Auba ist noch da

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Es ist diese Zeit des Jahres, in der wenig Substanzielles im Vereinsfußball passiert. Die ersten Transfers wurden getätigt, meist schon im Frühjahr oder um das Saisonende herum. Weitere lassen auf sich warten, häufig bis Juli oder sogar bis in die heiße Phase des Transferfensters in der zweiten Augusthälfte. Der neue BVB-Trainer Peter Bosz etwa weilte im Urlaub, auch wenn er regelmäßig mit Michael Zorc kommunizierte.

Natürlich müssen aber viele Zeilen und Spalten gefüllt werden, online wie offline. Deswegen ist der Juni vielleicht der Monat der wildesten Transferspekulationen. Bezogen auf die Schwarz-Gelben ist derzeit Ousmane Dembelé das Lieblingskind der Medien. Der kam, wir erinnern uns, erst letzten Sommer nach Dortmund. Doch nun soll er von diversen Topklubs umworben sein, darunter neuerdings auch der FC Bayern. Und der BVB soll sogar schon einen Nachfolger aus Portugal im Auge haben.

Das Thema „Glaubwürdigkeit von Transfergerüchten“ ist nicht neu und aufgeklärte Fußballfans sollten mit den Quellen umgehen können. Doch manchmal scheint es selbst die Vernünftigsten mitzureißen. So hatten sich ja schon fast alle auf Lucien Favre als neuen BVB-Trainer eingestellt. Doch selbst mit Favre persönlich soll längst nicht alles klar gewesen sein, wird nun berichtet. Das gleiche Spiel bei Pierre-Emerick Aubameyang: Erste Medien meldeten seinen Wechsel zu PSG schon als fix – derzeit scheint unser Torschützenkönig davon weit entfernt. Dafür sollen die Pariser nun an Raphael Guerreiro interessiert sein.

Das oder die ganzen Dembelé-Geschichten mögen manche spannend finden. Oder man verbucht es unter harmloser Sommer-Unterhaltung. Mich langweilen die Storys mittlerweile. Das geht mir übrigens auch so, wenn es um die Spieler X, Y und Z geht, mit denen der BVB in Verbindung gebracht wird. Nicht zuletzt deshalb, weil man eigentlich zuerst die Spieler U, V und W loswerden müsste.

Man kann es auch noch schwärzer sehen: Dann ist die ganze weitgehend fiktive Gerüchteküche nur ein Symptom der hohl drehenden Fußballbranche, der es zunehmend an Substanz und Werten mangelt.

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Warum RB Leipzig nicht Normalität wird

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Der nun unvermeidliche Aufstieg von Rasenballsport Leipzig in die 1. Bundesliga hat zu einer erneuten Auseinandersetzung der Medien mit dem Konstrukt geführt, das bald den deutschen Fußball aufmischen will. Die Mehrheit der Artikel in Tages- und Sportpresse steht dem Klub von Milliardär Dietrich Mateschitz neugierig oder wohlwollend gegenüber, auch wenn hier und da die Schattenseiten pflichtschuldig benannt werden. Eine Ausnahme bildet der Kommentar von René Hofmann bei Sueddeutsche.de.

Unter den RB-Apologeten kristallisieren sich unterdessen drei Argumentationslinien heraus, die eine genauere Betrachtung lohnen:

