Knackiger Auftakt für den BVB

Selbst wenn ich den Termin vorher nicht auf dem Schirm hatte: Nun ist er raus, der neue Bundesliga-Spielplan, und selbstverständlich wie jedes Jahr Thema bei Any Given Weekend. Diesmal gibt es wohl keine zwei Meinungen, dass Borussia Dortmund ein eher anspruchsvolles Auftaktprogramm zugeteilt bekommen hat. Die ersten fünf Spieltage sind:

  1. Eintracht Frankfurt (H)
  2. SC Freiburg (A)
  3. TSG Hoffenheim (H)
  4. Bayer Leverkusen (A)
  5. Union Berlin (H)

Der BVB startet daheim – das ist sicher ein Vorteil. Allerdings landeten die fünf Gegner in der vergangenen Saison alle unter den Top 11 der Liga. Und noch mehr Respekt flößen die Ergebnisse dieser fünf Partien ein: Aus ihnen holten die Schwarz-Gelben 2020/21 nur vier Punkte. Klar, neue Saison, neuer Trainer, neue Spieler, neues Glück. Doch zumindest der Blick in die jüngste Vergangenheit spricht dafür, dass die Borussia hier von Anfang an hellwach sein muss.

Als Nächstes habe ich für ein paar Sekunden nach dem Derby gesucht, bis es mir wieder einfiel. Aber dafür spielt der BVB Mitte Dezember, am 15. Spieltag, mal wieder im Ruhrstadion in Bochum. Der Meister kommt am Spieltag zuvor nach Dortmund. Der alte Club des neuen Trainers Marco Rose lädt schon am 6. Spieltag zum Borussen-Duell. Sehr angenehm: Auch das letzte Spiel am 14. Mai bestreiten die Schwarz-Gelben zu Hause, gegen Hertha BSC.

Man sollte die Bedeutung des Spielplans nicht überhöhen, aber gerade nach einem Trainerwechsel stellt solch ein Saisonauftakt eine Herausforderung dar. Bis dahin vergehen allerdings noch einige Tage, ein Länderspiel in Wembley und sicher einige Transferaktivitäten.

BVB 2020/21: Die Spielernoten

Abwechslungsreich war sie, diese schwarz-gelbe Spielzeit – darauf können sich wohl alle Beobachter einigen, egal ob sie ansonsten eher das letztendliche Erreichen aller offiziellen Ziele oder den großen Abstand zum Meister hervorheben. Einig sind sich alle sicher auch darin, dass wir eine solche Saison fast ohne Fans nicht wieder brauchen – um das sicherzustellen, sind wir alle gefragt. Bei den Leistungen der BVB-Spieler ist eine große Bandbreite festzustellen. Im Zeugnis werden nur die berücksichtigt, die über alle Wettbewerbe mindestens zehn Einsätze und 400 Spielminuten absolviert haben. Die Notenskala reicht von 1 bis 10 (Topwert).

Tor

Roman Bürki: Der Schweizer wirkte unsicherer als in den Spielzeiten zuvor. Das ist aber ein eher subjektiver Eindruck. Die Zahl grober Patzer blieb sehr überschaubar. Bürki war allerdings auch kein Stabilitätsfaktor und hielt vor allem die Bälle, die man halten muss. Die paar Auftritte, die er am Ende der Saison noch hatte, waren wiederum überzeugend. 5 P.

Marwin Hitz: Ende Januar ersetzte der drei Jahre ältere Schweizer Hitz seinen Landsmann Bürki im Tor. Einige Unterschiede waren festzustellen: Hitz versuchte tatsächlich, weitestgehend ohne Abschläge und nur mit Pässen und Abwürfen auszukommen. Das sah manchmal etwas riskant aus, blieb allerdings ohne größere negative Folgen. Dafür leistete sich der Schweizer in den ersten Wochen einige Missgeschicke. Danach stabilisierte er sich, ohne eine große Zahl von Glanztaten zu vollbringen. Ein Qualitätsunterschied zu Bürki? Schwer festzumachen. 5 P. Weiterlesen „BVB 2020/21: Die Spielernoten“

