Papa und Passlack nach England

Das Eine ist lediglich eine Vollzugsmeldung zu einem Transfer, der schon seit Wochen feststand: Sokratis Papasthatopoulos, kurz Papa, wechselt zum FC Arsenal, nach fünf Jahren in schwarz-gelb. Der BVB bekommt dafür laut Kicker 16 Millionen Euro plus Bonuszahlungen. Aus ‚bilanztechnischen‘ Gründen sollte der Transfer erst im Juli offiziell werden.

Beschweren kann man sich weder über Papas Entscheidung noch über die Ablöse für den 31-jährigen Innenverteidiger. Schade finde ich diesen Gang der Dinge trotzdem. Weil ich Sokratis‘ No-nonsense-Attitüde, wie man das in England nennt, vermissen werde. Und weil ich die Vermutung habe, dass seine in der letzten Saison etwas nachlassende Leistung mit dem Busanschlag zu tun haben könnte. Und sei es nur, dass dieser eine gewisse Dortmund-Müdigkeit förderte. Ich hätte Papa gerne noch ein, zwei Jahre in schwarz-gelb gesehen – so gibt es den natürlich nötigen Umbruch halt früher.

Die andere Meldung aus Dortmund hinterlässt Fragezeichen. Die auf zwei Jahre angelegte Ausleihe von Felix Passlack nach Hoffenheim wurde vorzeitig beendet. Stattdessen spielt das Eigengewächs in der nächsten Saison in der Championship, Englands zweiter Liga, bei Norwich City. Dort soll der Ex-Trainer unserer Zweiten, Daniel Farke, Passlack wohl mehr Spielpraxis verschaffen als die gut 60 Minuten bei der TSG. In der letzten Spielzeit lief es allerdings sehr mittelmäßig für Farkes Canaries.

Trotz meiner Grundsympathie für den englischen Fußball unterhalb der Premier League bleibt die Frage, ob Passlacks Karriere dort wieder Fahrt aufnehmen wird. Sicher scheint das nicht und daher auch nicht, ob Felix noch mal für die Borussia auflaufen wird.

Borussia verliert keine Zeit

Während alle Fußball-Welt noch das tragische Champions League-Finale diskutiert, kommt Borussia Dortmund an diesem Montag mal gleich mit drei nicht uninteressanten Neuigkeiten um die Ecke. Nicht alle davon sind schon von Vereinsseite bestätigt. So sollen der BVB und der FC Arsenal nur noch drei Millionen Euro auseinanderliegen – im Poker um die Ablöse für Sokratis. 15 Millionen hätten die Londoner geboten, 18 würde Dortmund gerne haben, schreibt der „Kicker“.

So viel dürfte feststehen: ‚Papa‘ will weg. In diesem Jahr wird der griechische Innenverteidiger 30 und wenn man da noch Premier League spielen kann… Aber es könnte mehr dahinter stecken. So gehörte auch Sokratis zu den Schwarz-Gelben, die durchklingen ließen, dass sie der Busanschlag stark belastet (hat). Unstrittig ist, dass Papa keine besonders gute Saison gespielt hat. Sie war sicher nicht abgrundtief schlecht. Aber Papas Spiel ist unsauberer geworden, er selbst wehleidiger. Bei mir persönlich ist der starke Eindruck der Vorjahre aber noch nicht vergessen. Ich halte es auch für gewagt, Ömer Toprak höher einzustufen als Sokratis. Wenn Letzterer geht, sollten die Verantwortlichen auf dieser Position noch etwas tun.

Mindestens genauso spannend: Der erste richtig neue Feldspieler ist da. Marius Wolf kommt von Eintracht Frankfurt und unterschrieb einen Vertrag bis 2023. Die festgeschriebene Ablösesumme: fünf Millionen Euro. Sieht nach einem Schnäppchen aus – und schon rein äußerlich nach einem dieser Mentalitätsmonster, die wir jetzt haben wollen.

