen, weil ihnen die soziale Distanzierung zu viel wird.

Ja, Bundesliga-Fußball ohne Fans ist Mist. Aber wäre es wirklich besser, die Saison zu annullieren und es in Kauf zu nehmen, dass Vereine pleite gehen? Das wären dann vermutlich nicht die Großen – nicht Bayern und Dortmund, auch nicht Leipzig, Wolfsburg oder Hoffenheim, sondern eher die, die versucht haben, einen für den Klassenerhalt ausreichenden Kader zusammenzustellen und dafür die Fernsehgelder eingeplant haben. Weiterlesen „Wie es sich heute anfühlt, Derbysieger zu sein“

Die Show geht weiter

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 5 Union Berlin 0

Wer das Hinrundenspiel des BVB in der Alten Försterei gesehen hat, weiß, dass uns heute der größtmögliche Kontrast geboten wurde. Eine um Dimensionen verbesserte Borussia traf auf fehlerhafte und später mutlose Unioner und schlug die Gäste auch in der Höhe verdient mit 5:0.

Es kann nur eine Meinung geben

Eine der neuen Dimensionen der Schwarz-Gelben heißt Erling Haaland. Wer aufgrund von Alter, der nötigen Umstellung auf eine stärkere Liga oder Anpassung an eine neue Umgebung Zweifel an dieser Verpflichtung hatte, darf diese tatsächlich schon nach drei Spielen begraben. Klar, der norwegische Wunderstürmer wird auch mal leer ausgehen und jeden Spieler kann das Verletzungspech treffen. Aber Haaland hat schon einen Bundesliga-Rekord geknackt: Sieben Tore in den ersten drei Spielen hat ligaweit noch kein Neuling geschafft. Dazu dieser Torriecher gepaart mit Schnelligkeit – genau das hat dem BVB in der Hinserie gefehlt. Der Transfer war sowas von richtig. Bleibt nur die Frage, ob wir nicht einen Stürmer mehr hätten vertragen können.

Lust am Fußball

Diese Mannschaft hat (wieder) Bock auf die Rückrunde. Jeder will 90 Minuten spielen und setzt in der Regel nach, wenn er den Ball verliert. Es gab diese Ballverluste bei den Schwarz-Gelben, es gab einige schlampige Pässe, aber man ließ sich im Anschluss nicht vom Gegner auskontern, sondern gewann viele Bälle schnell zurück. Der BVB hatte schwächere, passivere zehn bis 15 Minuten zu Anfang der zweiten Hälfte. Aber so richtig gefährlich wurde der 1. FC Union nicht. Da war nach dem frühen 0:2-Rückstand der Gäste viel Respekt zu spüren – und sie vermissten offensichtlich die Alte Försterei.

Der BVB profitierte von Fehlern. Selbst Unions Torwart und Fanliebling Gikiewicz hätte das 5:0 halten können. Aber es waren auch feine schwarz-gelbe Spielzüge dabei, die zu noch mehr Toren hätten führen können. Ein rundum gelungener Tag war es dennoch.

Deadline Day Can

Am Freitag wurde zwischen den Abgängen von Paco Alcacer zu Villareal und Jacob Bruun Larsen zur TSG Hoffenheim noch ein großer Einkauf klar gemacht: Emre Can wurde bis zum Saisonende von Juventus ausgeliehen und wird danach aller Voraussicht nach dauerhaft verpflichtet werden. Schön, dass wir noch einen starken Defensiv-Allrounder verpflichtet haben. Schade wäre es, wenn er Dan-Axel Zagadou aus der Startelf verdrängt.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Hummels, Akanji – Hakimi (64. Hakimi), Brandt, Witsel, Guerreiro – Sancho, Reus (72. Hazard) – Haaland (78. Reyna). Tore: Sancho, Haaland (2), Reus (EM), Witsel

Klare Sicht nach dem Spektakel von Augsburg

1. Bundesliga, 18. Spieltag / FC Augsburg 3 BVB 5

So macht man tatsächlich Werbung für die Rückserie: Borussia Dortmund dreht zum Auftakt einen 1:3-Rückstand in Augsburg und der junge, neue Stürmer Erling Haaland hat daran einen gewaltigen Anteil. Noch klarer als bisher zeigte sich aber auch, was beim BVB zuletzt falsch gelaufen ist und teilweise noch falsch läuft.

