The Long Goodbye of Pep Guardiola

Jetzt ist es endlich raus: Pep Guardiola verlässt den FC Bayern nach drei Jahren im Sommer. Und natürlich gehört es zum Selbstverständnis des Rekordmeisters, auch medial keine Sekunde ohne Trainer dazustehen: Mit Carlo Ancelotti steht der Nachfolger bereits fest. Und im nächsten Halbjahr dreht Pep seine Abschiedsrückrunde, die, so das Bayern-Skript, mit dem Champions League-Sieg enden soll.

Nun sagen manche Medienvertreter – womöglich, weil sie keinen bevorzugten Zugang zu Guardiola bekamen – der Drei-Jahres-Trainer habe keine Ära geprägt, weil er bisher nicht die CL mit dem FCB gewonnen hat. Andere trauern gleich, dass die Bundesliga einen Verlust erleide, wenn Bayern ohne Pep daherkommt. Beides ist natürlich Quatsch. Guardiola hat dem FC Bayern gut getan. Die Liga verliert mit seinem Abgang zwar einen echten Fußball-Typen, aber unattraktiver wird sie sicher nicht.

Zum einen kommt Ancelotti, zum anderen mit ihm auch ein Hoffnungsschimmer, dass es für die Bayern ein wenig weniger souverän zugeht in der Meisterschaft. Denn auch wenn die Liga 18 Vereine hat, entscheidet doch der Kampf um die Meisterschaft zu einem wesentlichen Teil darüber, als wie attraktiv der Wettbewerb wahrgenommen wird.

Keine Liebesbeziehung: Der FC Bayern und die Liga

7. Spieltag in der Fußball-Bundesliga: Nach zwei Unentschieden des ärgsten Verfolgers zieht der FC Bayern bereits wieder weitgehend unbedrängt seine Kreise. Zwei Partien nach dem Startrekord von Borussia Dortmund hat der Rekordmeister die Möglichkeit, die Schwarz-Gelben am Sonntag auf sieben Punkte zu distanzieren. Der Pokalsieger und Vizemeister aus Wolfsburg hat bereits jetzt neun Zähler Rückstand. Gewinnen die Roten am Wochenende, könnte ausgerechnet der FC Schalke als einziges Team den Abstand bei erträglichen fünf Punkten halten. Doch nach Auftritten wie gegen den VfB nimmt wohl niemand die Blauen ernsthaft als Konkurrenz für die Bazis wahr.

Reden wir also über die Dominanz des FC Bayern! Natürlich ist das ein für Fußball-Verhältnisse uraltes Thema, das seinen Ursprung wohl schon in den 1980ern hat. Doch es beschäftigt die Fans eben nach wie vor wie kaum ein zweites. Sind die nationale Vormachtstellung und die internationale Konkurrenzfähigkeit des FCB Segen oder Fluch für den Rest der Liga?

Fragt man die Verantwortlichen anderer Vereine, kommentieren die das Thema meist fatalistisch. DFB und DFL weisen auf die ungebrochene Attraktivität der Liga, die vollen Stadien und die vielen anderen spannenden Entscheidungen jenseits der Meisterschaft hin. Und überhaupt: Die Bayern seien schließlich ein weltweites Aushängeschild des deutschen Fußballs und sorgten mit ihren Erfolgen in der Champions League dafür, dass andere Vereine überhaupt erst teilnehmen könnten – wie gerne auch von Fans der Münchener angeführt wird. Weiterlesen „Keine Liebesbeziehung: Der FC Bayern und die Liga“

You only sing when you’re losing Champions League semi-finals!

Vorsicht, zart besaitete Bayern-Fans, bitte nicht weiterlesen! Hier kommt ein astreiner Schadenfreude-Artikel.

