Und jährlich grüßt CR7

Es reicht nicht, dass Cristiano Ronaldo erneut „Fußballer des Jahres“ geworden ist – er darf dieses Jahr auch wieder gegen Borussia Dortmund antreten. Außer wir erleben noch den spektakulärsten Last-Minute-Transfer seit Menschengedenken, der den von Ousmane Dembelé locker in den Schatten stellen würde.

Bei der Auslosung der Champions League-Gruppenphase in Monaco hat der BVB Real Madrid, Tottenham Hotspur und Apoel Nikosia zugeteilt bekommen. Und damit – so auch der Medientenor – die schwerste Gruppe mit deutscher Beteiligung. Unsere Freunde aus Leipzig, gezogen aus Lostopf 4, bekommen es mit unserem diesjährigen Viertelfinalgegner AS Monaco, dem FC Porto sowie Besiktas zu tun. Für den FC Bayern ist sportlich wohl nur das Duell mit PSG eine echte Herausforderung.

Man kann über die Einteilung der Lostöpfe diskutieren. In Topf 1 kommt man nicht mehr als Verein mit besonders gutem UEFA-Koeffizient, sondern als Meister einer der acht Topligen. Man kann aber auch das System der Lostöpfe insgesamt in Frage stellen. Denn hätten nicht kleinere Mannschaften viel bessere Chancen, wenn es auch mal zu einer wirklichen Hammergruppe kommen könnte? Wäre das nicht die sportlich fairste Lösung?

Jammern braucht also sicher keiner der Klubs in Topf 1 oder 2. Natürlich kann sich die Borussia gegen die Spurs durchsetzen. Auch wenn Dembelé gehen sollte. Das und seine Nachfolge sind derzeit ohnehin die spannenderen Fragen für Schwarz-Gelb.

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Kein Wunder

Champions League, Viertelfinale / AS Monaco 3 BVB 1

Mehr als leise Hoffnung nach dem schnellen Anschlusstreffer zu Beginn der zweiten Hälfte kam nicht auf: Die Borussia scheidet deutlich aus der Champions League aus. Erneut erwischten die Schwarz-Gelben einen schwachen Start, lagen schnell 0:2 hinten. Die taktischen und personellen Korrekturen von Thomas Tuchel kamen zu spät. Und schon ab der 60. Minute hatte man das Gefühl, dass ein dritter Treffer der starken Gastgeber wahrscheinlicher war als ein zweiter des BVB.

Drei Gedanken zum Spiel

Die Frage nach dem Warum wird uns noch mindestens bis zum Saisonende verfolgen. Ein Spiel der Borussia unbeschwert zu analysieren ist durch den Bombenanschlag unmöglich geworden. Was die betroffenen Spieler erlebt haben, hängt nach – so ließen es alle, die sich geäußert haben, durchklingen. Doch inwiefern beeinflusst es eine Partie? Es ist unmöglich zu sagen, es bleiben nur Mutmaßungen. Hätte Lukasz Piszczek in einer bombenfreien Realität zwei derartige Fehlpässe in zwei CL-Partien fabriziert? Hätte Roman Bürki mehr tun können als bei Mendys Schuss nur die Fäuste hochzureißen – wenn die Mannschaft nicht vor der Abfahrt ins Stadion im Bus eine gute Viertelstunde von der Polizei aufgehalten worden wäre? Was steckte hinter der schnell korrigierten Nichtberücksichtigung von Ousmane Dembelé?

Auch Thomas Tuchel saß letzte und diese Woche im Mannschaftsbus. Das kann wohl eher nicht die fragwürdige Taktik erklären. Tuchel wollte nach der Partie nichts auf die Dreierkette kommen lassen, doch regelmäßige Leser von Any Given Weekend wissen, dass ich mit ihr nicht warm werde. Gestern zeigte sich exemplarisch, warum. Die Stellenbeschreibung für die Dreierkette müsste in etwa so lauten: „Gesucht werden Abwehrspieler, die Erfahrungen in der Innenverteidigung vorweisen können und sich dort zu Hause fühlen. Gefordert sind Schnelligkeit und Flexibilität. Bewerber müssen sich umgehend auf neue Situationen einstellen können.“ Weiterlesen →

Der Fußball hat verloren

Champions League, Viertelfinale / BVB 2 AS Monaco 3

Die Borussia verliert ein Spiel, das zu diesem Zeitpunkt besser gar nicht stattgefunden hätte. Ja, Monaco hat eine gute Mannschaft und der BVB sein bewundernswertes Bestes gegeben. Doch der Einfluss äußerer Faktoren auf den Spielverlauf ist unbestreitbar.

