Tatort Hafenstraße und was sonst noch geschah

Borussia Dortmund hat sich an der Essener Hafenstraße blamiert – so legen es die Schlagzeilen der Sportseiten heute nahe. 2:3 gegen den Regionalligisten RWE im ersten Spiel unter Peter Bosz: Das hätte man sich tatsächlich schöner vorstellen können. Nun habe ich die Partie nicht gesehen, aber das Ergebnis spricht selbstredend dafür, dass der BVB enttäuscht hat – und der Trainer gab das unumwunden zu.

Die Schwarz-Gelben sind peinliche Testspiel-Pleiten nicht mehr gewohnt – genauso wenig wie peinliche Pokalpleiten. Was ist wohl schlimmer? Abgesehen davon, dass das erste Vorbereitungsspiel wohl immer die geringste Aussagekraft hat, fehlten der Borussia noch einige Spieler und Peter Bosz lässt wie zu erwarten sein präferiertes System einüben. Das 4-3-3 stellt eine größere Umstellung gegenüber der zuletzt unter Thomas Tuchel meistens praktizierten Dreierkette mit massivem Mittelfeld davor dar. Eine weitere Erklärung könnte womöglich ausgerechnet die neue Leichtigkeit unter Bosz sein, die im ersten Spiel vielleicht etwas zu weit um sich gegriffen hat. Sowas sollte sich sicher abstellen lassen.

Mehr Sorgen macht mir da die Transferpolitik – oder präziser formuliert die Personalsituation. Es ist ja sicher nicht so, dass sich Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Angeboten für etwa Sebastian Rode oder Joo-Ho Park verschließen würden. Nur haben wir von solchen noch nichts gehört. Das kann dreierlei bedeuten: Es gibt tatsächlich keine Angebote. Oder die Verantwortlichen haben die Geheimhaltung optimiert. Oder aber entsprechende Gerüchte interessieren die Presse nicht so wie beispielsweise Aubas China Connection – es geht ja nicht gerade um unsere Kronjuwelen.

Die Vergangenheit lehrt uns, dass Möglichkeit 1 nicht unwahrscheinlich ist. Einen Riesenkader gilt es aber unbedingt zu vermeiden. Dass jetzt jedoch Dzenis Burnic leihweise zum VfB Stuttgart geht und Felix Passlack vermutlich nur bleibt, weil sich Raphael Guerreiro doch den Knöchel gebrochen hat, hinterlässt auch kein gutes Gefühl.

Einer meiner Wechselkandidaten wäre ja André Schürrle, unser Rekordeinkauf. Der hat sich nun ausgerechnet über Thomas Tuchel kritisch geäußert, als dessen Spezi und Wunschspieler er doch galt. Nun kann entweder das übertrieben dargestellt gewesen sein oder sich Schürrles Meinung eilig geändert haben. Abgesehen davon, dass es nie eine gute Entscheidung ist, der SportBild ein Interview zu geben: Dass Tuchel ihn nach den Leistungen der letzten Saison nicht zum Stammspieler gemacht hat, ist absolut nachvollziehbar. Bei diesem Transfer hatten wohl alle beteiligten Dortmunder vor allem das Prädikat „Nationalspieler“ vor Augen.

Die Dilemmas des BVB

Kann doch nicht so schlimm sein, oder? Wollen wir wirklich von Problemen reden, nachdem Borussia Dortmund Testspiele gegen PSV Eindhoven und Standard Lüttich mit 4:1 respektive 3:0 gewonnen hat? Noch dazu ohne Pierre-Emerick Aubameyang. Womit wir beim ersten Thema wären, dass den BVB medial im neuen Jahr begleitet. Die beiden Partien während des Trainingslagers in Spanien waren natürlich NUR Vorbereitungsspiele und Auba wird auch zum Rückserienauftakt noch fehlen. Schließlich spielt er mit Gabun den Afrika-Cup.

