Edin Terzic stellt sich vor

Der neue BVB-Trainer stellte sich heute Mittag gemeinsam mit Michael Zorc erstmals den Fragen der Journalisten. Auf der Spieltags-Pressekonferenz zur Partie in Bremen blieb diese erwartungsgemäß Randnotiz. Edin Terzic, bisher Co-Trainer, ist voraussichtlich bis Sommer der neue starke Mann auf der Bank der Schwarz-Gelben. Er kam sympathisch rüber, wie ein Mann, der keine Allüren, aber auch keine Angst vor der Aufgabe hat.

Natürlich kündigte Terzic eine Analyse der Gemengelage rund um die Mannschaft an, die unabhängig von seiner bisherigen Mitarbeit im Trainerstab notwendig ist. Wenig Konkretes gab es zu möglichen Änderungen in der täglichen Arbeit oder im Umgang mit der Mannschaft zu erfahren. Terzic wollte sich auch nicht das Etikett „emotionaler Trainer“ anheften (lassen). Was durchschimmerte: Bei der Analyse, aber auch danach, wird er womöglich verstärkt auf den Dialog mit den Spielern setzen – ohne im Anschluss die Verantwortung zu scheuen, eigene Entscheidungen zu treffen. Ein wichtiger Satz von Terzic, den er hoffentlich dem Team nahebringen kann:

Wir müssen uns auch bei unangenehmen Situationen wehren. Und wir müssen alle die Verantwortung haben, uns da auch gegenseitig stets daran zu erinnern.

Sympathisch ist natürlich auch, dass Edin Terzic aus der Region kommt und nach eigenem Bekunden schon seit seiner Kindheit BVB-Fan ist. Das und seine Art werden ihm einen gewissen Bonus bei den Fans verschaffen. Diese wissen aber auch, dass Terzic als Cheftrainer unerfahren ist und der Verein sich sportlich kaum noch Ausrutscher erlauben kann. Der Ergebnisdruck wird also nur unwesentlich geringer sein als bei jedem anderen Trainer.

Viel mehr als ein menschlich positiver Eindruck von Edin Terzic fiel bei der PK nicht ab. Also keine knackigen neuen Infos – aber das war wohl auch nicht zu erwarten. Verständlich ist, dass der neue Trainer zum gerade ausgelosten Gegner im Achtelfinale der Champions League, dem FC Sevilla, noch nicht viel sagen konnte und wollte. Unangenehm sei Sevilla – das dürften Verantwortliche wie Fans des BVB noch ganz gut in Erinnerung haben. In sportlicher Hinsicht fällt mir da das eher unsportliche, sehr aufreizende Zeitspiel der Spanier ein.

Doch das ist Vergangenheit und hat mit den Partien im Februar/März erstmal nichts mehr zu tun. Nach wie vor stellt Sevilla eine große sportliche Herausforderung dar – selbst, wenn viele Dortmunder wohl erleichtert waren, dass nicht Atletico oder Barcelona aus dem Lostopf kamen. Wie der BVB ist Sevilla gerade Fünfter in der Liga, zwei Punkte vor Barca, das ebenfalls elf Spiele bestritten hat. Mit Ausnahme von Atletico haben alle Clubs vor Sevilla mindestens eine Partie mehr absolviert. Sportlich wird das also ein Duell auf Augenhöhe für die Borussia, in dem es keinen Favoriten gibt.

Bis es soweit ist, wird sich auch geklärt haben, was wir von Edin Terzic erwarten dürfen. Und ob er sich ein wenig Hoffnung auf ein längeres Engagement machen kann, was Michael Zorc zumindest nicht explizit ausgeschlossen hat.

Lucien Favre schon weg

Früher als von mir erwartet hat Borussia Dortmund Trainer Lucien Favre und dessen Assistenten Manfred Stefes entlassen. In einem normalen Jahr hätte man dem ja nicht gerade erfolglosen Favre wohl noch Zeit bis zur Winterpause gegeben. Da eine solche aber 2020 (noch) nicht geplant ist, haben die Verantwortlichen nach dem 1:5 gegen den VfB wohl keine Notwendigkeit gesehen, noch zu warten.