Meisterlich, diese Bayern-Fans! Für einen Abend hatten sie sich geschworen, die Arena in Fröttmaning zu einer Lärmhölle zu machen. Und es gelang für Münchener Verhältnisse auch ganz gut, selbst wenn es in der zweiten Hälfte etwas monotoner wurde. Das Problem: Real Madrid wirkte davon mitnichten eingeschüchtert und das eigene Team eher zu sehr aufgeputscht.

0:4 im eigenen Stadion – der gut aufgelegte ZDF-Kommentator Oliver Schmidt, dem es während des Spiels schon so vor kam, als hätte man den Bayern die Festplatte gelöscht, hatte die passende Statistik parat: Es war die höchste Europapokal-Heimniederlage des besten Teams mit dem besten Trainer der Welt.

Im direkten Duell wird gestern auch den meisten Bayern-Fans klar geworden sein, dass Cristiano Ronaldo zu Recht Weltfußballer des Jahres geworden ist und nicht Watschn-Fronck. Und Mario Götze wird sich riesig gefreut haben, als er Letzteren in der 72. Minute ersetzen durfte.

Gab es etwas, was an diesem Abend nicht schön war? Ja, der Fernseher eines mir nicht bekannten Nachbarn und offensichtlichen Real-Fans war schneller als mein Kabelanschluss, so dass ich die vier Jubelschreie circa drei Sekunden vor der Betrachtung der entsprechenden Bilder vom Hof schallen hörte. Ich habe das Fenster trotzdem offen gelassen.

Hoeneß und Hybris

(Updated) Immer wieder haben sich Funktionäre des FC Bayern in den letzten Jahrzehnten über, sagen wir, schillernde Persönlichkeiten des Fußball-Geschäfts wie Roman Abramowitsch oder den ehemaligen Präsidenten von Deportivo La Coruna, Augusto Cesar Lendoiro mokiert. Heute nun wurde der amtierende Bayern-Präsident Uli Hoeneß in erster Instanz zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Mit Karl-Heinz Rummenigge hat ein Vorbestrafter den Vorstandsvorsitz des Vereins inne.

Nun wird dem nahezu jeder Bayern-Fan entgegenhalten, dass es sich um private Verfehlungen der FCB-Verantwortlichen handle und diese selbst immer nur das unseriöse Geschäftsgebaren mancher internationaler Konkurrenten gebrandmarkt hätten. Das Fußball-Business des Klubs werde selbstverständlich vorbildlich geführt.

Das ist nach allem was man weiß, zutreffend. Doch gibt es wirklich keine Verbindung zwischen den Handlungen des Sportfunktionärs Hoeneß und seinem privaten Verhalten? Gibt es keine Parallele zwischen einer Vereinspolitik nach dem Motto „Wenn wir mal nicht die Besten sind, kaufen wir so lange bis wir es wieder sind“ und Hoeneß‘ privater Zockerei mit der Einstellung „Mache ich mit meinen Finanzgeschäften mal Verluste, setze ich einfach noch einen drauf“?

Der Bayern-Präsident hat sein damaliges Verhalten selber als eine Sucht charakterisiert. Doch entsprang sie nicht der gleichen Hybris wie die Vereinshaltung „Wir machen etwas, weil wir es können“? Ist es nicht vielmehr eine Hybris der Macht, die ihn beim FC Bayern wie privat angetrieben hat? Was auch immer es war, letztendlich hat es dazu geführt, dass aus dem Fußball-Uli der Angeklagte und Verurteilte Ulrich Hoeneß geworden ist.

UPDATE: Nun hat es Hoeneß tatsächlich noch zu einem so gut wie möglichen Ende gebracht. Respekt, ULI. Und wann kommt der Sat1-Fernsehfilm?

