Die Borussia vor dem Start

Lange Zeit wurde dieser heiße Sommer in Sachen Fußball von den Nachwehen der WM bestimmt. Inzwischen wird wieder über anderes gesprochen. Spätestens ab Montagabend auch wieder über den BVB – hoffentlich aus den richtigen Gründen.

In der laufenden 1. Runde des DFB-Pokals hat es schließlich schon mehrere Überraschungen gegeben. Titelverteidiger Frankfurt scheiterte beim Viertligisten Ulm, der VfB beim Drittligisten Hansa Rostock. Der FC Bayern erzielte beim Regionalligisten Drochtersen nur ein Tor. Und Borussia Dortmund muss morgen Abend beim nominell schwerstmöglichen Gegner, dem Zweitligafünfzehnten der Vorsaison, antreten. Nach zwei Spieltagen der aktuellen Saison steht Greuther Fürth sogar mit vier Punkten auf dem dritten Tabellenplatz.

Ehrlicherweise muss man als Schwarz-Gelber ohnehin zugeben, dass man vor der Saison 2018/19 noch so gar nicht sagen kann, wohin die Reise geht. Ein neuer Trainer, eine Reihe von neuen Spielern, ein großer Kader, noch kein Mittelstürmer – das sind alles schwer einzuschätzende Faktoren. Der BVB ist die sprichwörtliche Gleichung mit vielen Unbekannten. Wie weit ist beispielsweise die Abwehr? Glaubt man jüngsten Berichten, hat sich Lucien Favre für eine junge, frische Innenverteidigung aus Abdou Diallo und Manuel Akanji entschieden. Außen sollen dagegen die BVB-Veteranen Schmelzer und der neue Vize-Kapitän Lukasz Piszczek die Seiten dicht machen – was in der letzten Spielzeit nur gelegentlich funktioniert hat. Im Tor bleibt Roman Bürki, der nicht über jeden Zweifel erhaben ist, aber natürlich in der letzten Saison von manchen viel zu heftig kritisiert wurde.

Weniger Fragezeichen bleiben bei der Qualität des zentralen Mittelfelds. Thomas Delaney und Axel Witsel sind allem Anschein nach Transfers, die der Borussia direkt weiterhelfen können. Die ‚Unbekannten‘ sind hier eher diejenigen, die nicht spielen oder im Kader stehen werden. Bei der Stürmerfrage gibt sich der BVB entspannt. Natürlich wird hinter den Kulissen geschaut was machbar ist. Sollte noch jemand für ganz vorne kommen, könnte das die Einsatzzeit von beispielsweise Maximilian Philipp stark einschränken – was schade wäre. Doch braucht man nicht doch eine stärkere Nummer 9 als Alexander Isak? Das bleibt vorerst unbekannt. Auch das Pokalspiel wird hierbei noch keinen Aufschluss geben.

Fraglich bei den Gastgebern ist für morgen Kapitän Marco Caligiuri, ein nicht unbekannter, erfahrener Abwehrmann. Sein Fehlen könnte die Aufgabe im ausverkauften Sportpark Ronhof etwas erleichtern. Schauen wir mal, wie lang die Borussen brauchen, um Licht ins Dunkel zu bringen.

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Ein passendes Saisonfinale

1. Bundesliga, 34. Spieltag / TSG Hoffenheim 3 BVB 1

Der letzte Spieltag ist vorbei und kein Schwarz-Gelber wird sich in fünf oder zehn Jahren gerne an diese Saison zurückerinnern. Es fällt einem auch schlicht kein Grund dafür ein, trotz starkem Auftakt, trotz dem Spiel gegen Leverkusen. Aber für das Selbstverständnis der Borussia war das alles zu wenig, und zwar spielerisch wie kämpferisch. Diesen Anschein hatten zu viele Auftritte des BVB und nur das Äußerliche kann man objektiv beurteilen.

Als hätte es noch eines Beweises bedurft, verlor die Borussia verdient in Sinsheim, wurde von der Nagelsmann-Truppe noch überholt und schleppte sich nur in die Champions League, weil Leverkusens Aufholjagd gegen Hannover irgendwann ins Stocken geriet. Selbst wenn es zählte – oder gerade dann – konnten die schwarz-gelben Jungs 2017/18 oft nicht ihr Leistungsvermögen abrufen.

