Favres Start und Susis Geschäfte

Borussia Dortmund trainiert wieder und es fallen weitere Entscheidungen: Gestern wurde ein weiterer Transfer bekanntgegeben, über den seit gut einer Woche spekuliert würde. Der marokkanische Außenverteidiger Achraf Hakimi, vor Kurzem noch bei der WM im Einsatz, wechselt von Real Madrid zum BVB. Allerdings wird der 19-Jährige nur ausgeliehen, wenn auch für zwei Jahre.

Kommt da also der neue Philipp Lahm zur Borussia? Positiv ist selbstverständlich, dass auf seiner Position etwas getan wurde. Die Außenverteidigung gehört schließlich seit Jahren zu den schwarz-gelben Baustellen. Außerdem ist unsicher ob Raphael Guerreiro in Dortmund bleibt. Hakimi spielt hauptsächlich rechts hinten, kann aber auch links. Für Real kam er letzte Saison immerhin 17-mal zum Einsatz. Ein Transfer mit Potenzial ist das also zweifellos – nur nicht mit dem des Profits. Für den BVB wird er sich Stand jetzt höchstens spielerisch auszahlen. Wäre aber nicht das Schlechteste, wenn wir bald wieder eine überzeugende Außenverteidigung hätten. Mal schauen.

Dass das Geschäft überhaupt zustande kam, soll auch dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Aki Watzke und Real-Präsident Florentino Perez zu verdanken sein. Andere europäische Vereine waren wohl ebenfalls an Hakimi interessiert.

Yarmolenko in die Premier League

Der Kader ist gestern jedoch nicht noch größer geworden, denn es gibt auch einen Abgang zu vermelden. Andriy Yarmolenko, als Dembelé-Ersatz geholt und stark gestartet, verlässt Dortmund in Richtung London. Der Außenstürmer geht zu West Ham United, die derzeit auf großer Einkaufstour sind. Der Kicker berichtet von einer Ablöse um die 20 Millionen Euro, was einen Verlust von rund fünf Millionen bedeuten würde. Der sportliche Verlust scheint überschaubar, aber diese Einschätzung wird sicher auch durch Verletzungspech und die bescheidene Mannschaftsleistung beeinflusst. Bleibt zu hoffen dass Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nächsten Sommer zufriedener auf ihre Transfers zurückblicken können.

Der, der in dieser Frage eine große Rolle spielen wird, hatte nun seine ersten Auftritte in Dortmund. Lucien Favre auf der Pressekonferenz und dem Trainingsplatz. Auf letzterem fühlte er sich sichtlich wohler. Am flüssigsten sprach Favre vor den Journalisten, als es um seine präferierte Taktik ging. Mit Pressesprecher Sascha Fligge ist der Trainer per Sie. Was alles vollkommen OK ist, wenn hinter verschlossenen Türen vertrauensvoll kommuniziert wird. Die Hoffnung ist da und nicht gering, aber es bleibt spannend.

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Papa und Passlack nach England

Das Eine ist lediglich eine Vollzugsmeldung zu einem Transfer, der schon seit Wochen feststand: Sokratis Papasthatopoulos, kurz Papa, wechselt zum FC Arsenal, nach fünf Jahren in schwarz-gelb. Der BVB bekommt dafür laut Kicker 16 Millionen Euro plus Bonuszahlungen. Aus ‚bilanztechnischen‘ Gründen sollte der Transfer erst im Juli offiziell werden.

Beschweren kann man sich weder über Papas Entscheidung noch über die Ablöse für den 31-jährigen Innenverteidiger. Schade finde ich diesen Gang der Dinge trotzdem. Weil ich Sokratis‘ No-nonsense-Attitüde, wie man das in England nennt, vermissen werde. Und weil ich die Vermutung habe, dass seine in der letzten Saison etwas nachlassende Leistung mit dem Busanschlag zu tun haben könnte. Und sei es nur, dass dieser eine gewisse Dortmund-Müdigkeit förderte. Ich hätte Papa gerne noch ein, zwei Jahre in schwarz-gelb gesehen – so gibt es den natürlich nötigen Umbruch halt früher.

