Weiter geht’s: Toljan da, Passlack weg

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Keine Atempause auf dem Transfermarkt: Schon seit einigen Tagen wurde über eine Art Tauschgeschäft mit der TSG Hoffenheim spekuliert, das Jeremy Toljan und Felix Passlack betreffen sollte. Kurzzeitig schien der Deal wegen des geplatzten Verkaufs von Erik Durm an den VfB Stuttgart in Frage zu stehen. Gestern verdichteten sich wie berichtet die Erkenntnisse, dass er doch bevorsteht. Heute Vormittag war es so weit.

Der BVB holt also den U21-Europameister und beidseitigen Außenverteidiger Jeremy Toljan (23) aus Sinsheim. Er erhält einen Fünfjahresvertrag. Im Gegenzug wird der U19-Nationalspieler und beidseitige Außenverteidiger Felix Passlack ohne Kaufoption für zwei Jahre an die TSG verliehen. Die Borussia lässt sich Toljan laut Kicker sieben Millionen Euro plus Boni kosten.

Das macht nur Sinn, wenn Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Jeremy Toljan nicht nur für den derzeit besseren Außenverteidiger halten, sondern der Trainer auch vor hat, ihn einzusetzen. Denn Toljans Vertrag wäre nächsten Sommer ausgelaufen; er hätte dann ablösefrei zum BVB wechseln können. Das heißt im Idealfall: Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek haben sich ab sofort echter Konkurrenz zu stellen. Dan-Axel Zagadou hat auch schon gezeigt, dass er die Position ordentlich spielen kann.

Ob sich Toljan dauerhaft gegen einen der beiden Platzhirsche durchsetzen kann, ist eine andere Frage. In knapp vier Jahren seit seinem Bundesligadebüt für die TSG kam er dort auf 56 Einsätze. In der aktuellen Saison hat er allerdings die kompletten 180 Minuten absolviert. Was man mit großer Wahrscheinlichkeit sagen kann: Jeremy Toljan hat noch mehr Entwicklungspotenzial als Schmelle und Piszczu. Die wohl größte Baustelle der Borussia scheint endlich ernsthaft angepackt zu werden.

Felix Passlack könnte nach zwei Jahren zum BVB zurückkehren. Dafür steht ein Anderer, der wirklich ein schwarz-gelbes Herz hat, vor einem Wechsel zum prominenten Regionalligisten 1860 München. Torwart Hendrik Bonmann sagte Schwatzgelb.de: „Mein größter Traum ist und bleibt Borussia Dortmund.“ Doch schon zum Zeitpunkt des Interviews im April war klar, dass es Bonmann in der ersten Mannschaft wie in der U23 trotz guter Leistungen schwer haben würde. Die Ersatzbank im Westfalenstadion ist schließlich ein weiteres Jahr mit Roman Weidenfeller besetzt. Und im Kader der U23 gehen die Plätze für ältere Spieler aus. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Rückkehr als Nummer Eins oder Zwei.

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Schwarz-Gelbe Personalfragen

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Bereits in gut zwei Wochen beginnt die Saisonvorbereitung von Borussia Dortmund – geschuldet ist das bekanntlich der Europa League-Qualifikation. Je schneller ein Trainer, zumal ein neuer, seinen Kader beisammen hat, desto besser. Doch in diesem Sommer müssen Thomas Tuchel und Michael Zorc womöglich noch etwas Geduld haben. Schauen wir uns die derzeit diskutierten Personalien beim BVB einmal an:

Julian Weigl. Die Verpflichtung, die eigentlich schon länger durch war, wurde Anfang der Woche nun offiziell bestätigt. Nun haben wir also einen jungen Mittelfeld- und Juniorennationalspieler verpflichtet, der von 1860 München kommt und seine Idealposition im offensiven Mittelfeld sieht. Er gilt als dribbelstark, aber körperlich noch nicht robust genug. Auch erste Eskapaden sind schon zu vermelden. Hört sich alles nach Moritz Leitner an? Stimmt, nur dass Weigl mit – je nach Angabe – 1,86 oder 1,87 Meter deutlich größer ist. Leitner hat es in Dortmund und nun auch in Stuttgart nicht gepackt und sollte nach Möglichkeit abgegeben werden. Hoffen wir, dass Weigl einen anderen Weg geht.

