Die Kosten für die Kleinen

Was macht Corona mit dem Fußball? Neben der Leere in diesem Blog, die die Krise wenigstens mitzuverantworten hat, sorgt sie auch für riesige Belastungen der Vereine. Und doch wird immer wieder auch die Hoffnung oder Erwartung geäußert, dass Covid-19 längerfristig etwas Positives bewirken kann. Wenn selbst DFL-Geschäftsführer Christian Seifert über die Deckelung von Gehältern nachdenkt und eine „Taskforce Zukunft“ einsetzen will, könnte sich nicht tatsächlich etwas zum Besseren ändern?

Hoffen darf man, aber neben den rechtlichen Hürden dafür ist momentan sowieso eher die Zeit, an Andere zu denken, die Schwächeren. Clubs in den unteren Ligen, an der Schwelle vom Amateur- zum Profisport. Clubs, die höhere Kosten haben als echte Amateure, aber keine oder nur äußerst geringe Fernseheinnahmen verbuchen können. Werfen wir einen Blick nach England, auf zwei Vereine, die vor der Pandemie auf dem Weg der Besserung waren und dazu ansetzten, erhebliche Lasten der Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Gloucester ist die sehenswerte Hauptstadt der Grafschaft Gloucestershire. Die Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit, die hier steht, war sogar bei Harry Potter zu sehen. Den lokalen Fußballclub Gloucester City AFC kennen mit Sicherheit deutlich weniger Menschen. Die „Tigers“ haben in ihrer 137-jährigen Geschichte noch nie im Profibereich gekickt; diese Saison bestritten sie in der sechstklassigen National League North. Nachdem die Spielzeit unterhalb der vier Profiligen für beendet erklärt worden ist, kann sich Gloucester City immerhin eines Nichtabstiegsplatzes sicher sein. Was in Sachen Auf- und Abstieg in der National League (Klassen 5+6) geschieht, ist noch nicht geklärt. Weiterlesen „Die Kosten für die Kleinen“

Phönix an der Decke?

Eine mehrjährige Erfolgsgeschichte ist ins Stocken geraten: Als ich im Juni 2018 zuletzt über den englischen Phönix-Club Hereford FC schrieb, war der Nachfolger des insolventen Hereford United gerade zum dritten Mal in drei Jahren, und damit in jedem Jahr seiner Existenz, aufgestiegen. Seither spielen die „Bulls“ in der sechstklassigen National League North und sind nicht vorangekommen. Das ist bei dem vorherigen rasanten Aufschwung eigentlich normal und verzeihlich, doch die Erwartungen bei manchen Vereinsvertretern und Fans waren offenbar schneller gewachsen als die sportliche und strukturelle Leistungsfähigkeit.

Hereford FC möchte vieles anderes machen als der Vorgängerclub und eigentlich nicht mehr abhängig von einzelnen Besitzern oder Geldgebern sein. Die Mitglieder des Hereford United Supporters Trust sind der größte Anteilseigner, haben aber aufgrund der eigenen finanziellen Möglichkeiten noch nicht die angestrebten und laut Statuten maximal möglichen 50 Prozent erreicht. Einzelpersonen oder Gruppen dürfen maximal 24 Prozent halten.

Trainer-Roulette und Familienbande

Der Verein hat schon einiges erreicht – so spielt die Frauenmannschaft gerade ihre sehr ordentliche zweite Saison in der siebtklassigen Midwest Counties Female Football League. Bei den Herren hat sich die überstürzte Entlassung des dreimaligen Aufstiegstrainers Peter Beadle im September 2018 nicht ausgezahlt. Zu dieser Zeit standen die Bulls im Mittelfeld der Liga, auf Platz 12. Keiner der Nachfolger brachte konstanten Erfolg mit. Zunächst versuchte sich Marc Richards auf der Trainerbank, eingesetzt von seinem Schwiegervater Tim Harris, der zuvor Fußballdirektor geworden war. Richards hielt gerade so bis in die aktuelle Saison durch, wurde Mitte August 2019 entlassen. Weiterlesen „Phönix an der Decke?“

Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will

Kloppo hat genug vom Pokal. Zumindest bleibt der Trainer des FC Liverpool bei seinem Standpunkt, das Wiederholungsspiel der 4. Runde des FA Cups zu Hause gegen Drittligist Shrewsbury Town auszulassen. Konkret würde das bedeuten, dass er selber sowie der gesamte Kader der ersten Mannschaft nicht da oder sogar in Urlaub sind. Antreten soll stattdessen die U23 der Reds, angeleitet von ihrem Trainer Neil Critchley.

Klopp beruft sich auf eine von der Premier League eingeführte gestaffelte Spielpause im Februar, die den Klubs aus dem Oberhaus etwas Freizeit verschaffen soll. Der englische Fußballverband FA sagt dagegen, alle Vereine hätten gewusst, was passiert, wenn man in der 4. Runde des Pokals in ein Wiederholungsspiel muss. Der Terminkalender der folgenden Wochen sei schon überladen.

Topspieler halfen nicht

Wie immer man dazu steht: Schade ist, dass die Diskussion davon ablenkt, was Liverpools Gegner Shrewsbury im Hinspiel geschafft hat. Ja, Klopp und die Reds traten im New Meadow freiwillig mit Spielern aus der zweiten Reihe an. Aber auch die späteren Einwechslungen von Alex Oxlade-Chamberlain, Mohamed Salah und Firmino verhalfen ihnen nicht zum Sieg. Der großflächig tätowierte Einwechselstürmer Jason Cummings hatte für die Riesenüberraschung gesorgt und aus einem 0:2 ein 2:2 für Shrewsbury gemacht. Weiterlesen „Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will“

Eine Niederlage, die Mut macht

Im Fußball gibt eine Niederlage null Punkte – wenn der Sieger alle Regeln befolgt hat. So hat auch der englische Drittligist Shrewsbury Town aus Barnsley nichts Zählbares mitgenommen. Und doch wird die 1:2-Niederlage beim Tabellenzweiten als Fortsetzung des Aufschwungs gewertet, den „Salop“ endlich geschafft hat. Viereinhalb Monate, nachdem der 37-jährige Sam Ricketts als Trainer übernahm, der zuvor nur ein halbes Jahr Erfahrung bei einem Fünftligisten vorweisen konnte.

Vor dem Spiel in Barnsley hatte Shrewsbury zehn Punkte aus den letzten fünf Partien geholt und sich sechs Punkte von der Abstiegszone absetzen können. Es hatte jedoch einige Zeit gebraucht, bis die Shrews endlich in Schwung kamen. Seit meinem letzten Beitrag über den Verein Ende 2018 waren sie zunächst bis auf die Abstiegsplätze abgerutscht und einige Fans hatten bereits einen erneuten Trainerwechsel gefordert. Doch nun erweisen sich einige der Deals, die Ricketts im Januar während der Transferperiode über die Bühne brachte, doch noch als echte Schritte nach vorne. Etwa der aus dem Nachwuchs von Manchester United fest verpflichtete Innenverteidiger Ro-Shaun Williams. Vor allem aber der bis zum Saisonende vom Zweitligisten Stoke City ausgeliehene junge Stürmer Tyrese Campbell, dem in Barnsley dieses Tor gelang:

Ja, das Spiel ging am Ende noch verloren. Die Shrews hätten aber sehr wohl gewinnen können, wie auch Barnsleys deutscher Trainer, der Ex-Hannoveraner Daniel Stendel zugab. Mehrere Eins-gegen-eins-Situationen hatten die Offensivkräfte der Gäste, darunter eine weitere Szene von Campbell.

Nun beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang 21 drei Spieltage vor Schluss ’nur‘ noch fünf Punkte. Doch man traut es Shrewsbury Town allemal zu, am Ostermontag zuhause gegen Oxford United die Rettung faktisch klar zu machen – obwohl die Gäste aus der Uni-Stadt gerade einen sehr guten Lauf haben und als 12. noch drei Plätze besser da stehen.

