Der junge Mann aus Argentinien

Borussia Dortmund hat Leonardo Balerdi von den Boca Juniors verpflichtet, so wie es sich in den letzten Tagen schon angedeutet hatte. Der 19-jährige und 1,88 Meter große Innenverteidiger gilt „als eines der größten Abwehrtalente Südamerikas“, wie der Kicker schreibt. Er hat allerdings erst fünf Profi-Spiele absolviert. Die Ablösesumme soll 15,5 Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni betragen. Der Vertrag soll bis 2023 laufen – beides hat der BVB allerdings nicht bestätigt.

Glaubt man Michael Zorc, so kann Balerdi so ziemlich alles, was ein Innenverteidiger können muss: Zweikämpfe, Kopfbälle, Aufbauspiel und Pässe. Intelligent soll er auch noch sein. In der offiziellen Verlautbarung auf der Vereinswebseite erfuhr man außerdem, dass der Transfer erst für den Sommer geplant gewesen und nun vorgezogen worden sei. Man will wohl die Erwartungen etwas dämpfen. Schließlich hat sich auch Alexander Isak noch nicht als der neue Ibrahimovic entpuppt.

Macht die Verpflichtung eines fünften und noch dazu so unerfahrenen Innenverteidigers Sinn? Normalerweise bin ich ja skeptisch bei einer derartigen Überbelegung einer Position. Andererseits hat Manuel Akanji noch mit Hüftproblemen zu kämpfen, auch wenn erst mal keine Operation nötig ist. Dan-Axel Zagadou und Abdou Diallo fehlten zuletzt auch, sind nun auf dem Weg zurück ins Team. Und es braucht nicht viel Fantasie, um vorherzusagen, dass Ömer Toprak nicht mehr allzu lange das schwarz-gelbe Trikot tragen wird. Schon im Sommer könnte Balerdi einer von dann noch vier Innenverteidigern sein.

Klar ist: Die Verpflichtung von Leonardo Balerdi ist spekulativ. So muss es die Borussia international angehen. Auch wenn die Schwarz-Gelben es dieses Jahr bei der Integration sehr gut gemacht zu haben scheinen: Schön wäre es, wenn man solche Spieler auch mal wieder näher vor der eigenen Haustüre finden würde. Das hat natürlich nichts mit der Nationalität zu tun – es wäre einfach positiv, mal wieder einen „homegrown player“ in die erste Mannschaft befördern zu können. Ja, es gibt Jacob Bruun Larsen, aber der ist eine Ausnahme und noch nicht allzu lange Borusse. Jetzt schon positiv ist natürlich, dass der BVB für junge Spieler nach wie vor ein beliebtes Ziel zu sein scheint. Willkommen Leonardo!

Advertisements

Pulisic geht und bleibt erst mal

Chelsea hat also das Rennen gemacht: Für 64 Millionen Euro verpflichten die Londoner Christian Pulisic vom BVB – auch wenn Trainer Maurizio Sarri davon nichts gewusst haben will. Denn der wollte eigentlich sofortige Verstärkung für die Offensive. Und die ist der US-Wonderboy erst mal nicht – ganz einfach deswegen, weil er noch bis zum Sommer leihweise in schwarz-gelb auflaufen wird.

Warum hat sich der FC Chelsea auf diesen Deal eingelassen? Vielleicht weil die Konkurrenz so groß war, vielleicht, weil der Abramowitsch-Klub im Sommer ein Transferembargo aufgrund der Financial Fair Play-Regeln befürchtet? In Deutschland wird der Wechsel ja überwiegend als perfektes Geschäft für Borussia Dortmund gewertet. War Christian Pulisic zuletzt an Spieltagen nicht häufiger auf der Bank als auf dem Platz zu sehen?

Tatsächlich scheint der Weggang auch aus der Perspektive eines BVB-Fans verkraftbar zu sein, wenn die Vereinsführung mit dem Geld weise umgeht. Gleichzeitig ist es aber durchaus möglich, dass Christian in London oder anderswo aus seiner Stagnation herausfindet und sein großes Potenzial wieder entfaltet. Dass auch diese Transfersumme eigentlich zu hoch ist, darüber müssen wir nicht reden. Aber sportlich könnte Pulisic bald wieder Freude machen und haben – hoffentlich auch noch in Dortmund.

