Der BVB und die halben Sachen

1. Bundesliga, 32. Spieltag / Werder Bremen 2 BVB 2

Wieder geführt, wieder nicht gewonnen: Borussia Dortmund vergibt die nächste und vermutlich finale Chance, am FC Bayern dranzubleiben. Vergessen wir mal das Derby, auch wenn es schwer fällt: Hätten die Schwarz-Gelben nur die deutlichen Führungen gegen Hoffenheim und Bremen ins Ziel gebracht, wäre man jetzt punktgleich mit dem FCB.

Es ist eine Rückserie der halben Sachen. Die Borussia spielt eine Zeit lang stark, offensiv, dominant. Und lässt sich dann meistens nach gegnerischen oder eigenen Toren die Kontrolle entreißen. Im Idealfall würde man dann irgendwann mit einem schnellen Konter alles klar machen. Aber 2019 vergibt der BVB diese Gelegenheiten zu oft oder bekommt sie gar nicht mehr.

Gegen Hoffenheim war dieser Rhythmus- und Kontrollverlust noch unerklärlicher als in Bremen. Zuhause, vorne mit 3:0. Über das Bremen-Spiel wird diskutiert: Waren es ein systemisches oder mentales Versagen oder einfach zwei individuelle Fehler? Die Partien, in denen der BVB seit Februar Punkte verlor, waren ja sehr unterschiedlich. Bezeichnend jedenfalls, dass ein Bürki-Fehler Bremen zurück ins Spiel brachte. Der einzige bisher weitestgehend tadellose Borusse, der sich zuletzt nicht zu Unrecht kritisch über die Leistungen der Mannschaft geäußert hatte, patzte nun selbst. Und macht so gesehen das Scheitern des Teams komplett. Einige Minuten später versucht Kapitän Akanji, den Ball ganz cool zum Abstoß ins Toraus rollen zu lassen. Doch Augustinsson kommt noch dran und der Ball zum Ex-Bayern Pizarro. Ansonsten muss man den schwarz-gelben Jungs immerhin lassen, dass sie in beiden Hälften ihre Chancen hatten.

Dennoch: Lucien Favre hat eben auch kein Mittel gefunden, der Mannschaft irgendwie beizubringen, Konstanz in ihre 90 Minuten zu bringen. Die Schwankungen sind zu groß. Zu Recht kann man auf die jungen Spieler und den Umbruch verweisen, die ihre Zeit brauchen. Aber es spricht vieles dafür dass es nächste Saison nicht noch mal so leicht wird, Meister zu werden. Mal ganz unabhängig von Bayern. Denn es wird Unruhe rund um den Kader geben. Kann man Jadon Sancho wirklich halten? Kommt Thorgen Hazard? Was passiert mit Schmelle? Was passiert noch in der Abwehr und im Sturm? Vielleicht muss Teil 2 des Umbruchs doch größer ausfallen als zunächst von Michael Zorc und Aki Watzke angenommen.

Zukunft, klar. Aber natürlich beschäftigt die die Verantwortlichen hinter den Kulissen bereits. Leider ist nun bald die Zeit gekommen, an der wir die Meisterschaft abhaken und uns diesen Themen wieder zuwenden müssen.

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Bitterste Derbypleite – Schalkes dreckige Revanche

1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 2 FC Schalke 4

2007. Diese Jahreszahl dürfte vor allem den Blauen vor dem heutigen Derby im Kopf rumgespukt haben. Spätestens nach dem Spiel auch den Schwarz-Gelben.

Ich konnte das Spiel teilweise in Griechenland verfolgen. 2007 war ich im Stadion. Was ich damals gesehen habe, war ein astreines 2:0. Sicher, die Blauen waren danach sauer, die Stimmung war angeheizt. Aber heute: ein Feuerzeug auf Dortmunds Topspieler, krankes Plakat einiger Schalker Ultras, fragwürdiger VAR-Handelfmeter für die Gäste, harte Rote Karte gegen Reus, auch wenn es unseren Kapitän ehren mag dass er es anders sieht.

