Sie nennen es Losglück

„Deutsches Quartett im Losglück“ – so wird selbst bei Kicker.de nach der heutigen Champions League-Auslosung pauschalisiert. Wer die vier Gruppen der deutschen Vertreter, mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen, so zusammenfasst, der findet natürlich auch gleich alles Scheiße, wenn die Deutschen international mal ein schwarzes Jahr haben.

Borussia Dortmund trifft in der CL-Gruppenphase also auf Atletico Madrid, AS Monaco und Club Brügge. Das mag etwas leichter sein als gegen Real und die Spurs. Aber es ist alles andere als Tiefstapelei, wenn das BVB-Vertreter unisono als anspruchsvoll bezeichnen. Diego Simeones Atletico ist nach wie vor eine ungeheuer stabile Mannschaft mit einem Superstar Antoine Griezmann. Das Finale des Wettbewerbs wird 2019 in ihrem neuen Stadion ausgetragen.

Der AS Monaco liegt vielleicht ein wenig unter dem Niveau der vorletzten Saison, als die Borussia unter unglückseligsten Umständen gegen den Klub aus dem Fürstentum der Reichen und nicht so gerne Steuern Zahlenden ausschied. Die Monegassen haben aber immer noch genügend illustre Namen in ihren Reihen wie Kolumbiens Stürmer Falcao, die junge belgische Mittelfeldhoffnung Youri Tielemans oder natürlich Kroatiens Nationalkeeper Danijel Subasic. Außerdem wird das erneute Aufeinandertreffen womöglich Erinnerungen zurückbringen, auf die die Borussen gerne verzichten würden. Angenehm wird Monaco sicher auch nicht.

Bleibt Brügge. Dieses Los kann man sicher als machbar bezeichnen. Man kann auch die Statistik ins Reich der Geschichte verweisen, die besagt, dass der BVB bei den letzten beiden Aufeinandertreffen jeweils ausgeschieden ist. Ganz aktuell ist aber die Tatsache, dass der belgische Fußball bei Länderturnieren gerade zum Ansehnlichsten weltweit gehört. Alles werden sie also auch im Klubfußball nicht falsch machen.

Ja, natürlich hat der BVB in Gruppe A Chancen, Zweiter oder gar Erster zu werden. Schließlich haben wir ordentlich aufgerüstet. Aber der Verein muss es sich von niemandem zur Pflicht erklären lassen. Lucien Favre hat schon die passenden Worte gefunden:

Ein schweres Los mit starken Gegnern. (…) Wir nehmen die Herausforderung gerne an.

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Gute Spiele, schwache Schiris?

Nach den ersten drei Tagen der Fußball-Weltmeisterschaft zeichnet sich ein deutlich besseres Niveau ab als bei den letzten großen Turnieren – nicht nur wegen des Krachers Niederlande gegen Spanien. Es macht Spaß, es gibt Überraschungen wie Costa Rica und spektakuläre Tore wie durch van Persie und Robben.

Diskussionswürdig sind die Schiedsrichter-Leistungen. In den jüngsten Partien waren sie unauffällig; gesprochen wird vor allem über Brasilien v Kroatien, Mexiko v Kamerun sowie die eben in jeder Hinsicht denkwürdige Final-Wiederholung. Fehl am Platz ist jedenfalls die eurozentristische Sichtweise, in Topspielen wie der WM-Eröffnung müsse ein Referee aus einem der großen, sprich: europäischen, Verbände pfeifen. Das klang heute Vormittag auch im Sport1-WM-Doppelpass an – einer Sendung, die mit dem Anbruch des Sommers und dem Ende der Bundesliga-Saison nicht besser wird. Die Runde war noch nicht mal informiert über den Schiedsrichter des Deutschland-Spiels, den Serben Milorad Mazic, der schon am Samstag bekannt gegeben worden war.