Mentalitätsmonster 1.0: Rode geht zurück nach Frankfurt

Der erste bekanntgegebene Wintertransfer bei Borussia Dortmund ist keine Überraschung: Nach zweieinhalb Jahren in schwarz-gelb wechselt Sebastian Rode Anfang Januar leihweise zurück zur Eintracht, dem Verein, der ihn groß gemacht hat. Der Vertrag läuft bis Saisonende; danach ist Rode auf dem Papier noch ein Jahr an den BVB gebunden.

Der Mittelfeldspieler hatte in Dortmund immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen – so oder so ähnlich wird man das aus dem schwarz-gelben Vereinsumfeld sicher zu hören bekommen. Ein wenig euphemistisch wäre das aus BVB-Sicht schon. Denn Rodes fehlende Spielpraxis lag auch an der großen Konkurrenz im Mittelfeld, das schon seit Jahren tendenziell überbesetzt ist. Dabei hatte man ihn einst aus München geholt, weil er jenen Spielertypen verkörpert, den man jetzt in Thomas Delaney gefunden zu haben glaubt: einen zweikampfstarken, entschlossenen Mann für die Zentrale. Das Mentalitätsmonster, das doch letzte Saison angeblich gefehlt hatte.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich fand die Verpflichtung von Delaney richtig und wichtig, nicht erst seit seinem Derby-Tor. Und auch der Weggang von Rode ist nun folgerichtig. Nur glaube ich nach wie vor nicht, dass es strategisch klug ist, bewusst oder fahrlässig Überkapazitäten in manchen Mannschaftsteilen zu schaffen. Obwohl es natürlich immer Spieler geben wird, die nicht auf die erhoffte Spielpraxis kommen.

Nun hat sich Sebastian Rode durch seine Äußerungen zu Peter Stöger am Ende der letzten Saison in Dortmund nicht gerade beliebt gemacht. Trotzdem wünsche ich ihm bei seiner Eintracht alles Gute. Ob es ein Wiedersehen im Sommer gibt?

Schwarz-gelbe Weihnachtsanalyse

Wie im Flug ist die Zeit bis Weihnachten vergangen, die Fußball-Bundesliga hat noch mal eine englische Woche eingelegt. Höchste Zeit, auf die schwarz-gelbe Hinrunde insgesamt und ihre letzten Spieltage zurückzublicken. Seit dem Derby endeten BVB-Spiele immer mit 2:1-Siegen – einmal jedoch für Gegner Düsseldorf. Das sagt uns mindestens, dass es eng zugeht. Einen Durchmarsch zur Meisterschaft wird es für die Borussia nicht nur der Bayern wegen nicht geben.

Die Fortuna zeigte exemplarisch, wie man die Schwarz-Gelben auch als ‚kleiner Gegner‘ schlagen kann – wenn beim BVB die guten Ideen fehlen. Gegen einen enorm zweikampfstarken Abwehrriegel braucht man die – und außerdem eine läuferisch und gedanklich schnelle Defensive, um Kontersituationen zu entschärfen. In Düsseldorf fehlte beides. Zum Glück scheint diese Partie eine Ausnahme gewesen zu sein.

Wie man enge Spiele gegen starke Teams für sich entscheidet, zeigte wiederum die Borussia exemplarisch: im Vergleich mit der anderen aus Mönchengladbach. Eine starke Leistung der zusammengebastelten Abwehr mit Julian Weigl war hilfreich, um die Gladbacher weitgehend vom Tor fernzuhalten. Der Rest war Nicht-locker-lassen und die unglaubliche Qualität unserer Topleute Jadon Sancho und Marco Reus. Weiterlesen „Schwarz-gelbe Weihnachtsanalyse“

Sancho kriegt die nächste Überschrift

1. Bundesliga, 14. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 2

Dieses Mal ist alles anders: Der BVB hat endgültig alle Schatten der vergangenen Saison hinter sich gelassen und ist nach Bayern-Bezwinger nun auch Derbysieger. Hochverdient, ohne viel Glanz, aber mit einer umjubelten Rückkehr nach Dortmund.

