Achtung, sie könnten wiederkommen!

Die Bayern kommen. Das Westfalenstadion ist ausverkauft, es ist das „erste Pflichtspiel“ der Saison, der Supercup. Es werden weltweit wohl sogar eine ganze Menge Menschen zuschauen. Trotzdem bin ich sicher nicht der Einzige, der es nicht so schlimm findet, die Partie nicht sehen zu können.

Spannend wird’s am Freitag drauf in Düsseldorf, wo der KFC Uerdingen nun umstrittenerweise spielt. Den Supercup sehe auch Lucien Favre nur als „einen Teil der Vorbereitung“, schreibt der Kicker. Diese Vorbereitung ist bisher zweifelsohne gut verlaufen. Dass sich die Neuzugänge Julian Brandt und Thorgan Hazard bereits leicht verletzt haben, ebenso Roman Bürki, kann zu diesem Zeitpunkt sicher aufgefangen werden.

Damit wären wir bei meinem ‚Aber‘ der letzten Wochen: dem großen Kader. Der umfasst Stand heute nach der Zählung von Transfermarkt.de immer noch 32 Spieler. Shinji Kagawa und Maximilian Philipp haben noch keinen neuen Verein gefunden. Berlin hat sich für „Milli“ zerschlagen, da Hertha BSC Ex-Fortune Dodi Lukebakio aus Watford geholt hat. Wie schon geschrieben: Aus Philipp hätten der BVB und seine Trainer mehr herausholen können. Es tut mir leid um ihn.

Was passiert 2020?

Zwei, die man loswerden wollte, sind gegangen: Jeremy Toljan und André Schürrle. Kaum jemand wird sie spielerisch vermissen. Doch beide Transfers sind eben nicht endgültig und bringen auch kein Geld ein, wenn man vom gesparten Gehalt absieht. Toljans neuer Klub UD Sassuolo sowie im Fall Schürrle Spartak Moskau haben zwar Kaufoptionen. Aber damit die gezogen werden, müssen die beiden sportlich überzeugen und sich persönlich wohlfühlen, denn auch die Spieler müssten einem endgültigen Wechsel zustimmen. Es würde mich nicht im Geringsten wundern, wenn Schürrle und Toljan Ende Juni 2020 wieder in Dortmund aufkreuzen.

Eine wirklich nachhaltige Transferpolitik macht der BVB gerade nicht. Vieles ist aktuell auf den schnellen Erfolg ausgerichtet. Die Verantwortlichen sehen eine Chance auf die Schale und haben die Möglichkeit, dafür einiges auszugeben. Klar: Wenn es gelingt, haben sie alles richtig gemacht. So muss man das sagen, denn die Liga war mit Ausnahme der letzten Spielzeit zuletzt quälend einseitig. Klappt es nicht so gut, wird der Punkteabstand wieder größer, könnte das entschlossene Erfolgsdenken, das den großen Kader vielleicht derzeit vereint, nicht aufrechtzuerhalten sein.

Klingt zu negativ? Ja, mir geht das mit dem Kader seit geraumer Zeit zu sehr in Richtung Chelsea etc. Dennoch sind die Chancen auf sportlichen Erfolg so groß wie lange nicht. Im Moment überwiegt die Vorfreude gegenüber den Bedenken.

Borussia, was ist nur los mit dir?

Eine Woche, nachdem man wieder Hoffnung schöpfte, eine Woche nach dem knappen Sieg über Leverkusen, scheint der BVB wieder zurück in der Abwärtsspirale zu sein. Nach dem 5:1 der Bayern in Mönchengladbach scheint der Rest der Saison vorgezeichnet. Es bleibt nur die Frage, ob die Schwarz-Gelben die Tabellenführung am nächsten oder übernächsten Spieltag (zuhause gegen den VfB, danach in Berlin) abgeben. Zu eindeutig ist der Trend. Oder?

Die Augsburg-Pleite habe ich nicht gesehen, aber nach einhelliger Meinung der Zuschauer war sie zum guten Teil selbstverschuldet. Kann Lucien Favre, können die Borussen da noch mal gegensteuern und wenigstens die Konzentration wieder auf ein notwendiges Level bringen? Das ist gewiss nicht unmöglich, im Fußball ist schon einiges passiert und der BVB kann als Noch-Tabellenführer auch noch Meister werden.

