Spaß mit Favre

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 7 1. FC Nürnberg 0

Wann hat Borussia Dortmund eigentlich zum letzten Mal in der Bundesliga siebenmal getroffen? Sechs Tore haben sich mir in den vielen Jahren, die ich die Schwarz-Gelben verfolge, als eine Art Schwelle eingeprägt, die wir nie überschritten haben. Oder, liebe Statistiker?

Wie konnte es also dazu kommen, dass die Borussia gegen den sehr achtbar in die Saison gestarteten Aufsteiger zu dieser seltenen Ausbeute kam? Nun, wenn man mit einer derart konservativ-defensiven, nur auf Konter lauernden Taktik im Westfalenstadion antritt, darf man sich so gut wie keinen Fehler erlauben. Zunächst klappte das bei den Gästen ja trotz Rückstand noch leidlich, man war das eine oder andere Mal auch in der Dortmunder Hälfte. Aber sie forderten den BVB im Mittelfeld zu selten, sie hatten keine gefährlichen Außen wie Hoffenheim, die Präzision war zu niedrig und die Fehlerquote zu hoch.

Gut für uns! So konnte die Borussia eine beeindruckende Leistungsschau abliefern. Und wem das zu sehr nach Business klingt: Das war super, das war elegant. Und mit Sicherheit auch Lucien Favre zu verdanken, der sich vor dem Spiel von Sky mal wieder die ewig gleichen Fragen nach Mario Götze anhören musste. Der war nicht im Kader, weil er im Moment schwächer spielt als die, die im Kader stehen. Punkt. Dass da so viele im Kader stehen, haben in erster Linie andere als der Trainer zu verantworten. Weiterlesen „Spaß mit Favre“

Unerwartet wundervoll

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Aaron Hunt von Werder Bremen war bisher kein Lieblingsspieler von mir. Ich fand es bezeichnend, dass er in einer scheinbar indifferenten Mannschaft mit seinen Qualitäten als Lichtblick galt. Außerdem wirkte er bei den wenigen Gelegenheiten, zu denen man als Fan eines anderen Vereins mal einen Einblick bekam, tendenziell arrogant. Ich würde nicht sagen, dass ich Hunt abgestempelt hatte, aber er passte doch in das Werder-Bild, das in den letzten zwei Jahren bei mir entstanden war – einem Verein, dem ich früher sehr zugetan war.

Nun gewinnt eben jener Klub gestern nicht nur 2:0 beim ‚Glubb‘, der vor seiner Niederlage in Dortmund blendend in die Rückserie gekommen war. Nein, es zeigt sich auch, dass Aaron Hunt ein Großer ist. Ein Sportsmann, wie man ihn heute kaum noch für möglich hält. Es ist das eine, wenn man wie der Nürnberger Kiyotake zugibt, den Ball noch berührt zu haben, bevor er ins gegnerische Toraus rollt. Das ist eine sehr faire Geste. Aber Schiedsrichter Gräfe zu sagen, dass ein gepfiffener Elfmeter keiner war, den man selber herausgeholt hat, das ist ganz großer Sport.

Ja, es stand bereits 2:0 und es war im Fernsehen zu sehen, dass es tatsächlich eine klare Fehlentscheidung von Gräfe gewesen wäre. Trotzdem steckt auch Bremen noch im Abstiegskampf, jedes Tor kann am Ende entscheidend sein und Aaron Hunt scheint sich tatsächlich sehr schnell zu seinem Geständnis entschieden zu haben. Und deshalb rührt sein Verhalten auch langjährige Fußballfans. Weil in Zeiten, in denen das Erfolgsstreben mit Tunnelblick nicht nur an der Spitze des deutschen Fußballs als Nonplusultra ausgegeben wird, solche Zeichen überraschend sind und die Schönheit des Spiels und der Sportlichkeit wieder in Erinnerung rufen. Danke Aaron Hunt!

