Nächster Schweizer Goalie: Kobel-Transfer angeblich perfekt

Nach übereinstimmenden Medienberichten hat Borussia Dortmund Torwart Gregor Kobel vom VfB Stuttgart verpflichtet – oder steht unmittelbar vor der Vertragsunterzeichnung. Der 23-jährige Schweizer war in der abgelaufenen Bundesliga-Saison hinter Manuel Neuer und Bielefelds Stefan Ortega drittbester Torhüter nach Kicker-Noten (mit 2,86). Er hat sich beim VfB schnell etabliert und gilt als Keeper mit großer Zukunft, der obendrein auch mitspielen kann. Laut den Ruhr Nachrichten soll Kobel rund 15 Millionen Euro kosten und die neue Nummer 1 werden. Klare Verhältnisse also: Marwin Hitz würde wieder Ersatzmann, Roman Bürki soll demnach verkauft werden.

Läuft das so reibungslos ab, wie es sich der BVB gemäß der Ruhr Nachrichten vorstellt, ist die Lösung absolut begrüßenswert. Ja, die Torwartfrage war 2020/21 nicht das Hauptproblem der Borussia, spielte aber angesichts einiger eindeutiger Fehler und gelegentlicher Unsicherheit beider Keeper zumindest eine gewisse Rolle. Nun hat Marwin Hitz erst kürzlich seinen Vertrag verlängert. Die BVB-Verantwortlichen werden ihm davor wohl kaum gesagt haben, dass er wieder zur klaren Nummer 2 zurückgestuft wird. Hier könnte Konfliktpotenzial lauern – und ein Abnehmer für Roman Bürki muss angesichts des wohl üppigen Gehalts auch erst gefunden werden.

Sollte es doch einen offenen Wettbewerb zwischen Hitz und Kobel geben und der Neuzugang den Kürzeren ziehen, würde unweigerlich die Frage aufkommen, wieso in der derzeitigen Situation, nach rund 75 Millionen Euro Corona-bedingten Verlusten, ein 15-Millionen-Mann nur auf der Bank sitzt. Da aber gerade Optimismus im Trend liegt, gehen wir mal vom Best-Case-Szenario aus: In dem wird Gregor Kobel zu einer Nummer 1, die dem BVB auf Jahre hinweg gut tun wird. Und er nutzt sein Potenzial, zum komplettesten Dortmunder Keeper seit – so wenig ich ihn als Person mag – Jens Lehmann zu werden. Dann würde sich die in diesen Zeiten beträchtliche Investition selbstverständlich bezahlt machen.

Terzic oder Rose – das ist hier die Frage

Teile der Anhängerschaft von Borussia Dortmund und der Medien führten in den letzten Wochen eine heiße Diskussion: Wird zur nächsten Saison etwa der bessere Dortmunder Trainer von Neuankömmling Marco Rose auf den Co-Posten verdrängt? Edin Terzic, ein Mann mit jeder Menge schwarz-gelbem Stallgeruch, hatte einige beachtliche Ergebnisse vorzuweisen, während Noch-Gladbacher Rose ein Spiel ums andere verlor. Nun ist dieser Lauf der Dinge am Wochenende erstmal gestoppt worden: Gladbach hat nicht ganz unerwartet in Gelsenkirchen gewonnen, sogar zu null, und der BVB kann mit dem erst in letzter Minute gesicherten Punkt in Köln nicht zufrieden sein, genauso wenig wie mit der gezeigten Leistung.

Nun könnte man in Frage stellen, ob heute schon der richtige Tag ist, um sich in der oben gestellten Frage zu positionieren. Würden nur kurzfristige Erwägungen und Stimmungen in meine Meinungsbildung eingehen, wäre diese Kritik berechtigt. Schauen wir uns deshalb die gesamte bisherige Saison an: Edin Terzic hat in 15 Ligaspielen einen Punkteschnitt von 1,6 erreicht. Zuvor brachte es Lucien Favre in elf Partien auf durchschnittlich 1,73 Punkte. Mit Terzic hat der BVB außerdem zwei Runden im DFB-Pokal überstanden und ist ins Viertelfinale der Champions League eingezogen. Ersteres gelang eher knapp und ohne viel Glanz. Zweiteres ist trotz weniger Minuten Zitterns eine starke Leistung.

