In der letzten Minute der Nachspielzeit

1.Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 2 Bayern München 2

Es war einer der Momente, die einen für den Augenblick mit dem Profifußball und der mäßig spannenden 1. Bundesliga versöhnen: Mit der letzten Aktion der Partie köpft – ausgerechnet – Anthony Modeste den Ausgleich für den BVB. Es war nicht ganz so spektakulär wie Malaga mit gleich zwei späten Toren, es war weniger spektakulär als Bremen aus Bremer Sicht. Doch im Kontext der ganzen Duelle der letzten Jahre gegen den FCB, die alle verloren wurden oder eher bedeutungslos waren, war das am Samstag groß. Ganz späte Glücksgefühle und zur Abwechslung auch mal Glück mit dem Schiedsrichter – was will man mehr?

Spielen gegen den FC Bayern muss man keinen geklauten Begriff wie „Classico“ geben; für die Borussia sind sie ohnehin der ultimative Härtetest und sportlich die wichtigsten Partien der Saison – zumindest, um zu sehen, wo man steht. Nun liegen die Schwarz-Gelben nach der stellenweise hitzigen Begegnung punktgleich nur knapp hinter dem Rekordmeister – das ist zu diesem Zeitpunkt ein ordentliches Zwischenergebnis.

Bayerische Sichtweisen bei Sky

Als Sky-Zuschauer war es interessant zu beobachten bzw. mitzuhören, wie sich nach der Partie zwei Narrative verselbständigten, die Akteure oder Ehemalige des FCB lanciert hatten. Zum einen war da die von Lothar Matthäus stammende Darstellung, die Bayern hätten die ersten 70 Minuten dominiert und der BVB wäre erst danach, also kurz vor dem Anschlusstreffer, in die Partie gekommen. Eine bestenfalls sehr oberflächliche, aber eigentlich unzutreffende Einschätzung. Die Gäste hatten zwar schon in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz und wirkten insgesamt passsicherer. Doch kamen sie bis zur Pause inklusive Goretzkas Tor nur auf einen Expected Goals-Wert von 0,05, die Borussia immerhin auf 0,26. Dass die Bayern dementsprechend vor dem Tor sehr effektiv waren, ist eine andere Sache.

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Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will

Kloppo hat genug vom Pokal. Zumindest bleibt der Trainer des FC Liverpool bei seinem Standpunkt, das Wiederholungsspiel der 4. Runde des FA Cups zu Hause gegen Drittligist Shrewsbury Town auszulassen. Konkret würde das bedeuten, dass er selber sowie der gesamte Kader der ersten Mannschaft nicht da oder sogar in Urlaub sind. Antreten soll stattdessen die U23 der Reds, angeleitet von ihrem Trainer Neil Critchley.

Klopp beruft sich auf eine von der Premier League eingeführte gestaffelte Spielpause im Februar, die den Klubs aus dem Oberhaus etwas Freizeit verschaffen soll. Der englische Fußballverband FA sagt dagegen, alle Vereine hätten gewusst, was passiert, wenn man in der 4. Runde des Pokals in ein Wiederholungsspiel muss. Der Terminkalender der folgenden Wochen sei schon überladen.

Topspieler halfen nicht

Wie immer man dazu steht: Schade ist, dass die Diskussion davon ablenkt, was Liverpools Gegner Shrewsbury im Hinspiel geschafft hat. Ja, Klopp und die Reds traten im New Meadow freiwillig mit Spielern aus der zweiten Reihe an. Aber auch die späteren Einwechslungen von Alex Oxlade-Chamberlain, Mohamed Salah und Firmino verhalfen ihnen nicht zum Sieg. Der großflächig tätowierte Einwechselstürmer Jason Cummings hatte für die Riesenüberraschung gesorgt und aus einem 0:2 ein 2:2 für Shrewsbury gemacht. Weiterlesen „Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will“

Der DFL gelingt die Quadratur des Kreises

Der Verteilschlüssel für die Fernsehgelder aus dem neuen Milliardenvertrag der Deutschen Fußball-Liga ist kompliziert. Es gibt verschiedene Töpfe, es geht dabei um Begriffe wie „Wettbewerbszonen“ und nach der Präsentation letzte Woche wusste noch niemand genau, welcher Verein künftig wie viel abbekommen wird. Allein dieser Fakt ist schon positiv, deutet er doch darauf hin, dass sich keine Interessengruppe eindeutig durchsetzen konnte. Eine verständliche Übersicht zu den wichtigsten Kriterien der Aufteilung liefert FAZ.net.