Es ist bekannt, dass Lucien Favre bis zuletzt der BVB-Trainer mit dem besten Punkteschnitt war. Gescheitert ist er auch nicht an einer anhaltenden Pleitenserie, wie sie sogar Jürgen Klopp erlebt hat. Es war vielleicht nicht mal die Zahl der Niederlagen ausschlaggebend, sondern deren Art und Weise sowie die Gegner, die den BVB besiegen konnten. Außerdem gaben auch die erfolgreich gestalteten Partien nicht oft genug Anlass zur Hoffnung, dass da gerade etwas Großes am entstehen ist.

Entscheidend für die Trennung war unabhängig vom Zeitpunkt vermutlich die Auffassung der Vereinsverantwortlichen, dass Favre vielleicht einzelne Spieler besser gemacht, aber die Mannschaft nicht genügend weiterentwickelt hat. Zuletzt war kaum noch ein Konzept zu erkennen, wie man schwierige Spiele gewinnt. Obwohl die schwarz-gelben Jungs das mit individueller Qualität und Einzelaktionen gelegentlich trotzdem schafften.

Die Nachfolgeregelung hätte so auch nicht jede/r erwartet: Bis Saisonende übernimmt Co-Trainer Edin Terzic, unter anderem assistiert von Otto Addo. Sinn macht das insofern, als dass echte Wunschkandidaten für die Trainerbank im Winter selten zu bekommen und teurer als eine interne Lösung sind. Nächsten Sommer dürfte zumindest Ersteres anders aussehen. So deuten etwa einige Äußerungen der letzten Wochen darauf hin, dass Gladbachs Marco Rose von Max Eberl & Co nicht mit allen Mitteln gehalten werden soll.

Bleibt die Frage, was Edin Terzic bis dahin mit der Mannschaft erreichen kann. Vom Typ her soll er emotionaler als Favre sein. Das ist aber sicher nicht die einzige Voraussetzung, um mit dem BVB Erfolg zu haben. Es ist ein wohl notwendiges Wagnis, das Watzke, Zorc und die anderen Verantwortlichen mit Terzic eingehen. Ob es besser endet als mit Lucien Favre möglich gewesen wäre, ist kaum seriös vorherzusagen.

Mats Hummels, mach‘ den Trainerschein!

1. Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 1 VfB Stuttgart 5

Nach einer ärgerlichen knappen Niederlage gegen Köln erlebt Borussia Dortmund im folgenden Heimspiel ein Desaster und geht gegen den Aufsteiger VfB Stuttgart mit 1:5 unter. Die beste Analyse kommt kurz nach dem Spiel von Mats Hummels – auf dem Platz hatten seine analytischen Fähigkeiten leider keine Auswirkung.

Die Worte zum Spiel

Hummels nannte die offensichtlichen Gründe für die Niederlage – entscheidende Ballverluste vor drei Gegentoren gegen einen starken VfB. Aber er ging auch so in die Tiefe, wie man es von Lucien Favre nicht nur wegen der Sprachbarriere nicht hören wird:

Wir versuchen immer klein-klein durch enge Räume durchzuspielen und haben dabei eine riesig hohe Ballverlustquote. (…) Es ist zu viel ‚Geschnicke‘, würde ich sagen, wir haben zu wenig Tiefe im Spiel, kommen zu wenig entgegen und provozieren so die eigenen Ballverluste.

Das sei kein sinnvoller Fußball, meinte Mats und erläuterte, dass die Schwarz-Gelben oft in den falschen Räumen Risiko spielten: Dort, wo es wenig bringt, aber schnell gefährlich werden kann. All das konnte man gegen den VfB erkennen, aber so eine Zusammenfassung musst du Minuten nach der Partie erst mal bringen. Als Spieler. Da stellt sich die Frage, ob Mats Hummels nicht auf der Trainerbank gut aufgehoben wäre – auch wenn er dem BVB derzeit in der Abwehr noch arg fehlen würde. Längerfristig aber ein charmanter Gedanke – obwohl ich etwas daran zweifle, dass Mats diesen Karriereschritt anstrebt. Weiterlesen „Mats Hummels, mach‘ den Trainerschein!“

Tut zu viel Lob Dortmund nicht gut?