Die Wiederholung von Sprechblasen

Beinahe mehr als alles konkrete Handeln des FC Bayern hat mich im Nachhinein das Rummenigge-Zitat von 2012 genervt, in dem er sich einen gesunden Konkurrenzkampf mit dem BVB wünscht (ich habe das hier oft genug angeführt). Die Kernaussage hat der Vorstandsvorsitzende des FCB nun – nach den vollzogenen bzw. angekündigten Verpflichtungen von Mario Götze und Robert Lewandowski – in einem „Kicker“-Interview wiederholt: „(…) wir holen keinen Spieler aus Dortmund, um sie zu schwächen (…)“.

Das Zitat ist ein klassischer Fall für die AGW-Kategorie Heiße Luft. Es hat null Relevanz, weil die Bayern de facto natürlich Dortmund schwächen – und das auch wissen und mindestens in Kauf nehmen. Rummenigge wünscht sich im Interview fünf, sechs Bundesligavereine, die an der Spitze konkurrieren, wie in der englischen Premier League. Den Widerspruch zum eigenen Handeln kann er nicht auflösen. Zur Begründung der Verpflichtungen von Götze und Lewandowski sagt er:

„Solche Spieler gibt es nur bei Top-Klubs, und der Heimatmarkt ist einfach der wichtigste, obwohl der mittlerweile auch teuer ist.“

Diese Begründung, so man sie denn versteht, kann wirklich nur die verblendetsten aller Bayern-Fans überzeugen. In Kreisen der Roten wurde ja bis vor Kurzem kontrovers diskutiert, ob eine Lewandowski-Verpflichtung angesichts von Pep Guardiolas Taktik und Mario Mandzukic notwendig sei. Und wer soll denn bitte glauben, dass der große Weltpokalsieger keine Alternative zu diesen beiden Personalien gehabt hätte? Wenn man sich ernsthaft eine breitere Ligaspitze wünschen würde …

(Quelle: Kicker Nr. 9/2014, S. 6)

Ein formal korrekter Vorgang

Robert Lewandowski wechselt im Sommer ablösefrei zum FC Bayern München und unterschreibt dort einen Fünfjahresvertrag. Woran spätestens seit den klärenden Worten des Stürmers im Herbst kaum noch ein Zweifel bestand, wurde nun offiziell bestätigt. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, dass bei diesem Transfer formal alles korrekt gelaufen sei. Und was will man dem FC Bayern auch vorwerfen – sie haben einen Spieler verpflichtet, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Fragt man Fans, die den deutschen Vereinsfußball mögen, dürfte sich außer den Bayern und ein paar Schalkern jedoch kaum jemand über den Wechsel freuen.

Dass manche Leute gedacht haben, die Verantwortlichen des Rekordmeisters scherten sich wirklich um das Niveau der deutschen Fußball-Bundesliga, mag man für naiv halten; der Gedanke wurde aber von den Bossen Rummenigge und Hoeneß durch von mir schon mehrfach zitierte Äußerungen nahe gelegt. Ersterer sagte 2012, man werde keinen BVB-Spieler verpflichten, nur um den Konkurrenten zu schwächen. Damit hat Rummenigge formal nicht gelogen. Aber sollte die Politik in der Vergangenheit bei anderen Transfers mal anders gewesen sein – zugegeben haben es die FCB-Granden ohnehin nie. Deshalb kann man wie bei allen Bayern-Transfers getrost mehrere Motive unterstellen.

Läge den Machern von der Säbener Straße wirklich etwas an einem Konkurrenzkampf in der Liga, hätte man sich durchaus anderswo bedienen können. Natürlich sind Götze und Lewandowski absolute Topspieler, doch dass es weltweit keine gleichwertigen auf ihren Positionen gebe, ist eine unbewiesene, Deutschland-zentrierte Behauptung. Die Bayern haben sich schlicht und einfach für den einfachsten Weg entschieden – weil sie es können, haben sie formal korrekt nach dem wahrscheinlich besten Mittelfeldspieler auch den besten Stürmer der Bundesliga verpflichtet. Integrationsprobleme sind so natürlich nicht zu erwarten, es sei denn, der Rekordmeister schafft sich selber welche.

