Ein passendes Saisonfinale

1. Bundesliga, 34. Spieltag / TSG Hoffenheim 3 BVB 1

Der letzte Spieltag ist vorbei und kein Schwarz-Gelber wird sich in fünf oder zehn Jahren gerne an diese Saison zurückerinnern. Es fällt einem auch schlicht kein Grund dafür ein, trotz starkem Auftakt, trotz dem Spiel gegen Leverkusen. Aber für das Selbstverständnis der Borussia war das alles zu wenig, und zwar spielerisch wie kämpferisch. Diesen Anschein hatten zu viele Auftritte des BVB und nur das Äußerliche kann man objektiv beurteilen.

Als hätte es noch eines Beweises bedurft, verlor die Borussia verdient in Sinsheim, wurde von der Nagelsmann-Truppe noch überholt und schleppte sich nur in die Champions League, weil Leverkusens Aufholjagd gegen Hannover irgendwann ins Stocken geriet. Selbst wenn es zählte – oder gerade dann – konnten die schwarz-gelben Jungs 2017/18 oft nicht ihr Leistungsvermögen abrufen.

Fehlerkette beginnt bei Stöger

Nach dieser Partie dürfte es noch einmal deutlich weniger Befürworter einer Weiterbeschäftigung des grundsätzlich sympathischen Peter Stöger geben als zuvor. Die Aufstellung wirkte wie der Höhepunkt eines hilflosen Rumtüftelns an der Startelf – dabei schien der Trainer in dieser Hinsicht schon weiter zu sein. Aber was ritt ihn, es mit einer Dreierkette inklusive Akanji als einzigem echten Innenverteidiger und Marcel Schmelzer zu versuchen? Warum stellte er mit Sahin und Weigl gleich zwei über die Saison hinweg eher enttäuschende Akteure in die Startelf? Und warum um alles in der Welt spielte André Schürrle und nicht Maximilian Philipp? Weiterlesen „Ein passendes Saisonfinale“

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Dortmunds netter Versuch in Bremen

1. Bundesliga, 32. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 1

Keine 90 Minuten Spitzenfußball, die ein oder andere heikle Szene überstanden, aber allemal genug getan, um drei Punkte mitzunehmen: So lässt sich das schwarz-gelbe Gastspiel in Bremen zusammenfassen. But you can’t win anything with Schürrle, um es mal frei nach Alan Hansen zu sagen. Ich würde mich freuen wenn ich genauso falsch läge wie der schottische TV-Experte – glaube es aber nicht.

Wer hätte nicht gerne einen Bierbecher in Richtung Bildschirm geworfen, als der eingewechselte André Schürrle frei vor Jiri Pavlenka am Bremer Keeper scheiterte? Klar, der Schuss war klasse gehalten – aber war er nicht besser platzierbar? Es ist das Langzeitproblem von Schürrle: Er läuft und läuft, schießt und schießt, trifft aber nicht. Auch an seinem sanften Kopfball war Pavlenka noch entscheidend dran.

Natürlich lag das Unentschieden mehr am Bremer Torwart als an einem einzelnen Dortmunder. Es gab außerdem Aluminiumtreffer von Akanji und Sancho, einen knapp verfehlten Knaller von Marco Reus. Aber es ist symptomatisch für diese BVB-Saison, dass Peter Stöger immer wieder André Schürrle bringt oder bringen muss.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Vor allem in der zweiten Halbzeit war das eine ansprechende Partie von schwarz-gelb, während es zuvor längere passive Phasen gegeben hatte. Und da auch die Bremer weiter mitmischen wollten, wurde es trotz Dortmunder Überlegenheit doch noch zu einem dieser heißen Duelle, für die diese beiden Klubs schon oft gesorgt haben.

Die schwarz-gelbe Offensive lässt sich in der derzeitigen Besetzung gut anschauen, doch natürlich fehlt ein echter Torjäger. Gegen Mainz, das heute zum Glück RB Leipzig schlug, kann der BVB dennoch die Champions League klar machen. Eine gute Gelegenheit, noch an den Blauen vorbeizuziehen, hat man jedoch ausgelassen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Akanji – Weigl, Götze – Pulisic (61. Schürrle), Reus, Sancho – Philipp (79. Yarmolenko). Gelbe Karten: Piszczek, Sokratis. Tor: Reus

Und etwas dreht sich doch

1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 4 Bayer Leverkusen 0

Was passiert denn da auf dem Planeten Borussia? Kapitän Marcel Schmelzer sitzt unverletzt auf der Tribüne und die Mannschaft nimmt Bayer 04 auseinander. Ob das etwas miteinander zu tun hatte?