Während die lächerliche Elfmeter-Entscheidung des Japaners Nishimura für Brasilien dem Spiel tatsächlich eine entscheidende Wendung gegeben haben könnte, stehen dem zwei klare Schnitzer des Italieners Rizzoli gegenüber – der folgerichtig vom „Kicker“ ebenso wie Nishimura die Note 5 bekam. Für mich war der Elfer für Costa schon beim ersten Ansehen sehr zweifelhaft, auch wenn das der Kommentator anders gesehen hatte. Das Foul gegen Casillas vor dem 3:1 war dagegen vor dem Bildschirm zunächst schwer zu erkennen – dafür umso deutlicher in der Wiederholung. Und auch zumindest einer der Unparteiischen hätte es sehen müssen.

Dass in den Medien auch der Kolumbianer Perez (leitete Mexiko v Kamerun) so scharf kritisiert wurde, scheint mir eine Überreaktion nach dem Auftaktspiel gewesen zu sein. Ja, er pfiff zwei Treffer zu Unrecht zurück, aber die Abseitssituation war knapp und nur das nicht existente Foul nach einer halben Stunde wirklich schwer verständlich. Ob die Europäer also wirklich die besseren Spielleiter sind – Brych und Kuipers waren tatächlich gut drauf – muss sich noch zeigen.

Eure Torlinie ist mir egal

So weit kommt es noch – dass ich mich jetzt schon über ein nicht gegebenes Tor für ‚Hoffe‘ aufregen soll. Was das schon für ein Spitzname ist: Heißen wir etwa ‚Dort‘ oder die Blauen ‚Schalk‘? Nein nein, Thorsten Kinhöfer hat da schon alles richtig gesehen, auch wenn er das nach dem Spiel gegen Nürnberg nicht so kommunizieren wollte.

Und wenn wir jetzt mal mit unnötigem Ernst an die Sache rangehen? Man kann der DFL einiges vorwerfen, aber nicht, dass sie abwartet, ob ein einzuführendes technisches Hilfsmittel ausgereift ist. In der Premier League wird nun also das ‚Hawk Eye‘ getestet. Sollte es erfolgreich sein, könnte das auch Auswirkungen auf die Entscheidung in Deutschland haben.

Die Medien trommeln fast unisono für die schnelle Einführung der Torraumüberwachung, doch der springende Punkt bleibt: Zum Fußball gehören Fehler dazu. Warum sollte die der Schiedsrichter nicht machen dürfen? Wir Fußballfans haben uns alle schon mal betrogen gefühlt, doch auch das gehört dazu. Es ist eine menschliche Errungenschaft, Fehler auszuhalten, auch Fehler anderer. Und es geht hier nicht um Menschenleben.

Gegen eine funktionierende Torlinientechnologie ist nichts einzuwenden, doch laut SZ (12.8., S. 27) denken sie in England schon weiter; der FA-Vorsitzende Greg Dyke hoffe, dass bald auch ein Videobeweis in Situationen wie Foulspielen im Strafraum oder Abseits folgen werde. Mit der FIFA dürfte das nicht so schnell zu machen sein – da stehe ich Seite an Seite mit den alten Herren mit zweifelhaftem Ruf.

Noch auf der Waage

Champions League, 5. Spieltag / FC Arsenal 2 BVB 1

Jeder, der sich intensiver mit Fußball im allgemeinen und Borussia Dortmund im speziellen beschäftigt, konnte es gestern in der 48. Spielminute ahnen. Ich war sicher nicht der Einzige, den eine dunkle Vorahnung beschlich, als die Schwarz-Gelben kurz nach der Pause zwei hochkarätige Chancen nicht nutzten. In der Champions League, bei diesem Gegner und dieser Personallage. Nur eine Minute später wurden sie von Alex Song und Robin van Persie bestraft.

Das Wunder von London blieb aus. Aufgrund des Auswärtssiegs von Olympiakos Piräus, der bei einem eigenen Sieg natürlich positiv gewesen wäre, hat die Borussia selbst für das Erreichen von Platz 3 keine guten Karten mehr. Wie es im Detail zum 1:2 kam, wird von vielen Medien und Fans anderer Vereine übergangen werden – hier natürlich nicht. Die Borussia spielte in den ersten 20 Minuten sehr ordentlich, ohne Respekt und bestimmte die Partie. Nicht ohne das Augenmerk auch auf die Defensive zu legen. Hochkarätige Gelegenheiten waren jedoch vor allem deshalb selten, weil sich die Arsenal-Defensive inzwischen eingespielt zu haben scheint. Über weite Strecken standen Mertesacker und Kollegen sicher. Lewandowskis Versuch aus 20 Metern war bezeichnenderweise die beste BVB-Chance in der ersten Hälfte und hätte fast gepasst.

