Schwarz-gelbes Status-Update

30 Spieltage vorbei, 4 to go – höchste Zeit für ein Update in Sachen Borussia Dortmund, nachdem ich die letzten Spiele alle nur teilweise verfolgen konnte. Es bleibt eine Spielzeit des Auf und Abs. Mit einigen extremen Ausschlägen – Partien, wegen denen man die Schwarz-Gelben als bipolar bezeichnen könnte. Wie kriegt man sonst das 1:4 gegen die Leipziger Fußball-Konstrukteure und das 6:1 gegen Wolfsburg zusammen? Es fällt zumindest schwer – trotz aller Form- und Qualitätsunterschiede bei den Gegnern.

Aus Borussen-Sicht darf 2021/22 lieber früher als später enden. Gefühlt haben schon jetzt das Thema Neuaufbau und aktuelle Transfergerüchte einen höheren News-Stellenwert als das kommende Auswärtsspiel beim FC Bayern. Im Fokus steht derzeit die künftige BVB-Abwehr, die u.a. aus den deutschen Nationalspielern Niklas Süle und Nico Schlotterbeck bestehen könnte. Doch zum einen hat der 22-jährige Noch-Freiburger Schlotterbeck gestern gegenüber Sky eine Einigung mit dem BVB oder einem anderen Verein ausdrücklich dementiert und will sich erst nach Saisonende festlegen. Zum anderen hat das Beispiel Götze/Schürrle gezeigt, das aus einem dynamischen Nationalmannschafts-Duo nicht unbedingt ein schwarz-gelber Volltreffer wird.

Worin sich BVB und Bayern ähneln

Der Blick auf den FC Bayern lohnt sich vielleicht nicht hinsichtlich tagesaktueller Fakten wie Personalsituation oder Ergebnisprognosen. Vergleicht man jedoch die bisherige Spielzeit des Tabellenersten und -zweiten, zeigen sich interessante Parallelen. Beide Klubs sind in den nationalen wie internationalen Pokalwettbewerben deutlich hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben. Beide Klubs stehen in der Bundesliga auf dem Tabellenplatz, mit dem sie am Ende zufrieden wären. Aber in der Summe überwiegen wohl die negativen Eindrücke, die kritischen Stimmen. So dass im Umfeld der Bayern genauso wie in Dortmund Umbauten im Kader angemahnt werden.

Trotz manch verpasster Ziele dürften beide Vereinsführungen den Trainern Marco Rose und Julian Nagelsmann das Vertrauen für 2022/23 aussprechen. Weil man sie jeweils für dynamisch, progressiv sowie für Verfechter eines attraktiven Spielstils hält. Und deshalb an höhere Erfolgsaussichten im zweiten Anlauf glaubt. Gesprochen wird auch über den Verbleib der jeweiligen Stürmer-Stars, wobei die Bayern bei Robert Lewandowski natürlich bessere Karten haben als der BVB bei Erling Haaland.

Nun will es der Spielplan so (und vielleicht wollten es auch die Spielplaner), dass der FC Bayern am 31. Spieltag, natürlich am Samstagabend um 18.30 Uhr, gegen die Borussia die Meisterschaft perfekt machen kann. Dazu reicht den Hausherren aufgrund der überlegenen Tordifferenz im Grunde ein Punkt. Doch es wäre für die Roten in einer höhepunktarmen Saison wohl ein Ersatz-Highlight, wenn der gewohnte Meistertitel wenigstens mit einem Sieg zuhause gegen den vermeintlichen Rivalen aus Dortmund eingefahren würde. Deswegen ist es außerordentlich unwahrscheinlich, dass den Schwarz-Gelben dort ausgerechnet jetzt der erste Punktgewinn seit acht Jahren gelingt. Da müssen wir jetzt auch noch durch.

Sind hier die guten Investoren?

Der Krieg in der Ukraine und die aus ihm folgenden Sanktionen gegen russische Oligarchen wie Roman Abramowitsch haben in England eine Debatte verstärkt, die durchaus schon geführt wurde, aber noch nicht mit der nötigen Intensität: Welche Voraussetzungen sollte der Besitzer/die Besitzerin eines Fußballklubs erfüllen müssen und wie sollten die Besitzverhältnisse generell strukturiert sein? Der Fall Newcastle United und noch mehr die jetzige Ungewissheit um Chelsea könnten – bei all den schrecklichen Hintergründen – den positiven Effekt haben, dass diese Diskussion nun unwiderruflich in Gang kommt.