Das Ende der Super League und die Folgen

Das Scheitern war spektakulär: Nur zwei Tage, nachdem zwölf europäische Topvereine die Gründung einer Super League angekündigt hatten, ist das Projekt an einer Mauer des Widerstands zerbrochen. Alle sechs englischen Clubs haben sich zurückgezogen, ebenso Atletico und Inter. Am ehesten stehen noch Real Madrid und Juventus, die Clubs der mutmaßlichen Initiatoren Florentino Perez und Andrea Agnelli, hinter dem Plan. Doch Agnelli hat nun laut Reuters eingeräumt, dass die Super-Liga ohne die englischen Vertreter nicht funktionieren wird. Dass dieser Coup so schnell in sich zusammenfallen würde, hätten wohl nicht mal die kühnsten Optimisten gedacht. Auch ich hatte mit einer monatelangen, auch juristischen Auseinandersetzung gerechnet. Ausschließen kann man inzwischen, dass es sich nur um ein Manöver zur Ablenkung von der Champions League-Reform handelte – aufgrund des Vorgehens der Verschwörer erscheint das heute absurd.

Die wenigsten Fans werden alle Gegner der Super League sympathisch finden. Es war dennoch wichtig, dass sie alle zusammenstanden: Alexander Ceferins UEFA, Gianni Infantinos FIFA, Boris Johnsons Regierung, die nationalen Fußballverbände, darunter der DFB mit Fritz Keller und Rainer Koch, der BVB, FCB und PSG, die eine Einladung zur ESL ausschlugen, viele der betroffenen Spieler sowie natürlich und vor allem die Fans, gerade auch die der beteiligten Clubs. Alle haben eine klare, kompromisslose Botschaft an die Vereinsverantwortlichen der ESL gesendet; niemand ist von der harten Linie abgewichen. Wie lange diese Solidarität gehalten hätte, werden wir nun nicht erfahren – zum Glück. Bei allem, was den normalen Fan von den genannten anderen Akteuren trennt: Es ist gut zu wissen, dass es zumindest einen Minimalkonsens über die Grundwerte des Sports gibt. So bleibt auch ein wenig Hoffnung erhalten, dass Fußball das „beautiful game“ bleiben oder wieder werden wird.

Perez & Co inszenieren sich als Wohltäter

Ihre juristischen Hausaufgaben mag die ESL ja gemacht haben – zumindest glaubten ihre Vertreter das, aber die Wucht der öffentlichen Meinung wurde grandios unterschätzt. Die Solidarisierung ihrer eigenen Spieler und Trainer mit den Gegnern des Projekts, die ganz klaren Drohungen der nationalen wie internationalen Verbände sowie der britischen Regierung und die wütenden Fanproteste haben einen Verein nach dem anderen zum Einknicken gebracht. Als die erste Karte weggezogen wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Kartenhaus zusammenstürzte.

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European Super Greed

Es wird konkret: Zwölf Fußballvereine, oder eher -unternehmen, haben sich letzte Nacht öffentlich dazu bekannt, eine European Super League (ESL) gründen zu wollen – und zwar so bald wie möglich. Es handelt sich um Manchester City und United, FC Liverpool, FC Chelsea, Arsenal, Tottenham Hotspur, Real und Atletico Madrid, FC Barcelona, AC Milan, Inter sowie Juventus Turin. Zu diesen zwölf sollen drei weitere Clubs stoßen – alle diese Gründungsmitglieder wären in der ESL ständig dabei, also buchstäblich unabsteigbar. Fünf weitere Vereine könnten sich Jahr für Jahr qualifizieren; wer sich bewährt, der soll in den folgenden Jahren einfacher reinkommen. Diese Regelung ist jedoch noch nicht im Detail ausgearbeitet.

