Das Ende der guten alten Zeit: Neven geht

Sportlich ist es eine Randnotiz, die wahrscheinlich keine großen Auswirkungen haben wird: Neven Subotic verlässt nun endgültig Borussia Dortmund und wechselt zum französischen Erstligisten AS St. Etienne – dem Rekordmeister, der derzeit im Abstiegskampf steckt. Nach „Kicker“-Informationen bekommt der BVB doch eine Ablöse von 500.000 Euro für den 29-jährigen Innenverteidiger. Eine Summe, die natürlich dennoch daraufhin deutet, dass man Neven keine Steine in den Weg legen wollte.

So weit die harten Fakten. Doch weit kommt man mit denen in diesem Fall nicht. Es stimmt natürlich, dass Neven Subotic trotz seines kurzen Comebacks unter Peter Bosz den Schwarz-Gelben auf dem Platz nichts mehr geben konnte, was sie nicht schon hatten. Das Reinknien mit voller Identifikation reichte eben nicht. Aber es ist trotzdem ein Schlag, wenn ein Spieler mit genau diesen Merkmalen uns nun verlässt. Die Borussia muss sich fragen: Wie viele solche Menschen haben wir noch in unseren Reihen? Die sich auch abseits vom Platz derart engagieren – karitativ oder beim Feiern mit den Fans.

Der Weggang von Neven, der nach dem Köln-Intermezzo im letzten Frühjahr nun endgültig zu sein scheint, bedeutet aber noch mehr. Er markiert das endgültige Ende der Klopp-Ära, das endgültige Ende der Leichtigkeit und Andersartigkeit, die damit verbunden war. Natürlich ist der BVB nun schon seit mehreren Jahren ein fast normaler Topklub. Und hatte zuletzt mehr Krisen zu überstehen als viele andere. Aber manche Erinnerungen verbinden wir eben doch mit Personen und nicht nur mit dem abstrakten Verein.

Wer von den Verbliebenen der damaligen Zeit weckt denn noch ähnliche Emotionen bei den Fans wie Neven Subotic? Lukasz Piszczek oder Marcel Schmelzer? Nicht wirklich. Nuri Sahin oder Shinji Kagawa? Haben durch ihre Abschiede an Glanz verloren und den nach ihrer Rückkehr nicht wieder mitgebracht. Roman Weidenfeller? Ist wohl doch schon zu weit in seiner Karriere fortgeschritten.

Und welche der neuen Spieler können uns begeistern? Derzeit fallen mir drei ein. Zwei davon sind im Aufbautraining bzw. verletzt: Marco Reus und Maximilian Philipp. Der Dritte, Christian Pulisic, ist zum Glück (wieder) fit, aber liefert in dieser Spielzeit eben auch nicht jede Woche Topniveau.

Borussia Dortmund nach Neven Subotic muss sich daher seine eigene Story erst wieder erarbeiten. Den jetzigen Kader verbinden immer weniger gemeinsame Erinnerungen. Die, die da sind, verblassen. Alte Freundschaften wirken nach außen manchmal wie Seilschaften, die beim Aufbau einer neuen Identität für den BVB 2017/18 eher hinderlich sind. Derzeit schreiben die Schwarz-Gelben zwar Schlagzeilen, aber keine Geschichten, die eine längere Zeit überdauern. So wie die von Neven Subotic.

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Jürgen Klopp wird ein Roter

Dortmunds Trainer-Legende hat einen neuen Verein: Jürgen Klopp ist in Liverpool eingetroffen, um bei den „Reds“ einen Dreijahresvertrag zu unterschreiben. Seine Vorstellung steht morgen Vormittag an. Für den lukrativen und ohne Zweifel reizvollen Job in der Premier League unterbricht Kloppo also sein Sabbatical und wird ein Roter – und das nicht in der Bundesliga. Für seine nach wie vor große Fangemeinde unter den BVB-Anhängern ist das sicher leichter erträglich.

Ohnehin kann man das Engagement gut nachvollziehen: Ein sportlich ins Trudeln gekommener Traditionsklub mit ebenfalls großer Fangemeinde, der finanziell  durchaus Potenzial hat – das kann man sich als offener, selbstbewusster Trainer schon mal antun. Jürgen Klopp beherrscht die englische Sprache sehr ordentlich und ist ohne Zweifel in der Lage, Aufbruchstimmung zu erzeugen. Trotzdem wird es natürlich sehr spannend zu sehen sein, wie er mit den hohen Erwartungen, den Stars und den Medien zurechtkommt. Das kann klappen, muss aber nicht.