Beim Eintreffen des Mannschaftsbusses am Trainingsgelände, natürlich schon im Dunkeln, erleuchtete Pyrotechnik die Szenerie. Hunderte Fans feierten, Axel Witsel und Achraf Hakimi mittendrin. Neu-Dortmunder, bei denen der Abend Eindruck hinterlassen haben dürfte. Schwarz-Gelbe, die schon länger dabei sind, fühlten sich natürlich an das erste Meisterjahr unter Jürgen Klopp erinnert.

Die Partie am Nachmittag hatte die Kräfteverhältnisse der laufenden Saison gut widergespiegelt. Natürlich kam Schalke über den Kampf, natürlich wollten die Blauen. Sie brachten Härte ins Spiel, die zum Glück nie ausuferte. Nerviger war das ewige Lamentieren der Gastgeber gegenüber dem Schiedsrichter, vor allem in der ersten Hälfte. Spielerisch zeigten sich die Blauen allerdings limitiert, vor allem offensiv. Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Burgstaller ging da kaum noch was. In Gelsenkirchen muss man sich langsam fragen, ob da nicht auch was in der Transferpolitik schief gelaufen ist.

Die Richtigen treffen

Eine Führung im Derby ist immer erfreulich – und noch mehr, wenn sie von einem Spieler wie Thomas Delaney erzielt wird. Einem Typen, den man in einem Derby braucht und der sich diesen Treffer durch seine Entschlossenheit verdiente. Ein wuchtiger Kopfball nach einer Ecke: Solche Tore dürfte der BVB gerne noch häufiger machen. Allerdings wurden die Gäste, die zuvor dominierten und ansehnlich kombinierten, nach dem 1:0 etwas passiver, ungenauer oder übermütig. Sagen wir es so: Schalke bestimmte jetzt das Niveau.

Es mangelte an echten Torszenen. Am Ende der Partie stand die Borussia bei neun, die Gastgeber bei sechs Torschüssen – und über deren Qualität sagt diese Statistik bekanntlich noch nichts aus. Burgstaller testete Roman Bürki aus kurzer Distanz, spielte aber zuvor Hand. Neben dem Elfmeter war das die einzige Großchance der Blauen. Schalke machte in der zweiten Hälfte etwas mehr, blieb auch nach dem Ausgleich dran, war aber nicht gefährlich. Und dann kam Jadon Sancho. Der 18-jährige Engländer spielte einen Doppelpass mit Raphael Guerreiro, zog dann über links in den Strafraum und traf an Fährmann vorbei ins rechte Eck. Ein großer Treffer von ihm, der in der Woche zuvor seine Großmutter verloren hatte. Ohne Zweifel hatte dieses Derby also die richtigen Torschützen. Und mit Guerreiro erneut einen eingewechselten Scorer.

Schön zu sehen war, wie weit die Blauen derzeit von Schwarz-Gelb entfernt sind. Das tut gut, das wird man ja wohl mal sagen dürfen. Die Arbeit von Zorc, Watzke und vor allem Lucien Favre ist auch unter diesem Gesichtspunkt bewundernswert. Nach dem großartigen Freiburger 3:0 gegen Leipzig sind die Bayern zumindest bis heute Abend wieder erster Verfolger der Borussia. Alles ist möglich und derzeit fühlt sich das so richtig gut an.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Diallo, Hakimi – Witsel, Delaney – Sancho (89. Pulisic), Reus, Bruun Larsen (61. Guerreiro) – Paco Alcacer (77. Götze). Gelbe Karten: Piszczek, Hakimi, Reus. Tore: Delaney, Sancho

Kick it like Sancho

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 2 SC Freiburg 0

Der Sportclub ist ein von mir immer gern gesehener Gast im Westfalenstadion. Nicht nur, weil er meistens Punkte da lässt, sondern auch wegen des großen Respekts, den ich vor der Arbeit in Freiburg habe. Ich konnte nie verstehen, warum manche diesen Verein langweilig finden und am liebsten nur die Bundesliga-Dinos sehen würden, selbst wenn die ohne Ende Mist bauen. Trotzdem freut es mich natürlich, dass die Borussia mit ihrem zehnten Sieg in der Liga weiter alle auf Trab hält. Und das kam so:

