Gut dass er kommt – ihr könnt ihn Motzki nennen!

Wer nach den Partien gegen den FC Schalke und Salzburg auch das dritte Desaster der schwarz-gelben Borussia in dieser Saison verfolgt hat, zweifelt nicht mehr daran: Es muss sich etwas ändern. Auf mehreren Ebenen. Ich habe die Partie in München nur am Rande mitbekommen. Darüber bin ich heute nicht traurig. Über den aktuellen Zustand des BVB aber natürlich schon ein wenig.

Nun hat Michael Zorc gestern im ZDF bestätigt, dass sich der Verein mit Matthias Sammer auf ein Engagement als „externer Berater“ geeinigt hat. Mit Sebastian Kehl sei man auf einem guten Weg – der Ex-Kapitän soll die Lizenzspieler-Abteilung leiten. Ein Posten, den es so bisher nicht gab. Letztlich darf man sich ihn als ein Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Sportdirektor einerseits sowie Mannschaft andererseits vorstellen. Dabei dürfte es viel um atmosphärische Dinge gehen.

Spannender erscheint die Rolle von Sammer, selbst wenn dieser nicht formell in die Vereinsstrukturen eingebunden wird. Unser ehemaliger Meistertrainer soll sich turnusmäßig mit den BVB-Entscheidern treffen und vermutlich sowohl strategische als auch ganz konkrete, etwa personelle Dinge diskutieren. Nachdem sich die Beziehung zu Sammer während dessen Bayern-Zeit stark abgekühlt hatte, ist man sich inzwischen wieder nähergekommen. Und angeblich hat der Sachse durchaus noch etwas für die Borussia übrig.

Aus dem Fernsehen geholt

Nun gibt es natürlich wieder Kritiker, die die beiden Personalien als erneute „Rückholaktion“ oder als Verzweiflungstat von zwei Versagern darstellen, die nur einmal einen Glücksgriff mit Jürgen Klopp tätigten. Die üblichen Online-Reflexe von außen eben. Ja, es handelt sich um zwei Ex-BVB-Angestellte und aktuelle TV-Experten. Aber natürlich ist Sebastian Kehl jemand, der weiß, wie eine Mannschaft tickt. Und natürlich kann man mal mit Matthias Sammer darüber diskutieren, wie man einem Team die richtige mentale Einstellung beibringt. Welche Leute du dafür brauchst. Es entscheidet ja immer noch die Geschäftsführung, man muss nicht immer einer Meinung sein.

Stellt sich die Frage, wie viel Substanz hinter der Eiferei von Sammer steckt, die man durchaus unsympathisch finden kann. Wegen seiner gelobten Tätigkeit als Eurosport-Experte wird Watzke ihn wohl nicht geholt haben. Ich kann zu der mangels Abo ohnehin nichts sagen. Matthias Sammer vertritt jedoch Werte, die man zwar nicht überbetonen sollte, die aber zweifellos für den BVB der Saison 2017/18 und den der kommenden Spielzeit wichtig bis entscheidend sind. Und man traut dem gebürtigen Dresdner auch einen Plan zu, wie die Schwarz-Gelben diese wieder verinnerlichen.

Ist es ein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe von außen zu holen? So eine Einstellung ist inzwischen zum Glück unmodern geworden. Ohne Zweifel gab es Versäumnisse von Aki Watzke und Michael Zorc in der Transferpolitik – die ich im letzten Artikel hier ja schon benannt habe. Aber die ganzen Kritiker in den Online-Kommentaren vergessen eine Tatsache oder lassen sie absichtlich weg: Der Busanschlag im letzten Jahr war etwas, das noch keine andere deutsche Profimannschaft so erleiden musste. Das betrifft zunächst die Menschen, die wirklich im Bus saßen. Aber natürlich war die Tat auch ein Schock, ein Einschnitt für Watzke und die anderen Verantwortlichen. Und hat auch für sie vieles erschwert.

