Die Zeit der Vermutungen ist vorbei

Mats Hummels hat sie vor wenigen Tagen auf den Punkt gebracht, die „Krux an der Vorbereitung“ für eine Fußball-Saison:

Man kann eine Vermutung haben, wie man drauf ist, aber man kann es nie sicher sagen. Das werden wir sehen.

Noch nie in der Klopp-Ära waren die Auswirkungen einer Winterpause spannender und wichtiger für Borussia Dortmund als 2015. Haben die Schwarz-Gelben die vergleichsweise lange Zeit genutzt, um wieder zu alter Stärke zu finden? Weder die Testspiele noch die personelle Situation sahen so rosig aus, dass man die Frage klar und deutlich mit Ja beantworten könnte. Doch Vorbereitung ist eben genau das – und genau deshalb wissen wir nur, dass wir nichts wissen.

Erste Aufklärung erfolgt am Samstagabend bei Bayer Leverkusen – im Topspiel, auch wenn es die Tabellensituation nicht hergibt. Die positivste Statistik zu dieser Partie ist noch die, dass der BVB unter Jürgen Klopp im Pillen-Stadion noch nie verloren hat. Allerdings stand der Verein unter dem jetzigen Trainer selbstverständlich auch noch nie im Winter auf Platz 17.

Einer, der den Schwarz-Gelben in den letzten Jahren wiederholt zu schaffen gemacht hat, wird übermorgen fehlen: Heung-Min Son weilt mit Südkorea noch beim Asien-Cup und trifft dort im Finale auf Australien – mit Leverkusens Robbie Kruse und Dortmunds Torhüter Mitch Langerak. Letzterer wird dabei wohl auf der Bank sitzen. Die Gastgeber der Bundesliga-Begegnung müssen außerdem auf den vielversprechenden Außenverteidiger Tin Jedvaj verzichten. Son dürfte durch Josip Drmic ersetzt werden; für Jedvaj ist unter anderem Roberto Hilbert denkbar.

Jürgen Klopp wird sich sicher kurzfristig entscheiden. Pierre-Emerick Aubameyang und Shinji Kagawa sind von ihren Kontinentalturnieren zurück. In entsprechender Verfassung dürfte Auba sicher ein Startelf-Kandidat sein. Im offensiven Mittelfeld ist die Auswahl groß, obwohl noch nicht sicher ist, ob Ilkay Gündogan rechtzeitig fit wird. Der war jedoch ohnehin eher auf seiner angestammten ‚8‘ eingeplant. Ob ggf. neben ihm Sahin oder Ginter zum Einsatz kommt, bleibt eine der spannendsten Fragen. Eine Rückkehr von Sven Bender ist unwahrscheinlich, die von Kehl und Durm ausgeschlossen.

Tabelle, Tagesform, Reus, Kampl, Calhanoglu, Leno, Weidenfeller, Schiedsrichter – nicht mal welcher dieser Faktoren am Samstag eine entscheidende Rolle in Leverkusen spielen wird ist absehbar. Roger Schmidt hat sein Team in Kalifornien auf die Rückserie vorbereitet; auch er ist mit dem dort Geschafften zufrieden und zuversichtlich für die nächsten Monate. Einigen wir uns auf: Die Gastgeber sind Favorit, aber alles ist offen?

Kommt jetzt der Bayern-Jäger?

Für die Mannschaft von Borussia Dortmund könnte es positiv sein, den schwachen Auftritt in Berlin schon am Mittwoch vor eigenem Publikum gerade rücken zu können, für mich als Fan kommt die Partie in jedem Fall wie gerufen. Mit dem VfL Wolfsburg kommt ein Team, das spielerisch überzeugen wollen wird und das auch von seiner individuellen Klasse lebt. Darüber hinaus haben die Niedersachsen zurzeit die Variabilität im Spiel, die den Schwarz-Gelben oft fehlt. Dennoch tun auch sie sich immer mal wieder schwer gegen gut verteidigende Mannschaften – wie es soeben erst Paderborn bewiesen hat. Ohne Zweifel sind die VW-Kicker derzeit die Nummer 2 in Deutschland, dafür spricht neben dem Tabellenplatz auch das Torverhältnis (+15), an das die Verfolger nicht rankommen. Nach Paul Breitner, dem ehemaligen Revolutionär und heute unerträglichen Apologeten der Macht, sind sie aber selber schuld daran, dass sie an den FC Bayern nicht heranreichen.