Schön wär’s, denn Shrewsbury ist ein ruhiger, familiärer Klub ohne Schulden. Man gibt jungen Leuten inklusive dem Trainer eine Chance. Große Sprünge sind zwar nicht drin, auch das Stadion bietet nur knapp 10.000 Zuschauern Platz. Aber wenn ein solches Modell Erfolg hat, kann man sich heutzutage nur freuen.

Am Anfang des langen Wegs zurück

Ipswich Town ist abgestiegen. Das war absehbar. Nicht mal Boris Johnson hätte den Fans des Zweitligisten in den letzten Wochen noch etwas anderes versprechen. Nach dem gestrigen 1:1 zu Hause gegen Birmingham City haben die Tractor Boys 13 Punkte Rückstand auf den rettenden Platz 21 bei vier verbleibenden Spielen, damit ist man auch Tabellenletzter.

Wie konnte es so weit kommen beim Klub aus der Grafschaft Suffolk? Der einst unter dem großen Bobby Robson 1981 den UEFA-Cup gewann und in England zweimal hintereinander Vizemeister wurde? Aktuell spielt Ipswich die 17. Saison in der zweitklassigen Championship hintereinander, ist mit dieser Liga vertrauter als jeder andere aktuelle Teilnehmer. Doch nun ist der Abstieg in die Drittklassigkeit besiegelt – wo Town zum letzten Mal 1957 spielte.

Der Klubbesitzer

Wenn sich Ipswich-Fans über das große Ganze äußern, über die Hauptgründe für den jetzigen Absturz, dann fällt unweigerlich der Name Marcus Evans. Ist ja auch nicht verwunderlich, denn ihm gehört der Fußballklub seit 2007. Evans hat außerdem ein weltweit operierendes Unternehmen, das Events organisiert. Seit er Ipswich Town führt, hat er sich für einen Klubbesitzer und Vorsitzenden arg rar gemacht. Zwar ist er nicht selten bei den Spielen anwesend, aber Interviews gab er lange Zeit keine. Einmal im Jahr wandte er sich in den Vereinsmedien an die Fans.

Erst seit kurzem scheint sich Evans‘ Haltung gegenüber der Öffentlichkeit zu ändern. Ende Januar gab er der regionalen East Anglian Daily Times und ihrem Schwesterblatt Ipswich Star ein Interview – das erste gegenüber unabhängigen Medien seit seiner Übernahme des Vereins. Seine Sprachlosigkeit rechtfertigte er mit der Überzeugung, dass der Trainer die entscheidende Person in einem Fußballklub sein solle. Deswegen habe er auch immer erfahrene und starke Trainer verpflichtet. Zu den letzten gehörten Roy Keane, Paul Jewell und Mick McCarthy. Der Letztere verlor allerdings gegen Ende völlig den Draht zu den Fans, die der Stagnation in Ipswich überdrüssig waren. Weiterlesen „Am Anfang des langen Wegs zurück“

From Niki to Nicky

It’s the third minute of stoppage time. Your team has been down to ten men and under pressure for the longest part of the game. But now, in the final seconds, your substitute crosses from the right for your fan favourite to head in a late, late winner. This has just happened to Exeter City in their away game at Notts County, the bottom team of League Two. Unsurprisingly it sent the 660 away fans into raptures. Most of them probably had a long trip from the Exeter area to Nottingham. And the Grecians were on the receiving end of late goals on a number of occasions in the recent past.

Exeter City are one of just a few teams in the Football League which are controlled by their supporters via a supporter trust model. They have a youth academy renowned for producing talented players who often get their chance in the first team – before aiming higher and ending up in the Championship or even the Premier League. It can be frustrating for the manager and supporters, but for fan-owned clubs it’s a decent way to earn much-needed money.