Gibt es noch das „gute Geld“ im englischen Fußball? Bekanntlich existieren im Mutterland des Sports im Profibereich schon lange ganz andere Strukturen als in der deutschen Bundesliga oder gar im hiesigen Vereinswesen. Doch inzwischen ist auch der wohlhabende und -wollende, aus der Region stammende Klubbesitzer früherer Prägung rar. Die Besitzverhältnisse in den oberen Ligen sind internationaler geworden; eine Affinität zum Heimatort eines Vereins müssen viele Klubführungen erst von sich aus herstellen. Manche überzeugen dabei, manche weniger.

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Was der BVB jetzt tun müsste…

… aber größtenteils nicht kann. Auf der einen Seite ist es paradox: Da ist Borussia Dortmund mit fünf Punkten Vorsprung Zweiter und im Pokal haben die Schwarz-Gelben ebenfalls gute Karten. Aber trotzdem reden wir – nicht nur hier – davon, was alles besser werden muss. Denn das ist nun mal das Los als vermeintlich zweite Kraft in Deutschland: Schon wieder neun Punkte Rückstand auf die Bayern und das vorzeitige Aus in einer machbaren Champions League-Gruppe kannst du schwer als vollen Erfolg verkaufen. Und schon am Samstag geht es weiter: Die Schwarz-Gelben fahren nach Frankfurt – zur Eintracht, die sich zum Ende der Hinserie auf den sechsten Platz vorgearbeitet und wettbewerbsübergreifend in den letzten zehn Partien nur einmal verloren hat. Was muss, was kann die Borussia ändern, um in Liga, Pokal und Europa League auf Kurs zu bleiben?

Schneller werden

Der BVB hat schnelle Spieler in seinen Reihen. Allen voran in seiner Verbindung von Geschwindigkeit und Effektivität natürlich Erling Haaland. Aber auch Giovanni Reyna und Youssoufa Moukoko können mit ihrer Top Speed punkten – wenn sie denn fit sind. In der Offensivabteilung stehen weitere Akteure, die so manchem Gegenspieler davonlaufen können. Das Problem: Wichtigen Defensivleuten passiert es auch mal, dass ihnen jemand davonläuft. Mats Hummels, der ohnehin keine fehlerfreie Hinserie spielte, ist nicht (mehr) der Schnellste. Axel Witsel ist in der zügigen Rückwärtsbewegung immer wieder überfordert. Die Außenverteidiger Schulz und Meunier schaffen es nicht, schnell genug zurückzulaufen und dann noch entscheidend eingreifen zu können, ob auf dem Flügel oder weiter innen.

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Knackiger Auftakt für den BVB

Selbst wenn ich den Termin vorher nicht auf dem Schirm hatte: Nun ist er raus, der neue Bundesliga-Spielplan, und selbstverständlich wie jedes Jahr Thema bei Any Given Weekend. Diesmal gibt es wohl keine zwei Meinungen, dass Borussia Dortmund ein eher anspruchsvolles Auftaktprogramm zugeteilt bekommen hat. Die ersten fünf Spieltage sind:

  1. Eintracht Frankfurt (H)
  2. SC Freiburg (A)
  3. TSG Hoffenheim (H)
  4. Bayer Leverkusen (A)
  5. Union Berlin (H)

Der BVB startet daheim – das ist sicher ein Vorteil. Allerdings landeten die fünf Gegner in der vergangenen Saison alle unter den Top 11 der Liga. Und noch mehr Respekt flößen die Ergebnisse dieser fünf Partien ein: Aus ihnen holten die Schwarz-Gelben 2020/21 nur vier Punkte. Klar, neue Saison, neuer Trainer, neue Spieler, neues Glück. Doch zumindest der Blick in die jüngste Vergangenheit spricht dafür, dass die Borussia hier von Anfang an hellwach sein muss.

Als Nächstes habe ich für ein paar Sekunden nach dem Derby gesucht, bis es mir wieder einfiel. Aber dafür spielt der BVB Mitte Dezember, am 15. Spieltag, mal wieder im Ruhrstadion in Bochum. Der Meister kommt am Spieltag zuvor nach Dortmund. Der alte Club des neuen Trainers Marco Rose lädt schon am 6. Spieltag zum Borussen-Duell. Sehr angenehm: Auch das letzte Spiel am 14. Mai bestreiten die Schwarz-Gelben zu Hause, gegen Hertha BSC.

