Der junge Mann aus Argentinien

Borussia Dortmund hat Leonardo Balerdi von den Boca Juniors verpflichtet, so wie es sich in den letzten Tagen schon angedeutet hatte. Der 19-jährige und 1,88 Meter große Innenverteidiger gilt „als eines der größten Abwehrtalente Südamerikas“, wie der Kicker schreibt. Er hat allerdings erst fünf Profi-Spiele absolviert. Die Ablösesumme soll 15,5 Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni betragen. Der Vertrag soll bis 2023 laufen – beides hat der BVB allerdings nicht bestätigt.

Glaubt man Michael Zorc, so kann Balerdi so ziemlich alles, was ein Innenverteidiger können muss: Zweikämpfe, Kopfbälle, Aufbauspiel und Pässe. Intelligent soll er auch noch sein. In der offiziellen Verlautbarung auf der Vereinswebseite erfuhr man außerdem, dass der Transfer erst für den Sommer geplant gewesen und nun vorgezogen worden sei. Man will wohl die Erwartungen etwas dämpfen. Schließlich hat sich auch Alexander Isak noch nicht als der neue Ibrahimovic entpuppt.

Macht die Verpflichtung eines fünften und noch dazu so unerfahrenen Innenverteidigers Sinn? Normalerweise bin ich ja skeptisch bei einer derartigen Überbelegung einer Position. Andererseits hat Manuel Akanji noch mit Hüftproblemen zu kämpfen, auch wenn erst mal keine Operation nötig ist. Dan-Axel Zagadou und Abdou Diallo fehlten zuletzt auch, sind nun auf dem Weg zurück ins Team. Und es braucht nicht viel Fantasie, um vorherzusagen, dass Ömer Toprak nicht mehr allzu lange das schwarz-gelbe Trikot tragen wird. Schon im Sommer könnte Balerdi einer von dann noch vier Innenverteidigern sein.

Klar ist: Die Verpflichtung von Leonardo Balerdi ist spekulativ. So muss es die Borussia international angehen. Auch wenn die Schwarz-Gelben es dieses Jahr bei der Integration sehr gut gemacht zu haben scheinen: Schön wäre es, wenn man solche Spieler auch mal wieder näher vor der eigenen Haustüre finden würde. Das hat natürlich nichts mit der Nationalität zu tun – es wäre einfach positiv, mal wieder einen „homegrown player“ in die erste Mannschaft befördern zu können. Ja, es gibt Jacob Bruun Larsen, aber der ist eine Ausnahme und noch nicht allzu lange Borusse. Jetzt schon positiv ist natürlich, dass der BVB für junge Spieler nach wie vor ein beliebtes Ziel zu sein scheint. Willkommen Leonardo!

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Pulisic geht und bleibt erst mal

Chelsea hat also das Rennen gemacht: Für 64 Millionen Euro verpflichten die Londoner Christian Pulisic vom BVB – auch wenn Trainer Maurizio Sarri davon nichts gewusst haben will. Denn der wollte eigentlich sofortige Verstärkung für die Offensive. Und die ist der US-Wonderboy erst mal nicht – ganz einfach deswegen, weil er noch bis zum Sommer leihweise in schwarz-gelb auflaufen wird.

Warum hat sich der FC Chelsea auf diesen Deal eingelassen? Vielleicht weil die Konkurrenz so groß war, vielleicht, weil der Abramowitsch-Klub im Sommer ein Transferembargo aufgrund der Financial Fair Play-Regeln befürchtet? In Deutschland wird der Wechsel ja überwiegend als perfektes Geschäft für Borussia Dortmund gewertet. War Christian Pulisic zuletzt an Spieltagen nicht häufiger auf der Bank als auf dem Platz zu sehen?