Durch das Befüllen neuer Töpfe konnten neue Kriterien geschaffen werden, die – und das ist das wirklich Bemerkenswerte – allesamt sportlich fair und nachvollziehbar erscheinen. Auch künftig ist die sportliche Leistung der letzten fünf Jahre der mit Abstand wichtigste Maßstab. Belohnt werden aber auch die Bundesligaergebnisse der letzten 20 Jahre – eine Art Fallschirm für Traditionsvereine also. Weitere Gelder werden zu gleichen Teilen an die Vereine einer Tabellenregion (oder eben „Wettbewerbszone“) ausgeschüttet, wobei erste und zweite Liga hier zusammen zu betrachten sind. Außerdem hat die DFL auch noch daran gedacht, den Einsatz von im eigenen Verband ausgebildeten U23-Spielern zu belohnen – immerhin 2 Prozent der nationalen Gesamtsumme werden nach Einsatzminuten für den eigenen Nachwuchs vergeben.

Das Wichtigste: Es bleibt sportlich. Sachfremde, unpraktikable und unfaire Kriterien, wie sie dem Team Marktwert um Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hertha BSC, 1. FC Köln und dem VfB Stuttgart vorschwebten, wurden als Schaumschlägerei entlarvt. So sind die TV-Quoten der Einzelspiele bei Sky aufgrund der Ansetzungen schlicht nicht vergleichbar: ein Spiel am Freitagabend ohne Konkurrenz gegenüber fünf gleichzeitigen Begegnungen am Samstagnachmittag. Fanzahlen bei Auswärtsspielen sowie in den sozialen Medien sind wiederum manipulierbar. Die Größe von Vereinen oder deren Einzugsgebiet zu belohnen wäre einfach nur schreiend ungerecht.

Man hätte es einer kommerziell orientierten Organisation wie der DFL vorher nicht zugetraut, dass am Ende eine Regelung herauskommt, die so weit wie möglich die Interessen aller, auch der Kleinen wahrt. Der Preis sind schwierige Berechnungen. Die nehme ich gerne in Kauf – vor allem, da vorher das Schlimmste zu befürchten war.

Dortmund holt sich den Rekord

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 4 Eintracht Frankfurt 0

Das nächste tolle Ligaspiel, vier Tore und ein Rekord, der nicht dem FC Bayern gehört – was hätte man mehr erwarten können von der Neuauflage des Pokalduells vom Dienstag? Wie vermutet hatte Borussia Dortmund im eigenen Stadion weniger Probleme mit der Frankfurter Eintracht, zumal deren Trainer Armin Veh seine Mannschaft auf vier Positionen umbaute.

Wenig war zu sehen vom Spiel aus einem Guss, vom erfolgreichen Pressing, wie es die SGE unter der Woche noch praktiziert hatte. Die geänderte taktische Ausrichtung war ja zu erwarten gewesen, weniger jedoch die Aussetzer, die den Plan der Gäste früh obsolet machten. Der BVB dagegen zeigte, was Selbstvertrauen gepaart mit Lernfähigkeit ausmachen können. Gerade die von mir nach dem Pokalspiel noch kritisierte linke Seite mit Schmelzer und Großkreutz zeigte sich enorm verbessert; beide nutzten den Raum über den Flügel und setzten die Gäste-Defensive immer wieder unter Druck. Es dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, dass dem Frankfurter Rechtsverteidiger Jung früh ein schwerer Fehler unterlief, als er den Ball an Mkhitaryan verlor und dieser einen herrlich präzisen Pass in den Laufweg von Aubameyang spielen konnte: 1:0 nach zehn Minuten.