  1. Leipzig macht die Bundesliga wieder spannend. Ein sportlich gesehen nachvollziehbarer Wunsch, der nach den letzten paar Spielzeiten Konjunktur hat. Red Bull verfügt mit Sicherheit über die Mittel, langfristig den FC Bayern anzugreifen. Doch darf man sich keinen Illusionen hingeben: Der Vorsprung der Bayern ist immens. Der Rekordmeister wird abgesehen von seinem Festgeldkonto von einer Reihe potenter Sponsoren unterstützt. Und auch der Ruf des FCB wird ihn auf viele Jahre hinaus attraktiver machen als den Emporkömmling aus Sachsen. Früher könnte es RB gelingen, Vereine wie Wolfsburg, Leverkusen, Gladbach oder Schalke einzuholen. Und auch den BVB, wenn weiterhin regelmäßig Topspieler den Verein verlassen. Mateschitz‘ Ziel ist ohne Frage, das höchste Niveau zu erreichen und möglichst bald Champions League zu spielen. Mit RB Salzburg ist er daran regelmäßig gescheitert. Nun soll es also im Land des Weltmeisters gelingen. Die entscheidende Frage in diesem Punkt ist jedoch: Wollen wir überhaupt einen Zweikampf Bayern gegen RB? Soll das die Lösung für den deutschen Liga-Fußball mit seinen vielen anderen beliebten Vereinen sein? Hieße das nicht, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben?
  2. Eigentlich ähnelt RBL dem englischen Sensationsmeister Leicester. Über den grandiosen Erfolg von Leicester City in der Premier League jubelt die Fußballwelt. Vor allem den Romantikern gibt der Titelgewinn der Foxes wieder ein wenig Hoffnung. Nun zieht mancher Kommentator, etwa Dominik Bardow im Tagesspiegel, den Vergleich zum Brauseklub. Hat nicht auch Leicester einen ausländischen Mäzen, der womöglich sogar versteckte Zahlungen geleistet hat, um das Financial Fair Play zu umgehen? Bardow selbst nennt einen gewaltigen Unterschied: Vichai Srivaddhanaprabha hat in einen 1884 gegründeten Verein investiert. Kaum ein Fußballfan hierzulande würde sich echauffieren, wenn Dietrich Mateschitz unter Beachtung der 50+1-Regel sein Geld in einen Traditionsverein wie Dynamo Dresden oder Lok Leipzig gesteckt hätte. Dass der Thailänder Srivaddhanaprabha auch Vereinsvorsitzender in Leicester sein kann, hat mit der ganz anders ausgeprägten Fußball-Vereinskultur in England zu tun. Diese kennt keinen vergleichbaren Schutzmechanismus wie „50+1“. Und trotz der beachtlichen Investitionen des Besitzers ist Leicester finanziell gesehen noch viel mehr Außenseiter als RBL.
  3. Es gibt wieder Hoffnung für den Fußball im Osten. Und nicht nur das: Die Region Leipzig wird am Aufstieg kräftig mitverdienen, wie Wirtschaftswissenschaftler Henning Zülch der Leipziger Volkszeitung erklärt hat. RB ist außerdem bisher nicht durch Problemfans aufgefallen, wie einige der ehemals großen Namen im Ost-Fußball. Also Sport für die ganze Familie, ohne lästige Nebenschauplätze? So weit, so gut – fragt sich nur, was der Rest vom Osten davon hat. Schon heute suchen die Talentscouts von RB Leipzig bundesweit nach Spielern und definieren den Begriff „aus der Region“ großzügig. Das haben sie nicht exklusiv. Aber es spricht einiges dafür, dass Mateschitz‘ Klub für viele junge Fußballer der einzige strahlende Stern im Osten sein und schon früh potenzielle Stars anlocken wird. Sowohl was Fans als auch Spieler angeht, müssen sich die anderen Vereine gegen den Bundesligisten RB Leipzig erst mal behaupten. Dynamo Dresden und Erzgebirge Aue haben die Rückkehr in die zweite Liga geschafft – doch wo werden die Talente hingehen? Es bleibt die äußerst vage Hoffnung, dass RBL als Vorbild für andere Investoren dienen könnte, die dann einen der Ost-Traditionsvereine unterstützen möchten.

Man kann die drei Punkte positiver oder optimistischer sehen. Man kann auch die fatalistische Auffassung vertreten, dass der Siegeszug des Kommerzes ohnehin nicht aufzuhalten ist und man besser die Show genießen sollte. Trotzdem bleiben die eklatanten Geburtsfehler beim Konstrukt RB Leipzig. Egal wie rechtmäßig die ganze Sache nun abgelaufen ist: Ein Verein, der Mitglieder mit anfänglich vierstelligen Jahresbeiträgen abzuschrecken versucht, ist keiner. Bis heute kann man bei RB als Außenstehender kein stimmberechtigtes, sondern nur Fördermitglied werden. Es gibt auch keine Anteilseigner außer Red Bull.

Etwas mehr Respekt hätte der Quasi-Alleinherrscher Mateschitz verdient, wenn er mit seinem „Verein“ in der Kreisklasse eingestiegen wäre, wie es bei einer Neugründung üblich ist. Aber da ihm dieser Weg wohl zu lange war, übernahm man die Oberliga-Lizenz des Umland-Klubs SSV Markranstädt – welche Summen dabei geflossen sind, ist unbekannt. Der SSV wurde nicht etwa aufgelöst, sondern spielte nach einem Jahr als RB Leipzig mit seiner zweiten als neue erste Mannschaft weiter. Heute steht man wieder in der Oberliga. Läuft so das Business?