Roman Bürki. Glaubt man der „Badischen Zeitung“, einem seriösen Blatt aus dem Südwesten, ist der Wechsel der Nummer 1 aus Freiburg zum BVB fix – nur dass das die Schwarz-Gelben noch Roman Weidenfeller beibringen müssen. Dass man jemand wie Bürki aus seinem Vertrag bei einem Absteiger herauskauft, kann man weder der Borussia noch dem Keeper vorwerfen. Er hat alles für den Sportclub gegeben und würde woandershin gehen, wenn Dortmund nicht zuschlagen würde. Als Ablöse sind 4,5 Millionen im Gespräch – sicher ein akzeptabler Preis. Wichtig ist jedoch, dass Mitch Langerak nach seiner langen Wartezeit eine faire Chance bekommt, die Nummer 1 zu werden.

Ilkay Gündogan. Es wurde viel geschrieben. Wo Ilkay hingehen könnte und wo er nicht hingeht. So richtig interessant ist das eigentlich nicht mehr, solange er nicht ausgerechnet zum FC Bayern geht. Tendenziell wäre ein Abschied in der Sommerpause wünschenswert, aber nicht zu jedem Spottpreis.

Außenverteidiger X: Mein Dauer-, aber kein Lieblingsthema. Um wieder eine komplette Spitzenmannschaft zu werden, braucht der BVB hier eine Alternative zu den Spielern, die in den letzten Jahren aufgelaufen sind. Wenn diese Jeremy Dudziak sein sollte – super. Doch die Zeit für Experimente und Halbgares auf dieser Position ist nun vorbei und man kann nur hoffen, dass das die Verantwortlichen endlich einsehen. Denken wir zurück an Chris Löwe, der vor vier Jahren von unserem nächsten Pokalgegner Chemnitzer FC als Schmelzer-Alternative geholt wurde und inzwischen in Kaiserslautern spielt. Es wird Zeit für ein neues Gesicht mit einer echten Chance.

Dortmund durchbricht Funkel-Mauer

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DFB-Pokal, 2. Runde / TSV 1860 München 0 BVB 2 (n.V.)

Es ist doch irgendwie schön, dass es noch Gewissheiten im Fußball gibt: Friedhelm Funkel ist ein sympathischer Typ, der jede seiner Mannschaften gegen stärkere Gegner ohne Ende mauern lässt. Und das ist ihm gar nicht vorzuwerfen, nicht nur weil er mit Jürgen Klopp befreundet ist. Gegen den Champions League-Finalisten schafften es die Sechzger vor 71.000 Zuschauern im eigenen Stadion immerhin in die Verlängerung – mit zwei Torschüssen und einem zu Unrecht wegen Abseits zurückgepfiffenen Benjamin Lauth.

Borussia Dortmund schoss in 120 Minuten 39-mal in Richtung Tor, nur nicht hinein. Was gelegentlich am 37-jährigen, immer noch mit grauer Jogginghose auflaufenden Keeper Gabor Kiraly lag, aber noch öfter am eigenen Torabschluss. Dennoch sagte Nuri Sahin nach der Partie schon fast alles was es zu sagen gibt:

Das Einzige, was wir uns vorwerfen können, ist, dass wir nicht früher das Tor gemacht haben. Ich wäre echt traurig gewesen, wenn wir hier ausgeschieden wären. Es gibt keinen verdienteren Sieger als uns.

Über weite Strecken war 1860 tatsächlich mit neun Mann um den eigenen Strafraum postiert, teilweise mit zwei Ketten, teilweise fast schon handballähnlich rund um den 16er. Natürlich lauerten sie auf Konter – dennoch wirkte der BVB in der ersten Hälfte teilweise übervorsichtig oder einfach nicht entschlossen genug im Nachrücken. So blieben im Ansatz gute Spielzüge oder Flanken ohne Abnehmer.

