Erlöst Manuel Akanji die BVB-Defensive?

Ein paar Wochen waberten die Gerüchte schon durch die Medien, gestern wurde der Transfer vollzogen: Borussia Dortmund holt den 22-jährigen Innenverteidiger Manuel Akanji vom FC Basel. Nicht die erste Verpflichtung vom Schweizer Top-Klub, aber die teuerste. 18 Millionen Euro plus bis zu 3,5 Millionen Boni – so sind die Zeiten und Manchester United soll ja auch dran gewesen sein.

Akanji ist nicht umsonst Schweizer Nationalspieler. In einem ausführlichen Porträt unseres Neuzugangs für „Schwatzgelb.de“, das ich euch wärmstens empfehle, erklärt Oliver Zesiger, Researcher für die Football Manager-Spiele, Manuels Stärken und Schwächen. Um es hier nur kurz zusammenzufassen: Er ist groß (1,87 Meter), schnell, technisch stark, kann auch stark tacklen und präzise Pässe spielen. Und das nicht nur zum Nebenmann. Im Idealfall also der Mats Hummels, den wir seit 2016 vermissen.

Der, dem man ebenfalls zutraute, sich dorthin zu entwickeln, könnte die Borussia dagegen bald verlassen. Leider kommt Marc Bartra seit dem inzwischen aufgeklärten Busanschlag nicht mehr in Tritt und beschäftigt sich laut „Kicker“ mit einer Rückkehr nach Spanien. Und da auch fünf Innenverteidiger noch einer zu viel sind, könnte es ihm BVB-Legende Neven Subotic gleich tun. Er ist scheinbar bei St. Etienne im Gespräch. Beides Wechsel, die auf menschlicher Ebene weh tun würden.

Manuel Akanji ist jedoch zuzutrauen, beide sportlich zu ersetzen und zu übertreffen. Nur ist die Innenverteidigung eben nicht die einzige Baustelle der BVB-Defensive. In Sachen Außenverteidigung betreibt man in der Vereinsführung seit Jahren Realitätsverweigerung, um es mal deutlich zu sagen. Und im defensiven Mittelfeld kommt derzeit keiner der zur Auswahl stehenden Spieler an seine Topform ran. Trotzdem oder gerade deswegen: Willkommen Manuel Akanji!

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Bosz weg, Stöger da: Es bleibt spannend

Schon gestern Abend war eigentlich klar, was heute passieren würde – zumindest der erste Teil davon. Nach einer lange nicht erlebten Pleitenserie haben die BVB-Verantwortlichen Peter Bosz entlassen und dies heute offiziell bekanntgegeben. An dem halben Tag, der zwischen ersten Gerüchten und der Pressekonferenz lag, durfte über den Nachfolger noch eifrig spekuliert werden. Armin Veh war ja aus dem Rennen, Lucien Favre in Nizza noch im Sattel.

Einiges sprach also dafür, dass es zunächst nur eine kurzfristige Lösung bis zur Winterpause geben würde. Doch Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc haben sich für den Mittelweg bis zum Saisonende entschieden und den wohl einzigen denkbaren Kandidaten geholt, der dafür unmittelbar zur Verfügung stand. Peter Stöger ist sicher kein Überraschungsmann. Schon Anfang Juni war er als Tuchel-Nachfolger im Gespräch und der BVB hatte auch mit ihm gesprochen, wie Zorc und Watzke heute auf der PK bestätigten.

Der Mann aus dem Abstiegssumpf

Dass Stöger heute verfügbar war und damals nicht, hängt natürlich mit den letzten Monaten beim Effzeh Köln zusammen. Aus dem überraschend stabilen Vorzeigeklub ist spätestens in den letzten Wochen etwas geworden, wofür der Begriff Karnevalsverein noch ein Euphemismus wäre. Vor allem aber ist der FC wohl nicht mehr vor dem Abstieg zu retten – nach einem Drama gegen den SC Freibug, das das jüngste Revierderby noch in den Schatten stellt.

Das heutige Spiel der Kölner ist ein erstes Anzeichen dafür, dass Peter Stöger nicht der Hauptschuldige der Misere am Rhein war. Aber natürlich fragt man sich – und deshalb war ich heute vom Namen Stöger doch ein wenig überrascht – wie die BVB-Führung auf den Trainer eines historisch schlechten Tabellenletzten kommt. Dazu muss man ja die bisherige Saison 2017/18 aus seinem Gedächtnis streichen und auf die Kraft der Vergangenheit setzen. Die Überlegungen von Watzke und Zorc dürften dahin gegangen sein, dass suboptimale Transferpolitik und die Verletztenmisere in Köln mehr Einfluss hatten als der Trainer.

