Bosz weg, Stöger da: Es bleibt spannend

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Schon gestern Abend war eigentlich klar, was heute passieren würde – zumindest der erste Teil davon. Nach einer lange nicht erlebten Pleitenserie haben die BVB-Verantwortlichen Peter Bosz entlassen und dies heute offiziell bekanntgegeben. An dem halben Tag, der zwischen ersten Gerüchten und der Pressekonferenz lag, durfte über den Nachfolger noch eifrig spekuliert werden. Armin Veh war ja aus dem Rennen, Lucien Favre in Nizza noch im Sattel.

Einiges sprach also dafür, dass es zunächst nur eine kurzfristige Lösung bis zur Winterpause geben würde. Doch Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc haben sich für den Mittelweg bis zum Saisonende entschieden und den wohl einzigen denkbaren Kandidaten geholt, der dafür unmittelbar zur Verfügung stand. Peter Stöger ist sicher kein Überraschungsmann. Schon Anfang Juni war er als Tuchel-Nachfolger im Gespräch und der BVB hatte auch mit ihm gesprochen, wie Zorc und Watzke heute auf der PK bestätigten.

Der Mann aus dem Abstiegssumpf

Dass Stöger heute verfügbar war und damals nicht, hängt natürlich mit den letzten Monaten beim Effzeh Köln zusammen. Aus dem überraschend stabilen Vorzeigeklub ist spätestens in den letzten Wochen etwas geworden, wofür der Begriff Karnevalsverein noch ein Euphemismus wäre. Vor allem aber ist der FC wohl nicht mehr vor dem Abstieg zu retten – nach einem Drama gegen den SC Freibug, das das jüngste Revierderby noch in den Schatten stellt.

Das heutige Spiel der Kölner ist ein erstes Anzeichen dafür, dass Peter Stöger nicht der Hauptschuldige der Misere am Rhein war. Aber natürlich fragt man sich – und deshalb war ich heute vom Namen Stöger doch ein wenig überrascht – wie die BVB-Führung auf den Trainer eines historisch schlechten Tabellenletzten kommt. Dazu muss man ja die bisherige Saison 2017/18 aus seinem Gedächtnis streichen und auf die Kraft der Vergangenheit setzen. Die Überlegungen von Watzke und Zorc dürften dahin gegangen sein, dass suboptimale Transferpolitik und die Verletztenmisere in Köln mehr Einfluss hatten als der Trainer.

Nun kann man diskutieren, ob Peter Stöger in Dortmund nicht auf die gleichen Probleme stoßen wird. Aber natürlich ist der Kader deutlich besser besetzt und in wenigen Wochen könnte man noch nachlegen. Stögers Art dürfte auch zum BVB passen. Aber das haben viele, auch ich, von Peter Bosz genauso gedacht.

Unerklärliches Scheitern

Überhaupt ist es gerade die undurchschaubare Gemengelage der letzten Wochen, die es so schwierig macht, die Erfolgsaussichten von Peter Stöger zu beurteilen. Das betrifft Köln wie Dortmund. Denn auch für Schwarz-Gelb bleiben Fragen woran Bosz letztendlich gescheitert ist. Es war doch längst nicht mehr die zu offensive Ausrichtung. Man kann nur hoffen, dass Susi Zorc und Aki Watzke bei ihrer Analyse gründlich waren und sich nicht nur auf die Meinung einiger Spieler verlassen haben. Denn nur ein Spielerversteher wird nicht reichen.

Ich hätte Peter Stöger schon im Sommer mit offenen Armen begrüßt. Aber das habe ich auch bei Bosz getan. Ich glaube nach wie vor, dass es mit Stöger etwas werden könnte. Vielleicht ist da noch eine Spur mehr Emotionalität, die sicher hilfreich ist. Aber es wird ein Abenteuer, dessen Ausgang niemand wirklich vorhersagen kann. Und so sieht es auch mit der Trainerfrage für 2018/19 aus. Trotzdem: Danke Peter Bosz, willkommen Peter Stöger!