Besonders interessant und in der britischen Presse bereits thematisiert ist die Frage, welche Kompetenzen Klopp in der Transferpolitik bekommt. Beim FC Liverpool gibt es ein sechsköpfiges ‚Komitee‘, bestehend aus Scouts, Geschäftsführer, einem Eigentümervertreter, einem ‚Analysten‘ und – immerhin – dem Trainer. Dieses Gremium entscheidet über alle Transfers und stand zuletzt in der Kritik. Ob sich auch der neue Trainer hier der Mehrheitsmeinung unterwerfen muss, ist noch nicht bekannt.

Ein prominenter deutscher Trainer in England – das Thema wird uns in den nächsten Monaten und hoffentlich Jahren noch öfter beschäftigen. Ich werde nun zwar nicht zum Liverpool-Fan werden – meine Präferenzen lassen sich neuerdings ja hier im Blog ablesen – aber verfolgen werde ich den Werdegang von Jürgen Klopp in England ganz bestimmt. Viel Glück, Kloppo!

Egal ob Statement oder Kalkül, Hauptsache Reus

Gestern hatte der BVB-Medienpartner „Ruhr Nachrichten“ über eine entscheidende Annäherung in den Vertragsgesprächen zwischen Borussia Dortmund und seinem Topspieler Marco Reus berichtet. Nur einen Tag später wurde wahr, was viele Schwarz-Gelbe nicht mehr zu glauben gewagt hatten: Unsere Nummer 11 bleibt in Dortmund, verlängert bis 2019 und verzichtet im neuen Vertrag auf eine Ausstiegsklausel. Das Papier gilt sogar für die zweite Liga. Obendrein vermeldet der Verein an seine Aktionäre, dass nun kein Spieler mehr eine Ausstiegsklausel nutzen kann.

Für den BVB ist die Meldung, dass der wichtigste und effektivste Offensivmann bleibt, eine wegweisende Entscheidung in schweren Zeiten. Genau die ‚Experten‘, Journalisten und gegnerischen Fans, die der Borussia zuletzt keine Chance mehr gegeben hatten, Reus zu halten, weil der ja für angeblich 25 Millionen Euro wechseln könne, dürften diejenigen sein, die in seiner Vertragsverlängerung pures Kalkül sehen. Wer aber ernsthaft behauptet, Marco habe gar keine anderen Optionen mehr gehabt, macht sich lächerlich. Egal ob es stimmt, dass Real Madrid ihm auf jeden Fall das doppelte Gehalt wie der BVB geboten hätte. Egal, ob die Bayern, die sich interessiert zeigten ohne klar Stellung zu beziehen, ihn noch wollten. Wichtig für uns ist nur: Wir haben ihn und sie nicht.

Marco Reus wird in Zukunft noch sehr viel mehr Geld in Dortmund verdienen als bisher. Zusammen mit den Großsponsoren bzw. Anteilseignern Opel und Puma soll laut „Kicker“ ein Paket für den Superstar geschnürt worden sein. Gerüchten zufolge liegt das Jahresgehalt bei bis zu 10 Millionen. Das ist unglaublich viel, relativiert sich aber dennoch, wenn man an die jüngste Kapitalerhöhung der Borussia Dortmund KgaA denkt. Ob Reus anderswo viel mehr hätte verdienen können, was manche Kritiker ja auch bezweifeln, ist sowieso nur ein Aspekt. Der Spieler hat sich in einer sportlich schwierigen Situation mit ungewissen Zukunftsaussichten für diesen Verein entschieden. 98 Prozent der BVB-Fans dürfte das Identifikation genug sein.

Ohne Marco wäre der BVB im Sommer nach einem Neuaufbau womöglich nur noch gehobener Bundesliga-Durchschnitt gewesen. Mit ihm kann die Saison 2014/15 vielleicht bald als eine unrühmliche Zwischenepisode ad acta gelegt werden. Natürlich muss erst der Klassenerhalt geschafft werden, natürlich hat unsere Nummer 11 nach seinen Verletzungen und der kollektiven Verunsicherung noch keine Topform. Doch heute ist ganz im Klopp’schen Sinne ein weiterer Tag der Freude! Cheers!