Wenn ich mir nach der Derby-Pleite etwas von Peter Stöger und den schwarz-gelben Jungs gewünscht hatte, dann mehr Mut. Ich hatte auf Alexander Isak in der Startelf gehofft – doch der stand nicht im Kader. Überraschungen in der Aufstellung gab es trotzdem: Götze rückte ins zentrale Mittelfeld und Jadon Sancho auf die linke Außenbahn. Hinten links spielte der Innenverteidiger Manuel Akanji. Für Schmelle. Und wie.

Doppelter Punktgewinn für Stöger

Peter Stöger traf nicht nur eine überfällige Personalentscheidung, er konnte sich am Ende der Partie auch als Taktiksieger fühlen. Mit Akanji kam der nötige Druck auf die als Schwachstelle erkannten Leverkusener Außenverteidiger zustande. Endlich funktionierte einmal ein Dortmunder Flügel von vorne bis hinten. Obendrein war der Schweizer Aushilfs-Linksverteidiger auch an einem der BVB-Treffer maßgeblich mit einem langen, präzisen Pass beteiligt. Weiterlesen „Und etwas dreht sich doch“

Nur noch vier Spiele – zum Glück!

1. Bundesliga, 30. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 0

Die sportlich gesehen enttäuschendste Spielzeit des BVB seit langem – ja, trotz der letzten unter Jürgen Klopp – geht bald zu Ende. Das ist die schönste Erkenntnis eines bis in die Nachspielzeit schwarzen Derby-Tags für Schwarz-Gelb. Die Borussia vergab auch die letzte Chance auf einen versöhnlichen Saisonausklang – ja, trotz der weiterhin möglichen CL-Qualifikation.

Schalke ging in eigener Halle verdient als Sieger vom Platz. Weil die Gastgeber länger die Mannschaft mit dem reiferen Spielaufbau waren. Weil sie mehr gute Abschlussmöglichkeiten hatten. Die ausgeglichene Zahl der Torschüsse (12:12) täuscht: Die des BVB waren harmloser, oft mit viel Hoffnung abgefeuert, manchmal eher Zufallsprodukte. Schalke gewann auch, wie Peter Stöger richtig erkannte, wegen individueller Fehler: Marcel Schmelzer verlor den Ball vor dem 0:1, die Spieler in der Freistoßmauer patzten beim 0:2. Aber das ist wirklich nicht mal die halbe Wahrheit.

Den schwarz-gelben Jungs gelang nach vorne zu wenig. Ganz wenig. Obwohl Christian Pulisic sich abmühte und in Ansätzen seine Klasse erkennen ließ. Aber fast alle anderen hatten einen gebrauchten Tag. Mal wieder, wenn es um etwas geht. Ausnahme: Roman Bürki, mal wieder. Mo Dahoud wirkte zunächst extrem engagiert, aber auch das legte sich im Laufe des Spiels. Ja, den Fehler vor dem Gegentor machte Schmelzer. Überraschung. Ist ja nicht so, dass man es nicht hätte wissen können, dass unsere Außenverteidigung nicht auf dem neuesten Stand ist. Eine Dreifach-Verneinung in einem Satz? Ja, auch das passt heute.

Dass es an ganz bestimmten Stellen – Außenverteidigung, Mittelfeldzentrale – weiter hakt, überrascht natürlich nicht. Inzwischen kann man aber auch davon sprechen, dass diese schwarz-gelbe Mannschaft ein Problem mit Topspielen hat. Mit dem Druck in diesen Spielen. Das Problem tritt nicht in jeder solchen Partie gleichermaßen auf – so fiel Leipzig positiv aus dem Rahmen. Es zieht sich auch nicht immer über 90 Minuten. Aber oft sind es die entscheidenden Momente, in denen das Team eben nicht auf der Höhe wirkt.