Gegen ein wiedererstarktes Spitzenteam wie die Gunners kann man Verletzungen von zwei der wichtigsten Spieler nicht so gut gebrauchen. Es passt wiederum zu dieser Champions League-Kampagne, dass den BVB dieses Schicksal ausgerechnet im Alles-oder-nichts-Spiel früh ereilte. Sven Bender wurde von Vermaelen im Zweikampf unabsichtlich mit dem Fuß im Gesicht getroffen und erlitt einen doppelten Kieferbruch. Er wird mehrere Wochen ausfallen. Gute Besserung, Manni! Schon einige Minuten zuvor war Mario Götze auf einen Gegenspieler aufgelaufen und musste sich mehrmals am Oberschenkel behandeln lassen, ehe entschieden wurde, dass auch er raus müsse. Bei ihm besteht Hoffnung auf einen Einsatz im Derby.

Für die beiden Schlüsselspieler wurden Moritz Leitner und Ivan Perisic eingewechselt. Beide sind Spieler, von denen wir in dieser Saison schon richtig gute Leistungen gesehen haben. Beide müssen jedoch noch an Zweikampfstärke und Defensivverhalten allgemein arbeiten. Durch die Änderungen ging die Balance im Spiel der Borussia verloren. Arsenal gewann an Spielanteilen und stand im Mittelfeld besser, fing Angriffe der Schwarz-Gelben schon früh ab. Allerdings verteidigte der BVB vorerst weiter sehr gut, so dass bis zur Pause eine Pattsituation entstand, die der ersten Hälfte in München ähnelte. Robin van Persie meldete sich allerdings in der 44. Minute erstmals zum Dienst, als er Santana versetzte und allein auf Weidenfeller zulief. Dieser kam aber im richtigen Moment aus dem Kasten und klärte hervorragend, ohne Foul zu spielen. Weiterlesen „Noch auf der Waage“

Brügge sehen und siegen

Christoph Daum hat in dieser Woche in deutschen Medien viel Spott für seine Entscheidung einstecken müssen, beim FC Brügge anzuheuern. Stellvertretend seien hier Kommentare aus zwei Berliner Zeitungen zitiert. Dominik Bardow vom „Tagesspiegel“ schreckt zwar davor zurück, in der Überschrift den vollständigen Titel des sehr guten Spielfilms „Brügge sehen und sterben“ zu verwenden. In der Folge referiert er jedoch schön zusammengefasst die Handlung – Colin Farrell spielt einen Auftragsmörder, für den die belgische Stadt zur Endstation seiner Karriere (und seines Lebens) wird. Die Pointe am Ende des Textes ist, dass das natürlich überhaupt nichts mit Daum zu tun habe. Soll witzig sein, aber vielleicht sollte der Autor lieber für die Filmseite schreiben.

Markus Lotter schließt am Donnerstag in der „Berliner Zeitung“ mit großem Gedöns, dass man in diesem Fall zwischen subjektiver und objektiver Realität unterscheiden müsse. Auch er bemüht einen großen Film, Akira Kurosawas „Rashomon“. Nur um sich dann ganz schnöde auf die Seite der Daum-Basher zu schlagen:

Dieser Trainertransfer gibt einerseits einen eindeutigen Hinweis darauf, wie verzweifelt Christoph Daum mittlerweile sein muss. Andererseits zeigt er, wie klein sich der belgische Fußball mittlerweile denkt. (BLZ 10.11.2011, S. 14)

Der Kommentar redet also sowohl Daum als auch den belgischen Fußball klein und beinhaltet kurz vor Schluss noch dies: „Verbrannt und verpönt ist er in seiner Heimat, in der man ihn vor elf Jahren noch um ein Haar zum Bundestrainer gemacht hätte.“

Ist der Spott berechtigt? Ich halte das, wie man sich schon denken kann, für eine rhetorische Frage. Was der Autor der „Berliner Zeitung“ völlig ausblendet: Die belgische Nationalmannschaft hat sich in der EM-Qualifikation über weite Strecken nicht schlecht präsentiert und Platz 2 um zwei Punkte verpasst. Zwischendurch war schon die Rede von einer Renaissance der belgischen Auswahl. Wie sich das nach der verpassten Quali in den kommenden Jahren fortsetzt, ist zwar ungewiss, es gab jedoch positive Anzeichen.