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BVB dominiert, Effzeh protestiert

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1. Bundesliga, 4. Spieltag / BVB 5 1. FC Köln 0

Die Borussia zeigte sich deutlich besser erholt von der Pleite in London als der FC. Der Plan der Gäste ging nur zwei Minuten auf. Nach dem Rückstand versuchten sie es mit mehr Pressing, doch am Ende trug der seriöse, geduldige Auftritt der Schwarz-Gelben reiche Früchte. Es sei denn, ein angekündigter Protest der Kölner hätte Erfolg…

Drei Gedanken zum Spiel

Nein, lieber Jörg Schmadtke, mit dem Videobeweis wird nicht alles besser! Wer das gedacht hatte, litt an naiver Technikgläubigkeit. Es war durchaus abzusehen – und wurde von manchen Warnern auch vorhergesagt – dass mit der Einführung nicht alle untersuchten Szenen unstrittig geklärt werden. Und dass sich sogar neue Probleme daraus ergeben können. Nun verlangt der FC also eine Neuansetzung der Partie, weil der Schiedsrichter Bruchteile von Sekunden früher gepfiffen hat als Papa Sokratis‘ Ball im Tor landete – das dann nach Videobeweis gegeben wurde. Natürlich hätte nach dem Pfiff niemand den Treffer mehr verhindern können. Also wegen dieses Fehlers das Spiel wiederholen? Ernsthaft, Herr Schmadtke? Verhältnismäßig?

Zum jetzigen Zeitpunkt muss man den BVB-Verantwortlichen zur Transferpolitik gratulieren. Lassen wir mal Jadon Sancho außen vor: Die anderen Neu-Schwarz-Gelben haben sich zumindest in dieser personell angespannten Frühphase der Saison als echte Verstärkungen erwiesen. Andriy Yarmolenko und Maximilian Philipp zeigten heute im Duett so viel Spielwitz und technische Fähigkeiten, dass man den soeben für vier Monate verletzten Ousmane Dembelé schon nicht mehr vermisst.

Dan-Axel Zagadou legte wieder einen sauberen Auftritt links hinten hin. Ömer Toprak agierte ebenfalls absolut souverän. Mahmoud Dahoud sah in der ersten Hälfte wie der ‚Verlierer‘ unter den Neuzugängen aus, doch er steigerte sich, als die Kölner abbauten und konnte am Ende noch eine Torvorlage bei Philipps zweitem Treffer verbuchen.

10:0 Tore in der Bundesliga – so viel kann an unser Abwehr nicht falsch sein. Bitter, dass wir ausgerechnet am 1. CL-Spieltag zu den Spurs mussten. Aber sonst gibt es keinen Grund zu meckern. Selbst wenn das in den vorherigen Spielen nicht immer sattelfest aussah – am Ende zählt dass irgendjemand die Bälle klärt. Oder sie nicht rein gehen. Marcel Schmelzer wurde nicht vermisst. Wenn man heute jemanden kritisieren will, dann sein Pendant auf der anderen Seite. Lukasz Piszczek machte ein vergleichsweise mäßiges Spiel. Er lief viel, gewann auch Zweikämpfe, aber leistete sich ein paar Ungenauigkeiten, die von einem besser aufgelegten Gegner bestraft werden könnten.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Zagadou – Sahin (67. Weigl) – Castro, Dahoud – Yarmolenko (66. Pulisic), Aubameyang (85. Isak), Philipp. Tore: Philipp (2), Aubameyang (2, davon 1 EM), Sokratis

Selters-Frühstück nach dem Pokalrausch

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1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 0 1. FC Köln 0

Das Umstellen von großen Dienstags- und Mittwochsspielen auf den Ligaalltag fällt den Schwarz-Gelben weiterhin schwer. Eins von beiden läuft in der Regel suboptimal. Am Samstag war’s eigentlich ein anständiger Auftritt gegen den Effzeh, nur ein Tor fehlte.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Köln zog sich weit zurück, sobald der BVB richtig Druck aufbaute. Mitte der ersten Hälfte sahen die Gäste kurzzeitig gefährlich aus, aber die Schwarz-Gelben überstanden diese Phase schadlos. Die zweite Hälfte war ein einziges Anrennen; mal mehr, mal weniger intensiv. Doch die Kölner machten es defensiv immerhin so gut, dass zwar 23 Torschüsse, aber weit weniger echte Chancen heraussprangen.