Man kann mit den Ereignissen von 2017 nicht alles entschuldigen – aber den Spielern oder auch Watzke und Zorc jetzt Versagen vorzuwerfen, ist einfach unwahrscheinlich kurzsichtig und unsensibel.

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Machen Zorc und Watzke den BVB fit für die Zukunft?

Es war nur noch eine Formalie: Kaum jemand dürfte überrascht sein, dass Michael Zorc bei Borussia Dortmund verlängert hat. Bis 2021 soll „Susi“ nun laut Vertrag Sportdirektor der Schwarz-Gelben bleiben – das neue Arbeitspapier von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke läuft ein Jahr länger.

So wenig überraschend diese Entscheidung von beiden Seiten war: Kritik an der Arbeit der zwei BVB-Verantwortlichen hatte es zuletzt schon gegeben. Hart und oft unsachlich in den Leserkommentaren diverser Sportmedien, in aller Regel von Menschen, die es nicht mit der Borussia halten. Aber auch in Fankreisen, auch in diesem Blog, waren Fragen gestellt worden. Vor allem nach der Qualität der Transferpolitik. Zorc und Watzke schienen ihr Augenmerk zu sehr auf die Offensive zu richten, auf junge, im Idealfall entwicklungsfähige Spieler, die einmal Stars werden sollten.

Im zentralen Mittelfeld glaubte man sich zu lange gut aufgestellt, setzte auf die glorreiche Vergangenheit (Nuri Sahin) oder zu schnell gehypte Akteure wie Dahoud und Weigl. Was die Abwehr anbetrifft, fällt nur die eklatante Überbewertung der vorhandenen Außenverteidiger negativ ins Gewicht. Dass die Hummels-Nachfolge ein schwieriges Thema werden würde, ist Michael Zorc nicht vorzuwerfen. Mit Marc Bartra holte man jemand, der in die Rolle hätte hineinwachsen können – wie einst Hummels selbst. Was dann passierte, wissen wir alle. Weiterlesen „Machen Zorc und Watzke den BVB fit für die Zukunft?“

Ist Lukasz Piszczek der Erlöser?

Man könnte fast denken, jetzt werde alles gut: Lukasz Piszczek, seit bald acht Jahren beim BVB, hat seinen Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2020 verlängert. Und von Vereinsseite gibt man sich alle Mühe, die Verlängerung in eine Reihe mit der von Marco Reus zu stellen.

Er ist eine Institution auf unserer rechten Abwehrseite. Wir haben nicht ohne Grund keines der zurückliegenden 31 Bundesligaspiele verloren, wenn Piszczu mit dabei war.

So weit die Lobeshymne von Michael Zorc. Und dann fragt man sich als kritischer Fan doch: Glaubst du wirklich, dass diese Statistik ursächlich so viel mit Piszczu zu tun hat? Oder glaubst du nur, als Sportdirektor noch ein bisschen mehr Aufbruchstimmung verbreiten zu müssen?

Leistung: knapper Durchschnitt

Wer die Spiele nach der Winterpause gesehen hat, in denen Lukasz Piszczek stets mitwirkte, dürfte jedenfalls weniger euphorisch reagieren. Ja, da stehen zwei Assists in der Bilanz. Aber hat Lukasz der Abwehr Stabilität verliehen, seine Seite dicht gemacht oder für Unruhe in der gegnerischen Defensive gesorgt? Nur sporadisch. Für die Rückserienpartien bekommt er vom „Kicker“ eine Durchschnittsnote von 3,72. Ob er das Heimdebakel gegen Salzburg hätte verhindern können?

Es ist aus meiner Tastatur nichts Neues, aber gerade auf den Außenverteidigerpositionen gibt sich die Borussia seit Jahren mit dem Altvertrauten zufrieden und holt allenfalls Ergänzungen, aber keine Alternativen. Raphael Guerreiro, der Marcel Schmelzer Konkurrenz machen könnte, wurde vor seinen Verletzungen hauptsächlich weiter vorne eingesetzt, obwohl er vor allem für links hinten verpflichtet worden war.

