Ode an Mats

1. Bundesliga, 6. Spieltag / Arminia Bielefeld 0 BVB 2

Selbst wenn ich nicht der Erste und Einzige bin, der die Leistung von Mats Hummels nach dem jüngsten Auswärtssieg des BVB in den Mittelpunkt stellt: Es ist mal wieder Zeit, dem Doppeltorschützen vom Samstag Tribut zu zollen. Die Nummer 15 ist das Gesicht der Schwarz-Gelben.

Denker und Lenker

Nicht immer sind Mats‘ Beiträge zum Spiel so offensichtlich wie in Bielefeld. Am Samstag war der Abwehrchef gleichzeitig Mittelstürmer. Bei der Ecke, die zum 0:1 führte, stand er sträflich allein gelassen am langen Pfosten und musste nicht einmal mehr abstauben – der Ball fiel ihm buchstäblich in den Schoß und prallte von dort ins Tor. Das 0:2 war dagegen ein echter Power-Kopfball, wie ihn Mats eben auch kann, nach Reus-Flanke.

Es gibt die Partien, in denen sich Hummels in eine schwache Mannschaftsleistung einreiht und er ist nicht immun gegen eigene Fehler. Aber er ist wohl derjenige, der sich am produktivsten darüber aufregt und nachdenkt. Eine wochenlange Schwächephase haben wir bei ihm schon lange nicht mehr erlebt. Und wenn das Mittelfeld mal keine Impulse liefert, springt immer wieder er ein – mit viel Ballsicherheit und gutem Auge. Die große Kritik aus Fankreisen bei seiner Rückkehr habe ich schon damals nicht verstanden. Trotz Bayern-Wechsel war Hummels nie ein Söldner-Typ. Wie gut, dass er ein Schwarz-Gelber ist.

Die Null steht schon wieder

Wäre da nicht dieses Lazio-Spiel gewesen, gäbe es rein vom Sportlichen her sehr wenig zu meckern in Dortmund. Ja, die Auftritte sehen nicht durchweg überzeugend aus und es gab eine Niederlage in Augsburg. Vom Spiel auf der Alm habe ich nur die zweite Hälfte gesehen. Aber zwei Gegentore nach sechs Ligapartien sind schon verdammt gut. Die beste Abwehr der Liga wird natürlich am Samstag gegen den FC Bayern auf eine harte Probe gestellt werden. Deshalb ist mir schon fast egal, ob der verletzungsbedingt ausgewechselte Mats Hummels gegen Brügge spielen kann – gegen den deutschen Rekordmeister dürfte der BVB ohne ihn jedenfalls Probleme kriegen.

Die Aufstellung: Bürki – Meunier, Akanji, Hummels (86. Piszczek), Passlack – Bellingham, Delaney (82. Witsel) – Sancho (75. Reyna), Reus (75. Guerreiro), Hazard (82. Reinier) – Brandt. Gelbe Karten: Delaney, Hummels. Tore: Hummels (2)

Endlich – aber trotzdem danke!

Der BVB hat die letzte dringende Personalfrage ‚geklärt‘, Giovanni Federico hat den Wink mit dem Zaun endlich verstanden: Der 28-jährige Hagener wechselt mit sofortiger Wirkung zum Absteiger Arminia Bielefeld in die zweite Liga. Ablösefrei, obwohl er noch einen Vertrag hatte. Letztlich musste man das von Vereinsseite so machen, denn es hätte ja keinen Sinn gehabt, ihn für eine knappe Million Jahresgehalt in der dritten Liga spielen zu lassen.

Federico kann nun mit seiner Familie in NRW bleiben – Bielefeld kann von einem „deutschen Spieler mit großer Erfahrung in der Ersten und Zweiten Bundesliga“ sprechen. Für Dortmund und die erste Liga hat es aber letztlich nicht gereicht; über Ansätze und ein paar wichtige Tore in seiner ersten Saison, noch unter Thomas Doll, ist Federico nicht hinausgekommen. In den letzten Monaten waren für Jürgen Klopp offensichtlich keine Anzeichen für eine Verbesserung zu erkennen – und für mich auch nicht. Schade um den BVB-Fan Federico, weniger um den Spieler.

Die Borussia könnte nun mit diesem Kader in die neue Saison gehen – ob es so kommt, bleibt noch eine Weile offen. Am Mittwoch gab es einen 8:1-Testspielsieg in Offenburg, der Jürgen Klopp wieder überzeugen konnte.

