Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will

Kloppo hat genug vom Pokal. Zumindest bleibt der Trainer des FC Liverpool bei seinem Standpunkt, das Wiederholungsspiel der 4. Runde des FA Cups zu Hause gegen Drittligist Shrewsbury Town auszulassen. Konkret würde das bedeuten, dass er selber sowie der gesamte Kader der ersten Mannschaft nicht da oder sogar in Urlaub sind. Antreten soll stattdessen die U23 der Reds, angeleitet von ihrem Trainer Neil Critchley.

Klopp beruft sich auf eine von der Premier League eingeführte gestaffelte Spielpause im Februar, die den Klubs aus dem Oberhaus etwas Freizeit verschaffen soll. Der englische Fußballverband FA sagt dagegen, alle Vereine hätten gewusst, was passiert, wenn man in der 4. Runde des Pokals in ein Wiederholungsspiel muss. Der Terminkalender der folgenden Wochen sei schon überladen.

Topspieler halfen nicht

Wie immer man dazu steht: Schade ist, dass die Diskussion davon ablenkt, was Liverpools Gegner Shrewsbury im Hinspiel geschafft hat. Ja, Klopp und die Reds traten im New Meadow freiwillig mit Spielern aus der zweiten Reihe an. Aber auch die späteren Einwechslungen von Alex Oxlade-Chamberlain, Mohamed Salah und Firmino verhalfen ihnen nicht zum Sieg. Der großflächig tätowierte Einwechselstürmer Jason Cummings hatte für die Riesenüberraschung gesorgt und aus einem 0:2 ein 2:2 für Shrewsbury gemacht. Weiterlesen „Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will“

Klare Sicht nach dem Spektakel von Augsburg

1. Bundesliga, 18. Spieltag / FC Augsburg 3 BVB 5

So macht man tatsächlich Werbung für die Rückserie: Borussia Dortmund dreht zum Auftakt einen 1:3-Rückstand in Augsburg und der junge, neue Stürmer Erling Haaland hat daran einen gewaltigen Anteil. Noch klarer als bisher zeigte sich aber auch, was beim BVB zuletzt falsch gelaufen ist und teilweise noch falsch läuft.

Bevor die großartige Show des Norwegers begann, sahen wir in der ersten Hälfte muntere Augsburger, die in dieser Form sicher nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben werden. Die Schwarz-Gelben hielten durchaus dagegen, aber es haperte, wie in den vorherigen Spielen, am letzten Pass und wenn der kam, am Torabschluss. Marco Reus war in der Hinsicht sicher der Aufreger der Partie – seine drei ungenutzten Großchancen hätten uns in der Hinserie sicher drei Punkte gekostet.

Endlich eine 09

Aber: Die Borussia hat nun wieder einen echten Stürmer. Was das wert ist und wie wir einen solchen vermisst haben, konnte man ab Minute 56 sehen. Vielleicht hätte Paco Alcacer den Schwarz-Gelben in der Hinserie auch etwas mehr helfen können, wenn Favre ihn gelassen hätte. Nun ist mit Haaland aber einer da, von dem das wirklich zu erwarten ist und der so bald wie möglich von Beginn an spielen sollte. Wir können uns auf das Zusammenspiel von Jadon Sancho und Erling wirklich freuen – und mit Marco und Thorgan geht da bestimmt auch noch was. Verlässt Paco den BVB noch, müssten Michael Zorc, Lucien Favre und Aki Watzke aber eigentlich über einen weiteren Neuner für die zweite Reihe nachdenken. Weiterlesen „Klare Sicht nach dem Spektakel von Augsburg“

Abschied von Julian Weigl steht bevor

Es hängt nur noch am Medizincheck: Den hat Julian Weigl in Lissabon über den Jahreswechsel noch nicht absolviert. Doch sollte bei diesem Termin kein Problem auffallen, heißt Weigls neuer Arbeitgeber Benfica Lissabon. Selbst Borussia Dortmund hat den Transfer schon bestätigt – vorbehaltlich der Untersuchung.

Der 24-jährige Mittelfeldspieler, zuletzt in schwarz-gelb häufiger als Innenverteidiger eingesetzt, dürfte also bald in der Liga NOS und der Europa League spielen statt in Bundesliga und Champions League. Nach dem kometenhaften Aufstieg in seiner ersten BVB-Saison – von taumelnden Sechzigern zu 51 Einsätzen für Dortmund und weiter in die Nationalmannschaft – gingen seine Einsatzzeiten nach der Entlassung von Thomas Tuchel zurück. Julian war keine richtige Stammkraft mehr und das möchte er jetzt – in einer entscheidenden Phase seiner Karriere – mutmaßlich wieder sein.