Was sich geändert hat

Wie stark Edin Terzic die Schwarz-Gelben vorangebracht hat, ist angesichts der Ergebnisse eine spannende Diskussion. Einige Spieler, etwa Mats Hummels, haben die Veränderungen und Herangehensweise von Terzic ausdrücklich gelobt. Es gab Partien, in denen mehr Wille zu Pressing und vertikalem Spiel zu sehen war. Andere Begegnungen erwecken den Eindruck, dass sich nichts Substanzielles gegenüber dem ersten Saisondrittel unter Favre geändert hat, in dem eben auch nicht alles schlecht war. Gelegentlich ging das gewünschte aggressivere Auftreten mit unerwünschter größerer defensiver Anfälligkeit einher. Was Lucien Favre in den Pokalwettbewerben erreicht hätte, muss Spekulation bleiben – deshalb ist es schwer, daran einen Fortschritt festzumachen.

Marco Rose ist unterdessen in Mönchengladbach in eine Situation geraten, an der er vielleicht nicht komplett unschuldig ist, die aber nur wenig über seine Fähigkeiten als Trainer aussagt. Wie auch immer sich die durch die Ankündigung seines Wechsels entstandene Unruhe genau ausgewirkt hat – wegzuleugnen ist ihr Einfluss nicht. Aber es kann auch niemand behaupten, dass Rose die Mannschaft entglitten ist. Ja, er hat Fehler gemacht, etwa im Derby gegen Köln. Aber das Team hat sich während der Pleitenserie nie willenlos in sein Schicksal ergeben, sondern meistens genügend Chancen auf ein besseres Ergebnis gehabt. Ein kleines Gedankenexperiment: Was wäre gewesen, wenn Roses Gladbach in den erfolglosen Partien Erling Haaland zur Verfügung gehabt hätte und Terzics BVB zur gleichen Zeit an des Norwegers Stelle einen beliebigen Gladbacher Stürmer?

Ich finde, Marco Rose hat in Mönchengladbach insgesamt beachtliche Arbeit geleistet und sich grundsätzlich als BVB-Trainer qualifiziert. Wie jeder Aktive oder Funktionsträger, der mal für das Dosen-Imperium gearbeitet hat, muss er bei mir mehr Überzeugungsarbeit leisten als jemand, der in dieser Hinsicht unbefleckt ist. Der Hauptteil dieser Arbeit wird fällig, wenn Rose in Dortmund ist. Edin Terzic mag ich sehr als Typen – soweit ich das beurteilen kann – und als Borussen von Herzen. Ich hoffe, dass er Schwarz-Gelber bleibt oder in Zukunft wieder wird, gerne auch Cheftrainer. Stand jetzt – und das war letzte Woche nicht anders – gibt es für mich allerdings keinen Grund, ihn Marco Rose vorzuziehen. Möglich, dass diese Meinung am Saisonende schwerer zu halten sein wird – das bleibt schlicht abzuwarten.

Auch das Gras wird wieder grün, wenn in Dortmund Rosen blühen

Es war die Nachricht, auf die viele gewartet hatten – anscheinend so viele, dass heute Nachmittag sogar die Webseite von Borussia Mönchengladbach kurzzeitig in die Knie ging: Trainer Marco Rose verlässt die Gladbacher im Sommer und wechselt zu Borussia Dortmund. Um genau zu sein vermeldet der BVB Roses Zusage, während dessen bisheriger Arbeitgeber seinen bevorstehenden Abgang unter folgender Bedingung bestätigt:

Sollten die in seinem Vertrag festgelegten Bedingungen fristgerecht erfüllt werden, wird er uns also nach dem Saisonende nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die Bedingungen dürften darin bestehen, dass der BVB sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt mit Gladbach über die Zahlungsmodalitäten für die angeblich fünf Millionen Euro einigt, die aufgrund von Roses Ausstiegsklausel fällig werden. Daran gibt es trotz der finanziell angespannten Lage wenig Zweifel.