Drei Gedanken zum Spiel

Es wurde und wird auch weiterhin über die Terminierung dieser Begegnung geredet. Wäre man weniger standhaft gegenüber dem Terrorismus gewesen, wenn sie weiter verschoben worden wäre? Ich denke nicht. Zu einem späteren Zeitpunkt hätte man mindestens genauso viel Entschlossenheit spüren können – bei Fans und Spielern. Klar gibt es ein Dilemma, nicht nur für die UEFA, sondern auch wegen der Gästefans. Aber sportlich und menschlich gesehen war die Austragung gestern Abend die falsche Entscheidung. Lassen wir die Frage mal beiseite, ob Sven Bender kurz vor seinem Eigentor nicht doch strafwürdig getroffen wurde. Hätte er, selbst ohne Spielpraxis, in einem normalen Spiel den Ball so im eigenen Netz versenkt?

Man kann jetzt lange diskutieren, welche Fehler den Schwarz-Gelben auch unbelastet von einem Bombenanschlag passiert wären. Es ist natürlich fruchtlos. Neben dem Eigentor gab es den Fehlpass von Piszczek vor dem 1:3. Die Borussia ließ sich viel zu oft auskontern. Umso unglücklicher ist es an einem solchen Tag, wenn der erste Gegentreffer durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters bzw. seines Assistenten fällt. Nachdem der BVB zuvor ordentlich begonnen und ein vertretbarer Elfmeter für die Gäste nichts eingebracht hatte. Das Abseits von Mbappé vor dem 0:1 war deutlich; allenfalls sein komischer Bewegungsablauf könnte als kleine Entschuldigung für den Mann an der Seitenlinie gelten.

Reden wir heute über die Taktik? Ja, weil es zu diesem Sport dazu gehört und weil Thomas Tuchel seinen Spielern wohl kaum gesagt hat: Spielt wie ihr wollt und schaut mal wie ihr zurechtkommt. Ich wiederhole das ja regelmäßig: Unsere Dreierkette hinten behagt mir noch nicht. Sie ist anfällig. Ganz besonders gegen konterstarke Mannschaften, die über außen kommen. Gegen den AS Monaco fehlte da einfach die Absicherung. Ein Fehlpass und schon bestand höchste Gefahr, weil die Abwehrreihe auch gestern sehr hoch stand.

In der zweiten Hälfte drehten die Schwarz-Gelben mit Blick auf die Süd zum Glück noch mal auf. Dank der eingewechselten Sahin und vor allem Pulisic, aber auch dank Ousmane Dembelé und Shinji Kagawa. Insgesamt war es unter den Umständen eine Klasseleistung.

Und doch werden die Ereignisse vom Dienstag weiter Nachwirkungen haben. Wie verarbeiten Spieler, Trainer und andere im Verein das Gefühl der Verwundbarkeit? Sportlich gesehen wird uns Marc Bartra für den Rest der Saison fehlen. Gestern hätte er der Borussia wohl gut getan. Keine schönen Aussichten für die verbleibenden Saisonziele. Es bleibt die Hoffnung, dass die Mannschaft mal wieder über sich hinauswächst. Gute Besserung, Marc!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bender (46. Sahin) – Weigl, Guerreiro – Ginter, Kagawa, Dembelé, Schmelzer (46. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karten: Sokratis, Ginter. Tore: Dembelé, Kagawa

Lieber Fürstentum als Königliche

Borussia Dortmund feiert eine Premiere und trifft erstmals in der Champions League auf den AS Monaco. So ergab es die Auslosung des Viertelfinales durch Ian Rush heute Mittag in Nyon. Monaco, das ist der Klub, der schon mal groß war, bevor er 2011 in die zweite Liga abstieg. Heute ist er mit drei Punkten Vorsprung auf PSG Tabellenführer der Ligue 1.