Aus der Sicht des Spielers ist das absolut nachvollziehbar. Lucien Favre sieht im Mittelfeld derzeit andere Akteure vor ihm: Axel Witsel, Thomas Delaney, womöglich in der Zukunft Leonardo Balerdi oder Tobias Raschl. Als Abwehrspieler hat Julian Weigl in dieser Saison gezeigt, dass er auf dieser Position eben doch nur eine Notlösung sein kann. Womit wir bei der sportlichen Einordnung des Transfers wären: Ich fand den Hype um Weigl in den ersten beiden Spielzeiten in Dortmund übertrieben. Damals war er ein solider Sechser, der immer mal wieder feine Pässchen gespielt hat. Ein Wunderkind war er nicht – wundersam war allenfalls der mühelose Übergang von 1860 zum BVB.

Sollte er nun wie angekündigt ins schöne Lissabon wechseln, bricht in Dortmund nichts zusammen. Zumindest nicht wegen Julians Fehlen. Es wird vielleicht Chancen für spannende junge Leute geben, vielleicht auch nicht. Gewiss sagen kann man jedoch, dass mit Julian Weigl ein sympathischer Spieler geht, dem ich bei Benfica nur das Beste wünsche. Sowie allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr!

Probleme ganz anderer Art

Ein Schnäppchen für 20 Millionen? Für die große Mehrheit der Fußballvereine sind das irreale Summen. Der Etat des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 beträgt in dieser Spielzeit 300.000 Euro. Für den gesamten Kader. Erling Haaland dürfte bei Borussia Dortmund dasselbe im Monat bekommen, vielleicht sogar das doppelte. Man sollte sich das immer wieder vergegenwärtigen. Für die Solidarität nach unten wäre es sicher gut, wenn jeder Fan eines großen Vereins auch Fan eines kleinen, lokalen Klubs wäre.

Babelsberg, der höchstklassige Männerfußballverein Potsdams, hat eine gruselige Hinserie hinter sich. Ex-Trainer Marco Vorbeck – der ehemalige Hansa Rostock-Profi – ist hier schon wieder Geschichte, muss aber je nach Ausgang des Prozesses vor dem Arbeitsgericht womöglich weiter bezahlt werden. Dabei fehlte 03 doch sichtbar auch Qualität auf dem Platz, was mit der Senkung des Etats um 50.000 Euro zu tun haben dürfte. Nachdem die letzte Saison nicht kostendeckend geplant worden war, hatte der Vorstand für 2019/20 eine konservative Rechnung aufgemacht – ohne dass das per se negativ gemeint ist.

Niemand kann sich richtig erklären, warum es so schlecht lief, dass Babelsberg nach 19 von 34 Spieltagen auf dem 17. Platz in der Abstiegszone steht. Trainer, Kader, Verletzungen spielten sicher eine Rolle, aber ein paar Punkte mehr hätte jede/r der Mannschaft zugetraut. Die ungewisse Zahl der Absteiger macht die Kalkulation der zur Rettung fehlenden Punkte schwer. Nach jetzigem Tabellenstand kehren aus der 3. Liga zwei Nordost-Vereine zurück in die Regionalliga: der Chemnitzer FC und der schon recht abgeschlagene Tabellenletzte Carl Zeiss Jena. Setzt sich dazu der Meister der Regionalliga Nordost am Ende in den Play-Offs um den Aufstieg nicht durch, gibt es im Mai vier Absteiger aus der Spielklasse. Auf den definitiv sicheren Platz 14 fehlen 03 acht Punkte. Etwas leichter würde es makabererweise, wenn der insolvente Thüringer Ligakontrahent Wacker Nordhausen zwangsabsteigen müsste.

Etwas Hoffnungsschimmer glimmt allerdings doch über dem Karl-Liebknecht-Stadion: Gegenüber der Märkischen Allgemeinen sprach 03-Präsident Archibald Horlitz von hilfsbereiten Sponsoren, dank derer es die eine oder andere Neuverpflichtung im Winter geben könne. Der neue Mann für die Trainerbank wurde schon vor Weihnachten gefunden: Es übernimmt der 53-jährige Predrag Uzelac, Vater von Franko Uzelac, der in der letzten Saison als Innenverteidiger für Babelsberg auflief. Seine Trainerkarriere umfasst rund 100 Spiele bei drei Nord-Regionalligisten: SV Wilhelmshaven, BSV Rehden und VfB Oldenburg. Zuletzt war er als Scout tätig. Eine distinguierte Laufbahn sieht wohl anders aus, aber eine richtige Meinung kann man sich bei den doch eher spärlichen Informationen ohnehin nicht bilden.

