Zlatan kommt nicht, aber sein Nachfolger

Zuerst bestätigte es der bisherige Mitspieler Dickson Etuhu, indem er ein Foto von der Vertragsunterzeichnung auf Instagram postete: Alexander Isak wechselt vom schwedischen Erstligisten AIK Solna zum BVB! Intensive Beobachter des europäischen Spielermarkts werden den 17-Jährigen kennen, allen anderen sei gesagt: Da kommt der neue Zlatan Ibrahimovic nach Dortmund. Real wollte ihn, angeblich auch PSG und der FC Bayern, doch am Schönsten ist es immer noch im Pott.

Soweit die mediale Begleitung dieses Transfers, der noch genauso wenig endgültig vollzogen ist wie der Wechsel von Adrian Ramos nach China/Spanien. Dessen ‚Ersatzmann‘ soll Isak werden – aber natürlich erhoffen sich die BVB-Verantwortlichen noch mehr von ihm. Zunächst mal steht noch die Erlaubnis von der FIFA aus, die bei Transfers von minderjährigen Spielern erforderlich ist. Nach Angaben der Borussia spricht nichts dagegen, dass der Weltverband zustimmt. Wofür ihn die Schwarz-Gelben holen möchten, ist klar: In der abgelaufenen Spielzeit in Schweden traf der 1,90-Meter-Mann zehnmal in 24 Partien. Außerdem ist er jüngster Torschütze aller Zeiten in der schwedischen Nationalmannschaft. Ob er perspektivisch einmal die Nachfolge von Pierre-Emerick Aubameyang antreten kann, werden wir vielleicht nicht sofort erfahren, aber freuen wir uns auf erste Hinweise in der Rückserie!

Unterdessen hat ein weiterer junger Hoffnungsträger beim BVB verlängert: Christian Pulisic bleibt nun laut Vertrag bis 2020. Das war so während des größeren Umbruchs im Sommer noch nicht absehbar und auch Christian machte sich wohl seine Gedanken. Doch wer ihn zuletzt auf dem Flügel wirbeln gesehen hat – und es mit den Schwarz-Gelben hält – kann sich nur freuen, dass sich die Vorzeichen gedreht haben und der US-Nationalspieler uns noch länger erhalten bleibt.

Zu guter Letzt: Isak und Pulisic könnten im BVB-Kader schon am nächsten Wochenende wieder auf den schon erwähnten Pierre-Emerick Aubameyang stoßen. Der ist mit Gastgeber Gabun aus dem Afrika-Cup ausgeschieden, nach drei Unentschieden. Allzu fröhlich dürfte er in den nächsten Tagen allerdings nicht drauf sein, vergab er doch im entscheidenden Spiel gegen Kamerun zwei Meter vom  leeren Tor entfernt.

Die Dilemmas des BVB

Kann doch nicht so schlimm sein, oder? Wollen wir wirklich von Problemen reden, nachdem Borussia Dortmund Testspiele gegen PSV Eindhoven und Standard Lüttich mit 4:1 respektive 3:0 gewonnen hat? Noch dazu ohne Pierre-Emerick Aubameyang. Womit wir beim ersten Thema wären, dass den BVB medial im neuen Jahr begleitet. Die beiden Partien während des Trainingslagers in Spanien waren natürlich NUR Vorbereitungsspiele und Auba wird auch zum Rückserienauftakt noch fehlen. Schließlich spielt er mit Gabun den Afrika-Cup.

Man muss die Winterloch-Spekulationen über Mega-Angebote aus China nicht ernst nehmen. Wichtiger ist die Frage: Wie stellt sich die Borussia im Sturm auf, wenn Aubameyang nicht da oder gar verletzt ist? Dass mir jetzt niemand von Götze als falscher 9 anfängt. Standardmäßiger Ersatz für unsere Nummer 17 ist Adrian Ramos. Doch genau diese Rolle behagt dem Kolumbianer nicht mehr und man kann das ein Stück weit nachvollziehen. Die China-Gerüchte um ihn scheinen deutlich plausibler zu sein.

So könnte es also sein, dass die Schwarz-Gelben Ende des Monats vorübergehend ohne zwei Stürmer da stehen. Das wäre kein Weltuntergang, denn natürlich kann Ousmane Dembélé Mittelstürmer spielen und auch Marco Reus ist torgefährlich. Bleibt zu hoffen, dass beide sich schnell von ihren Wehwehchen erholen. Trotzdem müsste Ramos perspektivisch ersetzt werden – ob noch im Januar oder im Sommer. Der Idealfall wäre eine Perspektivlösung, die Erfolg innerhalb eines Jahres verspricht, ohne sofort einschlagen zu müssen. Also mal wieder der Spieler kurz vor dem großen Sprung, den alle Vereine der 1B-Kategorie suchen. Schön wäre es, zumindest gelegentlich wieder mal einen Angreifer aus dem eigenen Nachwuchs zu sehen.

Erst heute ist ein Thema wieder aufgepoppt, das noch kontroverser diskutiert werden dürfte. Ömer Toprak hat im Trainingslager von Bayer Leverkusen bestätigt, dass er den Verein am Saisonende verlassen möchte. In seinem Vertrag gibt es eine Ausstiegsklausel über 12 Millionen Euro. Der Kicker will wissen, dass der 27-jährige Innenverteidiger nach Dortmund kommt. Hans-Joachim Watzke hat das letzten Sommer ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Doch aktuell gibt es dazu keine Äußerungen vom Verein oder vom Spieler.