Bevor die großartige Show des Norwegers begann, sahen wir in der ersten Hälfte muntere Augsburger, die in dieser Form sicher nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben werden. Die Schwarz-Gelben hielten durchaus dagegen, aber es haperte, wie in den vorherigen Spielen, am letzten Pass und wenn der kam, am Torabschluss. Marco Reus war in der Hinsicht sicher der Aufreger der Partie – seine drei ungenutzten Großchancen hätten uns in der Hinserie sicher drei Punkte gekostet.

Endlich eine 09

Aber: Die Borussia hat nun wieder einen echten Stürmer. Was das wert ist und wie wir einen solchen vermisst haben, konnte man ab Minute 56 sehen. Vielleicht hätte Paco Alcacer den Schwarz-Gelben in der Hinserie auch etwas mehr helfen können, wenn Favre ihn gelassen hätte. Nun ist mit Haaland aber einer da, von dem das wirklich zu erwarten ist und der so bald wie möglich von Beginn an spielen sollte. Wir können uns auf das Zusammenspiel von Jadon Sancho und Erling wirklich freuen – und mit Marco und Thorgan geht da bestimmt auch noch was. Verlässt Paco den BVB noch, müssten Michael Zorc, Lucien Favre und Aki Watzke aber eigentlich über einen weiteren Neuner für die zweite Reihe nachdenken. Weiterlesen „Klare Sicht nach dem Spektakel von Augsburg“

Konstanz liegt am Bodensee

1. Bundesliga, 17. Spieltag / TSG Hoffenheim 2 BVB 1

Zwei Spiele nach Mainz ist beim BVB gefühlt wieder alles ungut. Während die Partie gegen Leipzig vor allem ergebnistechnisch negativ war, erkannte man in der zweiten Hälfte in Sinsheim wieder die gleiche Spielweise, die die Fans bis vor wenigen Wochen so aufgeregt hatte. Schwarz-Gelb lässt sich alle drei Punkte abnehmen und das war absolut absehbar.

Eine gute Hälfte

Es ist ja in dieser Saison kein neues Phänomen, dass die Borussia Spiele mindestens phasenweise aus der Hand gibt. Nur war es gestern besonders frustrierend, weil man gegen solche Hoffenheimer einfach gewinnen musste. In den ersten 45 Minuten hatten die Gastgeber genau eine, wenn auch gute, Gelegenheit, als Skov einen Freistoß aus großer Distanz an die Unterkante der Latte schoss. Dortmund wirkte dagegen souverän, und über rechts mit Hakimi und Hazard immer wieder gefährlich. Leider reichte es nur zu Götzes Treffer. Außer bei zwei, drei starken Szenen war bei Mario sonst viel Luft nach oben.

Nun ist es wirklich unglücklich, wenn mit Mats Hummels und Thorgan Hazard zur Pause der Abwehrorganisator und der offensive Top-Performer der letzten Wochen wegbrechen. Bei Hazard gibt es bis dato noch keine mir bekannte belastbare Aussage, ob und wie schwer er verletzt war. Doch selbst wenn der Doppelwechsel unvermeidbar war: Hier lag Lucien Favre falsch. Er brachte den – wie sage ich es respektvoll – Veteranen Lukasz Piszczek und Jacob Bruun Larsen – der sich bei seinen wenigen Auftritten bisher nicht aufdrängen konnte. Mutig und wohl sinnvoller wäre es gewesen, Leo Balerdi endlich mal eine echte Chance in der Innenverteidigung zu geben und Hazard durch Guerreiro oder gleich Alcacer zu ersetzen. Weiterlesen „Konstanz liegt am Bodensee“

Zag, der neue Masterplan und der nächste Dreier

1. Bundesliga, 15. Spieltag / FSV Mainz 05 0 BVB 4

Ein souveräner Auswärtssieg nach kurzer Warmlaufphase – die Borussia könnte doch noch rechtzeitig zum Topspiel am kommenden Spieltag in die Spur gefunden haben. Dass es wieder läuft, hat auch mit den Gegnern zu tun, aber noch mehr mit personellen und taktischen Änderungen.