Noch weniger ist zu verstehen, warum der FC Brügge so schlecht wegkommt. Ok, der Club hat es vor sechs Jahren zum letzten Mal in die Champions League geschafft. Aber wie viele deutsche Traditionsvereine wären stolz darauf, wenn sie das von sich behaupten könnten? In der Liga war Brügge nur einmal in den letzten zehn Jahren nicht unter den ersten fünf platziert. Und in der Europa League und ihrem Vorgängerwettbewerb haben sie es in diesem Zeitraum bis auf einmal immer mindestens in die Gruppenphase geschafft. Nicht nur als Borussia Dortmund-Fan sage ich: es gibt keinen Grund, den FC Brügge zu unterschätzen.

Die oben zitierten und andere negative Kommentare zu Daums Ernennung in Brügge beziehen sich wohl eher auf die Person Daum als auf seinen neuen Verein. Nur ersteren kennen die beiden Autoren wirklich und sie haben insofern recht, als dass er in Deutschland auf höchstem Niveau zurzeit nicht mehr vermittelbar ist. Aber was gibt es dann an der Entscheidung zu kritisieren, bei einem ambitionierten Verein, der im letzten Jahrzehnt im europäischen Fußball einen ordentlichen Namen hatte und noch dazu in der Nähe der Heimat liegt, einen neuen Anlauf zu nehmen? Der Name Daum ist nur in Deutschland verbrannt – international geht man vorurteilsloser mit der Person um und würdigt seine Leistungen im Ausland, in der Türkei.

Es kann schiefgehen. Es gibt jedoch keinen rationalen Grund, warum der FC Brügge für Christoph Daum eine Endstation und der finale Karriereknick sein muss. Einige belgische Zeitungen haben ihn so ähnlich empfangen wie ihn die deutschen Medien verabschiedet haben. Trotzdem dürfte man unvoreingenommener mit ihm umgehen und der Druck wird etwas geringer sein. Viel mehr als die Kritik an Daum finde ich jedoch die undifferenziert herablassende Haltung gegenüber dem belgischen Fußball insgesamt fehl am Platze.

(Quelle: Transfermarkt.de)

Wie Sportjournalisten die Worte von Oliver Kahn verdrehen

„Oliver Kahn kritisiert Dortmunder Personalpolitik“. Diese Überschrift bei „Spox.com“ macht sich gut, denn sie passt ins Bild. Der BVB steckt angeblich in der Krise und der ehemalige Bayern-Torwart kritisiert zurzeit gerne. Die dazugehörige Meldung stammt vom Sportinformationsdienst. Liest man den Bericht, kommt Kahns Kritik nicht gerade spektakulär rüber:

Eine Option wäre gewesen, sich im Sommer mit neuen Spielern zu verstärken, die den Konkurrenzkampf in der Mannschaft entfachen. Der BVB hat darauf verzichtet.

Man könnte diese konjunktivisch-deskriptiven Sätze vielleicht als leise Kritik werten. Die Sätze stammen allerdings aus einem längeren Blogbeitrag, den Oliver Kahn für Yahoo-Eurosport geschrieben hat. Neben diversen anderen Tätigkeiten bloggt der ‚Titan‘ dort seit einiger Zeit ungefähr im Zwei-Wochen-Rhythmus. Was der für die ‚Kritikmeldung‘ verantwortliche Journalist mutwillig unterschlägt: Der zitierte Absatz aus Kahns Blog geht noch ein Stück weiter. Komplett liest er sich so:

Eine Option wäre gewesen, sich im Sommer mit neuen Spielern zu verstärken, die den Konkurrenzkampf in der Mannschaft entfachen. Der BVB hat darauf verzichtet. Das muss nicht falsch sein. Es ist ein Vertrauensbeweis für die junge Mannschaft. Gut möglich, dass Götze & Co. dieses Vertrauen mit engagierter Leistung zurückzahlen.