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 1 1. FC Köln 2

Oder ist das auch nur ein rein spekulativer Erklärungsversuch für etwas schwer Erklärbares? Erneut hat Borussia Dortmund gegen einen Verein aus der unteren Tabellenregion Punkte liegen lassen, sogar gleich drei zu Hause. Und das, wo das Team doch gerade für seine neu gewonnene Stabilität gelobt worden war.

Lob für den Gegner

Credit where credit’s due: Der Effzeh trat in Dortmund auf, wie man es als Abstiegskandidat machen muss. Kompakt aus einer starken Abwehr heraus, so dass vor allem zentral kaum ein Durchkommen war. Und effektiv, sobald sich Chancen boten, wie bei den zwei Ecken, die zu den Toren führten. Zwar hatten die Schwarz-Gelben viel mehr Torschüsse zu verzeichnen, aber aufs Tor kamen bei den Roten genauso viele – fünf. Natürlich hatte der BVB auch mehr Großchancen – da muss man nur an die Nachspielzeit und Haalands fast Hundertprozentige denken – aber das Glück des Tüchtigen gehört in so einer Partie für den „Kleinen“ eben dazu.

Der Borussia fehlte gestern nicht nur die Effektivität. Offensichtlich war, dass die Deckung vor den beiden Gegentoren nicht funktionierte. Eine Frage der Aufmerksamkeit, wobei nicht klar zu sehen war, wem Doppel-Torschütze Ellyes Skhiri jeweils entwischte. Und natürlich hätte man im Idealfall auch schon die Kopfball-Verlängerungen verhindern können. Weiterlesen „Tut zu viel Lob Dortmund nicht gut?“

Die nächste große Hoffnung für Sunderland

Fans zurück in den Stadien – in Großbritannien könnte das schon zum Ende des aktuellen Lockdowns am 2. Dezember und je nach regionaler Pandemie-Lage Realität werden. Die Anhänger des englischen Drittligisten Sunderland AFC hätten dann womöglich gleich doppelt Grund zur Freude. Sie warten seit geraumer Zeit auf eine Übernahme ihres Klubs durch neue finanzkräftige Investoren. Die jetzigen Eigentümer um Mehrheitsaktionär Stewart Donald und Charlie Methven reden seit Langem von laufenden Gesprächen, doch nun könnte es endlich ernst werden. Spekuliert wird über den Abschluss der Verhandlungen und eine zeitnahe Ratifizierung der Übernahme durch den Ligaverband EFL, vielleicht sogar bis Anfang Dezember.

Doch wie die Fan-Rückkehr ist auch der geplante Eigentümerwechsel durchaus zwiespältig zu betrachten. Die jüngere Geschichte der „Black Cats“ ist eine der enttäuschten Hoffnungen. Als ich vor zwei Jahren zum letzten Mal über Sunderland schrieb, waren sie bereits drittklassig, aber Donald und Methven hatten einiges getan, um die Fans nach zwei Abstiegen in zwei Jahren wieder an Bord zu holen. Doch es war nicht genug, denn sportlich verfehlte der Klub das klare Ziel, wieder aufzusteigen, zweimal – sowohl mit Trainer Jack Ross als auch seinem Nachfolger und Noch-Amtsinhaber Phil Parkinson.