Die kompletten bis dato bekannten Details gibt es heute überall zu lesen, etwa im Kicker. Den Qualifikationsmodus schon fertig zu denken, wäre auch reichlich verfrüht – schließlich gibt es massiven Widerstand gegen die ESL von Verbänden, darunter UEFA und FIFA, Vereinen, Regierungen und Fans. Bis zum öffentlichen Bekenntnis der zwölf Gründungsmitglieder bin ich davon ausgegangen, dass das erneute Auftauchen der Pläne zu diesem Zeitpunkt die Opposition gegen die Reform der Champions League schwächen sollte. Schließlich steckte in derem schon beinahe durchverhandelten neuen Modus neben einer Inflation der Spielezahl auch die Qualifikation per Koeffizient drin: Zunächst zwei Teams sollten nicht nach aktueller sportlicher Leistung, sondern aufgrund früherer ‚Verdienste‘ ausgewählt werden. Diese Tatsache war zurecht zutiefst unpopulär bei den Fans, wird aber durch den „closed shop“ einer European Super League mit 15 Dauer-Teilnehmern völlig in den Schatten gestellt.

Das breitenwirksame Bekenntnis zur ESL macht eine Rückkehr der Abtrünnigen zu Gesprächen über die Champions League nun schwierig. Ist es also mehr als ein Täuschungsmanöver? So sehr es nach einem ernsthaften Unterfangen aussieht: Den zwölf Clubs dürfte klar gewesen sein, dass sie es mit einer im Fußball noch nie da gewesenen Front der Ablehnung zu tun bekommen werden. Blieben alle anderen Player konsequent, würden die ESL-Teilnehmer aus allen anderen Wettbewerben ausgeschlossen, vor allem den nationalen Ligen und Pokalwettbewerben. Außerdem dürften Spieler, die in der ESL auflaufen, keine Länderspiele mehr bestreiten. Sind die Beteiligten bereit für diese Konsequenzen oder hoffen sie doch auf eine Eingung mit der UEFA, auf einen Kompromiss, der noch über die geplante UCL-Reform hinausgeht? Weiterlesen „European Super Greed“

Niederlage gegen Frankfurt: Was wird aus dem BVB?

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 1 Eintracht Frankfurt 2

Sogenannte Sechs-Punkte-Spiele hat man womöglich mehrmals in einer Saison. Deutlich seltener sind Partien, die für einen Verein über die Spielzeit hinaus langfristig richtungweisend sein können. Die Heimniederlage des BVB gegen Eintracht Frankfurt hat das Potenzial dazu. Doch wie schlimm kann es kommen?

Keine frohen Ostertage für Schwarz-Gelb

Als es gestern Nachmittag darauf ankam, blieb Borussia Dortmund hinter der Leistung zurück, die in dieser Spielzeit nötig ist, um vor Eintracht Frankfurt und dem VfL Wolfsburg zu landen. Diese beiden Teams sind bisher einfach besser als die Schwarz-Gelben. Es war auch nicht der Einsatz, der fehlte – es waren eine Reihe von Unzulänglichkeiten, in die man das unglückliche Eigentor von Nico Schulz gar nicht einbeziehen muss. Mats Hummels hat nach der Partie mal wieder alles treffend analysiert. Aus journalistischer Sicht mag es fragwürdig sein, das Spiel mit seinen Worten nachzuerzählen, aber besser als mit diesen Worten eines direkt Beteiligten kann man es kaum ausdrücken:

Zum einen müssen wir uns ganz klar die fehlende Chancenverwertung vorwerfen lassen – wir hatten so viele Torchancen und vor allem Situationen, die Hundertprozentige werden müssen. Ein gutes Dutzend haben wir da unsauber zu Ende gespielt. Zum anderen haben wir eine unkonzentrierte Spielweise zugelassen. (…) Wir waren in der zweiten Halbzeit mit dem Ball zu unsauber, zu unkonzentriert und technisch einfach nicht gut genug. Da sind uns andere Mannschaften voraus.

Ruhr Nachrichten Online

Es waren tatsächlich die vielen schlampigen Abspiele, die nicht gut zu Ende gespielten Angriffssituationen, die der Borussia diese potenziell folgenschwere Pleite einbrachten. Selbst Erling Haaland agierte gestern technisch nicht sauber genug bei seinen Gelegenheiten. Die Eintracht blieb bei Weitem nicht fehlerfrei, machte aber den entscheidenden offensiven Fehler weniger und in der 87. Minute alles richtig. Torjäger André Silva triumphierte dank seines Tores über Torjäger Haaland. Weiterlesen „Niederlage gegen Frankfurt: Was wird aus dem BVB?“