Kurz und schlecht: Der BVB hätte sportlich mehr nachzulegen haben müssen, aber die Blauen waren keine sauberen Derbysieger und der Fußball hat heute auch nicht gewonnen. Schwarz-Gelb hat mit zwei großen und ein paar kleinen Pleiten aller Voraussicht nach die Meisterschaft verspielt. Da darf man schon froh sein wenn man wenigstens im Urlaub ist.

Dortmunder Qualitätsmomente

1. Bundesliga, 30. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 4

Borussia Dortmund hat dem Druck standgehalten und bleibt noch ein wenig am FC Bayern dran. Nicht mal viele BVB-Fans hätten wohl mit einem 4:0 in Freiburg gerechnet. Die Partie war – natürlich – auch nicht so einseitig wie das Ergebnis aussagt. Doch wir sahen, was dabei herauskommt, wenn Klassespieler stark zusammenspielen.

Dass die frühe Führung in der 12. Minute noch nicht das letzte Wort war, damit konnte man rechnen. Schon da zeigte sich aber, wie wichtig die individuelle Qualität, die Antizipation und eben das Zusammenspiel von Marco Reus, Jadon Sancho, Raphael Guerreiro und Mario Götze sind. Man sah das später auch beim zweiten (Guerreiro lang auf Reus) und dritten Tor (Sancho auf Reus, der Jadons Laufweg gekreuzt hatte und dann quer zu Götze passte). Den Elfmeter in der 87. Minute schenkte Marco Reus dann Paco Alcacer.

In der zweiten Hälfte der ersten und der Anfangsphase der zweiten Halbzeit hatte die Borussia allerdings eher passiv gewirkt und wenig Ansehnliches Richtung Strafraum kreiert. Diese Phasen scheint es also nicht nur über 90 Minuten in München zu geben. Taktik war das so wohl auch nicht. Immerhin: Die Verteidigung, besonders Weigl und Akanji, wirkte fast immer auf der Höhe. Gute Grätschen, ein im richtigen Moment gestrecktes Bein, sorgten für viele gewonnene Bälle in der eigenen Hälfte.

Verantwortlich für den Sieg waren aber die zuvor genannten Herren. Reus, Sancho und Guerreiro müssen jetzt jede Partie machen, wenn sie verletzungsfrei und fit bleiben. Zwischen Mario Götze und Paco muss Lucien Favre wohl von Spiel zu Spiel entscheiden. Ohne derartige Qualitätsmomente wie in Freiburg wird es in Bremen und Gladbach ganz eng. Was nun das Derby entscheidet, ist wieder eine ganz andere Frage…

Die Mannschaft: Bürki – Wolf (56. Toprak), Weigl, Akanji, Diallo – Witsel, Delaney – Sancho, Reus, Guerreiro (71. Pulisic) – Götze (80. Paco Alcacer). Tore: Sancho, Reus, Götze, Paco Alcacer (EM)

Eine Niederlage, die Mut macht

Im Fußball gibt eine Niederlage null Punkte – wenn der Sieger alle Regeln befolgt hat. So hat auch der englische Drittligist Shrewsbury Town aus Barnsley nichts Zählbares mitgenommen. Und doch wird die 1:2-Niederlage beim Tabellenzweiten als Fortsetzung des Aufschwungs gewertet, den „Salop“ endlich geschafft hat. Viereinhalb Monate, nachdem der 37-jährige Sam Ricketts als Trainer übernahm, der zuvor nur ein halbes Jahr Erfahrung bei einem Fünftligisten vorweisen konnte.