Diese Wende nach ganz oben hat der AS Monaco vor allem dem Geld von Dmitry Rybolovlev zu verdanken. Im Winter 2011 kaufte der russische Milliardär, um den sich auch einige Skandalgeschichten ranken, zwei Drittel der Klubanteile (der Rest gehört dem monegassischen Fürstenhaus). Seitdem hat er massiv investiert und unter anderem den heutigen Kapitän Radamel Falcao für rund 43 Millionen Euro (laut Transfermarkt.de) von Atletico Madrid geholt. Die Portugiesen Joao Moutinho und Bernardo Silva spielen ebenso im Fürstentum wie der bei europäischen Topklubs gefragte Teenager Kylian Mbappé.

Der BVB muss sich also auf viel, viel Qualität einstellen, wie auch schon Pep Guardiolas Manchester City erfahren durfte. Zudem findet das Rückspiel im Stade Louis II statt. Trotzdem: Die Monegassen haben in Manchester fünf Tore kassiert und sind noch kein in Europas absoluter Spitze etabliertes Team. Das Los ist also allemal besser als im April viermal gegen den FC Bayern spielen zu müssen. Oder etwa gegen den Titelverteidiger und Spitzenreiter der Primera Division. Da überlassen wir den königlichen Glanz doch gerne unserem deutschen Rekordmeister.

Auf der Suche nach dem goldenen Tor

Champions League, Achtelfinale / Benfica Lissabon 1 BVB 0

Das Golden Goal gibt es zum Glück nicht mehr, aber dafür Tore, die Gold wert sind. Ein solches gelang Borussia Dortmund gestern in der portugiesischen Hauptstadt nicht – obwohl die schwarz-gelben Jungs diesmal alles dafür taten, sich ihr Glück zu verdienen. Sie hatten die Partie – immerhin ein CL-Achtelfinale – über weite Strecken im Griff und deutlich mehr Chancen als Benfica, die ihre einzige große Gelegenheit kurz nach der Pause nutzten. Passenderweise war es eine Ecke.

Drei Gedanken zum Spiel

Diese Diskrepanz zur Liga muss man nicht verstehen. Wenn du siehst, welche Welten zwischen Darmstadt und Lissabon liegen, ärgerst du dich schwarz. Einerseits. Andererseits gibt es natürlich Hoffnung auf Besserung, wenn die richtige Mentalität doch mal in den Köpfen der Spieler ankommt. Es spielt ja niemand absichtlich wie gegen Darmstadt. Gestern jedenfalls zeigten die elf Schwarz-Gelben alles, was es am Samstag nicht zu sehen gab: zuvorderst Bissigkeit und Präsenz. Ganz früh wurden die Gastgeber attackiert und zu vielen Ballverlusten gezwungen. Mit Schmelzer und Piszczek kam wieder Ruhe in die Defensive. Auch der Spielaufbau wirkte viel ansehnlicher, Guerreiro und Reus etwa steigerten sich massiv gegenüber Samstag.

Wäre da nicht diese ausbleibende Chancenverwertung. Das geht dann wirklich nicht im Achtelfinale der Champions League: so viel liegen lassen und hoffen, dass nichts passiert. Pierre-Emerick Aubameyang hatte die klarsten Gelegenheiten, die er auch noch selber vergab. Bei seinem Elfmeter musste sich Torwart Ederson weniger anstrengen als etwa bei dem sensationell gehaltenen abgefälschten Pulisic-Schuss. Auch in anderen Szenen reagierte Ederson stark. Dennoch muss sich die Borussia bei allem Lob für die starke Leistung die Niederlage selbst zuschreiben. Neben den vergebenen Chancen zeigten sich beim Benfica-Treffer Piszczek und Sokratis nicht reaktionsschnell genug. Verbesserungswürdig waren übrigens auch die langen, öffnenden Bälle, die mit etwas mehr Präzision und weniger Hast noch mehr Torgefährliches hätten hervorrufen können.