Kehl gibt Binde ab – es kann nur einen Nachfolger geben

Sebastian Kehl hat am Mittwoch im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz seinen Rücktritt als Kapitän erklärt – für die Meisten überraschend, nur die sportliche Führung war schon seit Saisonende eingeweiht. Auf der Pressekonferenz nannte er als Hauptgrund die „Fürsorge“, den Wunsch, seinem Nachfolger noch ein Jahr zur Seite stehen zu können. Im Sommer 2015 soll bekanntlich Kehls Karriere in Dortmund enden. Sportliche Gründe – sprich: der fehlende Stammplatz – hätten dagegen keine Rolle gespielt.

Man muss die Aussagen nicht komplett für bare Münze nehmen, darf aber trotzdem annehmen, dass Sebastian sie im Sinne der Mannschaft getroffen hat. Es ist sicher nicht falsch, jetzt in diesem Punkt auf die Zukunft zu setzen und einem Spieler mehr Gewicht zu verleihen, der auch regelmäßig spielt. Als Nachfolger liegen selbstverständlich Kehls Vertreter Mats Hummels und Roman Weidenfeller nahe, die nun auch noch Weltmeister sind. Dass gar niemand anders in Frage kommt, muss man nicht so sehen: Neven Subotic und Sven Bender hätten ebenfalls das Format für die Rolle. Letztendlich aber doch nicht das geeignete Temperament.

Eigentlich kann es am Ende doch nur einen geben: Mats Hummels. Weidenfeller hat drei Nachteile: Er ist kein Feldspieler, keine zukunftsweisende Option und er ist rhetorisch einfach schwächer als Hummels – nicht nur auf Englisch. Auch als Repräsentant scheint Mats besser geeignet zu sein. Und ein klein wenig ist da natürlich die Hoffnung, dass es ihn mit der nochmals gesteigerten Wertschätzung noch ein Weilchen länger in Dortmund hält. Die Entscheidung wird in der Hauptsache Jürgen Klopp treffen – vermutlich rechtzeitig vor dem Start der Pflichtspiele.

Sebastian Kehl war jedenfalls ein nahezu vorbildlicher Kapitän, dessen Entscheidung zum Rücktritt sicher nicht mit Freude aufgenommen wurde – so viel konnte man seinen Worten entnehmen. Wünschen wir ihm alle eine tolle, erfolgreiche Saison zum Abschied! Danke, Sebastian!

 

Unerwartet wundervoll

Aaron Hunt von Werder Bremen war bisher kein Lieblingsspieler von mir. Ich fand es bezeichnend, dass er in einer scheinbar indifferenten Mannschaft mit seinen Qualitäten als Lichtblick galt. Außerdem wirkte er bei den wenigen Gelegenheiten, zu denen man als Fan eines anderen Vereins mal einen Einblick bekam, tendenziell arrogant. Ich würde nicht sagen, dass ich Hunt abgestempelt hatte, aber er passte doch in das Werder-Bild, das in den letzten zwei Jahren bei mir entstanden war – einem Verein, dem ich früher sehr zugetan war.

Nun gewinnt eben jener Klub gestern nicht nur 2:0 beim ‚Glubb‘, der vor seiner Niederlage in Dortmund blendend in die Rückserie gekommen war. Nein, es zeigt sich auch, dass Aaron Hunt ein Großer ist. Ein Sportsmann, wie man ihn heute kaum noch für möglich hält. Es ist das eine, wenn man wie der Nürnberger Kiyotake zugibt, den Ball noch berührt zu haben, bevor er ins gegnerische Toraus rollt. Das ist eine sehr faire Geste. Aber Schiedsrichter Gräfe zu sagen, dass ein gepfiffener Elfmeter keiner war, den man selber herausgeholt hat, das ist ganz großer Sport.