Ruhe im Sturm

Ein Tornado fegt durch die Bundesliga und schleudert wahllos Trainer an Orte, an denen man sie nie zu sehen glaubte. Der HSV, der auf dem BVB-Platz in der Europa League steht, holt sich als Nachfolger von Martin Jol für angeblich mehr als eine Million Euro Ablöse Bruno Labbadia aus Leverkusen, dem dort Defizite in der Spielerführung nachgesagt wurden und der in jedem Fall, wieso auch immer, nicht den Erfolg gebracht hat, der erwartet wurde. Nach Leverkusen geht dafür Fünf-Spiele-Trainer Jupp Heynckes, der sich in München als hipper, lockerer Fußball-Onkel neu positioniert hat.

Selten hat man solche Schnellschüsse erlebt (außer in Bielefeld) – was nicht heißen muss, dass beide Neuen scheitern werden, aber ob man da in den Führungsetagen genügend nachgedacht hat? Die Hamburger wollten wohl einen Fehler korrigieren und holen den Klopp für Zuspätgekommene. Und die Leverkusener, inklusive Rudi Völler, dachten anscheinend, alles was aus München kommt, ist gut. Mal sehen, ob das wenigstens mit Toni Kroos noch klappt.

Eine auf den ersten Blick überzeugendere Lösung hat Eintracht Frankfurt mit Michael Skibbe präsentiert. Der 43-jährige Ex-BVB- und zuletzt Galatasaray-Trainer ist zwar vom Typ her nicht gerade der Gegenentwurf zu Friedhelm Funkel, steht aber zumindest im Ruf, attraktiveren Fußball spielen zu lassen – ob sich das in Punkten auszahlt, weiß niemand.

Dass der Tornado auch durch Köln zieht, war vielleicht für Insider nicht so überraschend, für alle anderen aber schon. Dass es Christoph Daum noch mal nach Istanbul verschlägt, konnte man dann fast schon wieder erwarten. Auch in Köln soll nun nicht Mirko Slomka zum Zug kommen, dessen Ruf in Gelsenkirchen nachhaltig beschädigt wurde, sondern Jung-Trainer Zvonimir Soldo, der letztes Jahr für einige Monate bei Dinamo Zagreb das Sagen hatte – oder auch nicht, weshalb er dann zurücktrat.

Schon wieder einige Tage her ist die Präsentation von Michael Frontzeck als neuer Trainer in Mönchengladbach. Die Gladbacher holen sich also einen Ex-Spieler, der gerade nicht mit Bielefeld abgestiegen ist, sondern freundlicherweise einen Spieltag vor Schluss entlassen wurde und sich nun heimlich (oder offen) freuen kann. Sein letzter Verein ist in der zweiten Liga und er selbst arbeitet erstklassig. Nur folgerichtig, dass nun das Bielefelder Präsidium zurücktreten wird.

Und auch wenn es angesichts der ständigen Wiederholung wie ein meditatives Ritual klingen mag: Wie froh können wir beim BVB eigentlich sein, dass wir Jürgen Klopp haben und nicht in diesen Trainer-Tornado geraten sind!

BL 33.Spieltag / BVB 6 Arminia Bielefeld 0

Darauf ein leckeres Kölsch!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Santana, Subotic, Owomoyela – Kehl (74. Tinga) – Sahin, Kuba – Hajnal (74. Kringe) – Frei, Valdez (70. Zidan).

Eins habe ich mir wirklich genehmigt gestern Abend, und das hat sehr gut geschmeckt. Ich hatte dem FC ehrlich gesagt nichts zugetraut in Hamburg – die waren gerettet, ohne Novakovic und dümpelten so vor sich hin in den letzten Wochen. Dass die Mannschaft von Christoph Daum noch mal so kompakt und entschlossen gegen einen offensichtlich sehr schwachen HSV auftreten würde – Respekt! Die Kölner haben gezeigt, dass es im Fußball ums Gewinnen geht, 34 Spieltage lang.