Die andere Meldung aus Dortmund hinterlässt Fragezeichen. Die auf zwei Jahre angelegte Ausleihe von Felix Passlack nach Hoffenheim wurde vorzeitig beendet. Stattdessen spielt das Eigengewächs in der nächsten Saison in der Championship, Englands zweiter Liga, bei Norwich City. Dort soll der Ex-Trainer unserer Zweiten, Daniel Farke, Passlack wohl mehr Spielpraxis verschaffen als die gut 60 Minuten bei der TSG. In der letzten Spielzeit lief es allerdings sehr mittelmäßig für Farkes Canaries.

Trotz meiner Grundsympathie für den englischen Fußball unterhalb der Premier League bleibt die Frage, ob Passlacks Karriere dort wieder Fahrt aufnehmen wird. Sicher scheint das nicht und daher auch nicht, ob Felix noch mal für die Borussia auflaufen wird.

Schwerer Start ohne Castro

Zwei Borussia-Meldungen von gestern erfordern einen Rückblick und eine Vorschau. Zunächst mal ist Gonzalo Castro für die Schwarz-Gelben Vergangenheit. Der Mittelfeldspieler wechselt nach drei Jahren in Dortmund zum VfB Stuttgart. Gut fünf Millionen Euro kostet das die Schwaben angeblich.

Nach der letzten Saison werden die wenigsten Fans dagegen Einwände haben. Die lief für Castro, wie für viele andere, nicht besonders. Und der Kader muss verkleinert werden. Ich habe aber die zwei Jahre davor nicht vergessen. Da war ‚Gonzo‘ meist ein antrittsstarker Spieler, der sehr brauchbare Pässe spielen und Freistöße treten konnte. Zu Beginn wurde er leider von Thomas Tuchel noch unterschätzt. Nun also Stuttgart. Vielleicht ist das für den 31-jährigen Castro genau die richtige Herausforderung. Alles Gute, Gonzalo!

Unliebsame Gäste zum Auftakt

Nachdem die deutsche Nationalmannschaft ihren Russland-Aufenthalt beendet hat, bekam die Bekanntgabe des neuen Bundesliga-Spielplans wohl mehr Aufmerksamkeit als es in einem normalen WM-Jahr der Fall gewesen wäre. Borussia Dortmund hat den wohl schwersten Auftakt der letzten Jahre bekommen. Hier wie immer die ersten fünf Spiele in der Übersicht:

RB Leipzig (H), Hannover 96 (A), Eintracht Frankfurt (H), TSG Hoffenheim (A),
1. FC Nürnberg (H)

Ja, drei Heimspiele. Aber nur das letzte ist eine Partie, wo man spontan sagt: sollten wir schaffen. Ein trügerischer Durchmarsch wie beim letzten Saisonauftakt ist also nicht zu erwarten. Nicht einfacher wird es am letzten Spieltag im Mai. Da wird die Borussia bei der anderen Borussia zu Gast sein. Und Favre zurück im Borussia Park, als Gästetrainer, wenn es gut läuft.

Diallo kommt zum BVB

(Updated) Borussia Dortmund hat sich mit dem 22-jährigen Innenverteidiger Abdou Diallo von Mainz 05 verstärkt. Über diesen Transfer wurde bereits seit geraumer Zeit spekuliert, doch der BVB war nicht der einzige Verein, der Interesse hatte. Nun hat sich der Franzose jedoch für die Schwarz-Gelben entschieden.

Die Ablösesumme soll mehr als 25 Millionen Euro betragen. Heftig für einen Innenverteidiger – bis man an Liverpools Van Dijk denkt. Wie sich die Maßstäbe verschoben haben. Sieht man es positiv, hat die Borussia die Verjüngung der Innenverteidigung innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen. Diallo dürfte angesichts seines Preisschilds erst mal gute Chancen haben zu spielen. Als Mainzer Abwehrspieler eine Kicker-Durchschnittsnote von 3,09 zu bekommen, ist auch aller Ehren wert. Spannend wird, wer den Platz neben ihm bekommt: Akanji oder Toprak. Die bessere Spieleröffnung hat ohne Zweifel der junge Schweizer.