Vor dem Spiel in Barnsley hatte Shrewsbury zehn Punkte aus den letzten fünf Partien geholt und sich sechs Punkte von der Abstiegszone absetzen können. Es hatte jedoch einige Zeit gebraucht, bis die Shrews endlich in Schwung kamen. Seit meinem letzten Beitrag über den Verein Ende 2018 waren sie zunächst bis auf die Abstiegsplätze abgerutscht und einige Fans hatten bereits einen erneuten Trainerwechsel gefordert. Doch nun erweisen sich einige der Deals, die Ricketts im Januar während der Transferperiode über die Bühne brachte, doch noch als echte Schritte nach vorne. Etwa der aus dem Nachwuchs von Manchester United fest verpflichtete Innenverteidiger Ro-Shaun Williams. Vor allem aber der bis zum Saisonende vom Zweitligisten Stoke City ausgeliehene junge Stürmer Tyrese Campbell, dem in Barnsley dieses Tor gelang:

Ja, das Spiel ging am Ende noch verloren. Die Shrews hätten aber sehr wohl gewinnen können, wie auch Barnsleys deutscher Trainer, der Ex-Hannoveraner Daniel Stendel zugab. Mehrere Eins-gegen-eins-Situationen hatten die Offensivkräfte der Gäste, darunter eine weitere Szene von Campbell.

Nun beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang 21 drei Spieltage vor Schluss ’nur‘ noch fünf Punkte. Doch man traut es Shrewsbury Town allemal zu, am Ostermontag zuhause gegen Oxford United die Rettung faktisch klar zu machen – obwohl die Gäste aus der Uni-Stadt gerade einen sehr guten Lauf haben und als 12. noch drei Plätze besser da stehen.

Schön wär’s, denn Shrewsbury ist ein ruhiger, familiärer Klub ohne Schulden. Man gibt jungen Leuten inklusive dem Trainer eine Chance. Große Sprünge sind zwar nicht drin, auch das Stadion bietet nur knapp 10.000 Zuschauern Platz. Aber wenn ein solches Modell Erfolg hat, kann man sich heutzutage nur freuen.

Am Anfang des langen Wegs zurück

Ipswich Town ist abgestiegen. Das war absehbar. Nicht mal Boris Johnson hätte den Fans des Zweitligisten in den letzten Wochen noch etwas anderes versprechen. Nach dem gestrigen 1:1 zu Hause gegen Birmingham City haben die Tractor Boys 13 Punkte Rückstand auf den rettenden Platz 21 bei vier verbleibenden Spielen, damit ist man auch Tabellenletzter.

Wie konnte es so weit kommen beim Klub aus der Grafschaft Suffolk? Der einst unter dem großen Bobby Robson 1981 den UEFA-Cup gewann und in England zweimal hintereinander Vizemeister wurde? Aktuell spielt Ipswich die 17. Saison in der zweitklassigen Championship hintereinander, ist mit dieser Liga vertrauter als jeder andere aktuelle Teilnehmer. Doch nun ist der Abstieg in die Drittklassigkeit besiegelt – wo Town zum letzten Mal 1957 spielte.

Der Klubbesitzer

Wenn sich Ipswich-Fans über das große Ganze äußern, über die Hauptgründe für den jetzigen Absturz, dann fällt unweigerlich der Name Marcus Evans. Ist ja auch nicht verwunderlich, denn ihm gehört der Fußballklub seit 2007. Evans hat außerdem ein weltweit operierendes Unternehmen, das Events organisiert. Seit er Ipswich Town führt, hat er sich für einen Klubbesitzer und Vorsitzenden arg rar gemacht. Zwar ist er nicht selten bei den Spielen anwesend, aber Interviews gab er lange Zeit keine. Einmal im Jahr wandte er sich in den Vereinsmedien an die Fans.