Damit aber zum BVB-Spiel. Alle Ereignisse anderswo hätten ja nichts genutzt, wenn wir nicht die drei Punkte geholt hätten. Und die hingen in der ersten Halbzeit am seidenen Faden bzw. lagen auf den Schlappen von Chris Katongo und Robert Tesche, die das sperrangelweit offene Dortmunder Tor nicht trafen. Ein Trio von erstklassigen Bielefelder Gelegenheiten komplettierte ein Kopfball von Kirch, den Roman Weidenfeller sensationell parierte. Der BVB hatte nach einem ordentlichen Beginn stark nachgelassen; der Versuch, das Mittelfeld mit schnellen Pässen zu überbrücken, scheiterte immer wieder an deren Ungenauigkeit. Die Gäste standen gut gestaffelt und nutzten immerhin dreimal die Unaufmerksamkeiten, die sich bei Schwarz-Gelb auch hinten einschlichen. „Nutzen“ ist natürlich zuviel gesagt – mal abgesehen von Romans Parade vergaben die Bielefelder die Chancen kläglich. Wer solche Hochkaräter nicht macht, der wird nicht nur im Laufe des Spiels bestraft, sondern kann auch gut und gerne absteigen.

Als Dortmunder siehst du dir das mit einer Mischung aus Ärger, Unglauben und Schadenfreude über die Bielefelder Unfähigkeit an – zum Glück sollten wir noch vor der Pause erlöst werden. Nach einem Freistoß von Frei köpft Sebastian Kehl zum 1:0 ein, prallt dabei mit Torwart Eilhoff zusammen und muss kurz behandelt werden. Die Bielefelder hatten die Wahrheit einer der größten Binsenweisheiten des Fußballs erfahren: Wer solche Dinger nicht macht…

Es war ein Spiel der zwei Hälften, auch wenn es kurz nach dem Seitenwechsel nicht direkt danach aussah. Wir diskutierten in der Kneipe gerade, ob besser Sahin oder Hajnal ausgewechselt werden sollten, da macht der Ungar plötzlich das 2:0! Der in der zweiten Halbzeit stark verbesserte Kuba hatte sich rechts toll durchgesetzt und nach innen gepasst. Weiterlesen „BL 33.Spieltag / BVB 6 Arminia Bielefeld 0“

Das Spiel danach

Es hat ja auch alles seine guten Seiten. Nach der Niederlage in Wolfsburg und den Ergebnissen von gestern wird sich die Medienaufmerksamkeit noch mehr auf den Titelkampf fokussieren, der BVB wird spätestens zur Mitte der „Sportschau“ laufen (die ich sowieso selten ganz anschaue) und meine Stamm-Fußballkneipe wird  wohl halb so voll sein wie am Dienstag – was immer noch voll genug wäre.

Der BVB muss und wird sich auf das Spiel gegen Bielefeld konzentrieren. Was anderswo geschieht, interessiert jetzt erst mal nur peripher – zumindest für die Spieler muss das gelten. In der Kneipe wird es am Samstag wieder Leute geben, die über ihre Handys die anderen Spielstände abrufen – was früher der ‚Knopf im Ohr‘ war, geht heute angenehmer, wenn auch meist teurer. Nur sollten wir uns davon erst mal nicht so viel erhoffen: Der VFB braucht nur noch einen Punkt, um sicher im Europapokal zu sein; der HSV ist wieder drei vor uns – und will man wirklich darauf setzen, dass gegen Köln, die gerade den Ligaverbleib feiern können, und in Frankfurt, die zuhause gerade 0:5 gegen Bremen verloren haben, noch etwas schief läuft?

Das ist nicht völlig ausgeschlossen, aber ich mache doch lieber etwas in Zweckpessismismus. Na ja, vielleicht in Frankfurt… Grundvoraussetzung für alle Überlegungen sind zwei Siege des BVB. Und zumindest gegen Bielefeld sollte es bei allem Respekt für einen Dreier reichen. Meinetwegen haben die gestern gegen Hoffenheim ganz ordentlich gespielt, aber das Ergebnis ist bekannt. Vor keinem Mannschaftsteil muss man da Angst haben; nur Torwart Eilhoff ist ein richtig Guter. In der Innenverteidigung werden den Arminen am Samstag gleich zwei Leute fehlen, Mijatovic gesperrt und Bollmann verletzt. Und überhaupt, ich habe den Ostwestfalen von Anfang an nicht viel zugetraut. Wenns schiefgeht, war das jetzt zu weit aus dem Fenster gelehnt, na gut.

Jürgen Klopp und der BVB können unterdessen darauf hoffen, ein angeschlagenes bzw. vorsorglich geschontes Quartett, bestehend aus Tamas Hajnal, Alex Frei, Sebastian Kehl und Felipe Santana, wieder zur Verfügung zu haben. Kevin Prince Boateng ist wegen seiner Roten Karte erwartungsgemäß für vier Spiele gesperrt worden – am Dienstag könnte er seine letzten neun Minuten für Schwarz-Gelb gespielt haben.