Droht nun 2014/15 endgültig Langeweile in der Liga? Ein Untergangsszenario braucht trotz allem niemand, schließlich kann immer Unvorhergesehenes passieren; am Zoll, in der Politik, vor Gericht und erst Recht im Fußball. Dass die Bayern aber etwas für die Attraktivität der Liga als Ganzes tun, ist heute so sehr ein Märchen wie es schon lange eines war und vermutlich noch lange eines bleiben wird.

Borussia Dortmund hatte seit Monaten Gelegenheit, sich auf Lewas Ausstiegsszenario vorzubereiten. Natürlich sind Michael Zorc und Jürgen Klopp längst auf der Suche nach einem Nachfolger, doch da der BVB nicht annähernd so viel investieren kann wie die Bayern, muss man gründlicher und fantasievoller vor- und ein höheres sportliches Risiko eingehen. Treffer gelingen auf dem Transfermarkt nicht am laufenden Band und daher gehen auch die fehl, die jetzt erwartungsgemäß „ich weiß, was ihr letzten Sommer hättet tun sollen“ sagen. Robert Lewandowski hat in der Liga 2013/14 bisher 11-mal getroffen und darüber hinaus wichtige CL-Tore erzielt. Hätte man das Geld genommen und einen Anderen verpflichtet, wäre man möglicherweise international nicht mehr dabei und stünde national noch schlechter da – auch wenn das niemand beweisen kann.

Die Unterschiede zum Götze-Wechsel wurden schon häufiger thematisiert und sind darüber hinaus zu nahe liegend, um sie noch mal erwähnen zu müssen. Robert Lewandowski hat für den BVB verdammt viel getan in den letzten Jahren, gerade gegen seinen zukünftigen Verein. Vielleicht gelingt ihm das auch in der Rückserie noch mal, vielleicht wieder gegen seinen zukünftigen Verein. An seinem Einsatzwillen braucht man jedenfalls nicht mehr zu zweifeln; seine Wechsel-Entscheidung folgt seiner persönlichen, kühl kalkulierten Kosten-Nutzen-Rechnung.

Nach dem aus Borussensicht erwartbar schlechten Auftakt wünsche ich dennoch allen Lesern ein gutes neues Jahr!

Götze und der König der Heuchler

Mario Götze wechselt zum FC Bayern. Schuld daran ist in erster Linie eine Ausstiegsklausel, die er und sein Berater Volker Struth in den unlängst verlängerten Vertrag haben schreiben lassen. Auf die hat sich Borussia Dortmund eingelassen. Auf die hat sich auch Bayern München eingelassen. Zum zweiten Mal innerhalb von einem Jahr kauft der FCB einen Spieler mit langfristigem Vertrag für nahezu 40 Millionen Euro aus demselben. Geld, das nach derzeitigem Stand rechtlich einwandfrei verdient wurde. So weit, so business.

Und nun mal Nüchternheit und Selbstbeherrschung beiseite: Die Äußerungen von Uli Hoeneß zu den ’spanischen Verhältnissen‘ in der Bundesliga sind im Angesicht dieses Transfers an Heuchelei und Populismus nicht zu überbieten. Nochmal chronologisch: Im Herbst versichert Karl-Heinz Rummenigge, der FC Bayern habe nicht vor, die nationale Konkurrenz – also Borussia Dortmund – durch Abwerben von Spielern zu schwächen. Vor kurzem machte sich Uli Hoeneß, der nur dank einer Kaution auf freiem Fuß sein soll, medienwirksam Sorgen wegen angeblich drohender „spanischer Verhältnisse“ in der Bundesliga. Also weil nun vermeintlich zwei Vereine die Liga dominieren und nicht wie zuvor einer.