Von Marktwert, Solidarität und deren Fehlen

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Nach Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke haben nun auch Vertreter von sechs sogenannten Traditionsvereinen eine Änderung der Fernsehgeld-Verteilung im deutschen Profifußball gefordert. Hertha BSC, der VfB Stuttgart, Werder Bremen, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und der 1. FC Köln setzen sich für eine Berücksichtigung von ‚weichen‘ Kriterien, zusammengefasst unter dem Schlagwort „Marktwert“, ein. Konkret gemeint sind TV-Einschaltquoten, die Anzahl von Mitgliedern oder Auswärtsfans.

Doch die Argumente werden nicht besser, wenn sie von weiteren Vereinen aufgegriffen werden. Auch nicht, wenn deren Vertreter auf angewandte weiche Kriterien im Ausland verweisen. Warum eine Reform in der geforderten Form unsolidarisch und unsportlich wäre, habe ich bereits beim letzten BVB-Vorstoß in diese Richtung dargelegt.

Hier ist aus gegebenem Anlass noch mal der Text.

Von Freiburg nehmen, den Bayern geben

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Es gibt auch im Fußball Vorschläge oder Forderungen, die gleichzeitig unfair und unpraktikabel sind und nicht weniger absurd werden, wenn man sie nach sechs Jahren wiederholt. Schon 2009 wandelte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke einen alten Vorschlag aus Bayern-Kreisen ab. Nicht die erfolgreichsten, sondern die populärsten Klubs sollten mehr als bisher aus dem Topf der nationalen Fernsehgelder bekommen. Die Popularität sollte an weichen Kriterien wie der Anzahl der Fans oder der Zuschauerzahl bei Live-Übertragungen abgelesen werden.

Ähnlich und in verschärfter Form hat sich nun Dortmunds Finanzgeschäftsführer Thomas Treß bei einer Veranstaltung in Düsseldorf geäußert:

Wir brauchen hier neue Kriterien. (…) Es kann nicht sein, dass einige Klubs die Party machen und andere, die sich klein und unschuldig geben, überproportional am Erfolg partizipieren.

Von Befürwortern einer Neuregelung der Fernsehgeld-Verteilung wird dann gerne populistisch auf die große Anhängerschaft von Traditionsklubs wie dem BVB, dem Reviernachbarn aus Gelsenkirchen oder dem HSV verwiesen. Die Fans sollen also ins Boot geholt werden. Denn gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass die weniger traditionellen und eher unbeliebten Vereine wie Wolfsburg oder Hoffenheim eigentlich zu viel kassieren – da sie weniger Menschen interessieren.

Auf die ganzen kleinen und klammen Vereine von Darmstadt über Freiburg bis Paderborn, die sich ‚ehrlich‘ hochgearbeitet haben, wird nicht eingegangen. Da denken die Großen eben zuerst an sich. Und widersprechen mit ihrer Argumentation jedem Sportsgeist. Hinzu kommt, dass nun ausgerechnet ein Borussia-Verantwortlicher die Diskussion wieder aufkocht – während sich Schalke-Geschäftsführer Peter Peters skeptisch äußerte. Am meisten profitieren würde ohnehin der FC Bayern – dank der meisten Mitglieder, der meisten TV-Zuschauer und immerhin ziemlich vieler Auswärtsfans.

Bei solch einer ‚Jeder-ist-sich-selbst-der-Nächste‘-Mentalität wie von Treß zur Schau gestellt kann man schon einen dicken Hals bekommen. Dass eine Popularitätsmessung ohnehin schwierig bis unmöglich erscheint (zählen dann nur die „Sky“-Kunden oder die paar Tausend Auswärtsfahrer?), ist da fast schon nebensächlich.