Der BVB wird sich mit aller Macht und aller Unterstützung der Fans in die Begegnung am Mittwoch werfen müssen. Die Spieler müssen in allen wichtigen Situationen nah am Mann sein und dürfen keine unnötigen Räume anbieten. Leicht gesagt, in der Realität wird es ein Kraftakt. Mit der eigenen Spielkultur sollten wir alle Geduld haben, denn ohne Mkhitaryan UND Reus fehlen zwei schnelle UND trickreiche Akteure. Man kann nur hoffen, dass Pierre-Emerick Aubameyang an früher in der Saison gezeigte Leistungen anknüpfen und seine Geschwindigkeit wieder effektiv einsetzen kann.

Wer Jürgen Klopp in der heutigen Pressekonferenz gesehen hat, weiß, dass der Trainer keinesfalls resigniert hat und ebenso wenig die Schuld für den Tabellenstand vorwiegend in externen Faktoren sucht – wie mancher externe Beobachter schnell mal behauptet. Seine Einschätzung, dass sich gerade im Offensivspiel noch nicht das perfekte Zusammenspiel entwickeln konnte, ist absolut nachvollziehbar. Schließlich haben häufig müde Spieler neben frisch genesenen trainiert, während andere nicht zur Verfügung standen. Dennoch räumt Klopp ein, dass viele Partien besser hätten laufen können und müssen.

Das Wolfsburg-Spiel wird außer Marco und Miki auch Sokratis verpassen. Mit dem griechischen Innenverteidiger, der in der jetzigen Situation eigentlich die Nummer 1 in der Viererkette sein müsste, rechnet der Trainer erst wieder Anfang Januar. Die Gäste dürften bis auf die Langzeit-Ausfälle Felipe und Ochs alle wichtigen Akteure zur Verfügung haben. Der BVB kann sich also auf eine Offensive mit Olic in der Spitze und dahinter Vierinha, de Bruyne und Ex-Borusse Perisic gefasst machen. Wollen wir nicht hoffen, dass Letzterer es dem Berliner Ex-Borussen Schieber gleich tut.

Juventus ganz weit entfernt

Die Champions League ist zum Glück bereits in der Winterpause, doch die Schwarz-Gelben haben heute ihren Achtelfinalgegner erfahren, gegen den am 24. Februar auswärts und am 18. März im Westfalenstadion gespielt wird. Natürlich werden beim Namen Juventus Turin Erinnerungen wach an den lupfenden Ricken oder den träumenden Riedle, der dem BVB übrigens heute dieses Los bescherte. Doch ob die Partie in den Gedanken aller überhaupt noch an Bedeutung gewinnt, wird sich einzig und allein in der Bundesliga entscheiden. Es könnte eines der seltsamsten und trostlosesten K.O.-Spiele überhaupt werden – oder eine sich hoffentlich bis dahin im Aufschwung befindliche Borussia weiter beflügeln.

Unschlagbar ist der italienische Tabellenführer trotz Spielern wie Buffon, Chiellini, Pirlo, Pogba, Vidal oder Tevez sicher nicht. Erst in den Rückspielen der CL-Gruppenphase sicherte sich Juventus das Weiterkommen. Über die Chancen der Borussia wird frühestens Mitte Februar zu reden sein – zum Glück.