In der zweiten Halbzeit hatten die Schwarz-Gelben jede Menge Torchancen. Warum die Funkel’sche Mauer erst in der Verlängerung überwunden wurde? Es waren Pech (vier Alu-Treffer!), Unvermögen, gute Abwehrarbeit (Funkel konnte wirklich stolz sein). Einen echten Vorwurf kann man den Jungs nach 120 Minuten trotzdem nicht machen. Auch Jürgen Klopp hatte in der Offensive alle zur Verfügung stehenden Stammspieler aufgeboten. Die defensiven Wechsel – Durm für den verletzten Schmelzer, Sokratis für Subotic, Langerak für Weidenfeller – machten allemal Sinn.

Spekulieren kann man darüber, ob die Extraschicht hätte vermieden werden können, wenn Pierre-Emerick Aubameyang früher eingewechselt worden wäre. Wenn man den Neuzugang auf seine Schnelligkeit reduziert, hätte eine frühere Einwechslung gegen die extrem tief stehenden Gastgeber wenig Sinn gemacht, aber ‚Auba‘ zeigte während seines gut 20-minütigen Einsatzes, dass er auch auf engem Raum etwas kann. Und den vollauf berechtigten Elfmeter nach Foul von hinten an Reus verwandelte er eiskalt.

Natürlich war es nach dem mit dem Strafstoß einhergehenden Platzverweis leicht für die Borussia. Henrikh Mkhitaryan erhöhte in der 107. Minute nach Vorarbeit von Hofmann und einem eigenen Solo, so dass man ihm die vorangegangenen 1 3/4 Stunden schnell verzieh – auf engem Raum war unsere Nummer 10 sehr anonym geblieben.

2:0 nach Verlängerung bei 1860 – das nennt man dann wohl einen Arbeitssieg. Wie schon am Wochenende geschrieben: Kommt die Borussia jetzt aus den beiden folgenden Partien ohne Punktverlust raus, werden alle Zweifler schnell wieder verstummen. Die Chancen stehen bestens – und danach ist dann noch Zeit für etwas Feintuning.

Die Aufstellung: Langerak – Großkreutz, Sokratis, Hummels, Durm – Sahin, Bender (69. Hofmann) – Blaszczykowski (99. Aubameyang), Mkhitaryan, Reus – Lewandowski (105. +3 Schieber). Gelbe Karte: Blaszczykowski. Tore: Aubameyang (EM), Mkhitaryan

Der bessere Aubama

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1. Bundesliga, 1. Spieltag / FC Augsburg 0 BVB 4

Was für ein Einstand: Als erstem BVB-Spieler überhaupt gelingt Pierre-Emerick Aubameyang in seinem Ligadebüt ein Hattrick – dabei hatte er in den Vorbereitungsspielen und im Pokal noch reihenweise Chancen vergeben. So werden sich auch die Traditionalisten schnell mit seiner Rückennummer 17 anfreunden. Der Spielverlauf in Augsburg war allerdings lange Zeit weniger eindeutig als das Endergebnis.

Der straighte 2:0-Erfolg der Gastgeber im Pokal bei Limo Leipzig war ein erster Hinweis darauf, dass sich die Augsburger in dieser Saison in der Liga etablieren könnten. Der Weg ist weit, doch der FCA bereitete zumindest den Schwarz-Gelben eine gute Stunde lang Probleme. Ihr Erfolgsrezept: Frühes Pressing, an dem sich zeitweise schon die Stürmer beteiligten. Dem BVB ist das als eigenes Mittel nicht unbekannt, doch ein Gegenmittel zu finden, fiel den Spielern deutlich schwerer. Die Folge: Zu viele lange Bälle und in der ersten Hälfte auch viele Fehlpässe.

Was auch nicht half: Ilkay Gündogan, unter der Woche von Rückenproblemen geplagt, war nicht der gewohnte Regisseur und wurde in der 57. Minute ausgewechselt. Nuri Sahin schaffte es von seiner 8er-Position nicht, einzuspringen und blieb erneut blass. Auf rechts gelang Großkreutz wenig nach vorne und er vergab dazu eine große Chance, die allerdings schon Marco Reus hätte verwerten müssen. Immerhin agierte der frischgebackene Rechtsverteidiger defensiv solide. Zum Glück gab es andere Borussen, die einen besseren Tag erwischten. Vor dem 1:0 in der 24. Minute lobbte Marcel Schmelzer den Ball in die Mitte, wie man es von ihm noch nicht gesehen hat – die Schönheit der Aktion vollendete Aubameyang mit seinem Flugkopfball.