Also ich werde mich am Samstag zurücklehnen, genießen – die Sommerpause wird lang – , und natürlich trotzdem mitfiebern. Geht ja nicht anders.

BL 16.Spieltag / Arminia Bielefeld 0-0 BVB

Und schon wieder keine Tore.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Lee, Subotic, Santana, Owomoyela – Hummels – Kringe (78. Klimowicz), Tinga – Hajnal – Frei, Zidan (46. Kuba).

Wenn man ein schwarz-gelber Statistikfreak ist, kann man sich sicher über den einen Punkt in Bielefeld freuen. Denn da gibt es ja traditionell wenig zu holen für den BVB. Wenn man wie ich eher die aktuelle Form und Situation als Maßstab nimmt, kann man mit dem einen Punkt irgendwie auch zufrieden sein. Und wenn man einfach nur aufs Spiel schaut, wusste man heute hinterher ebenfalls nicht, wer jetzt den Sieg eher verdient hatte.

Was ein bisschen Sorgen macht, ist die aktuelle Sturmflaute der Schwarz-Gelben. Nelson Valdez fehlte da vorne als beweglicher Antreiber, Kuba wurde erst nach der Pause eingewechselt, da er immer noch grippegeschwächt war. Die beiden ‚echten‘ Stürmer Frei und Zidan (später noch Klimowicz) scheiterten mit ihren Bemühungen an Dortmund-Fan Dennis Eilhoff im Bielefelder Tor.

Die Partie war jedoch, wie meistens in Bielefeld und trotz des Ergebnisses, spannend. Zunächst hatten die Gastgeber trotz der gefälligeren Kombinationen der Schwarz-Gelben im Mittelfeld die besseren Chancen; einen Mijatovic-Kopfball gegen die Latte etwa, oder das Tor, das keines war, da Wichniarek ‚passiv-aktiv‘ im Abseits stand, bevor Kirch einschob. Passiv oder aktiv – in diesem Fall eine Definitionsfrage, die der Schiedsrichter zu beantworten hat, aber eher kein geklautes Tor, wie der sehr einseitig kommentierende Premiere-Mann Matthias Stach behauptete. Der BVB verlor etwas den Faden und kam (mit Ausnahme einer gefährlichen Ecke) erst in der Schlussphase der ersten Hälfte zu guten Chancen durch den bemühten und aktiven, aber leider glücklosen Alex Frei – dessen Abseits-Quote immerhin deutlich niedriger war als letzte Woche.

Richtig aufregend war allerdings erst die zweite Halbzeit: Offener Schlagabtausch, Engagement auf beiden Seiten, allerdings mit technischen Unzulänglichkeiten. Beide Seiten hätten gewinnen KÖNNEN, beim BVB hatten Frei, Kringe und Hajnal die besten Chancen, aber die Spieler, die den Sieg erzwingen könnten, haben wir eben nicht. Trotzdem wars  packend und das ist der deutlichste Fortschritt, den man zur Zeit bei Spielen mit schwarz-gelber Beteiligung gegenüber letzter Saison erkennt. Owomoyela kam gestern überraschend direkt zurück in die Startelf, allerdings war diesmal seine rechte Seite der deutlich schwächere Flügel; links zeigte Lee eine ordentliche Partie. Es fehlten die leistungsmäßigen ‚Ausreißer‘; die Abwehr, vor allem Subotic, manchmal nicht auf dem Posten, in anderen Situationen umso besser. Hummels auf ungewohnter Position im defensiven Mittelfeld solide. Abschlussschwäche im Sturm, der nach der Hereinnahme von Kuba zumindest zeitweise gefährlicher wirkte. Aber eine solide Mannschaftsleistung wars schon.