Bleibt zu hoffen, dass sich die BVB-Verantwortlichen auch ebenso intensiv Gedanken um die Außenverteidigung machen. Oder will man noch jemandem weißmachen, dass Piszczu und Schmelle die Zukunft gehört? Die RN berichten zudem, dass Erik Durm bei David Wagners Huddersfield Town auf dem Zettel steht. Drei wichtige Teile der Transferplanung sind nun abgearbeitet – Stürmer und Außenverteidiger fehlen noch.

Klare Ansage: Delaney kommt aus Bremen

Das Interesse war seit einigen Tagen bekannt, schon heute wurde alles klar gemacht: Mit Thomas Delaney kommt eine der Entdeckungen der letzten Saison und der Topspieler von Werder Bremen zum BVB. Wie sehr er sich in den Vordergrund katapultiert hat, zeigt schon die Ablöse: Zwei Millionen zahlte Werder für den dänischen Mittelfeldmann, der Borussia ist er nun zehnmal so viel wert. Delaney soll trotz seines Interesses an der Premier League Angebote von dort zugunsten des BVB ausgeschlagen haben.

Natürlich macht die Verpflichtung eines mental und physisch starken Box-to-box Mittelfeldspielers für die Schwarz-Gelben Sinn. Zumindest wenn man so ehrlich ist, zu sagen dass es nun für Nuri Sahin und Julian Weigl nicht einfach wird. Denn kommen Spieler, sollten auch welche gehen. Nicht unbedingt die beiden genannten, aber der Kader des BVB war in der letzten Saison schon zahlenmäßig am Limit.

Thomas Delaney hatte in der abgelaufenen Spielzeit all das was die BVB-Spieler auf seiner Position häufig vermissen ließen. Natürlich ist sein Weggang ein herber Verlust für Bremen. Vornehmlich von Bayern-Fans werden wir uns jetzt anhören müssen, wir seien ja auch nicht besser als ihr Klub, täten aber so. Da reden wir dann mal in drei Jahren drüber, wenn wir den dritten Bremer Schlüsselspieler gekauft haben sollten.

Delaneys Verpflichtung ist sicher nicht überraschend und fantasievoll wie die erste von Shinji Kagawa. Aber sie ist eine Absichtserklärung und der BVB gibt Antworten auf die Fragen, die sich 2017/18 aufgetan haben. Mal sehen ob das auch vorne und hinten gelingt. Willkommen Thomas!

Borussia verliert keine Zeit

Während alle Fußball-Welt noch das tragische Champions League-Finale diskutiert, kommt Borussia Dortmund an diesem Montag mal gleich mit drei nicht uninteressanten Neuigkeiten um die Ecke. Nicht alle davon sind schon von Vereinsseite bestätigt. So sollen der BVB und der FC Arsenal nur noch drei Millionen Euro auseinanderliegen – im Poker um die Ablöse für Sokratis. 15 Millionen hätten die Londoner geboten, 18 würde Dortmund gerne haben, schreibt der „Kicker“.

So viel dürfte feststehen: ‚Papa‘ will weg. In diesem Jahr wird der griechische Innenverteidiger 30 und wenn man da noch Premier League spielen kann… Aber es könnte mehr dahinter stecken. So gehörte auch Sokratis zu den Schwarz-Gelben, die durchklingen ließen, dass sie der Busanschlag stark belastet (hat). Unstrittig ist, dass Papa keine besonders gute Saison gespielt hat. Sie war sicher nicht abgrundtief schlecht. Aber Papas Spiel ist unsauberer geworden, er selbst wehleidiger. Bei mir persönlich ist der starke Eindruck der Vorjahre aber noch nicht vergessen. Ich halte es auch für gewagt, Ömer Toprak höher einzustufen als Sokratis. Wenn Letzterer geht, sollten die Verantwortlichen auf dieser Position noch etwas tun.