„Wolf ist sowohl auf den offensiven Außenbahnen einsetzbar, kann aber auch im Mittelfeldzentrum spielen und gegebenenfalls auch als Rechtsverteidiger einspringen“, so der „Kicker“. Kommt da der neue Kevin Großkreutz? Oder doch Rode 2.0? Jedenfalls kann Wolf nicht nur dazwischen hauen, sondern auch anders: fünf Tore und neun Assists waren es in 2017/18. Zu den gegebenen Konditionen gibt es da wenig zu überlegen, selbst wenn Marius nicht gleich Stammspieler werden sollte.

Und Nachricht Nummer 3? Die ist zwar ebenfalls noch nicht bestätigt, aber der „Kicker“ ist sich nun auch sicher, dass Edin Terzic der neue Co-Trainer beim BVB wird. Also wie vermutet. Und beim Chef hatte das Sportmagazin schließlich auch Recht.

Das war der Deadline Day in Dortmund

(Updated) Nach diesem Deadline Day ist der Nimbus der ruhigen BVB-Hand endgültig weg: Vier Transfers haben Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke am letzten Tag der Transferphase oder kurz davor klar gemacht. Hier sind alle der Reihe nach.

Endgültig durch war als erstes der Wechsel von Marc Bartra zu Real Betis aus Sevilla. Der Kicker berichtet von einer Ablöse von gut zehn Millionen Euro. Viele warme Worte begleiteten diesen Transfer und ich nehme allen Beteiligten ab, dass sie ernst gemeint sind. Weder der Borussia noch Bartra kann man vorwerfen, dass es so gekommen ist. Die Schuld trägt Sergej W., der Bus-Attentäter. Von ihm wurde Marc physisch und psychisch aus der Bahn geworfen. Ob es für ihn in schwarz-gelb noch mal aufwärts hätte gehen können, bleibt Spekulation. Leider konnte der BVB gerade in seiner jetzigen Situation nicht darauf warten.

Heute erfolgte auch die Bestätigung der Verpflichtung von Sergio Gómez durch den Verein. Der ist sicher ein vielversprechendes Talent. Trotzdem nehme ich nichts von dem zurück, was ich vorgestern dazu geschrieben habe. Außer dem Namen: Denn der Zugang vom FC Barcelona heißt natürlich Gómez wie Mario, und nicht Lopez.

Die großen Deals kamen mittags und am späten Nachmittag. Pierre-Emerick Aubameyang ist wie erwartet zum FC Arsenal gewechselt. Und zwar, das ist in diesem Fall genau bekannt, für 63,75 Millionen Euro. Das mag in Zeiten von Neymar und Dembelé etwas unter seinem Marktwert liegen, aber Auba ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Angesichts der jetzigen Situation kann Borussia Dortmund damit finanziell gut leben. „PEA“ hat in seinem Abschiedspost dann auch recht klar eingeräumt, dass sein Verhalten zuletzt mit seinem Wechselwunsch zu tun hatte. Ob er sich damit irgendwo Freunde gemacht hat? Weiterlesen „Das war der Deadline Day in Dortmund“

Pokal, scharf gewürzt

Er mag der älteste Pokalwettbewerb der Welt sein, doch über die Bedeutung des englischen FA-Cups wird wie bei seinen Pendants in anderen Ländern diskutiert. Derzeit dürfte der DFB-Pokal hierzulande national einen höheren Stellenwert haben als der FA-Cup im Mutterland des Fußballs – zumindest in den ersten Runden. In jedem Fall gehen die Meinungen in England deutlich auseinander, bei Fans und Vereinsverantwortlichen.

Die großen Vereine, die womöglich noch international unterwegs sind, aber auch abstiegsgefährdete Klubs tendieren dazu, den Pokal als deutlich zweitrangig zu betrachten. Andererseits ist der Wettbewerb besonders attraktiv für Vereine in ruhigen Tabellengefilden, die lange keine Trophäe mehr gewonnen haben. Im Vergleich mit Deutschland nicht zu vergessen: In England wird auch noch der League Cup über mehrere Runden ausgespielt und bei uns droht das Titelrennen in der Liga immer mehr zu veröden, so dass der Pokal vergleichsweise spannend erscheint.