Man kann über die Gründe für die fehlende Druckresistenz jetzt wieder lange spekulieren. Man darf das letzte Frühjahr dabei nicht vergessen, aber es wird auch nie einen Beweis geben, dass da noch was nachhängt. Also bleibt uns nur, auf einen möglichst umfassenden Neuanfang im Sommer zu hoffen. Mit Watzke und Zorc, das wissen wir und das ist auch gut so. Aber vielleicht ohne viele andere. Und auch das könnte für alle Beteiligten gut sein. Ob Michy Batshuayi im Juli noch da sein wird? Eher unwahrscheinlich. Fehlen wird er der Borussia aber wohl schon vorher. Verletzte er sich doch in der Nachspielzeit dieses Derbys zum Vergessen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Schmelzer (86. Götze) – Sahin, Dahoud (79. Sancho) – Pulisic, Reus, Philipp (46. Schürrle) – Batshuayi. Gelbe Karte: Piszczek.

Das andere Gesicht

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 1 Hannover 96 0

Es geht also doch: Rechtzeitig vor den Partien gegen die namhaftesten und formstärksten Konkurrenten in der Bundesliga hat Borussia Dortmund mal wieder ein überzeugendes Spiel abgeliefert. Gesehen habe ich davon dank des neuen Fernsehvertrags nur die Zusammenfassung auf „Sky“. Aber eine Statistik lügt wohl nicht: Mit 27 Torschüssen stellten die Schwarz-Gelben für sich eine neue Saisonbestmarke auf.

Dass die Gastgeber so viel mehr Torgefahr ausstrahlten als am Donnerstag in Salzburg, dürfte auch daran liegen, dass es 96 scheinbar kaum gelang, ein ähnlich aggressives Pressing aufzuziehen wie die Österreicher. Von außen betrachtet sieht es natürlich außerdem so aus, als ob die Borussen mit einer ganz anderen Einstellung auftraten als beim Brauseklub. Doch mit „Laissez-faire“ und „Nicht-kämpfen-wollen“ hatte die Leistung vom Europa League-Spiel wohl nichts zu tun – eher mit einer Negativspirale, in der sich die Spieler wiederfanden.

In der Liga dagegen hat Peter Stöger die schwarz-gelben Jungs stabilisiert, wie zuletzt gegen Frankfurt zu sehen war. Und vielleicht war das heute auch eine Reaktion auf die harte Kritik, die es nach Salzburg von allen Seiten gab. Allerdings hätte der BVB mehr Tore schießen müssen – wirklich souverän ist so eine Chancenverwertung natürlich nicht. Zumal das wegen Abseits nicht gegebene Tor der Gäste auch gleiche Höhe gewesen sein könnte.

Das Tor, das zählte, war allerdings mindestens drei Punkte wert. Eine Ecke, die Michy Batshuayi direkt mit der Hacke ins Tor lenkte – etwas Vergleichbares haben wir im Westfalenstadion schon lange nicht mehr gesehen. Ein Treffer, der auch in den Saisonrückblicken zu sehen sein dürfte.

Nach der Länderspielpause geht es dann zum Topspiel nach München. Wo sich die Bayern wohl wieder deutlich mehr Mühe geben werden als heute Abend in Leipzig.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Toprak (46. Sokratis), Schmelzer – Castro (64. Weigl), Dahoud – Pulisic (70. Philipp), Götze, Schürrle – Batshuayi. Gelbe Karten: Akanji, Sokratis. Tor: Batshuayi

Dortmund gibt sich die Mozartkugel

Europa League, Achtelfinale / „FC“ Salzburg 0 BVB 0

Es hört sich ja schon komisch an, vom „Wunder von Salzburg“ zu sprechen. Aber in diese Verlegenheit kommt nun keiner. Borussia Dortmund hat sich mit einem tristen 0:0 aus dem Europapokal verabschiedet – nach einer insgesamt sehr schwachen Kampagne. Das Weiterkommen in der schweren CL-Gruppe war keine Pflicht, mehr Punkte gegen Nikosia allerdings schon. Und ein Ausscheiden gegen RBFC Salzburg wegen einer Heimniederlage geht natürlich gar nicht.