Vierzehnter Effzeh Köln

„In Frankfurt war vieles okay. Aber offensiv haben wir zu wenig aus unseren Möglichkeiten gemacht und uns defensiv individuell nicht so verhalten wie es eine Bundesligamannschaft machen sollte.“

Gesagt hat das Köln-Trainer Peter Stöger im aktuellen Kicker, Nr. 85 / 2014, S.14. Genau das Gleiche hätte auch Jürgen Klopp nach dem Stuttgart-Spiel oder dem Derby formulieren können. Und so sind die Parallelen zwischen dem Aufsteiger Effzeh und Vizemeister Borussia damit auch noch nicht zu Ende. Die beiden Klubs sind Tabellennachbarn, durch nur einen Punkt getrennt. Bei Köln lag das Augenmerk der Kritiker bisher allerdings eher auf der stotternden Offensive (erst vier Treffer), beim BVB auf der ungewohnt offenen Defensive (schon zwölf Gegentore).

Am Samstagnachmittag treffen die Vereine in der Stadt am Rhein aufeinander. Die Floskel vom 6-Punkte-Spiel kann man sich zu diesem Zeitpunkt der Saison getrost sparen. Die Partie ist aus schwarz-gelber Sicht eine von vielen, die darüber entscheiden werden, ob die Borussia ihre Saisonziele noch erreichen kann. Natürlich sind mit der möglichen Rückkehr der Kreativabteilung – namentlich Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und natürlich Ilkay Gündogan – Erwartungen verbunden. Nur ist sich der FC genauso bewusst, dass eine Trendwende nach drei Niederlagen ganz schön wäre – und wird im eigenen Stadion alles dafür geben.

Dabei stehen Peter Stöger bis auf Patrick Helmes alle mehr oder weniger illustren Namen zur Verfügung. Jürgen Klopp muss dagegen noch auf Kuba, Nuri Sahin und Oliver Kirch verzichten. Pierre-Emerick Aubameyang wird erst am Freitag in Dortmund zurück erwartet und könnte zunächst auf der Bank Platz nehmen. Natürlich werden die schwarz-gelben Hoffnungen auf dem ’neuen‘ Mittelfeld ruhen. Da könnte Kehl neben Bender, aber eben auch Gündogan auflaufen. Der wohl gesetzte Shinji Kagawa könnte von Marco Reus und ‚Miki‘ flankiert werden. Oder von Kevin Großkreutz, wenn der nicht in der Defensive gebraucht wird.

Auf die Frage in der Pressekonferenz zum Spiel, was er in den zwei Länderspielwochen wirklich verbessern konnte, antwortete Jürgen Klopp: den körperlichen Zustand der Spieler. Das könnte ganz entscheidend sein, wenn sich die positiven Vorzeichen aus Länder- und Testspielen bewahrheiten. Freuen darf man sich auf diese Partie in stimmungsvoller, vielleicht sogar freundschaftlicher Atmosphäre ohnehin. Egal wie tief nun diese Fanfreundschaft mit dem Effzeh wirklich geht: Sie ist neben den ganzen Rivalitäten bis hin zu Hass, neben der Abneigung gegen Konstrukte wie RB Leipzig etwas erfrischend Positives. Auch mir ist Köln tendenziell sympathisch – wie bei Dortmund mit Ausnahme einiger Gruppierungen. Möge der Gelbere gewinnen!

Favorit gegen Spitzenreiter

Eine interessante und schwer vorherzusagende Konstellation erwartet die schwarz-gelbe Gemeinde am Mittwoch in der Champions League. Auf der einen Seite der unangefochtene Tabellenführer der ersten belgischen Liga, der in dieser Saison wettbewerbsübergreifend noch ungeschlagen ist. Aber andererseits seit der Einführung der Champions League noch nie gegen ein deutsches Team gewonnen hat und im neuen Jahrtausend bei Teilnahme immer als Letzter der Gruppenphase ausgeschieden ist.

Auf der anderen Seite steht der Tabellenzwölfte der Bundesliga, der momentan der Abstiegszone näher ist als der Spitze. Doch der BVB kommt mit der Empfehlung einer CL-Final- und Viertelfinal-Teilnahme und zwei nationalen Vizemeisterschaften in den letzten beiden Jahren. Und dann war da noch der Gala-Auftritt gegen Arsenal.