Man kann das natürlich so machen in Dortmund, absolut legitim. Drei Punkte darf man allerdings nicht erwarten und dementsprechend zufrieden zeigte sich FC-Trainer Peter Stöger mit dem Unentschieden. Noch in der Nachspielzeit musste Keeper Timo Horn den Punkt allerdings gegen Guerreiro retten, anschließend war ausgerechnet Neven Subotic zur Stelle, um den Abpraller vor Dembelé zu klären.

Es war die einzige erwähnenswerte Geschichte rund um eine Partie, die schnell in Vergessenheit geraten wird: Neven wurde nach Schlusspfiff von der Südtribüne gefeiert. Auch wenn er angesichts der Personallage wohl kaum zurückkehren wird: Es war eine schöne Aktion, die einen unweigerlich wieder an die schönen Momente mit Neven erinnert.

Ändert aber nichts daran, dass der Punktverlust je nach Spielausgang in Sinsheim noch mal weh tun könnte.

Die Aufstellung: Bürki – Durm, Sokratis (74. Piszczek), Ginter, Schmelzer – Weigl, Castro – Pulisic, Kagawa (66. Guerreiro), Reus (66. Dembelé) – Aubameyang. Gelbe Karten: Durm, Castro.

Dortmund verpasst Chance beim Spiel der raren Chancen

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1. Bundesliga, 14. Spieltag / 1. FC Köln 1 BVB 1

Wie in Madrid, so in Köln: Marco Reus rettet der Borussia in den letzten Spielminuten ein Unentschieden. Trotzdem fühlt es sich natürlich ganz anders an. Die Schwarz-Gelben haben lange Zeit höchstens das Niveau aus dem Frankfurt-Spiel, doch der Effzeh verwertet seine wenigen Chancen eben nicht und macht doch noch einen entscheidenden Fehler.

Drei Gedanken zum Spiel

Kann man das schon Auswärtsschwäche nennen? In dieser Saison hat die Borussia in der Liga auf fremden Plätzen acht Punkte aus sieben Partien geholt. Das ist zwar immerhin Platz 6 in der Auswärtstabelle, aber eindeutig der Grund, dass man insgesamt nicht besser dasteht. Oft müssen die Schwarz-Gelben auch auswärts das Spiel machen, während sich der Gegner zurückzieht und aggressiv drauf geht. Im fremden Stadion fehlen dann leider häufig die sich gegenseitig bedingenden Eigenschaften mentale Klarheit und technische Präzision. Ob das etwas mit dem erneuten Erfolgserlebnis in der Champions League zu tun hatte, ist spekulativ.

Die alte Sport-Weisheit „Defence wins championships“ bekam heute wieder mal Nahrung. Natürlich gewinnt und verliert man mit elf Mann, aber was waren die spielentscheidenden Momente? Beim Freistoß zum Kölner 1:0 wurde Rudnevs schlicht nicht richtig gedeckt, wofür in erster Linie Erik Durm verantwortlich war. Auffallend war auch die Dortmunder Harmlosigkeit bei Standardsituationen. Die ist aber zu einem guten Teil durch das starke Kopfballspiel der Gastgeber zu erklären. Weswegen die vom BVB von Zeit zu Zeit eingestreuten hohen Bälle ebenfalls wirkungslos blieben und offensichtlich das falsche Rezept waren. Einmal klärte jedoch ungestraft eine Kölner Hand. Als die Uhr Richtung 90 Minuten tickte, ließen sich dann zwei Kölner an der Außenlinie von Dembélé düpieren; über Ramos kam der Ball zu Reus – 1:1.

Überhaupt: Marco Reus. Wie entscheidend ist der schon wieder für das Dortmunder Spiel? Auch wenn er heute nicht überragend spielte, war er wie schon im Madrid zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In den Partien seit seiner Rückkehr war er die Konstante in einer eher wechselhaften Offensive. Außerdem ist Marco der Spieler, der am besten alle Positionen im offensiven Mittelfeld ausfüllen kann. Wie schön, dass sich der Dortmunder noch mal für Dortmund entschieden hat und keine Anstalten macht, Abwanderungsgedanken zu entwickeln.