Terzic oder Rose – das ist hier die Frage

Teile der Anhängerschaft von Borussia Dortmund und der Medien führten in den letzten Wochen eine heiße Diskussion: Wird zur nächsten Saison etwa der bessere Dortmunder Trainer von Neuankömmling Marco Rose auf den Co-Posten verdrängt? Edin Terzic, ein Mann mit jeder Menge schwarz-gelbem Stallgeruch, hatte einige beachtliche Ergebnisse vorzuweisen, während Noch-Gladbacher Rose ein Spiel ums andere verlor. Nun ist dieser Lauf der Dinge am Wochenende erstmal gestoppt worden: Gladbach hat nicht ganz unerwartet in Gelsenkirchen gewonnen, sogar zu null, und der BVB kann mit dem erst in letzter Minute gesicherten Punkt in Köln nicht zufrieden sein, genauso wenig wie mit der gezeigten Leistung.

Nun könnte man in Frage stellen, ob heute schon der richtige Tag ist, um sich in der oben gestellten Frage zu positionieren. Würden nur kurzfristige Erwägungen und Stimmungen in meine Meinungsbildung eingehen, wäre diese Kritik berechtigt. Schauen wir uns deshalb die gesamte bisherige Saison an: Edin Terzic hat in 15 Ligaspielen einen Punkteschnitt von 1,6 erreicht. Zuvor brachte es Lucien Favre in elf Partien auf durchschnittlich 1,73 Punkte. Mit Terzic hat der BVB außerdem zwei Runden im DFB-Pokal überstanden und ist ins Viertelfinale der Champions League eingezogen. Ersteres gelang eher knapp und ohne viel Glanz. Zweiteres ist trotz weniger Minuten Zitterns eine starke Leistung.

Was sich geändert hat

Wie stark Edin Terzic die Schwarz-Gelben vorangebracht hat, ist angesichts der Ergebnisse eine spannende Diskussion. Einige Spieler, etwa Mats Hummels, haben die Veränderungen und Herangehensweise von Terzic ausdrücklich gelobt. Es gab Partien, in denen mehr Wille zu Pressing und vertikalem Spiel zu sehen war. Andere Begegnungen erwecken den Eindruck, dass sich nichts Substanzielles gegenüber dem ersten Saisondrittel unter Favre geändert hat, in dem eben auch nicht alles schlecht war. Gelegentlich ging das gewünschte aggressivere Auftreten mit unerwünschter größerer defensiver Anfälligkeit einher. Was Lucien Favre in den Pokalwettbewerben erreicht hätte, muss Spekulation bleiben – deshalb ist es schwer, daran einen Fortschritt festzumachen.

Marco Rose ist unterdessen in Mönchengladbach in eine Situation geraten, an der er vielleicht nicht komplett unschuldig ist, die aber nur wenig über seine Fähigkeiten als Trainer aussagt. Wie auch immer sich die durch die Ankündigung seines Wechsels entstandene Unruhe genau ausgewirkt hat – wegzuleugnen ist ihr Einfluss nicht. Aber es kann auch niemand behaupten, dass Rose die Mannschaft entglitten ist. Ja, er hat Fehler gemacht, etwa im Derby gegen Köln. Aber das Team hat sich während der Pleitenserie nie willenlos in sein Schicksal ergeben, sondern meistens genügend Chancen auf ein besseres Ergebnis gehabt. Ein kleines Gedankenexperiment: Was wäre gewesen, wenn Roses Gladbach in den erfolglosen Partien Erling Haaland zur Verfügung gehabt hätte und Terzics BVB zur gleichen Zeit an des Norwegers Stelle einen beliebigen Gladbacher Stürmer?