Als ob nichts gewesen wäre

1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 3 1. FC Nürnberg 0

Die Borussia siegt gegen formstarke Nürnberger dank einer sehr guten Mannschaftsleistung garniert mit Nachweisen individueller Klasse. Also allem, was man braucht, um in der Bundesliga erfolgreich zu sein. Der Dortmunder Auftritt beweist, dass die Pleite beim HSV nur einen Ausrutscher darstellte – der Bremer, dass sie unnötig war.

Das Auftreten der Schwarz-Gelben legt auch nahe, dass die Nicht-Leistung in Hamburg nicht auf die leichte Schulter genommen wurde. Der Einsatz wirkte 50 Prozent besser, etwa beim auch hier kritisierten Marcel Schmelzer, der ein gutes Spiel machte. Mit Hummels und Sokratis war die aktuelle 1A-Innenverteidigung am Werk, die jedoch für die einzige Chance der Nürnberger aus dem Spiel heraus sorgte. Es war die Schuld des Griechen, der einen schlampigen Pass auf Mats spielte, den Pekhart abfangen konnte – zum Glück traf er im Anschluss nur den Pfosten. Sokratis, der am Dienstag in der CL noch beängstigend lange verletzt auf dem Feld gelegen hatte, musste wegen seiner Achillessehne noch vor der Pause runter.

Der BVB hatte das Spiel im Griff, obwohl er den Gästen in der ersten Hälfte verhältnismäßig viel Ballbesitz gestattete – oder deswegen? Konstantes Pressing ließ Jürgen Klopp jedenfalls nicht praktizieren; dafür stand die Abwehr mit der erwähnten Ausnahme sicher und die Offensivabteilung ließ sich die Partie unter der Woche nicht anmerken. Nürnberg tat sich schwer nach vorne und offenbarte Lücken, wenn Mkhitaryan, Lewandowski, Großkreutz oder gelegentlich Sahin schnelle Angriffe inszenierten. Den Schwarz-Gelben konnte man gestern nur vorwerfen, dass es zu lange 0:0 stand. Die Chancenverwertung bleibt ausbaufähig, doch immerhin war Konsequenz in den gut anzusehenden Spielzügen zu spüren.

In der 49. Minute hätte es für Schiedsrichter Dingert nur eine richtige Entscheidung gegeben, als Pogatetz Mkhitaryan am Strafraumeck von hinten in die Beine grätschte – es gibt wenig klarere Elfer. Dafür stand beim erlösenden 1:0 Lewandowski leicht im Abseits, als er den Ball von Sahins Freistoß aufs Tor köpfte. Schäfer konnte abwehren, aber Hummels stocherte die Kugel auf der Torlinie ins Netz. Henrikh Mkhitaryan sorgte mit seinem Querpass auf Lewa für die Vorbereitung zum 2:0 und erzielte selbst ganz cool das dritte, nachdem Hofmann Pogatetz zuvor einen tollen Pass durch die Beine gespielt hatte. In Abwesenheit von Reus spielten ‚Miki‘ und Lewa richtig stark auf, assistiert von enorm fleißigen Außenspielern. Nicht zu vergessen: Kapitän Sebastian Kehl findet mehr und mehr zu früherer Souveränität zurück.

Es war eine schöne zweite Halbzeit, auch wenn das Spannendste nach dem 2:0 die Frage war, wie viele Sekunden Milos Jojic nach seiner Einwechslung für ein Tor brauchen würde. Der einzige Wermutstropfen: Es wird noch gezählt.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis (36. Friedrich), Hummels, Schmelzer – Sahin, Kehl – Aubameyang (71. Hofmann), Mkhitaryan (85. Jojic), Großkreutz – Lewandowski. Tore: Hummels, Lewandowski, Mkhitaryan

Zu viel Abwechslung?