Spielweise der Mainzer passte Schwarz-Gelb

Ein paar Minuten sah das, was die Gastgeber heute ablieferten, richtig mutig aus. Und nach einer Strategie, mit der schon andere Gegner den BVB verunsichern konnten. Aber wer gegen die Schwarz-Gelben den Zugriff im Mittelfeld verliert und hinten Räume anbietet, hat es eben schwer. Da hilft auch kein Glück mit dem Schiri mehr. Ja, die Mainzer werden ein paar lobende Worte bekommen, weil sie nie aufgaben und sich ums Offensivspiel bemühten. Aber letztlich waren sie vorne zu harmlos – kein Schuss kam aufs Tor – und hinten naiv. Ich habe durchaus gewisse Sympathien für die 05er, aber mit deren Mannschaft und Kader scheint keine Konstanz möglich zu sein.

Systemumstellung bisher Volltreffer

Es war ein offensichtliches Problem: Die Viererkette des BVB offenbarte in dieser Saison immer wieder Schwachstellen. Mal waren die Außen nicht defensivstark oder schnell genug, mal patzten die Innenverteidiger. Grundsätzlich war ich immer ein Fan der Viererkette, bin da aber sicher nicht dogmatisch. Die Lösung war offensichtlich und Lucien Favre hat sie vor ein paar Wochen implementiert: Die Dreierkette aus Innenverteidigern, mit zwei etwas offensiveren Außenverteidigern links und rechts. So spielen das viele andere auch.

Einerseits ist der Systemwechsel ein Eingeständnis, dass die defensive Qualität doch noch nicht da ist, wo man sie erhofft hatte. Andererseits schadet er dem BVB-Spiel überhaupt nicht. Wenn unsere Offensiven sich mit nach hinten bewegen und nach vorne ihr Talent zeigen, entstehen im 3-5-2 oder 3-4-3 weniger Lücken und die Torgefahr verringert sich nicht. In Mainz klappte das sehr gut, gegen Prag sah es noch deutlich wackliger aus. Trotzdem scheint es derzeit der Weg nach vorne zu sein.

Zagadouuuu, Jadon back on track, Kapitän Reus

Eigentlich unfair, nur die drei zu nennen. Aber was für ein Klassetyp ist denn Dan-Axel Zagadou? Für mich eindeutig einer, der mit regelmäßiger Spielpraxis eine wichtige Stütze für Schwarz-Gelb werden könnte. Ein Sololauf über 70 Meter, einmal zu Sancho quergelegt, schon stand es 2:0. Und Jadon hat wieder mehr Spielglück, das aber auch von einer scheinbar entschlosseneren Einstellung erzwungen wird. Bei Marco Reus ärgerte ich mich noch, dass er mal wieder direkt auf den Torwart gezielt hatte, aber der Kapitän machte es noch in der ersten Hälfte mit einem Kracher besser. Thorgan Hazard, dritter Torschütze, wird sowieso immer stärker. Und Nico Schulz dürfte mit seinem 4:0 nun auch beim BVB angekommen sein.

Man darf sich aber auch nichts vormachen: Mainz war – siehe oben – nicht der Maßstab. Leipzig am Dienstag wird es ganz gewiss sein. Ob wir dann mit einem zentralen Mittelfeld aus Brandt und Weigl so gut aussehen werden, ist fraglich. Witsel und Delaney dürften uns fehlen. Trotzdem sollte Lucien Favre weiterhin auf Hakimi setzen und überlegen, ob dann auf der anderen Seite Guerreiro oder Schulz gegen die schnellen Leipziger besser aussehen. Eins ist klar: Gewinnt die Borussia am Dienstag, ist die Wende geschafft!