Ja, es stand bereits 2:0 und es war im Fernsehen zu sehen, dass es tatsächlich eine klare Fehlentscheidung von Gräfe gewesen wäre. Trotzdem steckt auch Bremen noch im Abstiegskampf, jedes Tor kann am Ende entscheidend sein und Aaron Hunt scheint sich tatsächlich sehr schnell zu seinem Geständnis entschieden zu haben. Und deshalb rührt sein Verhalten auch langjährige Fußballfans. Weil in Zeiten, in denen das Erfolgsstreben mit Tunnelblick nicht nur an der Spitze des deutschen Fußballs als Nonplusultra ausgegeben wird, solche Zeichen überraschend sind und die Schönheit des Spiels und der Sportlichkeit wieder in Erinnerung rufen. Danke Aaron Hunt!

Der 15.000-Tage-Mann

Sportdirektor Michael Zorc hat seinen Vertrag bei Borussia Dortmund verlängert. Das war allgemein erwartet worden, ist aber dennoch bemerkenswert, wenn man auf ‚Susis‘ Jahrzehnte in schwarz-gelb zurückblickt. Ende der 70er Jahre kam er als Jugendspieler zum Verein und ist bis heute dabei geblieben. Wenn sein Vertrag im Juni 2019 ausläuft, wird er 41 Jahre  – oder knapp 15.000 Tage – in Diensten des BVB gestanden haben. Gut möglich, dass das dann noch nicht alles ist.

Nach seinen Erfolgen als Spieler, nach 156 Profitoren, gelang Zorc nach einer für den gesamten Verein schwierigen Phase der Aufstieg zum absoluten Top-Manager an der Seite von Jürgen Klopp. Das Erfolgsduo funktioniert und harmoniert prächtig, obwohl Zorc ein deutlich ruhigerer Zeitgenosse als der Trainer ist. Oder vielleicht gerade weil es ihm seine Wesensart ermöglicht, beharrlich im Hintergrund zu arbeiten. Die Vereinstreue und die Verbundenheit mit der Borussia, die Susi ausstrahlt, sind ohnehin großartig und etwas nun wirklich nicht mehr Alltägliches im Fußballgeschäft.

Unser Sportdirektor hat nun die längste Vertragslaufzeit von allen führenden Vereinsverantwortlichen. Das macht absolut Sinn und sichert Kontinuität selbst für den Fall, dass sich Jürgen Klopp und ‚Aki‘ Watzke einmal anders orientieren sollten.

Abschied der großen Männer

Die Fußball-Szene erlebt dieser Tage einen beispiellosen Abschiedsreigen. Spieler und Trainer von höchster Reputation sagen „auf Wiedersehen“ und verdrängen für einige Tage Transfergerüchte und Champions League-Finale aus den Schlagzeilen. Besonders betroffen ist einer der weltweit bekanntesten Vereine, Manchester United. Trainer-Legende Sir Alex Ferguson gab letzte Woche seinen Rückzug zum Saisonende bekannt, der ’stille Star‘ Paul Scholes tritt in diesem Monat bereits zum zweiten Mal zurück und nun hat auch United’s ehemaliger Topseller David Beckham bekanntgegeben, seine Karriere bei PSG nicht fortzusetzen. Beim (wenn auch nicht sportlich) großen Konkurrenten FC Liverpool verabschiedet sich nach dieser Spielzeit ‚One-Club-Man‘ Jamie Carragher.

Und in Deutschland? Vieles spricht dafür, dass Bayern-Trainer Jupp Heynckes nach dem CL-Finale leise „servus“ sagt, ob mit oder ohne Titel, ob mehr oder weniger freiwillig. Seit gestern wissen wir, dass auch Thomas Schaaf geht. Zumindest weg aus Bremen. Und wenn man nur die Klubzugehörigkeit betrachtet, schlägt Schaaf sogar Sir Alex um Längen: 41 Jahre war er als Spieler und Trainer beim SV Werder – das sind 15 Jahre mehr als der Schotte in Manchester waltete. Natürlich war Ferguson von der Zahl und Art der Titel her erfolgreicher – und bekommt auch einen deutlich angemesseneren Abgang beschert.