Aki und der Feind seines Feindes

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Ende letzten Monats kritisierte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das Transfergebaren des Red Bull-Konzerns und seiner Fußballvereine, nachdem ein Spieler aus Österreich per Auslands-Ausstiegsklausel von RB Leipzig verpflichtet und dann direkt zu RB Salzburg weiterverschoben wurde. Nur wenige Tage später verkündete er, wenn die DFL die „demokratischen Regeln des Fußballs“ überwache, sei er „überhaupt kein Gegner von RB Leipzig“. Nun machte er sich gegenüber der „FAZ“ erneut für das Leipziger Projekt stark:

Leipzig wird in meinen Augen ein richtig großer Verein. Ein großer Verein ist für mich nicht derjenige, der zweihundert Jahre alt ist, ein großer Verein ist in meinen Augen ein Klub, der die Herzen vieler Fans bewegt, die regelmäßig in großer Zahl ins Stadion gehen oder auch Sky-Abos kaufen und so dazu beitragen, den deutschen Fußball in Gänze zu stärken.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte Watzkes neuer Intimfeind Karl-Heinz Rummenigge vor einer Missachtung der Financial Fair Play-Regeln durch RB Leipzig gewarnt. Dass dabei das stetige Bemühen der Bayern-Granden, einen künftigen Konkurrenten klein zu halten, auch eine Rolle gespielt haben dürfte, ist naheliegend

Macht ‚Aki‘ mit seinem Eintreten für den Ost-Fußball also nur wieder Front gegen die Bayern? So einfach ist es – leider – nicht. Über solche Kinderspielchen könnte man hinwegsehen. Doch Watzke vertritt nicht zum ersten Mal eine rein betriebswirtschaftlich geprägte Auffassung des Sports, die auf dem Recht des Stärkeren, dem Recht des Erfolgreichen basiert – und sich damit gerade doch an die beim Kontrahenten im Süden verbreiteten Denkmuster anlehnt.

Weil er in Leipzig ein so großes Potenzial an Fans, Stadiongängern und „Sky“-Kunden ausmacht, geht er in seinen jüngsten Äußerungen über die keineswegs demokratischen Strukturen des Klubs hinweg. RB verlangte bisher bekanntlich horrende Mitgliedsbeiträge, um eine Mitbestimmung durch dem Imperium nicht ergebene Personen auszuschließen. Bei der DFL muss der Werksverein, den es eigentlich nicht mehr hätte geben dürfen, noch ein Konzept vorlegen, wie an diesem Punkt nachgebessert werden kann. Von weichen Werten und Wettbewerbsverzerrung braucht man da eigentlich gar nicht mehr anzufangen.

Doch Hans-Joachim Watzke scheint mal wieder nur die Euro-Zeichen zu sehen. So war es auch bei dem von ihm selbst im FAZ-Artikel noch mal erwähnten Vorschlag, bei der Verteilung der Fernsehgelder Faktoren wie Tradition und Zuschaueraufkommen zu berücksichtigen – „Any Given Weekend“ kommentierte das bereits 2009. Dass er mit dem populistischen Vorschlag nicht nur die einstmals ungeliebten Hoffenheimer und Wolfsburger, sondern auch Klubs wie Paderborn und Augsburg träfe, die gerade aus eigener Kraft ihren sportlichen Traum leben und versuchen, möglichst lange nicht aufzuwachen, ist ihm scheinbar egal. Seine ohnehin kaum umsetzbare Idee – wie misst man Tradition, wenn selbst die TSG Hoffenheim angeblich 115 Jahre alt ist? – würde auch Vereine aus dünner besiedelten Regionen benachteiligen.

Nein, Aki, bei dieser rein profitorientierten Haltung, die wesentliche Werte außer Acht lässt, kann ich nicht mit. Die Aussagen über RB Leipzig dürften für viele Fußballfans – auch und gerade von Ost-Traditionsvereinen – wie Hohn klingen. Was uns in der neuen Brause-Welt noch alles blühen könnte, ist doch gar nicht so schwer auszumalen: Was passiert eigentlich, wenn eines (hoffentlich fernen) Tages RB Leipzig und RB Salzburg in eine Champions League-Gruppe gelost werden und einer der beiden Klubs noch ein bestimmtes Ergebnis braucht?

Ein Hoch auf die Sommerpause – aber halt…

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Es hat Spaß gemacht, diese Fußball-WM, und sie hat einen würdigen Sieger gefunden. Aber nach dem schönen Finalerfolg war es auch gut. Nicht nur, dass die vielen späten Spiele ihren Tribut bei den Fans zu Hause gefordert haben. Was danach kam, der Feiertaumel, die Elogen, die O-Töne, das war besonders ermüdend und ich hatte doch wieder die Gefühle, die Sylvia1985 sehr gut im Blog „Rote Erde“ beschrieben hat.