Fehlerkette beginnt bei Stöger

Nach dieser Partie dürfte es noch einmal deutlich weniger Befürworter einer Weiterbeschäftigung des grundsätzlich sympathischen Peter Stöger geben als zuvor. Die Aufstellung wirkte wie der Höhepunkt eines hilflosen Rumtüftelns an der Startelf – dabei schien der Trainer in dieser Hinsicht schon weiter zu sein. Aber was ritt ihn, es mit einer Dreierkette inklusive Akanji als einzigem echten Innenverteidiger und Marcel Schmelzer zu versuchen? Warum stellte er mit Sahin und Weigl gleich zwei über die Saison hinweg eher enttäuschende Akteure in die Startelf? Und warum um alles in der Welt spielte André Schürrle und nicht Maximilian Philipp? Weiterlesen „Ein passendes Saisonfinale“

Lasst es uns Ergebniskrise nennen!

Champions League, 4. Spieltag / BVB 1 Apoel Nikosia 1

Rein ergebnistechnisch ist das 1:1 im Heimspiel gegen Nikosia der Höhepunkt der neuen Tristesse, die Borussia Dortmund erfasst hat. Gleichzeitig lieferte es aber weniger Anhaltspunkte als zuletzt, um gleich von einer vom Trainer verursachten Systemkrise zu sprechen. Das Problem: Was die Borussia hinten falsch macht, bügelt sie vorne nicht mehr aus.

Zeit für eine stabile Abwehrformation

Man kann das wegen seiner Offensichtlichkeit banal nennen. Gemeint ist aber neben der Notwendigkeit, Fehler abzustellen noch etwas anderes. Peter Bosz sollte gerade in solch wackeligen Phasen die Abwehrspieler auf ihren stärksten Positionen einsetzen. Es wird Zeit, dass Marc Bartra in die Innenverteidigung zurückkehrt. Er hatte ohne Zweifel ein paar gute Momente außen und mit mehr offensiven Freiheiten. Doch seine Stärken kommen innen genauso zur Geltung und seine Schwächen weniger. Ömer Toprak spielte auch gestern nicht grottig, war aber wie Bartra am Gegentor beteiligt. Der Unterschied: Marc hatte bei seinem Ballverlust fernab seiner eigentlichen Position auch noch Pech, da der Ball unglücklich versprang.

Wer sollte an seiner Stelle außen spielen? Allzu viele Alternativen gibt es ja nicht. Sokratis wäre eine Möglichkeit, aber ich sähe ihn lieber an der Seite von Bartra innen. Ein weiterer Versuch mit Toljan ist denkbar, aber bitte nicht gegen Bayern. Man könnte sich bei der U23 umschauen. Am erfolgversprechendsten scheint aber, einfach Raphael Guerreiro mal auf rechts zu probieren. Der Mann kann doch fast alles. Weiterlesen „Lasst es uns Ergebniskrise nennen!“

Tuchel macht das Derby spannend

1. Bundesliga, 29. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 2

Von der Spannung her war das heute ein Derby wie in besten Zeiten – letztlich eng, mit Toren und Gesprächsstoff. Ob ihm von Dortmunder Seite die Bedeutung beigemessen wurde, die ihm zustand? Acht Mal Rotation ist schon heftig. Einiges konnte man nachvollziehen – die Pause für Aubameyang, den viel beschäftigten Mkhitaryan, für Schmelle. Ebenso die Einsätze für Pulisic oder Ginter. Aber ein Moritz Leitner, der ohnehin Wochen nicht gespielt hat, im Derby? No way.

Die erste Hälfte deutete an, wie die Partie mit einem BVB in Normalbesetzung wohl geendet hätte. Spielaufbau und -kultur waren bei den Gastgebern kaum erkennbar. Die Härte hatten die Blauen, kaum unterbunden von Schiedsrichter Zwayer, trotz mehrerer Ellbogenchecks. Die Borussia hätte mit einer zupackenderen Herangehensweise plus ein, zwei entscheidenden Pässen das Spiel in dieser Phase womöglich schon entscheiden können.