Ob ein Abstieg Babelsberg 03 wirklich in Existenznöte stürzen würde, sei mal dahingestellt. Aber er wäre ein schwerer Rückschlag, der auch anderen Abteilungen des Vereins schaden dürfte. Das ist mal eine Rückrunde, in der es wirklich um etwas geht.

Nicht Leipzig, nicht Manchester: Haaland geht nach Dortmund

Kurz vor Ende des Jahrzehnts kommt aus Dortmund noch eine großartige Nachricht: Der BVB hat Erling Braut Haaland von RB Salzburg verpflichtet. Der 19-jährige Mittelstürmer kommt für die festgeschriebene Ablöse von 20 Millionen Euro und unterschrieb bis 2024. Laut Kicker soll das Gesamtpaket inklusive Handgeld, Beraterhonorar und Gehalt für die viereinhalb Jahre 100 Millionen kosten.

Sportlich und finanziell macht der Transfer Stand jetzt geradezu unheimlich viel Sinn. Borussia Dortmund brauchte so schnell wie möglich einen echten Neuner und Torjäger, der der junge Haaland sowohl in der Champions League als auch in der österreichischen Bundesliga war. Michael Zorc beschreibt seine Qualitäten so:

Wir alle dürfen uns auf einen ehrgeizigen, athletischen und physisch starken Mittelstürmer mit ausgeprägtem Torinstinkt und beeindruckendem Tempo freuen, den wir in Dortmund weiterentwickeln möchten.

Paco Alcacer, leider oft von Verletzungen geplagt und zuletzt auch nicht immer erste Wahl, wird vermutlich ins zweite Glied rücken. Es ist schwer zu hoffen, dass Lucien Favre von seinen neuen Möglichkeiten nun auch regelmäßig Gebrauch machen wird. Jemand wie Haaland muss man wohl kaum erst mal heranführen, wie es zuletzt bei so vielen Talenten in schwarz-gelb geheißen hatte. Und selbst mit üppigem Handgeld und ebensolcher Gebühr für Erlings Berater Mino Raiola wird sich der Transfer für den BVB finanziell auszahlen – sollte sich der junge Norweger nicht schwer verletzen.

Man sollte die Geschichte aber nicht romantisieren: Ja, die Borussia hat dem Vernehmen nach für den Moment RB Leipzig, Manchester United und vielleicht weitere interessierte Klubs aus dem Weg geschlagen. Andererseits können wir nicht davon ausgehen, dass Erling Haaland seinen Vertrag bis 2024 erfüllen wird. Je besser er einschlägt, desto eher wird er Begehrlichkeiten bei den ganz Großen wecken. Mit Mino Raiola an seiner Seite könnte der Weg bald in die Premier League führen, wogegen der Spieler auch nichts haben dürfte. Und Raiola ist nicht nur in Dortmund dafür bekannt, den ihm passenden Weg sehr robust zu verfolgen.

Für den Moment macht die Entscheidung pro Borussia auch für Haaland durchaus Sinn. Bei einem Wechsel zum Schwesterverein nach Leipzig wären seine Einsatzchancen wahrscheinlich sogar geringer gewesen, denn dort gibt es mit Timo Werner bereits einen treffsicheren Mann mit ähnlichem Profil. Die Premier League mit ihren großen Kadern soll Raiola jetzt noch für verfrüht empfunden haben. Also sagt Erling nun auf der BVB-Webseite:

Da war von Anfang an das Gefühl, dass ich unbedingt zu diesem Klub wechseln, diesen Weg gehen und in dieser unglaublichen Dortmunder Atmosphäre vor mehr als 80.000 Zuschauern Fußball spielen will. Ich brenne schon darauf.

Also: alles richtig einordnen und sich auf einen tollen Fußballer freuen!

Halbzeitansprache und fromme Wünsche

Die letzte Winterpause der Zehnerjahre hat begonnen und mit der neuen Dekade könnte eine Zeitenwende auf Fußball-Deutschland zukommen. Zur Halbzeit besetzt RB Leipzig die Tabellenspitze der 1. Bundesliga, ist also Herbstmeister, auch wenn diesen Titel ja nie jemand haben will. Doch die Statistik sagt aus, dass bis dato 67,9 Prozent der Klubs, die zur Winterpause vorne standen, auch Meister wurden. Am häufigsten betraf das natürlich den FC Bayern, weswegen alle, die lieber den Rekordmeister als den Brauseklub vorne sehen würden, noch Hoffnung haben. Ich gehöre mit vollem Herzen zu eben diesen Menschen.