Hoeneß bot der Liga großzügig an, sich gemeinsam Gedanken zu machen, was getan werden könne, um das zu verhindern. Die Reaktion darauf fiel verhalten aus. Vielleicht weil sich niemand so richtig vorstellen konnte, was der Bayern-Präsident im Sinn hatte. Möglicherweise war es ein Benefizspiel gegen die abstiegsgefährdete TSG Hoffenheim. Denn die TV-Verträge und die Verteilung der Einnahmen daraus sind auf Jahre festgezurrt und andere Stellschrauben gibt es kaum.

Der FCB-Grande fühlte sich daraufhin unverstanden, mochte jedoch seine Ideen nicht öffentlich darlegen, sondern zog sein Gesprächsangebot an die Liga und den BVB zurück. Wenig später wurde der Götze-Transfer bekannt. Der aber in Wahrheit schon Tage, wenn nicht Wochen vorher eingetütet war. Und nicht nur eine Schwächung des direkten Konkurrenten darstellt, sondern selbstredend auch den Abstand zum Rest der Liga vergrößert.

Jürgen Klopp war auf der Pressekonferenz zum Madrid-Spiel bemüht, die Wogen um Götze zu glätten und hatte eine beschwichtigende Erklärung für dessen Wechsel: Er wolle unbedingt unter Guardiola spielen. Und es mag sein, dass die Bayern auch erst auf Wunsch des neuen Supertrainers an Götze herantraten. Trotzdem steht unter dem Strich: Die Prinzipien des FC Bayern und insbesondere von Uli Hoeneß gelten nur, solange sie dem eigenen Vorankommen nicht im Weg stehen.

Heute Abend ist also Champions League und Real Madrid zu Gast. Es wäre selbstverständlich kontraproduktiv, Mario Götze nun auszupfeifen, aber manche werden sich trotzdem nicht davon abhalten lassen. Bei Any Given Weekend wird die emotionale Seite seines Transfers erneut Thema sein, verbunden mit der wichtigsten Frage: Was bedeutet das für den BVB?

Bayern holt Dortmunder Meistertrainer

Der FC Bayern setzt zukünftig auf schwarz-gelbe Kompetenz und hat den BVB-Meistertrainer von 2002, Matthias Sammer, als neuen Sportdirektor verpflichtet. Die überraschende Ablösung von Vorgänger Christian Nerlinger stand scheinbar bereits seit Mai fest, wurde jedoch absichtlich nicht im Vorfeld oder während der EM bekanntgegeben. Als Grund für die Trennung nannte der Verein „unterschiedliche Auffassungen über das Konzept für die Zukunft der Mannschaft.

Dass das nur ein Grund neben dem offensichtlichen – den fehlenden Titeln – sein kann, dürfte klar sein. Gibt es tatsächlich unterschiedliche Auffassungen zwischen Sammer und Nerlinger hinsichtlich der Ausrichtung des Vereins und wenn ja, welche? Möglicherweise streben die Vereinsoberen, zuvorderst Uli Hoeneß, eine Wende in der Transferpolitik an, zurück zu den klassischen Führungsspielern, die auch Sammer immer wieder fordert. Spielen bald wieder Raubeine wie Mark van Bommel bei den Bayern, Typen, die auch mal jemand umhauen, wenn es nicht läuft? Solche ‚Tugenden‘ werden ja im Zuge des erneuten deutschen Ausscheidens gegen Italien bei der EM auch von Löws Nationalspielern allen Ernstes gefordert.

Neben diesen neuen, alten Denkmustern, die für Sammer sprechen, könnte jedoch schlicht dessen Kompetenz auf einem anderen Feld ausschlaggebend sein. Trotz der gelegentlichen Differenzen mit der Führungsriege der Nationalmannschaft war man beim DFB schließlich sehr zufrieden mit Sammers Konzepten für die Nachwuchsarbeit. Vom neuen Sportdirektor erwartet die Bayern-Führung also gleichzeitig die Rückkehr des Sieger-Gens und eine bessere Förderung jüngerer Spieler. Ob der Neue auf dem Transfermarkt ebenfalls kompetenter ist als Nerlinger, muss sich jedoch erst erweisen. Abzuwarten bleibt auch, wie sich die berühmte Chemie zwischen den Entscheidern entwickelt. Nach dem Hoeneß-Freund Heynckes und dem unerfahrenen Nerlinger haben sich die Bayern mit Charakter-Sturkopf Sammer wieder einen genau gegenteiligen Typen geangelt.