Man muss die Winterloch-Spekulationen über Mega-Angebote aus China nicht ernst nehmen. Wichtiger ist die Frage: Wie stellt sich die Borussia im Sturm auf, wenn Aubameyang nicht da oder gar verletzt ist? Dass mir jetzt niemand von Götze als falscher 9 anfängt. Standardmäßiger Ersatz für unsere Nummer 17 ist Adrian Ramos. Doch genau diese Rolle behagt dem Kolumbianer nicht mehr und man kann das ein Stück weit nachvollziehen. Die China-Gerüchte um ihn scheinen deutlich plausibler zu sein.

So könnte es also sein, dass die Schwarz-Gelben Ende des Monats vorübergehend ohne zwei Stürmer da stehen. Das wäre kein Weltuntergang, denn natürlich kann Ousmane Dembélé Mittelstürmer spielen und auch Marco Reus ist torgefährlich. Bleibt zu hoffen, dass beide sich schnell von ihren Wehwehchen erholen. Trotzdem müsste Ramos perspektivisch ersetzt werden – ob noch im Januar oder im Sommer. Der Idealfall wäre eine Perspektivlösung, die Erfolg innerhalb eines Jahres verspricht, ohne sofort einschlagen zu müssen. Also mal wieder der Spieler kurz vor dem großen Sprung, den alle Vereine der 1B-Kategorie suchen. Schön wäre es, zumindest gelegentlich wieder mal einen Angreifer aus dem eigenen Nachwuchs zu sehen.

Erst heute ist ein Thema wieder aufgepoppt, das noch kontroverser diskutiert werden dürfte. Ömer Toprak hat im Trainingslager von Bayer Leverkusen bestätigt, dass er den Verein am Saisonende verlassen möchte. In seinem Vertrag gibt es eine Ausstiegsklausel über 12 Millionen Euro. Der Kicker will wissen, dass der 27-jährige Innenverteidiger nach Dortmund kommt. Hans-Joachim Watzke hat das letzten Sommer ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Doch aktuell gibt es dazu keine Äußerungen vom Verein oder vom Spieler.

Sicher ist der Wechsel aber nicht so unwahrscheinlich, dass er nicht zu diskutieren wäre. Er hätte mehr als einen Hauch von Halbherzigkeit an sich. Will man Bartra als Hummels-Nachfolger aufbauen, Bender als tollen Typen weiter in der Mannschaft haben und Ginter nicht verlieren, macht der Toprak-Transfer wenig Sinn. Nur wer knallhart sagt, dass diese drei nicht mit dem türkischen Nationalspieler mithalten können – eine gewagte Behauptung – vertritt eine nachvollziehbare Linie.

Götzes Rückkehr

Es war nicht das Westfalenstadion, sondern nur die Cashpoint-Arena in Altach (oder viel hübscher: das Schnabelholz). Mario Götze wird es nicht unrecht gewesen sein, dass sein erster Auftritt in schwarz-gelb nach seinem Münchener Seitensprung fernab der Heimat stattfand. Die Rückkehr verlief sehr unspektakulär: Größere Reaktionen der Zuschauer auf Götzes Einwechslung nach 67 Minuten im Testspiel gegen den Premier League-Klub AFC Sunderland blieben aus. Anschließend war von der Nummer 10 kaum etwas zu sehen. Die ebenfalls in der zweiten Hälfte eingewechselten Neuzugänge André Schürrle und Emre Mor fielen deutlich mehr auf.

Der AFC Sunderland, unter dem neuen englischen Nationaltrainer Sam Allardyce knapp dem Abstieg entronnen, wird nun vom ehemaligen Man United-Trainer David Moyes angeleitet. Neue Spieler wird der neue Mann auf der Bank in den nächsten Wochen suchen; seine erste Verpflichtung war gestern der letzte Saison an Werder Bremen ausgeliehene Verteidiger Papy Djilobodji vom FC Chelsea. Gegen Dortmund gelang es den „Black Cats“ am Freitag, die Zahl der gegnerischen Großchancen überschaubar zu halten. Selber nach vorne aktiv wurden die Nordostengländer jedoch selten. In Erinnerung bleiben vor allem Roman Weidenfellers elfmeterverdächtiges Tackling gegen Duncan Watmore bei der ersten Aktion des Keepers sowie Sunderlands Ausgleich durch Kone nach einem Freistoß von links.