Erst seit kurzem scheint sich Evans‘ Haltung gegenüber der Öffentlichkeit zu ändern. Ende Januar gab er der regionalen East Anglian Daily Times und ihrem Schwesterblatt Ipswich Star ein Interview – das erste gegenüber unabhängigen Medien seit seiner Übernahme des Vereins. Seine Sprachlosigkeit rechtfertigte er mit der Überzeugung, dass der Trainer die entscheidende Person in einem Fußballklub sein solle. Deswegen habe er auch immer erfahrene und starke Trainer verpflichtet. Zu den letzten gehörten Roy Keane, Paul Jewell und Mick McCarthy. Der Letztere verlor allerdings gegen Ende völlig den Draht zu den Fans, die der Stagnation in Ipswich überdrüssig waren. Weiterlesen „Am Anfang des langen Wegs zurück“

Form + Personal = 0:5

1. Bundesliga, 28. Spieltag / Bayern München 5 BVB 0

Und das Imperium schlägt mal wieder zurück: Bayern München gewinnt auch in der Höhe verdient gegen einen desolaten BVB, kombiniert sich fröhlich und ungestört zu einem 5:0. Immerhin für Schwarz-Gelb ergebnistechnisch ein Fortschritt gegenüber der Vorsaison. Spielerisch war es mindestens genauso schrecklich.

Die seit letztem Samstag und dem folgenden seltsamen Pokalauftritt der Bayern moderat gestiegene Zuversicht vor dem Spitzenspiel war zwar schon am Freitag der Ernüchterung gewichen: Paco Alcacer und Raphael Guerreiro, sicherlich zwei Hoffnungsträger für die schwere Aufgabe, mussten verletzt zu Hause bleiben. Doch das heute hätte man trotz allem so nicht (noch mal) erwartet.

Die einzige Phase, in der sich die Schwarz-Gelben engagiert und angriffslustig präsentierten, waren die fünf Sekunden nach Anpfiff. Unheimlich schnell gewannen die Gastgeber die Oberhand und dominierten die Partie. Es gab nach wenigen Minuten eine Großchance für den BVB, bis dahin die beste Szene von beiden Seiten: Reus hatte den Ball von links quergelegt und Mo Dahoud traf mit einem flachen Schuss den Pfosten – Manuel Neuer wäre ohne Chance gewesen. Man sollte seine Chancen gegen die Bayern besser nutzen – aber niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass es so einseitig werden würde. Weiterlesen „Form + Personal = 0:5“

Perfekter Tag: BVB gewinnt dreckig und in letzter Minute

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 0

Genau so gewinnt man etwas – und sei es nur ein Spiel gegen Wolfsburg. Lange hatte Borussia Dortmund ohne den werdenden Vater Marco Reus nicht die richtigen Mittel gefunden, auf der Suche nach der Lücke bei den stark verteidigenden Wolfsburgern. Ja, die Gäste hatten sogar zielstrebiger ausgesehen. Unverdient war der späte Sieg trotzdem nicht: Die Borussia gab mehr Torschüsse insgesamt sowie mehr Schüsse aufs Tor ab. Wer sich bis zur letzten Sekunde abrackert, auch wenns mal nicht läuft, wird eben manchmal belohnt.

Ohne Zweifel war das über weite Strecken ein mäßiges Spiel der Schwarz-Gelben. Wolfsburg ist inzwischen auch eine gute, disziplinierte Mannschaft – außer gegen Bayern. Und man muss es deutlich sagen: Bei allem Lob der letzten Zeit kann Mario Götze Marco Reus nicht ersetzen. Er ist nicht (mehr) wendig, schnell und instinktsicher genug. Es fehlte allgemein die Kreativität gegen gut verschiebende und defensivstarke Wolfsburger. Marius Wolf wirkte über rechts zwar engagiert, aber er hat zu viele Ungenauigkeiten und Ballverluste in seinem Spiel. Gefallen haben mir hauptsächlich Dan-Axel Zagadou und mit Abstrichen Akanji und Witsel.