Mein Problem ist jedoch grundlegender. Deshalb müsste die Ausgangsfrage eigentlich lauten: Borussia, was ist nur los mit uns? Mir fehlt etwas schwer zu Definierendes an ‚meinem‘ Team: Mannschaftsgeist oder Herz, etwas was die Zusammenstellung des Kaders weniger beliebig wirken lässt. Die Strategie, internationale Top-Talente früh an den Verein zu binden, reicht mir nicht aus. Wenn man ehrlich ist, fallen da auch ‚unsere Jungs‘ Jacob Bruun Larsen und Christian Pulisic drunter, die direkt in die älteren Junioren-Jahrgänge einstiegen. Die Theorie, dass eine gewisse Beliebigkeit in Personalfragen auch zu größeren Schwankungen auf dem Spielfeld führt, ist natürlich nicht belegbar. Aber in dieser Saison macht es den Eindruck.

Das Hauptproblem liegt für mich aber noch mal woanders. Der Elite-Klub Champions League mit den jetzt schon immer gleichen Namen, obszöne Summen für Spieler, Vereine wie PSG oder Manchester City, die laut Berichten nicht mal die überschaubaren Regeln einhalten, zu denen sich die UEFA durchgerungen hat. In Deutschland RB und alles, was daran falsch ist, von den jüngsten Transfer-Rochaden mit dem Schwesterklub bis zurück zur Gründung.

Und natürlich: die Vorhersagbarkeit der deutschen Bundesliga. Da scheine ich nun nach vielen Jahren durch dick und dünn doch tatsächlich noch zum Erfolgsfan zu werden. Sollte der BVB das 2018/19 alles noch aus der Hand geben, sollten es die Bayern wieder schaffen, dann ist eben auch erst mal die Hoffnung zerstört, dass sich an den Verhältnissen in absehbarer Zeit noch etwas ändert. Nachdem ich die Champions League ohnehin schon nicht mehr besonders glanzvoll finde, würde auch die Bundesliga an Attraktivität verlieren.

Einmal Borussia, immer Borussia? Ja, aber. Natürlich ist es jetzt keine Alternative, Freiburg-Fan zu werden, obwohl ich das wahnsinnig gut finde, was die da machen. Natürlich bleibt die Borussia mein Verein, egal was passiert. Aber sie könnte noch öfter in den Hintergrund rücken. Wenn Babelsberg 03 in der Regionalliga Nordost spielt oder ich mir per IFollow Partien meiner Lieblingsklubs aus der dritten und vierten englischen Liga im Livestream anschaue. Also schwarz-gelbe Jungs, versucht’s doch noch mal mit der Meisterschaft!

Der junge Mann aus Argentinien

Borussia Dortmund hat Leonardo Balerdi von den Boca Juniors verpflichtet, so wie es sich in den letzten Tagen schon angedeutet hatte. Der 19-jährige und 1,88 Meter große Innenverteidiger gilt „als eines der größten Abwehrtalente Südamerikas“, wie der Kicker schreibt. Er hat allerdings erst fünf Profi-Spiele absolviert. Die Ablösesumme soll 15,5 Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni betragen. Der Vertrag soll bis 2023 laufen – beides hat der BVB allerdings nicht bestätigt.

Glaubt man Michael Zorc, so kann Balerdi so ziemlich alles, was ein Innenverteidiger können muss: Zweikämpfe, Kopfbälle, Aufbauspiel und Pässe. Intelligent soll er auch noch sein. In der offiziellen Verlautbarung auf der Vereinswebseite erfuhr man außerdem, dass der Transfer erst für den Sommer geplant gewesen und nun vorgezogen worden sei. Man will wohl die Erwartungen etwas dämpfen. Schließlich hat sich auch Alexander Isak noch nicht als der neue Ibrahimovic entpuppt.