Doch die Magie des FA-Cups ist keineswegs verschwunden. Zum einen kann man das Gesagte insofern positiv sehen, dass die, sagen wir, lockere Herangehensweise mancher höherklassiger Vereine an den Wettbewerb die Chancen auf einen ‚Cupset‘ – den Sieg eines Davids – erhöht. Und darüber hinaus bietet der Cup immer die Möglichkeit prickelnder Duelle, die sonst aufgrund der Ligazugehörigkeit der Kontrahenten nicht möglich sind.

Die vorgestern erfolgte Auslosung des Viertelfinales hat es dabei besonders in sich, auch wenn aufgrund der Wetterkapriolen noch nicht alle Achtelfinal-Begegnungen ausgetragen werden konnten. Dem FC Arsenal gelang im eigenen Stadion die Revanche für die deftige Premier League-Niederlage in der Woche zuvor beim FC Liverpool. Damit verhinderten die Gunners ein Duell der Stadtrivalen zwischen den Reds und dem FC Everton. Nun muss Roberto Martinez‘ Team im Emirates Stadium antreten, aber auch das dürfte eine packende Begegnung zweier spielstarker Mannschaften werden. Weiterlesen „Pokal, scharf gewürzt“

Arsenals Rache

Champions League, 4. Spieltag / BVB 0 FC Arsenal 1

Die Gunners haben nach der Heimpleite gegen die Schwarz-Gelben in London den Spieß umgedreht und ihrerseits dank eiskalter Effektivität 1:0 im Westfalenstadion gewonnen. Der einzige Trost nach einem bitteren Abend: Dank der Auswärtstorregel hat der BVB den direkten Vergleich für sich entschieden. Und das könnte in der ebenso schweren wie engen Gruppe noch wichtig werden.

15:4 Torschüsse standen am Ende für die Gastgeber zu Buche – trotz Phasen, in denen der Ball bei Arsenal deutlich besser durch die Reihen lief, hätte die Borussia eigentlich sogar mehr als einen Punkt verdient gehabt. Wie zu erwarten agierten die Gäste zunächst deutlich defensiver als im eigenen Stadion, erarbeiteten sich zwar nach und nach ein Plus an Ballbesitz, was sie jedoch nicht in ernstzunehmende Angriffe umsetzten. Dafür sorgte in der ersten Hälfte auch ein präsenter und kompromissloser Sven Bender und die wache Dortmunder Innenverteidigung, die aus Subotic und Sokratis bestand. Den beiden unterliefen nur beim einzigen Treffer der Partie ernste Fehler, doch Spekulationen, was Mats Hummels hätte ausrichten können, wäre er einsatzfähig gewesen, lassen sich nicht vermeiden.

Der BVB hatte seine Chancen: Subotic zielte knapp daneben, Mkhitaryan hatte aus etwa 15 Metern sogar etwas Zeit, schoss aber ebenfalls links vorbei. Einen Kopfball von Marco Reus musste Torwart Szczesny parieren; in einer anderen Szene schaffte es der frei stehende Dortmunder Mittelfeldspieler nach einer Hereingabe unerklärlicherweise nicht, den Ball in Richtung Tor zu lenken. Abspielfehler gab es auf beiden Seiten; zudem war die Defensivarbeit der Londoner alles in allem überzeugend.

Es war kein überragendes Spiel, aber es gab einige Kombinationen zum Genießen – durchaus auch auf Dortmunder Seite. Dass Arsenal der Siegtreffer gelang, war auch einer Fehlerkette der Schwarz-Gelben zuzuschreiben. Sokratis verlor den Ball im Aufbauspiel, Schmelzer konnte eine Özil-Flanke nicht verhindern, Subotic und Weidenfeller wirkten zentral erneut zu unkoordiniert im Zusammenspiel. Nach der Führung hatte Arsenal eine weitere Großchance, die Weidenfeller vereiteln konnte. Dennoch war erstaunlich, was sky-Kommentator Marcel Reif – kompetenzbefreit wie nie – von sich gab: Dortmund habe vor dem Tor gerade in die zweite Halbzeit gefunden gehabt – in Wahrheit hatten sie dominiert. Und Arsenal habe sich die Führung mit jener zweiten Chance bereits verdient.