Das versteht der Sportinformationsdienst also unter Kritik. Ich frage mich, wie sie dann das genannt haben, was Karl-Heinz Rummenigge über Sepp Blatter gesagt hat.

Das Traurige an derart verzerrenden Agenturmeldungen: Sie werden bundesweit von Online-Redaktionen ungeprüft übernommen. So findet sich der Bericht selbstverständlich nicht nur bei „Spox.com“, sondern auch bei „Der Westen“, der „Zeit“, „goal.com“, den 11 Freunden und vielen anderen viel besuchten Webseiten. Dass Online-Redaktionen nicht nur selbst Content produzieren, sondern auf die Nachrichtenagenturen angewiesen sind, dürfte klar sein. Insofern zeigt der Finger hier in erster Linie auf den Urheber dieser Meldung. Peinlich wird es nur dann, wenn Redakteure ihren Namen unter oder über die Agenturmeldung setzen.

Wer häufiger kritische Fußballblogs liest, gar selber bloggt oder zumindest die herkömmlichen Sportmedien kritisch konsumiert, dem dürften ähnliche Methoden schon geläufig sein. Trotzdem ist die Boulevardisierung des Sportjournalismus auf der Jagd nach schönen Schlagzeilen immer wieder von neuem erschreckend. Zumindest für die, denen der Sport oder ein Verein wichtig sind und die deshalb kompetent darüber informieren oder informiert werden wollen.

Titel, Tests und Temperamente

Turnier in Mainz / FSV Mainz 0 BVB 1

Borussia Dortmund hat sich erfolgreich in Deutschland zurück gemeldet. Nachdem das letzte Testspiel im Trainingslager gegen Polonia Warschau 1:2 verloren ging, sah man heute im neuen Stadion von alten Bekannten einen ordentlichen Auftritt der Schwarz-Gelben, der mit einem verdienten 1:0-Sieg endete.

Das Turnier in Mainz ist schon allein wegen der verkürzten Spielzeit von 2 x 30 Minuten nicht mit einem Pflichtspiel zwischen den beteiligten Mannschaften zu vergleichen. Es ist jedoch für alle Teilnehmer eine erste Standortbestimmung gegen bekannte Bundesliga-Konkurrenten aus der oberen Tabellenhälfte. Und gegen solche Gegner geht man durchaus etwas ernsthafter zu Sache, wie sich insbesondere im zweiten Spiel zwischen den Bayern und dem HSV auch an einigen Temperamentsausbrüchen zeigte.

Jürgen Klopp versuchte es in der Partie gegen Mainz diesmal mit Kevin Großkreutz auf der Linksverteidiger-Position des verletzten Marcel Schmelzer. Im Mittelfeld spielte Moritz Leitner neben dem alten und neuen Kapitän Sebastian Kehl. Das Spiel brauchte wenig überraschend etwas Zeit, um Fahrt aufzunehmen – mit einer Ausnahme: nach gutem Einsatz von Shinji Kagawa im Strafraum kam Mario Götze zum Schuss und setzte den Ball bereits in der vierten Minute an den Pfosten. Um es vorwegzunehmen: Wie in den letzten Spielen war es ganz besonders das Zusammenspiel dieser beiden Klasse-Fußballer, das uns Schwarz-Gelben Freude machte.

Ansonsten war es zunächst eine ordentliche Partie ohne ganz große Chancen. Beide Teams versuchten, so konsequent wie es zu diesem Zeitpunkt der Saisonvorbereitung geht, ihr typisches Pressing aufzuziehen. Der BVB hatte mehr vom Spiel, brauchte aber bis zur 24. Minute, um sich gegen die veränderte Mainzer Mannschaft wieder richtig in Szene zu setzen. Ivan Perisic kam aus spitzem Winkel zum Schuss, Torwart Müller konnte parieren. Die beste Chance der ersten 30 Minuten produzierten kurz vor dem Pausenpfiff erneut Götze und Kagawa. Mario flankte von rechts, Kagawa kam am langen Pfosten an den Ball, verzog aber über das Tor, weil er das Leder zu hoch erwischte. Kapitän Kehl war einer der wenigen Borussen, die in der ersten Hälfte noch nicht so richtig auf der Höhe schienen. Ärgerlich waren allerdings nur die wiederholten Einblendungen von aus dem Bus steigenden oder herumstehenden Bayern-Spielern und -Trainern während des Spiels. Aber das war bei dem Sponsor wohl zu erwarten.