Die Viererkette steht. Obwohl Manuel Akanji ersetzt werden musste, wirkten die vier Abwehrspieler weitestgehend routiniert und eingespielt. Dan-Axel Zagadou klärte bis zu seiner Verletzung da hinten beinahe alles weg. Was für eine tolle Erfolgsgeschichte nach dem schwierigen Anfang! Lukasz Piszczek und Abdou Diallo ließen sich auch auf Ausflüge nach vorne ein, was gar nicht so schlecht aussah. Und Achraf Hakimi ist ja sowieso häufig in des Gegners Hälfte anzutreffen – ohne dadurch heute defensive Problemchen heraufzubeschwören. Gegen Freiburg passte diese recht offensive Abwehrkonstellation. Ja, es war ’nur‘ Freiburg. Aber dieses Freiburg hat anderen schon enorme Probleme bereitet.

Wehe dem Gegner, der Jadon von der Leine lässt. Bekommt Englands Teenie-Hoffnung den Platz und sprüht er vor Spielfreude wie heute in einigen Szenen, dann ist er inzwischen der bessere Pulisic. Das ist nicht so schön für Letzteren, da Christian deswegen seltener spielt. Aber heute stand das ohnehin nicht zur Debatte, der US-Amerikaner fehlte mit muskulären Problemen. Sancho war dafür an beiden Toren beteiligt: Sein Dribbling im Strafraum führte zum Elfmeter, den Reus verwandelte und sein tolles Power-Dribbling in der Nachspielzeit bereitete die Entscheidung vor.

Arbeitssieg mit einem Hauch Klasse. Der Sportclub machte es den Borussen nicht einfach. Christian Streich hat es nach Anlaufschwierigkeiten auch in dieser Saison wieder geschafft, eine Mannschaft zu bauen, die sehr gut das spielt, was sie kann. Man sah aber doch, dass die Schwarz-Gelben etwas mehr können. Vor allem in der zweiten Halbzeit gab es einige schöne Spielzüge, wenn auch nicht alle in Großchancen mündeten. Marco Reus tat sein Tor gut, auch Jacob Bruun Larsen drehte nach einer unauffälligen ersten Hälfte auf. Es war aber kein Chancenreigen und Freiburg traf durch Gondorf auch die Latte, wie später Piszczek.

Mäßige erste 45 Minuten, passend zur Anti-Montagsspiele-Nicht-Stimmung auf der Südtribüne, dann der souveräne zweite, lautere Teil. Voll ok, das Ganze. Doch jetzt kommt das Derby!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Diallo, Zagadou (37. Toprak), Hakimi – Delaney, Witsel – Sancho, Reus (81. Philipp), Bruun Larsen – Götze (70. Paco Alcacer). Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Reus (EM), Paco Alcacer

 

Borussia hat Vorsprung und Alcacer

Borussia Dortmund im Gute-Laune-Modus: Zur Mitgliederversammlung beschenkten uns die Verantwortlichen mit der festem Verpflichtung von Paco Alcacer; am Samstag zogen die Schwarz-Gelben gegenüber Leipzig und Bayern auf acht bzw. neun Punkte davon. Wie gut kann diese Saison also werden?

Hans-Joachim Watzke ist zwar bekanntlich eher pessimistisch veranlagt, was seine Borussia angeht, aber trotzdem hat seine Mahnung an die Spieler Berechtigung,„scharfgestellt“ zu bleiben. Es ist erst November, beim FCB dürfte in absehbarer Zeit ein neuer Mann auf der Bank sitzen und die andere Borussia bleibt dran, dreht dabei sogar Spiele wie heute gegen Hannover. Es sind eben nicht nur die Bayern und für eben jene sind neun Punkte an 22 Spieltagen natürlich aufholbar. Nachlässigkeiten wären also tatsächlich der „Anfang vom Ende“, wie Watzke sagt.

Wichtig ist auch, sich nicht ablenken zu lassen. Wenn für Aki Watzke die Bundesliga das Non-plus-ultra ist, wie zuletzt beteuert, dann muss dieser Wettbewerb im Zweifelsfall auch im Zentrum der Konzentration stehen. Ja, in dieser Saison ist da etwas möglich. Deswegen interessiert mich die Super, äh Champions League da höchstens als eine gute Trainingsveranstaltung.