Tatsächlich scheint der Weggang auch aus der Perspektive eines BVB-Fans verkraftbar zu sein, wenn die Vereinsführung mit dem Geld weise umgeht. Gleichzeitig ist es aber durchaus möglich, dass Christian in London oder anderswo aus seiner Stagnation herausfindet und sein großes Potenzial wieder entfaltet. Dass auch diese Transfersumme eigentlich zu hoch ist, darüber müssen wir nicht reden. Aber sportlich könnte Pulisic bald wieder Freude machen und haben – hoffentlich auch noch in Dortmund.

Mentalitätsmonster 1.0: Rode geht zurück nach Frankfurt

Der erste bekanntgegebene Wintertransfer bei Borussia Dortmund ist keine Überraschung: Nach zweieinhalb Jahren in schwarz-gelb wechselt Sebastian Rode Anfang Januar leihweise zurück zur Eintracht, dem Verein, der ihn groß gemacht hat. Der Vertrag läuft bis Saisonende; danach ist Rode auf dem Papier noch ein Jahr an den BVB gebunden.

Der Mittelfeldspieler hatte in Dortmund immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen – so oder so ähnlich wird man das aus dem schwarz-gelben Vereinsumfeld sicher zu hören bekommen. Ein wenig euphemistisch wäre das aus BVB-Sicht schon. Denn Rodes fehlende Spielpraxis lag auch an der großen Konkurrenz im Mittelfeld, das schon seit Jahren tendenziell überbesetzt ist. Dabei hatte man ihn einst aus München geholt, weil er jenen Spielertypen verkörpert, den man jetzt in Thomas Delaney gefunden zu haben glaubt: einen zweikampfstarken, entschlossenen Mann für die Zentrale. Das Mentalitätsmonster, das doch letzte Saison angeblich gefehlt hatte.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich fand die Verpflichtung von Delaney richtig und wichtig, nicht erst seit seinem Derby-Tor. Und auch der Weggang von Rode ist nun folgerichtig. Nur glaube ich nach wie vor nicht, dass es strategisch klug ist, bewusst oder fahrlässig Überkapazitäten in manchen Mannschaftsteilen zu schaffen. Obwohl es natürlich immer Spieler geben wird, die nicht auf die erhoffte Spielpraxis kommen.

Nun hat sich Sebastian Rode durch seine Äußerungen zu Peter Stöger am Ende der letzten Saison in Dortmund nicht gerade beliebt gemacht. Trotzdem wünsche ich ihm bei seiner Eintracht alles Gute. Ob es ein Wiedersehen im Sommer gibt?

Borussia hat Vorsprung und Alcacer

Borussia Dortmund im Gute-Laune-Modus: Zur Mitgliederversammlung beschenkten uns die Verantwortlichen mit der festem Verpflichtung von Paco Alcacer; am Samstag zogen die Schwarz-Gelben gegenüber Leipzig und Bayern auf acht bzw. neun Punkte davon. Wie gut kann diese Saison also werden?

Hans-Joachim Watzke ist zwar bekanntlich eher pessimistisch veranlagt, was seine Borussia angeht, aber trotzdem hat seine Mahnung an die Spieler Berechtigung,„scharfgestellt“ zu bleiben. Es ist erst November, beim FCB dürfte in absehbarer Zeit ein neuer Mann auf der Bank sitzen und die andere Borussia bleibt dran, dreht dabei sogar Spiele wie heute gegen Hannover. Es sind eben nicht nur die Bayern und für eben jene sind neun Punkte an 22 Spieltagen natürlich aufholbar. Nachlässigkeiten wären also tatsächlich der „Anfang vom Ende“, wie Watzke sagt.

Wichtig ist auch, sich nicht ablenken zu lassen. Wenn für Aki Watzke die Bundesliga das Non-plus-ultra ist, wie zuletzt beteuert, dann muss dieser Wettbewerb im Zweifelsfall auch im Zentrum der Konzentration stehen. Ja, in dieser Saison ist da etwas möglich. Deswegen interessiert mich die Super, äh Champions League da höchstens als eine gute Trainingsveranstaltung.