Es war an der Zeit, das Versteckspiel zu beenden und Klartext zu reden – auch wenn es dazu wohl vor allem auf Druck der Medien kam. Jede Woche die gleichen penetranten Fragen beantworten zu müssen macht müde und vielleicht richtet die medial verstärkte Ungewissheit genauso viel oder mehr Schaden an wie ein frühes Bekenntnis zum Vereinswechsel. Letzteres ist aber auch nicht ohne: Für beide Borussias dürfte es die restliche Saison durch die heutige Neuigkeit noch mehr in sich haben. Ja, die Dinge sind geklärt, doch welche Auswirkungen hat das auf die Mannschaften und die Trainingsarbeit? Weiterlesen „Auch das Gras wird wieder grün, wenn in Dortmund Rosen blühen“

Edin Terzic stellt sich vor

Der neue BVB-Trainer stellte sich heute Mittag gemeinsam mit Michael Zorc erstmals den Fragen der Journalisten. Auf der Spieltags-Pressekonferenz zur Partie in Bremen blieb diese erwartungsgemäß Randnotiz. Edin Terzic, bisher Co-Trainer, ist voraussichtlich bis Sommer der neue starke Mann auf der Bank der Schwarz-Gelben. Er kam sympathisch rüber, wie ein Mann, der keine Allüren, aber auch keine Angst vor der Aufgabe hat.

Natürlich kündigte Terzic eine Analyse der Gemengelage rund um die Mannschaft an, die unabhängig von seiner bisherigen Mitarbeit im Trainerstab notwendig ist. Wenig Konkretes gab es zu möglichen Änderungen in der täglichen Arbeit oder im Umgang mit der Mannschaft zu erfahren. Terzic wollte sich auch nicht das Etikett „emotionaler Trainer“ anheften (lassen). Was durchschimmerte: Bei der Analyse, aber auch danach, wird er womöglich verstärkt auf den Dialog mit den Spielern setzen – ohne im Anschluss die Verantwortung zu scheuen, eigene Entscheidungen zu treffen. Ein wichtiger Satz von Terzic, den er hoffentlich dem Team nahebringen kann:

Wir müssen uns auch bei unangenehmen Situationen wehren. Und wir müssen alle die Verantwortung haben, uns da auch gegenseitig stets daran zu erinnern.

Sympathisch ist natürlich auch, dass Edin Terzic aus der Region kommt und nach eigenem Bekunden schon seit seiner Kindheit BVB-Fan ist. Das und seine Art werden ihm einen gewissen Bonus bei den Fans verschaffen. Diese wissen aber auch, dass Terzic als Cheftrainer unerfahren ist und der Verein sich sportlich kaum noch Ausrutscher erlauben kann. Der Ergebnisdruck wird also nur unwesentlich geringer sein als bei jedem anderen Trainer.

Viel mehr als ein menschlich positiver Eindruck von Edin Terzic fiel bei der PK nicht ab. Also keine knackigen neuen Infos – aber das war wohl auch nicht zu erwarten. Verständlich ist, dass der neue Trainer zum gerade ausgelosten Gegner im Achtelfinale der Champions League, dem FC Sevilla, noch nicht viel sagen konnte und wollte. Unangenehm sei Sevilla – das dürften Verantwortliche wie Fans des BVB noch ganz gut in Erinnerung haben. In sportlicher Hinsicht fällt mir da das eher unsportliche, sehr aufreizende Zeitspiel der Spanier ein.

Doch das ist Vergangenheit und hat mit den Partien im Februar/März erstmal nichts mehr zu tun. Nach wie vor stellt Sevilla eine große sportliche Herausforderung dar – selbst, wenn viele Dortmunder wohl erleichtert waren, dass nicht Atletico oder Barcelona aus dem Lostopf kamen. Wie der BVB ist Sevilla gerade Fünfter in der Liga, zwei Punkte vor Barca, das ebenfalls elf Spiele bestritten hat. Mit Ausnahme von Atletico haben alle Clubs vor Sevilla mindestens eine Partie mehr absolviert. Sportlich wird das also ein Duell auf Augenhöhe für die Borussia, in dem es keinen Favoriten gibt.

Bis es soweit ist, wird sich auch geklärt haben, was wir von Edin Terzic erwarten dürfen. Und ob er sich ein wenig Hoffnung auf ein längeres Engagement machen kann, was Michael Zorc zumindest nicht explizit ausgeschlossen hat.