Man sollte die Bedeutung des Spielplans nicht überhöhen, aber gerade nach einem Trainerwechsel stellt solch ein Saisonauftakt eine Herausforderung dar. Bis dahin vergehen allerdings noch einige Tage, ein Länderspiel in Wembley und sicher einige Transferaktivitäten.

BVB 2020/21: Die Spielernoten

Abwechslungsreich war sie, diese schwarz-gelbe Spielzeit – darauf können sich wohl alle Beobachter einigen, egal ob sie ansonsten eher das letztendliche Erreichen aller offiziellen Ziele oder den großen Abstand zum Meister hervorheben. Einig sind sich alle sicher auch darin, dass wir eine solche Saison fast ohne Fans nicht wieder brauchen – um das sicherzustellen, sind wir alle gefragt. Bei den Leistungen der BVB-Spieler ist eine große Bandbreite festzustellen. Im Zeugnis werden nur die berücksichtigt, die über alle Wettbewerbe mindestens zehn Einsätze und 400 Spielminuten absolviert haben. Die Notenskala reicht von 1 bis 10 (Topwert).

Tor

Roman Bürki: Der Schweizer wirkte unsicherer als in den Spielzeiten zuvor. Das ist aber ein eher subjektiver Eindruck. Die Zahl grober Patzer blieb sehr überschaubar. Bürki war allerdings auch kein Stabilitätsfaktor und hielt vor allem die Bälle, die man halten muss. Die paar Auftritte, die er am Ende der Saison noch hatte, waren wiederum überzeugend. 5 P.

Marwin Hitz: Ende Januar ersetzte der drei Jahre ältere Schweizer Hitz seinen Landsmann Bürki im Tor. Einige Unterschiede waren festzustellen: Hitz versuchte tatsächlich, weitestgehend ohne Abschläge und nur mit Pässen und Abwürfen auszukommen. Das sah manchmal etwas riskant aus, blieb allerdings ohne größere negative Folgen. Dafür leistete sich der Schweizer in den ersten Wochen einige Missgeschicke. Danach stabilisierte er sich, ohne eine große Zahl von Glanztaten zu vollbringen. Ein Qualitätsunterschied zu Bürki? Schwer festzumachen. 5 P. Weiterlesen „BVB 2020/21: Die Spielernoten“

Das Ende der Super League und die Folgen

Das Scheitern war spektakulär: Nur zwei Tage, nachdem zwölf europäische Topvereine die Gründung einer Super League angekündigt hatten, ist das Projekt an einer Mauer des Widerstands zerbrochen. Alle sechs englischen Clubs haben sich zurückgezogen, ebenso Atletico und Inter. Am ehesten stehen noch Real Madrid und Juventus, die Clubs der mutmaßlichen Initiatoren Florentino Perez und Andrea Agnelli, hinter dem Plan. Doch Agnelli hat nun laut Reuters eingeräumt, dass die Super-Liga ohne die englischen Vertreter nicht funktionieren wird. Dass dieser Coup so schnell in sich zusammenfallen würde, hätten wohl nicht mal die kühnsten Optimisten gedacht. Auch ich hatte mit einer monatelangen, auch juristischen Auseinandersetzung gerechnet. Ausschließen kann man inzwischen, dass es sich nur um ein Manöver zur Ablenkung von der Champions League-Reform handelte – aufgrund des Vorgehens der Verschwörer erscheint das heute absurd.

Die wenigsten Fans werden alle Gegner der Super League sympathisch finden. Es war dennoch wichtig, dass sie alle zusammenstanden: Alexander Ceferins UEFA, Gianni Infantinos FIFA, Boris Johnsons Regierung, die nationalen Fußballverbände, darunter der DFB mit Fritz Keller und Rainer Koch, der BVB, FCB und PSG, die eine Einladung zur ESL ausschlugen, viele der betroffenen Spieler sowie natürlich und vor allem die Fans, gerade auch die der beteiligten Clubs. Alle haben eine klare, kompromisslose Botschaft an die Vereinsverantwortlichen der ESL gesendet; niemand ist von der harten Linie abgewichen. Wie lange diese Solidarität gehalten hätte, werden wir nun nicht erfahren – zum Glück. Bei allem, was den normalen Fan von den genannten anderen Akteuren trennt: Es ist gut zu wissen, dass es zumindest einen Minimalkonsens über die Grundwerte des Sports gibt. So bleibt auch ein wenig Hoffnung erhalten, dass Fußball das „beautiful game“ bleiben oder wieder werden wird.