Nun kann man diskutieren, ob Peter Stöger in Dortmund nicht auf die gleichen Probleme stoßen wird. Aber natürlich ist der Kader deutlich besser besetzt und in wenigen Wochen könnte man noch nachlegen. Stögers Art dürfte auch zum BVB passen. Aber das haben viele, auch ich, von Peter Bosz genauso gedacht.

Unerklärliches Scheitern

Überhaupt ist es gerade die undurchschaubare Gemengelage der letzten Wochen, die es so schwierig macht, die Erfolgsaussichten von Peter Stöger zu beurteilen. Das betrifft Köln wie Dortmund. Denn auch für Schwarz-Gelb bleiben Fragen woran Bosz letztendlich gescheitert ist. Es war doch längst nicht mehr die zu offensive Ausrichtung. Man kann nur hoffen, dass Susi Zorc und Aki Watzke bei ihrer Analyse gründlich waren und sich nicht nur auf die Meinung einiger Spieler verlassen haben. Denn nur ein Spielerversteher wird nicht reichen.

Ich hätte Peter Stöger schon im Sommer mit offenen Armen begrüßt. Aber das habe ich auch bei Bosz getan. Ich glaube nach wie vor, dass es mit Stöger etwas werden könnte. Vielleicht ist da noch eine Spur mehr Emotionalität, die sicher hilfreich ist. Aber es wird ein Abenteuer, dessen Ausgang niemand wirklich vorhersagen kann. Und so sieht es auch mit der Trainerfrage für 2018/19 aus. Trotzdem: Danke Peter Bosz, willkommen Peter Stöger!

Wo ist eigentlich Joo-Ho Park? Weg!

Er war einer der Spieler, die man in den Tiefen des Dortmunder Kaders zuletzt gänzlich vergeblich suchte. In dieser Saison kam Joo-Ho Park nur noch für die U23 des BVB in der Regionalliga West zum Einsatz. Nun wurde sein Vertrag „in beiderseitigem Einvernehmen“ mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Park will sich voraussichtlich in seiner südkoreanischen Heimat den Suwon Bluewings anschließen.

Rückblende: Es war der Sommer 2015, als Park sein Engagement in schwarz-gelb begann. Jener Sommer, als in Dortmund auch Thomas Tuchel auf Jürgen Klopp folgte. Und mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte der neue Trainer auch bei der Verpflichtung des Außenverteidigers von seinem ehemaligen Verein Mainz 05 ein Wörtchen mitgeredet haben.

Um es kurz zu machen: Joo-Ho Park wurde von Beginn an eher als Ergänzungsspieler gesehen. Als einer, der dem Verein mehr Optionen gibt. Aber natürlich hätte wohl niemand gedacht, dass es so wenige Einsätze für den mittlerweile 30-Jährigen werden. Park lieferte auch keine Gründe für mehr, so dass man wohl von einem Fehleinkauf sprechen muss. Es ist ja nicht so, dass die Linksverteidiger-Position beim BVB bockstark besetzt wäre.

Man darf fragen, warum Park nicht schon im Sommer gehen wollte – oder woran ein möglicher Wechsel scheiterte. Man darf ihm aber auch ein paar freundliche Worte hinterherschicken wie sein letzter Trainer Jan Siewert:

Joo ist ein Spieler mit einem fantastischen Charakter. Er hat diese Situation, bei uns zu spielen, super angenommen, einen tollen Umgang mit unseren Jungs gepflegt und sich in jeglicher Hinsicht vorbildlich verhalten.

Die BVB-Verantwortlichen müssen sich jetzt der Frage stellen, ob man nicht auf Parks Position endlich mal eine überzeugende Alternative zu Platzhalter Schmelzer präsentieren will, nachdem man scheinbar auch Raphael Guerreiro nicht links hinten sieht.