So after losing long-time manager Paul Tisdale plus a couple of important players in summer and top striker Jayden Stockley in January, Exeter weren’t exactly favourites for promotion this season. But as it happens, as 7th they are just inside the play-off places  with eight games to go. Matt Taylor, a former Grecians player and now their manager, has apparently instilled a good spirit into this team. There have been blips and turns, but to be challenging for the play-offs is pretty remarkable.

I’ve been following the Grecians from a distance for some time now. Occasionally I manage to catch them via iFollow, the EFL’s live streaming service. And, at last, there’s a new fan podcast, the Big Bank Theory. This matchday, it was Twitter and live score app only for me. And now this: my namesake scores the winner in injury time. Nicky Law arrived at St. James Park last summer. The experienced midfielder has helped the team not only with his composure, but also with eight previous goals. His ninth could prove invaluable. Fantastic effort, Nicky!

Mit 38 von Los Angeles nach Derby

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres spricht die ganze Welt von Derby County. Vielleicht nicht ausnahmslos jeder Mensch, aber viele Fußballinteressierte und  Sportmedien nicht nur im Vereinigten Königreich dürften registriert haben, dass nach Frank Lampard erneut ein großer Name des englischen Fußballs zum Zweitligisten aus der 250.000-Einwohner-Stadt Derby in den East Midlands stößt.

Es ist natürlich kein Zufall, dass Linksverteidiger Ashley Cole zu Trainer Lampard kommt. Die beiden spielten lange zusammen bei Chelsea und in der Nationalmannschaft. Coles erster Klub war der FC Arsenal. Allerdings ist Cole nur zwei Jahre jünger als Lampard, nämlich 38. Alles deutete darauf hin, dass er seine Karriere in der MLS bei Los Angeles Galaxy ausklingen lassen würde. Doch nachdem im letzten Jahr sein Vertrag dort nicht verlängert wurde, zieht es ihn jetzt zurück in die Heimat, auch wenn es ’nur‘ die Championship ist.

Ashley Cole hatte vor einigen Jahren einen exzellenten Ruf in England, zumindest sportlich: Er galt als der beste Linksverteidiger des Landes. Doch wie kommt er nun mit 38 nach Derby? Durch ein klassisches „Old Boys network“? Die gemeinsame Vergangenheit mit Lampard half sicherlich. Aber natürlich wird auch von Coles sportlichen Vorzügen gesprochen. Natürlich ist er nicht mehr die 28-jährige Version. Aber er ließ verlauten, dass er auch nicht in jeder Woche einen Startelfplatz erwartet. Der Veteran wäre wohl schon zufrieden, wenn er den in dieser Saison zahlreicheren jungen Spielern etwas mit auf den Weg geben könnte. Eine Rolle als Coach, in Derby oder anderswo, erscheint nach dieser Saison möglich. Weiterlesen „Mit 38 von Los Angeles nach Derby“

Sternstunde im Mittelmaß

Ein Unentschieden wie ein Sieg, ein Unentschieden, das Standards setzt: So wurde im Umfeld von Shrewsbury Town das 1:1 vom Samstag aus der Ligapartie in Sunderland bewertet. Beim gefallenen Riesen aus dem Norden, der noch vor zwei Jahren in der Premier League spielte und selbst in der League One stets über 30.000 Leute ins Stadium of Light lockt.

Für die Gäste aus der 71.000-Einwohner-Stadt in der eher ländlichen Grafschaft Shropshire war das 1:1 ein Ausrufezeichen, ein Weckruf aus dem Mittelmaß. Am Ende der letzten Saison stand Shrewsbury Town überaus überraschend im Play-Off-Finale um den Aufstieg in die zweitklassige Championship – und blieb erfolglos. 2018/19 läuft es nach großen personellen Umwälzungen eher mäßig. Vor geraumer Zeit wurde John Askey entlassen; der neue Mann auf der Trainerbank hatte nicht an die Leistungen unter Vorgänger Paul Hurst anknüpfen können und zudem stets blass und distanziert gewirkt.