Macht die Verpflichtung eines fünften und noch dazu so unerfahrenen Innenverteidigers Sinn? Normalerweise bin ich ja skeptisch bei einer derartigen Überbelegung einer Position. Andererseits hat Manuel Akanji noch mit Hüftproblemen zu kämpfen, auch wenn erst mal keine Operation nötig ist. Dan-Axel Zagadou und Abdou Diallo fehlten zuletzt auch, sind nun auf dem Weg zurück ins Team. Und es braucht nicht viel Fantasie, um vorherzusagen, dass Ömer Toprak nicht mehr allzu lange das schwarz-gelbe Trikot tragen wird. Schon im Sommer könnte Balerdi einer von dann noch vier Innenverteidigern sein.

Klar ist: Die Verpflichtung von Leonardo Balerdi ist spekulativ. So muss es die Borussia international angehen. Auch wenn die Schwarz-Gelben es dieses Jahr bei der Integration sehr gut gemacht zu haben scheinen: Schön wäre es, wenn man solche Spieler auch mal wieder näher vor der eigenen Haustüre finden würde. Das hat natürlich nichts mit der Nationalität zu tun – es wäre einfach positiv, mal wieder einen „homegrown player“ in die erste Mannschaft befördern zu können. Ja, es gibt Jacob Bruun Larsen, aber der ist eine Ausnahme und noch nicht allzu lange Borusse. Jetzt schon positiv ist natürlich, dass der BVB für junge Spieler nach wie vor ein beliebtes Ziel zu sein scheint. Willkommen Leonardo!

Weiter geht’s: Toljan da, Passlack weg

Keine Atempause auf dem Transfermarkt: Schon seit einigen Tagen wurde über eine Art Tauschgeschäft mit der TSG Hoffenheim spekuliert, das Jeremy Toljan und Felix Passlack betreffen sollte. Kurzzeitig schien der Deal wegen des geplatzten Verkaufs von Erik Durm an den VfB Stuttgart in Frage zu stehen. Gestern verdichteten sich wie berichtet die Erkenntnisse, dass er doch bevorsteht. Heute Vormittag war es so weit.

Der BVB holt also den U21-Europameister und beidseitigen Außenverteidiger Jeremy Toljan (23) aus Sinsheim. Er erhält einen Fünfjahresvertrag. Im Gegenzug wird der U19-Nationalspieler und beidseitige Außenverteidiger Felix Passlack ohne Kaufoption für zwei Jahre an die TSG verliehen. Die Borussia lässt sich Toljan laut Kicker sieben Millionen Euro plus Boni kosten.

Das macht nur Sinn, wenn Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Jeremy Toljan nicht nur für den derzeit besseren Außenverteidiger halten, sondern der Trainer auch vor hat, ihn einzusetzen. Denn Toljans Vertrag wäre nächsten Sommer ausgelaufen; er hätte dann ablösefrei zum BVB wechseln können. Das heißt im Idealfall: Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek haben sich ab sofort echter Konkurrenz zu stellen. Dan-Axel Zagadou hat auch schon gezeigt, dass er die Position ordentlich spielen kann.

Ob sich Toljan dauerhaft gegen einen der beiden Platzhirsche durchsetzen kann, ist eine andere Frage. In knapp vier Jahren seit seinem Bundesligadebüt für die TSG kam er dort auf 56 Einsätze. In der aktuellen Saison hat er allerdings die kompletten 180 Minuten absolviert. Was man mit großer Wahrscheinlichkeit sagen kann: Jeremy Toljan hat noch mehr Entwicklungspotenzial als Schmelle und Piszczu. Die wohl größte Baustelle der Borussia scheint endlich ernsthaft angepackt zu werden.

Felix Passlack könnte nach zwei Jahren zum BVB zurückkehren. Dafür steht ein Anderer, der wirklich ein schwarz-gelbes Herz hat, vor einem Wechsel zum prominenten Regionalligisten 1860 München. Torwart Hendrik Bonmann sagte Schwatzgelb.de: „Mein größter Traum ist und bleibt Borussia Dortmund.“ Doch schon zum Zeitpunkt des Interviews im April war klar, dass es Bonmann in der ersten Mannschaft wie in der U23 trotz guter Leistungen schwer haben würde. Die Ersatzbank im Westfalenstadion ist schließlich ein weiteres Jahr mit Roman Weidenfeller besetzt. Und im Kader der U23 gehen die Plätze für ältere Spieler aus. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Rückkehr als Nummer Eins oder Zwei.