David Moyes wird dennoch sicher zufrieden sein; Thomas Tuchel war es nicht ganz. Die Ansätze sind da – erneut zu sehen etwa bei Dembélé. Manche Spieler zeigen starke Frühform – etwa Gonzalo Castro. Doch die Überlegenheit gegen ein mit einem durchschnittlichen Bundesligisten vergleichbares Team wie Sunderland muss besser ausgespielt werden. Im Idealfall gelingt das, wenn nicht mehr munter durchgewechselt werden darf und die besten Elf auf dem Platz stehen. Selten wird die Aufstellung so spannend wie beim ersten Ligaspiel der neuen Saison gegen Mainz.

Nach diesem Beitrag ist bei Any Given Weekend erst mal zwei Wochen Pause wegen Urlaubs. Hier geht es weiter nach dem Pokalspiel am 22. August.

Dortmund verpflichtet Schürrle, doch noch zaubern andere

Nun sind die ziemlich besten Freunde vereint: Nach Mario Götze hat Borussia Dortmund wie erwartet auch André Schürrle verpflichtet. Der 25-jährige Nationalspieler kommt für rund 30 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2021. Schürrle wird damit zum Rekordtransfer des BVB und muss allein schon deshalb erst mal die Fans überzeugen.

Eine Offensivreihe mit Reus, Götze und Schürrle in Bestform lässt einiges erwarten, keine Frage. Es bleibt nur zu hoffen, dass die anderen, teilweise jüngeren Spieler eine faire Chance bekommen. Auch ohne die drei Genannten machten die Schwarz-Gelben heute beim Champions Cup in Shanghai gegen Manchester United (4:1) viel Spaß. Aubameyang zeigte sich in Spiellaune und könnte mit Ousmane Dembélé ein tolles Offensiv-Duo bilden. Letzterer zeigte beim schönen 3:0 Dribbel- und Schussqualitäten.

Gar zwei Tore gelangen Gonzalo Castro: ein Abstauber in der ersten Hälfte und ein Traumschuss aus rund 18 Metern von halbrechts ins lange Eck einige Minuten vor Schluss. Gerade Castro hätte mMn mehr Startelfeinsätze verdient und könnte einer der Leidtragenden der ambitionierten Transferpolitik werden.

Um eins klar zu sagen: Auftritte wie der in Shanghai, und sei es nur ein Testspiel, machen Lust auf die neue BVB-Saison. Andererseits müssen zuvor die Vereinsverantwortlichen noch beweisen, dass sie den Kader auch schlanker machen können. Dabei sind Entschlossenheit und Fairness gefragt. Vor allem aber ist man auf Angebote angewiesen – keine einfache Aufgabe.

Ein Grund zur Freude

Borussia Dortmund hat den ersten Doppelpack in einer langen Serie von Testspielen bis Ende August absolviert. Wie meistens waren unterklassige Klubs aus der Region die Gegner. 5:2 bei der Spvgg Erkenschwick und 2:0 beim Regionalligisten Wuppertaler SV lauten die Resultate. Vier bzw. fünf Tage nach dem Start in die Vorbereitung wählte Thomas Tuchel für beide Partien die gleiche Herangehensweise: In der ersten Halbzeit ließ er eine stark besetzte Startelf auflaufen, die nach der Pause nahezu komplett ersetzt wurde.

Insofern waren die jeweils ersten 45 Minuten hinsichtlich der kommenden Saison die interessanteren. Von den Spielern, die bereits aus dem Urlaub zurück sind, konnten etwa Gonzalo Castro sowie Felix Passlack mit guter Frühform überzeugen und trafen beide. Aber bereits nach drei Minuten in Oer-Erkenschwick stach einer heraus, auf den man wohl ohnehin am gespanntesten war: Ousmane Dembelé erzielte das 1:0 und zeigte danach in beiden Partien, zu was er – hoffentlich auch höherklassig – fähig ist. Einige feine Dribblings, präzise Pässe, gutes Spiel über außen – auf den neuen Neunzehnjährigen können wir uns wirklich freuen.