1. Bundesliga, 6. Spieltag / 1. FC Nürnberg 1 BVB 1

Jürgen Klopp machte am Samstagnachmittag in Nürnberg einiges anders als vergangenen Mittwoch. Er ließ sich auch von einem umstrittenen Gegentor nicht aus der Ruhe bringen und schüttelte nach gut 90 Minuten die Hand des vierten Offiziellen. Und er stellte die Startelf massiv um, ließ Sahin, Mkhitaryan und Lewandowski auf der Bank beginnen – was Stoff für Diskussionen bietet. Unter dem Strich war es die bisher schwächste schwarz-gelbe Woche der Saison, an deren Ende der BVB immerhin knapp die Tabellenführung behauptet.

Die Gedanken hinter der weitreichenden Rotation liegen auf der Hand: Das Trainerteam nimmt das Pokalspiel am Dienstag sehr ernst, denn bei jenem Wettbewerb ist der Titel am realistischsten. Außerdem wurden Spieler mit Einsätzen belohnt, die es sich verdient hatten: Aubameyang, Duksch, Sokratis, Durm. Doch das Ergebnis gibt Klopp Unrecht und auch der Spielverlauf zeigte, dass die Umstellungen zu massiv waren. Die Souveränität im Mittelfeld und das herrliche Kombinationsspiel aus dem HSV-Spiel waren selten zu sehen; die Taktik war eine Art 4-3-3 mit Sven Bender in der zentral defensiven Mittelfeldposition. Auch Kuba und Großkreutz agierten zentraler als gewöhnlich im Mittelfeld – und diese Formation funktionierte schlichtweg weit weniger flüssig als die der letzten Wochen. Kurioserweise machte Kevin Großkreutz dennoch ein gutes Spiel, nur füllte er nicht wirklich die ihm zugedachte Position aus und kehrte in der zweiten Halbzeit bedingt durch Schmelzers Auswechslung nach hinten rechts zurück.

Die flinken Offensivleute Reus und Aubameyang bekamen zu wenig Bälle auf den Fuß oder in den Raum gespielt und Duksch vermochte es weniger als bei seinen bisherigen Auftritten, den mitspielenden Stürmer zu geben. So kam es, dass die Borussen nach ordentlichen ersten Minuten die Dominanz verloren und nahezu auf das spielerische Niveau der Nürnberger sanken, bei denen eigentlich nur Hiroshi Kiyotake hin und wieder Brillanz aufblitzen ließ.

Die Dortmunder Führung fiel nach einem Freistoß – endlich mal wieder. Manchmal braucht es nur einen neuen Schützen. Marcel Schmelzer hätte man diesen perfekt ins rechte Eck geschossenen Freistoß nicht unbedingt zugetraut – umso schöner war er dann. Doch zuvor überhaupt Foul zu pfeifen war genauso ein Fehler wie letzte Woche vor dem Ausgleich des HSV – Kuba hielt sich an seinem Gegenspieler fest und fiel dann ohne nennenswerte Einwirkung desselben. Innerhalb der heutigen Partie wurde die Fehlentscheidung bereits fünf Minuten nach der Pause wieder ausgeglichen, als Nilsson aus Abseitsposition zum 1:1 traf. Ein absichtliches Handspiel war allerdings nicht zweifelsfrei zu erkennen. In der Szene sahen beide Dortmunder Innenverteidiger bei ihren Zweikämpfen im Strafraum etwas unglücklich aus.

Man kann nicht in Abrede stellen, dass die Borussia in der Folge zulegte. Hofmann und Sahin waren bereits zur Pause für die angeschlagenen Reus und Schmelzer gekommen und brachten wieder etwas Leben ins BVB-Spiel. Doch die erspielten Chancen wirkten zufälliger als noch letzte Woche und man stand einem klar suboptimal in die Saison gestarteten Team gegenüber. Kuba und Duksch hatten die Führung auf dem Fuß; gegen letzteren musste Schäfer retten. Jürgen Klopp stellte nach der Einwechslung von Lewandowski in der 65. Minute wieder auf das gewohnte System um. In der Folge dominierten die Schwarz-Gelben zwar die Schlussphase, aber ein Lewandowski-Schuss, eine Aubameyang-Hereingabe und ein Sokratis-Kopfball in Schäfers Arme sind kein Vergleich mit dem, was die Mannschaft letzten Samstag in einer ähnlichen Zeitspanne bot. Nicht zu vergessen: Der eingewechselte Esswein hatte die beste Chance der Schlussphase, als er allein vor Weidenfeller über das Tor zielte – zuvor hatte Subotic sich verladen lassen.