Man kann selbstverständlich darüber diskutieren, ob in Bremen nach 14 Jahren Cheftrainer Schaaf die Zeit für einen Wechsel gekommen war. Man darf allerdings auch darauf hinweisen, dass der ruhige gebürtige Mannheimer nicht allein verantwortlich für die verfehlte Transferpolitik der letzten Jahre war – meiner Meinung nach der Hauptgrund für die miserable Saison 2012/13. Und aus welchem Grund musste der ‚Strategiegipfel‘, bei dem die Zukunft von Werder besprochen wurde, zwischen dem vorletzten und letzten Spieltag stattfinden, wenn es eine wahrscheinliche Option war, sich vom langjährigen Trainer zu trennen? So einvernehmlich dürfte es nicht zugegangen sein, wenn das Ergebnis ist, dass Schaaf beim letzten Saisonspiel nicht mehr auf der Bank sitzt.

Werder Bremen war ein Verein, den ich immer zu den Guten gezählt habe. Die Wahl des neuen Trikotsponsors war bereits mehr als unglücklich. Nun endet eine missratene Spielzeit auch noch mit einer Stillosigkeit.

Junger Retter für Oldham

Was für einen Unterschied ein paar Tage im Fußball machen können, kriegen Vereine weltweit immer wieder zu spüren – nicht nur Schalke 04. Ein paar Tage und einen Trainerwechsel nach einer tristen 0:1-Niederlage gegen Bournemouth sieht die Welt auch für den englischen Drittligisten Oldham Athletic schon wieder ganz anders aus. Am Sonntag trat der mit 31 Jahren jüngste Trainer im englischen Profifußball seinen Job an: Lee Johnson leitet mit den ‚Latics‘ seinen ersten Verein und ist der Sohn von Gary Johnson, der kurioserweise den Ligarivalen Yeovil Town trainiert.

Vor der Partie gegen Hartlepool United am Dienstag stand Oldham auf einem Abstiegsplatz und man konnte es den Fans nicht verdenken, dass sie die Ernennung eines völlig unerfahrenen Trainers kritisch sahen. Doch Johnson konnte noch vor seinem ersten Spiel Punkte sammeln: Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden und Club-Finanzier Simon Corney traf er sich mit einigen Fans und legte seine Vision für den Abstiegskampf dar. Seine klaren Vorstellungen und die Referenzen aus der Trainerausbildung überzeugten.

Das Wesentliche folgte am Dienstagabend in Oldhams Boundary Park: Die Latics schlugen den Abstiegskonkurrenten Hartlepool mit 3:0. Fans und Trainer lobten danach die positive Spielweise und Körpersprache, die unter Johnsons Vorgänger Paul Dickov und Interimslösung Tony Philliskirk verloren gegangen waren. Held des Abends war Jose Baxter: Der Offensivmann bereitete die ersten beiden Kopfballtore mit seinen Flanken vor und erzielte den dritten Treffer mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze. Die Anhänger im Stadion trugen ihren Teil  zum Erfolg bei, auch wenn nur 3200 in den gut 10.600 Zuschauer fassenden Boundary Park gekommen waren.

Oldham Athletic ist einer jener Profivereine, die so gar nichts mit dem Glamour der Premier League zu tun haben. Was vielleicht genau daran liegt, dass die gut 100.000 Einwohner zählende Stadt Oldham nur elf Kilometer von Manchester mit seinen beiden Superclubs entfernt liegt. Im Schatten der Großen gedeiht nicht viel – dabei gehörten die Latics Anfang der Neunzigerjahre tatsächlich zu den Gründungsmitgliedern der Premier League und konnten sich in der neuen Eliteklasse zwei Spielzeiten halten. Doch danach passierte, was seither vielen Absteigern passiert ist, die nicht den direkten Wiederaufstieg schafften: Finanzielle Probleme sorgten für sportlichen Niedergang.

Genau genommen ist es erstaunlich, dass sich Oldham inzwischen seit über 15 Jahren in der League One hält. Das Geld ist schon lange knapp. Mitte des letzten Jahrzehnts rettete Simon Corney zusammen mit zwei weiteren in den USA lebenden Expatriates den Verein vor der Zahlungsunfähigkeit. Doch die Infrastruktur lässt weiterhin arg zu wünschen übrig. Eine Tribüne des Boundary Parks wurde im Zuge einer geplanten Totalrenovierung abgerissen, das Projekt dann aber aus finanziellen Gründen nicht weiter verfolgt. Seitdem hat das Stadion nur drei Tribünen. In diesem Jahr wollen die Latics einen neuen Anlauf für eine neue Nordtribüne starten; bei der Stadt wurde ein Baugesuch eingereicht. Weiterlesen „Junger Retter für Oldham“