Perez & Co inszenieren sich als Wohltäter

Ihre juristischen Hausaufgaben mag die ESL ja gemacht haben – zumindest glaubten ihre Vertreter das, aber die Wucht der öffentlichen Meinung wurde grandios unterschätzt. Die Solidarisierung ihrer eigenen Spieler und Trainer mit den Gegnern des Projekts, die ganz klaren Drohungen der nationalen wie internationalen Verbände sowie der britischen Regierung und die wütenden Fanproteste haben einen Verein nach dem anderen zum Einknicken gebracht. Als die erste Karte weggezogen wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Kartenhaus zusammenstürzte.

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European Super Greed

Es wird konkret: Zwölf Fußballvereine, oder eher -unternehmen, haben sich letzte Nacht öffentlich dazu bekannt, eine European Super League (ESL) gründen zu wollen – und zwar so bald wie möglich. Es handelt sich um Manchester City und United, FC Liverpool, FC Chelsea, Arsenal, Tottenham Hotspur, Real und Atletico Madrid, FC Barcelona, AC Milan, Inter sowie Juventus Turin. Zu diesen zwölf sollen drei weitere Clubs stoßen – alle diese Gründungsmitglieder wären in der ESL ständig dabei, also buchstäblich unabsteigbar. Fünf weitere Vereine könnten sich Jahr für Jahr qualifizieren; wer sich bewährt, der soll in den folgenden Jahren einfacher reinkommen. Diese Regelung ist jedoch noch nicht im Detail ausgearbeitet.

Die kompletten bis dato bekannten Details gibt es heute überall zu lesen, etwa im Kicker. Den Qualifikationsmodus schon fertig zu denken, wäre auch reichlich verfrüht – schließlich gibt es massiven Widerstand gegen die ESL von Verbänden, darunter UEFA und FIFA, Vereinen, Regierungen und Fans. Bis zum öffentlichen Bekenntnis der zwölf Gründungsmitglieder bin ich davon ausgegangen, dass das erneute Auftauchen der Pläne zu diesem Zeitpunkt die Opposition gegen die Reform der Champions League schwächen sollte. Schließlich steckte in derem schon beinahe durchverhandelten neuen Modus neben einer Inflation der Spielezahl auch die Qualifikation per Koeffizient drin: Zunächst zwei Teams sollten nicht nach aktueller sportlicher Leistung, sondern aufgrund früherer ‚Verdienste‘ ausgewählt werden. Diese Tatsache war zurecht zutiefst unpopulär bei den Fans, wird aber durch den „closed shop“ einer European Super League mit 15 Dauer-Teilnehmern völlig in den Schatten gestellt.

Das breitenwirksame Bekenntnis zur ESL macht eine Rückkehr der Abtrünnigen zu Gesprächen über die Champions League nun schwierig. Ist es also mehr als ein Täuschungsmanöver? So sehr es nach einem ernsthaften Unterfangen aussieht: Den zwölf Clubs dürfte klar gewesen sein, dass sie es mit einer im Fußball noch nie da gewesenen Front der Ablehnung zu tun bekommen werden. Blieben alle anderen Player konsequent, würden die ESL-Teilnehmer aus allen anderen Wettbewerben ausgeschlossen, vor allem den nationalen Ligen und Pokalwettbewerben. Außerdem dürften Spieler, die in der ESL auflaufen, keine Länderspiele mehr bestreiten. Sind die Beteiligten bereit für diese Konsequenzen oder hoffen sie doch auf eine Eingung mit der UEFA, auf einen Kompromiss, der noch über die geplante UCL-Reform hinausgeht? Weiterlesen „European Super Greed“

Niederlage gegen Frankfurt: Was wird aus dem BVB?

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 1 Eintracht Frankfurt 2

Sogenannte Sechs-Punkte-Spiele hat man womöglich mehrmals in einer Saison. Deutlich seltener sind Partien, die für einen Verein über die Spielzeit hinaus langfristig richtungweisend sein können. Die Heimniederlage des BVB gegen Eintracht Frankfurt hat das Potenzial dazu. Doch wie schlimm kann es kommen?