Mich stört nicht die Vertragsverlängerung mit Piszczu per se. Er ist nach wie vor ein ordentlicher Rechtsverteidiger. Aber es fehlen einfach die Alternativen, die zumindest perspektivisch die Qualität auf der Position noch steigern könnten. Unangebracht finde ich das glorifizierende Marketing, das jetzt um die Verlängerung betrieben wird. Richtig und wichtig ist dagegen das Lob dafür, dass Lukasz zweifellos eine große Identifikation mit dem BVB aufweist. Und glaubhaft ist, wenn er nun sagt:

(…) dieser Verein und diese Fans sind mir über die Jahre so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mich seit Jahren als echter Borusse fühle und nie im Ansatz den Wunsch verspürt habe, den BVB verlassen zu wollen.

Süßer Trost Marco Reus

Den Sinn für gutes Timing kann man den BVB-Verantwortlichen nun wirklich nicht absprechen: Am Tag, nachdem ein neuer schwarz-gelber Tiefpunkt nicht nur der Rückserie erreicht war, verlängert mal eben Marco Reus seinen Vertrag bis 2023. Dortmunder Junge und Superstar, wenn er denn fit ist. Da sind wohl selbst die größten Kritiker aus den eigenen Reihen erst mal entwaffnet.

Denn gibt es bei dieser Nachricht irgendeinen Grund für Sarkasmus? Ich sehe keinen. Natürlich wird Marco noch mehr Geld verdienen als ohnehin schon. Aber er ist auch einfach richtig gut, selbst jetzt schon wieder, mit wenig Spielpraxis. Und natürlich wollen und brauchen wir Identifikationsfiguren, von denen dieses Gefühl erwidert wird. Gerade jetzt, da ein erneuter größerer Umbruch im Team unvermeidlich scheint – diesmal aber von Dortmund so gewollt.

Etwas muss jedenfalls passieren am Ende der Saison, das scheint beinahe festzustehen. 1:2 zu Hause gegen Salzburg geht halt nicht, selbst wenn man die Gäste für illegitim hält. Von der Partie konnte ich übrigens kaum etwas sehen und ich bin fast schon glücklich darüber.

Vielleicht wird Marcos Signal tatsächlich der erste Schritt eines gelungenen Umbaus. Gerade weil er bleibt. Noch ist seine Vertragsverlängerung aber nicht mehr als ein Trostpflaster und ein Funken Hoffnung.

Watzke und was sonst noch gut ist

Sie bleiben alle: Hans-Joachim Watzke und Thomas Treß haben ihre Verträge als Geschäftsführer von Borussia Dortmund bis Ende 2022 verlängert. Carsten Cramer steigt zum Geschäftsführer auf und bleibt ebenfalls bis Ende 2022. Alle drei haben in ihren Verantwortungsbereichen gute Arbeit geleistet, auch wenn das die Hater bei Aki Watzke anzweifeln und dieser natürlich die Schlagzeilen bestimmen wird.

Auch ich werde mich in diesem Beitrag allein schon aus Zeitgründen auf den Vorsitzenden der Geschäftsführung beschränken. Dieser hat – an der Seite von anderen – den Verein aus tiefen Tälern geführt und er hat den besten Trainer verpflichtet, den der BVB je hatte. Mit ihm hat Aki so vertrauensvoll zusammengearbeitet, dass Jürgen Klopp sieben Jahre geblieben ist.

Nun ist in den letzten drei Jahren nicht alles optimal gelaufen und auch Geschäftsführer und Sportdirektor haben Fehler gemacht. Seine Fehleinschätzung in der Dreier-Transferfrage 2016 hat Watzke kürzlich bei Sky noch mal eingestanden. Aber in dieser wie in einigen anderen Fragen gilt: Erfolg ist nicht immer planbar, speziell im Sport. Bestimmte Dinge funktionieren nicht und niemand konnte es ernsthaft vorherahnen.