Ich habe das Mainz-Spiel nicht sehen können, aber manchmal reicht auch ein Ticker, um zu wissen: Der unglaubliche Paco hat es wieder getan. Zwei Minuten im Spiel und schon wieder getroffen. Die Frage bleibt, wie die ganzen Partien ausgingen, wenn Favre ihn und gewisse andere Spieler von Anfang an bringen würde. Paco jetzt zu verpflichten ist zwar einerseits ein Feel-Good-Bonbon für die Mitgliederversammlung gewesen, aber eben auch ein No-Brainer. Einen so treffsicheren Stürmer zu diesen Konditionen vom FC Barcelona zu kriegen ist einfach verdammt gutes Verhandlungsgeschick von Zorc und Watzke. Auch wenn Alcacer noch nicht so lange hier ist, auch wenn er relativ verletzungsanfällig erscheint.

Zweiter Abschied von Sahin, erstes 0:0 in Hannover

Kurz vor Schließung des Transferfensters hat Borussia Dortmund noch einen Spieler abgegeben. Nur einen, was die Kadergröße auf immer noch stolze 29 Mann verringert. Weitere Abgänge sind ohne Vertragsauflösung nur noch ein paar Tage in Länder wie Tschechien, die Slowakei, Bulgarien oder ganz exotische Ziele wie Kongo und Curacao möglich. Halten wir also fest, dass es die BVB-Verantwortlichen erneut nicht geschafft haben, eine vernünftige Kadergröße zu erreichen.

Gegangen ist Nuri Sahin. Ausgerechnet Nuri Sahin, der Mann aus der eigenen Jugend und Held vieler Geschichten. Er wechselte zu Werder Bremen, für eine eher nominelle Ablöse von angeblich rund einer Million Euro, und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Von vielen traditionsbewussten BVB-Fans wird er vermisst werden. Es gab emotionale Abschiedsworte von beiden Seiten, von Nuri wie von Susi Zorc und Aki Watzke. Die Sätze sind passend und glaubwürdig.

Trotzdem sehe ich es etwas weniger sentimental. Nuri Sahin hat sich schon einmal von Schwarz-Gelb verabschiedet, um sein Glück bei Real Madrid zu versuchen. Hätte das funktioniert, wäre er heute wohl noch nicht zurück. Vielleicht wäre er mit 32 zum Karriereausklang mal zurückgekehrt. Es kommt hinzu, dass Nuri nie für längere Phasen an seine alte Stärke vor dem Wechsel anknüpfen konnte. Für mich ist der erneute Weggang also sportlich und emotional verkraftbar. Jemand wie Marco Reus verkörpert heute für mich glaubwürdiger einen ‚echten schwarz-gelben Jungen‘. Und natürlich hoffe ich, dass aus unserer Jugendakademie mal wieder jemand zu den Profis durchkommt.

Dann war da noch ein Freitagabendspiel, dessen bemerkenswertester Fakt der war, dass es erstmals in Hannover ein torloses Unentschieden für den BVB gab. Auch, aber nicht nur wegen der Übertragungssituation schaue ich mir die Freitagsspiele nur noch selten an. Die Sky-Zusammenfassung und die Presseberichte ergeben das Bild, das die schwarz-gelbe Defensive viel richtig machte und/oder kaum gefährdet war. In der Offensive standen zwei Alu-Treffer zu Buche und sonst wenig Brauchbares. Mehr Fürth als Leipzig also. Es scheint so, als ob noch viel Arbeit und Paco Alcacer nötig sind, um die Borussia richtig in Fahrt zu bringen.

Größe ist nicht alles: Alcacer kommt zum BVB

Borussia Dortmund bedient sich beim FC Barcelona – und zwar aus einer anderen Schublade als bei Marc Bartra. Das hört sich doch gut an. Vom katalanischen Superklub wechselt der 24-jährige Stürmer Francisco „Paco“ Alcacer zum BVB. Zunächst für ein Jahr auf Leihbasis. Aus Barcelona wurden auch Details des Transfers bekannt: Die Leihgebühr beträgt zwei Millionen Euro, es gibt eine Kaufoption über 23 Millionen plus bis zu fünf Millionen Boni. An einem Weiterverkauf würde Barca mit fünf Prozent beteiligt.