Keine frohen Ostertage für Schwarz-Gelb

Als es gestern Nachmittag darauf ankam, blieb Borussia Dortmund hinter der Leistung zurück, die in dieser Spielzeit nötig ist, um vor Eintracht Frankfurt und dem VfL Wolfsburg zu landen. Diese beiden Teams sind bisher einfach besser als die Schwarz-Gelben. Es war auch nicht der Einsatz, der fehlte – es waren eine Reihe von Unzulänglichkeiten, in die man das unglückliche Eigentor von Nico Schulz gar nicht einbeziehen muss. Mats Hummels hat nach der Partie mal wieder alles treffend analysiert. Aus journalistischer Sicht mag es fragwürdig sein, das Spiel mit seinen Worten nachzuerzählen, aber besser als mit diesen Worten eines direkt Beteiligten kann man es kaum ausdrücken:

Zum einen müssen wir uns ganz klar die fehlende Chancenverwertung vorwerfen lassen – wir hatten so viele Torchancen und vor allem Situationen, die Hundertprozentige werden müssen. Ein gutes Dutzend haben wir da unsauber zu Ende gespielt. Zum anderen haben wir eine unkonzentrierte Spielweise zugelassen. (…) Wir waren in der zweiten Halbzeit mit dem Ball zu unsauber, zu unkonzentriert und technisch einfach nicht gut genug. Da sind uns andere Mannschaften voraus.

Ruhr Nachrichten Online

Es waren tatsächlich die vielen schlampigen Abspiele, die nicht gut zu Ende gespielten Angriffssituationen, die der Borussia diese potenziell folgenschwere Pleite einbrachten. Selbst Erling Haaland agierte gestern technisch nicht sauber genug bei seinen Gelegenheiten. Die Eintracht blieb bei Weitem nicht fehlerfrei, machte aber den entscheidenden offensiven Fehler weniger und in der 87. Minute alles richtig. Torjäger André Silva triumphierte dank seines Tores über Torjäger Haaland. Weiterlesen „Niederlage gegen Frankfurt: Was wird aus dem BVB?“

Terzic oder Rose – das ist hier die Frage

Teile der Anhängerschaft von Borussia Dortmund und der Medien führten in den letzten Wochen eine heiße Diskussion: Wird zur nächsten Saison etwa der bessere Dortmunder Trainer von Neuankömmling Marco Rose auf den Co-Posten verdrängt? Edin Terzic, ein Mann mit jeder Menge schwarz-gelbem Stallgeruch, hatte einige beachtliche Ergebnisse vorzuweisen, während Noch-Gladbacher Rose ein Spiel ums andere verlor. Nun ist dieser Lauf der Dinge am Wochenende erstmal gestoppt worden: Gladbach hat nicht ganz unerwartet in Gelsenkirchen gewonnen, sogar zu null, und der BVB kann mit dem erst in letzter Minute gesicherten Punkt in Köln nicht zufrieden sein, genauso wenig wie mit der gezeigten Leistung.

Nun könnte man in Frage stellen, ob heute schon der richtige Tag ist, um sich in der oben gestellten Frage zu positionieren. Würden nur kurzfristige Erwägungen und Stimmungen in meine Meinungsbildung eingehen, wäre diese Kritik berechtigt. Schauen wir uns deshalb die gesamte bisherige Saison an: Edin Terzic hat in 15 Ligaspielen einen Punkteschnitt von 1,6 erreicht. Zuvor brachte es Lucien Favre in elf Partien auf durchschnittlich 1,73 Punkte. Mit Terzic hat der BVB außerdem zwei Runden im DFB-Pokal überstanden und ist ins Viertelfinale der Champions League eingezogen. Ersteres gelang eher knapp und ohne viel Glanz. Zweiteres ist trotz weniger Minuten Zitterns eine starke Leistung.

Was sich geändert hat

Wie stark Edin Terzic die Schwarz-Gelben vorangebracht hat, ist angesichts der Ergebnisse eine spannende Diskussion. Einige Spieler, etwa Mats Hummels, haben die Veränderungen und Herangehensweise von Terzic ausdrücklich gelobt. Es gab Partien, in denen mehr Wille zu Pressing und vertikalem Spiel zu sehen war. Andere Begegnungen erwecken den Eindruck, dass sich nichts Substanzielles gegenüber dem ersten Saisondrittel unter Favre geändert hat, in dem eben auch nicht alles schlecht war. Gelegentlich ging das gewünschte aggressivere Auftreten mit unerwünschter größerer defensiver Anfälligkeit einher. Was Lucien Favre in den Pokalwettbewerben erreicht hätte, muss Spekulation bleiben – deshalb ist es schwer, daran einen Fortschritt festzumachen.