Ein 27-Jähriger fehlte: Neven Subotic hat von der Borussia die Erlaubnis bekommen, sich um Vertragsverhandlungen mit anderen Vereinen zu kümmern. Es scheint beträchtliches Interesse zu bestehen – nicht nur aus Köln, sondern angeblich auch von mehreren Vereinen aus der Premier League. Arsenal soll bereits ein Angebot abgegeben haben. Ich würde Neven am liebsten beim FC Middlesbrough sehen, der gerade aufgestiegen ist. Ebenfalls unbestätigten Gerüchten zufolge soll unser Innenverteidiger sich bereits das Riverside Stadium angesehen haben.

Wo auch immer Neven landet – sein Weggang erzeugt Wehmut. Erinnerungen kommen hoch an die größten Erfolge der Klopp-Ära und die Feiern danach. Und natürlich ist er auch einfach ein feiner Kerl, soweit man das als Fan beurteilen kann. Wenn es jetzt für die Premier League reicht, die Neven wohl tatsächlich reizen würde, wäre das tröstlich.

Der bevorstehende Abschied ist mMn allerdings auch kein Grund, lange in Nostalgie zu verfallen. Die Borussia wird die Fußballwelt nicht grundlegend ändern können – wir müssen das Beste daraus machen. Dahingehend hat der Verein schon einiges getan. Es gibt viele Gründe, sich auf die neue Spielzeit zu freuen. Wer Veränderungen zulässt und annimmt, kann sich auch an der nun entstehenden Spannung erfreuen. Allerdings müssen Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nicht nur einen Mkhitaryan-Nachfolger finden, sondern auch noch Spieler verabschieden – vielleicht sogar die schwierigere Aufgabe.

Ist der BVB bereit für die Rückrunde?

Zwei Testspielsiege mit je vier erzielten Toren – einer davon überzeugend gegen Ligakonkurrent Eintracht Frankfurt, einer spielerisch scheinbar mittelmäßig gegen Jeonbuk FC aus Südkorea. Auf den ersten Blick hat sich das Trainingslager in Dubai sportlich ausgezahlt, aber das wäre in Spanien wohl nicht anders gewesen. Moralisch war die Entscheidung für das Land in den Emiraten mindestens diskussionswürdig.

Die Hauptfrage, die die Fans nun nach der Rückkehr und vor dem letzten Vorbereitungsspiel (Dienstag, 19.05 Uhr in Essen gegen Sparta Prag) bewegt, ist natürlich die nach Neuzugängen. Hofmann und Januzaj sind weg und intern scheint Trainer Tuchel ganz deutlich gemacht zu haben, dass er Verstärkung will. Als „absolut notwendig“ hat er sie öffentlich bezeichnet. Tatsächlich ist vor allem die Situation im Sturm prekär, wenn man sich mal vorstellt, Aubameyang würde längerfristig ausfallen. Ob Adrian Ramos dann wirklich die Erwartungen erfüllen könnte?

Zuletzt ist vor allem der Name Yunus Malli, bester Torschütze von Mainz 05, gefallen. Von einem Interesse der Borussia kann man getrost ausgehen. Im Sommer soll der Deutsch-Türke eine Ausstiegsklausel haben, im Winter wäre er wohl deutlich teurer. Außerdem gibt es angeblich weitere Interessenten, nicht nur aus der Nachbarschaft. Ein klassischer Stürmer ist Malli zudem nicht.

Doch der BVB möchte sich scheinbar auch im offensiven Mittelfeld verstärken. Auf den Außenbahnen ist das sogar halbwegs nachvollziehbar. Nach Reus und Miki tut sich doch eine gewisse Qualitätslücke auf. Andererseits kann auch Kagawa außen spielen und mit Piszczek sowie vor allem Durm hat man weitere Alternativen. Trotzdem, gegenüber den eher überbesetzten zentralen Positionen wäre hier vielleicht noch ein Platz frei im Kader. Zumal wir auf (den natürlich auch eher zentral spielenden) Nuri Sahin noch eine Weile warten müssen.