Zwar ist nach diesem Spieltag der Abstand zu Platz 3 weiterhin gering, doch natürlich haben die Schwarz-Gelben eine Chance vertan, weiter nach ganz oben aufzuschließen. Mit dem Ergebnis bei in dieser Saison starken Kölnern könnte man prinzipiell leben, wären die Gastgeber nicht so ersatzgeschwächt und die eigene Leistung nicht so dürftig gewesen. Bleibt als einziges Highlight das erneute späte Tor. Auftrag: Es in Sinsheim mit Flutlicht-Atmosphäre besser machen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (27. Bartra), Sokratis (75. Ramos), Ginter – Durm, Schmelzer – Weigl, Castro (53. Rode) – Dembélé, Reus – Aubameyang. Gelbe Karten: Schmelzer, Dembélé, Sokratis. Tor: Reus

Der entschieden lauwarme letzte Spieltag

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1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 2 1. FC Köln 2

Drama – gab es anderswo. Bremen rettet sich kurz vor Schluss. Gleich drei Stuttgarter Mannschaften steigen ab. Cottbus, wo wir noch vor einigen Jahren mit der Borussia waren, spielt künftig viertklassig – nach gleich zwei Toren in der Schlussphase von der zweiten Vertretung der Mainzer. Das Westfalenstadion war dagegen Schauplatz eines halbgaren Sommerkicks. Mit vier Toren, aber ohne die letzte Leidenschaft.

Natürlich – es ging für beide Teams um wirklich gar nichts mehr. Sieht man von einem Torrekord ab. Man hätte aber auch versuchen können, die unglückliche Hinserienniederlage auszubügeln. Doch Thomas Tuchel sprach schon vor dem Spiel sinngemäß davon, dass man nicht versucht habe, künstlich Motivation zu erzeugen und die Partie hochzujazzen. Bei allem, was er in seiner Debütsaison geleistet hat – das hätte Jürgen Klopp besser gemacht. Da braucht man sich auch nachher nicht wundern, dass man keinen guten Ausklang schafft.

Es fehlten schlicht einige Prozent Konzentration und Überzeugung. Im Passspiel wie vor dem Tor. Köln war selten am Ball und stand meist weit hinten drin, hatte aber ähnlich viele Torgelegenheiten wie der BVB. Die Dreierkette ist hoffentlich kein Modell fürs Pokalfinale. Der Sinn hinter der Verschiebung von Marcel Schmelzer in eine offensivere Position erschließt sich mir ganz und gar nicht. Wenn es einmal in fünf Spielen funktioniert, ist das keine ausreichende Quote.

Gegen die massiert verteidigenden Kölner reichte es erneut nicht, immer ab durch die Mitte zu gehen. Die Borussia muss ihr Flügelspiel wieder beleben. Dembelé ist da sicher ein Hoffnungsschimmer. Die Hereinnahme von Matze Ginter nach der Pause half nur geringfügig. Letztlich musste es ein Standard richten. Dass Marco Reus aus fast idealer  Position endlich mal wieder ein direktes Freistoßtor gelang, ist eine der positiven Seiten dieses letzten Spieltags.

Auch die Leistung der Borussia ist natürlich kein Drama. Der Druckabfall heute muss keine negativen Auswirkungen auf nächsten Samstag haben. Ihren Lauf haben die Schwarz-Gelben aber in den letzten beiden Saisonspielen verloren. Stand heute sind die Bayern klarer Favorit – so klar, wie es die zehn Punkte Vorsprung in der Tabelle ausdrücken. Schön immerhin, dass es kaum noch nennenswerte atmosphärische Störungen beim letzten Heimspiel von Mats Hummels gab. Ab jetzt geht’s um Berlin.

Die Aufstellung: Bürki – Bender (46. Ginter), Sokratis, Hummels – Weigl (84. Durm), Castro – Aubameyang, Kagawa (58. Leitner), Reus, Schnelzer – Ramos. Gelbe Karte: Sokratis. Tore: Castro, Reus

Der Weihnachtsmann ist kein Dortmunder Junge

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1. Bundesliga, 17. Spieltag / 1. FC Köln 2 BVB 1

Als die Bundesligapartie in Köln gestern dem BVB kurz vor Schluss auch vom Ergebnis her entglitt, erinnerte man sich als Fan wieder, noch bevor es uns Sky verriet: Weihnachten kann die Borussia nicht so gut. Nicht mehr. Schon das dritte Jahr in Folge verloren die schwarz-gelben Jungs das letzte Ligaspiel vor der Bescherung. Doch natürlich ist es ein himmelweiter Unterschied zur Situation nach der 1:2-Niederlage in Bremen vor einem Jahr. In dieser im Idealfall besinnlichen Zeit sollte man sich noch mal in Erinnerung rufen, welch weiten Weg der BVB seither schon wieder gegangen ist.