Nicht dass die Gäste unglaublich viel Torgefahr ausstrahlten. Roman Bürki musste in der ersten Hälfte einen Schuss von Weghorst von links um den Pfosten lenken. Für den BVB setzte Alcacer den Ball knapp übers Tor. Dass am Ende ein Standard die Führung bringen sollte, war zuvor nicht abzusehen. Einmal war Zagadou bei einem Freistoß von außen frei, traf den Ball aber leider nur mit der Schulter. Die zwei zentralen Freistöße in der regulären Spielzeit der zweiten Hälfte waren noch weniger der Rede wert: Paco Alcacer schoss meilenweit drüber, Guerreiro Torwart Casteels in die Arme. Weiterlesen „Perfekter Tag: BVB gewinnt dreckig und in letzter Minute“

From Niki to Nicky

It’s the third minute of stoppage time. Your team has been down to ten men and under pressure for the longest part of the game. But now, in the final seconds, your substitute crosses from the right for your fan favourite to head in a late, late winner. This has just happened to Exeter City in their away game at Notts County, the bottom team of League Two. Unsurprisingly it sent the 660 away fans into raptures. Most of them probably had a long trip from the Exeter area to Nottingham. And the Grecians were on the receiving end of late goals on a number of occasions in the recent past.

Exeter City are one of just a few teams in the Football League which are controlled by their supporters via a supporter trust model. They have a youth academy renowned for producing talented players who often get their chance in the first team – before aiming higher and ending up in the Championship or even the Premier League. It can be frustrating for the manager and supporters, but for fan-owned clubs it’s a decent way to earn much-needed money.

So after losing long-time manager Paul Tisdale plus a couple of important players in summer and top striker Jayden Stockley in January, Exeter weren’t exactly favourites for promotion this season. But as it happens, as 7th they are just inside the play-off places  with eight games to go. Matt Taylor, a former Grecians player and now their manager, has apparently instilled a good spirit into this team. There have been blips and turns, but to be challenging for the play-offs is pretty remarkable.

I’ve been following the Grecians from a distance for some time now. Occasionally I manage to catch them via iFollow, the EFL’s live streaming service. And, at last, there’s a new fan podcast, the Big Bank Theory. This matchday, it was Twitter and live score app only for me. And now this: my namesake scores the winner in injury time. Nicky Law arrived at St. James Park last summer. The experienced midfielder has helped the team not only with his composure, but also with eight previous goals. His ninth could prove invaluable. Fantastic effort, Nicky!

Zumindest Berlin

Als am Samstag das Spiel im Berliner Olympiastadion abgepfiffen war, das Borussia Dortmund in der Nachspielzeit gegen Hertha BSC gewonnen hatte, da war sie wieder da. Die Verbindung zum Herzensverein, die eigentlich – so sagt man – ein Leben lang hält, aber dennoch aus diversen Gründen spröde werden kann.

Es geht mir gar nicht darum, dass der BVB einen Spieltag punktemäßig mit den Bayern mithalten konnte. Alle Indikatoren sprechen dafür, dass der FCB auch in diesem Jahr Meister wird. Einer davon sind die jetzt schon fürs Topspiel fraglichen Borussen. Was am Samstag wieder da war, das war das gemeinsame Bis-zum-Schluss-gehen. Mannschaft wie Fans haben sich diesen Auswärtssieg beim Angstgegner verdient. Die schwarz-gelben Jungs haben mal wieder für eine positive Überraschung gesorgt, in letzter Minute, und das war einfach geil!

In der Anfangsphase sah es anders aus. So als ob sich Hertha, wie zuletzt fast alle Gegner, auf das Dortmunder Spiel richtig gut eingestellt hätte. Frühes Stören, die Mittelfeldzentrale nicht zur Entfaltung kommen lassen, das waren die Mittel der Wahl. Thomas Delaney kam damit besser zurecht als Julian Weigl auf seiner eigentlichen Position. Allerdings waren bei den Gegentreffern auch Pech und eigene Fehler im Spiel. Nach langer Zeit patzte Roman Bürki mal wieder größer: Bei erschwerten Bedingungen wehrte er einen Schuss von Mittelstädt nicht zur Seite ab, sondern ließ ihn in den Fünfmeterraum prallen, wo Kalou zur Stelle war. Und Weigls „Schutzhand“ verursachte den Elfmeter zum 1:2. Weiterlesen „Zumindest Berlin“

Borussia, was ist nur los mit dir?