Yarmolenko kommt für Dembelé

Nahezu zur selben Zeit, als Ousmane Dembelé in Barcelona nach einiger Verzögerung seinen Vertrag unterschrieb, gab Borussia Dortmund offiziell seinen Nachfolger bekannt: Andrey Yarmolenko kommt von Dynamo Kiew und bindet sich bis 2021 an die Schwarz-Gelben. Der 27-jährige Außenstürmer ist vielfacher ukrainischer Nationalspieler mit einer stolzen Torbilanz – 137 Treffer in 339 Pflichtspielen für Dynamo.

Er ist jedoch ein anderer Spielertyp als Dembelé. Neben dem Alter ist die Größe ein offensichtlicher Unterschied: Während der junge Franzose durchschnittliche 1,78 Meter misst, ragt Yarmolenko mit seinen 1,89 Meter doch ziemlich heraus. Dementsprechend gilt Letzterer nicht als filigraner Dribbler, aber durchaus als trickreich und durchsetzungsfähig. Und ein paar Kopfballtore mehr können wir von ihm wohl auch erwarten.

Der BVB soll schon mehrmals hinter Andrey Yarmolenko her gewesen sein. Jetzt hat es also geklappt. Sicher auch, weil das nötige Kleingeld da war – oder wie will man kolportierte 25 Millionen Euro in diesen Tagen bezeichnen? Als Dembelé-Ersatz ist der Ukrainer dennoch eine kleine Überraschung – aber vielleicht eine schlaue Lösung. Ein derart körperlich robuster Spieler fehlt der Borussia noch in der Offensive. Er erweitert unsere Möglichkeiten und verbaut dennoch nicht alle Chancen für Christian Pulisic, ist vielmehr ein ebenbürtiger Konkurrent. Man sollte es sich natürlich auch nicht schönreden: Im Normalfall wird nur einer von beiden spielen.

Einen Konkurrenten weniger dürften Christian und Andrey allerdings bald haben: Wie Spox.com treffend festgestellt hat, spricht die Rückennummer 9 des Neuzugangs dafür, dass deren bisheriger Träger Emre Mor den BVB noch vor Ende des Monats verlassen wird. Es bleibt also spannend, auch wenn die dicksten Brocken jetzt durch sein sollten. Andrey Yarmolenko ist einer davon. Spannend werden nun seine ersten Auftritte. Wollen wir hoffen, dass sich das geduldige Warten der Borussia auszahlt. Ich bin da zuversichtlich gestimmt.

Neymar, Dembelé und die Folgen

Die Zahlen liegen auf dem Tisch: In ungewohnter Offenheit hat Borussia Dortmund heute auf seiner Webseite die Summe genannt, die der bevorstehende Wechsel von Ousmane Dembelé zum FC Barcelona in die Vereinskassen spülen wird. Wirklich überraschend ist diese umfassende Bekanntgabe natürlich nicht. Schließlich sollen Aktionäre und Fans wissen, dass man finanziell ein gutes Geschäft gemacht hat.

Es geht um eine fixe Ablösesumme von 105 Millionen Euro, die durch diverse Boni auf knapp 150 Millionen steigen kann. Der „Kicker“ rechnet damit, dass sie am Ende etwa 140 Millionen betragen wird – eingerechnet sind die Nachschläge, die an wahrscheinlich eintreffende Bedingungen geknüpft sind. Am Erlös wird auch der vorherige Klub des Spielers, Stade Rennes, in beträchtlichem Ausmaß partizipieren. Der Transfer kommt zustande, wenn Dembelé am Montag in Barcelona den Medizincheck besteht.