Lucien Favre schon weg

Früher als von mir erwartet hat Borussia Dortmund Trainer Lucien Favre und dessen Assistenten Manfred Stefes entlassen. In einem normalen Jahr hätte man dem ja nicht gerade erfolglosen Favre wohl noch Zeit bis zur Winterpause gegeben. Da eine solche aber 2020 (noch) nicht geplant ist, haben die Verantwortlichen nach dem 1:5 gegen den VfB wohl keine Notwendigkeit gesehen, noch zu warten.

Es ist bekannt, dass Lucien Favre bis zuletzt der BVB-Trainer mit dem besten Punkteschnitt war. Gescheitert ist er auch nicht an einer anhaltenden Pleitenserie, wie sie sogar Jürgen Klopp erlebt hat. Es war vielleicht nicht mal die Zahl der Niederlagen ausschlaggebend, sondern deren Art und Weise sowie die Gegner, die den BVB besiegen konnten. Außerdem gaben auch die erfolgreich gestalteten Partien nicht oft genug Anlass zur Hoffnung, dass da gerade etwas Großes am entstehen ist.

Entscheidend für die Trennung war unabhängig vom Zeitpunkt vermutlich die Auffassung der Vereinsverantwortlichen, dass Favre vielleicht einzelne Spieler besser gemacht, aber die Mannschaft nicht genügend weiterentwickelt hat. Zuletzt war kaum noch ein Konzept zu erkennen, wie man schwierige Spiele gewinnt. Obwohl die schwarz-gelben Jungs das mit individueller Qualität und Einzelaktionen gelegentlich trotzdem schafften.

Die Nachfolgeregelung hätte so auch nicht jede/r erwartet: Bis Saisonende übernimmt Co-Trainer Edin Terzic, unter anderem assistiert von Otto Addo. Sinn macht das insofern, als dass echte Wunschkandidaten für die Trainerbank im Winter selten zu bekommen und teurer als eine interne Lösung sind. Nächsten Sommer dürfte zumindest Ersteres anders aussehen. So deuten etwa einige Äußerungen der letzten Wochen darauf hin, dass Gladbachs Marco Rose von Max Eberl & Co nicht mit allen Mitteln gehalten werden soll.

Bleibt die Frage, was Edin Terzic bis dahin mit der Mannschaft erreichen kann. Vom Typ her soll er emotionaler als Favre sein. Das ist aber sicher nicht die einzige Voraussetzung, um mit dem BVB Erfolg zu haben. Es ist ein wohl notwendiges Wagnis, das Watzke, Zorc und die anderen Verantwortlichen mit Terzic eingehen. Ob es besser endet als mit Lucien Favre möglich gewesen wäre, ist kaum seriös vorherzusagen.

Da dreht sich was beim BVB

Schon vor Ende dieser besonderen Saison kam bei Borussia Dortmund das Personalkarussell in Schwung. Eine Fülle von entsprechenden Nachrichten purzelte seit letzter Woche aus dem Newsticker. Zeit für einen Überblick samt Einordnung…

Auf der Führungsebene gab es gleich zwei folgerichtige Entscheidungen, von denen höchstens eine ein wenig überrascht. Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Lucien Favre machen beim BVB weiter. Ersterer über seinen bisher kommunizierten Abschiedstermin im Juni 2021 hinaus für ein weiteres Jahr. Letzterer Stand jetzt bis zu seinem Vertragsende im Juni 2021. „Susi“ Zorc wollte den Verein nicht während der Corona-Krise oder ihrer Nachwehen verlassen. Mit Sicherheit wird der Transfermarkt auch nächstes Jahr kein leichter sein. Es ist also eine logische Entscheidung, dass kein derzeit Verantwortlicher, der ordentliche Arbeit gemacht hat, jetzt von Bord geht.