Gut für Dortmund war, dass die Augsburger nur bei Standards wirklich gefährlich wirkten und es ihnen ansonsten bei ihren offensiven Bemühungen an Kreativität mangelte. Dabei hätten sie durchaus in der ersten Halbzeit von der ein oder anderen Nachlässigkeit von Mats Hummels profitieren können. Es kam jedoch, wie es vielleicht kommen musste: Die Kräfte der Gastgeber waren endlich, das intensive Pressing forderte seinen Tribut. Nach etwa einer Stunde begannen die Augsburger, den schwarz-gelben Jungs zu viel Raum zu lassen und den wussten unsere schnellen und kreativen Spieler zu nutzen. Reus, der sonst durchwachsen agierte, legte Aubameyang mit einem toll getimeten Pass das 2:0 vor. Ähnlich gut gelang Lewandowski der Pass auf PEA nach 79 Minuten, der daraufhin Torwart Amsif umspielte und zum dritten Mal traf.

Lewandowski taute zwar erst in der letzten Viertelstunde auf, doch dann gelang ihm auch noch sein obligatorischer Treffer: per Elfmeter, nachdem Callsen-Bracker den eingewechselten Hofmann weggerempelt hatte – ein eindeutiger Strafstoß war es allerdings nicht.

Für Jürgen Klopp, Zeljko Buvac und ihr Team wird es in den kommenden Wochen darum gehen, mit den Spielern einzuüben, besser die Lücken bei einem früh attackierenden Gegner zu finden. Angesichts der spielerischen Qualität, die wir gestern in der zweiten Hälfte gesehen haben, muss man sich allerdings auch keine allzu großen Sorgen machen. Drei schöne Tore plus Elfmeter, in der Tabelle vor Rot und Blau – was will man mehr?

Unterdessen hat die Auslosung der 2. Pokalrunde eine Fahrt nach München ergeben – zu 1860, die immerhin mit sechs von neun Punkten in die Zweitliga-Saison gestartet sind und zuletzt in Düsseldorf gewonnen haben. Die Partie findet am 24. oder 25. September statt.

Die Aufstellung: Langerak – Großkreutz, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Sahin – Aubameyang (81. Hofmann), Gündogan (57. Blaszczykowski), Reus – Lewandowski (88. Durm). Tore: Aubameyang (3), Lewandowski (EM)

Ruhige Zeiten

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Andere Bundesliga-Vereine haben das neue Jahr mit einem Trainerwechsel oder mit der Verpflichtung japanischer Spieler begonnen. Bei Borussia Dortmund herrscht knapp zwei Wochen bevor es wieder los geht ruhige Winteridylle. Es gibt ja auch wenig Grund für Spekulationen. Sportdirektor Michael Zorc hat Neuverpflichtungen zur Rückrunde ausgeschlossen. Nicht unmöglich erscheint dagegen, dass Tamas Hajnal den Verein im Januar verlässt, auch wenn seine Einsatzchancen durch die Abwesenheit von Shinji Kagawa geringfügig steigen.

Die Top-Transfermeldung betrifft daher einen Spieler, der noch gar nicht in Dortmund weilt. Moritz Leitner steht zwar seit 1.Januar beim BVB unter Vertrag, sollte aber die Saison bei seinem bisherigen Verein 1860 München zu Ende spielen. Nun wechselt der 18-jährige jedoch für die Rückrunde zum bayerischen Konkurrenten FC Augsburg. Für diese Entscheidung, an der die BVB-Verantwortlichen maßgeblich beteiligt waren, dürfte es zwei Gründe geben: 1860 muss massiv sparen, um keinen weiteren Punktabzug zu riskieren und die Lizenz für die kommende Saison nicht zu gefährden. Außerdem ist der FC Augsburg Tabellenführer und der deutlich ambitioniertere Verein in Sachen Aufstieg. Vermutlich gehen Michael Zorc und Jürgen Klopp davon aus, dass sich Leitner in diesem Umfeld eher die Wettkampfhärte für die Bundesliga holen kann. Die 60er stehen zwar ’nur‘ sechs Punkte hinter dem Relegationsplatz, werden sich aber aufgrund des finanziellen Drucks und der aufrüstenden Konkurrenz schwer tun, noch mal oben anzugreifen.