Der RSC Anderlecht hat einen jungen Kader, der keinesfalls zu unterschätzen ist, wenn es wie derzeit gerade läuft. Auf die Borussia kommt daher fraglos eine schwere Aufgabe zu. Einiges wird übermorgen vom Trainer abhängen. Aus dem den Belgiern zweifellos überlegenen Kader muss Jürgen Klopp jene Spieler auswählen, die nicht nur für gewöhnlich, sondern gerade an diesem Mittwoch die höchste Qualität anbieten. Die also auch fit und in Form sind. Das gewohnte 4-2-3-1-System erscheint in der momentanen Situation die beste Lösung.

Stand heute Morgen sähe meine Startelf so aus: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Kehl (Jojic), Bender – Aubameyang, Kagawa, Großkreutz – Immobile.

Gemischte Gefühle

Wer wie ich die drei letzten BVB-Spiele verpasst hat und jetzt das Geschehene zusammenfassen soll, kann das nur mit widerstreitenden Gefühlen tun. Einem routinierten Bundesliga-Sieg mit dem ersten Kagawa-Tor in dessen erstem Heimspiel folgte die Champions League-Gala gegen Arsenal, bei der der teuerste Einkauf des Sommers Ciro Immobile zum ersten Mal traf – und wie! Doch am Samstag folgte die blöd gelaufene 0:2-Niederlage in Mainz und am Sonntag die Nachricht, dass sich auch Henrikh Mkhitaryan in die lange Verletztenliste einreiht.

In der Bundesliga sind die Schwarz-Gelben plötzlich nur noch Zehnter und nun in den nächsten Partien in Sachen Kreativität vorwiegend von Shinji Kagawa abhängig. Doch das Glas ist sicher mehr als halb voll: Die Topteams Bayern und Bayer sind absolut in Reichweite und der Spielplan meint es auch nicht so schlecht mit der Borussia.

Am Mittwoch kommt der neue Tabellenletzte VfB Stuttgart ins Westfalenstadion. Bei den Schwaben ist gewaltig Druck auf dem Kessel – auch von Seiten mancher Fangruppen. Armin Veh hat es noch nicht geschafft, aus einem reichlich durchschnittlichen Kader eine siegreiche Mannschaft zu formen – was nicht unbedingt seine Schuld ist. Von den Namen, die in der Startelf zu erwarten sind, flößt höchstens Vedad Ibisevic echten Respekt ein. Doch es gilt selbstverständlich auch für den angeschlagenen VfB: Die Qualität für einen Punktgewinn haben sie – sollten die Schwarz-Gelben nur halbwach sein.

Jürgen Klopp bereitet die angespannte Personallage sicher keine Freude, doch sie nimmt ihm immerhin viele Entscheidungen ab, was die Aufstellung angeht. Fragen, die übrig bleiben: Kehrt Marcel Schmelzer anstelle von Erik Durm zurück in die Startelf? Letzterer hat angedeutet, was er besser kann als Ersterer, aber insgesamt noch häufig unsicher gewirkt. Im Sturm stellt sich natürlich die Frage „Ramos oder Immobile“, nachdem beide in Mainz unglücklich Großchancen vergeben haben. Sehr wahrscheinlich ist unterdessen ein Wechsel in der Innenverteidigung, nachdem Matthias Ginter bei beiden Gegentoren vom Samstag nicht glücklich aussah.

Ich hoffe persönlich auf einen gelungenen Wiedereinstieg in die Saison des BVB am Mittwoch. Dass dann das Derby in Gelsenkirchen folgt, bei dem die Gastgeber nun auch noch auf den gesperrten Julian Draxler verzichten müssen, ist zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht verkehrt.