Überhaupt: Mkhitaryan und Aubameyang. Die persönlichen Erfolge in den letzten Partien haben offensichtlich gut getan. Wo sind jetzt die Zweifler, die Kommentarschreiber, die von „Fehleinkäufen“ sprachen? Und wenn wir gerade beim Thema sind: Wo ist die BVB-Krise? Wie ist die schwarz-gelbe Borussia aus der Winterpause gekommen, wie die andere? Und Leverkusen? ‚Miki‘ und ‚Auba‘ gehörten jedenfalls zu den Matchwinnern am Samstag, auch dank ihres zweiten gemeinsamen Tores: Gut zehn Minuten nach der Führung schlug ersterer einen Eckball in den Strafraum, Manuel Friedrich verlängerte mit dem Hinterkopf Richtung Tor, Keeper Trapp konnte den Ball per Reflex nur kurz abwehren und Pierre-Emerick stand frei und bereit, um einzuschieben.

Wenn es noch etwas Schatten beim Neuzugang aus St. Etienne gibt, dann betrifft er sein Passspiel. ‚Auba‘ gibt sich redlich Mühe, nach einem schnellen Lauf einen besser postierten Mitspieler wie etwa Lewandowski einzusetzen, doch das sollte noch präziser werden. Ein oder zwei Tore mehr wären dadurch gestern drin gewesen. Nach der beruhigenden Führung ließen die Schwarz-Gelben ihre Gäste etwas mehr in die Offensive gehen, wie es eigentlich deren Stil ist. Doch man ließ sich eben nicht hinten reindrängen, nicht nervös machen wie in manch anderem Spiel in dieser Saison. Weiterlesen „Dortmund holt sich den Rekord“

Besser als jeder Titel

Champions League, Viertelfinale / BVB 3 FC Malaga 2

icon_spielberichtfinalSchalen, Pokale, Titel jeder Art sind wunderbar, keine Frage. Aber kaum etwas kommt im Fußball emotional an das heran, was wir BVB-Fans am Dienstagabend erleben durften. Das war größer als fast alles zuvor. Da kann jetzt kommen was und wer will – diese Momente für die Ewigkeit werden zumindest von der Intensität her kaum zu steigern sein. Diese Momente unbeschreiblichen Glücks sind die tollste Belohnung, die dieser Sport zu bieten hat.

Wir werden uns alle daran erinnern: Wo wir waren, mit wem wir gefeiert haben, was im magischen Moment zu Bruch gegangen ist, welche Lieder wir gesungen haben. Gut, das ein oder andere Detail mag fehlen, aber es wird noch genügend Wahnsinn übrig bleiben.

Es gibt Leute, denen es jetzt nicht so gut geht: Malaga-Präsident Scheich Al Thani, der sich etwas geärgert hat, dass wir ihm sein Spielzeug kaputt gemacht haben. Und die größten Deppen überhaupt, die nach dem 1:2 das Stadion oder die Kneipen verlassen haben. Mitleid habe ich höchstens mit den Spielern und Fans von Malaga. Das Siegtor war natürlich Abseits – genauso wie das 1:2.

Noch ein paar Worte zum Spiel: Das war nicht besonders gut vom BVB, vor allem in der ersten Hälfte. Trotz Bestbesetzung mit Ausnahme von Mats Hummels, der auf der Bank saß und in der 86. Minute rechtzeitig zum Wahnsinn eingewechselt wurde. Wie erwartet agierten die Gäste defensiv und standen tief, um im richtigen Moment zuzuschlagen. Sie verdichteten geschickt die Räume um die ballführenden BVB-Spieler – aus dieser Umklammerung konnten sich die Schwarz-Gelben zu selten durch Seitenwechsel oder präzise Pässe in die Spitze lösen. Oft gerieten letztere zu steil.

Der Ausgleich zum 1:1 war dafür wunderschön: Götzes Zuspiel leitete Reus volley mit der Hacke weiter zu Lewandowski, der noch Torwart Willy aussteigen ließ, bevor er vollendete. Das 1:2 schien alles zunichte zu machen. Selbst langjährige Fans, die schon so manches gesehen haben, hatten danach arge Zweifel. Dann staubte in der Nachspielzeit Reus zum 2:2 ab und der Rest ist Geschichte!