Die Schwarz-Gelben, die in der Winterpause dringend etwas zum Spekulieren brauchen, können sich zur Not mit dem Fall Owomoyela beschäftigen. ‚Uwe‘ scheint nach seiner Operation nicht so richtig fit zu werden und sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Angesichts der sehr ordentlichen Leistungen von Lukasz Piszczek und vor allem vom an den MSV Duisburg verliehenen Julian Koch stellt sich die Frage, wie sich der BVB in der kommenden Spielzeit hinten rechts aufstellen will. Im Interview mit den „Ruhr Nachrichten“ sagt Owomoyela, dass er noch keinerlei Signale vom Verein erhalten habe.

Ein Elfmeter zum Geburtstag

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Der Umweg nach München brachte dem BVB heute auf der Rückreise vom Trainingslager ein 1:1 gegen den TSV 1860 ein. Das Spiel im Stadion an der Grünwalder Straße war gleichzeitig Jubiläumsspiel und Teil des Rukavina-Bender-Tauschgeschäfts. Nicht lumpen ließ sich dabei der Schiedsrichter, der den Gastgebern in der 70. Minute einen Elfmeter zum Geburtstag spendierte – nach einer völlig harmlosen Aktion von Owomoyela gegen Nsereko.

Zuvor hatte es eine höhepunktarme erste Halbzeit gegeben, in der der BVB klar das spielbestimmende Team war und einige gefällige Kombinationen zeigte, aber kaum einmal den letzten Pass zum Ziel brachte, so dass es auch kaum Chancen zum Abschluss gab. Die zweite Hälfte war deutlich lebhafter von beiden Seiten, die Schwarz-Gelben hatten durch Hummels und Lewandowski Möglichkeiten, aber letztlich war es der Löwe Ludwig, dem vom Punkt das erste Tor der Begegnung gelang. Gut fünf Minuten später konnte ausgerechnet da Silva, der sich weiterhin beim BVB fit hält, nach einem Eckball ausgleichen.

Das 1:1 ging während der Übertragung auf „abendzeitung.de“ etwas unter, da parallel ein Interview mit irgendeinem Ex-Löwen lief, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Zur ersten Live-Übertragung eines Fußballspiels auf dieser Seite bleibt ansonsten zu sagen: Sehr ordentliche Bildqualität, verbesserungswürdige Bildregie. Bei letzterer ist man von den Bundesliga-Übertragungen Besseres gewohnt. Das ist nicht verwunderlich, der Aufwand bei der Produktion der Liga-Bilder ist schließlich deutlich höher. Trotzdem wirkten die Perspektivwechsel und die Schwenks ins Publikum öfter irritierend.

Nach dem Ausgleich zeigte der BVB noch eine richtig ansehnliche Schluss-Viertelstunde und hätte das Siegtor verdient gehabt. Nachwuchshoffnung Mario Götze etwa machte bei seinem Schuss alles richtig, der eingewechselte Torwart Tschauner konnte jedoch parieren. Auch Jürgen Klopp hatte in der zweiten Hälfte weitgehend durchgewechselt, so dass fast alle Startelf-Kandidaten bis auf Lucas Barrios, den verletzten Zidan und den geschonten Kehl zu sehen waren.

Nach jedem Testspiel, insbesondere denen, die man live sehen kann, bleibt die Frage nach den zu gewinnenden Erkenntnissen. Die Systemfrage – 4-4-2 oder 4-2-3-1 – hält Jürgen Klopp für nicht entscheidend, da bei der von uns praktizierten Spielweise die Unterschiede klein seien. Wie schon im letzten Beitrag erwähnt wirft aber die Besetzung der Offensivreihe hinter dem zentralen Stürmer die größten Fragen auf. Lewandowski machte seine Sache auf der offensiv ausgerichteten 10er-Position in der zweiten Hälfte ordentlich – ob das die Ideallösung ist, werden hoffentlich die verbleibenden Trainings- und Testspielwochen zeigen. Ich bin da noch unschlüssig. Ab der 64. Minute, nach dem Massenwechsel, rückte er in die Spitze.