Kellerduell in Augsburg

BVB-Fans, die nach der Auftaktpleite gegen Leverkusen erst mal wieder Mut fassen müssen, sollten sich einfach Jürgen Klopps Pressekonferenz zum Freitagabendspiel in Augsburg anschauen (z.B. bei BVB Total). Die Niederlage hat den Trainer offensichtlich beschäftigt, so dass zwei seiner Grundtugenden besonders deutlich zutage traten: Einerseits ging er ins Detail und analysierte messerscharf, was in erfolgreichen Zeiten nicht in jeder PK der Fall ist. Andererseits hatte er genügend Zeit für Späßchen – ein Indiz für seine positive Haltung und die Lust am Fußball, die er immer wieder auf die Spieler zu übertragen versteht.

Nicht, dass alles plötzlich wieder zum Besten stünde. Von den zuletzt geschonten Spielern kehrte im Benefiz-Testspiel bei Waldhof Mannheim (4:0) nur Roman Weidenfeller ins Team zurück. Dortmunds Nummer 1 wird auch morgen im Kasten stehen. Adrian Ramos und Sven Bender nahmen gestern am Mannschaftstraining teil. Klopp konnte jedoch noch keine Auskunft zu ihrer Verfügbarkeit für Freitag geben. Auf Mats Hummels verzichtet der Trainer jedenfalls noch – die Abwesenheit des Weltmeister-Innenverteidigers wird mit muskulären Problemen begründet. Alle anderen Verletzten sind frühestens nach der Länderspiel-Pause ein Thema.

Taktisch führte Klopp sehr nachvollziehbar aus, dass ein ‚flaches‘ 4-4-2-System zwar defensive Stabilität verleihen kann, die Borussia aber (derzeit) nicht unbedingt die passenden Spieler dafür hat. Um die zentral offensiv starken Spieler wie Reus oder Mkhitaryan bestmöglich zur Geltung kommen zu lassen, dürfte er erneut auf eine 4-4-2-Raute mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler oder das 4-2-3-1 der letzten Saison setzen. Matthias Ginter könnte unter Umständen wie in Mannheim auf der ‚6‘ zum Einsatz kommen – wenn Neven Subotic als fit und spielstark genug für die Innenverteidigung erachtet wird.

Der FC Augsburg hat in der Bundesliga einen ebenso schlechten Start wie die Schwarz-Gelben hingelegt, sich aber bereits aus dem Pokal verabschiedet – beim Regionalligisten 1. FC Magdeburg. Nach den derzeitigen Eindrücken könnte dem Überraschungsteam der Vorsaison ein tiefer Fall drohen, doch Trainer Markus Weinzierl wurde damals ja nicht umsonst gelobt. Es wird darauf ankommen, wie schnell er die schmerzenden Abgänge von unter anderem André Hahn und Matthias Ostrzolek kompensieren und die insgesamt hohe Zahl neuer Spieler integrieren kann. Halbwegs prominente Ausfälle gibt es in Jan Moravek und Alexander Esswein nur zwei.

Dennoch: So wie der erste Spieltag der denkbar ungünstigste Zeitpunkt war, um auf Leverkusen zu treffen – auch Klopp merkte das in der PK an – so ist doch dieser kommende zweite Spieltag vielleicht ein idealer Termin, um nach Augsburg zu fahren. Beim BVB stimmt noch vieles nicht, aber aus dem bayerischen Schwaben ein paar Punkte mitzunehmen, scheint derzeit alles andere als unmöglich. Dort könnte es übrigens ein Wiedersehen mit Mittelfeldspieler und Ex-Borusse Markus Feulner geben, der einer der neun Neuen ist. Ich freue mich drauf, aber vor allem auf ein tolles Freitagabendspiel!