Eine Woche, nachdem man wieder Hoffnung schöpfte, eine Woche nach dem knappen Sieg über Leverkusen, scheint der BVB wieder zurück in der Abwärtsspirale zu sein. Nach dem 5:1 der Bayern in Mönchengladbach scheint der Rest der Saison vorgezeichnet. Es bleibt nur die Frage, ob die Schwarz-Gelben die Tabellenführung am nächsten oder übernächsten Spieltag (zuhause gegen den VfB, danach in Berlin) abgeben. Zu eindeutig ist der Trend. Oder?

Die Augsburg-Pleite habe ich nicht gesehen, aber nach einhelliger Meinung der Zuschauer war sie zum guten Teil selbstverschuldet. Kann Lucien Favre, können die Borussen da noch mal gegensteuern und wenigstens die Konzentration wieder auf ein notwendiges Level bringen? Das ist gewiss nicht unmöglich, im Fußball ist schon einiges passiert und der BVB kann als Noch-Tabellenführer auch noch Meister werden.

Mein Problem ist jedoch grundlegender. Deshalb müsste die Ausgangsfrage eigentlich lauten: Borussia, was ist nur los mit uns? Mir fehlt etwas schwer zu Definierendes an ‚meinem‘ Team: Mannschaftsgeist oder Herz, etwas was die Zusammenstellung des Kaders weniger beliebig wirken lässt. Die Strategie, internationale Top-Talente früh an den Verein zu binden, reicht mir nicht aus. Wenn man ehrlich ist, fallen da auch ‚unsere Jungs‘ Jacob Bruun Larsen und Christian Pulisic drunter, die direkt in die älteren Junioren-Jahrgänge einstiegen. Die Theorie, dass eine gewisse Beliebigkeit in Personalfragen auch zu größeren Schwankungen auf dem Spielfeld führt, ist natürlich nicht belegbar. Aber in dieser Saison macht es den Eindruck.

Das Hauptproblem liegt für mich aber noch mal woanders. Der Elite-Klub Champions League mit den jetzt schon immer gleichen Namen, obszöne Summen für Spieler, Vereine wie PSG oder Manchester City, die laut Berichten nicht mal die überschaubaren Regeln einhalten, zu denen sich die UEFA durchgerungen hat. In Deutschland RB und alles, was daran falsch ist, von den jüngsten Transfer-Rochaden mit dem Schwesterklub bis zurück zur Gründung.

Und natürlich: die Vorhersagbarkeit der deutschen Bundesliga. Da scheine ich nun nach vielen Jahren durch dick und dünn doch tatsächlich noch zum Erfolgsfan zu werden. Sollte der BVB das 2018/19 alles noch aus der Hand geben, sollten es die Bayern wieder schaffen, dann ist eben auch erst mal die Hoffnung zerstört, dass sich an den Verhältnissen in absehbarer Zeit noch etwas ändert. Nachdem ich die Champions League ohnehin schon nicht mehr besonders glanzvoll finde, würde auch die Bundesliga an Attraktivität verlieren.

Einmal Borussia, immer Borussia? Ja, aber. Natürlich ist es jetzt keine Alternative, Freiburg-Fan zu werden, obwohl ich das wahnsinnig gut finde, was die da machen. Natürlich bleibt die Borussia mein Verein, egal was passiert. Aber sie könnte noch öfter in den Hintergrund rücken. Wenn Babelsberg 03 in der Regionalliga Nordost spielt oder ich mir per IFollow Partien meiner Lieblingsklubs aus der dritten und vierten englischen Liga im Livestream anschaue. Also schwarz-gelbe Jungs, versucht’s doch noch mal mit der Meisterschaft!