Ich habe das Mainz-Spiel nicht sehen können, aber manchmal reicht auch ein Ticker, um zu wissen: Der unglaubliche Paco hat es wieder getan. Zwei Minuten im Spiel und schon wieder getroffen. Die Frage bleibt, wie die ganzen Partien ausgingen, wenn Favre ihn und gewisse andere Spieler von Anfang an bringen würde. Paco jetzt zu verpflichten ist zwar einerseits ein Feel-Good-Bonbon für die Mitgliederversammlung gewesen, aber eben auch ein No-Brainer. Einen so treffsicheren Stürmer zu diesen Konditionen vom FC Barcelona zu kriegen ist einfach verdammt gutes Verhandlungsgeschick von Zorc und Watzke. Auch wenn Alcacer noch nicht so lange hier ist, auch wenn er relativ verletzungsanfällig erscheint.

Wie ich beinahe Lothar Matthäus lieben lernte

1. Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 3 Bayern München 2

An so einem Abend geschehen Zeichen und Wunder: Sky-Experte Lothar Matthäus führte nach dem Topspiel ein engagiertes Interview mit Marco Reus, stellte interessante Fragen mit zuvor gut beobachteten Inhalten und wirkte generell begeistert von der Dortmunder Leistung und der Partie insgesamt. Das war erfreulich weit entfernt vom üblichen Standard-nach-dem-Spiel-Gefrage der TV-Journalisten. Für einen kurzen Moment wünschte ich mir – wohl vergeblich – dass Lothar meinen bald Trainer-losen Zweitverein SV Babelsberg 03 übernimmt.

Über die ganze Breite der Südtribüne war gestern ein Banner gespannt, das sich unmissverständlich gegen die Teilnahme von Borussia Dortmund an einer Elite-Liga aussprach. Es passte perfekt zur Gelegenheit: Ein solches Topspiel ist so nur in der Bundesliga denkbar; in einer European Super League wäre dieselbe Begegnung entwertet. Auch wenn das einige RB Leipzig-Fans vielleicht nicht verstehen.

BVB gegen Bayern bot gestern Abend alles, was sich die weltweit zuschauenden Menschen und übertragenden TV-Sender erhofft hatten. Es war mal wieder eine Partie auf Augenhöhe – zum Nägelkauen, auf dem Sitz hin- und herrutschen, Aufregen. Und am Ende jubelten die Schwarz-Gelben, nachdem Robert Lewandowski uns kurz die Hände vors Gesicht schlagen ließ, ehe sein Treffer in der 90+5. Minute zurecht als Abseits gewertet wurde. Weiterlesen „Wie ich beinahe Lothar Matthäus lieben lernte“

Vom Zypern-Freund zum Supercupsiegerbesieger

Champions League, 3. Spieltag / BVB 4 Atletico Madrid 0

Es ist erstaunlich bis atemberaubend wie sich die Europapokal-Geschicke von Borussia Dortmund gewandelt haben. Nach Nikosia und dem Ausscheiden gegen Salzburg nun der dritte Sieg in der Champions League, mit 4:0 gegen Atletico. Der Mannschaft, die angeblich so wenig zulässt.

Lucien Favre probierte es mit einem recht klassischen 4-2-3-1, wobei Marco Reus ganz vorne seine Rolle doch etwas anders spielte als Paco Alcacer. Zeitweise fehlte die Präsenz eines echten Neuners den Schwarz-Gelben: Wenn es keinen Abnehmer für die Flanken der flotten Außen gab. Dass unter den Torschützen des BVB letztendlich nur ein echter Offensivmann war, ist aber schon ein Hinweis, wie die Mannschaft des Fehlen von Paco ausgleichen konnte: mit einer fantastischen Mannschaftsleistung.

Wie so oft – außer in der letzten Saison – wirkte das Auftreten der Borussen in der Champions League noch etwas spritziger und engagierter als in der Bundesliga. Favre hatte es offensichtlich geschafft, die immense Qualität von Atletico allen klarzumachen. Wenn man jemand herauspicken will aus der Mannschaft, muss man mindestens diese Namen nennen: Witsel, Hakimi, die Innenverteidiger Diallo und Zagadou und Marco Reus. Auch dessen Kumpel Mario Götze hielt gut mit.