Machen wir einen Strich unter diese Woche. Der erste Punktverlust im sechsten Ligaspiel ist nichts, worüber man meckern kann. Für sich alleine genommen wäre in diesem Spiel mehr drin gewesen. Die Champions League habe ich aus Zeitgründen vernachlässigt; sie ist aber mit den Worten „dumm gelaufen“ ganz gut zusammengefasst. Für die nächsten Partien in allen drei Wettbewerben muss man allerdings drei Siege erwarten dürfen: Ein Ausscheiden im Pokal bei einem Zweitligisten wäre indiskutabel, ein Heimsieg gegen den SC Freiburg in seiner derzeitigen Verfassung ist Pflicht. Und auch in der CL muss man zuhause gegen Marseille drei Punkte holen, wenn die Perspektive in der schweren Gruppe stimmen soll. Vertrauen wir auf die oft bewiesene Lernfähigkeit des BVB!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Durm, Subotic, Sokratis, Schmelzer (46. Sahin) – Blaszczykowski (65. Lewandowski), Bender, Großkreutz – Aubameyang, Reus (46. Hofmann) – Duksch. Gelbe Karten: Reus, Subotic. Tor: Schmelzer

Kuba bleibt in Dortmund

Diese Nachricht übertrifft fast jeden Transfer: BVB-Mittelfeldspieler Jakub ‚Kuba‘ Blaszczykowski hat seinen Vertrag bis Juni 2018 verlängert! Gemäß der ’neuen‘ Vereinspolitik soll das Arbeitspapier keine Ausstiegsklausel enthalten. Kommt es zu keinem vorzeitigen Wechsel, hätte Kuba 2018 elf Jahre in schwarz-gelb hinter sich.

Nach einer etwas längeren Anlaufzeit zahlte sich die Geduld des damals noch neuen BVB-Trainers Jürgen Klopp mit Jakub aus: Stück für Stück entwickelte sich der Pole zu einem unverzichtbaren Teil der meisterlichen Borussia. Seine Dynamik, seine Schnelligkeit und sein Wille stehen exemplarisch für die Spielweise, die Klopp seinem Team beigebracht hat. Da verzeiht man doch gerne gelegentliche spektakuläre Fehlschüsse. Ruhe, Bescheidenheit und Geradlinigkeit kommen als positive Eigenschaften noch hinzu – das Bekenntnis zum BVB hätte nicht eindeutiger ausfallen können.

Kurz gesagt: Ein Supertyp. Nicht umsonst dürfte Jakub inzwischen in der Gunst der Fans ganz weit oben stehen. Eine großartige Nachricht und ein mehr als gelungener Auftakt für das, was die Borussia in den nächsten drei Monaten noch so vermelden wird.

Zeitgleich mit Kubas Vertragsverlängerung gab Borussia Dortmund heute den dauerhaften Wechsel von Daniel Ginczek bekannt. Der 22-jährige Stürmer, der in der abgelaufenen Saison an den FC St. Pauli ausgeliehen war und auf Zweitliga-Niveau mehr als überzeugen konnte, schließt sich bis 2016 dem 1. FC Nürnberg an. Die Ablösesumme soll etwa 1,5 Millionen Euro betragen.

Der Schritt dürfte sich für alle Beteiligten als die richtige Entscheidung herausstellen. So sehr es zu wünschen ist, dass bei der Borussia an anderer Stelle auch auf den eigenen Nachwuchs gesetzt wird, hätte es für die Lewandowski-Nachfolge bei Ginczek nicht gereicht. Im Gegensatz zu Bald-Mainzer Julian Koch, für den sich der BVB möglicherweise ein Rückkaufsrecht vorbehält, ist der Transfer des Stürmers endgültig. Alles Gute in Franken, Daniel!