Mindestens genauso spannend: Der erste richtig neue Feldspieler ist da. Marius Wolf kommt von Eintracht Frankfurt und unterschrieb einen Vertrag bis 2023. Die festgeschriebene Ablösesumme: fünf Millionen Euro. Sieht nach einem Schnäppchen aus – und schon rein äußerlich nach einem dieser Mentalitätsmonster, die wir jetzt haben wollen.

„Wolf ist sowohl auf den offensiven Außenbahnen einsetzbar, kann aber auch im Mittelfeldzentrum spielen und gegebenenfalls auch als Rechtsverteidiger einspringen“, so der „Kicker“. Kommt da der neue Kevin Großkreutz? Oder doch Rode 2.0? Jedenfalls kann Wolf nicht nur dazwischen hauen, sondern auch anders: fünf Tore und neun Assists waren es in 2017/18. Zu den gegebenen Konditionen gibt es da wenig zu überlegen, selbst wenn Marius nicht gleich Stammspieler werden sollte.

Und Nachricht Nummer 3? Die ist zwar ebenfalls noch nicht bestätigt, aber der „Kicker“ ist sich nun auch sicher, dass Edin Terzic der neue Co-Trainer beim BVB wird. Also wie vermutet. Und beim Chef hatte das Sportmagazin schließlich auch Recht.

Favre kommt ohne Überraschungen

Es kam wie schon seit Wochen geschrieben wurde: Am ersten Werktag nach dem Ende der französischen Ligue 1 hat Borussia Dortmund bekanntgegeben, dass Lucien Favre vom OGC Nizza zu den Schwarz-Gelben wechselt. Sein Vertrag – auch das war kolportiert worden – läuft bis 2020.

„Die Verpflichtung von Lucien Favre als Trainer ist ein wichtiger Teil unseres sportlichen Neustarts in diesem Sommer“, sagt Michael Zorc. Favre soll etwas Neues gestalten, für Aufbruchstimmung nach einer unglaublich zähen Saison sorgen. Ob ihm das gelingt, wird maßgeblich davon abhängen, ob es Zorc und Watzke schaffen, eine entsprechende Transferpolitik umzusetzen. Die hängt nicht nur an den finanziellen Möglichkeiten, sondern auch daran, ob gewisse Spieler bereit sind, den Verein zu verlassen.

Natürlich muss Favre nicht bei Null anfangen. Es geht genauso um neue Spielideen und neuen Mut. Favres Fähigkeiten habe ich im letzten Artikel schon behandelt. Vorgestellt wird der 60-jährige Schweizer übrigens erst Anfang Juli. Es gibt ja auch keine Euphorie, die eine frühere Präsentation sinnvoll erscheinen ließe. Spannend bleibt bis dahin die Frage, wen der BVB als Assistenztrainer holt – Favre bringt niemand mit. Spekuliert wird über den früheren Borussen Edin Terzic, der zuletzt in England arbeitete.

Warten auf Favre – Hitz schon da

Auch wenn Matthias Sammer scheinbar Ralph Hasenhüttl ganz gut findet: Es spricht alles dafür, dass der nächste BVB-Trainer Lucien Favre heißt. Die beiden – ob man es will oder nicht – wichtigsten Sportmedien schreiben das unisono. Und schon im letzten Sommer war Lucien Favre ein Thema in Dortmund. Der naheliegende Grund, warum die wohl schon feststehende Verpflichtung noch nicht bekanntgegeben wurde ist der letzte Spieltag in der französischen Ligue 1. Heute Abend spielt Favres Klub OGC Nizza beim Tabellendritten Olympique Lyon und es geht noch um den Einzug in die Europa League.

Vielleicht wird der Wechsel also schon in der ersten Hälfte der kommenden Woche offiziell. Zeit, sich daran zu gewöhnen oder sich zumindest damit auseinanderzusetzen. Ich war vor einem Jahr kein Freund von Favre, als das Thema schon mal zur Debatte stand. Ich war erleichtert, als Bosz kam. Mir hatten sich die unrühmlichen Abgänge aus Berlin und Mönchengladbach mehr eingeprägt als seine sportlich erfolgreichen Zeiten dort. Lucien Favre scheint wie Thomas Tuchel auch ein eher eigensinniger Charakter zu sein und er spricht schlechter Deutsch.