Fehler in der Transferpolitik

Derzeit macht es tatsächlich nicht immer Spaß, Borussia Dortmund zu gucken. Derzeit macht es aber auch generell nicht mehr so viel Spaß, Profifußball zu gucken. Vieles, was man auch beim BVB bemängeln kann, ist Ausdruck der Zustände an der Spitze dieses Sports. Der Verein ist schlicht gezwungen, bei vielem mitzumachen, wenn man oben mitspielen will. Was auch ich ausdrücklich bemängeln würde, ist die Transferpolitik der letzten zwei bis drei Jahre. Aber nicht wegen Abgängen, die nicht zu verhindern waren. Sondern wegen zu großer, unausgewogener Kader. Wegen zu viel Nostalgie in manchen Personalfragen. Und zu viel Experiment in anderen.

Hans-Joachim Watzke hat die Probleme in diesem Bereich zum Teil erkannt. Auch er möchte wieder einen „Typen“ fürs Mittelfeld haben. Das klingt platt, ist aber richtig. Und in dieser wie in anderen Fragen sollte man einem Mann, der so lange Gutes für den Verein geleistet hat, Wandlungsfähigkeit zugestehen und Vertrauen schenken. Nicht blind, sondern kritisch. Über manche Aussage in seiner Amtszeit konnte man sich richtig ärgern. Aber auch in dieser Hinsicht ist Aki etwas weiser geworden.

Haters gonna hate. Alle anderen sollten sich fragen, ob es wirklich so viele gibt, die es besser könnten. Und wenn man dann folgende Meldung liest, freut man sich auch wieder ein bisschen über seinen BVB und dessen Führung.

Das war der Deadline Day in Dortmund

(Updated) Nach diesem Deadline Day ist der Nimbus der ruhigen BVB-Hand endgültig weg: Vier Transfers haben Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke am letzten Tag der Transferphase oder kurz davor klar gemacht. Hier sind alle der Reihe nach.

Endgültig durch war als erstes der Wechsel von Marc Bartra zu Real Betis aus Sevilla. Der Kicker berichtet von einer Ablöse von gut zehn Millionen Euro. Viele warme Worte begleiteten diesen Transfer und ich nehme allen Beteiligten ab, dass sie ernst gemeint sind. Weder der Borussia noch Bartra kann man vorwerfen, dass es so gekommen ist. Die Schuld trägt Sergej W., der Bus-Attentäter. Von ihm wurde Marc physisch und psychisch aus der Bahn geworfen. Ob es für ihn in schwarz-gelb noch mal aufwärts hätte gehen können, bleibt Spekulation. Leider konnte der BVB gerade in seiner jetzigen Situation nicht darauf warten.

Heute erfolgte auch die Bestätigung der Verpflichtung von Sergio Gómez durch den Verein. Der ist sicher ein vielversprechendes Talent. Trotzdem nehme ich nichts von dem zurück, was ich vorgestern dazu geschrieben habe. Außer dem Namen: Denn der Zugang vom FC Barcelona heißt natürlich Gómez wie Mario, und nicht Lopez.

Die großen Deals kamen mittags und am späten Nachmittag. Pierre-Emerick Aubameyang ist wie erwartet zum FC Arsenal gewechselt. Und zwar, das ist in diesem Fall genau bekannt, für 63,75 Millionen Euro. Das mag in Zeiten von Neymar und Dembelé etwas unter seinem Marktwert liegen, aber Auba ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Angesichts der jetzigen Situation kann Borussia Dortmund damit finanziell gut leben. „PEA“ hat in seinem Abschiedspost dann auch recht klar eingeräumt, dass sein Verhalten zuletzt mit seinem Wechselwunsch zu tun hatte. Ob er sich damit irgendwo Freunde gemacht hat? Weiterlesen „Das war der Deadline Day in Dortmund“