Für mich ist 2020 in der Bundesliga am wichtigsten, dass Leipzig nicht Meister wird. Sollte es doch so kommen, wäre das ein Bruch mit allem, was man sich vom Fußball noch erhofft. Dieser Mitbewerber ist auf so vielen Ebenen falsch – von der Gründung bis in die jüngste Gegenwart. Man denke an das zum Glück abgebrochene Techtelmechtel mit Paderborn oder die fragwürdige Gestalt Dietrich Mateschitz. Es wäre auch ein Signal an weitere angehende Rasenballsportler in neuen Konstrukten. Deswegen wären mir alle anderen möglichen Meister lieber: die falsche Borussia, die großen Bayern, ja sogar – dare I say it – der FC Schalke.

Und die richtige Borussia? Es war ein schwer zu ertragendes Auf und Ab in der Hinserie. Zuletzt gab es einen Punkt aus zwei Spielen. In beiden Partien spielten die Schwarz-Gelben nicht so schlecht wie manches Mal zuvor. Vieles sah zuletzt nach Aufwärtstrend aus. Doch blöde Fehler und vergebene Chancen kosteten den BVB fünf Punkte. Die Zahlen lügen nicht: Man liegt sieben Punkte hinter – ausgerechnet – Leipzig, steht so eben noch auf einem Champions League-Platz.

Klar, das ist nicht uneinholbar. Aber die Borussia hat in der Hinserie nie die Konstanz gezeigt, die nötig wäre, um uns noch daran glauben zu lassen. Und demzufolge muss es zur Not jemand anders richten. Könnte der BVB auch einen anderen Trainer vertragen? Auch hier gab es für mich ein Auf und Ab der Gefühle gegenüber Lucien Favre. Ich war, als es zum ersten Mal um seine Verpflichtung ging, nicht überzeugt von ihm und freute mich, als Peter Bosz Trainer wurde. Später habe ich mich mit Favre abgefunden und sogar aus der Distanz angefreundet. Diese Saison hat er mich wie die ganze Mannschaft enttäuscht. Und ich glaube nicht, dass er die Spieler noch mal so mitreißen kann, wie es nötig wäre.

Es ist ein Dilemma: Lucien Favre und seine Ergebnisse sind zu gut, um ihn zu feuern. Aber wir werden mit ihm wahrscheinlich nicht mehr oben angreifen können. Oder können es gezielte, vermutlich teure Verstärkungen noch rumreißen? Mein Glaube daran ist überschaubar. Frohe Weihnachten!

Konstanz liegt am Bodensee

1. Bundesliga, 17. Spieltag / TSG Hoffenheim 2 BVB 1

Zwei Spiele nach Mainz ist beim BVB gefühlt wieder alles ungut. Während die Partie gegen Leipzig vor allem ergebnistechnisch negativ war, erkannte man in der zweiten Hälfte in Sinsheim wieder die gleiche Spielweise, die die Fans bis vor wenigen Wochen so aufgeregt hatte. Schwarz-Gelb lässt sich alle drei Punkte abnehmen und das war absolut absehbar.

Eine gute Hälfte

Es ist ja in dieser Saison kein neues Phänomen, dass die Borussia Spiele mindestens phasenweise aus der Hand gibt. Nur war es gestern besonders frustrierend, weil man gegen solche Hoffenheimer einfach gewinnen musste. In den ersten 45 Minuten hatten die Gastgeber genau eine, wenn auch gute, Gelegenheit, als Skov einen Freistoß aus großer Distanz an die Unterkante der Latte schoss. Dortmund wirkte dagegen souverän, und über rechts mit Hakimi und Hazard immer wieder gefährlich. Leider reichte es nur zu Götzes Treffer. Außer bei zwei, drei starken Szenen war bei Mario sonst viel Luft nach oben.