Zahlen und (kaputte) Beine

Die Bücher stimmen: Rechtzeitig vor dem Bundesliga-Auftakt hat Borussia Dortmund bekanntgegeben, dass die KgaA wie berichtet eine weitere Kapitalerhöhung durchführt und neben Evonik auch Signal Iduna und Puma als Großaktionäre einsteigen. Der BVB könnte damit nochmals gut 114 Millionen Euro erlösen. Das Geld soll für die Rückführung der übrig gebliebenen Verbindlichkeiten und als Liquiditätsreserve genutzt werden. Ab 2018 will Hans-Joachim Watzke auch deutlich mehr in das Budget der Mannschaft investieren. Nicht explizit eingegangen wurde auf die Möglichkeit, schon zuvor Marco Reus und Mats Hummels mit großzügigen Angeboten langfristig an den Verein zu binden.

Heute schreiben wir jedoch den 22. August 2014. Es ist der Tag, an dem Meister Bayern München die neue Bundesliga-Saison eröffnet. Der Tag vor dem ersten Topspiel zwischen der Borussia und Bayer Leverkusen. Reus und Hummels sind noch da, aber eine lange Verletztenliste, die jene des FCB noch übertrifft, beutelt Jürgen Klopp und das Team. Am Dienstag holten sich die Schwarz-Gelben das Verletzten-Triple. Zumindest wurde an diesem Tag bekannt, dass der formstarke Oliver Kirch zwei Monate, Ji Dong-Won sechs Wochen und Adrian Ramos zumindest für die Partie am Samstag ausfällt. Eine Reihe von Spielern wird derzeit langsam an das Mannschaftstraining herangeführt, darunter Gündogan, Sahin, Kuba und Hummels.

Noch hat Trainer Klopp kompetenten Ersatz im Kader, doch die Variationsmöglichkeiten gegen einen sehr starken Kontrahenten wie Leverkusen werden geringer. Unsicher ist derzeit, ob Roman Weidenfeller anstelle von Mitch Langerak schon morgen ins Tor zurückkehrt. In der Abwehr spricht einiges für Sokratis und Ginter innen sowie Piszczek und Durm außen. Sven Bender dürfte im defensiven Mittelfeld den Vorzug vor Kehl kriegen und an der Seite von Milos Jojic stehen. Noch etwas sicherer sollte die Offensive aus Aubameyang, Reus, Mkhitaryan und Immobile bestehen, in welcher Formation auch immer.

Der Gegner hat in Roger Schmidt einen neuen Trainer, der sich bisher in Parderborn und beim Plastikklub aus Salzburg empfohlen hat. Dazu kommt in Hakan Calhanoglu noch ein umstrittener neuer Star. Dennoch ist nicht abzustreiten, dass die Werkself eine kompetente Führung hat, die auch in diesem Jahr wieder eine originelle Transferpolitik betreibt. Der junge Kroate Tin Jedvai und der Ex-Braunschweiger Bellarabi haben in der Champions League-Quali schon angedeutet, dass sie etwas drauf haben. Außerdem steht weiterhin Dortmund-Schreck Son Heung-Min im Aufgebot und Nicht-WM-Fahrer Stefan Kießling ist schon in beängstigender Frühform.

Ob der Kader der Gäste am Ende der Spielzeit reicht, um wirklich die Top 3 anzugreifen, ist wieder eine andere Frage. Es gab ja auch prominente Abgänge wie Sidney Sam und Emre Can. Doch derzeit sind die Leverkusener womöglich der härtestmögliche Gegner – wenn man sich die Ausfall-Liste bei den drei Topklubs der letzten Saison anschaut. Bei der Werkself könnten sogar die einzigen zuletzt Angeschlagenen, Lars Bender und Neuzugang Papadopoulos, zum Kader für das Westfalenstadion gehören. Da wird es Roger Schmidt kaum stören, dass seine Jungs schon am Dienstag in Kopenhagen ran mussten – und am Mittwoch das Rückspiel austragen. Sollte der BVB diesen Kracher siegreich bestreiten, wäre das ein echtes Ausrufezeichen. Auf ein Neues, schwarz-gelbe Jungs!

Kickers gefährlicher als Bayern?