Marco Rose ist unterdessen in Mönchengladbach in eine Situation geraten, an der er vielleicht nicht komplett unschuldig ist, die aber nur wenig über seine Fähigkeiten als Trainer aussagt. Wie auch immer sich die durch die Ankündigung seines Wechsels entstandene Unruhe genau ausgewirkt hat – wegzuleugnen ist ihr Einfluss nicht. Aber es kann auch niemand behaupten, dass Rose die Mannschaft entglitten ist. Ja, er hat Fehler gemacht, etwa im Derby gegen Köln. Aber das Team hat sich während der Pleitenserie nie willenlos in sein Schicksal ergeben, sondern meistens genügend Chancen auf ein besseres Ergebnis gehabt. Ein kleines Gedankenexperiment: Was wäre gewesen, wenn Roses Gladbach in den erfolglosen Partien Erling Haaland zur Verfügung gehabt hätte und Terzics BVB zur gleichen Zeit an des Norwegers Stelle einen beliebigen Gladbacher Stürmer?

Ich finde, Marco Rose hat in Mönchengladbach insgesamt beachtliche Arbeit geleistet und sich grundsätzlich als BVB-Trainer qualifiziert. Wie jeder Aktive oder Funktionsträger, der mal für das Dosen-Imperium gearbeitet hat, muss er bei mir mehr Überzeugungsarbeit leisten als jemand, der in dieser Hinsicht unbefleckt ist. Der Hauptteil dieser Arbeit wird fällig, wenn Rose in Dortmund ist. Edin Terzic mag ich sehr als Typen – soweit ich das beurteilen kann – und als Borussen von Herzen. Ich hoffe, dass er Schwarz-Gelber bleibt oder in Zukunft wieder wird, gerne auch Cheftrainer. Stand jetzt – und das war letzte Woche nicht anders – gibt es für mich allerdings keinen Grund, ihn Marco Rose vorzuziehen. Möglich, dass diese Meinung am Saisonende schwerer zu halten sein wird – das bleibt schlicht abzuwarten.

Schalke? Kann runter!

Aha. Läuft nicht so bei den Schwarz-Gelben, da beschäftigt er sich lieber mit den Blauen. Könnte man meinen. Aber so frustrierend es auch ist, ständig über neue Fehler und fehlende Konstanz beim BVB zu schreiben: Dass es heute mal um den krisengeschüttelten Nachbarn gehen soll, liegt in der Natur dieses Blogs. „Nicht nur ein BVB-Blog“ steht nicht umsonst unter dem Titel. Überhaupt handelt es sich um eine Frage, die derzeit vor allem unter Borussen-Fans diskutiert wird: Wie findest du es, wenn der FC Schalke absteigt?

Ist der BVB, das Ruhrgebiet, ja sogar die Bundesliga ohne das Revierderby ein Stück ärmer? Oder gönnt man dem großen Rivalen ein oder mehrere Jahre zweite Liga? Es gibt eingefleischte Schwarz-Gelbe, die das Derby als quasi fußballkulturelles Ereignis so vermissen würden, dass sie auf den Klassenerhalt der Blauen hoffen. Ich gehöre nicht dazu. Für mich ist die friedliche Rivalität zum FC Schalke ein wesentliches Merkmal der Dortmunder Fußballkultur. Die Bedeutung des Derbys ist eine Folge und ein Ausdruck davon. Aber um es zu erhalten, kann ich nicht plötzlich darauf hoffen, dass Schalke Spiele gewinnt – das passt für mich nicht zur Rivalität.

Rivalitäten gehören zum Fußball wie Torjubel und Fangesänge. Fußball ist ein Gruppenereignis und Differenzierungsmerkmal. Und wenn dieses „Wir gegen die“ sportlich und friedlich bleibt, ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Ich würde mich also freuen, wenn die Blauen absteigen. Und klar, es wäre Schadenfreude – gegenüber dem Verein und den Fans insgesamt, nicht gegenüber Einzelnen.

Auf das Derby werden wir im Falle des Schalker Abstiegs sicher nicht jahrelang verzichten müssen. Einen Absturz wie etwa beim FCK sehe ich nicht am Horizont. Es werden sich für einen Verein mit dieser Strahlkraft Leute finden, die ihn wieder aufbauen. Hoffentlich endlich mal jenseits von Tönnies, das wäre den Blauen zu gönnen.

Seit 2009 ist der FC Schalke für mich nur noch der zweit- bis drittunsympathischste Verein des Landes. Trotzdem: Schalke Zweite Liga, das hätte was. Durch ist die Sache aber noch nicht.