Aber das sind Nebensächlichkeiten. Reif ist ebensowenig verantwortlich für die Niederlage wie der niederländische Schiedsrichter Björn Kuipers. Der hätte zwar in der Nachspielzeit eindeutig Elfmeter für die Borussia geben müssen, als Mertesacker Lewandowski umriss. Aber gut zehn Minuten zuvor war Roman Weidenfeller bei einer Abwehraktion auch in Koscielny hineingesprungen. Auch der mögliche Platzverweis gegen Arsenals Arteta war angesichts des harmlosen letzten Fouls nicht zwingend.

Letztlich lag die Niederlage an der mangelnden Chancenverwertung auf der einen und der Effektivität auf der anderen Seite. Allzu große Vorwürfe kann man der Mannschaft ohnehin nicht machen. Dass diese Gruppe schwer werden würde, war klar. Natürlich ist es bitter, dass die Blauen in ihrer Gruppe trotz ihrer Leistungen immer noch besser da stehen – doch das Losverfahren folgt ja transparenten Kriterien. Die entscheidende Phase folgt jetzt: Mit einem Sieg gegen Neapel zu Hause hätte man alles weiter selbst in der Hand, wenn auch gegen die Italiener der direkte Vergleich gewonnen wird – dazu reicht schon ein 1:0.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Sokratis, Schmelzer – Bender (75. Hofmann), Sahin – Blaszczykowski (74. Aubameyang), Mkhitaryan, Reus (86. Schieber) – Lewandowski. Gelbe Karte: Lewandowski

 

BVB gegen alte Bekannte und die große Unbekannte

Zunächst sah es wie eine Wunschauslosung aus, doch am Schluss erwischte Borussia Dortmund noch einen dicken Brocken. Oder? Klar ist, dass die Schwarz-Gelben in der Vorrunde der Champions League auf den FC Arsenal, Olympique Marseille und den SSC Neapel treffen. Den Reiz der Gruppe macht dabei aus, dass man die Leistungsfähigkeit der Gegner noch nicht wirklich einschätzen kann.

Reizvoll ist mit Sicherheit, unter deutlich veränderten Vorzeichen erneut auf Arsenal und Marseille zu treffen und die Gelegenheit zur Revanche für das Ausscheiden vorletztes Jahr zu bekommen. Olympique steht in der Ligue 1 2013/14 im Schatten der Vereine mit den großen – nennen wir sie UEFA-konform Sponsoren: PSG und AS Monaco. Was noch nicht automatisch gegen eine erfolgreiche CL-Kampagne spricht.

Der FC Arsenal sieht derzeit noch etwas nach ‚work in progress‘ aus. Heute hat Arsene Wenger Mittelfeldspieler Mathieu Flamini zurückgeholt, dessen Vertrag beim AC Mailand nicht verlängert worden war – neben dem jungen Stürmer Yaya Sanogo von Auxerre bisher der einzige Neuzugang. Doch wer das häufig hektische Ende der Transferphase in England schon mal mitverfolgt hat, weiß, dass da bis Ende des Monats noch was passieren kann. Lukas Podolski ist unterdessen verletzt – gut möglich, dass er dem BVB deshalb in dieser Saison nicht gegenüberstehen wird, jedenfalls nicht für seinen jetzigen Klub.

Und dann ist da noch Neapel. Hat die Borussia überhaupt schon mal in einem Pflichtspiel gegen den SSC gespielt? Jedenfalls ist kaum vorherzusagen, wie sich das Team mit dem neuen Trainer Rafael Benitez und mehreren interessanten Neuzugängen in der Champions League präsentieren wird. Das Geld für die Transfers stammt vor allem aus dem Mega-Deal von Stürmerstar Cavani, der für über 60 Millionen Euro zu PSG wechselte.

Ich schließe mich dann mal Jürgen Klopp an, der die Gruppe F so sieht:

Das ist eine geniale, ausgeglichene Gruppe mit vier Mannschaften, die allesamt das Zeug haben, die Gruppenphase zu überstehen. (…) Das wird sehr, sehr spannend.