Kagawa und Großkreutz scheinen für mich momentan einen kleinen Vorsprung auf den Außenbahnen zu haben, der aber nicht so groß ist, als dass beispielsweise Kuba nicht mehr rankommen könnte. Kagawa wirkt wendig und kreativ, könnte sich aber bei der Quote erfolgreicher Pässe noch verbessern. Großkreutz überzeugt wie letzte Saison durch Einsatz und Bissigkeit. Tamas Hajnal machte in den gut 25 Minuten, die er bekam, einen guten Eindruck. Er könnte aber durch Mario Götze noch weitere Konkurrenz bekommen – der durfte eine ganze Halbzeit spielen und überzeugte ebenfalls.

Im Moment hat Jürgen Klopp viele Optionen – eigentlich zu viele, wenn man an Mannschaftsgefüge und Gehaltsbudget denkt. Im verlinkten Interview spricht der Trainer deutlich aus, dass der ein oder andere Spieler noch gehen könnte. Wenn es um mögliche Wechsel geht, ist zunächst stets die Rede von Nelson Valdez. Gerüchten zufolge sollen sich Verantwortliche des spanischen Erstligaaufsteigers FC Hercules aus Alicante mit BVB-Verantwortlichen zu Verhandlungen treffen oder schon getroffen haben – warten wir es ab.

Beengte Pässe

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Der BVB hat gestern den ersten ‚Punktverlust‘ der Saisonvorbereitung hinnehmen müssen. Gegen den türkischen Überraschungs-Meister Bursaspor gab es im österreichischen Stegersbach ein 1:1-Unentschieden. Das Spiel wurde vom türkischen Fernsehen übertragen und war somit auf die ein oder andere Weise auch für BVB-Fans zu sehen. Ich konnte mir nur wenige Minuten der zweiten Hälfte anschauen und sah Schwarz-Gelbe, die sich bemühten, aber nur bei Standardsituationen gefährlich wurden. Folgerichtig fiel der Ausgleich durch einen direkten Freistoß von Marcel Schmelzer – bisher war nicht bekannt, dass Standards zu den Stärken des jungen Linksverteidigers zählen.

Was mir auffiel: Aus allen Kameraperspektiven sah der Platz in Stegersbach sehr klein aus, sowohl in der Länge als auch in der Breite. Pässe auf die Flügel wurden so häufig zu scharf gespielt und rollten ins Aus, in der Spitze waren zudem die Räume eng und die Offensiven hatten es schwer. Falsche Platzwahl oder doch optische Täuschung durch die Kamerapositionen? Ich tendiere zu ersterem.

Außer solchen Details gibt es wenig Neues aus der Dortmunder Saisonvorbereitung zu berichten. Noch ist nichts von konkreten Angeboten für Nelson Valdez zu hören – Spekulationen über ein Interesse an Lucas Barrios können erst mal in der Gerüchteküche bleiben. Eine der spannendsten Fragen im Hinblick auf die Aufstellung wird sein, für wen sich Jürgen Klopp im offensiven Mittelfeld, speziell auf der 10er-Position, entscheidet. Mohamed Zidan wird noch ein paar Monate ausfallen. Robert Lewandowski hat sich auf jener Position nur im Spiel gegen Lotte bewährt, die Sturmspitze scheint ihm besser zu liegen. Shinji Kagawa zeigt bereits gute Ansätze, aber ob er schon bereit für Bundesliga und Europa League ist, wird man frühestens am Ende der Vorbereitung abschätzen können. Tamas Hajnal hatte seinen Platz an Zidan verloren und möchte ihn zurückhaben. Ich war immer der Überzeugung, dass er alle nötigen Fähigkeiten hat, aber er wird in den verbleibenden Testspielen auf sich aufmerksam machen müssen.

Die nächste Gelegenheit dazu gibt es am Samstag. Auf der Rückreise aus Österreich machen die Schwarz-Gelben in München Halt und spielen um 15:30 Uhr zum Vereinsjubiläum gegen den TSV 1860. Von diesem Spiel wird es einen offiziellen Livestream auf abendzeitung.de geben.