Es scheint alles angerichtet für einen schönen Ausklang der Hinrunde. Freitagabend-Spiel. Es kommen die Gladbacher, denen gerade so überhaupt nichts gelingt. Der Trend sollte also unser Freund sein. Ich freue mich schon drauf. Nur verhält sich der Fußball manchmal eben auch antizyklisch… 😉

Owehmoyela

In der gebotenen Kürze, da ich mir nachher das groß angekündigte Spitzenspiel Bayern München v Hoffenheim anschauen möchte, noch ein paar Worte zum ungleich wichtigeren Spiel Ostwestfalen v BVB morgen Nachmittag. Die Leidensgeschichte des Mannes, der einst bei Bielefeld Karriere machte, nun aber schon seit Jahren öfter auf dem Behandlungstisch als auf dem Platz zu finden ist, geht weiter. Risse des Außenbandes im Sprunggelenk gehören immerhin zu den häufigeren und weniger schwerwiegenden Verletzungen unter Fußballspielern und so gibt es sogar noch geringe Chancen, dass Patrick Owomoyela morgen im Kader stehen könnte. Ich glaube ja auch, dass Owo nur eine längere verletzungsfreie Phase bräuchte, um eine echte Verstärkung zu sein – angedeutet hat er es schon.

Vermisst werden beim traditionell schwierigen Ausflug auf die Alm Sebastian Kehl und Nelson Valdez, die noch nicht bereit für einen Einsatz sind. Angesichts der Auftritte von Zidan und Frei letztes Wochenende hätten wir gerade den beweglichen Nelson gut gebrauchen können. Hoffen wir, dass wenigstens Kuba zurückkehrt; ist auch noch nicht ganz klar.

Trotz dieser ungünstigen Vorzeichen ist aber die Möglichkeit da, in den nächsten beiden Spielen die Hinrunde richtig schön rund zu machen und für ein frohes schwarz-gelbes Fest zu sorgen – im diametralen Gegensatz zur Stimmung ein paar Kilometer weiter westlich.

So läuft die Saison

Eigentlich bin ich kein großer Freund von Saisonprognosen. Nicht mehr. Nach DER letzten BVB-Saison. Aber gar nichts zu sagen wäre auch schwach für einen Fußballblogger. Deshalb hier ein paar mal mehr, mal weniger gewagte Vorhersagen.

Meister wird Bayern München. Oder doch Werder Bremen? Die Bayern könnten in der Tat einen holprigen Saisonstart haben (ich traue ihnen übrigens zu, dass sie dann doch nochmal auf dem Transfermarkt tätig werden) und wenn die B++d und andere interessierte Kreise es schaffen, echte Unruhe um Klinsmann zu erzeugen, könnten die Bremer davon profitieren. Der S 04 schafft mindestens die CL-Quali, bis zur Meisterschaft dauert es aber noch weitere 50 Jahre.

Ganz nach oben werden es die Wolfsburger auch dieses Jahr nicht schaffen. Und der Marcelinho-Abgang könnte Magath und sein Team gerade zu Saisonbeginn zu schaffen machen. Deshalb werden sie sich mit dem HSV und Hertha BSC um die UEFA Cup-Plätze streiten. Ja richtig. Die Hertha könnte das dank einer auf den ersten Blick guten Einkaufspolitik wirklich schaffen. Aber Dieter Hoeneß sollte den Mund noch nicht zu voll nehmen. Bei so vielen neuen Spielern dauert es oft (zu) lange, bis sich die Mannschaft gefunden hat. Am Ende könnte durchaus Platz 6 stehen.

Während ich dem VFB zutraue, da vielleicht noch ein Wörtchen mitzureden, glaube ich nicht, dass sich die Leverkusener nennenswert verbessern werden. Sicher, Renato Augusto und Patrick Helmes sind Topverpflichtungen, aber Bruno Labbadia wird sich in seiner ersten Erstligasaison schwer tun und deshalb wirds nix mit Platz 5. Andererseits – Trainerstühle sind nicht immer stabil gebaut…

Eine Mittelfeldplatz-Garantie hat Hannover 96. Die haben sich ordentlich verstärkt, vor allem mit Schlaudraff, aber die Teams davor eben auch.

Und nun wirds langsam schwammig. 😉 Alle Aufsteiger können auf Anhieb den Sprung ins gesicherte (untere) Mittelfeld schaffen. Auf den ersten Blick sind alle drei Teams erstligareif. Bäume ausreißen werden sie jedoch nicht, auch nicht Hoffenheim. Einstellige Tabellenplätze wären ein Riesenerfolg. Allerdings halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass die Hoppenheimer oder die Gladbacher sich doch nach unten orientieren müssen. Beide Mannschaften halte ich für nicht gefestigt genug, um immun gegen einen Negativsog zu sein, speziell, wenn wichtige Spieler ausfallen.