In der zweiten Hälfte brauchte der BVB nur wenige Minuten, um die schon zuvor sichtbare Überlegenheit zu nutzen. Nach Flanke von Super Mario zeigte Ivan Perisic, was wir von ihm hoffentlich noch öfter erwarten können: Hoher Sprung, perfekter Kopfball ins Toreck. Nicht nur in dieser Szene wirkte der kroatische Neuzugang aus Brügge gegenüber dem Spiel gegen St. Gallen verbessert. Nach der Führung lief es bei den Schwarz-Gelben noch mal deutlich flüssiger als in der ersten Hälfte. Kurz nach seiner Einwechslung schoss Chris Löwe aus mehr als 25 Metern an die Latte. Lewandowski köpfte nach einer Flanke von Perisic über das Tor und zeigte sich leider auch fünf Minuten später nach toller Vorarbeit von Kagawa nicht so effektiv wie gegen die Schweizer.

Die Mainzer kamen nach der Einwechslung ihrer Neuverpflichtung Anthony Ujah noch mal besser ins Spiel. Der 20-jährige Nigerianer konnte sich über links ein paar Mal in Szene setzen und bereitete dem nun rechts hinten spielenden Großkreutz einige Probleme. Insgesamt standen vor allem die Dortmunder Innenverteidiger schon wieder sehr sicher, egal ob Hummels, der mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselte Subotic oder Felipe Santana. Es gab wenig herausgespielte Torszenen der Gastgeber. In Erinnerung bleiben eher der Weitschuss von Ivanschitz oder der halb-gefährliche Freistoß, bei dem Ujah ans Außennetz köpfte. Das Einzige, was Jürgen Klopp gerade etwas Sorgen machen muss, ist die ansteigende Zahl zumindest angeschlagener Spieler. In Deutschland geht es wieder zur Sache – der Trainer wird sich deshalb gut überlegen, wen er am Wochenende beim Supercup spielen lässt und wen nicht.

Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern hatte vor dem Auftritt in Mainz angekündigt, wieder Titel holen zu wollen. Die Nachrichtenagenturen haben diese Aussage auf das Turnier bezogen. Sollte sie wirklich so zu verstehen sein (den genauen Kontext des Satzes kenne ich nicht), war das wohl ebenfalls dem Sponsor geschuldet. Jedenfalls haben die Bayern diesen ‚Titel‘ bereits verspielt. Im zweiten Spiel unterlagen sie dem HSV mit 1:2 und das, obwohl beim Tabellendritten noch eher eine mögliche erste Elf auf dem Platz stand als bei den Norddeutschen.

Das Ergebnis hat zur Folge, dass es nicht zum Traumfinale kommt, das die Veranstalter und der übertragende Sender wohl gerne morgen zur Primetime gesehen hätten. Der FC Bayern spielt nun schon am Vorabend gegen die Gastgeber um Platz 3. Um 20:30 Uhr trifft dann der Meister auf den ersten Bundesliga-Gegner. Ich weiß nicht, ob diese Konstellation im Interesse der beiden Trainer Klopp und Oenning lag, aber es sind ja noch zweieinhalb Wochen bis zum Wiedersehen. Der HSV konnte positiv überraschen, auch wenn sie vor allem auf Konter lauerten. Die Chelsea-Jungs scheinen etwas draufzuhaben, insbesondere Michael Mancienne wirkte in der Innenverteidigung sehr solide. Ich persönlich finde es gut, morgen auf die Hamburger zu treffen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (42. Löwe), Hummels, Subotic (31. Santana), Großkreutz – Leitner, Kehl – Götze, Kagawa, Perisic – Lewandowski. Gelbe Karte: Löwe. Tor: Perisic

