Der DFL gelingt die Quadratur des Kreises

Der Verteilschlüssel für die Fernsehgelder aus dem neuen Milliardenvertrag der Deutschen Fußball-Liga ist kompliziert. Es gibt verschiedene Töpfe, es geht dabei um Begriffe wie „Wettbewerbszonen“ und nach der Präsentation letzte Woche wusste noch niemand genau, welcher Verein künftig wie viel abbekommen wird. Allein dieser Fakt ist schon positiv, deutet er doch darauf hin, dass sich keine Interessengruppe eindeutig durchsetzen konnte. Eine verständliche Übersicht zu den wichtigsten Kriterien der Aufteilung liefert FAZ.net.

Durch das Befüllen neuer Töpfe konnten neue Kriterien geschaffen werden, die – und das ist das wirklich Bemerkenswerte – allesamt sportlich fair und nachvollziehbar erscheinen. Auch künftig ist die sportliche Leistung der letzten fünf Jahre der mit Abstand wichtigste Maßstab. Belohnt werden aber auch die Bundesligaergebnisse der letzten 20 Jahre – eine Art Fallschirm für Traditionsvereine also. Weitere Gelder werden zu gleichen Teilen an die Vereine einer Tabellenregion (oder eben „Wettbewerbszone“) ausgeschüttet, wobei erste und zweite Liga hier zusammen zu betrachten sind. Außerdem hat die DFL auch noch daran gedacht, den Einsatz von im eigenen Verband ausgebildeten U23-Spielern zu belohnen – immerhin 2 Prozent der nationalen Gesamtsumme werden nach Einsatzminuten für den eigenen Nachwuchs vergeben.

Das Wichtigste: Es bleibt sportlich. Sachfremde, unpraktikable und unfaire Kriterien, wie sie dem Team Marktwert um Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hertha BSC, 1. FC Köln und dem VfB Stuttgart vorschwebten, wurden als Schaumschlägerei entlarvt. So sind die TV-Quoten der Einzelspiele bei Sky aufgrund der Ansetzungen schlicht nicht vergleichbar: ein Spiel am Freitagabend ohne Konkurrenz gegenüber fünf gleichzeitigen Begegnungen am Samstagnachmittag. Fanzahlen bei Auswärtsspielen sowie in den sozialen Medien sind wiederum manipulierbar. Die Größe von Vereinen oder deren Einzugsgebiet zu belohnen wäre einfach nur schreiend ungerecht.

Man hätte es einer kommerziell orientierten Organisation wie der DFL vorher nicht zugetraut, dass am Ende eine Regelung herauskommt, die so weit wie möglich die Interessen aller, auch der Kleinen wahrt. Der Preis sind schwierige Berechnungen. Die nehme ich gerne in Kauf – vor allem, da vorher das Schlimmste zu befürchten war.

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Von Marktwert, Solidarität und deren Fehlen

Nach Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke haben nun auch Vertreter von sechs sogenannten Traditionsvereinen eine Änderung der Fernsehgeld-Verteilung im deutschen Profifußball gefordert. Hertha BSC, der VfB Stuttgart, Werder Bremen, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und der 1. FC Köln setzen sich für eine Berücksichtigung von ‚weichen‘ Kriterien, zusammengefasst unter dem Schlagwort „Marktwert“, ein. Konkret gemeint sind TV-Einschaltquoten, die Anzahl von Mitgliedern oder Auswärtsfans.

Doch die Argumente werden nicht besser, wenn sie von weiteren Vereinen aufgegriffen werden. Auch nicht, wenn deren Vertreter auf angewandte weiche Kriterien im Ausland verweisen. Warum eine Reform in der geforderten Form unsolidarisch und unsportlich wäre, habe ich bereits beim letzten BVB-Vorstoß in diese Richtung dargelegt.

Hier ist aus gegebenem Anlass noch mal der Text.

Fernsehgelder Reloaded

Eigentlich ist in der periodisch wieder aufflammenden Debatte um die Verteilung der Fernsehgelder in der Fußball-Bundesliga ja alles gesagt. Aber das gut funktionierende System wird dennoch immer wieder von innen in Frage gestellt. Diesmal – mit unterschiedlicher Zielsetzung – von so gegensätzlichen Vereinen wie dem FC St. Pauli und dem FC Bayern. Der Kiezklub hat seinen Antrag auf Ausschluss jener Vereine, die nicht der 50+1-Regel entsprechen, inzwischen zurückgezogen.