In der zweiten Halbzeit hatte Schalke zweimal eine Antwort auf Dortmunder Tore parat. Shinjis frechem Lupfer über Fährmann und Ginters Kopfball nach Ecke standen ein Strafraumgewusel-Tor von Sané und ein diskussionswürdiger Elfmeter von Huntelaar gegenüber. Letzterer sammelte wohl übrigens bei keinem Schwarz-Gelben Sympathiepunkte.

Der BVB hatte im Anschluss noch einige Gelegenheiten, auch die Gastgeber spielten munter mit. Doch es bleibt das Gefühl, dass hier deutlich mehr zu holen gewesen wäre. Wie hätte Thomas Tuchel wohl aufgestellt, wenn gestern der VfB triumphiert hätte? Vielleicht ist man aber in einer Woche, in der Jürgen Klopp in Dortmund war, auch nur besonders empfindlich, was die Emotionalität – oder deren Fehlen – rund um ein Derby angeht. Sollte die Rotation heute zum Weiterkommen am Donnerstag führen, wäre ja auch fast alles wieder gut.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Bender, Sokratis, Hummels (46. Mkhitaryan), Durm – Sahin, Leitner (73. Aubameyang) – Pulisic (73. Gündogan), Kagawa – Ramos. Gelbe Karten: Sahin, Sokratis, Durm. Tore: Kagawa, Ginter

BVB vermasselt Rehabilitation

1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 0 Hamburger SV 1

Da muss man nicht drum herumreden: Das war nichts als eine Enttäuschung, vielleicht die größte 2014. Denn trotz allem, was wir in dieser Bundesliga-Saison bereits erlebt haben, war dieses 0:1 nicht zu erwarten. Nicht gegen diesen HSV, eine Truppe von Tretern, Schauspielern, Nicolai Müller und Johan Djourou.

Begeben wir uns also auf die Suche nach der Lösung des Rätsels, wie dieses Heimspiel verloren gehen konnte. Am Anfang steht wie immer die Aufstellung. Jürgen Klopp setzte im Gegensatz zur Champions League auf Durm rechts hinten, Hummels in der Innenverteidigung und Adrian Ramos im Sturm. Diese Entscheidungen sind nachvollziehbar und doch darf man auch an ihnen zweifeln. Der Prämisse „Safety first“ haben sie jedenfalls nicht gedient.

Mats Hummels ist eigentlich ein Klasse-Verteidiger und braucht Spielpraxis. Bei ihm sprach gegen den HSV sicher am wenigsten gegen einen Platz in der Startelf. Lukasz Piszczek vor den Länderspielen eine Pause zu gönnen, war verständlich, aber im nachhinein angesichts seiner vergleichsweise guten Form doch fragwürdig. Erik Durm konnte am Samstag leider keine ähnlichen offensiven Akzente setzen. Adrian Ramos war am Mittwoch Doppel-Torschütze, davor jedoch Fehlpasser im Derby. Letztere Rolle erfüllte er auch vorgestern wieder und war eindeutig der Auslöser des Gegentors, selbst wenn sich dann noch Hummels und Sokratis täuschen ließen. Im Sinne eines risikoärmeren Spiels hätte Ciro Immobile beginnen sollen.

Doch wenn auch der Rest der Mannschaft viel zu oft auf planlos ins Mittelfeld oder hoch nach vorne geschlagene Bälle zurückgreift, können diese zwei Personalien nicht so ausschlaggebend gewesen sein. Stattdessen landen wir dann bei der fehlenden Kreativität. Das Problem wurde dadurch verstärkt, dass Kevin Großkreutz und Pierre-Emerick Aubameyang zwar wie immer ihre Kilometer liefen, aber gänzlich ideen- und glücklos blieben. Da reicht ein Shinji Kagawa allein eben nicht, der in der ersten Hälfte und gegen Ende noch ein paar brauchbare Szenen hatte. Weiterlesen „BVB vermasselt Rehabilitation“

Zu viel Abwechslung?