Nächtliche Ablenkung

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Ich meine natürlich die Pokalauslosung, die heute in den frühen Morgenstunden (irgendwann nach Mitternacht) im ZDF-Sportstudio vorgenommen wurde. Die hinreißende Carmen Nebel hatte den ohnehin späten Sendetermin weiter verzögert und vor der Auslosung wurde dann noch der Liga-Spieltag zusammengefasst. Trotzdem, die BVB-Fans die zu dieser Stunde noch wach oder schon zu Hause waren, konnten sich mal zehn Minuten ablenken vom gestrigen Ärger.

Der BVB schien ein Heimspiel zu bekommen, jedoch wurde dann als Gegner Drittligist und HSV-Bezwinger Osnabrück zugelost. Dort sitzt der ehemalige Schwarz-Gelbe Karsten Baumann auf der Bank. Ein Los, mit dem man gut leben kann, denn die Pleite des Erstliga-Tabellenführers an der Bremer Brücke sollte Warnung genug gewesen sein. Andere interessante Spiele: Im Duell der Finanzexperten trifft 1860 München auf den FC Schalke und in Frankfurt dürfte es zwischen der Eintracht und dem FC Bayern hoch hergehen. Irgendwie habe ich schon wieder Lust auf Pokal. ;-)

P.S. Zum Thema verdient auch dieser Beitrag auf Schwatzgelb.de Beachtung.

Der Europameister aus München

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BVB-Sportdirektor Michael Zorc liefert zur Zeit ein Musterbeispiel für ruhige, effiziente Arbeit ab. Gut, es mag Vereine geben, bei denen das noch schwieriger ist als in Dortmund, aber was heute, zwei Tage nach der Rangelov-Verpflichtung, bekannt wurde, verdient Respekt. Fangen wir mal an: Der 20-jährige Junioren-Nationalspieler und U19-Europameister Sven Bender wechselt  von 1860 München zum BVB und erhält einen Vier-Jahres-Vertrag. Es handelt sich um einen Spielertausch, bei dem kein Geld fließen wird, denn im Gegenzug bleibt der in der Rückrunde an die Löwen ausgeliehene Toni Rukavina in München.

Außerdem wechselt Abwehrspieler Markus Brzenska zu Energie Cottbus – die Ruhr Nachrichten spekulieren über eine Ablösesumme im mittleren sechsstelligen Bereich, die sich natürlich gleich mit dem Rangelov-Transfer verrechnen lässt. Damit wurden heute also zwei der drei Spieler, mit denen Jürgen Klopp definitiv nicht mehr plant, abgegeben und ein junger Nachwuchsmann mit Potenzial geholt. Hört sich super an und klingt nach guter Arbeit mit wenig Geld.

Aber natürlich sind Transfers von Spielern kleinerer Vereine mit einem gewissen Risiko verbunden. Wir durften das bei Giovanni Federico erleben, dem ehemaligen Zweitliga-Torschützenkönig, der nun ganz oben auf der Verkaufs-Wunschliste des BVB steht. In der letzten Saison, seit Jürgen Klopp im Amt ist, haben wir allerdings keinen Transfer-Flop erlebt und das stimmt zuversichtlich.

Michael Zorc spricht bei Bender absichtlich von der längeren Perspektive: „Er soll hier in der Zukunft eine gute Rolle spielen.“ Sich auf Anhieb einen Stammplatz zu erkämpfen, dürfte dem Neuzugang auch schwer fallen, denn Bender ist Mittelfeldspieler, auf der ‚6‘ oder den Halbpositionen einer Raute einsetzbar und damit Konkurrent oder Partner von Kehl, Tinga, Kringe, Kuba, Sahin, Feulner und Federico (so lange der noch da ist).  Es ist gut möglich, dass uns deshalb außer – hoffentlich – Federico noch ein weiterer aus dieser Reihe verlässt. Von Vereinsseite wird bei entsprechenden Angeboten ja gar nichts ausgeschlossen – besonders offen wäre man wahrscheinlich bei Angeboten für Tinga und eventuell Kringe. Gerade bei letzterem fände ich es allerdings schade; Kringe war immer jemand, der sich mit dem BVB identifiziert und oft richtige Worte gefunden hat.