Gegen den Strom: Bürki verlängert bis 2021

Borussia Dortmund handelt antizyklisch und hat heute die Vertragsverlängerung mit Torwart Roman Bürki bis 2021 bekanntgegeben. In Gesprächen war man natürlich schon länger, doch der Zeitpunkt der Verkündung dürfte von den Ereignissen dieser Woche beeinflusst sein. Das legen auch die Worte von Michael Zorc nahe:

Wir mögen seinen Spielstil, sehen bei ihm ein großes Entwicklungspotenzial und gehen fest davon aus, dass er das, was in ihm steckt, schon bald wieder konstant abrufen wird.

Zorc lobte neben den sportlichen auch die menschlichen Qualitäten des Keepers. Die deutliche Unterstützung aus der Mannschaft nach Romans Aussetzer von Nikosia unterstreicht die Aussagen des Sportdirektors.

Wie ich schon im Artikel zum Spiel geschrieben habe: Ich halte Bürki für einen guten Torwart und insofern die Verlängerung für richtig. Er hat derzeit eine schwächere Phase, aber dafür können seine Vorderleute mehr als Roman selbst. Außer dem Doppelfehler vom Dienstag hat er sich keine haarsträubenden Fehler geleistet. Sagen wir es so: Bürki ragt nicht aus dem Team heraus, aber gewöhnlich hat dieses Team ja auch ein hohes Niveau.

Ihm jetzt das Vertrauen zu geben, halte ich für richtig. Es könnte Bürki stärken. Und wenn nicht bedeutet ein längerfristiger Vertrag ja nicht, dass der Spieler tatsächlich so lange bleibt. Sollte es nicht wieder bergauf gehen, sollten sich die Verantwortlichen am Saisonende für einen starken Konkurrenten entscheiden, wäre das eine neue Situation. Ein ehrgeiziger Torwart wird dann seinen Vertrag nicht aussitzen, weil er weiß, dass er kaum Chancen auf eine Rotation wie bei den Feldspielern hat. Noch gibt es aber keinen Grund anzunehmen, dass Roman bald in diese Situation geraten wird.

Der Haben-wollen-Transfer: Jadon Sancho kommt von Manchester City

Auch am letzten Tag der Transferperiode gingen die Aktivitäten bei Borussia Dortmund weiter. Doch es gab – außer Hendrik Bonmann – keine weiteren Abgänge mehr. Vielmehr haben die Schwarz-Gelben in letzter Minute noch Jadon Sancho von Manchester City geholt. Der 17-jährige englische Flügelspieler wurde bei der U17-EM in Kroatien zum Spieler des Turniers gewählt.

Der BVB zahlt laut Kicker sieben Millionen Euro an die Citizens, obwohl es hätte weniger sein können. Da Sancho in Manchester nur einen Ausbildungsvertrag hatte und diesen schon vor Wochen rechtmäßig kündigte, wäre über eine Entschädigung von einem Tribunal entschieden worden – dies hätte der Borussia aber zu lange gedauert.

Sancho gilt in England als großes Talent. Doch jetzt kommt das Aber: Nicht nur, dass wir Ähnliches auch von Emre Mor und Alexander Isak gehört haben. Jadon spielt auch noch auf einer Position – offensiv außen – die nun wirklich gut besetzt ist, spätestens seit Andriy Yarmolenkos Verpflichtung. Ob der Neuzugang da auf mehr Spielzeit kommt als etwa Mor – oder wenigstens genauso viel? Michael Zorcs Wortwahl deutet darauf hin, dass man Sancho langsam heranführen will und das dem Spieler auch dargelegt hat:

Wir sind überzeugt, dass wir diesem noch sehr jungen Spieler dabei helfen können, sein Spiel weiterzuentwickeln und mittelfristig eine echte Bereicherung für unser Team zu werden.

Fragt sich nur, wie lange Sancho Geduld haben wird. In Manchester sollte er zuletzt mit der zweiten Mannschaft trainieren – das ist in Dortmund ausdrücklich nicht vorgesehen. Doch trotz dieses ‚Fortschritts‘: Wie lange gibt sich ein junger Spieler damit zufrieden, vielleicht nicht mal im Spieltagskader zu stehen?

Was haben sich also die BVB-Verantwortlichen bei der Verpflichtung gedacht? Angeblich war man Jadon Sancho schon länger auf den Fersen. Auch der FC Bayern und Real Madrid sollen interessiert gewesen sein. Wollte man ihn nicht zu einem anderen Topklub gehen sehen? Wollte man den Ruf als Verein der Teenie-Stars nicht verlieren? Oder ist Sancho sogar ein wenig Spekulationsobjekt, da man ihn wohl selbst dann teurer verkaufen könnte, wenn er gar nicht für Schwarz-Gelb aufläuft? Was man sonst nur von BVB-Hassern hören würde, kommt einem in Tagen wie diesen gar nicht mehr so abwegig vor.