Ich finde, Marco Rose hat in Mönchengladbach insgesamt beachtliche Arbeit geleistet und sich grundsätzlich als BVB-Trainer qualifiziert. Wie jeder Aktive oder Funktionsträger, der mal für das Dosen-Imperium gearbeitet hat, muss er bei mir mehr Überzeugungsarbeit leisten als jemand, der in dieser Hinsicht unbefleckt ist. Der Hauptteil dieser Arbeit wird fällig, wenn Rose in Dortmund ist. Edin Terzic mag ich sehr als Typen – soweit ich das beurteilen kann – und als Borussen von Herzen. Ich hoffe, dass er Schwarz-Gelber bleibt oder in Zukunft wieder wird, gerne auch Cheftrainer. Stand jetzt – und das war letzte Woche nicht anders – gibt es für mich allerdings keinen Grund, ihn Marco Rose vorzuziehen. Möglich, dass diese Meinung am Saisonende schwerer zu halten sein wird – das bleibt schlicht abzuwarten.

Schalke? Kann runter!

Aha. Läuft nicht so bei den Schwarz-Gelben, da beschäftigt er sich lieber mit den Blauen. Könnte man meinen. Aber so frustrierend es auch ist, ständig über neue Fehler und fehlende Konstanz beim BVB zu schreiben: Dass es heute mal um den krisengeschüttelten Nachbarn gehen soll, liegt in der Natur dieses Blogs. „Nicht nur ein BVB-Blog“ steht nicht umsonst unter dem Titel. Überhaupt handelt es sich um eine Frage, die derzeit vor allem unter Borussen-Fans diskutiert wird: Wie findest du es, wenn der FC Schalke absteigt?

Ist der BVB, das Ruhrgebiet, ja sogar die Bundesliga ohne das Revierderby ein Stück ärmer? Oder gönnt man dem großen Rivalen ein oder mehrere Jahre zweite Liga? Es gibt eingefleischte Schwarz-Gelbe, die das Derby als quasi fußballkulturelles Ereignis so vermissen würden, dass sie auf den Klassenerhalt der Blauen hoffen. Ich gehöre nicht dazu. Für mich ist die friedliche Rivalität zum FC Schalke ein wesentliches Merkmal der Dortmunder Fußballkultur. Die Bedeutung des Derbys ist eine Folge und ein Ausdruck davon. Aber um es zu erhalten, kann ich nicht plötzlich darauf hoffen, dass Schalke Spiele gewinnt – das passt für mich nicht zur Rivalität.

Rivalitäten gehören zum Fußball wie Torjubel und Fangesänge. Fußball ist ein Gruppenereignis und Differenzierungsmerkmal. Und wenn dieses „Wir gegen die“ sportlich und friedlich bleibt, ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Ich würde mich also freuen, wenn die Blauen absteigen. Und klar, es wäre Schadenfreude – gegenüber dem Verein und den Fans insgesamt, nicht gegenüber Einzelnen.

Auf das Derby werden wir im Falle des Schalker Abstiegs sicher nicht jahrelang verzichten müssen. Einen Absturz wie etwa beim FCK sehe ich nicht am Horizont. Es werden sich für einen Verein mit dieser Strahlkraft Leute finden, die ihn wieder aufbauen. Hoffentlich endlich mal jenseits von Tönnies, das wäre den Blauen zu gönnen.

Seit 2009 ist der FC Schalke für mich nur noch der zweit- bis drittunsympathischste Verein des Landes. Trotzdem: Schalke Zweite Liga, das hätte was. Durch ist die Sache aber noch nicht.

Cha-cha-cha-changes: Was Borussia Dortmund 2021 ändern sollte

Es hilft ja nichts: Fußball ist schrecklich kurzatmig. Es ist noch keine sechs Wochen her, da glaubte sicher nicht nur ich – nach dem 2:5-Sieg des BVB im Berliner Olympiastadion – dass sich die Schwarz-Gelben im Vergleich zur Vorsaison weiterentwickelt hätten. Es war nicht alles perfekt, aber man ist ja als Fan eines Vereins, der nicht Bayern München heißt, oft schon für Fortschritte dankbar. Doch die Wochen, die folgten, ließen alles wieder in anderem Licht erscheinen. Bedenken und Vorbehalte stellten sich als nur verbuddelt und nicht verschwunden heraus. Sie erwiesen sich als zu groß für das System Favre.