Um nicht selber alle Argumente noch mal vortragen zu müssen, empfehle ich den lesenswerten Kommentar von Lars Spannagel in Tagesspiegel und PNN.

Unterdessen hat Karl-Heinz Rummenigge im „Kicker“ erklärt, der FCB sei bereit, sich weiter zentral vermarkten zu lassen – wenn seine Wettbewerbsfähigkeit in Europa nicht gefährdet würde. Und manch anderer Kommentator aus den Medien kann diese Argumentation sogar nachvollziehen. Da fragt man sich doch: Kann es der Bundesliga um die internationale Konkurrenzfähigkeit der Bayern oder muss es ihr nicht um die Spannung und Gerechtigkeit des eigenen Wettbewerbs gehen? Und hat der FC Bayern eigentlich ein Anrecht darauf, forever number one zu sein?

Zahlen und (kaputte) Beine

Die Bücher stimmen: Rechtzeitig vor dem Bundesliga-Auftakt hat Borussia Dortmund bekanntgegeben, dass die KgaA wie berichtet eine weitere Kapitalerhöhung durchführt und neben Evonik auch Signal Iduna und Puma als Großaktionäre einsteigen. Der BVB könnte damit nochmals gut 114 Millionen Euro erlösen. Das Geld soll für die Rückführung der übrig gebliebenen Verbindlichkeiten und als Liquiditätsreserve genutzt werden. Ab 2018 will Hans-Joachim Watzke auch deutlich mehr in das Budget der Mannschaft investieren. Nicht explizit eingegangen wurde auf die Möglichkeit, schon zuvor Marco Reus und Mats Hummels mit großzügigen Angeboten langfristig an den Verein zu binden.

Heute schreiben wir jedoch den 22. August 2014. Es ist der Tag, an dem Meister Bayern München die neue Bundesliga-Saison eröffnet. Der Tag vor dem ersten Topspiel zwischen der Borussia und Bayer Leverkusen. Reus und Hummels sind noch da, aber eine lange Verletztenliste, die jene des FCB noch übertrifft, beutelt Jürgen Klopp und das Team. Am Dienstag holten sich die Schwarz-Gelben das Verletzten-Triple. Zumindest wurde an diesem Tag bekannt, dass der formstarke Oliver Kirch zwei Monate, Ji Dong-Won sechs Wochen und Adrian Ramos zumindest für die Partie am Samstag ausfällt. Eine Reihe von Spielern wird derzeit langsam an das Mannschaftstraining herangeführt, darunter Gündogan, Sahin, Kuba und Hummels.

Noch hat Trainer Klopp kompetenten Ersatz im Kader, doch die Variationsmöglichkeiten gegen einen sehr starken Kontrahenten wie Leverkusen werden geringer. Unsicher ist derzeit, ob Roman Weidenfeller anstelle von Mitch Langerak schon morgen ins Tor zurückkehrt. In der Abwehr spricht einiges für Sokratis und Ginter innen sowie Piszczek und Durm außen. Sven Bender dürfte im defensiven Mittelfeld den Vorzug vor Kehl kriegen und an der Seite von Milos Jojic stehen. Noch etwas sicherer sollte die Offensive aus Aubameyang, Reus, Mkhitaryan und Immobile bestehen, in welcher Formation auch immer.

Der Gegner hat in Roger Schmidt einen neuen Trainer, der sich bisher in Parderborn und beim Plastikklub aus Salzburg empfohlen hat. Dazu kommt in Hakan Calhanoglu noch ein umstrittener neuer Star. Dennoch ist nicht abzustreiten, dass die Werkself eine kompetente Führung hat, die auch in diesem Jahr wieder eine originelle Transferpolitik betreibt. Der junge Kroate Tin Jedvai und der Ex-Braunschweiger Bellarabi haben in der Champions League-Quali schon angedeutet, dass sie etwas drauf haben. Außerdem steht weiterhin Dortmund-Schreck Son Heung-Min im Aufgebot und Nicht-WM-Fahrer Stefan Kießling ist schon in beängstigender Frühform.