BVB sucht Stürmer und findet Mittelfeldtalent

Marco Reus, Shinji Kagawa, Christian Pulisic, Jadon Sancho, Andriy Yarmolenko, Maximilian Philipp, Mario Götze, André Schürrle. Das sind die Spieler, die bei Borussia Dortmund vorzugsweise im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Acht Mann für höchstens drei Positionen also. Nummer Neun hat der BVB soeben klar gemacht, wenn man dem „Kicker“ glaubt: den 17-jährigen Spanier Sergio Lopez vom FC Barcelona. Der war zweitbester Spieler bei der U17-WM letztes Jahr und außerdem auch von Arsenal und Chelsea umworben. Grund genug für Michael Zorc und Aki Watzke, für drei Millionen zuzuschlagen?

Der Junge mag wirklich ein großes Talent sein, aber welchen Sinn macht eine Verpflichtung auf der mit Abstand am besten besetzten Position bei Schwarz-Gelb? Mehr und mehr scheint es nun auch in Dortmund darum zu gehen, kein Schnäppchen auszulassen, wenn es sonst die anderen bekommen könnten. Es grenzt an das Bunkern von Talenten, wie es die englischen und spanischen Topklubs schon seit einigen Jahren betreiben. Aber wie soll so eine gesunde Struktur in der Mannschaft entstehen?

Natürlich ist der zeitliche Zusammenhang, in dem dieser Transfer bekannt wurde, unglücklich für Michael Zorc. Da sucht man gerade ganz dringend einen Nachfolger für PEA, mit Modeste und Batshuayi werden Namen gehandelt, bei denen Nachfragen erlaubt sind und dann sickert plötzlich die Verpflichtung eines offensiven Mittelfeldspielers durch. Kein Wunder, dass der BVB die Personalie am Sonntag dem „Kicker“ noch nicht bestätigen wollte. Und natürlich muss ein Sportdirektor Multitasking können und betreiben. Aber diese Personalpolitik macht es uns Fans alles andere als leicht. Vielleicht werden demnächst mal nicht die Spieler ausgepfiffen …

Das Ende der guten alten Zeit: Neven geht

Sportlich ist es eine Randnotiz, die wahrscheinlich keine großen Auswirkungen haben wird: Neven Subotic verlässt nun endgültig Borussia Dortmund und wechselt zum französischen Erstligisten AS St. Etienne – dem Rekordmeister, der derzeit im Abstiegskampf steckt. Nach „Kicker“-Informationen bekommt der BVB doch eine Ablöse von 500.000 Euro für den 29-jährigen Innenverteidiger. Eine Summe, die natürlich dennoch daraufhin deutet, dass man Neven keine Steine in den Weg legen wollte.

So weit die harten Fakten. Doch weit kommt man mit denen in diesem Fall nicht. Es stimmt natürlich, dass Neven Subotic trotz seines kurzen Comebacks unter Peter Bosz den Schwarz-Gelben auf dem Platz nichts mehr geben konnte, was sie nicht schon hatten. Das Reinknien mit voller Identifikation reichte eben nicht. Aber es ist trotzdem ein Schlag, wenn ein Spieler mit genau diesen Merkmalen uns nun verlässt. Die Borussia muss sich fragen: Wie viele solche Menschen haben wir noch in unseren Reihen? Die sich auch abseits vom Platz derart engagieren – karitativ oder beim Feiern mit den Fans.

Der Weggang von Neven, der nach dem Köln-Intermezzo im letzten Frühjahr nun endgültig zu sein scheint, bedeutet aber noch mehr. Er markiert das endgültige Ende der Klopp-Ära, das endgültige Ende der Leichtigkeit und Andersartigkeit, die damit verbunden war. Natürlich ist der BVB nun schon seit mehreren Jahren ein fast normaler Topklub. Und hatte zuletzt mehr Krisen zu überstehen als viele andere. Aber manche Erinnerungen verbinden wir eben doch mit Personen und nicht nur mit dem abstrakten Verein.