Hallo Jogi, zählst du schon?

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 3 1.FC Nürnberg 0

icon_spielberichtfinalAGW kann weiterhelfen: 191 reguläre Pflichtspiel-Minuten ist Roman Weidenfeller nun bereits ohne Gegentor. Das ist noch keine absolut spektakuläre Zahl – dafür war der Doppel-Save, den die Dortmunder Nummer 1 gegen Nürnberg zeigte, brillant und entscheidend für den Ausbau der Statistik. Es war die eine Szene, in der die Taktik der Gäste hätte aufgehen und für einen ungemütlicheren Freitagabend aus schwarz-gelber Sicht hätte sorgen können.

Ansonsten hatte die Borussia das Spiel komplett im Griff. Dass die Nürnberger tief stehen und auf ihr Prunkstück, die halbwegs stabile Defensive, setzen würden, war klar. Welchen Sinn diese Ausrichtung allerdings beim Stand von 0:2 macht, muss der neue Club-Trainer Michael Wiesinger mit seinen Spielern klären. Der Grund, warum es ein souveräner Sieg in einer eher durchschnittlichen Partie wurde, liegt vor allem darin, dass die Gäste den BVB auch nach dem Rückstand frühestens in der eigenen Hälfte attackierten. So hatten es die Schwarz-Gelben zwar nicht leicht, sich durch die engmaschige Verteidigung des Clubs zu kombinieren, gerieten aber nach dem Doppelschreck aus der 15. Minute auch nicht mehr ernsthaft in Gefahr.

In Bremen waren es Götze und Reus gewesen, die prima harmoniert und die entscheidenden Akzente gesetzt hatten. Gegen Nürnberg hatte Mario in Jakub Blaszczykowski einen ebenso kongenialen Partner, der bewies, dass er aus dieser Mannschaft nicht wegzudenken ist. Bevor Kuba den sehr fragwürdigen Elfmeter verwandelte und nur wenig später eine Flanke von Götze zum 2:0 verwertete, hatte er schon einen Riesenantritt hinter sich, an dessen Ende er leider zu Lewandowski querlegte, anstatt ins kurze Eck oder über Schäfer hinweg zu vollenden. Trotzdem war vor allem Jakubs erste Hälfte ganz stark – der Konkurrenzdruck für Rückkehrer Sahin, der in der 76. Minute für Kehl eingewechselt wurde, ist enorm. Nuri wird noch ein wenig auf seine Chance warten müssen, denn auch Gündogan überzeugte wieder vollauf. Der unauffälligste Mittelfeldspieler war Marco Reus, der sehr fleißig, aber bis kurz vor Schluss nicht allzu effektiv agierte.

Nürnbergs Taktik, das Zentrum dichtzumachen, sorgte zwar dafür, dass es in den zweiten 45 Minuten nicht mehr allzu viele Torgelegenheiten gab, doch Punkte holt man mit solch einer Einstellung in Dortmund nicht. Es wäre einen kleinen Tick unbefriedigend gewesen, wenn ein solch überlegen geführtes Spiel nach einer torlosen Halbzeit einfach so ausgeplätschert wäre. Doch es fehlte ja noch ein Lewandowski-Tor. Der Mann, von dem wir nicht wissen, was er im nächsten Sommer tun wird, ist bekannt für seine späten Treffer. Auch wenn er vorher in die Arme des Torwarts köpft, aus Abseitsposition verwandelt oder ein Schuss von ihm auf der Linie geklärt wird – irgendwann ist es soweit. So auch am Freitag, als Robert nach einem schnellen Angriff und einer Hereingabe von Reus in der Mitte frei stand und einfach draufhalten konnte. 3:0, was will man mehr, ab nach Leverkusen!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Santana, Hummels, Schmelzer – Gündogan (89. Leitner), Kehl (76. Sahin) – Blaszczykowski (76. Bender), Götze, Reus – Lewandowski. Tore: Blaszczykowski (2), Lewandowski

Dortmund startet und stoppt

Es war wie ein kleiner Schluckauf, was Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende in Nürnberg passierte. Die normale Funktionalität der Meistermannschaft wurde unterbrochen durch kleine Aussetzer, Fehlpässe, Ideenarmut. Darüber, dass das spielerische Potenzial der Schwarz-Gelben vor der neuen Saison eher größer als kleiner geworden ist, kann es eigentlich keine Zweifel geben. Doch so ein Schluckauf dauert manchmal.