Ob der Kader der Gäste am Ende der Spielzeit reicht, um wirklich die Top 3 anzugreifen, ist wieder eine andere Frage. Es gab ja auch prominente Abgänge wie Sidney Sam und Emre Can. Doch derzeit sind die Leverkusener womöglich der härtestmögliche Gegner – wenn man sich die Ausfall-Liste bei den drei Topklubs der letzten Saison anschaut. Bei der Werkself könnten sogar die einzigen zuletzt Angeschlagenen, Lars Bender und Neuzugang Papadopoulos, zum Kader für das Westfalenstadion gehören. Da wird es Roger Schmidt kaum stören, dass seine Jungs schon am Dienstag in Kopenhagen ran mussten – und am Mittwoch das Rückspiel austragen. Sollte der BVB diesen Kracher siegreich bestreiten, wäre das ein echtes Ausrufezeichen. Auf ein Neues, schwarz-gelbe Jungs!

Steht England bald auf?

Im Mutterland des Fußballs machen sich nun auch Ligafunktionäre Gedanken, wie man den durch hohe Ticketpreise gebeutelten Fans wieder einen Schritt entgegenkommen kann. Die Football League – der Ligaverband für die zweite, dritte und vierte Profiliga – hat den Mitgliedsvereinen einen Fragebogen geschickt, um ihre Haltung zu Stehplätzen auszuloten. In League One und League Two (Liga 3 und 4) sind sie bereits erlaubt, auch wenn längst nicht alle Vereine Stehplatztribünen anbieten. Nun wird geprüft, ob sich bald Fans in der ganzen Football League, also auch in der Championship (Liga 2), erheben dürfen.

Konkret geht es um die Einführung von fest arretierbaren Klappsitzen mit Geländern zwischen den Reihen. Derart ausgestattete Blocks könnten als Steh- oder Sitztribünen genutzt werden. Die Klubs werden nun gefragt, ob der Ligaverband sich an das Sportministerium und die für die Sicherheit der Sportstätten zuständige Behörde mit der Bitte wenden soll, die beschriebenen Stehplätze in allen Football League-Stadien zuzulassen. Es wird in dem verschickten Dokument aber auch an die Katastrophe von Hillsborough 1989 erinnert, bei der 96 Liverpool-Fans in einem überfüllten Stehblock zu Tode kamen.

Vorbild für die Football League sind unter anderem deutsche Stadien. Und da sticht natürlich besonders das Westfalenstadion mit seiner 25.000 Zuschauer fassenden Stehtribüne hervor. Leitende Angestellte der Football League besuchten im Juli das Supercup-Finale Borussia Dortmund gegen Bayern München (4:2), um sich die ‚Süd‘ mal aus der Nähe anzusehen und die Abläufe im Stadion kennenzulernen.

Allgemein wird in England eingeräumt, dass Stehplätze zur Verbesserung der Stimmung in den Stadien beitragen könnten – allerdings wirft die Tragödie von 1989 immer noch einen Schatten und wird, ob vorgeschoben oder nicht, gelegentlich als Gegenargument angeführt. Natürlich wären mit der Wiedereinführung der ‚terraces‘ auch Preissenkungen verbunden. Manche Vereine erkennen die Notwendigkeit, hier auf die Fans zuzugehen; andere finden das aus nahe liegenden Gründen wohl weniger zwingend. Die Preise für Sitzplätze in der Championship sind mit denen in der 1. Bundesliga vergleichbar – Dauerkarten sind aufgrund der Zahl der Spiele deutlich teurer.

Das weitere Vorgehen in der Football League besprechen die Klubs bei einem Treffen im Februar. Auch in der Premier League sollen viele Vereine offen für eine Debatte sein, doch dort zeigt der Verband bisher kein großes Interesse.

Stehplätze im Test?

Ich muss etwas gestehen: Mich beginnt die Debatte über das „sichere Stadionerlebnis“ zu langweilen. Auf der einen Seite regieren Populismus und Drohkulisse, aber von der anderen hört man ebenfalls wenig Konstruktives. Nach der Verabschiedung des überarbeiteten DFL-Sicherheitskonzepts könnte man meinen, der Untergang der Fußballkultur stünde bevor – wenn man den Angstmachern auf Seiten der Fans Glauben schenkt. Dabei sind der Kontrollwahn bei den einen und die Angst vor jeder Veränderung bei den anderen nur die Effekte einer ähnlich gelagerten, medienbefeuerten Paranoia.

Eine der vernünftigsten Aussagen der letzten Tage kam vom Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte Michael Gabriel:

Entscheiden wird sich ohnehin alles damit, wie die Fans in Zukunft behandelt werden. Am wichtigsten ist das Verhältnis zwischen dem jeweiligen Klub und seinen Fans. Dort muss man sich die Mühe machen, gemeinsam gegen die negativen Entwicklungen vorzugehen.