Werden die Stuttgarter Kickers, am Samstagnachmittag Pokalgegner des BVB, mehr Schüsse aufs Tor der Schwarz-Gelben abfeuern als der deutsche Rekordmeister vorgestern? Vorstellbar wäre es, eigentlich ist es sogar wahrscheinlich. Die Unterschiede zwischen Supercup und DFB-Pokal, zwischen relativer Gleichgültigkeit bei den Einen und Höhepunkt für die Anderen, sind offensichtlich. Nichts wäre fahrlässiger, als nach dem Gewinn des Supercups einen Drittligisten zu unterschätzen. Aber vielleicht bekommt jetzt die Pleite von Liverpool doch noch einen Sinn.

Der Drittligist aus Stuttgart, der wegen Umbauarbeiten nicht ins eigene Stadion auf der Waldau, sondern ins Daimlerstadion des Lokalrivalen VfB lädt, hat einen richtig ordentlichen Saisonstart hingelegt. Die Kickers stehen mit sieben Punkten aus vier Spielen unmittelbar hinter der U23 der Borussia, getrennt nur durch das Torverhältnis. Nur am ersten Spieltag gab es eine Niederlage gegen den derzeitigen Tabellendritten SV Wehen-Wiesbaden. Aktuelle, aus dieser Saison stammende Verletzungen gibt es nicht.

Der BVB wird es mit einer Mannschaft zu tun kriegen, die bereits im Wettbewerbsmodus ist. Gegen die Bayern hat er gezeigt, dass er es auch schon kann. Dennoch: Als gefestigt und eingespielt kann man das neue Mannschaftsgefüge und die Taktik noch nicht bezeichnen. Wie das Team mit Rückschlägen umgeht, bleibt vorerst offen. Liverpool wollen wir da mal nicht hervorholen.

Allerdings: Mit der zunehmenden Kaderdichte, auf die Jürgen Klopp zurückgreifen kann, lässt sich auf vieles reagieren. Roman Weidenfeller sollte am Samstag mindestens auf der Bank sitzen. Ob Hummels, Reus und Kuba schon dort Platz nehmen, bleibt abzuwarten. Neven Subotic könnte eine Bewährungsprobe bekommen. In der Offensive und der Zentrale wird es für die Spieler darum gehen, sich für den Ligastart zu positionieren. Allzu viel Grund für Pessimismus besteht also nicht.

Endlich Klarheit: Watzke wechselt nicht zum FC Bayern

Kurz vor dem Supercup wurden Fakten geschaffen: Der Transfer von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu Bayern München ist geplatzt; stattdessen verlängert der 55-jährige seinen Vertrag in Dortmund bis 2019. Bisher ungehörten Gerüchten zufolge hatten in den letzten Monaten interessierte Kreise in München an einer Verpflichtung des auch ehrfurchtsvoll „Häuptling Scharfe Zunge“ genannten Watzke zur kommenden Saison gearbeitet. Demnach sollte Scharfe Zunge als Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge installiert werden, der dem Bayern-Umfeld in den letzten Jahren zu viel herumlaviert hatte.

So hatte der in der bayerischen Hauptstadt oft abschätzig nur noch als „KHR“ bezeichnete Rummenigge im Herbst 2012 den Zweikampf mit Borussia Dortmund begrüßt und beteuert, keinen Spieler nur deshalb zu kaufen, um die Konkurrenz zu schwächen. Diese unbedachten Äußerungen waren in der Folgezeit in einen offensichtlichen Widerspruch zur Transferpolitik des Rekordmeisters geraten. Das Umfeld hatte sich dagegen mehr klare Kante und „Miasanmia“ gewünscht.

Doch Hans-Joachim Watzke wird seine klaren Ansagen und seine erfolgreiche Entwicklungspolitik nun an der Seite von Michael Zorc und Jürgen Klopp weiter in den Dienst seines schwarz-gelben Herzensvereins stellen. Aus Respekt vor dem angeschlagenen Rummenigge hat er die Teilnahme an einem gemeinsamen Essen vor dem Supercup am Mittwoch abgesagt.