Kevin bleibt in seiner Haut

Was zählt sind Fakten: Kevin Großkreutz hat gestern seinen Vertrag bei Borussia Dortmund um zwei Jahre bis Juni 2016 verlängert. Der Junge von der Südtribüne ist seinem Herzen gefolgt – das wäre die emotionale Deutung der nicht ganz unerwarteten Nachricht. Trotz der Dortmunder Vergangenheit von Super Mario und Marcoreus verkörpert Kevin natürlich wie kein Zweiter die Identifikation mit seinem Verein. Und wir können uns glücklich schätzen, dass es Charaktere wie ihn im heutigen Fußball noch gibt – gerade nach den ganzen Negativmeldungen der letzten Tage und Wochen.

Man kann die Vertragsverlängerung auch nüchterner sehen. Kevin hat nicht umsonst ’nur‘ um zwei Jahre verlängert. Einen Platz in der Stammelf wird er nur wiedererobern können, wenn andere offensive Mittelfeldspieler sich verletzen oder wechseln – und Kevin konstant am oberen Limit spielt. Der Dortmunder Junge hat über einen Wechsel nach England nachgedacht, ohne dass es einem sonderlich ernst vorkam. Und wahrscheinlich gab es auch gar keine Optionen, die so reizvoll gewesen wären, dass ein Wechsel für ihn Sinn gemacht hätte.

Beim BVB ist Kevin derzeit erste Aushilfskraft für die linke Seite, vermutlich auch für hinten. Rechts ist er ebenfalls einsetzbar; die Zentrale ist inzwischen üppig besetzt. Er wird auf seine Einsätze kommen, doch um das Niveau zu erreichen, das seine Konkurrenten im Team haben, muss Kevin mehr als nur laufen und kämpfen. Michael Zorc ließ sich gestern so zitieren:

Kevin war schon seit jeher ein Spieler mit hohem Integrationsfaktor für Borussia Dortmund. Wir freuen uns, mit ihm einen weiteren wichtigen Baustein unserer Mannschaft langfristig an uns gebunden zu haben.

Man kann zu der Erkenntnis gelangen, dass der erste Satz den zweiten bedingt. Gut also, dass uns Kevin erhalten bleibt. Auf drei weitere Jahre 100 Prozent schwarz-gelb!

Der Hype und die Wirklichkeit

Mario Götze hat im Länderspiel gegen Brasilien ein tolles Tor aus spitzem Winkel erzielt. Es ist vorherzusehen, dass das den Hype um den 19-jährigen Dortmunder weiter anfachen wird. Vermutlich sogar international, denn die Partie wurde natürlich – wie das Bundesliga-Auftaktspiel – in eine dreistellige Anzahl von Ländern übertragen. Gut möglich, dass beim BVB bald Angebote für ihn eintrudeln, die in Gomez-Dimensionen vorstoßen – vielleicht noch in dieser Transferperiode.

Wie sieht die Wirklichkeit im ‚Fall Götze‘ aus? Man kann so manchen Vergleich und manche Wortwahl der letzten Tage und Wochen kritisieren, aber im Grunde haben die Stimmen recht. Mario ist wirklich Super. Wir haben es mit einem außergewöhnlichen Spieler zu tun, einem extrem gedankenschnellen Instinktfußballer. Wenn diese beiden ‚Eigenschaften‘ so zusammenkommen, dann steht einer großen Karriere kaum noch etwas im Wege.

Oder? Jürgen Klopp warnte jüngst, dass die ausufernden Lobeshymnen nicht hilfreich seien. Noch sieht es allerdings nicht danach aus, dass sie Götze sonderlich beeindrucken oder gar beeinträchtigen. Zwar ist Mario für Dortmunder Verhältnisse ein Superstar, die Stadt des Meisters bietet ihm jedoch gleichzeitig ein geerdetes Umfeld mit Familie und Freunden. Und man hat das gute Gefühl, dass er das zu schätzen weiß. In diesem Jahr können sich selbst die ganz großen Vereine ihre Angebote sparen und auch für den nächsten Sommer darf man durchaus optimistisch sein. Erst 2013 könnte ein Wechsel ein Thema werden – jedoch nur, wenn Mario will. Bis dahin wird er uns noch viel, viel Freude bereiten!