Mehr brauche ich nicht zu schreiben, denn es gibt einige andere Leute, die bereits sehr schöne Texte zu diesem unglaublichen Spiel verfasst haben: Kirsten war im Stadion und hat alles schön und unnachahmlich ins Internet gebracht, einen persönlichen Gefühlsbericht aus dem Stadion hat auch Ina bei Tor-Szenen geschrieben, und Stephan ‚Dembowski‘ Uersfeld beschreibt anhand des Spiels bei ESPN die Schönheit des Fußballs.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Santana, Schmelzer – Gündogan (86. Hummels), Bender (72. Sahin) – Blaszczykowski (72. Schieber), Götze, Reus – Lewandowski. Gelbe Karten: Schmelzer, Bender. Tore: Lewandowski, Reus, Santaanaaaaa

Schmelles lange Nacht

Champions League, 3. Spieltag / BVB 2 Real Madrid 1

Niemand außer Marcel Schmelzer und ein paar wenigen Menschen weiß natürlich, was der Sieg-Torschütze vom gestrigen Champions League-Abend im Anschluss noch gemacht hat. Doch im Fernseh-Interview hatte Schmelle bezweifelt, dass er nach diesem historischen Sieg schlafen könne. Und er redete von einem erfüllten Kindheitstraum. Das klingt manchmal wie eine Floskel, doch nicht in diesem Fall. Genauso könnte es gewesen sein: Als Marcel in noch jüngeren Jahren merkte, dass er ein bisschen kicken kann, könnte er sich genau das ausgemalt haben. Mal vor 65.000 Zuschauern gegen Real Madrid gewinnen.

Es war die passende Geschichte zu einem unglaublichen Abend. Wenige Tage nach einem Derby zum Vergessen schießt ausgerechnet Schmelzer den BVB an die Spitze der Hammergruppe. Marcel hat viel einstecken müssen in den letzten Wochen, manches zurecht, manches zu Unrecht. Aber selbst wenn man um seine Grenzen weiß, kommt man nicht umhin, ihm in diesem Spiel internationale Klasse zuzugestehen. Schmelzer erzielte ja nicht nur das 2:1, sondern agierte gegen einen absoluten Top-Gegner nach hinten auf höchstem Niveau. Es mag nicht ganz objektiv sein, aber mein Fanherz hat er genau mit diesem Spiel endlich erobert.

Das Spiel gestern hat gezeigt, dass die Borussia an einem guten Tag zu fast allem in der Lage ist. Noch sind gute Tage nicht alltäglich. Doch mit weit geringeren personellen Sorgen als am Samstag und einer passenden Taktik zeigten die Schwarz-Gelben ein genau entgegengesetztes Gesicht. Ohne Angst und hoch konzentriert traten sie auf, mit einer Aufstellung, die den Schwerpunkt auf die Defensive legte. Das zahlte sich aus. Nur so war Real zu besiegen.

Klar hatten die Gäste mehr Ballbesitz. Und bei jeder Annäherung an den Dortmunder Strafraum zitterte man als Fan, denn Ballsicherheit und Kombinationsspiel der Königlichen sind schon respekteinflößend. Doch zum Glück standen nicht wir Kneipenschauer auf dem Platz, sondern elf Jungs, die nur den notwendigen Respekt zeigten und nicht mehr. Und die es verstanden, immer wieder schnelle Angriffe zu fahren, so dass am Ende in der Statistik sogar mehr Torchancen für den BVB zu finden waren. Was gegen diesen Gegner allerdings entscheidend war: Das Umschalten klappte richtig gut. Ja, wir hatten Angst, wenn Real sich zielstrebig in Richtung Borussia-Tor bewegte, aber die Spieler wussten, was sie zu tun hatten. Dazu gehörte auch, manchmal tief zu stehen und die Madrilenen kurz vor der Strafraumgrenze zu erwarten. Und nur im richtigen Moment Pressing zu spielen.

Es war einer der Abende, die bleiben. Für manche auch eine Nacht. Es war auch eine durchgehend gute Mannschaftsleistung. Großartig Jungs, danke dafür!