Kevins ‚Tanz‘ mit Manuel Neuer auf dem Spielfeld schaute man noch belustigt-ungläubig zu, aber da waren auch Schweinsteigers Hoeneß-Gruß und mal mehr, mal weniger peinliche Jubel-Choreografien, deren Kritiker sich von ‚Schland‘-Fans über Fußballkultur aufklären lassen mussten. Schwamm drüber, ist ja jetzt vorbei.

Doch anderswo geht es schon weiter und das ist gut so. In Kassel etwa, wo eine Borussia Dortmund-Auswahl gestern im mit 17.000 Zuschauern fast ausverkauften Aue-Stadion 4:1 gegen den örtlichen Regionalligisten gewann. Nach einer schwachen ersten Hälfte und anschließenden sechs Auswechslungen drehten die Schwarz-Gelben die Partie und gewannen durch Tore von Jordanov, Mkhitaryan, Harder und Kirch. Wer alles fehlte, ist bekannt – Neven Subotic wurde von Jürgen Klopp noch geschont.

Wer einen urlaubenden Mats Hummels und einen Neven ohne Pflichtspielpraxis in den ersten Partien ersetzen könnte, steht nun auch so gut wie fest: Der Wechsel von Nationalspieler Matthias Ginter zum BVB steht nach Informationen der „Ruhr Nachrichten“ unmittelbar bevor; der Defensivmann wurde bereits vor dem Dortmunder Knappschaftskrankenhaus gesehen, wo er den Medizincheck absolviert haben dürfte. Mehr dazu nach Vollzug – Any Given Weekend bleibt dran.

Die Wiederholung von Sprechblasen

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Beinahe mehr als alles konkrete Handeln des FC Bayern hat mich im Nachhinein das Rummenigge-Zitat von 2012 genervt, in dem er sich einen gesunden Konkurrenzkampf mit dem BVB wünscht (ich habe das hier oft genug angeführt). Die Kernaussage hat der Vorstandsvorsitzende des FCB nun – nach den vollzogenen bzw. angekündigten Verpflichtungen von Mario Götze und Robert Lewandowski – in einem „Kicker“-Interview wiederholt: „(…) wir holen keinen Spieler aus Dortmund, um sie zu schwächen (…)“.

Das Zitat ist ein klassischer Fall für die AGW-Kategorie Heiße Luft. Es hat null Relevanz, weil die Bayern de facto natürlich Dortmund schwächen – und das auch wissen und mindestens in Kauf nehmen. Rummenigge wünscht sich im Interview fünf, sechs Bundesligavereine, die an der Spitze konkurrieren, wie in der englischen Premier League. Den Widerspruch zum eigenen Handeln kann er nicht auflösen. Zur Begründung der Verpflichtungen von Götze und Lewandowski sagt er:

„Solche Spieler gibt es nur bei Top-Klubs, und der Heimatmarkt ist einfach der wichtigste, obwohl der mittlerweile auch teuer ist.“

Diese Begründung, so man sie denn versteht, kann wirklich nur die verblendetsten aller Bayern-Fans überzeugen. In Kreisen der Roten wurde ja bis vor Kurzem kontrovers diskutiert, ob eine Lewandowski-Verpflichtung angesichts von Pep Guardiolas Taktik und Mario Mandzukic notwendig sei. Und wer soll denn bitte glauben, dass der große Weltpokalsieger keine Alternative zu diesen beiden Personalien gehabt hätte? Wenn man sich ernsthaft eine breitere Ligaspitze wünschen würde …

(Quelle: Kicker Nr. 9/2014, S. 6)

Standhaftigkeit, die Sinn macht

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Robert Lewandowski spielt in der nächsten Saison aller Voraussicht nach für Borussia Dortmund. Viele hatten nicht mehr damit gerechnet und die Worte von BVB-Präsident Reinhard Rauball belächelt, der vor wenigen Tagen seinen Glauben an diese Entwicklung bekräftigt hatte. Doch nun haben Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke übereinstimmend mitgeteilt, dass man den Topstürmer in diesem Jahr nicht zum FC Bayern ziehen lassen wird. Dies wurde auch Robert und seinen Beratern klar gesagt, die sich in den letzten Wochen bekanntlich sehr zuversichtlich bezüglich eines Wechsels geäußert hatten.