Sollte sich Jadon Sancho dagegen durchsetzen, werden andere Spieler nicht spielen. Wenn man mal von Einzelschicksalen weg aufs sehr große Ganze blickt, hat der BVB sein erklärtes Ziel, den Kader zu verkleinern, krachend verfehlt. Ja, man liegt mit 29 Mann knapp unter den 30. Aber angestrebt waren um die 25 und selbst das ist noch mehr als genug. Es wird viele Unzufriedene geben und natürlich auch höhere Ausgaben für Gehälter als eigentlich nötig. Der BVB passt sich in vielem dem Gebaren der ‚Superklubs‘ an und das ist ausgesprochen zweifelhaft.

Weiter geht’s: Toljan da, Passlack weg

Keine Atempause auf dem Transfermarkt: Schon seit einigen Tagen wurde über eine Art Tauschgeschäft mit der TSG Hoffenheim spekuliert, das Jeremy Toljan und Felix Passlack betreffen sollte. Kurzzeitig schien der Deal wegen des geplatzten Verkaufs von Erik Durm an den VfB Stuttgart in Frage zu stehen. Gestern verdichteten sich wie berichtet die Erkenntnisse, dass er doch bevorsteht. Heute Vormittag war es so weit.

Der BVB holt also den U21-Europameister und beidseitigen Außenverteidiger Jeremy Toljan (23) aus Sinsheim. Er erhält einen Fünfjahresvertrag. Im Gegenzug wird der U19-Nationalspieler und beidseitige Außenverteidiger Felix Passlack ohne Kaufoption für zwei Jahre an die TSG verliehen. Die Borussia lässt sich Toljan laut Kicker sieben Millionen Euro plus Boni kosten.

Das macht nur Sinn, wenn Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Jeremy Toljan nicht nur für den derzeit besseren Außenverteidiger halten, sondern der Trainer auch vor hat, ihn einzusetzen. Denn Toljans Vertrag wäre nächsten Sommer ausgelaufen; er hätte dann ablösefrei zum BVB wechseln können. Das heißt im Idealfall: Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek haben sich ab sofort echter Konkurrenz zu stellen. Dan-Axel Zagadou hat auch schon gezeigt, dass er die Position ordentlich spielen kann.

Ob sich Toljan dauerhaft gegen einen der beiden Platzhirsche durchsetzen kann, ist eine andere Frage. In knapp vier Jahren seit seinem Bundesligadebüt für die TSG kam er dort auf 56 Einsätze. In der aktuellen Saison hat er allerdings die kompletten 180 Minuten absolviert. Was man mit großer Wahrscheinlichkeit sagen kann: Jeremy Toljan hat noch mehr Entwicklungspotenzial als Schmelle und Piszczu. Die wohl größte Baustelle der Borussia scheint endlich ernsthaft angepackt zu werden.

Felix Passlack könnte nach zwei Jahren zum BVB zurückkehren. Dafür steht ein Anderer, der wirklich ein schwarz-gelbes Herz hat, vor einem Wechsel zum prominenten Regionalligisten 1860 München. Torwart Hendrik Bonmann sagte Schwatzgelb.de: „Mein größter Traum ist und bleibt Borussia Dortmund.“ Doch schon zum Zeitpunkt des Interviews im April war klar, dass es Bonmann in der ersten Mannschaft wie in der U23 trotz guter Leistungen schwer haben würde. Die Ersatzbank im Westfalenstadion ist schließlich ein weiteres Jahr mit Roman Weidenfeller besetzt. Und im Kader der U23 gehen die Plätze für ältere Spieler aus. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Rückkehr als Nummer Eins oder Zwei.

Emre Mor: Vigo statt Mailand

Es tut sich so einiges in Dortmund: In diesem Jahr ist die Borussia beim „Transfer window countdown“ gut vertreten. Heute, zwei Tage vor Ende der Wechselperiode, ging der Transfer von Emre Mor über die Bühne. Doch nicht in Mailand oder Turin ist der 20-Jährige gelandet, sondern in Vigo, in Galizien im Nordwesten Spaniens. Vigo ist eine Hafen- und Universitätsstadt mit fast 300.000 Einwohnern, doch der örtliche Erstligist ist bescheiden in die Primera Division gestartet und dürfte in dieser Saison keine bedeutende Rolle spielen.