Das gleiche alte Spiel

„Von Lüdenscheid nach Madrid – Alles deutet darauf hin, dass der Meister Borussia Dortmund seinen Schlüsselspieler Nuri Sahin verliert“ (Berliner Zeitung 3.5.2011, S.13). Wenn man im so überschriebenen Artikel nachliest, was eigentlich genau darauf hindeutet, stößt man lediglich auf Informationen der spanischen Sportzeitung „Marca“. Ansonsten ist der vom Sportinformationsdienst stammende Bericht ein zusammengeschustertes Sammelsurium aus halb-neuen und historischen Geschichten über Borussia Dortmund. Für die Überschrift dürfte jedoch die Sportredaktion der Berliner Zeitung verantwortlich sein.

Was jeder kompetente Fußballblogger weiß, sollte eigentlich auch deutschen Sportjournalisten nicht verborgen geblieben sein: Die „Marca“ lebt von Spekulationen, da deren Mitarbeiter täglich ein Blatt füllen müssen. Es geht darum, die Leser zu unterhalten und ihnen stets etwas Neues zu bieten. Ob die Neuigkeiten auch wahr sind, ist zweitrangig. Diese Zeitung hat schon so viele Fußballspieler zu anderen Vereinen geschrieben und nur ein kleiner Teil von ihnen ist auch angekommen. Leider beschränkt sich diese Art von Journalismus nicht auf die „Marca“ und Spanien. Hierzulande gibt es die gleiche Spezies und offensichtlich nicht nur beim Boulevard. Wer etwas behauptet und zwei Wochen später das Gegenteil berichtet, setzt einfach darauf, dass die Leser Behauptung eins vergessen haben oder ihnen der Widerspruch egal ist, weil sie gut unterhalten wurden.

Nuri Sahins Berater Reza Fazeli hat inzwischen seinen Freunden vom Springer-Boulevard verraten, dass es noch keine Einigung des Spielers mit Real Madrid gibt. Bis spätestens Ende nächster Woche soll es dafür ein Gespräch Sahins mit den Verantwortlichen der Borussia geben. Man kann sich vorstellen, wie die Interessenlage bei Fazeli aussieht. Bis wir allerdings Nuris Entscheidung kennen, müssen wir wohl noch zwei Wochen Medientheater über uns ergehen lassen. Als Meister geht das selbstverständlich einfacher. Trotzdem langweilen die immergleichen Muster, das Schema F, nach dem die Sportberichterstattung abläuft. Vor allem nervt die Weiterverbreitung von Gerüchten und Informationen aus einer einzigen Quelle – ohne sie zu überprüfen oder wenigstens zu hinterfragen.

Ich würde mich nicht wundern, wenn Nuri Sahin am Saisonende seinen Vertrag beim BVB verlängert oder zumindest noch ein Jahr in Dortmund bleibt. Ob es so kommt, weiß ich nicht und darum behaupte ich es auch nicht. Das klingt banal, vielleicht sogar selbstgerecht, aber so einfach könnte das sein.

Nur ein kleiner Haken? Saisonende für Sahin

Die Befürchtungen haben sich bestätigt: Nuri Sahin fällt wegen einer Knieverletzung – einem Teilriss des Innenbandes – sechs Wochen aus. Man kann berechtigterweise sagen, dass diese Nachricht zu jedem anderen Zeitpunkt der bisherigen Saison einen noch größeren Schock ausgelöst hätte. Der BVB hat schließlich vorgestern einen möglicherweise entscheidenden Sieg errungen. Wenn aber etwas die Schwarz-Gelben noch auf dem Weg zum Titel stoppen kann, dann sind es Verletzungen wichtiger Leistungsträger. Solche Ereignisse haben neben den sportlichen Konsequenzen häufig Verunsicherung in der Mannschaft zur Folge. Nun hat sich Nuri Sahin zum Glück keinen Kreuzbandriss zugezogen und angesichts der Tabellensituation sollte sich der mentale Schock in Grenzen halten – sportlich wird er dem BVB dennoch  fehlen.