Wer hat einen Preis für Uli?

Was mich jetzt wieder gewundert hat: Dortmund wird deutscher Meister, fliegt in der Champions League in hohem Bogen raus – wird aber Mannschaft des Jahres. Ein Jahr vorher wurden wir deutscher Meister, Pokalsieger, waren im Champions-League-Finale, wurden aber nicht Mannschaft des Jahres. (…) Die Relation ist manchmal schon komisch.           (Uli Hoeneß im Stern)

Ein guter Verlierer wird der Bayern-Präsident im Leben nicht mehr.

Titel, Tests und Temperamente

Turnier in Mainz / FSV Mainz 0 BVB 1

Borussia Dortmund hat sich erfolgreich in Deutschland zurück gemeldet. Nachdem das letzte Testspiel im Trainingslager gegen Polonia Warschau 1:2 verloren ging, sah man heute im neuen Stadion von alten Bekannten einen ordentlichen Auftritt der Schwarz-Gelben, der mit einem verdienten 1:0-Sieg endete.

Das Turnier in Mainz ist schon allein wegen der verkürzten Spielzeit von 2 x 30 Minuten nicht mit einem Pflichtspiel zwischen den beteiligten Mannschaften zu vergleichen. Es ist jedoch für alle Teilnehmer eine erste Standortbestimmung gegen bekannte Bundesliga-Konkurrenten aus der oberen Tabellenhälfte. Und gegen solche Gegner geht man durchaus etwas ernsthafter zu Sache, wie sich insbesondere im zweiten Spiel zwischen den Bayern und dem HSV auch an einigen Temperamentsausbrüchen zeigte.

Jürgen Klopp versuchte es in der Partie gegen Mainz diesmal mit Kevin Großkreutz auf der Linksverteidiger-Position des verletzten Marcel Schmelzer. Im Mittelfeld spielte Moritz Leitner neben dem alten und neuen Kapitän Sebastian Kehl. Das Spiel brauchte wenig überraschend etwas Zeit, um Fahrt aufzunehmen – mit einer Ausnahme: nach gutem Einsatz von Shinji Kagawa im Strafraum kam Mario Götze zum Schuss und setzte den Ball bereits in der vierten Minute an den Pfosten. Um es vorwegzunehmen: Wie in den letzten Spielen war es ganz besonders das Zusammenspiel dieser beiden Klasse-Fußballer, das uns Schwarz-Gelben Freude machte.

Ansonsten war es zunächst eine ordentliche Partie ohne ganz große Chancen. Beide Teams versuchten, so konsequent wie es zu diesem Zeitpunkt der Saisonvorbereitung geht, ihr typisches Pressing aufzuziehen. Der BVB hatte mehr vom Spiel, brauchte aber bis zur 24. Minute, um sich gegen die veränderte Mainzer Mannschaft wieder richtig in Szene zu setzen. Ivan Perisic kam aus spitzem Winkel zum Schuss, Torwart Müller konnte parieren. Die beste Chance der ersten 30 Minuten produzierten kurz vor dem Pausenpfiff erneut Götze und Kagawa. Mario flankte von rechts, Kagawa kam am langen Pfosten an den Ball, verzog aber über das Tor, weil er das Leder zu hoch erwischte. Kapitän Kehl war einer der wenigen Borussen, die in der ersten Hälfte noch nicht so richtig auf der Höhe schienen. Ärgerlich waren allerdings nur die wiederholten Einblendungen von aus dem Bus steigenden oder herumstehenden Bayern-Spielern und -Trainern während des Spiels. Aber das war bei dem Sponsor wohl zu erwarten.