Der BVB kassiert angeblich 13 Millionen Euro für Mor. Das wäre eine ganze Ecke mehr als man vor einem Jahr nach Dänemark überwiesen hat, auch wenn die Gewinnspanne nicht dembelesk ist. Emre Mor wurde uns als der „türkische Messi“ angekündigt. Natürlich nahm das niemand wortwörtlich. Der Junge wusste in Ansätzen zu überzeugen – in erster Linie, was Technik und Antritt angeht. Er war aber zu weit davon entfernt, ein kompletter Spieler zu sein. Zu weit für die Ansprüche des BVB. Mor war zu oft eigensinnig und impulsiv, rannte sich fest, traf falsche Entscheidungen.

Ob er sein angenommenes Potenzial bestätigen kann und wir uns irgendwann noch schwarz ärgern, ihn nicht gehalten zu haben? In Vigo ist Ersteres möglich, in Dortmund wohl nicht, weswegen die Entscheidung so oder so nachvollziehbar ist, vom Spieler wie vom Verein. Dass Mor wirklich so durch die Decke geht wie Dembelé wage ich allerdings zu bezweifeln.

In anderen Nachrichten wurde heute vom Kicker gemeldet, dass auch ohne einen Abgang von Erik Durm der Hoffenheimer Außenverteidiger und Junioren-Europameister Jeremy Toljan im Anflug auf Dortmund ist. Fünf Millionen soll er kosten; im Gegenzug könnte Felix Passlack an die TSG verliehen werden. Für mich ein Transfer, der ggf. absolut Sinn macht, hege ich doch schon lange Zweifel an der Spitzenqualität unserer Außenverteidigung. Toljan könnte übrigens auf beiden Seiten spielen, ist aber ebenfalls noch kein fertiger Spieler.

Yarmolenko kommt für Dembelé

Nahezu zur selben Zeit, als Ousmane Dembelé in Barcelona nach einiger Verzögerung seinen Vertrag unterschrieb, gab Borussia Dortmund offiziell seinen Nachfolger bekannt: Andrey Yarmolenko kommt von Dynamo Kiew und bindet sich bis 2021 an die Schwarz-Gelben. Der 27-jährige Außenstürmer ist vielfacher ukrainischer Nationalspieler mit einer stolzen Torbilanz – 137 Treffer in 339 Pflichtspielen für Dynamo.

Er ist jedoch ein anderer Spielertyp als Dembelé. Neben dem Alter ist die Größe ein offensichtlicher Unterschied: Während der junge Franzose durchschnittliche 1,78 Meter misst, ragt Yarmolenko mit seinen 1,89 Meter doch ziemlich heraus. Dementsprechend gilt Letzterer nicht als filigraner Dribbler, aber durchaus als trickreich und durchsetzungsfähig. Und ein paar Kopfballtore mehr können wir von ihm wohl auch erwarten.

Der BVB soll schon mehrmals hinter Andrey Yarmolenko her gewesen sein. Jetzt hat es also geklappt. Sicher auch, weil das nötige Kleingeld da war – oder wie will man kolportierte 25 Millionen Euro in diesen Tagen bezeichnen? Als Dembelé-Ersatz ist der Ukrainer dennoch eine kleine Überraschung – aber vielleicht eine schlaue Lösung. Ein derart körperlich robuster Spieler fehlt der Borussia noch in der Offensive. Er erweitert unsere Möglichkeiten und verbaut dennoch nicht alle Chancen für Christian Pulisic, ist vielmehr ein ebenbürtiger Konkurrent. Man sollte es sich natürlich auch nicht schönreden: Im Normalfall wird nur einer von beiden spielen.

Einen Konkurrenten weniger dürften Christian und Andrey allerdings bald haben: Wie Spox.com treffend festgestellt hat, spricht die Rückennummer 9 des Neuzugangs dafür, dass deren bisheriger Träger Emre Mor den BVB noch vor Ende des Monats verlassen wird. Es bleibt also spannend, auch wenn die dicksten Brocken jetzt durch sein sollten. Andrey Yarmolenko ist einer davon. Spannend werden nun seine ersten Auftritte. Wollen wir hoffen, dass sich das geduldige Warten der Borussia auszahlt. Ich bin da zuversichtlich gestimmt.