Trotzdem: Ärgerlich war das ganz ohne Zweifel. Und es stellt sich die Frage, warum die Spieler ein so anderes Gesicht zeigten als beim Last-Minute-Sieg in Wolfsburg. Auch andere Teams haben schließlich unter der Woche Pokal gespielt und am Samstag gewonnen. Klar, die Gesamtbelastung war bei niemand so groß wie bei den Schwarz-Gelben. Vielleicht setzte Thomas Tuchel deshalb ein weiteres Mal auf Rotation und brachte unter anderem in Park und Ginter zwei neue Außenverteidiger. Hätte er Angst vor den Kölner Flügelspielern gehabt, hätte er es nicht machen sollen.

Tatsächlich lag es am Ende nicht an diesen beiden, dass der BVB die bittere Pleite kassierte. Joo-Ho Park hatte zwar arge Probleme, hätte sich gar über einen Elfmeterpfiff gegen sich nicht beschweren dürfen, wurde aber bereits zur Pause ausgewechselt. Da stand es bekanntlich 1:0 durch den starken Sokratis. Auch Ginter machte keine schlechte Partie. Dagegen war es Parks ‚Ersatzmann‘ Schmelzer, der kurz vor Schluss den Ball ebenso unkontrolliert aus der Gefahrenzone schlug wie einige Minuten zuvor Torwart Bürki. Wobei auch die jeweiligen Zielspieler alles andere als wach wirkten. Ergebnis: eine sehr unnötige Niederlage. Auch wenn Köln tatsächlich stark zurück kam.

Nach einer sehr ordentlichen ersten Hälfte ließ der BVB aber auch genau das zu und versäumte es bis auf einige Distanzschüsse, das Tor der Kölner weiter in Gefahr zu bringen. Es waren Leistungsträger wie Mkhitaryan, der meist zu spät und zu ungenau passte, oder Gündogan, der stark abbaute, die die Borussia gebraucht hätte. Auch Aubameyang blieb, sagen wir, anonym. Roman Bürki dagegen hatte vor seinem von der Bodenbeschaffenheit begünstigten Fehler zweimal richtig stark reagiert. So was ist eben das bittere Los des Torwarts: De facto war die unglückliche Szene der Auslöser der Wende, doch das Spiel haben trotzdem vor allem andere verloren.

Für die Kölner muss es ein Traum gewesen sein, so wie für uns Wolfsburg. Kurz vor Weihnachten beendete auch noch Anthony Modeste seine Torflaute und der Effzeh überwintert im Mittelfeld. Man kann sich schlimmere Orte für Niederlagen vorstellen als ein feierndes Kölner Stadion. Trotzdem: Ein wenig traurig ist es schon, dass es nun nicht mal mehr den Anschein hat, als könne irgendjemand noch ins Titelrennen eingreifen. Aber da wir Dortmunder ja aus gutem Grund ohnehin nur auf uns schauen, frage ich mich eher, warum ausgerechnet die schwarz-gelben Jungs am Ende nichts mehr zuzusetzen hatten. Und ob nicht ein Gonzalo Castro mehr geholfen hätte als ein Ramos. Auch Thomas Tuchel wird die Winterpause gut tun.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels (46. Bender), Park (46. Schmelzer) – Weigl – Mhkitaryan, Gündogan, Kagawa, Hofmann (75. Ramos) – Aubameyang. Gelbe Karte: Aubameyang. Tor: Sokratis

Pop-up Ilkay

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In Berlin sind sie gerade ziemlich angesagt: Geschäfte, die sich für einen temporären Zeitraum an einem Ort niederlassen, um dort manchmal durchaus besondere Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Die Betreiber der Pop-Up Stores entscheiden sich in der Regel für diese Lösung, weil sie keine besseren Räumlichkeiten finden oder nicht vorhaben, sich langfristig zu binden.