Laut Kicker soll mit Alcacer ein Anschlussvertrag bereits ausgehandelt sein. Was wohl soviel heißt wie: „Paco“ hat einem langfristigen Wechsel zum BVB – mit Vertrag bis 2023 – zugestimmt. Besonderes Augenmerk widmete nicht nur der Kicker der Körpergröße des Neuzugangs: ‚Nur‘ 1,75 Meter misst Alcacer und ist damit ein Stück kleiner als die letzten Mittelstürmer der Schwarz-Gelben.

Aber natürlich passt auch ein kleinerer, wendiger Angreifer zum Spielstil der BVB-Offensive – für den Fall, dass er abschließen kann. Die Daten aus Pacos Zeit in La Liga sprechen dafür, vor allem die aus Valencia, von wo aus er nach Barcelona wechselte. Auch 22 Vorlagen stehen zu Buche, was für den fluiden Favre-Stil ebenfalls nicht unwichtig ist. „Beidfüßig“ und ein „technisch beschlagener Stürmer“ sei er außerdem, so die BVB-Webseite.

Dass Paco Alcacer die Borussia stärker machen wird, ist wahrscheinlich. Dieser Transfer hat das Potenzial, mal als großer beurteilt zu werden. Mit diesem Transfer wächst der Dortmunder Kader aber auch auf 30 Spieler und das sind in jedem Fall zu viele. Noch drei Tage bleiben, um daran etwas zu ändern, danach schwinden die Optionen. Kein Jubel dürfte angesichts der heutigen Meldung etwa bei Maximilian Philipp und Alexander Isak ausgebrochen sein.

Spieler kaufen ist nicht schwer…

Borussia Dortmund hat oft die Spieler bekommen, die man haben wollte – selbst wenn andere sie auch haben wollten. Es kann auch sein, dass man die Fälle, in denen der BVB leer ausging, besonders diskret behandelt hat. Nur haben die Erfolge bei Verpflichtungen sich in der jüngeren Vergangenheit nicht immer sportlich ausgezahlt. Und so stehen die Schwarz-Gelben beim in Angriff genommenen Umbau des Kaders vor dem Dilemma, dass das mit den Zugängen mal wieder ganz gut klappt, es mit den Abgängen jedoch schleppend vorangeht.

Wir hatten das Thema gerade schon im Zuge des Witsel-Transfers. Die Bedenken, die ich hinsichtlich der Möglichkeiten einer Kader-Reduzierung geäußert habe, bekommen nun neue Nahrung. Der Kicker berichtet in seinem Transferticker, dass Sebastian Rode lieber in Dortmund bleiben als zu Sampdoria Genua wechseln möchte. Und auch Jeremy Toljan, dessen sportliche Perspektiven in Dortmund ebenfalls nicht gut sind, will es angeblich weiter beim BVB versuchen.

Man kann es den beiden eigentlich nicht übel nehmen. Rode war lange verletzungsgeplagt, Toljan ist einfach noch ein junger Spieler. Beide haben womöglich das Gefühl, mit Dortmund noch nicht fertig zu sein. Oder sie wollen sich nicht so einfach wegkomplimentieren lassen. Sportlich sind die beiden entbehrlich, keine Frage. Aber dass nicht alle Spieler bereit sind, einen Fußballverein als Verschiebebahnhof zu verstehen, ist auch verständlich. Das härteste Stück Arbeit könnte noch vor den Herren Zorc, Watzke und Favre liegen. Die Bedenken gegenüber einem Mega-Kader bleiben.