Wie ist in diesem Zusammenhang der Schluckauf der Saison zu bewerten? Andere nennen es die Länderspiel-Pause. Genau wie den internationalen Termin vor dem Ligastart kann man auch die Unterbrechung nach (in Deutschland) zwei Spieltagen kritisieren. Ändern wird sich natürlich wenig – man kann ja auch nicht alle Länderspiele zwischen Oktober und März spielen. Der BVB ist in jedem Fall deutlich mehr betroffen als früher, stehen inzwischen doch jede Menge Nationalspieler in schwarz-gelben Diensten. Beim gestrigen Testspiel in Hüls standen daher nur sieben Akteure aus dem Profikader zur Verfügung. Gegen den Regionalligisten gewannen die B-Borussen nach mäßiger Leistung 3:0.

In Sachen Nationalmannschaft tut sich mal wieder ein immenser Zwiespalt auf: Spiel und Ergebnis interessieren mich gerade gegen die Färöer nur peripher, doch mindestens zwei Borussen haben im Vorfeld und durch ihre Leistung gestern für Schlagzeilen gesorgt. Marcel Schmelzer hat von Bundestrainer Löw eine temporäre Stammplatzgarantie für den Posten des Linksverteidigers bekommen, da Philipp Lahm rechts spielen soll. Er is ein guter Junge, der Marcel, aber selbst im Verein hat er diese Position nicht auf internationalem Niveau bekleiden können. In der Liga kann er mit fast allen Gegnern mithalten und macht seine Seite in der Regel gut dicht, doch offensive Qualitäten hat er auch dort zu selten gezeigt. Sollte ihm natürlich die neue Wertschätzung Löws im Verein noch mal einen Schub geben, würde ich die Maßnahme wärmstens begrüßen.

Mario Götze ist unterdessen ein tolles Tor gelungen, auch in der Nationalmannschaft. Beim 1:0 gegen die Färöer waren seine gesamte Spritzigkeit und Dribbelstärke wieder zu erkennen und nichts davon, dass ihm noch etwas fehlt. Es bleibt zu hoffen, dass er im Spiel gegen Österreich unter der Woche nicht 90 Minuten zum Einsatz kommt. Denn ein halbwegs ausgeruhter Götze wäre gegen Leverkusen eine blendende Alternative für die linke BVB-Seite. Angesichts des derzeitigen Leistungsstandes (selbstverständlich ohne die Trainingseindrücke einbeziehen zu können) ist ein offensives Mittelfeld mit Mario, Marco Reus und Kuba fast schon unumgänglich.

Es zeichnet sich ab, dass dieses dritte Ligaspiel ein interessantes und aussagekräftiges werden wird. Zwei Teams mit viel Potenzial, die sich in die neue Spielzeit noch endgültig reinfinden müssen. Die Unterbrechung muss dabei gar nicht schädlich sein, sie verlängert nur die Ungewissheit. Wo ist die Fast-Forward-Taste?

Hoffnung durch Kontinuität

Startet der 1.FC Nürnberg in der 1. Bundesliga in eine neue Saison, kann niemand mit Gewissheit sagen, dass sich dieses Ereignis ein Jahr später wiederholen wird. Oder einfacher gesagt: der Club ist ein latenter Abstiegskandidat, auch wenn er nicht zum engsten Kreis der Anwärter gezählt wird. Zu begrenzt sind die finanziellen Mittel, zu häufig werden daher wichtige Spieler verkauft, als dass es anders sein könnte.