Das nächste Spiel ist wie immer ein neues. Die Mannschaft wird sich in Freiburg nicht auf ihren CL-Lorbeeren ausruhen, muss aber wahrscheinlich auf Sven Bender und eventuell auf Mario Götze verzichten. Ich vermag da heute keine Prognose abzugeben und werde die Partie nicht sehen und daher auch nicht kommentieren können. Weiter geht’s hier trotzdem am Sonntag oder Montag.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender (67. Gündogan), Kehl – Reus (90.+1 Perisic), Götze (87. Schieber), Großkreutz – Lewandowski. Gelbe Karte: Gündogan. Tore: Lewandowski, Schmelzer

Und schon wieder deutscher Meister BVB!

1. Bundesliga, 32. Spieltag / BVB 2 Mönchengladbach 0

Der Fangesang ist seit gestern überall zu hören und zu lesen, aber egal. Eine passendere Überschrift gibt es nicht. Ich erinnere mich noch an die Fernsehbilder aus dem Frühjahr 1996, als die Dortmunder Fans den Gesang zum letzten Mal anstimmten. Unter ganz anderen Voraussetzungen ist es den Schwarz-Gelben in diesem Jahr erneut gelungen, den Titelgewinn zu wiederholen. Das ist einfach nur fantastisch und toppt die 1990er Jahre noch mal deutlich.

Die Art und Weise, wie die Meisterschaft gestern eingefahren wurde, setzt den 25 Spielen ohne Niederlage zuvor die Krone auf. Eine gute Stunde vor Spielbeginn schoss Franck Ribery in Bremen das Last-Minute-Siegtor der Bayern. Zu dem Zeitpunkt fand ich das ärgerlich, doch es schadete dem Dortmunder Auftritt kein bisschen und passte natürlich perfekt zur Dramaturgie eines Meistertages. Oder wie Hans-Joachim Watzke ganz souverän sagte:

Ich freue mich, dass die Bayern in Bremen gewonnen haben, sonst hätten wir das heute so nicht erlebt. Ein perfekter Samstag.

Die Leistung des BVB im Anschluss war großartig. Gegen eine Gladbacher Mannschaft, die nicht nur zuschauen wollte, aber dennoch selten zum Zuge kam. Weil die Dortmunder Defensive gestern weitestgehend überragend auftrat.

Die Gäste hatten ihre Gelegenheiten, vor allem einige Minuten nach dem Dortmunder 2:0 sahen sie gut aus. Marko Reus versteckte sich beim Spiel gegen den zukünftigen Arbeitgeber nicht und kam in der zweiten Hälfte zweimal gefährlich vor das Tor, scheiterte jedoch am überragenden Marcel Schmelzer. Was war überhaupt mit Schmelle los? Die Partie zur Meisterschaft war seine beste in dieser Saison und macht doch noch Hoffnung auf eine Leistungssteigerung. Wenn er mal einige solcher Spiele hintereinander hätte… Weiterlesen „Und schon wieder deutscher Meister BVB!“

Deutscher Meister schreibt auf

1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 3 Eintracht Frankfurt 1

Das vergangene Wochenende war der Abschluss einer „grandiose Saison“, wie Roman Weidenfeller sagen würde. Borussia Dortmund verabschiedete sich mit einem Ergebnis und einer Meisterfeier, die absolut zu dieser tollsten aller Spielzeiten passten. 3:1 gegen die Eintracht, keine Ausschreitungen nach dem Spiel und keine Probleme bei der Meisterfeier am Sonntag, zu der geschätzte 400.000 Menschen kamen. Noch mehr meiner Leser als sonst werden die Ereignisse live vor Ort oder in den Medien verfolgt haben – daher besteht der letzte Spielbericht der Saison aus mehr Bildern und weniger Worten als gewöhnlich.

Gegenüber von DO Hbf um halb zwölf

Die Atmosphäre vor Anpfiff im Westfalenstadion war großartig. Auf der Videowand wurde ein erneut emotionales Abschiedsinterview von Dede gezeigt und anschließend machte sich unser Liebling auf die Stadionrunde und warf Trikots ins Publikum. Mir selber war nach Feiern zumute und ich denke, den meisten Fans ist es ebenso gegangen. Es war ein fröhlicher Abschied von Dede. Natürlich nicht ohne Wehmut, aber ich habe das Gefühl, dass wir ihn irgendwann wiedersehen. Mir scheint, er selber hat die Meisterfeier genossen und so ging es mir auch. Nuri Sahin wurde ebenfalls würdig verabschiedet und kurz vor dem Spiel entrollte die Südtribüne eine tolle Meisterchoreographie. Weiterlesen „Deutscher Meister schreibt auf“

Das perfekte Wunder: Der BVB ist Meister!