Nun ist es wirklich unglücklich, wenn mit Mats Hummels und Thorgan Hazard zur Pause der Abwehrorganisator und der offensive Top-Performer der letzten Wochen wegbrechen. Bei Hazard gibt es bis dato noch keine mir bekannte belastbare Aussage, ob und wie schwer er verletzt war. Doch selbst wenn der Doppelwechsel unvermeidbar war: Hier lag Lucien Favre falsch. Er brachte den – wie sage ich es respektvoll – Veteranen Lukasz Piszczek und Jacob Bruun Larsen – der sich bei seinen wenigen Auftritten bisher nicht aufdrängen konnte. Mutig und wohl sinnvoller wäre es gewesen, Leo Balerdi endlich mal eine echte Chance in der Innenverteidigung zu geben und Hazard durch Guerreiro oder gleich Alcacer zu ersetzen. Weiterlesen „Konstanz liegt am Bodensee“

Zag, der neue Masterplan und der nächste Dreier

1. Bundesliga, 15. Spieltag / FSV Mainz 05 0 BVB 4

Ein souveräner Auswärtssieg nach kurzer Warmlaufphase – die Borussia könnte doch noch rechtzeitig zum Topspiel am kommenden Spieltag in die Spur gefunden haben. Dass es wieder läuft, hat auch mit den Gegnern zu tun, aber noch mehr mit personellen und taktischen Änderungen.

Spielweise der Mainzer passte Schwarz-Gelb

Ein paar Minuten sah das, was die Gastgeber heute ablieferten, richtig mutig aus. Und nach einer Strategie, mit der schon andere Gegner den BVB verunsichern konnten. Aber wer gegen die Schwarz-Gelben den Zugriff im Mittelfeld verliert und hinten Räume anbietet, hat es eben schwer. Da hilft auch kein Glück mit dem Schiri mehr. Ja, die Mainzer werden ein paar lobende Worte bekommen, weil sie nie aufgaben und sich ums Offensivspiel bemühten. Aber letztlich waren sie vorne zu harmlos – kein Schuss kam aufs Tor – und hinten naiv. Ich habe durchaus gewisse Sympathien für die 05er, aber mit deren Mannschaft und Kader scheint keine Konstanz möglich zu sein.

Systemumstellung bisher Volltreffer

Es war ein offensichtliches Problem: Die Viererkette des BVB offenbarte in dieser Saison immer wieder Schwachstellen. Mal waren die Außen nicht defensivstark oder schnell genug, mal patzten die Innenverteidiger. Grundsätzlich war ich immer ein Fan der Viererkette, bin da aber sicher nicht dogmatisch. Die Lösung war offensichtlich und Lucien Favre hat sie vor ein paar Wochen implementiert: Die Dreierkette aus Innenverteidigern, mit zwei etwas offensiveren Außenverteidigern links und rechts. So spielen das viele andere auch.

Einerseits ist der Systemwechsel ein Eingeständnis, dass die defensive Qualität doch noch nicht da ist, wo man sie erhofft hatte. Andererseits schadet er dem BVB-Spiel überhaupt nicht. Wenn unsere Offensiven sich mit nach hinten bewegen und nach vorne ihr Talent zeigen, entstehen im 3-5-2 oder 3-4-3 weniger Lücken und die Torgefahr verringert sich nicht. In Mainz klappte das sehr gut, gegen Prag sah es noch deutlich wackliger aus. Trotzdem scheint es derzeit der Weg nach vorne zu sein.

Zagadouuuu, Jadon back on track, Kapitän Reus

Eigentlich unfair, nur die drei zu nennen. Aber was für ein Klassetyp ist denn Dan-Axel Zagadou? Für mich eindeutig einer, der mit regelmäßiger Spielpraxis eine wichtige Stütze für Schwarz-Gelb werden könnte. Ein Sololauf über 70 Meter, einmal zu Sancho quergelegt, schon stand es 2:0. Und Jadon hat wieder mehr Spielglück, das aber auch von einer scheinbar entschlosseneren Einstellung erzwungen wird. Bei Marco Reus ärgerte ich mich noch, dass er mal wieder direkt auf den Torwart gezielt hatte, aber der Kapitän machte es noch in der ersten Hälfte mit einem Kracher besser. Thorgan Hazard, dritter Torschütze, wird sowieso immer stärker. Und Nico Schulz dürfte mit seinem 4:0 nun auch beim BVB angekommen sein.

Man darf sich aber auch nichts vormachen: Mainz war – siehe oben – nicht der Maßstab. Leipzig am Dienstag wird es ganz gewiss sein. Ob wir dann mit einem zentralen Mittelfeld aus Brandt und Weigl so gut aussehen werden, ist fraglich. Witsel und Delaney dürften uns fehlen. Trotzdem sollte Lucien Favre weiterhin auf Hakimi setzen und überlegen, ob dann auf der anderen Seite Guerreiro oder Schulz gegen die schnellen Leipziger besser aussehen. Eins ist klar: Gewinnt die Borussia am Dienstag, ist die Wende geschafft!