Nun geht also ein kurzes Kapitel schwarz-gelber Spielergeschichte zu Ende, das richtig geil anfing, aber äußerst unrühmlich endete. Leider wird über das Verhalten von Ousmane Dembelé schnell Gras wachsen, wenn er mit Barca neue Schlagzeilen schreibt. Natürlich werden wir BVB-Fans uns noch eine Weile an sein Pokaltor gegen Bayern erinnern, aber ansonsten ist mein Bedürfnis, über Dembelé persönlich zu reden, eher gering. Was ihn letztendlich zu seinem Streik veranlasst hat, ist aber dennoch noch einen Gedanken wert. Schon komisch, dass gleich zwei Spieler, an denen der FC Barcelona interessiert war, in den letzten Tagen nicht trainiert haben. Gerard Piqué vom katalanischen FCB vermutet ja auch beim angeblich kranken Philippe Coutinho vom FC Liverpool eine Arbeitsniederlegung. Komplett die Idee der Spieler? Weiterlesen „Neymar, Dembelé und die Folgen“

Und jährlich grüßt CR7

Es reicht nicht, dass Cristiano Ronaldo erneut „Fußballer des Jahres“ geworden ist – er darf dieses Jahr auch wieder gegen Borussia Dortmund antreten. Außer wir erleben noch den spektakulärsten Last-Minute-Transfer seit Menschengedenken, der den von Ousmane Dembelé locker in den Schatten stellen würde.

Bei der Auslosung der Champions League-Gruppenphase in Monaco hat der BVB Real Madrid, Tottenham Hotspur und Apoel Nikosia zugeteilt bekommen. Und damit – so auch der Medientenor – die schwerste Gruppe mit deutscher Beteiligung. Unsere Freunde aus Leipzig, gezogen aus Lostopf 4, bekommen es mit unserem diesjährigen Viertelfinalgegner AS Monaco, dem FC Porto sowie Besiktas zu tun. Für den FC Bayern ist sportlich wohl nur das Duell mit PSG eine echte Herausforderung.

Man kann über die Einteilung der Lostöpfe diskutieren. In Topf 1 kommt man nicht mehr als Verein mit besonders gutem UEFA-Koeffizient, sondern als Meister einer der acht Topligen. Man kann aber auch das System der Lostöpfe insgesamt in Frage stellen. Denn hätten nicht kleinere Mannschaften viel bessere Chancen, wenn es auch mal zu einer wirklichen Hammergruppe kommen könnte? Wäre das nicht die sportlich fairste Lösung?

Jammern braucht also sicher keiner der Klubs in Topf 1 oder 2. Natürlich kann sich die Borussia gegen die Spurs durchsetzen. Auch wenn Dembelé gehen sollte. Das und seine Nachfolge sind derzeit ohnehin die spannenderen Fragen für Schwarz-Gelb.

Kurz vor Saisonstart: endlich gute Nachrichten?

Borussia Dortmund erlebt den unruhigsten Sommer seit Jahren: Nach dem vollzogenen und mMn geglückten Trainerwechsel erfasst den Verein der Schneeballeffekt des Neymar-Transfers. Nach diesem Sündenfall gibt es bei den Akteuren der Spitzenklubs offenbar endgültig keine Hemmungen mehr. Doch verteilen wir die Schuld gerecht: Niemand kann Ousmane Dembelé befehlen, dem BVB-Training fernzubleiben. Dafür ist im Endeffekt schon der Spieler verantwortlich – genau wie Pierre-Emerick Aubameyang für zweifelhafte Äußerungen zu einer italienischen Modemetropole.

Letztlich wollten auch wir Fans es nicht so genau wissen. Wir haben uns alle ein wenig in Ousmane verliebt und Bedenken beiseite gewischt, die man hätte haben können – schließlich hat der Wunderknabe die gleiche Show schon mal in Frankreich abgezogen. Doch wir wollten seiner Darstellung der Dinge Glauben schenken und ihm vertrauen. Inzwischen haben sich auch BVB-Spieler wie Sokratis und Gonzalo Castro kritisch zu Dembelés Verhalten geäußert – was soll man auch sonst sagen? Eine Wiedereingliederung scheint derzeit schwer vorstellbar und doch darf der Verein nicht klein beigeben. Aus Prinzip, auch wenn andere solche Werte schon lange über Bord geworfen haben.