1. Bundesliga, 32. Spieltag / BVB 2 1.FC Nürnberg 0

„Wenn mir das vor der Saison jemand gesagt hätte“…so fangen derzeit häufig die Sätze von direkt oder indirekt an der Meistersaison von Borussia Dortmund beteiligten Menschen an. Es ist mittlerweile schon fast langweilig, seine Überraschung darüber zu äußern, wie weit es der BVB gebracht hat – aber das hat wiederum mit der Schnelllebigkeit des Fußball- und Mediengeschäfts zu tun. Wir Schwarz-Gelbe sollten es uns deshalb nicht nehmen lassen zu sagen, wie es ist: Wir sind Meister und das ist eine der größten Leistungen im deutschen Fußball der letzten Jahre!

Besonnene Beobachter rechneten am Anfang der Saison damit, dass die Borussia wieder um die internationalen Plätze mitspielen könnte. Allerdings wurde auch registriert, dass die Konkurrenz – vor allem die finanzstarke – aufgerüstet hatte, so dass es für uns nicht leicht werden würde. Ich selber habe dem BVB Platz 4 zugetraut. Aber dieser Wahnsinnstrainer mit seinem Team und diese charakterlich wie leistungsmäßig hervorragenden Spieler haben das Wunder vollbracht, mit dem zu diesem Zeitpunkt und nach den letzten Jahren niemand rechnen konnte.

Die Vollendung erfolgte vor heimischer Kulisse und mit der Schützenhilfe der Kölner, die zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder einen Ligaerfolg über Leverkusen feiern konnten. Von der Dramaturgie und dem eigenen Gemütszustand her kann man die Partie gegen Nürnberg in drei etwa gleich lange Phasen teilen. Die erste halbe Stunde war geprägt durch gut stehende und gestaffelte Abwehrreihen, die auf beiden Seiten kaum Chancen zuließen. Angriffe wurden meistens schon im Mittelfeld unterbunden. Nürnberg war höchstens bei einigen, teilweise fragwürdigen, Freistößen gefährlich, der BVB hatte einen Distanzschuss von Großkreutz zu verbuchen. Man kann nicht in die Spieler hineinschauen, aber es wirkte in dieser Phase so, als ob ein bisschen Nervosität im Spiel war. Obwohl die Schwarz-Gelben mehr vom Spiel hatten, kamen zu viele Zuspiele in die Spitze nicht an. Zum Glück unterlief unserer Spitzendefensive nicht wieder ein untypischer Fehler wie in Gladbach.

Die Erlösung kam in der 32. Minute. Ein von der Nürnberger Abwehr zu kurz geklärter Ball kam zu Mario Götze, der aus ca. 20 Metern abzog. Torwart Schäfer konnte den Ball nur abprallen lassen und der rechtzeitig vor dem Spiel fitte Lucas Barrios erzielte mal wieder ein sehr wichtiges Tor. Phase 2 des Spiels hatte begonnen, geprägt von Zuversicht bei Fans und Spielern. Das Tor war der ‚Dosenöffner‘, wie Jürgen Klopp so gerne sagt. Leichtigkeit und Passsicherheit kehrten zurück ins BVB-Spiel. Fünf Minuten nach dem Führungstor kam Barrios in aussichtsreicher Position zum Kopfball, erwischte das Leder aber nicht perfekt, so dass es erst auf den Boden und dann über die Latte sprang.

Die Schwarz-Gelben legten trotzdem noch vor der Pause nach. Nach einem langen Pass von Hummels ließ Lewandowski im Zweikampf Pinola schlecht aussehen und überlupfte im Anschluss Schäfer. Es war ein schönes Tor, das wieder einmal die Klasse des Stürmers bewies. Die nach dem Gladbach-Spiel geäußerte Kritik an ihm ist überzogen. Schon dort hätte sein Heber über ter Stegen einen Torerfolg verdient gehabt.