Die Mannschaft: Bürki – Akanji, Hummels, Zagadou – Hakimi, Weigl, Brandt (81. Dahoud), Schulz – Sancho (85. Paco Alcacer), Hazard, Reus (73. Reus). Tore: Reus, Sancho, Hazard, Schulz

Und jährlich gibts die Auswärtsschlappe

1. Bundesliga, 11. Spieltag / Bayern München 4 BVB 0

Das fünfte Auswärtsspiel beim FC Bayern in Serie endet für Borussia Dortmund mit mindestens vier Gegentoren und drei Toren Unterschied. Immerhin bessern sich die Schwarz-Gelben: Vorletzte Saison gab es noch ein halbes Dutzend Bayern-Treffer, im Frühjahr fünf und gestern nur noch vier. Kämpfende Gastgeber gegen Angsthasen? Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen und trotzdem lohnt sich der schmerzhafte Blick zurück.

Nicht über 90 Minuten miserabel

Kürzere Zusammenfassungen des „Topspiels“ zeigen dominante, spielsichere Bayern und einen weitgehend konfusen BVB. Dieses Bild trifft über weite Strecken der Begegnung auch zu. Die Schwarz-Gelben hatten viel zu viele einfache Ballverluste und ungenaue Pässe zu verzeichnen. Sie kamen oft nicht in die Zweikämpfe, standen zu weit weg von den Bayern, begleiteten häufig, anstatt zu attackieren. Die hoch stehenden Gastgeber behagten den Gästen überhaupt nicht.

Deutlich zu sehen war das aber erst nach dem Führungstreffer durch – natürlich – Lewandowski in der 17. Minute. Zuvor wirkten die Bayern zwar auch schon technisch stärker, aber noch nicht übermäßig dominant. Nein, es war das Gegentor, das den BVB scheinbar aller Energie beraubte – und danach sofort nachsetzende Rote. Es gab rund zehn Minuten in der zweiten Hälfte, in denen die Borussen wieder besser im Spiel waren – dann folgte das 0:3. Weiterlesen „Und jährlich gibts die Auswärtsschlappe“

Borussia schlägt Mönchengladbach

1. Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 1 Borussia Mönchengladbach 0

Die Flaute ist vorbei, Borussia Dortmund holt zu Beginn der „Wochen der Wahrheit“ drei Punkte gegen den Tabellenführer. Es war ein spannendes Spiel von ordentlicher Qualität, in dem die Schwarz-Gelben das entscheidende Bisschen besser waren. Alles in allem wirkten die Gastgeber über längere Phasen dominant als die Gladbacher. Schaut man sich einige der wichtigsten Spieldaten zusammen an, ergibt sich das gleiche Bild: Der BVB lag vorne bei Torschüssen (16:14), Passquote (80:76 %), Ballbesitz (54:46 %) und Zweikampfquote (57:43 %).

Favre macht es mehrheitlich richtig

Bei den meisten Personalentscheidungen darf sich der Trainer nach der Partie bestätigt fühlen: Trotz der vollkommen nachvollziehbaren Suspendierung von Jadon Sancho hatte die BVB-Offensive mehr Zugriff auf das Spiel. Thorgan Hazard hatte gegen seinen alten Verein oder gegen den Spitzenreiter sichtlich etwas zu beweisen. Marco Reus durfte wie gewohnt auf ’seiner‘ 10 ran und zeigte es allen Zweiflern.

Für Julian Brandt ist auch die Sturmspitze nur bedingt etwas, aber was soll der Trainer gegen ein Team wie Gladbach anders machen? Nur ein defensiver Mittelfeldspieler wäre hier zu riskant gewesen – gerade, da sich Brandt beim Zweikämpfen schwer tut. Immerhin traf der ins Tor, mit einem Schuss, den Gladbachs Keeper Sommer wohl auch ohne Sichtbehinderung nicht gehalten hätte. Vielleicht hilft der Treffer Julian, selbst wenn er nicht gegeben wurde.

In der Viererkette stellte Favre etwas überraschend auf: Weigl kam neu ins Abwehrzentrum, während Manuel Akanji nach rechts rückte. Diese Entscheidung muss man zweigeteilt sehen: Der zweite Julian machte seine Sache gut, Mats Hummels sowieso, auch wenn er beinahe einen Elfmeter verursachte. Die Idee, gegen über die Flügel starke Gladbacher einen echten Defensivmann als Außenverteidiger aufzustellen, war prinzipiell gut. Manuel Akanji machte seine Sache auch nicht über 90 Minuten schlecht, doch man merkt einfach, dass er eine kleine Formkrise hat. Andererseits: Welche andere Lösung wäre besser gewesen? Piszczek nach mäßiger Saison und Verletzung? Hakimi? Mateu Morey hätten sicher viele gerne mal gesehen, aber die Lösung wäre sehr mutig gewesen. Weiterlesen „Borussia schlägt Mönchengladbach“