Champions League: BVB gegen die Donbass-Brasilianer

Mit Losglück braucht Borussia Dortmund in der Champions League offensichtlich nicht zu rechnen. Bei der Ziehung der Achtelfinalpartien loste der ehemalige englische Nationalspieler Steve McManaman den BVB dem ukrainischen Tabellenführer Shakhtar Donezk zu. Während die lange Anreise und das Ziel selbst vor allem für die Fans unangenehm sein dürften, ist der Gegner auch sportlich kein Wunschlos. In der heimischen Liga haben die Kicker aus der Donbass-Region (dt. Donezbecken) einen komfortablen Vorsprung von 13 Punkten vor Dnipropetrovsk. In der Champions League verspielten sie erst am letzten Spieltag im direkten Duell gegen Juventus den Gruppensieg.

Milliardär Rinat Achmetow führt den Verein seit 1996 als Präsident. In den letzten Jahren haben er und seine Leute eine Mannschaft zusammengebaut, die aus einer größtenteils ukrainischen Defensive und einer größtenteils brasilianischen Offensive besteht. Zu den bekanntesten Namen gehören die Mittelfeldspieler Fernandinho und Willian, Kapitän Darijo Srna oder der Ex-Arsenal-Spieler Eduardo. Und natürlich der ganz besondere Sympathieträger, Stürmer Luiz Adriano, der in dieser CL-Saison gegen Nordsjaelland nach einem Schiedsrichterball ein Tor erzielte.

So richtig Lust, gegen diesen Klub zu spielen, hat man erst mal nicht. Aber das wird kommen. Sportlich ist der Vergleich an und für sich reizvoll: die Stärke der Aufsteiger aus Osteuropa ist erst richtig einzuschätzen, wenn man mal gegen sie gespielt hat. Und an Juventus ist Shakhtar letztlich auch nicht vorbei gekommen.

Die anderen deutschen Vereine haben vermeintlich leichtere Lose bekommen. Der FC Schalke trifft auf Galatasaray und der FC Bayern auf Arsenal. Bei ersterem Spiel dürfte es wohl von der Tagesform der Blauen, bei letzterem von der von Arsenal abhängen, wie schwer es die Bundesliga-Vertreter haben werden. Highlight des Achtelfinales ist jedoch die Partie Real Madrid v Manchester United.

Vertraue niemandem bevor die Uhr zwölfmal geschlagen hat

Der letzte Tag der Transferperioden im europäischen Fußball ist gewöhnlich voll von überraschenden Wendungen. In diesem Jahr spielte auch Borussia Dortmund eine größere Rolle bei den Spekulationen – jedoch nur mögliche Abgänge betreffend. Hier nun die Chronik der letzten 24 Stunden und was dabei herausgekommen ist.

Gestern Abend berichtete AGW vom Interesse des FC Fulham an Lucas Barrios. Dieser Wechsel scheiterte vermutlich an der Ablöseforderung der Borussia. Zehn Millionen Euro waren die Londoner nicht bereit zu zahlen (die inzwischen Pawel Pogrebnyak vom VfB verpflichtet haben). Dementsprechend verlautete heute Morgen, Barrios‘ Berater habe gesagt, sein Klient bliebe bis Saisonende in Dortmund. Am Nachmittag kamen neue, weniger glaubwürdige, wenn auch nicht überraschende Gerüchte auf: Last-Minute-König Felix Magath habe Interesse an einer Verpflichtung des Torjägers. Zwar hätte der VWL Wolfsburg sicher die Mittel gehabt, auch mehr als zehn Millionen zu zahlen, doch die Neigung bei Michael Zorc und Jürgen Klopp, Barrios innerhalb der Liga wechseln zu lassen, dürfte gering gewesen sein.

Endgültig geklärt war die Geschichte, als gleich zwei Stürmerwechsel bekannt wurden. Damien Le Tallec wechselt nach einer letztendlich fruchtlosen Zeit in Dortmund in die zweite französische Liga zum Traditionsklub FC Nantes. Der junge Franzose wurde durch eine Schulterverletzung in seiner Entwicklung zurückgeworfen, bekam allerdings auch nie eine echte Chance in schwarz-gelb. Er war eine der Verpflichtungen, die man schon damals für nicht zwingend hielt und die sich nun als halbgar herausgestellt haben, da Damien immer zwischen erster und zweiter Mannschaft stand. Aber es kann ja nicht alles funktionieren.