Angesichts der Richtung, in die sich der Profifußball entwickelt, kann man fast nur noch verzweifeln oder sich in Ironie flüchten. Ich respektiere die Leute, die Letzteres teilweise virtuos beherrschen und die Geschehnisse mit trockenem Humor kommentieren. Mir fehlt dazu beim Thema Fußball das Talent. Die einzige Lösung liegt auf dem Platz: Zum Glück geht es morgen wieder los. Weiterlesen „Kurz vor Saisonstart: endlich gute Nachrichten?“

Ein Kommen und kein Gehen: Mor wird Borusse

Da kann einem schon beinahe schwindlig werden: Am Tag nach der Verpflichtung von Sebastian Rode verlässt der Nationalspieler und drittjüngste EM-Teilnehmer Emre Mor das Trainingslager der Türkei, um ebenfalls einen Vertrag bei Borussia Dortmund zu unterschreiben. Mor kommt vom dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland; in Dänemark ist der 18-Jährige auch aufgewachsen. Der Kicker nennt als Ablöse 9,5 Millionen Euro.

Ein weiteres Riesentalent, gar der „dänische Messi“, der zum BVB wechselt? Mit solchen Attributen sollte man bei einem Spieler seines Alters vorsichtig sein. Das klingt auch in den Zeilen durch, mit denen sich Sportdirektor Michael Zorc zum Transfer zitieren lässt:

Emre Mor ist ein hochveranlagter und in der Offensive vielseitig einsetzbarer junger Spieler mit riesigem Entwicklungspotenzial.

Mor gilt als enorm dribbelstark, ist auf den Außenbahnen oder hinter dem Mittelstürmer zu finden. Die Beschreibung erinnert nicht unwesentlich an Ousmane Dembelé – nur dass der schon wesentlich häufiger getroffen hat. Ein fertiger Spieler ist Mor sicher noch nicht. Sein Vertrag läuft bis 2021; wahrscheinlich wird er in seiner ersten Saison nicht direkt Stammspieler. Denn da stehen ja noch einige andere klingende Namen im Kader.

Bisher hat die Borussia fünf Neue geholt und zwei Schlüsselspieler sind gegangen. Einen Riesenkader, in dem fast die Hälfte der Akteure keine Perspektive hat, gilt es zu vermeiden. Nur dass der Verein dabei weniger das Heft des Handelns in der Hand hat als bei Neuverpflichtungen. Im Wesentlichen müssen Spieler, deren Berater und interessierte Klubs selbst aktiv werden. Ob und wann das geschieht, ist ungewiss. Diesen Aspekt sollte man bei aller Euphorie über hochtalentierte Neuzugänge nicht vergessen.

Emre Mor braucht das nicht zu stören: Er spielt EM, bald Champions League und wird die Gelegenheit bekommen, sich zu beweisen. Ich bin gespannt, was er drauf hat.

Klopp bleibt nicht in Dortmund

Europa League, Viertelfinale / BVB 1 FC Liverpool 1

Heute wird sich Jürgen Klopp in ein Flugzeug setzen und mit einem Unentschieden im Gepäck an die Merseyside zurückkehren. In einer Woche an der Anfield Road wird dann der sportliche Aspekt des Duells Dortmund gegen Liverpool wohl auch medial wieder mehr im Vordergrund stehen.

Das soll nicht heißen, dass es bei der Rückkehr des geliebten Erfolgstrainers nicht gekribbelt hat. Aber neben Dankbarkeit und Respekt spürte ich vor allem ein sportliches Kribbeln: Wie würde der BVB gegen den neuen Klub des ausgewiesenen Dortmund-Kenners aussehen? Wer am Ende die Oberhand behalten wird, ist nach dieser Partie noch offen. Aber leicht wird die Aufgabe für die Schwarz-Gelben nicht.

Es zeigte sich, dass ein hochmotiviertes Team mit Klopp’schem Pressing und Einzelkönnern wie Coutinho, Lallana oder Origi gegen die Borussia einiges ausrichten kann. Positiv war vor allem in der ersten Hälfte, dass der BVB darauf ruhig reagierte und es den Gastgebern so nach und nach gelang, doch ein deutliches Übergewicht zu schaffen.Was fehlte war die Präzision – oder die richtigen Entscheidungen in Strafraumnähe. Denn die Schwarz-Gelben hatten ein paar echte Chancen, aber vor allem viele Hätte-wäre-wenn-Szenen. Es scheint Spieler zu geben – etwa Erik Durm oder später Nuri Sahin – die unter Tuchel noch nicht so oft dabei waren und deshalb bei aller Auffälligkeit noch öfter falsche Entscheidungen bei Pässen und Schüssen treffen.
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