In der Champions League ist Aubameyang die einzige Lösung im Sturm. Alexander Isak wurde für den Wettbewerb nicht gemeldet. Marco Reus und erst recht André Schürrle sind nicht effektiv genug im Torabschluss, um als echte Stürmer durchzugehen. Bleibt Ousmane Dembelé, der schon früher im Sturmzentrum gespielt hat, aber in Dortmund aufgrund seiner Dribbelstärke eher aus dem Raum bzw. von der Seite kommen soll. Trotzdem wäre ein Versuch mit ihm auf der Auba-Position nicht völlig abwegig. Ob die frühe Auswechslung unseres Top-Torjägers aber sinnvoll war, darüber darf diskutiert werden. Sky-Experte Ottmar Hitzfeld sagte nein, Thomas Tuchel erklärte nach dem Spiel seine Beweggründe.

Immerhin relativierte der verschossene Elfer etwas den Ärger über den in der ersten Hälfte nicht gegebenen (Ederson an Dembelé). Schiedsrichter Nicola Rizzoli hätte übrigens später auch reagieren müssen, als Schürrle zu Boden gezogen wurde – nicht die beste Partie des renommierten italienischen Referees.

Nach den Eindrücken von Lissabon glaubt man natürlich trotz fehlendem Auswärtstor an die Chance im Rückspiel. Doch viel wichtiger ist jetzt erst mal das Heimspiel vor leerer Südtribüne gegen den VfL Wolfsburg.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Durm, Schmelzer – Weigl, Guerreiro (82. Castro) – Dembelé, Reus (82. Pulisic) – Aubameyang (62. Schürrle). Gelbe Karten: Schmelzer, Pulisic, Bartra

Menschen, Tore, Sensationen

1. Bundesliga, 3. Spieltag / BVB 6 SV Darmstadt 98 0 und
Champions League, 1. Spieltag / Legia Warschau 0 BVB 6

War das eine goldene Woche? 12:0 Tore in Champions League und Liga. Während noch am Sonntag von der Geduld die Rede war, die mit dem neuen BVB nötig sei, gehen jetzt die Superlative aus. Was ist passiert?

Am Mittwoch trafen die Schwarz-Gelben auf einen Gegner, der nach längerer Zeit die Rückkehr auf die höchste europäische Ebene feierte. Doch schöne Choreografien nützten Legia nichts und gewalttätige Fans schon gleich gar nicht. Der polnische Hauptstadtklub – ohnehin schwach in die Saison gestartet – war überfordert. Anfällig bei flottem Flügelspiel, bei Standards und ganz allgemein im Stellungsspiel.

Thomas Tuchel hatte gleich mehrere Impulse nach dem enttäuschenden Auswärtsspiel in Leipzig gesetzt. Guerreiro spielte von Beginn an – und das zentral. Dembélé kam zurück ins Team und der zu Saisonbeginn leicht unzufriedene Pulisic bekam ebenfalls seine Chance. Was soll man sagen? Was für Volltreffer vom Trainer. Tuchel hatte seine Jungs richtig eingeschätzt, vom Leistungsvermögen und von der Galligkeit her. Mario Götze ließ seine Kritiker verstummen und schon am Mittwochabend hatte sich die Stimmung um die Borussia wieder gedreht.

Gestern zeigte Tuchel erneut, wie gut er mit dem Kader umgehen kann. Wenn Rotation so gut funktioniert, dann macht sie allen Sinn. Der Trainer gab Spielern, die bisher wenig Einsatzzeit hatten, ihre Chance. Olympionik Matthias Ginter durfte von Beginn an im Abwehrzentrum ran, Adrian Ramos ersetzte Aubameyang. Christian Pulisic wurde für seinen starken Auftritt in Polen belohnt. Gonzalo Castro war in Warschau nur eingewechselt worden und zeigte gegen Darmstadt sensationell, wieso er verdient wieder in der Startelf stand. Weiterlesen →

Was anschließend geschah

Für alle, die ebenfalls im Urlaub waren: eine kurze Rekapitulation, was in der schwarz-gelben Welt zuletzt passiert ist.