Ganz ähnlich liegt der Fall Ilkay Gündogan – und die Überschrift ist gar nicht mal despektierlich gemeint. Zum Ausprobieren sind diese temporären Shops sowohl für Käufer wie für Verkäufer ja ideal. Ebenso könnte sich die Vertragsverlängerung des 24-jährigen Nationalspielers für den BVB entwickeln. Zwar hat Ilkay nur für ein weiteres Jahr, also bis Juni 2017, unterschrieben. Damit sind auch seine Aussagen über Thomas Tuchels überzeugendes Konzept weitgehend obsolet. Gündogan hat natürlich vor, bald zu einem vermeintlich größeren Verein zu wechseln. Doch die Borussia kann ihn nun nach einer im Idealfall besseren Spielzeit womöglich teurer verkaufen und bekommt mindestens so viel geboten wie vom Neu-Schalker Geis.

Dass die Sache besonders für Ilkay und von seinem Camp aus unglücklich gelaufen ist, steht außer Frage. Wie groß der sportliche Verlust bei einem Weggang gewesen wäre, darüber kann man sich trefflich streiten. Den genialen Spieler, für den manche Gündogan halten, habe ich auch vor der abgelaufenen Saison nur sporadisch gesehen. Klar, da ist schon richtig viel Qualität vorhanden, aber ist er ein echter Gamechanger?

Man sollte die Personalie also mit der gebotenen Gelassenheit betrachten. Es gibt ja noch andere Neuigkeiten: Milos Jojic steht laut Kicker unmittelbar vor einem Wechsel zum 1. FC Köln – für eine Ablöse von rund drei Millionen Euro. Zwar ist auch ihm mehr zuzutrauen als in der missratenen letzten Spielzeit, aber die Borussia muss schlicht und einfach ihren Kader verkleinern. Es dürfte also für beide Seiten die derzeit beste Lösung sein.

Des Weiteren hat der BVB drei junge, nach vorne orientierte Spieler verpflichtet – zunächst einmal für die in die Regionalliga West abgestiegene U23. Vom Oberligisten Westfalia Rhynern kommt Philipp Hanke (22 Jahre), aus der Jugend von Real Madrid Agoney Gonzalez Perez (20) und von NK Domzale aus Slowenien Alen Ozbolt (19). Natürlich dürften besonders die internationalen Verpflichtungen auch im Hinblick auf eine spätere Beförderung getätigt worden sein.

Und dann war heute noch der offizielle Saisonauftakt an der Strobelallee, nachdem Tuchels schwarz-gelbe Jungs schon am Freitag ihr erstes Testspiel beim Siebtligisten VfL Rhede mit 5:0 gewonnen hatten. Es geht wieder los … und es wird noch einiges passieren.

Dortmund steckt fest

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1. Bundesliga, 8. Spieltag / 1. FC Köln 2 BVB 1

Warum sollte uns das nicht passieren – ein echter Rückschlag, nachdem es jahrelang bergauf gegangen ist? Nahezu alle Teams außer dem FC Bayern haben so etwas schon mitgemacht, allen voran unsere Reviernachbarn aus Gelsenkirchen. Ich habe nie geglaubt, dass dieser Rückschritt nicht kommen und der BVB Seit‘ an Seit‘ mit dem Rekordmeister an der Tabellenspitze einsam seine Kreise ziehen würde. Erneute Verletzungsmisere, die WM, der Verlust eines weiteren Schlüsselspielers – da kann man schon mal hinter Vereine wie Mönchengladbach, Wolfsburg oder sogar die Blauen zurückfallen.

Was nicht mehr normal ist: Nach acht Spieltagen steht die Borussia sogar zwei bzw. fünf Punkte hinter den Aufsteigern Köln und Paderborn. Für Letztere haben heute die Ex-Dortmunder Marvin Duksch und Uwe Hünemeier beim 3:1 gegen Frankfurt getroffen. Im direkten Duell mit den Ersteren hat der BVB zwar deutlich mehr Torschüsse und Ballbesitz zu verzeichnen, aber das Muster der letzten Wochen bleibt bestehen: Den Schwarz-Gelben fehlt die Effektivität nach vorne und hinten leistet man sich zwei bis drei entscheidende Fehler pro Spiel. Ob es nur an Details liegt, etwa dem kurzfristigen Ausfall von Erik Durm, wegen dem Kevin Großkreutz nicht so weit vorne wie gewohnt spielen konnte? Eher nicht. Es dürfte eine Mischung aus fehlender Eingespieltheit der Akteure und zunehmender Verunsicherung sein.