Warum der allenthalben als menschlich sympathisch beschriebene Schweizer Trainer scheiterte, ist nicht mit nur zwei Ansätzen zu erklären. Es mögen valide Gründe sein, dass Favre kein besonders guter Motivator war und einen zu abwartenden Spielstil pflegen ließ. Aber schon an dieser Stelle muss man fragen, warum diese Mannschaft scheinbar einen Klopp-ähnlichen Trainer braucht. Und warum sie zu selten die Lücke findet – denn auch Favre hat ja keine 90 Minuten Quergeschiebe gepredigt. Es gibt weitere Fragen: an den ehemaligen und den neuen Trainer sowie an die Entscheider im Verein.

Das Innenleben der Mannschaft

Fragt man sich etwa, warum das Team immer wieder diese unerklärlichen Aussetzer hat, besonders krass beispielsweise Ende letzter Saison gegen Mainz und Hoffenheim, landet man mit seinen Überlegungen bei der Mentalität, beim Charakter. Den zu hinterfragen klingt immer ein bisschen populistisch, weil viele Medien und auch Fans damit inflationär umgehen. Doch selbst im verlässlich guten BVB-Podcast der Ruhr Nachrichten war in Folge 247 von „kleinen Ich-AGs“ die Rede. Auch das klingt zunächst nach Polemik, aber im Kontext gehört wirkt es nur ein wenig zugespitzt und beinhaltet leider einige Funken Wahrheit. Weiterlesen „Cha-cha-cha-changes: Was Borussia Dortmund 2021 ändern sollte“

Probleme ganz anderer Art

Ein Schnäppchen für 20 Millionen? Für die große Mehrheit der Fußballvereine sind das irreale Summen. Der Etat des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 beträgt in dieser Spielzeit 300.000 Euro. Für den gesamten Kader. Erling Haaland dürfte bei Borussia Dortmund dasselbe im Monat bekommen, vielleicht sogar das doppelte. Man sollte sich das immer wieder vergegenwärtigen. Für die Solidarität nach unten wäre es sicher gut, wenn jeder Fan eines großen Vereins auch Fan eines kleinen, lokalen Klubs wäre.

Babelsberg, der höchstklassige Männerfußballverein Potsdams, hat eine gruselige Hinserie hinter sich. Ex-Trainer Marco Vorbeck – der ehemalige Hansa Rostock-Profi – ist hier schon wieder Geschichte, muss aber je nach Ausgang des Prozesses vor dem Arbeitsgericht womöglich weiter bezahlt werden. Dabei fehlte 03 doch sichtbar auch Qualität auf dem Platz, was mit der Senkung des Etats um 50.000 Euro zu tun haben dürfte. Nachdem die letzte Saison nicht kostendeckend geplant worden war, hatte der Vorstand für 2019/20 eine konservative Rechnung aufgemacht – ohne dass das per se negativ gemeint ist.

Niemand kann sich richtig erklären, warum es so schlecht lief, dass Babelsberg nach 19 von 34 Spieltagen auf dem 17. Platz in der Abstiegszone steht. Trainer, Kader, Verletzungen spielten sicher eine Rolle, aber ein paar Punkte mehr hätte jede/r der Mannschaft zugetraut. Die ungewisse Zahl der Absteiger macht die Kalkulation der zur Rettung fehlenden Punkte schwer. Nach jetzigem Tabellenstand kehren aus der 3. Liga zwei Nordost-Vereine zurück in die Regionalliga: der Chemnitzer FC und der schon recht abgeschlagene Tabellenletzte Carl Zeiss Jena. Setzt sich dazu der Meister der Regionalliga Nordost am Ende in den Play-Offs um den Aufstieg nicht durch, gibt es im Mai vier Absteiger aus der Spielklasse. Auf den definitiv sicheren Platz 14 fehlen 03 acht Punkte. Etwas leichter würde es makabererweise, wenn der insolvente Thüringer Ligakontrahent Wacker Nordhausen zwangsabsteigen müsste.