Nach heute ist in Dortmund schon vieles klar; trotzdem kann jederzeit Unvorhergesehenes passieren – wie überdreht der Transfermarkt für Spieler und Trainer sein kann, haben wir in den letzten Wochen ausführlich gesehen. Heute, an diesem Drehtür-Tag, begrüßen wir aber erstmal Sven (und Dimitar) und sagen danke, Markus und Toni, für die lange bzw. kurze Zeit beim BVB!

Neues vom Kader

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(Updated) Was für ein Schlusstag der Transferperiode! In England ist man die einsetzende Hektik gewohnt, deshalb gab es auf der BBC-Website gestern einen Transfer Window Live Ticker. Und der sollte sich lohnen, denn um den wohl spektakulärsten Transfer wurde bis in die Verlängerung gerungen. Der Wechsel des russischen EM-Stars Andrei Arshavin von Zenit St.Petersburg zum FC Arsenal schien bereits vom Tisch, ehe sich die Parteien doch wieder in Verbindung setzten und anscheinend Einigung erzielten. Jedoch geschah dies erst nach 18 Uhr, dem offiziellen Ende des ‚Fensters‘, und deshalb warten Klubs, Spieler, Fans und Medien nun auf die Genehmigung des Transfers durch die Premier League, über die heute entschieden werden soll.

In Deutschland brummte der Transfermarkt in diesem Jahr aber auch bis zum Schluss. Der HSV investierte einen kleinen Teil der de Jong-Ablöse bereits wieder und holte gleich eine halbe Mannschaft, zuletzt wurde Albert Streit (vielsagender Name!) aus Gelsenkirchen ausgeliehen. Dass mit Toni Kroos ein weiterer junger Bayern-Spieler den Noch-Meister (vorübergehend?) verlässt, dürfte wohl niemand entgangen sein.

Wie bei vielen anderen Vereinen gab es denn auch in Dortmund noch Last Minute-Aktivitäten. Kurz vor der Deadline wurde ein schon lange angedachter Wechsel vollzogen: Delron Buckleys Vertrag wurde gestern aufgelöst, der Südafrikaner geht also ablösefrei, allerdings nicht nach Bielefeld sondern nach Mainz. Vermutlich war auch Delron nun angesichts fehlender Perspektiven beim BVB zu einem Gehaltsverzicht bereit – 900.000 Euro wird er am Bruchweg wohl kaum bekommen.

Zuvor waren bereits zwei weitere Abgänge bei den Schwarz-Gelben verkündet worden: Rechtsverteidiger Antonio Rukavina wird bis zum Ende der Saison an 1860 München ausgeliehen. Dort hat übrigens gerade ein Ex-BVB-Spieler einen anderen auf dem Posten des Sportdirektors beerbt: Miroslav Stevic folgt auf Stefan Reuter, der Opfer der rapide schwindenden Aufstiegsaussichten der Löwen wurde. Für Rukavina wurde indes keine Kaufoption vereinbart, er dürfte für die Sechziger höchstens bei einem unwahrscheinlichen Aufstieg zu halten sein.

Außerdem verlässt unser dritter Torwart Lukas Kruse den BVB nach einem halben Jahr bereits wieder und geht nach Augsburg. Nachdem Marcel Höttecke nach langer Verletzung bald wieder als Stammkeeper der Zweiten zur Verfügung steht, wollte man wohl ein weiteres Gehalt einsparen. Gerade, aber nicht nur, in dieser Hinsicht machen alle drei Transfers auch Sinn. Die jeweiligen Positionen der Spieler sind in Dortmund mindestens doppelt besetzt; im Fall der Fälle (Verletzungsmisere) würde Jürgen Klopp eben auf Nachwuchsspieler zurückgreifen. Deshalb gibt es bei uns auch keinen ‚Drehtür-Effekt‘ wie in Leverkusen (Charisteas ersetzt Gekas) oder Hannover (Krzynowek für Huszti).

‚Zugänge‘ gibt es beim BVB dafür intern: Sebastian Kehl und Kuba stehen nach ihren Verletzungen anscheinend kurz vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining.

UPDATE: Inzwischen ist der Arshavin-Transfer amtlich.