Neben Malli wurde zuletzt aus dem Hause Springer wieder der Name Andriy Yarmolenko ins Spiel gebracht. Doch der Rechtsaußen hat kürzlich seinen Vertrag bei Dynamo Kiew bis 2020 verlängert und auf Transfermarkt.de einen Marktwert von 25 Millionen. Das ist kein Deal, den der BVB im Winter machen würde. Eher taucht da noch ein ganz anderer Name auf. Oder Ramos geht als Zugabe zu einer Ablösesumme für Malli nach Mainz. Obwohl solche Deals in der Regel der Fantasie von Journalisten entspringen. Doch in diesem Fall scheint zumindest das Mainzer Interesse an Adrian in der Vergangenheit verbürgt.

Wer auch immer bald in Dortmund auftaucht, die Borussia kann frohen Mutes in die Rückserie gehen. Ohne Verletzungsmisere haben die Schwarz-Gelben auch jetzt schon einen Kader beisammen, der den Aufgaben absolut gerecht werden kann.

Die Woche vor der Wahrheit

In sieben Tagen bestreitet Borussia Dortmund das erste Pflichtspiel der Saison 2015/16. Nach Wolfsburg kommt nun Wolfsberg – der österreichische Erstligist hat sich in der 2. Qualifikationsrunde der Europa League auch im Rückspiel gegen Salihorsk durchgesetzt. Wie weit sind die Schwarz-Gelben eine Woche vor der wichtigen Partie in Klagenfurt?

Hauptberufliche BVB-Beobachter haben in den letzten Wochen vor allem die Unterschiede in den Arbeitsweisen und Inhalten von Thomas Tuchel und Jürgen Klopp betont. Häufiger wurde dabei angeführt, dass der neue Trainer mehr am Ballbesitzspiel arbeiten und ein leicht verändertes System, 4-1-4-1, einüben lässt. In dieser Variante gibt es keinen klassischen Achter – Ilkay Gündogan, Nuri Sahin oder ein noch offensiverer Vertreter würden nach vorne gezogen. Auch ein System mit zwei Stürmern sei vorstellbar, hört man.

In der Praxis zeigte die Borussia ein unglückliches Spiel mit guten Ansätzen beim Nachbarn in Bochum (1:2) und eine offensiv sehr ansehnliche Partie in Bad Ragaz gegen Luzern (4:1). Vorne scheint es mehr und mehr zu stimmen. Es wird spannend zu sehen sein, ob der wieder ins Mannschaftstraining eingestiegene Adrian Ramos, den Tuchel früher schon einmal verpflichten wollte, auf dieser positiven Welle mitschwimmen kann. Anderenfalls dürften die sicher schwierigen Bemühungen um einen vernünftigen Stürmer zu einem vernünftigen Preis doch noch mal intensiviert werden. Der Trainer schätzt die Personalsituation auf der Position als eng ein.

Noch nicht sattelfest wirkt die Viererkette. Hier ist noch kein neues Personal in Sicht und auch noch nicht klar, wer außer Hummels Stammspieler wird. Beide der letzten Gegner bereiteten dem BVB gelegentlich Probleme bei schnellen Gegenstößen – was natürlich auch dem Stand und der Mühe der Vorbereitung geschuldet sein kann. Weiterhin scheint man aber eine Verstärkung auf den Außenpositionen nicht als vorrangig anzusehen.

Nachdem glücklicherweise nach und nach alle Akteure auf den Trainingsplatz zurückkehren, hat die Borussia vor allem im Mittelfeld ein Überangebot. Trotz seines Testspieltors sollte Moritz Leitner der erste Abgabekandidat sein. Gespannt bin ich, wie Thomas Tuchel mit ‚Kuba‘ Blaszczykowski plant.

Eine Woche bis zur Europa League. In der man wiederum in einer Woche ganz schnell für miese Stimmung sorgen kann. Wovon aber nicht auszugehen ist, denn die Ansätze sind unter Tuchel durchaus ansehnlich. Doch die Wahrheit sind sie eben nicht.

Pop-up Ilkay

In Berlin sind sie gerade ziemlich angesagt: Geschäfte, die sich für einen temporären Zeitraum an einem Ort niederlassen, um dort manchmal durchaus besondere Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Die Betreiber der Pop-Up Stores entscheiden sich in der Regel für diese Lösung, weil sie keine besseren Räumlichkeiten finden oder nicht vorhaben, sich langfristig zu binden.