Für die Saison 2012/13 gibt es indes Anzeichen, dass sich die Franken weniger Sorgen machen müssen als zuletzt. Zwar wurde mit Innenverteidiger Philipp Wollscheid erneut ein Leistungsträger abgegeben (an Leverkusen) und die ausgeliehenen Hegeler und Didavi sind zu ihren Stammvereinen zurückgekehrt, doch ersterer stand am Ende der letzten Spielzeit nicht mehr in der Startelf und letzterer laboriert an einem Knorpelschaden. Ansonsten entdeckt man unter den elf Spielern, die der „Kicker“ am Samstag im Spiel gegen Borussia Dortmund von Beginn an erwartet, viele vertraute Namen.

Bedeuten vertraute Gesichter auch ein vertrautes Ergebnis? Schließlich hat die Borussia unter Jürgen Klopp jedes Pflichtspiel gegen Nürnberg gewonnen. Doch die Gastgeber von übermorgen sind auch untereinander vertraut, haben scheinbar eine gute Balance aus jungen und erfahrenen Spielern gefunden. Das Auftaktmatch in Hamburg wurde mit 1:0 gewonnen – was derzeit natürlich kein Maßstab sein kann. Immerhin hat der Club jetzt einen Japaner und der BVB nicht mehr: Auf Hiroshi Kiyotake, der eine ähnliche Position wie Shinji Kagawa bekleidet, kann man gespannt sein. Möglicherweise lässt Dieter Hecking am Samstag auch den Ex-Stuttgarter Timo Gebhart länger spielen, der beim HSV nur eine Viertelstunde ran durfte. Ansonsten stehen die Schwarz-Gelben vor allem Spielern gegenüber, die sich beim Club in die Stammelf vorgearbeitet haben. Das Vertrauen, das Hecking in diese Akteure setzt und die Kontinuität, die er dadurch erzeugt, könnten sich auszahlen.

Kontinuität ist natürlich eine Tugend, die auch den BVB auszeichnet. Nachdem die Nationalspieler wieder seit gut einem Monat oder länger im Training sind, sollte sich diese Tugend auch für die Schwarz-Gelben bezahlt machen. Mit Marco Reus ist ein genialer Spieler dazugekommen, der sich Woche für Woche, also kontinuierlich, steigern wird. So ist zumindest der Plan. Keine Frage, dass er übermorgen in der Startelf stehen wird. Auch sonst stellen sich Jürgen Klopp nur wenige personelle Fragen. Lukasz Piszczek wird nach ausgestandener Zerrung als Rechtsverteidiger zurückkehren, sein Ersatzmann Oliver Kirch hat sich ohnehin selbst verletzt. Mario Götze soll nach Jürgen Klopps Worten länger spielen als gegen Bremen, doch auf dem rechten Flügel wird erneut Kuba beginnen. Umstritten ist einzig die linke Seite, wo ich erneut für Ivan Perisic plädieren würde, auch wenn Klopp letzten Freitag Kevin Großkreutz vorzog.

Und was in dieser Woche noch gesagt werden muss: Nazis raus aus dem Westfalenstadion!

(Quelle: Transfermarkt.de)

Die Freuden eines langen Sommers

Es gibt in Fußball-Deutschland eine Diskussion, die passt in jedes Sommerloch. Vor allem wenn es so groß ist wie das diesjährige. Und damit sind wir schon mitten im Thema: Verschiedene Funktionsträger von Bundesliga-Clubs haben sich über die Länge der Sommerpause 2012 beschwert. Für den Trainer des 1.FC Nürnberg Dieter Hecking zieht sie sich hin „wie ein Kaugummi“. Womit er nur die eine Seite der Medaille beschreibt – auf der anderen Seite steht ein 4:2-Sieg seines Teams über den Deutschen Meister Borussia Dortmund.