Spannungsfrei auf Platz 2 – mit 76 Punkten

Dieser 34. Spieltag war auf dem Papier der spannendste der letzten zehn Jahre, verlief aber eher fade, was die Meisterfrage angeht. Man durfte es so ähnlich erwarten, ich hatte es so ähnlich erwartet. Vielleicht keine fünf Bayern-Treffer, vielleicht keine weiße Weste für Roman Bürki – aber dass die Eintracht der letzten Wochen in München kaum etwas holen würde, schien klar. Und trotzdem: Was hat es allein in den letzten Wochen für Wendungen im Fußball gegeben: Liverpool gegen Barcelona, Derby County in Leeds.

Doch leider nicht in der Bundesliga. Ob es die frühe Bayern-Führung war oder die aus der Rückserie nicht unbekannte Dortmunder Passivität gegen aggressive Teams: Die erste Halbzeit verlief aus schwarz-gelber Sicht lange nicht so überzeugend. Erst wirkten die Gastgeber spritziger, dann plätscherte die Partie so vor sich hin.

Guter Kapitän, guter Schiedsrichter

Aber Marco Reus war ja wieder zurück. In der 45. Minute versuchte er zweimal, von links den Ball in die Mitte zu passen. Beim zweiten Mal fand er Jadon Sancho. Ob der Ball zuvor komplett im Toraus gewesen war, schauten sich sowohl der Videoschiedsrichter als auch Manuel Gräfe auf dem Platz noch mal an. Im Fernsehen sah es so aus; allerdings waren die Einstellungen nicht dazu geeignet, zu entscheiden ob der Ball die Linie überhaupt nicht mehr berührte. Ausgesprochen souverän und transparent hat sich Gräfe nach dem Spiel dazu geäußert – nachzulesen im Kicker. Weiterlesen „Spannungsfrei auf Platz 2 – mit 76 Punkten“

Nichts für schwache Nerven: Entscheidung vertagt

1. Bundesliga, 33. Spieltag / BVB 3 Fortuna Düsseldorf 2

Das Herzschlagfinale haben wir vielleicht schon hinter uns: Gegen zehn Mann zittert sich der BVB zu einem 3:2 gegen Düsseldorf. Und das, obwohl die Schwarz-Gelben in der Nachspielzeit sogar noch das 3:1 erzielten. Aber sie haben geschafft, was nicht jeder schafft: einen Heimsieg gegen Friedhelm Funkels Fortuna, die neben der Eintracht zu den positiven Überraschungen der Saison zählt. Und so fällt die Entscheidung über den neuen deutschen Meister tatsächlich erst am 34. Spieltag – zum ersten Mal seit zehn Jahren.

Souverän war das alles im Westfalenstadion natürlich wieder nicht. Dafür unglaublich spannend in der Schlussphase und endlich wieder mit einem Happy-End für die Borussia. Begonnen hatte alles mit forschen Gästen, die sogar kurz an den Führungstreffer durch Lukebakio glauben durften, ehe die Abseitsentscheidung von Schiedsrichter Stieler bestätigt wurde. Als der BVB gefährlicher wurde, zog sich die Fortuna zurück. Und man sah wieder viel Uninspiriertes von den schwarz-gelben Jungs, die es ohne Marco Reus gegen stabile Teams erst recht nicht leicht haben.

Tore, Patzer, Emotionen

Emotionen gab es aber noch früh genug. Zum ersten Mal, als ausgerechnet der scheidende Christian Pulisic endlich die Führung köpfte. Beteiligt schon da: Thomas Delaney, der zuvor querlegte. Pulisic ist einer von den guten Jungs, denen man einen Wechsel, noch dazu für eine solche Mega-Summe, nicht übelnehmen kann. Entsprechend fiel bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss auch der Beifall aus. Weiterlesen „Nichts für schwache Nerven: Entscheidung vertagt“