Die Reaktionen auf Favres Bleiben sind gespaltener. Zu sehr haben einige schwer entschuldbare schwache Auftritte der Mannschaft das gute Gesamtbild getrübt. Viele erwarten vermutlich von Lucien Favre keinen Turnaround mehr in Sachen Motivation und Einstellung des Teams. Dennoch ist sein Bleiben ähnlich logisch wie das von Zorc. Wo sind denn die Alternativen, um den ausgewiesenen Fußballfachmann zu ersetzen? Außerdem muss der BVB den jüngsten Zahlen nach auch über die finanzielle Seite eines Rauswurfs und einer folgenden Neuverpflichtung nachdenken. Es wird ja ausdrücklich nicht über eine Verlängerung mit Favre gesprochen, bis der Verlauf der Saison 2020/21 absehbar ist. Den gewagten Anspruch, den Meistertitel zu holen, will Hans-Joachim Watzke für die kommende Spielzeit nicht wiederholen – eine Rückkehr zur Zurückhaltung, wie sie all die Jahre zuvor gute Tradition war. Weiterlesen „Da dreht sich was beim BVB“

Abschied von Julian Weigl steht bevor

Es hängt nur noch am Medizincheck: Den hat Julian Weigl in Lissabon über den Jahreswechsel noch nicht absolviert. Doch sollte bei diesem Termin kein Problem auffallen, heißt Weigls neuer Arbeitgeber Benfica Lissabon. Selbst Borussia Dortmund hat den Transfer schon bestätigt – vorbehaltlich der Untersuchung.

Der 24-jährige Mittelfeldspieler, zuletzt in schwarz-gelb häufiger als Innenverteidiger eingesetzt, dürfte also bald in der Liga NOS und der Europa League spielen statt in Bundesliga und Champions League. Nach dem kometenhaften Aufstieg in seiner ersten BVB-Saison – von taumelnden Sechzigern zu 51 Einsätzen für Dortmund und weiter in die Nationalmannschaft – gingen seine Einsatzzeiten nach der Entlassung von Thomas Tuchel zurück. Julian war keine richtige Stammkraft mehr und das möchte er jetzt – in einer entscheidenden Phase seiner Karriere – mutmaßlich wieder sein.

Aus der Sicht des Spielers ist das absolut nachvollziehbar. Lucien Favre sieht im Mittelfeld derzeit andere Akteure vor ihm: Axel Witsel, Thomas Delaney, womöglich in der Zukunft Leonardo Balerdi oder Tobias Raschl. Als Abwehrspieler hat Julian Weigl in dieser Saison gezeigt, dass er auf dieser Position eben doch nur eine Notlösung sein kann. Womit wir bei der sportlichen Einordnung des Transfers wären: Ich fand den Hype um Weigl in den ersten beiden Spielzeiten in Dortmund übertrieben. Damals war er ein solider Sechser, der immer mal wieder feine Pässchen gespielt hat. Ein Wunderkind war er nicht – wundersam war allenfalls der mühelose Übergang von 1860 zum BVB.

Sollte er nun wie angekündigt ins schöne Lissabon wechseln, bricht in Dortmund nichts zusammen. Zumindest nicht wegen Julians Fehlen. Es wird vielleicht Chancen für spannende junge Leute geben, vielleicht auch nicht. Gewiss sagen kann man jedoch, dass mit Julian Weigl ein sympathischer Spieler geht, dem ich bei Benfica nur das Beste wünsche. Sowie allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr!

Probleme ganz anderer Art

Ein Schnäppchen für 20 Millionen? Für die große Mehrheit der Fußballvereine sind das irreale Summen. Der Etat des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 beträgt in dieser Spielzeit 300.000 Euro. Für den gesamten Kader. Erling Haaland dürfte bei Borussia Dortmund dasselbe im Monat bekommen, vielleicht sogar das doppelte. Man sollte sich das immer wieder vergegenwärtigen. Für die Solidarität nach unten wäre es sicher gut, wenn jeder Fan eines großen Vereins auch Fan eines kleinen, lokalen Klubs wäre.

Babelsberg, der höchstklassige Männerfußballverein Potsdams, hat eine gruselige Hinserie hinter sich. Ex-Trainer Marco Vorbeck – der ehemalige Hansa Rostock-Profi – ist hier schon wieder Geschichte, muss aber je nach Ausgang des Prozesses vor dem Arbeitsgericht womöglich weiter bezahlt werden. Dabei fehlte 03 doch sichtbar auch Qualität auf dem Platz, was mit der Senkung des Etats um 50.000 Euro zu tun haben dürfte. Nachdem die letzte Saison nicht kostendeckend geplant worden war, hatte der Vorstand für 2019/20 eine konservative Rechnung aufgemacht – ohne dass das per se negativ gemeint ist.