1. Moritz Leitner ist weg. Dass es Abgänge geben würde, war klar. Regelmäßige Leser dieses Blogs ahnen, dass mich dieser Abschied wenig schmerzt. Leitner hat im schwarz-gelben Trikot weder vor noch nach seiner Ausleihe jene Konstanz zeigen können, die er auf diesem Niveau benötigt. Das hat dann auch etwas mit fehlender Klasse zu tun. Angesichts der illustren Namen im Kader war er auf meiner Liste der erste, der gehen durfte. Viel Erfolg bei Lazio!

2. Fast schon zu souverän gegen Trier gewonnen. Reden wir nicht drum herum: Es war einseitig im Moselstadion. Der übertragenden ARD und neutralen Zuschauern vermutlich zu sehr. Nachdem die Borussia in der ersten Halbzeit die Drei-Tore-Führung hergestellt hatte, verlegte man sich später aufs Auslassen von Chancen und wurde inkonseqenter. Aus der Innenperspektive gefielen zumindest drei Aspekte: Shinji Kagawa weiß, was die Stunde geschlagen hat und kämpft um seine Startelfchance. André Schürrle zeigt ordentliche Frühform und kann erwartungsgemäß gut mit Tuchel. Richtig begeistert hat gegen später dann aber vor allem Emre Mor. Was für ein Dribbler!

3. Wieder Real in der Champions League. Kein einfaches Los ergab die heutige Auslosung der CL-Gruppenphase. Über Real brauchen wir nicht reden; ein Leckerbissen ist es immer wieder. Sporting sollte man bloß nicht unterschätzen. Legia Warschau sollte man dann doch schlagen – noch ist der polnische Vereinsfußball nicht auf dem Niveau des Nationalteams. Diese Gruppenphase wird kein Selbstläufer – aber fragt mal die andere Borussia!

Tuchels Gameplan hält nur 90 Minuten

Europa League, Viertelfinale / FC Liverpool 4 BVB 3

Ein furioser Start, ein faszinierender Europapokal-Abend, der Werbung für den Wettbewerb war – doch bei der Auslosung zum Halbfinale heute Mittag ist Borussia Dortmund nicht im Topf. Das Stehaufmännchen Nummer 1 bleibt Jürgen Klopp.

Lange sah es so aus, als ob die Schonung vieler Stammkräfte im Derby bei S04 Früchte getragen hätte. Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang spielten lange nahe ihrer Bestform. Doch so überzeugend der BVB zunächst angriff, defensiv sah es immer dann gefährlich aus, wenn die Reds zielstrebig und passsicher kombinierten. Lukasz Piszczek war stark nach vorne, aber defensiv nicht immer im Bild. Und Marcel Schmelzer? Hat der gestern eine Flanke verhindert? Er schien immer da zu sein, wo der Ball nicht war. In der Zentrale wurde es unterdessen immer gefährlich, wenn mehr als zwei Spieler zu decken waren.

In den ersten 20 Minuten war dieses Spiel eine Leistungsschau der BVB-Offensive, danach ein packender Europapokal-Fight. Doch den Borussen half es am Ende weder, sich einreden zu lassen, man habe das stärkere Team, noch dass man kräftemäßig am Limit sei. Nach solch einem Last-Minute-Desaster lässt sich natürlich nicht seriös sagen, wie sich eine geringere Rotation am Sonntag ausgewirkt hätte. Doch de facto steht man nun 7 Punkte hinter Bayern und nicht mehr in der Europa League.

Die Dramaturgie des Spiels verlief in der zweiten Hälfte zunächst denkbar ungünstig. Ein schnelles Gegentor hätte es nun wirklich nicht gebraucht. Doch der großartige Marco Reus schien alles klar gemacht zu haben – wäre nicht Klopps Liverpool Meister der Aufholjagd. Dass der BVB sich dem nicht mehr widersetzen konnte und noch drei Tore kassierte, ist schwer erklär- und verzeihbar. Auch der Doppelwechsel – Ramos und Gündogan für Reus und Castro – muss kritisch hinterfragt werden.