Es folgte eine positive Übergangsphase mit dem eigentlichen Torwarttrainer Danny Coyne in der Verantwortung und dem damaligen Leiter der Jugendakademie Eric Ramsay als Assistenten. Inzwischen sind beide Coaches der ersten Mannschaft. Den neuen Cheftrainer haben die Vereinsverantwortlichen erneut aus dem unterklassigen Fußball geholt: aus der semi-professionellen fünftklassigen National League, vom walisischen Verein AFC Wrexham. Dort hatte Sam Ricketts zu Saisonbeginn gerade seine erste Station als Cheftrainer angetreten. Mit Erfolg: Er führte die ‚Red Dragons‘ in die Play-Off-Ränge. Doch schafft es ein 37-jähriger Beinahe-Trainerneuling auch zwei Ligen höher? Weiterlesen „Sternstunde im Mittelmaß“

Auf roten Sitzen aus der Krise

In den letzten Jahren sorgten die ‚pinken‘ Sitze in Sunderlands Stadium of Light immer wieder für Spott. Die auch im Nordosten Englands manchmal scheinende Sonne hatte für die Verfärbungen gesorgt. Nun erstrahlen 31.000 der größtenteils fest installierten Klappsitze wieder in leuchtendem Rot. Die Ecken des Stadions sind in Weiß, der zweiten Vereinsfarbe des AFC Sunderland, gehalten.

Das Ersetzen der pinken Sitzgelegenheiten war keine Selbstverständlichkeit, wie sie es beim FC Bayern oder dem BVB gewesen wäre. Sowohl die alten wie auch die neuen Sitze standen und stehen sinnbildlich für die Geschicke der „Black Cats“ in der jüngeren Vergangenheit. Noch in der Saison 2016/17 spielte der Klub aus der Industrie- und Universitätsstadt an der Nordseeküste in der Premier League. Besitzer war zum damaligen Zeitpunkt der Amerikaner Ellis Short. Doch nachdem dieser jahrelang viel Geld für Transfers und Trainer in den Verein pumpte, hatte er schließlich genug und war nur noch bereit, die Verluste der „Black Cats“ aus dem laufenden Geschäft auszugleichen.

Die Konsequenzen waren katastrophal: Nach zwei Abstiegen in Folge ist Sunderland nur noch drittklassig. Die Frauenmannschaft, einst eines der Topteams Englands, aus dem viele Nationalspielerinnen stammten, hat ebenfalls gelitten. Auch die Ladies spielen nach einer Reform des Ligensystems nun drittklassig – ohne wirklich abgestiegen zu sein. Es wird gemutmaßt, dass die finanziellen Verluste der letzten Jahre – Short hatte auch hier nicht mehr investiert – zur Entscheidung des Fußballverbands FA beigetragen haben, Sunderland herabzustufen. Eine umstrittene, weil nicht sportlich begründete Maßnahme.

Ein Abschied mit Stil

Umstritten ist sie auch, weil sich inzwischen grundlegende Veränderungen beim AFC Sunderland ergeben haben. Auch wenn die Ellis Short-Ära als „katastrophal“ bezeichnet wird: Seine letzte Entscheidung war großmütig. Im Frühjahr 2018 verkaufte er den Klub an ein internationales Konsortium, das vom Engländer Stewart Donald, zuvor Besitzer des Fünftligisten Eastleigh, angeführt wird. Im Zuge des Deals löste Short die Schulden der Black Cats in dreistelliger Millionenhöhe ab, verzichtete persönlich auf viel Geld. Was im Klartext bedeutet, dass Sunderland nun mit einer weißen Weste den Neustart in Liga 3 angetreten hat. Weiterlesen „Auf roten Sitzen aus der Krise“

Das Jahr nach Wembley

Am 27. Mai bestritt Shrewsbury Town das Play-Off-Finale der League One in Wembley. Die Mannschaft aus der westenglischen Grafschaft Shropshire hatte zeitweise den niedrigsten Marktwert von Englands dritter Liga gehabt. Es war ein Verein ohne große Namen, der alle Erwartungen übertroffen hatte und plötzlich vor dem ganz großen Coup stand. Doch die Partie gegen Rotherham United ging verloren und der unbestrittene Vater des Erfolgs, der 44-jährige Trainer Paul Hurst, verließ die Shrews wie erwartet in Richtung Ipswich und zweite Liga.