1. Bundesliga, 6. Spieltag / 1. FC Nürnberg 1 BVB 1

Jürgen Klopp machte am Samstagnachmittag in Nürnberg einiges anders als vergangenen Mittwoch. Er ließ sich auch von einem umstrittenen Gegentor nicht aus der Ruhe bringen und schüttelte nach gut 90 Minuten die Hand des vierten Offiziellen. Und er stellte die Startelf massiv um, ließ Sahin, Mkhitaryan und Lewandowski auf der Bank beginnen – was Stoff für Diskussionen bietet. Unter dem Strich war es die bisher schwächste schwarz-gelbe Woche der Saison, an deren Ende der BVB immerhin knapp die Tabellenführung behauptet.

Die Gedanken hinter der weitreichenden Rotation liegen auf der Hand: Das Trainerteam nimmt das Pokalspiel am Dienstag sehr ernst, denn bei jenem Wettbewerb ist der Titel am realistischsten. Außerdem wurden Spieler mit Einsätzen belohnt, die es sich verdient hatten: Aubameyang, Duksch, Sokratis, Durm. Doch das Ergebnis gibt Klopp Unrecht und auch der Spielverlauf zeigte, dass die Umstellungen zu massiv waren. Die Souveränität im Mittelfeld und das herrliche Kombinationsspiel aus dem HSV-Spiel waren selten zu sehen; die Taktik war eine Art 4-3-3 mit Sven Bender in der zentral defensiven Mittelfeldposition. Auch Kuba und Großkreutz agierten zentraler als gewöhnlich im Mittelfeld – und diese Formation funktionierte schlichtweg weit weniger flüssig als die der letzten Wochen. Kurioserweise machte Kevin Großkreutz dennoch ein gutes Spiel, nur füllte er nicht wirklich die ihm zugedachte Position aus und kehrte in der zweiten Halbzeit bedingt durch Schmelzers Auswechslung nach hinten rechts zurück.

Die flinken Offensivleute Reus und Aubameyang bekamen zu wenig Bälle auf den Fuß oder in den Raum gespielt und Duksch vermochte es weniger als bei seinen bisherigen Auftritten, den mitspielenden Stürmer zu geben. So kam es, dass die Borussen nach ordentlichen ersten Minuten die Dominanz verloren und nahezu auf das spielerische Niveau der Nürnberger sanken, bei denen eigentlich nur Hiroshi Kiyotake hin und wieder Brillanz aufblitzen ließ.

Die Dortmunder Führung fiel nach einem Freistoß – endlich mal wieder. Manchmal braucht es nur einen neuen Schützen. Marcel Schmelzer hätte man diesen perfekt ins rechte Eck geschossenen Freistoß nicht unbedingt zugetraut – umso schöner war er dann. Doch zuvor überhaupt Foul zu pfeifen war genauso ein Fehler wie letzte Woche vor dem Ausgleich des HSV – Kuba hielt sich an seinem Gegenspieler fest und fiel dann ohne nennenswerte Einwirkung desselben. Innerhalb der heutigen Partie wurde die Fehlentscheidung bereits fünf Minuten nach der Pause wieder ausgeglichen, als Nilsson aus Abseitsposition zum 1:1 traf. Ein absichtliches Handspiel war allerdings nicht zweifelsfrei zu erkennen. In der Szene sahen beide Dortmunder Innenverteidiger bei ihren Zweikämpfen im Strafraum etwas unglücklich aus.

Man kann nicht in Abrede stellen, dass die Borussia in der Folge zulegte. Hofmann und Sahin waren bereits zur Pause für die angeschlagenen Reus und Schmelzer gekommen und brachten wieder etwas Leben ins BVB-Spiel. Doch die erspielten Chancen wirkten zufälliger als noch letzte Woche und man stand einem klar suboptimal in die Saison gestarteten Team gegenüber. Kuba und Duksch hatten die Führung auf dem Fuß; gegen letzteren musste Schäfer retten. Jürgen Klopp stellte nach der Einwechslung von Lewandowski in der 65. Minute wieder auf das gewohnte System um. In der Folge dominierten die Schwarz-Gelben zwar die Schlussphase, aber ein Lewandowski-Schuss, eine Aubameyang-Hereingabe und ein Sokratis-Kopfball in Schäfers Arme sind kein Vergleich mit dem, was die Mannschaft letzten Samstag in einer ähnlichen Zeitspanne bot. Nicht zu vergessen: Der eingewechselte Esswein hatte die beste Chance der Schlussphase, als er allein vor Weidenfeller über das Tor zielte – zuvor hatte Subotic sich verladen lassen.