Für mehr Aufsehen sorgte der zweite Wechsel. Mohamed Zidan kehrt zu seinem Ex-Verein FSV Mainz 05 zurück. Er unterschreibt dort bis Saisonende, mit Option auf zwei weitere Jahre. Dieser Transfer stand schon in den letzten Tagen im Raum – jedoch nur für den Fall, dass Barrios in Dortmund bliebe. Der Südamerikaner schien in dieser Konstellation der entscheidende Faktor zu sein. Über die Ablöse für Zidan, der noch bis Saisonende beim BVB unter Vertrag stand, wurde zunächst nichts bekannt.

‚Mo‘ Zidan hatte seine Momente in schwarz-gelb. Ich verweise immer gerne auf dieses Spiel oder auf dieses. Der Kreuzbandriss nahm ihm vermutlich die letzte Chance, sich auf lange Sicht in der Startelf zu etablieren. Es ist Mohamed hoch anzurechnen, dass er sich entgegen seines Rufs in Dortmund weitestgehend tadellos verhielt. In Mainz dürfte er ein Umfeld finden, das ihn ähnlich willkommen heißt und ihm ähnlich gut liegt wie das Dortmunder. Alles Gute und viel Erfolg bei euren neuen Vereinen, Mohamed und Damien!

Zidan und Le Tallec weg, Barrios bleibt. Nach jetzigem Stand nur bis zum Saisonende. Für die Rückserie hat die Borussia damit einen Topstürmer auf der Ersatzbank, der sich für zukünftige Vereine empfehlen will – eine gute Konstellation. Sollte wider Erwarten dennoch ein Stürmer-Engpass eintreten, hätte Jürgen Klopp immer noch die Möglichkeit, einen Spieler aus der zweiten Mannschaft, wie etwa Terence Boyd, einzusetzen. Flankiert von den anderen torgefährlichen Offensivspielern wie Kagawa, Großkreutz oder Götze – es gibt schlimmere Szenarien. Im Notfall wären auch Kagawa oder Perisic im Sturm denkbar.

Kleinere Wechsel gab es auch noch. Schon vor einigen Tagen wechselte Innenverteidiger Marc Hornschuh auf Leihbasis zum FC Ingolstadt. Bleiben die Bayern in der zweiten Liga, wird er auch nächste Saison dort spielen. Heute hat außerdem der FC Arsenal für rund 450.000 Euro den 19-jährigen Thomas Eisfeld verpflichtet. Der war offensiver Mittelfeldspieler im Nachwuchsbereich des BVB, sein Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen. Doch wohl kein zweiter Marco Reus?

(Quellen: Spox, Kicker, BBC Sport)

Noch auf der Waage

Champions League, 5. Spieltag / FC Arsenal 2 BVB 1

Jeder, der sich intensiver mit Fußball im allgemeinen und Borussia Dortmund im speziellen beschäftigt, konnte es gestern in der 48. Spielminute ahnen. Ich war sicher nicht der Einzige, den eine dunkle Vorahnung beschlich, als die Schwarz-Gelben kurz nach der Pause zwei hochkarätige Chancen nicht nutzten. In der Champions League, bei diesem Gegner und dieser Personallage. Nur eine Minute später wurden sie von Alex Song und Robin van Persie bestraft.

Das Wunder von London blieb aus. Aufgrund des Auswärtssiegs von Olympiakos Piräus, der bei einem eigenen Sieg natürlich positiv gewesen wäre, hat die Borussia selbst für das Erreichen von Platz 3 keine guten Karten mehr. Wie es im Detail zum 1:2 kam, wird von vielen Medien und Fans anderer Vereine übergangen werden – hier natürlich nicht. Die Borussia spielte in den ersten 20 Minuten sehr ordentlich, ohne Respekt und bestimmte die Partie. Nicht ohne das Augenmerk auch auf die Defensive zu legen. Hochkarätige Gelegenheiten waren jedoch vor allem deshalb selten, weil sich die Arsenal-Defensive inzwischen eingespielt zu haben scheint. Über weite Strecken standen Mertesacker und Kollegen sicher. Lewandowskis Versuch aus 20 Metern war bezeichnenderweise die beste BVB-Chance in der ersten Hälfte und hätte fast gepasst.