Wahrscheinlichere Kandidaten für den Abstiegskampf sind aber Karlsruhe, Bochum, Cottbus und Bielefeld. Der KSC hat bereits eine gute Struktur in der Mannschaft und hat einige wichtige Spieler halten können; es könnte also knapp reichen. Bochum und Cottbus werden mMn definitiv unten mitspielen, als ’sicheren‘ Absteiger sehe ich eigentlich nur Bielefeld. Aber da bin ich nicht der Einzige.

Und der BVB? Das ist wirklich schwer. Ich sach mal: que sera, sera und freue mich auf die Saison mit Klopp. Ein einstelliger Tabellenplatz dürfte jedoch machbar sein, oder?

1. Bundesliga, 33. Spieltag / DSC Arminia Bielefeld 2 BVB 2

2:2 in Bielefeld – wie die Bayern hat also der BVB seine sportliche Pflicht getan und hält den Abstiegskampf zumindest zwischen den Ostwestfalen und den Nürnbergern offen; letztere standen schon am Abgrund und können sich nun bei Alex Frei und dem Bielefelder Torwart Fernandez bedanken, aber dazu gleich mehr.

Thomas Doll wählte für den Sturm die Variante 1 aus meiner Vorschau mit Buckley und Frei vorne und wurde dafür belohnt: Delron gelang sein erster Treffer überhaupt für den BVB zum zwischenzeitlichen 1:1, nach Vorarbeit von Federico brauchte er nur noch einzuschieben. Und das gegen den Verein, wo er sein erfolgreichstes Jahr hatte – auch so eine Geschichte des Spiels heute. Die Schwarz-Gelben machten in der ersten Hälfte meist das Spiel, kamen aber zu selten gefährlich vors Tor. Die Abwehr stand dafür zunächst wieder gut, ehe der junge Torwart Marcel Höttecke einen unnötigen Elfmeter an Wichniarek kurz vor der Torauslinie verursachte, der den Gastgebern die Führung durch Marx ermöglichte. Und wenige Minuten nach Buckleys Ausgleich war die Dortmunder Viererkette dann zum ersten Mal richtig desorientiert, übersah nach einer Flanke von links den lauernden Wichniarek und der konnte zum 1:2 einköpfen. Weiterlesen „1. Bundesliga, 33. Spieltag / DSC Arminia Bielefeld 2 BVB 2“

Last Men Standing

Für den Ausflug nach Ostwestfalen heute muss Thomas Doll auf das sprichwörtliche letzte Aufgebot zurückgreifen. Zusätzlich zu den Spielern, die schon am Dienstag gegen Stuttgart fehlten, wird auch Nelson Valdez wegen seiner fünften gelben Karte nicht dabei sein, Dede und Kuba sind noch fraglich. Was natürlich vor allem für die Sturmbesetzung Fragen aufwirft. Alex Frei und wer noch? Wenn überhaupt noch jemand? Ich sehe drei Optionen:

1. Zwei Stürmer: Alex Frei und Delron Buckley. Erscheint mir wegen der fehlenden Treffsicherheit des Südafrikaners nicht so wahrscheinlich, obwohl ich persönlich die Variante ganz interessant fände, denn zumindest als Joker brachte Buckley zuletzt öfter Schwung rein.

2. Zwei Stürmer: Alex Frei und jemand aus der 2. Mannschaft, vermutlich Senesie, da Nöthe auch ausfällt. Fände ich ebenfalls reizvoll, aber nur, weil es um nichts Wesentliches mehr geht. Warum dann nicht den Nachwuchs mal ranlassen? Ich würde Doll zutrauen, dass er das versucht, glaube aber eher, dass er wegen seiner persönlichen Situation das Risiko scheut.

3. Wohl die wahrscheinlichste Variante: Es wird auf ein 4-3-2-1 oder 4-3-3 umgestellt, je nachdem, wie offensiv die Außen ihre Rolle interpretieren. Frei allein im Sturmzentrum, vermutlich Buckley und Kuba auf den offensiven Außenbahnen.

Ich bin jedenfalls gespannt, auch auf dieses Spiel. Ich möchte nochmal eine achtbare Leistung sehen und wenn wir so spielen wie gegen Stuttgart, ist Bielefeld absolut schlagbar, auch zuhause. So berühmt waren deren letzte Spiele nämlich nicht. Und ja, es geht auch um sportliche Fairness im Abstiegskampf, obwohl mir die Nürnberger jetzt nicht unbedingt sympathischer sind…