Entscheidend für den Kölner Erfolg war, dass die Gastgeber rechtzeitig zum momentanen Erfolgsrezept gegen Schwarz-Gelb fanden. Während der FC die Borussia in der ersten Viertelstunde noch zu frei agieren ließ, verschoben die Kölner danach besser von hinten raus, standen nicht mehr so tief und stellten das Mittelfeld gut zu. Die Konsequenz: Ballverluste und Fehlpässe des noch nicht eingespielten Mittelfelds, aber auch durch Mats Hummels, der ein besonders schwaches Spiel zeigte, allerdings auch eine lächerliche Gelbe Karte kassierte. Beim 0:1 konnte Rückkehrer Ilkay Gündogan einen Abschlag von Weidenfeller nicht unter Kontrolle bringen. Daraufhin sprintete Hummels ohne Not und Erfolg zum Ort des Geschehens und ließ so eine Zwei-gegen-zwei-Situation hinten entstehen, die letztlich Kölns Vogt nutzen konnte.

Nach dem schönen 1:1, das mit dem Zusammenspiel von Reus und Immobile ein Vorgeschmack auf das hätte sein können, was sich die meisten Borussen-Fans von ihrem Verein nach der Länderspiel-Pause eigentlich erwarten, gab es eine kurze Drangphase. Es waren aber zu unpräzise und letztlich keine brandgefährlichen Schüsse, die etwa Reus und Mkhitaryan noch abgaben. Damit die Kölner die Partie mit drei Punkten beenden konnten, war allerdings noch ein dicker Patzer von Roman Weidenfeller nötig. Nun haben wir in der Hinsicht eigentlich die komplette Hintermannschaft durch, und nicht nur die.

Also doch Krise? Temporär sicher, aber wie schwer die derzeitige Flaute wiegen wird, zeigt sich erst im Frühjahr. Wenn für die Schwarz-Gelben dann die Aufholjagd zu lang sein sollte und die internationalen Plätze nicht erreicht würden, könnten sich weitere Leistungsträger verabschieden. Erst dann muss man sich langfristig Sorgen machen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Großkreutz – Gündogan (90. Subotic), Kehl – Mkhitaryan (68. Aubameyang), Kagawa, Reus – Immobile (75. Ramos). Gelbe Karten: Mkhitaryan, Hummels, Sokratis. Tor: Immobile

Vierzehnter Effzeh Köln

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„In Frankfurt war vieles okay. Aber offensiv haben wir zu wenig aus unseren Möglichkeiten gemacht und uns defensiv individuell nicht so verhalten wie es eine Bundesligamannschaft machen sollte.“

Gesagt hat das Köln-Trainer Peter Stöger im aktuellen Kicker, Nr. 85 / 2014, S.14. Genau das Gleiche hätte auch Jürgen Klopp nach dem Stuttgart-Spiel oder dem Derby formulieren können. Und so sind die Parallelen zwischen dem Aufsteiger Effzeh und Vizemeister Borussia damit auch noch nicht zu Ende. Die beiden Klubs sind Tabellennachbarn, durch nur einen Punkt getrennt. Bei Köln lag das Augenmerk der Kritiker bisher allerdings eher auf der stotternden Offensive (erst vier Treffer), beim BVB auf der ungewohnt offenen Defensive (schon zwölf Gegentore).

Am Samstagnachmittag treffen die Vereine in der Stadt am Rhein aufeinander. Die Floskel vom 6-Punkte-Spiel kann man sich zu diesem Zeitpunkt der Saison getrost sparen. Die Partie ist aus schwarz-gelber Sicht eine von vielen, die darüber entscheiden werden, ob die Borussia ihre Saisonziele noch erreichen kann. Natürlich sind mit der möglichen Rückkehr der Kreativabteilung – namentlich Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und natürlich Ilkay Gündogan – Erwartungen verbunden. Nur ist sich der FC genauso bewusst, dass eine Trendwende nach drei Niederlagen ganz schön wäre – und wird im eigenen Stadion alles dafür geben.