Das Gewicht der Geschichte

Man muss die Größe des Klubs und seiner Anhängerschaft kennen, um die Dimension des Problems zu verstehen. Neben Newcastle United und Middlesbrough ist Sunderland eines von drei sportlichen Aushängeschildern im Nordosten Englands, einer Region mit wirtschaftlichen Problemen. Die Black Cats haben in ihrer Geschichte sechs Meisterschaften geholt und sind damit in dieser Hinsicht der sechsterfolgreichste Fußballverein Englands. Auch wenn nur einer der Titelgewinne in den letzten 100 Jahren gelang (1936), sehen die Fans ihren Verein weiter als einen der großen an. Noch verständlicher wird ihre derzeitige Frustration, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Sunderland in seiner vor 2018 knapp 140-jährigen Geschichte nur eine einzige Saison (1987/88) in der dritten Liga verbringen musste, 87 Spielzeiten insgesamt und vor 2017 zehn am Stück erstklassig war. Weiterlesen „Die nächste große Hoffnung für Sunderland“

Jung und jünger

1. Bundesliga, 8. Spieltag / Hertha BSC 2 BVB 5

BVB-Trainer Lucien Favre schickte gestern in Berlin keine besonders junge Startelf auf den Rasen des Olympiastadions: 27,6 Jahre war deren Durchschnittsalter. Nach der Partie fokussierte sich dennoch alles auf die Jugend. Der 20-jährige Stürmer Erling Haaland traf viermal und Sturmkollege Youssoufa Moukoko wurde zum jüngsten Bundesligaspieler aller Zeiten, als er wenige Minuten vor Schluss mit 16 Jahren und einem Tag eingewechselt wurde.

Goal Phenomenon

Ein Hattrick innerhalb einer Viertelstunde, vier Tore in 33 Minuten – es war ein Tag der Superlative für den Dortmunder Superstürmer, der auf dem besten Weg ist, alle großen schwarz-gelben Torjäger der jüngeren Vergangenheit in den Schatten zu stellen. Marcio Amoroso, Lucas Barrios, Pierre-Emerick Aubameyang und vielleicht sogar der damalige Robert Lewandowski verblassen gegenüber der gestrigen Leistung des Erling Haaland.

Der Norweger kann das auf diesem Niveau nicht jede Woche abrufen – siehe Bayern-Spiel. Aber der BVB wird sich spätestens im Sommer vor äußerst lukrativen Angeboten nicht retten können. Erlings Antritt, die Ballannahme und -verarbeitung sowie sein Torriecher waren schlicht sensationell in Berlin. Er kreiert Tore selber – wie das dritte, begünstigt durch den schludrigen Pass des Berliners Plattenhardt auf Alderrete – oder er ist einfach an der richtigen Stelle, wie bei Cans Querpass vor dem 1:1. Weiterlesen „Jung und jünger“

Es ist, wie es war

1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 2 Bayern München 3

Nach dem Topspiel am Samstagabend wird Borussia Dortmund von vielen Seiten eine ordentliche Leistung bescheinigt, doch gleichzeitig zementiert die Heimniederlage gegen die Bayern die Rangordnung im deutschen Fußball weiter. Mit jeder Pleite schwindet die Hoffnung auf Änderungen.

Ist der BVB näher an Bayern dran?

Manche deuten den couragierten Auftritt gegen die „Besten der Welt“ schon als Fortschritt. Dabei darf man nicht vergessen, dass es für die Schwarz-Gelben ein Heimspiel – wenn auch eines ohne Zuschauer – war. Aus den letzten fünf Ligapartien gegen die Bayern im Westfalenstadion hat der BVB sieben Punkte geholt (S 2, U 1, N 2); die höchste der beiden Niederlagen war ein 1:3. Es hat sich also bisher nichts grundlegend geändert – da müssen wir schon noch das Rückspiel und allgemein den weiteren Saisonverlauf abwarten.