Die Devise kann nur lauten: Abwarten und im Dialog bleiben. Zwar sind die Formulierungen im DFL-Konzept sicher bewusst schwammig, doch kamen bisher aus der Fanszene auch kaum effiziente, konstruktive Vorschläge, was gegen die Gewalt getan werden kann, die – in welchem Ausmaß auch immer – da ist. Bisher war man vor allem gegen die Vorschläge der anderen Seite.

Anderswo sieht es ganz anders aus. In England kämpft die Fanvereinigung „Football Supporters Federation“ (FSF) um die Wiedereinführung der Stehplätze. Vorerst nur probeweise und mit zweifelhaften Erfolgsaussichten. Neben den Behörden und fast allen Premier League-Clubs gibt es einen besonders bedeutenden Gegner des Stehens im Stadion: Die Hillsborough Family Support Group, eine Vereinigung für die Opfer der Katastrophe von Hillsborough.

Es ist im Mutterland des Fußballs also deutlich umstrittener, sich für Stehplätze einzusetzen. Trotzdem unterstützen neben den aktiven Fans immerhin 13 Profivereine, darunter Aston Villa aus der Premier League und einer meiner englischen Lieblingsclubs, Derby County, einen Feldversuch. Doch der Premier League-Verband lehnt diesen aus durchsichtigen Gründen ab und um ihn zu starten, müsste erst das britische Parlament das entsprechende Gesetz ändern. Diese Debatte finde ich bedeutender und bedeutend spannender als die deutsche.

Mit Übertreibung, ohne Plan: die DFL-Sicherheitsdiskussion

Aufgeregte Reaktionen, reihenweise Vereine, die auf Distanz gehen und eine Fankampagne, initiiert von Schwatzgelb.de – die Vorschläge einer „Kommission Sicherheit“ des DFL-Ligaverbandes zur Verbesserung der Sicherheit in Fußballstadien haben ein großes Echo hervorgerufen. Diskutiert wird über ein Maßnahmenpapier (auffindbar via Ruhrbarone), das auf der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes Ende September präsentiert wurde, aber noch keineswegs beschlossene Sache ist. Leider gibt es dabei auf Seiten der Fans ein Äquivalent zur ausufernden Medien-Berichterstattung über Gewalt im Fußball-Umfeld. Auch die Äußerungen von Bloggern, Fan- und fanfreundlichen Vereinsvertretern beinhalten Übertreibungen und Schwarz-Weiß-Malerei.

Was die Diskussion wesentlich erschwert, ist die Uneinigkeit über die Dimension der Problematik. Durch aufgeregte Medienberichte wird das Fehlverhalten einiger Fans in immer kürzeren Abständen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit transportiert. Daraus konstruiert der Meinungsmainstream einen Handlungsdruck. „Ich fühl‘ mich sicher“, die schon erwähnte Kampagne von Schwatzgelb.de, bestreitet dagegen, dass der Besuch eines Fußballspiels in den letzten Jahrzehnten gefährlicher geworden sei und belegt, dass beispielsweise beim Münchener Oktoberfest das Risiko eines Personenschadens deutlich höher liegt.

Wir haben es hier allerdings mit einem generellen Problem von Statistiken zu Massenveranstaltungen zu tun. Während der Fußball über die Saison betrachtet sicher erscheint, gibt es bei einzelnen Partien Vorkommnisse, über die man nicht so einfach hinweggehen kann. Das Relegationsrückspiel zwischen Düsseldorf und Hertha BSC kommt einem in den Sinn, hierbei vor allem das Verhalten der Berliner Fans. Oder als jüngstes Beispiel der Platzsturm der Gästefans bei der Pokalpartie Hannover 96 gegen Dynamo Dresden. Die Ausschreitungen beim Revierderby in Dortmund fanden zwar überwiegend außerhalb des Stadions statt, sind aber nicht vom Ereignis zu trennen. Mag es auch bei den ersten zwei Beispielen keine Verletzten gegeben haben, so wandelt man da auf einem schmalen Grat. Wenn sich aggressive Fangruppen Zutritt zum Spielfeld oder womöglich zu anderen Blocks verschaffen können und dabei auch noch Pyrotechnik unsachgemäß benutzen, wird das nicht immer glimpflich ausgehen.