Wer von den Verbliebenen der damaligen Zeit weckt denn noch ähnliche Emotionen bei den Fans wie Neven Subotic? Lukasz Piszczek oder Marcel Schmelzer? Nicht wirklich. Nuri Sahin oder Shinji Kagawa? Haben durch ihre Abschiede an Glanz verloren und den nach ihrer Rückkehr nicht wieder mitgebracht. Roman Weidenfeller? Ist wohl doch schon zu weit in seiner Karriere fortgeschritten.

Und welche der neuen Spieler können uns begeistern? Derzeit fallen mir drei ein. Zwei davon sind im Aufbautraining bzw. verletzt: Marco Reus und Maximilian Philipp. Der Dritte, Christian Pulisic, ist zum Glück (wieder) fit, aber liefert in dieser Spielzeit eben auch nicht jede Woche Topniveau.

Borussia Dortmund nach Neven Subotic muss sich daher seine eigene Story erst wieder erarbeiten. Den jetzigen Kader verbinden immer weniger gemeinsame Erinnerungen. Die, die da sind, verblassen. Alte Freundschaften wirken nach außen manchmal wie Seilschaften, die beim Aufbau einer neuen Identität für den BVB 2017/18 eher hinderlich sind. Derzeit schreiben die Schwarz-Gelben zwar Schlagzeilen, aber keine Geschichten, die eine längere Zeit überdauern. So wie die von Neven Subotic.

Erlöst Manuel Akanji die BVB-Defensive?

Ein paar Wochen waberten die Gerüchte schon durch die Medien, gestern wurde der Transfer vollzogen: Borussia Dortmund holt den 22-jährigen Innenverteidiger Manuel Akanji vom FC Basel. Nicht die erste Verpflichtung vom Schweizer Top-Klub, aber die teuerste. 18 Millionen Euro plus bis zu 3,5 Millionen Boni – so sind die Zeiten und Manchester United soll ja auch dran gewesen sein.

Akanji ist nicht umsonst Schweizer Nationalspieler. In einem ausführlichen Porträt unseres Neuzugangs für „Schwatzgelb.de“, das ich euch wärmstens empfehle, erklärt Oliver Zesiger, Researcher für die Football Manager-Spiele, Manuels Stärken und Schwächen. Um es hier nur kurz zusammenzufassen: Er ist groß (1,87 Meter), schnell, technisch stark, kann auch stark tacklen und präzise Pässe spielen. Und das nicht nur zum Nebenmann. Im Idealfall also der Mats Hummels, den wir seit 2016 vermissen.

Der, dem man ebenfalls zutraute, sich dorthin zu entwickeln, könnte die Borussia dagegen bald verlassen. Leider kommt Marc Bartra seit dem inzwischen aufgeklärten Busanschlag nicht mehr in Tritt und beschäftigt sich laut „Kicker“ mit einer Rückkehr nach Spanien. Und da auch fünf Innenverteidiger noch einer zu viel sind, könnte es ihm BVB-Legende Neven Subotic gleich tun. Er ist scheinbar bei St. Etienne im Gespräch. Beides Wechsel, die auf menschlicher Ebene weh tun würden.

Manuel Akanji ist jedoch zuzutrauen, beide sportlich zu ersetzen und zu übertreffen. Nur ist die Innenverteidigung eben nicht die einzige Baustelle der BVB-Defensive. In Sachen Außenverteidigung betreibt man in der Vereinsführung seit Jahren Realitätsverweigerung, um es mal deutlich zu sagen. Und im defensiven Mittelfeld kommt derzeit keiner der zur Auswahl stehenden Spieler an seine Topform ran. Trotzdem oder gerade deswegen: Willkommen Manuel Akanji!