Spielerisch kann die Borussia dem FCB punktuell weh tun, aber dann schlägt der Rekordmeister in aller Regel mit der ihm eigenen Selbstsicherheit zurück. Die Frage, warum es Hoffenheim gelingt, diesen Gegner deutlich zu schlagen und uns nicht, ist nicht schwer zu beantworten: Die Bayern haben ihre gebrauchten Tage, aber nicht gegen Schwarz-Gelb. Für dieses Duell sind sie immer top vorbereitet und eingestellt – so braucht es selbst zu Hause außergewöhnliche Umstände, um gegen sie zu gewinnen. Weiterlesen „Es ist, wie es war“

Ode an Mats

1. Bundesliga, 6. Spieltag / Arminia Bielefeld 0 BVB 2

Selbst wenn ich nicht der Erste und Einzige bin, der die Leistung von Mats Hummels nach dem jüngsten Auswärtssieg des BVB in den Mittelpunkt stellt: Es ist mal wieder Zeit, dem Doppeltorschützen vom Samstag Tribut zu zollen. Die Nummer 15 ist das Gesicht der Schwarz-Gelben.

Denker und Lenker

Nicht immer sind Mats‘ Beiträge zum Spiel so offensichtlich wie in Bielefeld. Am Samstag war der Abwehrchef gleichzeitig Mittelstürmer. Bei der Ecke, die zum 0:1 führte, stand er sträflich allein gelassen am langen Pfosten und musste nicht einmal mehr abstauben – der Ball fiel ihm buchstäblich in den Schoß und prallte von dort ins Tor. Das 0:2 war dagegen ein echter Power-Kopfball, wie ihn Mats eben auch kann, nach Reus-Flanke.

Es gibt die Partien, in denen sich Hummels in eine schwache Mannschaftsleistung einreiht und er ist nicht immun gegen eigene Fehler. Aber er ist wohl derjenige, der sich am produktivsten darüber aufregt und nachdenkt. Eine wochenlange Schwächephase haben wir bei ihm schon lange nicht mehr erlebt. Und wenn das Mittelfeld mal keine Impulse liefert, springt immer wieder er ein – mit viel Ballsicherheit und gutem Auge. Die große Kritik aus Fankreisen bei seiner Rückkehr habe ich schon damals nicht verstanden. Trotz Bayern-Wechsel war Hummels nie ein Söldner-Typ. Wie gut, dass er ein Schwarz-Gelber ist.

Die Null steht schon wieder

Wäre da nicht dieses Lazio-Spiel gewesen, gäbe es rein vom Sportlichen her sehr wenig zu meckern in Dortmund. Ja, die Auftritte sehen nicht durchweg überzeugend aus und es gab eine Niederlage in Augsburg. Vom Spiel auf der Alm habe ich nur die zweite Hälfte gesehen. Aber zwei Gegentore nach sechs Ligapartien sind schon verdammt gut. Die beste Abwehr der Liga wird natürlich am Samstag gegen den FC Bayern auf eine harte Probe gestellt werden. Deshalb ist mir schon fast egal, ob der verletzungsbedingt ausgewechselte Mats Hummels gegen Brügge spielen kann – gegen den deutschen Rekordmeister dürfte der BVB ohne ihn jedenfalls Probleme kriegen.

Die Aufstellung: Bürki – Meunier, Akanji, Hummels (86. Piszczek), Passlack – Bellingham, Delaney (82. Witsel) – Sancho (75. Reyna), Reus (75. Guerreiro), Hazard (82. Reinier) – Brandt. Gelbe Karten: Delaney, Hummels. Tore: Hummels (2)

BVB noch nicht am Zenit

Champions League, 2. Spieltag / BVB 2 Zenit St. Petersburg 0

Nichts wirklich Neues: Lange tut sich die Borussia schwer gegen ein tief stehendes Team. Doch Zenits Elfmeter-Geschenk öffnet schließlich die Räume für ein weiteres Tor. Im Grunde ein ähnliches Spiel wie das Derby, nur mit einem stärkeren Gegner.

Dominant, aber nicht zwingend

Sehen wir mal das Positive: Im Gegensatz zur Partie bei Lazio waren die Schwarz-Gelben gestern das eindeutig dominante Team, das hinten wenig zuließ. 69 Prozent Ballbesitz und nur vier Torschüsse für den Gegner sind für die Champions League ordentliche Werte. Das BVB-Spiel sah zwar vor allem in der ersten Hälfte eher dröge, aber wenigstens sicher aus. Eine Problemzone: die Mittelfeldzentrale. Witsel trug mit wenigen Ausnahmen nichts wirklich Kreatives vor. Dahoud wirkte wenigstens lebhafter, doch bei ihm kommen auf zwei gute Aktionen halt auch acht überflüssige.