Neymar, Dembelé und die Folgen

Die Zahlen liegen auf dem Tisch: In ungewohnter Offenheit hat Borussia Dortmund heute auf seiner Webseite die Summe genannt, die der bevorstehende Wechsel von Ousmane Dembelé zum FC Barcelona in die Vereinskassen spülen wird. Wirklich überraschend ist diese umfassende Bekanntgabe natürlich nicht. Schließlich sollen Aktionäre und Fans wissen, dass man finanziell ein gutes Geschäft gemacht hat.

Es geht um eine fixe Ablösesumme von 105 Millionen Euro, die durch diverse Boni auf knapp 150 Millionen steigen kann. Der „Kicker“ rechnet damit, dass sie am Ende etwa 140 Millionen betragen wird – eingerechnet sind die Nachschläge, die an wahrscheinlich eintreffende Bedingungen geknüpft sind. Am Erlös wird auch der vorherige Klub des Spielers, Stade Rennes, in beträchtlichem Ausmaß partizipieren. Der Transfer kommt zustande, wenn Dembelé am Montag in Barcelona den Medizincheck besteht.

Nun geht also ein kurzes Kapitel schwarz-gelber Spielergeschichte zu Ende, das richtig geil anfing, aber äußerst unrühmlich endete. Leider wird über das Verhalten von Ousmane Dembelé schnell Gras wachsen, wenn er mit Barca neue Schlagzeilen schreibt. Natürlich werden wir BVB-Fans uns noch eine Weile an sein Pokaltor gegen Bayern erinnern, aber ansonsten ist mein Bedürfnis, über Dembelé persönlich zu reden, eher gering. Was ihn letztendlich zu seinem Streik veranlasst hat, ist aber dennoch noch einen Gedanken wert. Schon komisch, dass gleich zwei Spieler, an denen der FC Barcelona interessiert war, in den letzten Tagen nicht trainiert haben. Gerard Piqué vom katalanischen FCB vermutet ja auch beim angeblich kranken Philippe Coutinho vom FC Liverpool eine Arbeitsniederlegung. Komplett die Idee der Spieler? Weiterlesen „Neymar, Dembelé und die Folgen“

Kurz vor Saisonstart: endlich gute Nachrichten?

Borussia Dortmund erlebt den unruhigsten Sommer seit Jahren: Nach dem vollzogenen und mMn geglückten Trainerwechsel erfasst den Verein der Schneeballeffekt des Neymar-Transfers. Nach diesem Sündenfall gibt es bei den Akteuren der Spitzenklubs offenbar endgültig keine Hemmungen mehr. Doch verteilen wir die Schuld gerecht: Niemand kann Ousmane Dembelé befehlen, dem BVB-Training fernzubleiben. Dafür ist im Endeffekt schon der Spieler verantwortlich – genau wie Pierre-Emerick Aubameyang für zweifelhafte Äußerungen zu einer italienischen Modemetropole.

Letztlich wollten auch wir Fans es nicht so genau wissen. Wir haben uns alle ein wenig in Ousmane verliebt und Bedenken beiseite gewischt, die man hätte haben können – schließlich hat der Wunderknabe die gleiche Show schon mal in Frankreich abgezogen. Doch wir wollten seiner Darstellung der Dinge Glauben schenken und ihm vertrauen. Inzwischen haben sich auch BVB-Spieler wie Sokratis und Gonzalo Castro kritisch zu Dembelés Verhalten geäußert – was soll man auch sonst sagen? Eine Wiedereingliederung scheint derzeit schwer vorstellbar und doch darf der Verein nicht klein beigeben. Aus Prinzip, auch wenn andere solche Werte schon lange über Bord geworfen haben.

Angesichts der Richtung, in die sich der Profifußball entwickelt, kann man fast nur noch verzweifeln oder sich in Ironie flüchten. Ich respektiere die Leute, die Letzteres teilweise virtuos beherrschen und die Geschehnisse mit trockenem Humor kommentieren. Mir fehlt dazu beim Thema Fußball das Talent. Die einzige Lösung liegt auf dem Platz: Zum Glück geht es morgen wieder los. Weiterlesen „Kurz vor Saisonstart: endlich gute Nachrichten?“