Axel Witsel füllt das Mittelfeld

Der BVB besetzt die letzte Planstelle im Mittelfeld mit einem Stammspieler der belgischen Nationalmannschaft. Das ist der offizielle Spin rund um die Verpflichtung von Axel Witsel, der für 20 Millionen Euro von Tianjin Quanjian kommt. Die Qualitäten des 29-Jährigen sind natürlich unbestritten. Aber sind wirklich noch Stellen offen?

Worauf ich natürlich hinaus will: Wie letztes Jahr steuert Borussia Dortmund auf einen sehr großen Kader zu. Spieler werden für Positionen geholt, auf denen zumindest quantitativ ein Überangebot besteht. Qualitativ sah das im zentralen Mittelfeld in der letzten Saison tatsächlich nicht überzeugend aus. Wenn aber nun gesagt wird, Witsel und Julian Weigl könnten auch zusammen spielen, kann die Frage nur lauten: Was machen dann Delaney, Sahin, Kagawa, Dahoud?

Neben verschiedenen anderen Dingen fehlte der Borussia 2017/18 die mannschaftliche Geschlossenheit. Eine solche herzustellen ist einfacher, wenn der Trainer einem Spieler überzeugend erklären kann, warum er nicht spielt. Das dürfte bei der Dichte, oder sagen wir Fülle, im Mittelfeld schwierig werden. So schwer es fällt: Es wird noch der ein oder andere, vielleicht auch mit großem Namen und BVB-Tradition, gehen müssen. Nur wenn es gelingt, den Kader noch zu verkleinern, kann man von einer gelungenen Transferpolitik sprechen.

Axel Witsel dürfte dem BVB weiterhelfen. Doch die Schwarz-Gelben müssen wieder mehr als die Summe ihrer Einzelspieler werden. Wenn dazu etwa Nuri Sahin gehen muss, dann sollte er. Es wäre auch nicht das erste Mal.

Ende der Überheblichkeit: Schürrle darf gehen

(Updated) Glaubt man den zugegebenermaßen nie bestätigten Gerüchten, dann war die Verpflichtung von Andre Schürrle durch den BVB ein Tuchel-Transfer und die Rückkehr von Mario Götze eine Watzke- und Zorc-Idee. Natürlich mussten die jeweils anderen Verantwortlichen diesen Mega-Deals zustimmen. Stand heute dürfen die beiden Transfers in unterschiedlichem Maße als Fehleinschätzungen aus Selbstüberschätzung gelten.

Thomas Tuchel glaubte offenbar, Andre Schürrle wieder zu dem Spieler machen zu können, den er aus Mainzer Zeiten kannte. Aki und Susi dachten wohl, sie könnten Mario ein Umfeld bieten, das ihn wieder zu alter Größe führen würde. Beides stellte sich als falsch heraus, auch wenn dabei natürlich Verletzungen eine Rolle spielten. Und es war nicht so, dass niemand vor den Transfers gewarnt hätte.

Die neue Offenheit

Gestern wurde nun bekannt, dass Borussia Dortmund Schürrle einen Vereinswechsel nahegelegt hat. Der 27-Jährige ist aus den USA, wo die Borussia gerade auf Tour ist, abgereist. Angeblich zu konkreten Verhandlungen, womöglich mit einem Verein aus der Premier League, womöglich mit Crystal Palace. Michael Zorc ist auf Nachfrage bemerkenswert offen mit dem Grund für Schürrles Fehlen umgegangen. Man habe dem Spieler gesagt, dass es auf den Außenbahnen schwer werde und man ihn auch nicht wirklich als Mittelstürmer sehe. Mit dieser Offenheit geben die Verantwortlichen einerseits ihre eigene Fehleinschätzung zu und signalisieren gleichzeitig, dass es ihnen ohne Rücksicht auf große Namen auf Leistung ankommt. Im heutigen Profifußball ist das zweifellos eine gesunde, essentielle Einstellung.