Über außen gelang der Borussia lange Zeit auch wenig. Und so durfte man trotz der einen oder anderen Torannäherung schon guten Gewissens ungeduldig werden, als der eingewechselte Thorgan Hazard von Karavaev im Strafraum umgerissen wurde. Ein glasklarer und vermeidbarer Elfmeter, aber Glück oder Fehler des Gegners gehören seit jeher zum Fußball dazu. Danach spielte es der BVB recht souverän runter, mehr als ein Weitschuss kam nicht mehr von Zenit. Mit mehr Vorwärtsdrang hätten die Schwarz-Gelben womöglich früher die Entscheidung geschafft. So geschah es erst in der Nachspielzeit, als Bellingham den Ball per Kopf in den Laufweg von Haaland beförderte, der dann alles richtig machte.

Arbeiterverein BVB

Vielleicht kann es derzeit nur so funktionieren, dass die Borussia über viel Arbeit zum Erfolg kommt. Mit Glanz ist da gerade wenig, allenfalls in Momenten. Dieses perfekte Gefüge, das letztlich auch gar nicht so viele andere Klubs haben, gibt es in Dortmund nicht. So fällt es zum Beispiel auch schwer, eine Wunschelf aus dem aktuellen Kader zu bilden, von der man wirklich überzeugt ist. Klar sind da viele gute Kicker dabei, aber nur ein paar Erfolgsgaranten, die man ohne großes Nachdenken immer aufstellen würde. Mal sehen, wie das Lucien Favre in den nächsten Wochen hinkriegt.

Die Aufstellung: Bürki – Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro – Dahoud (67. Hazard), Witsel – Sancho (84. Delaney), Reus (74. Reus), Reyna (84. Bellingham) – Haaland. Tore: Sancho (EM), Haaland

Und schon wieder Derbysieger

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 3 FC Schalke 0

Zeit für eine neue Serie: Mit dem überzeugenden zweiten Derbysieg in Folge erwecken die schwarz-gelben Jungs Hoffnung auf ein Ende der bescheidenen Auftritte gegen die Nachbarn aus Gelsenkirchen. Die Kräfteverhältnisse waren am Samstagabend noch eindeutiger als das Chancenverhältnis.

Gegner ohne Überraschungsmoment

Mats Hummels gab nach dem Derbysieg – und seinem ersten Derbytor – gegenüber Sky eine interessante Antwort auf die (sinngemäße) Frage, wie die immer wieder auftretenden Aussetzer-Spiele des BVB zu erklären seien. Man habe darüber intern schon öfter diskutiert und er glaube, einen Teil der Antwort zu kennen, sagte der Vize-Kapitän in dem Interview, das wie üblich qualitativ um Längen besser war als 98 Prozent der TV-Gespräche mit anderen Spielern. Ohne ins Detail zu gehen erweckt die Aussage immerhin die Hoffnung, dass man dem Mysterium auf der Spur ist.

Wie wäre das Derby wohl ausgegangen, wenn die Borussia unter der Woche in Rom gewonnen hätte? Braucht es immer erst einen schockierenden Rückschlag, um in die Nähe der vollen Leistungsfähigkeit zu kommen? Der Gegner Schalke taugte nicht als Beweis für diese vielleicht naheliegende, aber doch etwas oberflächliche Theorie. Die Blauen hätte man am Samstag in beiden Konstellationen und auch nach einem Unentschieden zuvor geschlagen. Ihre Akteure räumten es nach der Partie freimütig ein: Die Gäste wussten nichts mit dem Ball anzufangen und verloren ihn meistens sehr schnell wieder. Weiterlesen „Und schon wieder Derbysieger“