Nach der Pause war klar: Der BVB würde nichts mehr anbrennen lassen und der Club nichts mehr anzünden. Die Schwarz-Gelben bestimmten das Spiel, die Gäste hatten nur noch wenige Offensivaktionen. Auch von den Gastgebern gab es kein Feuerwerk mehr – um im Bild zu bleiben. Es sah aber sehr souverän aus und Subotic sowie Barrios hatten weitere dicke Kopfballchancen. Über einen Dortmunder Sieg allein wären auch schon alle glücklich gewesen, aber in der 67. Minute gelang dem Effzeh in Köln die Führung durch Novakovic. In der Kneipe waren die Bilder der jubelnden Südtribüne schneller als die Ergebnisticker der Handys. Phase 3 konnte beginnen: Aufwärmen zur Meisterfeier. Bis zum 2:0 der Kölner in der 82. Minute war mir durchaus bewusst, dass Leverkusen schon Spiele gedreht hat – danach war alles klar.

Nicht nur in Dortmund, auch in Berlin wurde im Anschluss auf der Straße gefeiert. Danke an Jürgen Klopp, Zeljko Buvac und Team, danke an die schwarz-gelben Jungs, danke an Michael Zorc, Aki Watzke, Reinhard Rauball und alle anderen Beteiligten! Egal was passiert – diesen wunderbaren, unerwarteten Erfolg, die Gefühle, die tollen Meisterfeiern, die es schon gab und noch geben wird – das kann uns niemand mehr nehmen, das wird lange nachwirken und noch viel länger in Erinnerung bleiben!

Die Mannschaft: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – da Silva (83. Santana), Bender – Großkreutz (90. Dede), Lewandowski (78. Kuba), Götze – Barrios. Gelbe Karte: Barrios. Tore: Barrios, Lewandowski

Ihr seid Helden

1. Bundesliga, 24. Spieltag / Bayern München 1 BVB 3

Über die Wortwahl kann man meinetwegen diskutieren. Sportliche Helden sind die schwarz-gelben Jungs seit gestern jedoch allemal. Nach 20 Jahren wieder beim FC Bayern gewonnen, Uli Hoeneß zum Schweigen gebracht (für eine Woche oder so) und den Vorsprung auf den Rekordmeister auf 16 Punkte erhöht – besser gehts nicht. Es war ein befreiendes Erlebnis und ein wunderbarer Abend.

Wenn Arjen Robben wegen einer Schwalbe völlig zu Recht die Gelbe Karte sieht, dann muss der Gegner vieles richtig gemacht haben. Selbst die Topstars der Bayern verzweifelten gestern an einem BVB voller Selbstbewusstsein und Leidenschaft. Drei Tage nach der Bayern-Gala in San Siro folgte der Borussen-Ball in der Arroganz-Arena. Es ist nur ein möglicher Erklärungsansatz, dass Jürgen Klopp seine Mannschaft offenbar minutiös auf den Gegner vorbereitet hatte, wogegen die Bayern nach dem berauschenden Champions League-Spiel an einen Selbstläufer zu glauben schienen und reichlich naiv auftraten.

Es wurde trotzdem ein echtes Topspiel, an das man sich lange erinnern wird (vor allem wenn man Schwarz-Gelb nahesteht) und das von Tempo und Spannung her zumindest in der ersten Hälfte an die Partie im Giuseppe-Meazza-Stadion heranreichte. Den Willen zu offensivem Spiel konnte man beiden Mannschaften von Beginn an anmerken, jedoch zeigte sich schnell, dass die Schwarz-Gelben konsequenter und konzentrierter zu Werke gingen. Natürlich ließ Jürgen Klopp seine Jungs nicht blind anrennen, sondern zunächst mal die Räume dicht machen und beherzt pressen. Um dann die Fehler der Bayern blitzschnell auszunutzen. Passenderweise war es der entfesselte Großkreutz, der WM-Star Schweinsteiger beim 1:0 düpierte. Der Bayern-Spieler verdaddelte in der eigenen Hälfte den Ball, Kevin schnappte ihn sich, legte einen tollen Antritt hin und passte genau im richtigen Moment zu Lucas Barrios, der gegen die Laufrichtung von Torwart Kraft einschob. Weiterlesen „Ihr seid Helden“