Machen wir einen Strich unter diese Woche. Der erste Punktverlust im sechsten Ligaspiel ist nichts, worüber man meckern kann. Für sich alleine genommen wäre in diesem Spiel mehr drin gewesen. Die Champions League habe ich aus Zeitgründen vernachlässigt; sie ist aber mit den Worten „dumm gelaufen“ ganz gut zusammengefasst. Für die nächsten Partien in allen drei Wettbewerben muss man allerdings drei Siege erwarten dürfen: Ein Ausscheiden im Pokal bei einem Zweitligisten wäre indiskutabel, ein Heimsieg gegen den SC Freiburg in seiner derzeitigen Verfassung ist Pflicht. Und auch in der CL muss man zuhause gegen Marseille drei Punkte holen, wenn die Perspektive in der schweren Gruppe stimmen soll. Vertrauen wir auf die oft bewiesene Lernfähigkeit des BVB!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Durm, Subotic, Sokratis, Schmelzer (46. Sahin) – Blaszczykowski (65. Lewandowski), Bender, Großkreutz – Aubameyang, Reus (46. Hofmann) – Duksch. Gelbe Karten: Reus, Subotic. Tor: Schmelzer

Erfolgreiche Korrekturen

1. Bundesliga, 28. Spieltag / BVB 4 FC Augsburg 2

icon_spielberichtfinalDie Hereinnahme der beiden Topspieler Götze und Lewandowski verhinderte gestern eine hausgemachte Heimniederlage der Borussia. Ob sich Jürgen Klopps gewagter Personal-Poker auszahlt, wird erst am Dienstagabend entschieden.

Ausführlich hatte der Dortmunder Trainer seinen Augsburger Kollegen in der Pressekonferenz vor der Partie gelobt, ihn als „Trainer des Halbjahrs“ bezeichnet (siehe Vorbericht) – am Samstag um 15.30 Uhr standen dennoch sieben neue Spieler in der Startelf der Borussia. Man könnte das mit dem Vertrauen in die Qualität des Kaders rechtfertigen; man kann sagen, Weidenfeller habe Rücken und Reus eine Bauchmuskelzerrung gehabt – so richtig korrespondiert die Notwendigkeit der Umstellungen trotzdem nicht mit dem behaupteten Respekt vor dem Gegner.

Zugegeben, auch ich gönnte den meisten der in die Startelf Gerutschten ihre Chance und als das Spiel begann, hoffte ich, dass es so klappen könnte. Mit Julian Schiebers Tor in der 22. Minute schien sich das zu bestätigen. Beteiligt waren zwei weitere neu in die Mannschaft Gekommene: Moritz Leitner war mit dem Ball über halbrechts in den Strafraum gerannt und hatte dann quergelegt; zentral verlängerte Leonardo Bittencourt irgendwie mit der Hacke zu Schieber.

Tatsache ist aber auch, dass die besten weiteren BVB-Chancen der ersten Hälfte aus Standards hervorgingen und das Aufbau- und Offensivspiel einiges zu wünschen übrig ließ. Mehrere Bälle wurden unbedrängt ins Aus gespielt, kombiniert wurde vergleichsweise wenig. Lange Zeit hatten die Schwarz-Gelben den Gegner im Griff, sie versäumten es aber, aus der Augsburger Ungefährlichkeit und der eigenen Überlegenheit Kapital zu schlagen.