Sicher ist der Wechsel aber nicht so unwahrscheinlich, dass er nicht zu diskutieren wäre. Er hätte mehr als einen Hauch von Halbherzigkeit an sich. Will man Bartra als Hummels-Nachfolger aufbauen, Bender als tollen Typen weiter in der Mannschaft haben und Ginter nicht verlieren, macht der Toprak-Transfer wenig Sinn. Nur wer knallhart sagt, dass diese drei nicht mit dem türkischen Nationalspieler mithalten können – eine gewagte Behauptung – vertritt eine nachvollziehbare Linie.

Schneegeflüster

Andere Vereine kaufen sich in dieser verkürzten Winterpause entgegen ihrer klar formulierten Absichten einen Personalüberschuss zusammen, um dann am Ende doch höchstens Vierter zu werden. In Dortmund wird allenfalls über Transferaktivitäten getuschelt. Wie immer spekulieren die einschlägigen Webseiten über eine Vielzahl von Namen, aber belastbare Informationen dringen nicht nach außen. Für die BVB-Verantwortlichen gibt es auch gar keinen Grund zur Hektik, denn eigentlich muss man nicht viel verändern.

Äußerst wenig Substanz haben offensichtlich die periodisch auftretenden Gerüchte über ein Interesse an Neven Subotic aus der Premier League. Anfang des Jahres war es – natürlich – Manchester City, die angeblich ein Angebot über 25 Millionen vorbereiteten. Dabei wird der Club mit beinahe jedem international anerkannten Abwehrspieler Europas in Verbindung gebracht. Neven selbst hat sich für einen Fußballspieler recht eindeutig positioniert:

Nein. Ich werde nicht im Winter wechseln. Wann der richtige Zeitpunkt ist, wird sich zeigen. Ich habe ein Riesenjahr vor mir. Ich will mit Dortmund Großartiges leisten, dann die WM spielen. Das ist für mich ein Test auf höchstem Niveau. Wie ich in Südafrika abschneide, wird ein bisschen was ausmachen. (Quelle: Der Westen)

Interessanter finde ich Spekulationen über mögliche Verstärkungen für unsere rechte Abwehrseite. Kurz vor dem Jahreswechsel tauchte der Name Mouhamadou Dabo vom AS St. Etienne auf, schaffte es allerdings nicht bis in seriöse Quellen. Auch auf dieser Position werden Michael Zorc und Jürgen Klopp wohl nur handeln, wenn es finanziell Sinn macht – im Moment deutet einiges darauf hin, dass ein Transfer von wem auch immer erst im Sommer angestrebt wird.

Die aktuellen Mannschaftsmitglieder haben uns in der zweiten Hälfte der Hinrunde ja auch genug Freude gemacht und bereiten sich derzeit im etwas milderen Marbella auf die Rückrunde vor. Heute kassierten sie allerdings im zweiten Testspiel die zweite Niederlage: Dem 0:2 gegen Gladbach folgte heute ein 0:1 gegen Zweitligist Energie Cottbus, dem neuen Verein von Markus Brzenska und Marc Kruska. Wie immer sind solche Resultate nicht überzubewerten – das eigentlich Interessante dieser Tage sind die Spekulationen, die es zur Aufstellung für das Köln-Spiel in acht Tagen gibt.

Mohamed Zidan wird am Afrika-Cup teilnehmen – so der denn nach den tragischen Ereignissen in Angola wirklich stattfinden wird. Ich wüsste nicht, was die richtige Entscheidung der Organisatoren sein könnte. Wenn Zidan fehlt, ist die 10er-Position vakant. Für Tamas Hajnal kommt ein Einsatz in Köln noch zu früh. Jürgen Klopp experimentierte gegen Gladbach mit drei Spielern auf der Position: Nelson Valdez, Kevin Großkreutz und Mario Götze. Bei allem Respekt vor den jungen Dortmundern, ich würde dem Paraguayaner die Rolle am ehesten zutrauen. Eigentlich ist es doch genau das Richtige für Nelson: Er kann seinen Offensivdrang ausleben, muss aber nicht so oft selber aufs Tor schießen. 😉

Sebastian Kehl soll bald wieder Teile des Mannschaftstrainings mitmachen können, ist allerdings noch einige Wochen von einem Einsatz entfernt – ebenso wie Markus Feulner, Dimitar Rangelov und Damien Le Tallec, die allerdings sowieso eher für einen Bankplatz in Frage kämen. Am weitesten von den Verletzten ist Tinga, der in Köln womöglich bereits auf der Bank sitzen wird. Die spannendste Frage ist jedoch, wer die Position links hinten übernehmen wird: Marcel Schmelzer, der sich gesteigert hat und gerade zum Ende der Hinrunde richtig aufdrehte, oder wieder Dede, der nach seinem Kurzeinsatz gegen Freiburg anscheinend auch in den Testspielen zu überzeugen wusste. Dies ist jedoch gegenüber der Besetzung des offensiven Mittelfelds ein Luxusproblem.