Gegen ein wiedererstarktes Spitzenteam wie die Gunners kann man Verletzungen von zwei der wichtigsten Spieler nicht so gut gebrauchen. Es passt wiederum zu dieser Champions League-Kampagne, dass den BVB dieses Schicksal ausgerechnet im Alles-oder-nichts-Spiel früh ereilte. Sven Bender wurde von Vermaelen im Zweikampf unabsichtlich mit dem Fuß im Gesicht getroffen und erlitt einen doppelten Kieferbruch. Er wird mehrere Wochen ausfallen. Gute Besserung, Manni! Schon einige Minuten zuvor war Mario Götze auf einen Gegenspieler aufgelaufen und musste sich mehrmals am Oberschenkel behandeln lassen, ehe entschieden wurde, dass auch er raus müsse. Bei ihm besteht Hoffnung auf einen Einsatz im Derby.

Für die beiden Schlüsselspieler wurden Moritz Leitner und Ivan Perisic eingewechselt. Beide sind Spieler, von denen wir in dieser Saison schon richtig gute Leistungen gesehen haben. Beide müssen jedoch noch an Zweikampfstärke und Defensivverhalten allgemein arbeiten. Durch die Änderungen ging die Balance im Spiel der Borussia verloren. Arsenal gewann an Spielanteilen und stand im Mittelfeld besser, fing Angriffe der Schwarz-Gelben schon früh ab. Allerdings verteidigte der BVB vorerst weiter sehr gut, so dass bis zur Pause eine Pattsituation entstand, die der ersten Hälfte in München ähnelte. Robin van Persie meldete sich allerdings in der 44. Minute erstmals zum Dienst, als er Santana versetzte und allein auf Weidenfeller zulief. Dieser kam aber im richtigen Moment aus dem Kasten und klärte hervorragend, ohne Foul zu spielen. Weiterlesen „Noch auf der Waage“

Der perfekte Schuss

Champions League, 1. Spieltag / BVB 1 Arsenal 1

Ein Muster schien sich zu wiederholen: Das der letzten Europa League-Kampagne des BVB. Die Borussia hatte am Dienstag gegen Arsenal ein sehr ordentliches und in der ersten Halbzeit sehr gutes Spiel abgeliefert. Leider wurden mehrere Torchancen nicht genutzt und ein einziger dummer Fehler bestraft. In der zweiten Hälfte rannte man gegen ein Abwehrbollwerk an, das man den Londonern gar nicht zugetraut hatte. Kommentator Marcel Reif begann auf „Sky“ schon nach 65 Minuten zu unken, den Borussen fehle der Glaube, sie seien sogar von der Pleite gegen Hertha BSC angeknackst. Mit Ivan Perisic war es nach 88 Minuten nicht mal ein unwahrscheinlicher Held, der Reif und alle anderen Kritiker Lügen strafte. Seine Torgefährlichkeit hatte der Neuzugang schon öfter angedeutet. Passend zur Champions League-Rückkehr traf er mit einem traumhaften Bilderbuchschuss in den Winkel.

Es war nicht überraschend, dass das Auftreten der Schwarz-Gelben völlig anders war als an gleicher Stelle gegen die Berliner. Das mag am Anlass gelegen haben, aber sicher auch an der offensiven Ausrichtung des Gegners. Früher als erwartet griff Jürgen Klopp daher auf eine Option zurück, die wir hier Anfang der Woche in den Kommentaren diskutiert haben. Es war sinnvoll, in diesem Spiel hinter einem wie üblich dreifach besetzten offensiven Mittelfeld mit Sven Bender UND Sebastian Kehl zwei defensiv ausgerichtete Spieler aufzubieten. Sicher, der erfahrene Kapitän der Borussia spielte in der 42. Minute den Fehlpass, der zum 0:1 führte und auch sonst noch ein paar wacklige Pässe. Andererseits war es stark, wie sich van Persie den ‚Fehlpass‘ ergrätschte und schnell zu Gervinho weiterleitete. Und bei Kehl gab es auch Licht: Viele Balleroberungen im Mittelfeld und einige durchaus gelungene Weitergaben.