Doch nach zwei als umgänglich geltenden Trainern, die in Dortmund letztlich nicht überzeugt haben, muss man eigentlich für jeden offen sein, der sportlichen Erfolg verspricht und sich halbwegs benehmen kann. Denn man weiß ja doch nicht, wie es kommt. Gewissheiten gibt es bei diesem Verein derzeit nicht mehr.

Lob, das zu denken gibt

Für Lucien Favre spricht, wie viele frühere oder derzeitige Spieler von ihm sprechen. Etwa Nizzas Kapitän Dante, ehemals Gladbacher. Oder eben Marco Reus. Nun sagen Spieler gerne nette Sachen über Trainer, die sie viel spielen lassen. Aber auch der Journalist und Autor Christoph Biermann („11 Freunde“) lobt Favre in seinem neuen Buch „Matchplan“ in einem eigenen Kapitel für dessen taktische Ideen. Einen Auszug daraus kann man bei „11 Freunde“ online lesen. Nur so viel: Die Teams des Schweizers stehen bei der Zahl der Treffer und Gegentreffer besser da, als aufgrund der Abschlusspositionen auf dem Feld zu erwarten gewesen wäre.

Ja, Lucien Favre steht im starken Kontrast zu Jürgen Klopp, an dem wir immer noch hängen, ob wir es wollen oder nicht. Aber er kann charmant sein, auch das schreibt Biermann, und er kann über einen längeren Zeitraum Erfolg haben. Verabschieden müssen wir uns wohl von dem Gedanken, dass ein BVB-Trainer so schnell noch mal sieben Jahre bleibt. Nach dieser Saison, die wir heute als Zuschauer beim Pokalfinale endgültig abschließen, wäre ich schon froh, wenn wir es mit dem neuen Trainer bis zum kolportierten Vertragsende 2020 aushalten.

Vollzug vermeldete Borussia Dortmund heute bei Marwin Hitz: Der Schweizer Torwart kommt wie berichtet vom FC Augsburg und unterschreibt einen Dreijahresvertrag. Auf der BVB-Webseite findet sich – wie nicht anders zu erwarten – kein Hinweis darauf, ob Hitz sich einen offenen Wettkampf mit Roman Bürki um die Nummer 1 liefern darf. Eigentlich gibt es keinen Grund wieso nicht – das schließt einen kleinen Bonus für den jetzigen Stammtorwart ja nicht aus.

Der vierte Schweizer kommt dagegen nicht: Eine Verpflichtung von Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner von Juventus ist vom Tisch.

Ein passendes Saisonfinale

1. Bundesliga, 34. Spieltag / TSG Hoffenheim 3 BVB 1

Der letzte Spieltag ist vorbei und kein Schwarz-Gelber wird sich in fünf oder zehn Jahren gerne an diese Saison zurückerinnern. Es fällt einem auch schlicht kein Grund dafür ein, trotz starkem Auftakt, trotz dem Spiel gegen Leverkusen. Aber für das Selbstverständnis der Borussia war das alles zu wenig, und zwar spielerisch wie kämpferisch. Diesen Anschein hatten zu viele Auftritte des BVB und nur das Äußerliche kann man objektiv beurteilen.

Als hätte es noch eines Beweises bedurft, verlor die Borussia verdient in Sinsheim, wurde von der Nagelsmann-Truppe noch überholt und schleppte sich nur in die Champions League, weil Leverkusens Aufholjagd gegen Hannover irgendwann ins Stocken geriet. Selbst wenn es zählte – oder gerade dann – konnten die schwarz-gelben Jungs 2017/18 oft nicht ihr Leistungsvermögen abrufen.