Niemand kann sich richtig erklären, warum es so schlecht lief, dass Babelsberg nach 19 von 34 Spieltagen auf dem 17. Platz in der Abstiegszone steht. Trainer, Kader, Verletzungen spielten sicher eine Rolle, aber ein paar Punkte mehr hätte jede/r der Mannschaft zugetraut. Die ungewisse Zahl der Absteiger macht die Kalkulation der zur Rettung fehlenden Punkte schwer. Nach jetzigem Tabellenstand kehren aus der 3. Liga zwei Nordost-Vereine zurück in die Regionalliga: der Chemnitzer FC und der schon recht abgeschlagene Tabellenletzte Carl Zeiss Jena. Setzt sich dazu der Meister der Regionalliga Nordost am Ende in den Play-Offs um den Aufstieg nicht durch, gibt es im Mai vier Absteiger aus der Spielklasse. Auf den definitiv sicheren Platz 14 fehlen 03 acht Punkte. Etwas leichter würde es makabererweise, wenn der insolvente Thüringer Ligakontrahent Wacker Nordhausen zwangsabsteigen müsste.

Etwas Hoffnungsschimmer glimmt allerdings doch über dem Karl-Liebknecht-Stadion: Gegenüber der Märkischen Allgemeinen sprach 03-Präsident Archibald Horlitz von hilfsbereiten Sponsoren, dank derer es die eine oder andere Neuverpflichtung im Winter geben könne. Der neue Mann für die Trainerbank wurde schon vor Weihnachten gefunden: Es übernimmt der 53-jährige Predrag Uzelac, Vater von Franko Uzelac, der in der letzten Saison als Innenverteidiger für Babelsberg auflief. Seine Trainerkarriere umfasst rund 100 Spiele bei drei Nord-Regionalligisten: SV Wilhelmshaven, BSV Rehden und VfB Oldenburg. Zuletzt war er als Scout tätig. Eine distinguierte Laufbahn sieht wohl anders aus, aber eine richtige Meinung kann man sich bei den doch eher spärlichen Informationen ohnehin nicht bilden.

Ob ein Abstieg Babelsberg 03 wirklich in Existenznöte stürzen würde, sei mal dahingestellt. Aber er wäre ein schwerer Rückschlag, der auch anderen Abteilungen des Vereins schaden dürfte. Das ist mal eine Rückrunde, in der es wirklich um etwas geht.

Nicht Leipzig, nicht Manchester: Haaland geht nach Dortmund

Kurz vor Ende des Jahrzehnts kommt aus Dortmund noch eine großartige Nachricht: Der BVB hat Erling Braut Haaland von RB Salzburg verpflichtet. Der 19-jährige Mittelstürmer kommt für die festgeschriebene Ablöse von 20 Millionen Euro und unterschrieb bis 2024. Laut Kicker soll das Gesamtpaket inklusive Handgeld, Beraterhonorar und Gehalt für die viereinhalb Jahre 100 Millionen kosten.

Sportlich und finanziell macht der Transfer Stand jetzt geradezu unheimlich viel Sinn. Borussia Dortmund brauchte so schnell wie möglich einen echten Neuner und Torjäger, der der junge Haaland sowohl in der Champions League als auch in der österreichischen Bundesliga war. Michael Zorc beschreibt seine Qualitäten so:

Wir alle dürfen uns auf einen ehrgeizigen, athletischen und physisch starken Mittelstürmer mit ausgeprägtem Torinstinkt und beeindruckendem Tempo freuen, den wir in Dortmund weiterentwickeln möchten.