Am Beispiel der Pyrotechnik kann man die Problematik, der sich Vereine wie Fans gegenüber sehen, gut verdeutlichen. Bengalos könnten eine stimmungsvolle Zutat des „Stadionerlebnisses“ sein, doch stellen sie in den falschen Händen eine Gefahr nicht nur für die unmittelbar Umstehenden dar. Es gibt eine Minderheit von Menschen im Umfeld der Fußballvereine, je Club eine dreistellige oder niedrige vierstellige Personenzahl, die sich nicht an Spielregeln halten, die schlicht und einfach notwendig sind. Diese Personen nutzen Pyrotechnik mutwillig unsachgemäß. Sie werfen Bengalos aufs Spielfeld und in gegnerische Fanblocks oder zünden Rauchbomben. Zu den Problemfällen gehören auch Gewalttäter und Rechtsradikale, die den Fußball für ihre Zwecke missbrauchen. Weiterlesen „Mit Übertreibung, ohne Plan: die DFL-Sicherheitsdiskussion“

Die Meistermischung

Wird der Deutsche Meister von der DFL bei der Ausarbeitung des Spielplans besonders ausgewogen behandelt? Etwa um die Spitzenspiele gleichmäßig zu verteilen? Man hatte in der Vergangenheit beim FC Bayern häufig diesen Eindruck, und in dieser Saison ist es bei unserer Borussia so ähnlich. Die Schwarz-Gelben haben einen Spielplan bekommen, bei dem die vermeintlichen Höhepunkte fein säuberlich über die knapp neun Bundesliga-Monate verteilt sind. Schon die ersten fünf Partien zeigen die Sorgfalt, mit der vorgegangen wurde:

Werder Bremen (H), 1.FC Nürnberg (A), Bayer Leverkusen (H), Hamburger SV (A), Eintracht Frankfurt (A)

Das ist schon wegen der drei Auswärtsspiele kein einfacher Auftakt, aber eben ein sehr ausgewogener. Das Eröffnungsspiel gegen Bremen ist ein Klassiker, der in den letzten Jahren häufig packende Begegnungen garantierte.

Die weiteren Highlights der Spielzeit folgen in gebührendem Abstand – das war 2011/12 noch anders. Zwischen den Heimspielen gegen Mönchengladbach (um den 29.9.) und Schalke (um den 20.10.) liegen zwar nur ein Ligaspiel, aber immerhin drei Wochen. Die Partie gegen den Vizemeister haben die Dramaturgen der DFL auf den drittletzten Spieltag gelegt, zunächst Anfang Dezember in München. Und der Saisonabschluss findet wieder im Westfalenstadion statt: Heimspiel gegen Hoffenheim – auch das hat seinen besonderen Reiz. Und bietet wohl besonders vielen Schwarz-Gelben die Chance, den nächsten Meistertitel Erfolg zu feiern.

Nie mehr zweite Liga! Oder für immer.

Mehrere ausländische Eigentümer von Fußballvereinen der englischen Premier League sollen dafür sein, Ab- und Aufstiege komplett abzuschaffen. Diese Nachricht hat in den Medien auf der Insel hohe Wellen geschlagen. Kein Wunder, denn würde der Plan wahr, würde sich das diffuse Unbehagen, das viele Fans angesichts der momentanen Besitzverhältnisse hegen, in einen realen Albtraum verwandeln.

Man muss jedoch vorsichtig sein. Die Meldung basiert auf den Aussagen des Vorsitzenden des englischen Profitrainer-Verbandes, Richard Bevan. Er spricht davon, dass eine Reihe von Vereinen in ausländischem Besitz über die Pläne diskutieren. Genaue Zahlen oder Namen nennt er nicht, sagt aber, dass vier oder fünf weitere Vereine reichen könnten, um die notwendige Mehrheit für einen Beschluss zu erreichen. Diese liegt bei 14 (von 20 EPL-Clubs). Die BBC hat die Vereine mit Eigentümern aus ‚Übersee‘ aufgelistet: Aston Villa, Blackburn, Chelsea, Fulham, Liverpool, Manchester United und City, Sunderland und Queens Park Rangers. Bei Arsenal hält der Amerikaner Stan Kroenke eine Anteilsmehrheit.

Egal wie akkurat die Aussage von Bevan ist – zu einer Abschaffung der Auf-/Abstiegsregelung wird es nicht kommen. Es ist unvorstellbar, dass der englische Fußballverband (FA), der für die gesamte Sportart verantwortlich ist, die nötige Zustimmung geben würde – selbst wenn es in der Premier League eine Mehrheit dafür gäbe. Man kommt also nicht umhin, die Meldung als Sturm im Wasserglas zu bezeichnen.