Dabei stehen Peter Stöger bis auf Patrick Helmes alle mehr oder weniger illustren Namen zur Verfügung. Jürgen Klopp muss dagegen noch auf Kuba, Nuri Sahin und Oliver Kirch verzichten. Pierre-Emerick Aubameyang wird erst am Freitag in Dortmund zurück erwartet und könnte zunächst auf der Bank Platz nehmen. Natürlich werden die schwarz-gelben Hoffnungen auf dem ’neuen‘ Mittelfeld ruhen. Da könnte Kehl neben Bender, aber eben auch Gündogan auflaufen. Der wohl gesetzte Shinji Kagawa könnte von Marco Reus und ‚Miki‘ flankiert werden. Oder von Kevin Großkreutz, wenn der nicht in der Defensive gebraucht wird.

Auf die Frage in der Pressekonferenz zum Spiel, was er in den zwei Länderspielwochen wirklich verbessern konnte, antwortete Jürgen Klopp: den körperlichen Zustand der Spieler. Das könnte ganz entscheidend sein, wenn sich die positiven Vorzeichen aus Länder- und Testspielen bewahrheiten. Freuen darf man sich auf diese Partie in stimmungsvoller, vielleicht sogar freundschaftlicher Atmosphäre ohnehin. Egal wie tief nun diese Fanfreundschaft mit dem Effzeh wirklich geht: Sie ist neben den ganzen Rivalitäten bis hin zu Hass, neben der Abneigung gegen Konstrukte wie RB Leipzig etwas erfrischend Positives. Auch mir ist Köln tendenziell sympathisch – wie bei Dortmund mit Ausnahme einiger Gruppierungen. Möge der Gelbere gewinnen!

13 Minuten Meisterflatter

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1. Bundesliga, 27. Spieltag / 1. FC Köln 1 BVB 6

13 Minuten konnten sie hoffen. Die Bayern, die Boulevard-Journalisten. Auf die Story von der schwarz-gelben Flatter nach der Meister-Ansage. Doch so einfach ist ein Fünf-Punkte-Rückstand nicht aufzuholen, ist eine Sportseite nicht zu füllen. Für den BVB 2012 war das Wort „Meister“ bisher vermeidbar, da unnötig. Jetzt ist es in der Welt, aber bis zur rechnerischen Meisterschaft von wem auch immer genauso irrelevant.

Der Effzeh war in der 13. Minute durch den langen Novakovic in Führung gegangen, weil sich Subotic, Piszczek und Weidenfeller nicht richtig abstimmten und daher bei der Flanke inkonsequent blieben. Doch die Taktik der Gastgeber, sich im Anschluss extrem weit zurückzuziehen, ging nicht auf. Weil der BVB sich auch in dieser Phase der Saison noch verbessert – am augenfälligsten gelang das vorgestern bei den Standards. Schmelzer schlug den Freistoß, den Piszczek in der 26. Minute per Kopf zum Ausgleich verwandelte. Gündogan bereitete mit seinem Freistoß die Führung durch Kagawas Schuss unter die Latte vor.

Das 3:1 folgte dem 2:1 im Fünf-Minuten-Abstand und mit dieser Führung kurz nach der Pause fielen die Kölner in sich zusammen. Die letzten vier Tore des BVB waren alle sehr schön kombiniert, die Schwarz-Gelben zelebrierten wieder die spielerische Leichtigkeit der Meistersaison. Doch natürlich half der Effzeh tüchtig mit: indem sie den BVB-Außen unvernünftig viel Platz ließen, immer nur hinterherliefen und die Abseitsfalle ein ums andere Mal versagte.

So wurde es der höchste Auswärtssieg der Borussia in der Bundesliga und der Tag, an dem Ilkay Gündogan endgültig in dieser Mannschaft angekommen ist. Und das Beste zum Schluss: Mario Götze trainiert wieder in Dortmund!

Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (8), Subotic (7), Hummels (7), Schmelzer (7) – Gündogan (8), Bender (7) (61. Kehl) – Kuba (9), Kagawa (9) (81. Leitner), Großkreutz (8) (73. Perisic) – Lewandowski (8). Tore: Piszczek, Kagawa (2), Lewandowski, Gündogan, Perisic