Ich hatte die Hoffnung noch nicht völlig aufgegeben und bin froh, dass die BVB-Führung ihren früheren Aussagen entsprechend standhaft geblieben ist. Unweigerlich werden in den nächsten Tagen die beiden Gegenargumente vom unzufriedenen Spieler und der entgangenen Ablösesumme diskutiert werden. Steht zu befürchten, dass sich Lewandowski nun eine Spielzeit lang gehen lässt? Seinem Charakter entspräche das nicht, so weit man so etwas aus der Ferne beurteilen kann. Und leisten kann sich das ein derart in der Öffentlichkeit stehender Spieler eigentlich auch nicht. Denkbar sind allerdings negative Reaktionen von Roberts Beratern, die auch ihn nicht ganz unberührt lassen könnten.

Auf eine Ablösesumme in der Region von 25 bis 30 Millionen zu verzichten muss man sich leisten können. Der BVB kann das gerade in diesem Jahr. Und gerade in diesem Sommer und auf der Stürmerposition hätten die bisherigen Vereine potenzieller Neuzugänge besonders hohe Summen aufgerufen. Es macht Sinn, sich auf einen ‚Königstransfer‘ – die Götze-Nachfolge – zu konzentrieren und das andere Problem nächstes Jahr anzugehen.

Vor allem macht es aber aus Prinzip Sinn, dem FC Bayern die Stirn zu bieten. Ein erneutes Wettrüsten gegen diesen Verein kann die Borussia nicht gewinnen, aber es gibt auch keinen Grund, haltbare Positionen zu räumen. Doch genug der Kriegsrhetorik. Es reicht schon, sich die Aussagen Karl-Heinz Rummenigges vom Herbst in Erinnerung zu rufen:

Wir werden keinen Spieler von Dortmund kaufen, nur um den BVB zu schwächen. Im Gegenteil: Dieser Zweikampf führt dazu, dass beide Teams noch besser werden.

Den „11 Freunde“n sagte Rummenigge nun kürzlich folgendes:

Es ist nicht – wie Hans Joachim Watzke sagt – das Geschäftsmodell des FC Bayern, andere Mannschaften zu schwächen. Wir versuchen unsere Qualität zu steigern, unabhängig davon, wo ein Spieler herkommt.

Schade, dass der Interviewer Rummenigge nicht gefragt hat, wie man die beiden Effekte – Stärkung der einen, Schwächung der anderen – auseinanderhalten kann. Der Satz vom Herbst war im nachhinein zwar keine Lüge, doch ein klassischer Fall für meine Kategorie „Heiße Luft“.

Ungeklärt ist allerdings, ob der FC Bayern Lewandowski wirklich in diesem Sommer verpflichten wollte. Das haben viele Medien und das Beraterteam des Stürmers kolportiert – vom Rekordmeister gab es dazu jedoch keine konkrete Aussage und vor allem kein Angebot bis zur vom BVB gesetzten Deadline am 15. Mai. ‚Aki‘ Watzke könnte durchaus Recht gehabt haben mit seiner Aussage nach dem Champions League-Finale, dass Heynckes möglicherweise gar nicht mehr genug eingebunden sei, um den Stand im Fall Lewandowski beurteilen zu können. Festzuhalten bleibt, dass es die Bayern noch weniger nötig haben, Lewandowski schon jetzt zu verpflichten als der BVB die Ablösesumme braucht.

Was als Nächstes geschehen könnte

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Tag 2 nach dem verlorenen Champions League-Finale und dem Blick zurück folgt der in die Zukunft. Jürgen Klopp peilt trotz aller Enttäuschung bereits neue Ziele an. 2015 findet das Endspiel im Berliner Olympiastadion statt und spätestens dann soll ein neuer Anlauf in Richtung Europas Fußball-Krone erfolgen.

Man muss die Niederlage vom Samstag nicht dramatisieren, man braucht sie aber auch nicht schönzureden. Ob der BVB in den nächsten Jahren erneut die Chance haben wird, ganz am Ende um den Henkelpott mitzuspielen, ist ungewiss; Roman Weidenfellers Gedanken sind daher nachvollziehbar:

Man bekommt nicht jedes Jahr die Möglichkeit, dieses Endspiel zu bestreiten. Mir war nach dem Abpfiff bewusst, dass es vielleicht meine letzte Chance war, diesen Pott zu gewinnen.

Der springende Punkt ist: Die Borussia steht vor einem größeren personellen und möglicherweise taktischen Umbruch als in den letzten Sommern. Wie sich dieser auswirken wird, kann man nicht seriös vorhersagen.