Was die Schwarz-Gelben gestern Abend boten reihte sich ein in die schwächeren Auftritte in den europäischen Wettbewerben dieser Saison. Da war über weite Strecken eine Mannschaft auf dem Platz, die keinen Plan davon hatte, wie man diesen Gegner systematisch unter Druck setzen könnte. Und vor allem in der ersten Hälfte auch wenig Plan, wie man die schnellen Salzburger Attacken unterbinden sollte. Wenn Letzteres in den zweiten 45 Minuten etwas besser aussah, dann lag das vor allem an einer verbesserten Innenverteidigung, in der sich Toprak-Ersatz Zagadou besser präsentierte als zu Beginn.

Es blieb auch gestern dabei: Der BVB schafft es nicht mehr, das Zentrum des Spielfelds zu kontrollieren. Meistens ging es uneffektiv über die Außen oder mit langen Pässen nach vorne, die nicht ankamen. Mahmoud Dahoud wirkte emsig, verbuchte das technische Kabinettstückchen des Spiels, um den Ball zwei Sekunden danach zu verlieren. Das fasst seine Leistung ganz gut zusammen. Die Borussen überall auf dem Platz wirkten zu oft zu langsam, kamen zu spät, spielten unsauber ab. Es war ernüchternd – bis auf eine Phase von etwa zehn Minuten in Hälfte 2, in der man die Gastgeber ernsthaft unter Druck setzte und zwei große Chancen vergab. Weiterlesen „Dortmund gibt sich die Mozartkugel“

Leider ein Topspiel

1. Bundesliga, 25. Spieltag / RB Leipzig 1 BVB 1

So was wollen wir in der Bundesliga sehen! Nach der Partie des Tabellensechsten gegen den vor dem Wochenende Tabellenzweiten darf man feststellen: Es geht doch noch spannend und temporeich. Einige Beobachter der höchsten deutschen Spielklasse hatten zuletzt ja die Qualitätsfrage gestellt. Sportlich sind diese Leipziger eine Bereicherung, auch den zuletzt vor sich hin verwaltenden Schwarz-Gelben rangen sie eine reife Leistung ab. Und dennoch: Für unseren Lieblingssport sind und bleiben sie ein Tiefschlag. Wer darin einen Widerspruch sehen will: bitte sehr!

Die Begegnung gestern Abend war leistungsmäßig von einem perfekten Spiel trotzdem weit entfernt. Gegen schnell agierende Offensivakteure gerieten die Abwehrreihen beider Seiten wiederholt in Schwierigkeiten. Aber genau deshalb entstand eine rasante Partie. Manuel Akanji, der in der Liga mal wieder für Sokratis ran durfte, leistete sich den ersten großen Fehler, wusste aber in der Folge meistens zu überzeugen.

Problematisch für beide Teams war weniger die Innenverteidigung, sondern eher der phasenweise kaum vorhandene Zugriff der zentralen Mittelfeldspieler. Bei den Gastgebern enttäuschte vor allem der Ex-Borusse Kampl, bei Schwarz-Gelb waren Weigl und Dahoud allenfalls hin und wieder Faktoren im Spielaufbau. Ja, Mo zeigte eine leichte Aufwärtstendenz, inklusive starker Vorbereitung des Ausgleichs. Aber die Zahl seiner ungenauen bis sinnlosen Pässe überstieg immer noch die besseren.

Die Rückkehr des Torjägers

Generell war die erste Hälfte eher was fürs Auge und die Offensive, in der zweiten standen die Defensivreihen dann besser. Mit nur ein wenig mehr Glück hätte Michy Batshuayi trotzdem das zweite Tor machen können. So blieb es bei einer sicherlich gerechten Punkteteilung, auch wenn die Leipziger am Ende wieder was zu jammern hatten: War Marco Reus‘ Mittelfinger beim 1:1 möglicherweise einen Millimeter im Abseits? Das Beste aus Halbzeit 2 war die Rückkehr von Maximilian Philipp, der nach 78 Minuten für Götze kam. „Millie“ ist nach dem Abgang von Auba trotz seiner langen Verletzung immer noch führender Torschütze der Schwarz-Gelben in dieser Saison.