Sie trifft jedoch aus ernstzunehmenden Gründen auf großen Widerhall. Wenn sich amerikanische und andere Eigentümer wirklich Gedanken über eine geschlossene Premier League machen – vermutlich inspiriert durch den nordamerikanischen Profisport – dann zeugt das von einer groben Missachtung der Tradition und eines wesentlichen Elements des Fußballs. Die Bedenken, die Fußballfans nicht nur in England gegen fachfremde Investoren haben, bekämen weitere ernste Grundlagen. Gerade erst hatte der Geschäftsführer des FC Liverpool, Ian Ayre, die dezentrale Auslandsvermarktung der Fernsehrechte gefordert. Analog zu Spanien wären die Topclubs dann in der Lage, ein Vielfaches von dem, was die kleinen Vereine bekämen, aus dem Verkauf der Rechte zu erlösen.

Beide Vorschläge werden glücklicherweise auf absehbare Zeit nicht mal die erforderliche Mehrheit in der Premier League bekommen. Die Ablehnung kommt von beiden Enden der Tabelle: Sir Alex Ferguson hat die jüngste Idee ebenso klar verworfen wie Dave Whelan, der Vorsitzende von Wigan Athletic. Ganz unabhängig davon, wer die Idee einer geschlossenen Premier League wirklich vertritt und welche Nationalität er hat – die englischen Regeln des Sports sind im wesentlichen gut und müssen beibehalten werden. Selbst wenn die Debatte im Mutterland aufgrund fehlender Substanz bald wieder abebben dürfte: sie erinnert uns einmal mehr daran, wie gut wir es auch mit der leicht modifizierten 50+1-Regel haben.

P.S. Bei „Twohundredpercent“ beschäftigt sich einer der besten Fußballblog-Beiträge, die ich bisher gelesen habe, mit demselben Thema.

Katze statt Kappa

Borussia Dortmund wechselt nach übereinstimmenden Medienberichten zur Saison 2012/13 den Ausrüster. Im Sommer 2012 läuft der dreijährige Vertrag mit dem italienischen Sportmode-Hersteller Kappa aus, der Nachfolger soll das Herzogenauracher Traditionsunternehmen Puma sein. Am Design der Kappa-Trikots wird es nicht gelegen haben – es sind vielmehr finanzielle Gründe, die für den Wechsel sprechen. Vom italienischen Unternehmen bekam der BVB bis zu vier Millionen Euro pro Jahr. Der Fünfjahresvertrag mit Puma soll jährlich bis zu sieben Millionen einbringen.

Was den Vereinsverantwortlichen weniger schmecken dürfte ist, dass der Wechsel schon jetzt bekannt wurde. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Information den Verkauf der aktuellen Trikots beeinflusst. Die Klientel (zu der auch ich gehöre), die sich nicht jede Saison, aber alle paar Jahre ein neues Trikot kauft, könnte geneigt sein, auf den neuen Ausrüster und die neuen Designs zu warten. Bezeichnenderweise wurde der Wechsel von Nike zu Kappa im Januar 2009 bekannt gegeben – nach dem lukrativen Weihnachtsgeschäft, wenn sich die allermeisten kaufwilligen Fans bereits ein aktuelles Saisontrikot besorgt haben. Die ausbleibende Reaktion des Vereins ist also nicht überraschend. Marketingdirektor Carsten Cramer lehnte gegenüber den „Ruhr Nachrichten“ einen Kommentar ab, „weil wir uns noch in Gesprächen befinden“.

Puma stattet in der 1. Bundesliga die TSG Hoffenheim und den VfB Stuttgart aus, daneben noch mehrere Zweitligisten. In England laufen unter anderem Newcastle und (noch) Tottenham sowie einige Football League-Clubs mit den Katzen-Trikots auf. Wer die anderen Partner unseres Ausrüsters sind, ist eigentlich höchstens zweitrangig – passend ist jedoch, dass bekanntlich der FC Schalke und der FC Bayern von Adidas ausgestattet werden. Entscheidend für den Endverbraucher (wenn auch nicht unbedingt kaufentscheidend) bleibt das Aussehen der Trikots. Ohne den kompletten Überblick zu haben, scheinen mir die aktuellen Puma-Designs für andere Vereine einfach, aber elegant zu sein. Nur die Hoffenheimer sind und bleiben hässlich. Für einen deutschen Topverein werden sich die Designer jedoch sicher Mühe geben. ;-)