Bosz weg, Stöger da: Es bleibt spannend

Schon gestern Abend war eigentlich klar, was heute passieren würde – zumindest der erste Teil davon. Nach einer lange nicht erlebten Pleitenserie haben die BVB-Verantwortlichen Peter Bosz entlassen und dies heute offiziell bekanntgegeben. An dem halben Tag, der zwischen ersten Gerüchten und der Pressekonferenz lag, durfte über den Nachfolger noch eifrig spekuliert werden. Armin Veh war ja aus dem Rennen, Lucien Favre in Nizza noch im Sattel.

Einiges sprach also dafür, dass es zunächst nur eine kurzfristige Lösung bis zur Winterpause geben würde. Doch Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc haben sich für den Mittelweg bis zum Saisonende entschieden und den wohl einzigen denkbaren Kandidaten geholt, der dafür unmittelbar zur Verfügung stand. Peter Stöger ist sicher kein Überraschungsmann. Schon Anfang Juni war er als Tuchel-Nachfolger im Gespräch und der BVB hatte auch mit ihm gesprochen, wie Zorc und Watzke heute auf der PK bestätigten.

Der Mann aus dem Abstiegssumpf

Dass Stöger heute verfügbar war und damals nicht, hängt natürlich mit den letzten Monaten beim Effzeh Köln zusammen. Aus dem überraschend stabilen Vorzeigeklub ist spätestens in den letzten Wochen etwas geworden, wofür der Begriff Karnevalsverein noch ein Euphemismus wäre. Vor allem aber ist der FC wohl nicht mehr vor dem Abstieg zu retten – nach einem Drama gegen den SC Freibug, das das jüngste Revierderby noch in den Schatten stellt.

Das heutige Spiel der Kölner ist ein erstes Anzeichen dafür, dass Peter Stöger nicht der Hauptschuldige der Misere am Rhein war. Aber natürlich fragt man sich – und deshalb war ich heute vom Namen Stöger doch ein wenig überrascht – wie die BVB-Führung auf den Trainer eines historisch schlechten Tabellenletzten kommt. Dazu muss man ja die bisherige Saison 2017/18 aus seinem Gedächtnis streichen und auf die Kraft der Vergangenheit setzen. Die Überlegungen von Watzke und Zorc dürften dahin gegangen sein, dass suboptimale Transferpolitik und die Verletztenmisere in Köln mehr Einfluss hatten als der Trainer.

Nun kann man diskutieren, ob Peter Stöger in Dortmund nicht auf die gleichen Probleme stoßen wird. Aber natürlich ist der Kader deutlich besser besetzt und in wenigen Wochen könnte man noch nachlegen. Stögers Art dürfte auch zum BVB passen. Aber das haben viele, auch ich, von Peter Bosz genauso gedacht.

Unerklärliches Scheitern

Überhaupt ist es gerade die undurchschaubare Gemengelage der letzten Wochen, die es so schwierig macht, die Erfolgsaussichten von Peter Stöger zu beurteilen. Das betrifft Köln wie Dortmund. Denn auch für Schwarz-Gelb bleiben Fragen woran Bosz letztendlich gescheitert ist. Es war doch längst nicht mehr die zu offensive Ausrichtung. Man kann nur hoffen, dass Susi Zorc und Aki Watzke bei ihrer Analyse gründlich waren und sich nicht nur auf die Meinung einiger Spieler verlassen haben. Denn nur ein Spielerversteher wird nicht reichen.

Ich hätte Peter Stöger schon im Sommer mit offenen Armen begrüßt. Aber das habe ich auch bei Bosz getan. Ich glaube nach wie vor, dass es mit Stöger etwas werden könnte. Vielleicht ist da noch eine Spur mehr Emotionalität, die sicher hilfreich ist. Aber es wird ein Abenteuer, dessen Ausgang niemand wirklich vorhersagen kann. Und so sieht es auch mit der Trainerfrage für 2018/19 aus. Trotzdem: Danke Peter Bosz, willkommen Peter Stöger!