Gut zu sehen: Die Einstellung des BVB stimmte über 90 Minuten plus. Die Frage dazu: Bleibt das in Spielen gegen vermeintlich kleinere Gegner so? Während das 1:1 gestern einerseits als guter Punkt zu werten ist, hätte man gerne mit einem Sieg Revanche für das Heimspiel genommen. Und tabellentechnisch hilft das Unentschieden natürlich auch nicht weiter, haben doch alle anderen unmittelbaren Konkurrenten gewonnen. Die Frage bleibt also: Was kommt als nächstes? Zunächst gegen den Klub, der natürlich nur rein zufällig denselben Hauptsponsor hat wie der gestrige Gegner.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Toprak, Schmelzer – Weigl, Dahoud – Reus (88. Pulisic), Götze (78. Philipp), Schürrle – Batshuayi. Gelbe Karten: Weigl, Dahoud, Batshuayi, Piszczek. Tor: Reus

Tristesse noir-jaune

54.300 Zuschauer waren am Montag im Westfalenstadion – so die offizielle Zahl. Das heißt, rund 27.000 Plätze blieben leer. Es war ein starkes Zeichen nicht nur gegen die Montagsspiele an sich, sondern auch gegen eine Entwicklung, zu der man sich verhalten muss. Natürlich gibt es die Leute, die den Ultrakommerz für den Gang der Dinge halten, einen Weg ohne Umkehrmöglichkeit. Die sich damit arrangieren. Und natürlich waren nicht alle gegen Augsburg Fehlenden wirklich Protestler. Es gibt Menschen, die es am Montag tatsächlich nicht ins Stadion schafften. Etwa viele Fans aus Augsburg. Manchem wird es zu kalt gewesen sein.

Andere wiederum dürften sich gefragt haben, was sie im Stadion erwartet. Um zur Ansicht zu gelangen: Nicht genug, um den Boykott zu boykottieren. Ich selbst hatte keine Lust, an einem Montagabend in die ferne Kneipe zu gehen, um Eurosport zu gucken. Gerade als Blogger macht es nicht wirklich Spaß, ein BVB-Spiel zu verpassen, aber es gibt Schlimmeres.

Elf Beamte sollt ihr nicht sein

Und was muss man sagen: Ein offensichtlich tristes Spiel in trister Stimmung gab uns Nichtschauern recht. Selbst Peter Stöger äußerte sich nach der Partie für seine Verhältnisse sehr unzufrieden, ganz zu schweigen von Michael Zorc. Die Schwarz-Gelben wollten den frühen Vorsprung verwalten, von „Beamtenfußball“ war die Rede. Die Gäste hatten am Ende mehr Torschüsse zu verzeichnen als die Borussia.

Michael Zorc dürfte derzeit so angefressen sein, weil er mehr und mehr realisiert, dass es tiefgreifender Änderungen an der Zusammensetzung und Einstellung des Kaders bedarf, um den BVB wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Und würde Aki Watzke seine Andeutungen bezüglich Vertragsgesprächen mit Stöger nach dieser scheinbar blutleeren Vorstellung so wiederholen? Dessen ‚tolle‘ Bilanz relativiert sich doch angesichts der Tatsache, dass zumindest in der Bundesliga Peter Bosz in der Hinserie noch erfolgreicher war – gegen dieselben Gegner.

Was zählt ist das, was jetzt kommt. Unter anderem Leipzig, Bayern und das Derby. Und natürlich RB Salzburg. Allzu optimistisch kann man da angesichts der letzten Auftritte nicht sein. Obwohl gegen die Großen wohl zumindest die Einstellung stimmen wird. Sollte das jetzt alles super laufen, spricht nichts gegen eine Verlängerung mit Stöger. Aber der sieht das selbst schon ganz richtig: Es gibt keinen Grund, in dieser hektischen, schwierigen Phase zu verhandeln.

Erst harte Kost, jetzt Mozartkugeln

Europa League, Zwischenrunde / Atalanta Bergamo 1 BVB 1

Europapokal-Auftritte – sollen das nicht eigentlich Festtage sein? Borussia Dortmund erlebte dagegen in Reggio nell’Emilia, wo Atalanta Bergamo seine internationalen Spiele austrägt, einen in mehrerer Hinsicht schmutzigen Abend.