Während die sportlichen Vorzeichen vor dem Duell im Westfalenstadion nach der Pleite von Liverpool alles andere als günstig für den BVB stehen, machte zumindest der Blick auf den Trainingsplatz gestern Mut: Der neue Kapitän Mats Hummels und sein Stellvertreter Marco Reus konnten die komplette Einheit mit der Mannschaft absolvieren. Ein Comeback schon morgen ist zwar sehr unwahrscheinlich; in weiter Ferne dürfte es aber für beide Spieler nicht mehr liegen.

Beim FC Bayern werden Rafinha mit Außenbandriss im Sprunggelenk und Franck Ribery mit Patellasehnen-Problemen fehlen. Dennoch lässt die Frühform des bei den Münchenern in wenigen Wochen zum weltbesten Stürmer gereiften Robert Lewandowski nichts Gutes erahnen. Ein verzwickter Fall für unseren Sherklopp.

 

 

 

Es geht um 70 Punkte

Einen Punktestand wie in den letzten Meisterjahren zu erreichen und mindestens das umgekehrte Ergebnis wie im Hinspiel gegen Hertha BSC – das sind die Ziele, um die es für Borussia Dortmund in der letzten Partie der Bundesligasaison noch geht und die motivierend wirken könnten. Ohne Zweifel ist das erste von zwei Spielen innerhalb von acht Tagen in der Hauptstadt nicht das spannendere. Doch ist wirklich ein Druckabfall zu befürchten? Gegen Hoffenheim war der nur in Ansätzen zu erkennen und es spricht wenig dafür, dass er sich kurz vor dem Pokalfinale und kurz nach der WM-Kadernominierung noch voll einstellt.

Bundestrainer Joachim Löw hat sechs deutsche BVB-Spieler in seine vorläufige 30er-Auswahl berufen. Keiner von denen möchte sich unmittelbar danach eine Blöße geben. Außerdem ist die Konkurrenzsituation um die Startelf für das Pokalfinale erfreulich stark ausgeprägt. Selbst im zentralen Mittelfeld wird sich die Lage spätestens im Lauf der nächsten Woche entspannen. Oliver Kirch und womöglich auch Sebastian Kehl sind bereits für das Hertha-Spiel wieder Optionen. Bei Sven Bender könnte es gegen die Bayern reichen, wobei Jürgen Klopp aufgrund fehlender Spielpraxis unserer Stamm-6 zunächst auf andere Spieler setzen könnte. Interessant: Gegen Hoffenheim patzten drei Akteure, deren Positionen mit am sichersten sind.

Hertha BSC gehört bekanntlich zu den schlechtesten Teams der Rückserie. Trotzdem oder gerade deshalb werden sie sich für das Duell gegen den Vizemeister, Pokalfinalisten und Ramos-Käufer noch etwas vorgenommen haben. Positiv für die Borussia: Der bei Standards so starke Ronny wird wegen eines Anrisses des Syndesmosebands nicht spielen können. Schon mehrere Monate fehlt Fabian Lustenberger, der eine überzeugende Hinserie gezeigt hatte. Ansonsten werden die schwarz-gelben Jungs Zeugen eines Abschieds: Nach langer Bundesliga-Karriere wird Levan Kobiashvili seine Laufbahn beenden, die zwar durch den Aussetzer beim notorischen Relegationsspiel gegen Düsseldorf ein wenig gelitten hat, aber in ihrer Gesamtheit dennoch beeindruckt. Jos Luhukay hat ihm einen Einsatz von Beginn an versprochen.

Im Olympiastadion werden am Samstag wieder über 10.000 BVB-Fans dabei sein. Viele von ihnen wären das auch gerne in der Woche drauf, die Zahl der Enttäuschten ist riesig. Trotzdem: Machen wir das letzte Saisonspiel zu etwas Besonderem, zu einer Einstimmung auf das große Finale, egal wo man es verfolgen wird. Und gleichzeitig zu einem würdigen Ende einer erneut weitgehend erfreulichen Bundesliga-Spielzeit.