Ganz ähnlich liegt der Fall Ilkay Gündogan – und die Überschrift ist gar nicht mal despektierlich gemeint. Zum Ausprobieren sind diese temporären Shops sowohl für Käufer wie für Verkäufer ja ideal. Ebenso könnte sich die Vertragsverlängerung des 24-jährigen Nationalspielers für den BVB entwickeln. Zwar hat Ilkay nur für ein weiteres Jahr, also bis Juni 2017, unterschrieben. Damit sind auch seine Aussagen über Thomas Tuchels überzeugendes Konzept weitgehend obsolet. Gündogan hat natürlich vor, bald zu einem vermeintlich größeren Verein zu wechseln. Doch die Borussia kann ihn nun nach einer im Idealfall besseren Spielzeit womöglich teurer verkaufen und bekommt mindestens so viel geboten wie vom Neu-Schalker Geis.

Dass die Sache besonders für Ilkay und von seinem Camp aus unglücklich gelaufen ist, steht außer Frage. Wie groß der sportliche Verlust bei einem Weggang gewesen wäre, darüber kann man sich trefflich streiten. Den genialen Spieler, für den manche Gündogan halten, habe ich auch vor der abgelaufenen Saison nur sporadisch gesehen. Klar, da ist schon richtig viel Qualität vorhanden, aber ist er ein echter Gamechanger?

Man sollte die Personalie also mit der gebotenen Gelassenheit betrachten. Es gibt ja noch andere Neuigkeiten: Milos Jojic steht laut Kicker unmittelbar vor einem Wechsel zum 1. FC Köln – für eine Ablöse von rund drei Millionen Euro. Zwar ist auch ihm mehr zuzutrauen als in der missratenen letzten Spielzeit, aber die Borussia muss schlicht und einfach ihren Kader verkleinern. Es dürfte also für beide Seiten die derzeit beste Lösung sein.

Des Weiteren hat der BVB drei junge, nach vorne orientierte Spieler verpflichtet – zunächst einmal für die in die Regionalliga West abgestiegene U23. Vom Oberligisten Westfalia Rhynern kommt Philipp Hanke (22 Jahre), aus der Jugend von Real Madrid Agoney Gonzalez Perez (20) und von NK Domzale aus Slowenien Alen Ozbolt (19). Natürlich dürften besonders die internationalen Verpflichtungen auch im Hinblick auf eine spätere Beförderung getätigt worden sein.

Und dann war heute noch der offizielle Saisonauftakt an der Strobelallee, nachdem Tuchels schwarz-gelbe Jungs schon am Freitag ihr erstes Testspiel beim Siebtligisten VfL Rhede mit 5:0 gewonnen hatten. Es geht wieder los … und es wird noch einiges passieren.

Sind wir gut drauf?

Dortmund nach Utrecht und Düsseldorf – und wir sind, wie meistens nach Testspielen, nicht wirklich schlauer. Unter der Woche zeigten die Schwarz-Gelben in den Niederlanden eine ansprechende Leistung und Neuzugang Kevin Kampl traf zum ersten Mal. Der kurzfristig angebotene Livestream wurde einem allerdings durch die penetrant nervige Opel-Werbung von Kommentator Nobby Dickel verleidet.

Doch es machte mehr Spaß zuzuschauen als am Samstag. Denn gegen den Tabellensechsten der zweiten Bundesliga waren Muster zu erkennen, die deutlich an die BVB-Auftritte der Hinserie erinnerten. Probleme beim Erarbeiten von Chancen gegen eine kompakte, tief stehende Abwehr. Probleme, bei schnellen Gegenstößen der Fortuna selbst hinten nah genug am Mann zu bleiben. Und – zumindest während der Begegnung – ein neues Verletzungsproblem: Ilkay Gündogan wurde bereits nach 28 Minuten ausgewechselt und hielt sich beim Gang in die Kabine den Oberschenkel.