Dafür, dass die Borussia die Partie über weite Strecken bestimmte und schon in der ersten Viertelstunde drei dicke Chancen hatte, war auch die Dominanz im Mittelfeld verantwortlich. Ein zweikampfstarker und lauffreudiger Sven Bender sowie ein lebendiger und deutlich verbesserter Shinji Kagawa besetzten die zentralen Positionen. Und auf rechts wirbelte bei der CL-Rückkehr der Rückkehrer Mario Götze. Der krönte eine grandiose erste Halbzeit mit der tollen Vorlage für Robert Lewandowski, der bei seiner folgenden Riesenchance in der 12. Minute eigentlich gar nichts falsch machte, sondern den erneut starken Keeper Szczesny umkurvte und mustergültig eingeschoben hätte, wenn nicht Sagna stark auf der Linie geklärt hätte. Wäre Robert in der 90. Minute erneut schneller als der Torwart gewesen, würden manche möglicherweise noch jetzt die Nachwirkungen der Feier spüren.

Arsenal stand ab Mitte der ersten Halbzeit und erst recht nach dem Führungstor hinten sicherer. In der zweiten Hälfte wirkten die Schwarz-Gelben lange ideenlos, was aber auch an der ungewohnt defensiven Ausrichtung der Gäste lag. Es war erstaunlich destruktiv, was die Gunners zeigten. Man merkte, dass das neu zusammengestellte Mittelfeld – mit Arteta zentral und Benayoun auf der ’10‘ – im Offensiv- und Aufbauspiel noch nicht richtig harmonierte. Lange Zeit schien die Verteidigung der Führung ausreichend zu sein – bis Perisic kam und das Engagement und der Glaube der Schwarz-Gelben belohnt wurden. Der Mann, der in der Champions League seine Lieblingsnummer 44 tragen darf, hat sich damit nachdrücklich für die Startelf in Hannover empfohlen. Sein Konkurrent Kevin Großkreutz tat das trotz eines ordentlichen Torschusses nicht. Er schlug zu oft ideenlose bzw. unpräzise Flanken, die bei Szczesny landeten und baute bis zu seiner Auswechslung in der 69. Minute spürbar ab.

Ein Tor kurz vor Schluss gegen den FC Arsenal, bei der Rückkehr in den wichtigsten internationalen Club-Wettbewerb – das fühlt sich mehr wie ein Sieg als ein Remis an. Vor allem die Fans im Stadion und ganz besonders die Urheber der großartigen Königsklassen-Choreo hatten sich diesen Höhepunkt verdient. Natürlich gibt es jedoch keinen Grund zum Zurücklehnen. In der Bundesliga sowieso nicht und in der Champions League heißt es in zwei Wochen in Marseille „Verlieren verboten“, denn durch den Auswärtssieg der Franzosen vorgestern hätten diese bei einem Heimsieg über die Schwarz-Gelben schon fünf Punkte Vorsprung. Aber ob Champions League, Pokal oder Bundesliga – nach so einem Spiel wie am Dienstag hat man einfach noch viel mehr Lust auf Fußball als ohnehin schon. Bitter für die Partie in Hannover ist jedoch, dass neben dem gesperrten Kehl auch Sven Bender wegen eines kleinen Muskelfaserrisses pausieren muss.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (7), Subotic (7), Hummels (7), Schmelzer (6) – Bender (8), Kehl (6) (69. Kuba) – Götze (8), Kagawa (7) (85. Zidan), Großkreutz (5) (69. Perisic – 8) – Lewandowski (7). Gelbe Karten: Bender, Schmelzer. Tor: Perisic.

(Kleine Neuerung: Ich finde es immer schade, manche Spieler im Text zu erwähnen und andere nicht. Schließlich geht es hier um einen Mannschaftssport. Alle zu erwähnen wäre aber zu viel und zu ermüdend. Deshalb soll zumindest jeder eine Einschätzung bekommen. Mit Hilfe von – Achtung, origineller Einfall – Noten. Immerhin werde ich keine Schulnoten vergeben, sondern wie in meinen Hin- und Rückrundenbewertungen Punkte von 1 bis 10. Oben erstmals zu besichtigen.)