Eigentlich wusste jeder, auch die Fans, dass Shrewsbury ein klassischer Overachiever war. Wembley war eine einzigartige Chance, die nicht so schnell wiederkommen wird. Und doch ist es schwer zu schlucken, wie es einem kleinen Verein nach solch einer verpassten Gelegenheit oft geht. Verlässt mit dem Trainer der allseits anerkannte Erfolgsgarant den Klub, ist es noch schwieriger, Spieler zu halten, die aufgrund des verpassten Aufstiegs sowieso auf gepackten Koffern sitzen.

So kam es, dass ‚Salop‘, wie Town auch genannt wird, 17 neue Leute holte und dazu drei eigene Jugendspieler beförderte. Nur zwei Stammspieler aus dem aktuellen Kader sind schon länger, seit 2015, dabei, Kapitän und Innenverteidiger Mat Sadler und Flügelspieler Shaun Whalley. Beide sind über 30.

Treue Seele, doch auch der richtige Trainer?

Der neue Trainer kam vom Fünftligisten Macclesfield Town. John Askey hatte die ‚Silkmen‘ allerdings zum Abschluss zurück in den Profifußball geführt. Das Bemerkenswerteste am neuen Mann ist seine Vereinstreue. Als Spieler lief er sagenhafte 19 Jahre am Stück für Macclesfield auf. Im Anschluss übernahm er den Verein 2003 als Trainer und blieb 15 Jahre – bis zum vergangenen Juni.

Mit so einem Mann kann man etwas aufbauen, werden sich die Verantwortlichen in Shrewsbury gedacht haben. Der Verein mag klein sein, aber seine seriöse Führung ist über fast jeden Zweifel erhaben.  Die Shrews sind einer der ganz wenigen schuldenfreien Vereine im englischen Profifußball. Wie wichtig wäre für einen Klub mit diesem Profil Kontinuität? Doch die ist in Gefahr. Denn der Start in die Saison 2018/19 verlief nicht vielversprechend. Mit nur zwei Siegen aus 13 Partien in der League One liegt Town derzeit auf Platz 17 (von 24), nur zwei Punkte vor den Abstiegsplätzen.

Vor allem die Tore wollen nicht fallen. Und Trainer Askey wird nicht nur als farblos wahrgenommen, sondern scheint mit dem Niveau der Liga noch seine Probleme zu haben. Nach der jüngsten 1:2-Niederlage in Fleetwood gab er immerhin offen zu, dass er zunächst die falsche Taktik gewählt hatte. Er begründete seinen Wechsel zu einem 4-4-2 unter anderem mit den schlechten, stürmischen Wetterverhältnissen, die am Spieltag im Nordwesten Englands geherrscht hatten. Man kann das als bewundernswerte Ehrlichkeit, aber gleichzeitig die taktische Umstellung als Herumprobieren einstufen.

Würde John Askey die Fans auch emotional mehr mitnehmen, hätte er wahrscheinlich einen etwas leichteren Stand. So wie es ist, wird die Ungeduld spürbar. Das Publikum im „New Meadow“ gilt zwar als freundlich, allerdings nähern sich die Zuschauerzahlen der 5000er-Grenze, von oben. Knapp 10.000 passen ins Stadion. Wembley ist weit weg, der Alltag so trüb wie das Wetter am gestrigen Spieltag.

P.S.: Wer wissen will, wie es weiter geht, dem sei der wöchentliche Podcast Salopcast sehr ans Herz gelegt.