Es waren ja nicht nur die schmutzigen Trikots und die dank Kälte und Dauerregen erneut schwierigen Bedingungen. Sicher hatten letztere etwas mit der Qualität der Darbietung beider Mannschaften zu tun. Aber was der BVB in diesem K.O.-Spiel bot, zeigte nach den zuletzt positiven Ergebnissen noch mal die ganze Bandbreite der Schwierigkeiten auf, die der Klub in den nächsten Monaten bewältigen muss.

Es sind Dinge, die hier und anderswo schon ein ums andere Mal angesprochen wurden. Da hätten wir das Mitte-lastige Spiel der Borussia, bedingt auch durch die fehlende Qualität auf den Außenverteidigerpositionen. Über Toljan in seiner gestrigen Form brauchen wir ohnehin nicht zu reden. Aber wer immer noch oder erneut Piszczek oder Schmelzer wegen seines Tores als Heilsbringer sieht, hat doch auch zu viel Nostalgie gespritzt. Weiterlesen „Erst harte Kost, jetzt Mozartkugeln“

Dortmund erntet drei Punkte auf Gladbacher Acker

28 zu 7 Torschüsse verbuchte Mönchengladbach am Ende der Sonntagabendpartie zu seinen Gunsten – hat der BVB daher glücklich oder gar unverdient gewonnen? Glücklich war im Borussia Park gestern alles. Deshalb kann man kaum von verdient oder unverdient sprechen. Selbst niederrheinische Bauern würden sich für solch einen Acker schämen. Dabei liegt Mönchengladbach nur gut 20 Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt – dort gibt es Gras nicht nur zum Rauchen, sondern auch als feinste Auslegeware fürs Stadion. Da kann man nur sagen: selber schuld, Gladbach!

Weil aufgrund der Platzverhältnisse so vieles in der gestrigen Partie zufällig wirkte, machte es als Fußballspiel nicht so viel Sinn und Spaß. Spannend war es trotzdem. Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte, in der auf Dortmunder Seite vor allem Mario Götze und Marco Reus Akzente setzen konnten, kamen die Gladbacher vor allem dank der zweiten 45 Minuten auf ihren imposanten Vorsprung an Torschüssen. Doch obwohl Roman Bürki zum Mann des Spiels werden musste, um die drei schwarz-gelben Punkte festzuhalten, täuscht die Zahl 28. Aufs Tor kamen davon ’nur‘ elf Schüsse. Dass die Abschlüsse auf beiden Seiten nicht gefährlicher waren, hatte zu einem guten Teil sicher ebenfalls mit den Bodenverhältnissen zu tun.

Ein Spiel für Papa

Diese begünstigten dafür die Innenverteidiger. Niemand verlangte von ihnen gestern eine kreative Spieleröffnung. Es reichte völlig, zur Stelle zu sein und robust zu klären. Sokratis und Manuel Akanji machten das richtig gut. Gerade für ‚Papa‘ dürfte es ein Spiel nach seinem Geschmack gewesen sein. Von den Mittelfeldspielern erwartet man sich da gemeinhin etwas mehr, doch gestern war selbst Julian Weigl entschuldigt, der immerhin mit ein paar ordentlichen Tacklings gefallen konnte.

Die Gladbacher hatten am Ende ein Problem mit Schiedsrichter Bastian Dankert, als der kurz vor Schluss nicht auf Elfmeter für Vestergaard entschied. Sokratis hatte ihn im Strafraum kurz gehalten. Aber auch die Spielleitung stand unter dem Eindruck des schlechten Platzes und insofern war Dankert konsequent: Er ließ mehr laufen als gewöhnlich. Und über die ganzen 90 Minuten betrachtet pfiff er eher kleinlicher gegen den BVB.

Viel mehr zu bewerten fällt bei dieser Partie schwer. Alle interviewten Dortmunder gaben zu, dass vor dem Team noch viel Arbeit liegt. Auch wenn der BVB jetzt – Stand Montag, 21.15 Uhr – Platz 2 belegt. Wie stabil der Fortschritt ist, den man spätestens seit der Rückkehr von Marco Reus erkennt, wird die Partie in Bergamo zeigen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Akanji, Toljan – Weigl, Castro – Reus (79. Dahoud), Götze (74. Pulisic), Schürrle (87. Toprak) – Batshuayi. Gelbe Karte: Batshuayi, Castro, Bürki. Tor: Reus