Mario Götzes Abschied ist ein Einschnitt. Er war an guten Tagen der Mann für die genialen Momente, die das schwarz-gelbe Offensivspiel so schwer beherrschbar machten. Möglicherweise hätte sein Mitwirken in Wembley kombiniert mit dem intensiven Druck der Borussia zu einem anderen Spielausgang geführt. Sein Bekenntnis zum BVB nach seiner Vertragsverlängerung hätte sich Mario im nachhinein besser gespart, wenn er eigentlich Bayern-Fan ist. Ansonsten ist er einfach dem Geld und der größtmöglichen Erfolgswahrscheinlichkeit gefolgt – wie schon unzählige Fußballprofis vor ihm. Wir Fans müssen uns wohl mit dem Ende der romantischen Wohlfühl-Ära in Dortmund abfinden.

Dass diese Ära zu Ende gehen würde, war vorauszusehen, ja nahezu unweigerlich. Dass die Bayern bei ihrem Ende eine Rolle spielen würden, ebenso. Jetzt zeichnet sich ab, dass diese Rolle größer ausfallen wird als erwartet. Lewandowski-Berater Cezary Kucharski hat – erneut im polnischen Fernsehen – bestätigt, dass sich der polnische Stürmer und Beinahe-Torschützenkönig mit dem FCB einig sei. Kucharski geht davon aus, dass der Wechsel in diesem Sommer erfolgen wird – wenn sich die Borussia an ein angeblich Robert gegebenes Wort halte.

Auf Dortmunder Seite wurde dieses Thema bisher so dargestellt, dass man Lewandowski zugesagt habe, über einen Wechsel zu sprechen, wenn bis 15. Mai ein verbindliches Angebot eingehe, das den eigenen Erwartungen entspricht. Laut Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist das bis heute nicht geschehen. Watzke hat bisher außerdem immer nahegelegt, dass ein Transfer des Stürmers zu den Bayern vor Ablauf der Vertragslaufzeit nicht in Frage käme. Interessant wäre es nun zu erfahren, ob bei dem ‚Versprechen‘ an Lewandowski die Bayern als Interessenten ausdrücklich ausgeschlossen wurden. Obwohl der Rekordmeister derzeit auch Meister in Sachen Geheimdiplomatie ist, hat man leider das Gefühl, dass die BVB-Verantwortlichen ebenfalls nicht mehr komplett ehrlich gegenüber den eigenen Fans auftreten. Was ist aus der bewährten Alternative zur Irreführung geworden: einfach keinen Kommentar abgeben? weiterlesen

Akis kurzes Gedächtnis

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BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat der Süddeutschen Zeitung ein Interview gegeben und darin eine Ankündigung gemacht, die alle Fans der Schwarz-Gelben sehr gerne hören werden: Zukünftig werde man bei Vertragsverhandlungen keinem Spieler mehr eine Ausstiegsklausel gewähren. Gut hören sich auch folgende Worte an:

Nach zwei Meisterschaften, einem Double und dem Erreichen des Champions-League-Endspiels haben wir als Borussia Dortmund jetzt einen Status, dass wir von jedem Spieler erwarten, sich ohne Wenn und Aber an diesen Klub zu binden.

Ein ähnliches Trauma wie das zum Glück schnell überwundene rund um den Götze-Wechsel soll es also nicht mehr geben.

Allerdings geht in Zeiten des Internets kaum etwas verloren, was in der Vergangenheit gesagt wurde, und in diesem Fall hätte sogar mein Gedächtnis gereicht. Denn etwas ganz Ähnliches versprach ‚Aki‘ Watzke schon 2011, als der Transfer von Nuri Sahin zu Real Madrid bekannt wurde. Den musste man damals aufgrund einer Ausstiegsklausel für geschätzte zehn Millionen Euro ziehen lassen. Watzke damals:

Wir waren damals [bei der Vertragsverlängerung von Sahin 2009] nicht die schönste Braut. Heute würden wir solche Klauseln nicht akzeptieren.

Nun kann man dem Geschäftsführer natürlich das Wort im Mund umdrehen und argumentieren, er habe ja nicht gesagt, man werde überhaupt keine Ausstiegsklauseln mehr akzeptieren. Ich bin dennoch überrascht über sein kurzes Gedächtnis – oder dass er den Fans ein solches zutraut.