In der zweiten Hälfte brauchte der BVB nur wenige Minuten, um die schon zuvor sichtbare Überlegenheit zu nutzen. Nach Flanke von Super Mario zeigte Ivan Perisic, was wir von ihm hoffentlich noch öfter erwarten können: Hoher Sprung, perfekter Kopfball ins Toreck. Nicht nur in dieser Szene wirkte der kroatische Neuzugang aus Brügge gegenüber dem Spiel gegen St. Gallen verbessert. Nach der Führung lief es bei den Schwarz-Gelben noch mal deutlich flüssiger als in der ersten Hälfte. Kurz nach seiner Einwechslung schoss Chris Löwe aus mehr als 25 Metern an die Latte. Lewandowski köpfte nach einer Flanke von Perisic über das Tor und zeigte sich leider auch fünf Minuten später nach toller Vorarbeit von Kagawa nicht so effektiv wie gegen die Schweizer.

Die Mainzer kamen nach der Einwechslung ihrer Neuverpflichtung Anthony Ujah noch mal besser ins Spiel. Der 20-jährige Nigerianer konnte sich über links ein paar Mal in Szene setzen und bereitete dem nun rechts hinten spielenden Großkreutz einige Probleme. Insgesamt standen vor allem die Dortmunder Innenverteidiger schon wieder sehr sicher, egal ob Hummels, der mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselte Subotic oder Felipe Santana. Es gab wenig herausgespielte Torszenen der Gastgeber. In Erinnerung bleiben eher der Weitschuss von Ivanschitz oder der halb-gefährliche Freistoß, bei dem Ujah ans Außennetz köpfte. Das Einzige, was Jürgen Klopp gerade etwas Sorgen machen muss, ist die ansteigende Zahl zumindest angeschlagener Spieler. In Deutschland geht es wieder zur Sache – der Trainer wird sich deshalb gut überlegen, wen er am Wochenende beim Supercup spielen lässt und wen nicht.

Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern hatte vor dem Auftritt in Mainz angekündigt, wieder Titel holen zu wollen. Die Nachrichtenagenturen haben diese Aussage auf das Turnier bezogen. Sollte sie wirklich so zu verstehen sein (den genauen Kontext des Satzes kenne ich nicht), war das wohl ebenfalls dem Sponsor geschuldet. Jedenfalls haben die Bayern diesen ‚Titel‘ bereits verspielt. Im zweiten Spiel unterlagen sie dem HSV mit 1:2 und das, obwohl beim Tabellendritten noch eher eine mögliche erste Elf auf dem Platz stand als bei den Norddeutschen.

Das Ergebnis hat zur Folge, dass es nicht zum Traumfinale kommt, das die Veranstalter und der übertragende Sender wohl gerne morgen zur Primetime gesehen hätten. Der FC Bayern spielt nun schon am Vorabend gegen die Gastgeber um Platz 3. Um 20:30 Uhr trifft dann der Meister auf den ersten Bundesliga-Gegner. Ich weiß nicht, ob diese Konstellation im Interesse der beiden Trainer Klopp und Oenning lag, aber es sind ja noch zweieinhalb Wochen bis zum Wiedersehen. Der HSV konnte positiv überraschen, auch wenn sie vor allem auf Konter lauerten. Die Chelsea-Jungs scheinen etwas draufzuhaben, insbesondere Michael Mancienne wirkte in der Innenverteidigung sehr solide. Ich persönlich finde es gut, morgen auf die Hamburger zu treffen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (42. Löwe), Hummels, Subotic (31. Santana), Großkreutz – Leitner, Kehl – Götze, Kagawa, Perisic – Lewandowski. Gelbe Karte: Löwe. Tor: Perisic