Die vier Tore fielen, weil das Team in entscheidenden Momenten heiß, schnell und kombinationssicher war. Sie fielen weniger durch herausragende Einzelleistungen. Es gab auch die Phase, in der die Partie wackelte und Madrid den Ausgleich hätte schießen können. Die Borussia kam gar nicht mehr ordentlich hinten raus. Mehr als ein Elftel Schuld daran hatte der für den verletzten Delaney eingewechselte Mahmoud Dahoud. Dessen Passspiel war zunächst absolut gruselig, nicht zum ersten Mal. Doch später bereitete er immerhin das 3:0 durch Sancho mit vor.

Aber ansonsten: Was waren das wieder für Einwechslungen von Favre? Okay, von Jadon Sancho erwartet die Fußballwelt das inzwischen fast schon. Aber zwei Tore vom schon ins zweite Glied gerückten Guerreiro? Klar: Das 0:2 in einer für sie bis dahin positiven zweiten Hälfte beeindruckte Atletico und euphorisierte Schwarz-Gelb sowie das Westfalenstadion. Aber wie das dann zu Ende gespielt wurde, war trotzdem extrem beeindruckend. Es spielte auch keine Rolle, dass Roman Bürki nur einen ordentlichen und keinen bockstarken Tag wie zuletzt immer erwischt hatte. Nicht jeder Pass und Abschlag von ihm saß.

Ein sehr großes Spiel also. Natürlich aber noch kein Fingerzeig, dass es der BVB auch in der Champions League weit bringen kann. Nun kommt mit Hertha BSC erst mal eine der derzeit unangenehmsten Mannschaften der Bundesliga nach Dortmund.

Borussia kompakt: Die neue Reife

Champions League, 2. Spieltag / BVB 3 AS Monaco 0

Nach dem Gewinn der High-Speed-Oper in Leverkusen zeigt Borussia Dortmund ein zweites Mal, dass das 7:0 gegen Nürnberg keinesfalls so bizarr war wie es sich nach der langen Wartezeit auf sieben eigene Tore zunächst anfühlte. Natürlich war es wieder nicht durchweg gut, was die Schwarz-Gelben spielten. Die erste Hälfte gehörte nach etwa einer Viertelstunde überwiegend den Monegassen. Doch der BVB 2018/19, der Favre-BVB, kann reagieren und findet Lösungen.

Auch heute hing das auch mit dem Gegner zusammen. Monaco hatte in den ersten 45 Minuten viel investiert und war wie in der Liga auch an der Chancenverwertung gescheitert. Normalerweise hätten sie über 90 Minuten ein, zwei Dinger machen müssen. Aber neben Roman Bürki überzeugten bei der Borussia auch die Innenverteidiger, Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou. Die spielen zwar nicht komplett fehlerfrei, aber weit souveräner, als man es aufgrund des Alters bzw. der bisherigen Einsatzzeiten vermuten würde.

Wieder schlug ein Wechsel von Lucien Favre voll ein. Unglaublich, wie Jacob Bruun Larsen sich selbst in der Champions League zurechtfindet. Ein Tor, eine herrliche Vorarbeit – wie schön, dass so eine Nachwuchs-Geschichte mal wieder funktioniert, auch wenn Larsen mit sechs Jahren noch kein Schwarz-Gelber war. Jadon Sancho, der gerade bis 2022 verlängert hat, legte Larsen das erste Tor vor. Die Zukunft kann kommen.

Stark auch, wie sich Paco Alcacer von seinem Elfmeter an die Latte erholte und umso entschlossener kurz danach das 2:0 machte. Weniger stark auch über 90 Minuten dagegen Axel Witsel, der mir in den letzten Partien öfter zu zögerlich wirkte und manchmal ins Fußgänger-Tempo verfiel. Für was die Borussia in dieser Saison reif ist? Sollen sich andere überlegen. Das CL-Achtelfinale erscheint jedenfalls möglich.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Zagadou, Diallo – Witsel, Delaney (65. Weigl) – Sancho (84. Philipp), Reus, Wolf (46. Larsen) – Paco Alcacer. Tore: Larsen, Alcacer, Reus