Paco Alcacer, leider oft von Verletzungen geplagt und zuletzt auch nicht immer erste Wahl, wird vermutlich ins zweite Glied rücken. Es ist schwer zu hoffen, dass Lucien Favre von seinen neuen Möglichkeiten nun auch regelmäßig Gebrauch machen wird. Jemand wie Haaland muss man wohl kaum erst mal heranführen, wie es zuletzt bei so vielen Talenten in schwarz-gelb geheißen hatte. Und selbst mit üppigem Handgeld und ebensolcher Gebühr für Erlings Berater Mino Raiola wird sich der Transfer für den BVB finanziell auszahlen – sollte sich der junge Norweger nicht schwer verletzen.

Man sollte die Geschichte aber nicht romantisieren: Ja, die Borussia hat dem Vernehmen nach für den Moment RB Leipzig, Manchester United und vielleicht weitere interessierte Klubs aus dem Weg geschlagen. Andererseits können wir nicht davon ausgehen, dass Erling Haaland seinen Vertrag bis 2024 erfüllen wird. Je besser er einschlägt, desto eher wird er Begehrlichkeiten bei den ganz Großen wecken. Mit Mino Raiola an seiner Seite könnte der Weg bald in die Premier League führen, wogegen der Spieler auch nichts haben dürfte. Und Raiola ist nicht nur in Dortmund dafür bekannt, den ihm passenden Weg sehr robust zu verfolgen.

Für den Moment macht die Entscheidung pro Borussia auch für Haaland durchaus Sinn. Bei einem Wechsel zum Schwesterverein nach Leipzig wären seine Einsatzchancen wahrscheinlich sogar geringer gewesen, denn dort gibt es mit Timo Werner bereits einen treffsicheren Mann mit ähnlichem Profil. Die Premier League mit ihren großen Kadern soll Raiola jetzt noch für verfrüht empfunden haben. Also sagt Erling nun auf der BVB-Webseite:

Da war von Anfang an das Gefühl, dass ich unbedingt zu diesem Klub wechseln, diesen Weg gehen und in dieser unglaublichen Dortmunder Atmosphäre vor mehr als 80.000 Zuschauern Fußball spielen will. Ich brenne schon darauf.

Also: alles richtig einordnen und sich auf einen tollen Fußballer freuen!

Nach erstem Saisonsieg: Babelsberg entlässt Trainer

14 Spieltage hatte Nordost-Regionalligist SV Babelsberg 03 nicht gewonnen und dabei triste bis tragische Auftritte hingelegt. So konnten die 03er etwa eine auswärts bei der Zweiten von Hertha BSC kurz vor Schluss erzielte Führung nicht über die Nachspielzeit retten. Doch Freitag vor einer Woche war es so weit, in einem klassischen Sechs-Punkte-Spiel gegen den Tabellennachbarn Optik Rathenow: Im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion steckte Babelsberg den frühen Rückstand ebenso weg wie den späteren Ausgleich. Doppeltorschütze Bogdan Rangelov traf in der 81. Minute zum 3:2-Siegtreffer.

03 überholte Optik in der Tabelle und ist 16. – ein Platz, der aber je nach Gesamtkonstellation nicht zum Klassenerhalt reichen muss. Dennoch kam es sehr überrraschend, als der Verein eine Woche später in einer dürren, dreizeiligen Mitteilung an die Presse und auf seiner Webseite bekanntgab, dass man sich von Trainer Marco Vorbeck getrennt habe. Man hatte doch die ersten drei Punkte, neben acht Unentschieden, auf der Haben-Seite, und immerhin war man zuvor selten richtig untergegangen. Die Vereinsführung um Präsident Archibald Horlitz hatte sich wiederholt hinter Vorbeck gestellt – und Babelsberg war bisher wirklich kein Hire-and-Fire-Verein.

Eine weitere Schwierigkeit bei diesem Vorgehen: Marco Vorbeck, der vor seinem fünfmonatigen Engagement in Potsdam Jugendtrainer bei Hansa Rostock war, hat noch Vertrag bis Juni 2021. Er müsste also weiter- oder ausbezahlt werden. Was sich ein Verein, der seinen Etat vor der Saison um 50.000 auf 300.000 Euro kürzen musste, schwerlich leisten kann. 03 ist inzwischen auch für Regionalliga-Verhältnisse ein ärmerer Verein. Große Einnahmen und große Sponsoren fehlen. Weiterlesen „Nach erstem Saisonsieg: Babelsberg entlässt Trainer“