Jürgen Klopp hatte nach den Ausfällen von Kehl und Bender auf ein offensives zentrales Mittelfeld mit Ilkay und Nuri Sahin gesetzt. Ob diese Besetzung nun wieder gesprengt ist, bleibt abzuwarten. Nach derzeitigem Stand war der Wechsel in Düsseldorf eher eine Vorsichtsmaßnahme; Gündogan könnte kommenden Samstag in Leverkusen durchaus zur Verfügung stehen. Ob Klopp gegebenenfalls diese Variante wählen wird? Eigentlich ist das auswärts gegen ein spielstarkes Team kaum vorstellbar – wobei Ilkay für das Offensivspiel, die öffnenden Pässe nach der gestrigen Partie unverzichtbar erscheint. Das vielversprechende Duo Reus/Kampl benötigt beim Spielaufbau seine Unterstützung.

Bei allen Fragezeichen hinter Matthias Ginter gibt es nächste Woche keinen Grund, ihm Nuri Sahin vorzuziehen. Denn eine zusätzliche Absicherung für die immer noch nicht sattelfeste Defensive scheint fast genauso unverzichtbar wie Ilkays Einsatz. Die Probleme in der Außenverteidigung waren auch gestern zu sehen und Mats Hummels war ebenfalls wieder mit einem unnötigen Fehlpass dabei. Nun sprach Jürgen Klopp nach der Partie von mangelnder Frische wegen des intensiven Trainings – diese Theorie gilt es am Samstag zu bestätigen.

Im offensiven Mittelfeld sollte der Trainer dafür dann die Qual der Wahl haben. Henrikh Mkhitaryan wurde nach seiner Verletzung gestern eingewechselt, Shinji Kagawa ist mit Japan aus dem Asien-Cup ausgeschieden und ‚Kuba‘ Blaszczykowski holte in Düsseldorf einen 50:50-Elfmeter heraus und verwandelte ihn zum Ausgleich. Großkreutz und Jojic sind weitere mögliche Ergänzungen für die sicher gesetzten Reus und Kampl.

Im Moment ist die Spannung ebenso groß wie die Vorfreude auf die Rückserie. Ob sich die Borussia nach den jüngsten Eindrücken allerdings wirklich zeitnah aus der Abstiegszone verabschieden wird, halte ich für keineswegs ausgemacht – da wirkt die Vorsicht eines Aki Watzke schon realistisch.

Es geht wieder los: Kehl vier Wochen weg

Nach drei Tagen kam die endgültige Diagnose: Ex-Kapitän Sebastian Kehl hat sich im Testspiel von Borussia Dortmund gegen Steaua Bukarest eine Schultereckgelenkssprengung zugezogen. Die Verletzung soll konservativ behandelt und nicht operiert werden – dennoch wird der defensive Mittelfeldspieler den Schwarz-Gelben rund vier Wochen fehlen. Damit fallen die 1A- und 1B-Besetzung der ‚6er‘-Position für den Rückrundenauftakt aus, denn auch Sven Bender wird wohl die ersten zwei Partien verpassen, die ja am Samstag, den 31.1. und Mittwoch, den 4.2. anstehen.

Das Jahr fängt somit für die Borussia auch personell nicht so sorgenfrei an wie erhofft. Erste Spekulationen über Nachverpflichtungen sind aufgetaucht, unterfüttert mit der Bemerkung, Kehl und Bender seien nun mal recht anfällig. Doch abgesehen davon dass die BVB-Verantwortlichen nicht für Schnellschüsse bekannt sind, stellt sich die Situation auch beherrschbar dar. Bender könnte schon am 19. Spieltag zurückkehren. Und außerdem steht mit Oliver Kirch eine Alternative parat, die nach wie vor von zu vielen Beobachtern übersehen wird. Auch ein selbstbewussterer Matthias Ginter wäre im defensiven Mittelfeld denkbar.

Die ‚6‘ war zudem keine Schlüsselposition bei des Rätsels Lösung, was den BVB die Hinserie gekostet hat. Deshalb muss der Verein jetzt nicht handeln – es sei denn, es steht plötzlich der Kehl-Nachfolger vor der Tür. Sorgen macht eher, dass das Verletzungspech die Schwarz-Gelben ganz allgemein wieder zu ereilen scheint. Im Fall Kehl lag es nicht mal an zu hoher Belastung. Unsere Nummer 5 fiel unglücklich – im ‚Zweikampf‘ mit Mats Hummels.