Fehlerkette beginnt bei Stöger

Nach dieser Partie dürfte es noch einmal deutlich weniger Befürworter einer Weiterbeschäftigung des grundsätzlich sympathischen Peter Stöger geben als zuvor. Die Aufstellung wirkte wie der Höhepunkt eines hilflosen Rumtüftelns an der Startelf – dabei schien der Trainer in dieser Hinsicht schon weiter zu sein. Aber was ritt ihn, es mit einer Dreierkette inklusive Akanji als einzigem echten Innenverteidiger und Marcel Schmelzer zu versuchen? Warum stellte er mit Sahin und Weigl gleich zwei über die Saison hinweg eher enttäuschende Akteure in die Startelf? Und warum um alles in der Welt spielte André Schürrle und nicht Maximilian Philipp? Weiterlesen „Ein passendes Saisonfinale“

Zwei Schweizer fürs Tor, zwei Tore für Mainz – und jetzt?

Wie oft hat man sich selber bei dem Gedanken ertappt, wie oft hat man es andere BVB-Fans sagen hören: Zum Glück ist diese Bundesligasaison bald vorbei. Auch am letzten Samstag enttäuschten die schwarz-gelben Jungs wieder all jene, die einen Aufschwung, eine positive Entwicklung in dieser Spielzeit noch für möglich hielten. Nach gerade mal einem starken und einem ordentlichen Spiel. Ich konnte die Partie nicht sehen. Aber nach allem was man hört, muss es grausig gewesen sein.

Das Problem mit dieser Saison ist ja, dass niemand, der sich Borussia Dortmund mit klarem Kopf anschaut, genau sagen kann, was los war. Die Einschätzungen selbst zwischen den Fans gehen weit auseinander. Natürlich gibt es die Polemiker aus dem eigenen und vor allem den anderen Lagern, aber die lasse ich mal außen vor.

Ich persönlich bin etwa der Meinung, dass uns Marcel Schmelzer nicht mehr weiterhilft. Ich sage das nach jahrelangem Anschauungsunterricht. Meiner Meinung nach ist er kein guter, sondern ein durchschnittlicher Außenverteidiger. In dieser Saison hat sich auch gezeigt, dass er dem Team als Kapitän keine Impulse geben konnte. Für manche ist Schmelle allerdings eine Identifikationsfigur – eine der letzten. Ich kann den Gedanken nachvollziehen – aber darf das allein entscheidend sein?

Sieht die Borussia Lichtsteiner am Ende des Tunnels?

Es wird also auch nach Samstag viel diskutiert werden im schwarz-gelben Umfeld. Einiges wird passieren. Derzeit sieht es ganz danach aus, dass es deutlich schweizerischer zugehen wird in Dortmund. Marwin Hitz kommt vom FC Augsburg, um sich wie in der „Nati“ hinter Roman Bürki einzureihen. Oder doch mehr? Für die Borussia ist das eine komfortable Situation, derer sich Hitz bewusst war, als er zusagte.

Spekuliert wird außerdem über eine Verpflichtung von Stephan Lichtsteiner, 34- jähriger Rechtsverteidiger, ebenfalls Schweizer und zuletzt bei Juventus tätig. Kommt es zu diesem Transfer, dann darf wohl als gesichtert gelten, dass der nächste BVB-Trainer Lucien Favre heißt. Denn Michael Zorc wäre auf diesen Namen mit Sicherheit nicht gekommen.

Tuchel, Bosz, Stöger und jetzt also Favre? Was sagt uns das? Auch das wird zu diskutieren sein, aber noch nicht jetzt. Denn da kommt ja noch ein Spiel, das dank schwarz-gelber Unfähigkeit doch wichtig ist. In Hoffenheim darf man nun höchstens knapp verlieren, um sicher in der Champions League zu sein. Klingt machbar, aber das haben wir in dieser Saison schon öfter gedacht. Vermutlich wird Peter Stöger wieder einige Wechsel vornehmen. Sokratis ist ja schon mal gesperrt, Toprak droht verletzt auszufallen. Vermutlich wird man sich irgendwie durchwürgen, bevor es dann endlich wirklich vorbei ist. Dann wird geredet und hoffentlich auch gehandelt.