Sebastian Kehl arbeitet weiter an seinem Comeback und so ist Antonio da Silva die natürliche Alternative für unseren Spielmacher. Das hätte sich letzten Sommer auch noch niemand träumen lassen. So gut da Silvas Freistöße sind und so ordentlich er Nuri am Sonntag vertreten hat – er hat nicht dieselbe Spielintelligenz und Präzision. Im Zusammenspiel mit einem gut aufgelegten Mario Götze sollte trotzdem genügend Kreativität für die letzten vier Partien und die noch benötigten Punkte vorhanden sein. Man muss daher nicht von einer „Katastrophe“ sprechen wie Jürgen Klopp (in Unkenntnis der Schwere der Verletzung) nach dem Spiel. Die gestrige Aussage des Trainers traf es besser: „Noch sind wir im grünen Bereich. Mehr darf aber nicht passieren.“

Andere Befürchtungen – dass Nuri quasi so gut wie beinahe schon in Madrid sei – haben am Wochenende keine neue Nahrung erhalten. Eher im Gegenteil, wenn man denn seine Äußerung gegenüber dem ZDF als Wasserstandsmeldung ansehen will: „Die Fans werden schon wissen wie ich mich entscheide.“ (zitiert nach Kicker Nr. 32/2011, S. 32). So wie immer lautet die Regel auch in dieser Sache: Traue nie dem Boulevard allein!

Lobe nie den Schiedsrichter – vor dem Spiel

1. Bundesliga, 22. Spieltag / 1.FC Kaiserslautern 1 BVB 1

Da sage ich einmal vor einer Partie etwas zum Schiedsrichter, noch dazu was Positives, und dann so was. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob Florian Meyers Gelb-Rote Karte gegen Neven Subotic dem BVB den Sieg gekostet hat – wir werden keine Antwort finden. Die Schwarz-Gelben hatten in einem guten Spiel noch andere Probleme als den Unparteiischen.

Kuba hatte sich am Freitag im Training eine leichte Knieverletzung zugezogen. Für ihn kam Landsmann Robert Lewandowski in die Mannschaft und besetzte das zentrale offensive Mittelfeld. Nun wissen inzwischen alle, dass Robert ein Stürmer ist und ganz vorne besser zur Geltung kommt. Vermutlich traute Jürgen Klopp Mohamed Zidan noch keinen Einsatz über 90 Minuten zu – sonst wäre ein Versuch mit ihm auf der ’10‘ oder der rechten Außenbahn lohnenswert gewesen. So musste Mario Götze nach rechts rücken.

Der BVB hatte trotzdem seine Chancen, mehrere wurden von Lewandowski vorbereitet, aber gegen stark kämpfende Lauterer hätten es noch mehr sein können. Es fehlt in Abwesenheit von Shinji Kagawa und mit Götze auf der Außenbahn an Kreativität in der Zentrale. Nuri Sahin braucht nicht nur einen defensiven, sondern auch einen offensiven Partner – sonst fokussiert sich der Gegner auf ihn und kann ihn mal mehr, mal weniger, aus dem Spiel nehmen. Lewandowski ist eben nicht der flinke, kreative Dribbler, sondern in seiner gestrigen Rolle eher ein klassischer ‚target man‘, der die Bälle annimmt und im Idealfall schnell weiterverarbeitet. So einer ist jedoch leichter auszurechnen.

Mario Götze interpretierte seine Rolle wie so häufig flexibel und zog oft nach innen, um im Zentrum für Gefahr zu sorgen. Das führte aber wiederum dazu, dass wenig gefährliche Flanken von den Flügeln kamen – nur der bis auf wenige Ausnahmesituationen gut aufgelegte Piszczek konnte sich da hin und wieder auszeichnen. Leider kommt mir der linke Flügel in dieser Hinsicht zurzeit etwas lahm vor. Kevin Großkreutz spielt auch gerne etwas zentraler und Marcel Schmelzer rückte selten bis in die Nähe der Grundline vor, hatte allgemein wenig Offensivaktionen. Weiterlesen „Lobe nie den Schiedsrichter – vor dem Spiel“