Während der BVB erst seit einigen Tagen wieder mit seinen drei polnischen Stammspielern trainieren kann und die fünf potenziellen deutschen Stammspieler erst heute ins Training einsteigen, hatte Dieter Hecking seinen Kader weitgehend zusammen und konnte in den vergangenen Wochen gut mannschaftlich arbeiten. Weswegen die schwarz-gelbe Niederlage im gestrigen Abschiedsspiel für Marek Mintal auch nicht schmerzhaft ist. Doch die Borussia muss sich daran gewöhnen, eine Spitzenmannschaft zu sein. Dazu gehören viele zu ihren Nationalteams abgestellte Spieler, Testspiel-Niederlagen und umso mehr Spannung, wie es denn im ersten Pflichtspiel aussieht. Es ist durchaus vorstellbar, dass der Meister sich auch in den ersten Ligapartien gegen eingespieltere Gegner schwer tun wird.

Kein Grund zur Klage also für Dieter Hecking – aber auch der BVB braucht sich noch keine Sorgen zu machen. Vorigen Mittwoch kam die Mannschaft mit einem standesgemäßen 4:0 vom Drittligisten RW Erfurt zurück. Und Jürgen Klopp hat noch eine Reihe von Testspielen, inklusive dem Liga-Total-Cup, um mit seinem vollen Kader zu arbeiten. Nächste Gelegenheit bietet im Schweizer Trainingslager die Partie gegen den FC St. Gallen, die am Mittwoch um 20 Uhr angepfiffen und von Sport1 live übertragen wird. Sollte die Borussia weiterhin auf dem Erfolgsweg bleiben, werden wir uns eben daran gewöhnen müssen, erst zum Saisonstart die Leistungsstärke unserer Lieblingsmannschaft abschätzen zu können. Die besten Trainingslager aller Zeiten haben nichts zu bedeuten – da muss man bloß die Bayern fragen.

Und sonst? Bleibt es wie vorhergesagt ruhig um den BVB. Keine Überraschung ist die Verlegung der Pokalbegegnung beim FC Oberneuland ins Bremer Weserstadion. Und bei den Vertragsgesprächen mit Mittelfeldspieler Kuba stehen die Zeichen auf Einigung und eine mittelfristige Verlängerung des noch bis nächstes Jahr laufenden Kontrakts.

Auf dem Gipfel, da gibts koan Eis

1. Bundesliga, 20. Spieltag / 1.FC Nürnberg 0 BVB 2

Borussia Dortmund hat unter eisigen Bedingungen die Tabellenspitze erklommen, ausgerutscht sind die anderen. Der Spieltag verlief von den Ergebnissen her perfekt für die Schwarz-Gelben – ob sie vorlegen oder nachziehen müssen scheint völlig egal zu sein. Doch es gab einen Dämpfer: Sven Bender könnte der nächste längerfristige Ausfall werden.

Einiges sprach vor der Partie am Freitagabend gegen ein Torfestival: die eingespielten, sicheren Abwehrreihen und die Temperaturen. Dementsprechend lief es auch. Wenn man immer wieder anmerkt, wie viel Fußballspieler heutzutage verdienen, muss man ihnen für einen solchen Auftritt mal Respekt zollen. Bei eisiger Kälte arbeiteten die Schwarz-Gelben 90 Minuten für den nächsten Dreier – auch wenn die Defensive einige Minuten brauchte, um hellwach zu sein.

Nürnberg hielt in der ersten Halbzeit zunächst gut dagegen. Zum einen machten die Gastgeber die Räume im Mittelfeld eng und attackierten die ballführenden Schwarz-Gelben früh. Das verleitete Letztere zu überhasteten Pässen. Zum anderen war es offensichtlich integraler Bestandteil der Nürnberger Taktik, viele Standards in der gegnerischen Hälfte herauszuholen. Bei den gefährlichen Eckbällen lief das selbstverständlich vollkommen korrekt ab, die Freistoßsituationen waren dagegen mehrfach arg provoziert – Schiedsricher Meyer ließ sich hier zu einigen überzogenen Pfiffen pro FCN hinreißen. Das Hummels-Zitat der Woche hierzu: „Herr Meyer hat da ein, zwei Fouls zu viel gegen uns gepfiffen.“ Weiterlesen „Auf dem Gipfel, da gibts koan Eis“