Die Verpflichtungen von Götze und Schürrle dürften auch etwas mit ihrem Status als deutsche Nationalspieler zu tun gehabt haben. Von dem Wunsch, unbedingt ein paar in den eigenen Reihen zu haben, sind die Verantwortlichen hoffentlich spätestens nach der WM in Russland geheilt. Während es spannend bleibt, wie es mit Götze weitergeht, waren die Defizite von Schürrle unübersehbar. Auch als er gesund war, auch und gerade in der Mitte, wo es nun mal um erzielte Tore geht und der BVB Bedarf hat.

UPDATE: Nun wissen wir: Andre Schürrle geht tatsächlich in die Premier League, allerdings zum Aufsteiger Fulham. Der BVB verleiht ihn für zwei Jahre und kassiert dafür eine angeblich sechsstellige Leihgebühr. Damit sparen die Schwarz-Gelben zwar Schürrles Gehalt, haben aber noch kaum etwas von der Ablöse wieder reingeholt. Dazu müsste er in London richtig einschlagen.

Favres Start und Susis Geschäfte

Borussia Dortmund trainiert wieder und es fallen weitere Entscheidungen: Gestern wurde ein weiterer Transfer bekanntgegeben, über den seit gut einer Woche spekuliert würde. Der marokkanische Außenverteidiger Achraf Hakimi, vor Kurzem noch bei der WM im Einsatz, wechselt von Real Madrid zum BVB. Allerdings wird der 19-Jährige nur ausgeliehen, wenn auch für zwei Jahre.

Kommt da also der neue Philipp Lahm zur Borussia? Positiv ist selbstverständlich, dass auf seiner Position etwas getan wurde. Die Außenverteidigung gehört schließlich seit Jahren zu den schwarz-gelben Baustellen. Außerdem ist unsicher ob Raphael Guerreiro in Dortmund bleibt. Hakimi spielt hauptsächlich rechts hinten, kann aber auch links. Für Real kam er letzte Saison immerhin 17-mal zum Einsatz. Ein Transfer mit Potenzial ist das also zweifellos – nur nicht mit dem des Profits. Für den BVB wird er sich Stand jetzt höchstens spielerisch auszahlen. Wäre aber nicht das Schlechteste, wenn wir bald wieder eine überzeugende Außenverteidigung hätten. Mal schauen.

Dass das Geschäft überhaupt zustande kam, soll auch dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Aki Watzke und Real-Präsident Florentino Perez zu verdanken sein. Andere europäische Vereine waren wohl ebenfalls an Hakimi interessiert.

Yarmolenko in die Premier League

Der Kader ist gestern jedoch nicht noch größer geworden, denn es gibt auch einen Abgang zu vermelden. Andriy Yarmolenko, als Dembelé-Ersatz geholt und stark gestartet, verlässt Dortmund in Richtung London. Der Außenstürmer geht zu West Ham United, die derzeit auf großer Einkaufstour sind. Der Kicker berichtet von einer Ablöse um die 20 Millionen Euro, was einen Verlust von rund fünf Millionen bedeuten würde. Der sportliche Verlust scheint überschaubar, aber diese Einschätzung wird sicher auch durch Verletzungspech und die bescheidene Mannschaftsleistung beeinflusst. Bleibt zu hoffen dass Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nächsten Sommer zufriedener auf ihre Transfers zurückblicken können.

Der, der in dieser Frage eine große Rolle spielen wird, hatte nun seine ersten Auftritte in Dortmund. Lucien Favre auf der Pressekonferenz und dem Trainingsplatz. Auf letzterem fühlte er sich sichtlich wohler. Am flüssigsten sprach Favre vor den Journalisten, als es um seine präferierte Taktik ging. Mit Pressesprecher Sascha Fligge ist der Trainer per Sie. Was alles vollkommen OK ist, wenn hinter verschlossenen Türen vertrauensvoll kommuniziert wird. Die Hoffnung ist da und nicht gering, aber es bleibt spannend.