Es waren nicht die besten Tage von Thomas Tuchel, unbenommen dem, was er bereits mit den schwarz-gelben Jungs geleistet hat. Was bleibt, ist erst mal Leere. Und fast schon die Pflicht, am Mittwoch zu verhindern, dass Berlin nach Berlin fährt. So ist das Business.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl, Castro (82. Gündogan) – Mkhitaryan, Kagawa (77. Ginter), Reus (83. Ramos) – Aubameyang. Gelbe Karten: Hummels, Piszczek, Schmelzer. Tore: Mkhitaryan, Aubameyang, Reus

Klopp bleibt nicht in Dortmund

Europa League, Viertelfinale / BVB 1 FC Liverpool 1

Heute wird sich Jürgen Klopp in ein Flugzeug setzen und mit einem Unentschieden im Gepäck an die Merseyside zurückkehren. In einer Woche an der Anfield Road wird dann der sportliche Aspekt des Duells Dortmund gegen Liverpool wohl auch medial wieder mehr im Vordergrund stehen.

Das soll nicht heißen, dass es bei der Rückkehr des geliebten Erfolgstrainers nicht gekribbelt hat. Aber neben Dankbarkeit und Respekt spürte ich vor allem ein sportliches Kribbeln: Wie würde der BVB gegen den neuen Klub des ausgewiesenen Dortmund-Kenners aussehen? Wer am Ende die Oberhand behalten wird, ist nach dieser Partie noch offen. Aber leicht wird die Aufgabe für die Schwarz-Gelben nicht.

Es zeigte sich, dass ein hochmotiviertes Team mit Klopp’schem Pressing und Einzelkönnern wie Coutinho, Lallana oder Origi gegen die Borussia einiges ausrichten kann. Positiv war vor allem in der ersten Hälfte, dass der BVB darauf ruhig reagierte und es den Gastgebern so nach und nach gelang, doch ein deutliches Übergewicht zu schaffen.Was fehlte war die Präzision – oder die richtigen Entscheidungen in Strafraumnähe. Denn die Schwarz-Gelben hatten ein paar echte Chancen, aber vor allem viele Hätte-wäre-wenn-Szenen. Es scheint Spieler zu geben – etwa Erik Durm oder später Nuri Sahin – die unter Tuchel noch nicht so oft dabei waren und deshalb bei aller Auffälligkeit noch öfter falsche Entscheidungen bei Pässen und Schüssen treffen.
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Jetzt also doch: Klopp kommt nach Dortmund

Ist es das Spiel, das wir möglichst lange vermeiden oder doch alle sehen wollten? Schon im Viertelfinale der Europa League trifft Borussia Dortmund laut der von unserem Ex-Stürmer Alex Frei vorgenommenen Auslosung auf Ex-Trainer Jürgen Klopp und den FC Liverpool. Dabei müssen die Schwarz-Gelben zunächst zu Hause antreten.

Sicher sind beide Sichtweisen nachvollziehbar, aber ich neige doch dazu, mich auf die beiden Partien zu freuen. Es gibt derzeit keinen Grund, der Klopp-Ära nachzutrauern. Sein neuer Verein ist zwar der mit Abstand attraktivste, aber vielleicht gar nicht der stärkste Gegner. Die Abwehr etwa ist nicht nur bei Standards anfällig. Weder wird Klopp in Liverpool scheitern, wenn er die EL nicht gewinnt, noch wird der BVB von einer verkorksten Saison sprechen müssen, wenn man gegen die Reds ausscheidet.

Nein, es ist vor allem reizvoll zu sehen, wie Klopp mit einer starken Mannschaft gegen Tuchel mit einer starken Mannschaft abschneidet. Dass das Duell einen Riesen-Medienhype auslösen wird, kann man da in Kauf nehmen. Und eigentlich ist er sogar gerechtfertigt. Solche Begegnungen braucht die Europa League, um ihre Position gegenüber der Champions League zu verbessern. Nicht jedes Viertelfinalspiel in letzterer ist ähnlich attraktiv.

Zwei hochemotionale und voraussichtlich denkwürdige Spiele erwarten uns. Nichts zu bedauern.