Die Mannschaft: Bürki – Akanji, Hummels, Zagadou – Hakimi, Weigl, Brandt (81. Dahoud), Schulz – Sancho (85. Paco Alcacer), Hazard, Reus (73. Reus). Tore: Reus, Sancho, Hazard, Schulz

Nach erstem Saisonsieg: Babelsberg entlässt Trainer

14 Spieltage hatte Nordost-Regionalligist SV Babelsberg 03 nicht gewonnen und dabei triste bis tragische Auftritte hingelegt. So konnten die 03er etwa eine auswärts bei der Zweiten von Hertha BSC kurz vor Schluss erzielte Führung nicht über die Nachspielzeit retten. Doch Freitag vor einer Woche war es so weit, in einem klassischen Sechs-Punkte-Spiel gegen den Tabellennachbarn Optik Rathenow: Im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion steckte Babelsberg den frühen Rückstand ebenso weg wie den späteren Ausgleich. Doppeltorschütze Bogdan Rangelov traf in der 81. Minute zum 3:2-Siegtreffer.

03 überholte Optik in der Tabelle und ist 16. – ein Platz, der aber je nach Gesamtkonstellation nicht zum Klassenerhalt reichen muss. Dennoch kam es sehr überrraschend, als der Verein eine Woche später in einer dürren, dreizeiligen Mitteilung an die Presse und auf seiner Webseite bekanntgab, dass man sich von Trainer Marco Vorbeck getrennt habe. Man hatte doch die ersten drei Punkte, neben acht Unentschieden, auf der Haben-Seite, und immerhin war man zuvor selten richtig untergegangen. Die Vereinsführung um Präsident Archibald Horlitz hatte sich wiederholt hinter Vorbeck gestellt – und Babelsberg war bisher wirklich kein Hire-and-Fire-Verein.

Eine weitere Schwierigkeit bei diesem Vorgehen: Marco Vorbeck, der vor seinem fünfmonatigen Engagement in Potsdam Jugendtrainer bei Hansa Rostock war, hat noch Vertrag bis Juni 2021. Er müsste also weiter- oder ausbezahlt werden. Was sich ein Verein, der seinen Etat vor der Saison um 50.000 auf 300.000 Euro kürzen musste, schwerlich leisten kann. 03 ist inzwischen auch für Regionalliga-Verhältnisse ein ärmerer Verein. Große Einnahmen und große Sponsoren fehlen. Weiterlesen „Nach erstem Saisonsieg: Babelsberg entlässt Trainer“

Und jährlich gibts die Auswärtsschlappe

1. Bundesliga, 11. Spieltag / Bayern München 4 BVB 0

Das fünfte Auswärtsspiel beim FC Bayern in Serie endet für Borussia Dortmund mit mindestens vier Gegentoren und drei Toren Unterschied. Immerhin bessern sich die Schwarz-Gelben: Vorletzte Saison gab es noch ein halbes Dutzend Bayern-Treffer, im Frühjahr fünf und gestern nur noch vier. Kämpfende Gastgeber gegen Angsthasen? Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen und trotzdem lohnt sich der schmerzhafte Blick zurück.

Nicht über 90 Minuten miserabel

Kürzere Zusammenfassungen des „Topspiels“ zeigen dominante, spielsichere Bayern und einen weitgehend konfusen BVB. Dieses Bild trifft über weite Strecken der Begegnung auch zu. Die Schwarz-Gelben hatten viel zu viele einfache Ballverluste und ungenaue Pässe zu verzeichnen. Sie kamen oft nicht in die Zweikämpfe, standen zu weit weg von den Bayern, begleiteten häufig, anstatt zu attackieren. Die hoch stehenden Gastgeber behagten den Gästen überhaupt nicht.

Deutlich zu sehen war das aber erst nach dem Führungstreffer durch – natürlich – Lewandowski in der 17. Minute. Zuvor wirkten die Bayern zwar auch schon technisch stärker, aber noch nicht übermäßig dominant. Nein, es war das Gegentor, das den BVB scheinbar aller Energie beraubte – und danach sofort nachsetzende Rote. Es gab rund zehn Minuten in der zweiten Hälfte, in denen die Borussen wieder besser im Spiel waren – dann folgte das 0:3. Weiterlesen „Und jährlich gibts die Auswärtsschlappe“