Etwas Hoffnungsschimmer glimmt allerdings doch über dem Karl-Liebknecht-Stadion: Gegenüber der Märkischen Allgemeinen sprach 03-Präsident Archibald Horlitz von hilfsbereiten Sponsoren, dank derer es die eine oder andere Neuverpflichtung im Winter geben könne. Der neue Mann für die Trainerbank wurde schon vor Weihnachten gefunden: Es übernimmt der 53-jährige Predrag Uzelac, Vater von Franko Uzelac, der in der letzten Saison als Innenverteidiger für Babelsberg auflief. Seine Trainerkarriere umfasst rund 100 Spiele bei drei Nord-Regionalligisten: SV Wilhelmshaven, BSV Rehden und VfB Oldenburg. Zuletzt war er als Scout tätig. Eine distinguierte Laufbahn sieht wohl anders aus, aber eine richtige Meinung kann man sich bei den doch eher spärlichen Informationen ohnehin nicht bilden.

Ob ein Abstieg Babelsberg 03 wirklich in Existenznöte stürzen würde, sei mal dahingestellt. Aber er wäre ein schwerer Rückschlag, der auch anderen Abteilungen des Vereins schaden dürfte. Das ist mal eine Rückrunde, in der es wirklich um etwas geht.

Halbzeitansprache und fromme Wünsche

Die letzte Winterpause der Zehnerjahre hat begonnen und mit der neuen Dekade könnte eine Zeitenwende auf Fußball-Deutschland zukommen. Zur Halbzeit besetzt RB Leipzig die Tabellenspitze der 1. Bundesliga, ist also Herbstmeister, auch wenn diesen Titel ja nie jemand haben will. Doch die Statistik sagt aus, dass bis dato 67,9 Prozent der Klubs, die zur Winterpause vorne standen, auch Meister wurden. Am häufigsten betraf das natürlich den FC Bayern, weswegen alle, die lieber den Rekordmeister als den Brauseklub vorne sehen würden, noch Hoffnung haben. Ich gehöre mit vollem Herzen zu eben diesen Menschen.

Für mich ist 2020 in der Bundesliga am wichtigsten, dass Leipzig nicht Meister wird. Sollte es doch so kommen, wäre das ein Bruch mit allem, was man sich vom Fußball noch erhofft. Dieser Mitbewerber ist auf so vielen Ebenen falsch – von der Gründung bis in die jüngste Gegenwart. Man denke an das zum Glück abgebrochene Techtelmechtel mit Paderborn oder die fragwürdige Gestalt Dietrich Mateschitz. Es wäre auch ein Signal an weitere angehende Rasenballsportler in neuen Konstrukten. Deswegen wären mir alle anderen möglichen Meister lieber: die falsche Borussia, die großen Bayern, ja sogar – dare I say it – der FC Schalke.

Und die richtige Borussia? Es war ein schwer zu ertragendes Auf und Ab in der Hinserie. Zuletzt gab es einen Punkt aus zwei Spielen. In beiden Partien spielten die Schwarz-Gelben nicht so schlecht wie manches Mal zuvor. Vieles sah zuletzt nach Aufwärtstrend aus. Doch blöde Fehler und vergebene Chancen kosteten den BVB fünf Punkte. Die Zahlen lügen nicht: Man liegt sieben Punkte hinter – ausgerechnet – Leipzig, steht so eben noch auf einem Champions League-Platz.

Klar, das ist nicht uneinholbar. Aber die Borussia hat in der Hinserie nie die Konstanz gezeigt, die nötig wäre, um uns noch daran glauben zu lassen. Und demzufolge muss es zur Not jemand anders richten. Könnte der BVB auch einen anderen Trainer vertragen? Auch hier gab es für mich ein Auf und Ab der Gefühle gegenüber Lucien Favre. Ich war, als es zum ersten Mal um seine Verpflichtung ging, nicht überzeugt von ihm und freute mich, als Peter Bosz Trainer wurde. Später habe ich mich mit Favre abgefunden und sogar aus der Distanz angefreundet. Diese Saison hat er mich wie die ganze Mannschaft enttäuscht. Und ich glaube nicht, dass er die Spieler noch mal so mitreißen kann, wie es nötig wäre.

Es ist ein Dilemma: Lucien Favre und seine Ergebnisse sind zu gut, um ihn zu feuern. Aber wir werden mit ihm wahrscheinlich nicht mehr oben angreifen können. Oder können es gezielte, vermutlich teure Verstärkungen noch rumreißen? Mein Glaube daran ist überschaubar. Frohe Weihnachten!