Alles in allem war es keine ansehnliche erste Halbzeit, aber immerhin stand die Dortmunder Defensive solide – bis dem FCA die bei diesem knappen Ergebnis nie auszuschließende Wende gelang. Zunächst köpfte Schieber den Ball aus dem eigenen Strafraum unglücklich vor die Füße von Baier, der aus gut 20 Metern abzog. Der Ball hoppelte etwas und schlug in der Torwartecke ein – für Mitch Langerak kein Must-Save, doch der Schuss war eigentlich gut sichtbar. Nicht mal zwei Minuten nach dem Ausgleich konterten die Gäste die Borussia aus, da Santana das Abseits aufhob. Langerak ließ den Schuss von Werner nach vorne abprallen und niemand war zur Stelle, um Vogt am 1:2 zu hindern. Weiterlesen „Erfolgreiche Korrekturen“

Ein blauer Fleck, der schmerzt

1. Bundesliga, 25. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 1

icon_spielberichtfinalBis zu diesem Samstag spielte Borussia Dortmund eine gute Saison, egal was einem manche Medien weismachen wollten. Platz 2 in der Liga, hinter dem investitionsfreudigen Krösus, ist mehr als nur ok. Eine erneut nahezu perfekte Spielzeit wie in den letzten beiden Jahren konnte man sich allenfalls wünschen, aber nicht erwarten – weshalb auch der enorme Rückstand auf den FC Bayern nicht sonderlich relevant ist. Im Pokal wäre man gerne weiter gekommen, doch das von Olaf Thon bescherte Auswärtsspiel in München war eine hohe Hürde. Und die Auftritte in der Champions League blendend zu nennen, wäre noch untertrieben.

Man hätte auch mal wieder eine Derbyniederlage akzeptiert, wenn die Bilanz gegen den Rivalen am Ende der Saison mindestens ausgeglichen wäre. Dieses Ziel hat der BVB deutlich verfehlt und damit für den einzigen sichtbaren Fleck auf der schwarz-gelben Weste gesorgt.

Über die Gründe wird bereits eifrig diskutiert. Festzuhalten bleibt zunächst, dass die Borussen sich gestern einige Unachtsamkeiten in der Defensive erlaubten, teilweise nicht reaktionsschnell und nicht nah genug an den Gegenspielern waren. Und weniger klare Chancen als die Gastgeber hatten. Besonders unglücklich verlief der Nachmittag für Mats Hummels: Er ließ beim 1:0 Julian Draxler gewähren, spielte ungewohnt viele Fehlpässe und wirkte einfach noch nicht fit. Zu allem Überfluss knickte er in der 30. Minute um, verletzte sich am Sprunggelenk und wird dem BVB voraussichtlich vier Wochen fehlen. Dass es so bescheiden laufen würde, konnte Mats jedoch nicht vorhersehen und Jürgen Klopp schon gar nicht.

Fragwürdig erscheint im nachhinein die Entscheidung des Trainers, mit Kevin Großkreutz anstelle von Marco Reus zu beginnen. Man konnte das gerade als BVB-Fan vor dem Spiel nachvollziehen, doch Klopp hätte besser mit der stärksten Offensivformation begonnen. Manches an der Partie erinnerte an das Pokalspiel in München: Lewandowski hing weitgehend in der Luft, der Gegner hatte trotz zeitweise höherer Spielanteile der Schwarz-Gelben mehr Chancen. Wie in der Arroganz-Arena hätte man vielleicht mutiger beginnen sollen. Dabei waren die ersten 20-25 Minuten von Dortmunder Seite gar nicht so unansehnlich – nur fehlte deutlich die Effektivität nach vorne. Kevin Großkreutz war gestern leider sowohl nach vorne als auch nach hinten überfordert und keine Hilfe für Linksverteidiger Marcel Schmelzer. Über dessen Seite dann auch das 2:0 fiel, bei dem sich zusätzlich noch Subotic einen Stellungsfehler erlaubte.

Gerade über die Außen waren die Schalker gefährlich, während beim BVB viel durch die Mitte lief. Das funktionierte in der zweiten Hälfte besser, doch in den ersten 45 Minuten fehlte Gündogan und Bender immer wieder die Übersicht im Mittelfeld. Mario Götze wiederum übersah in Strafraumnähe mehrmals besser postierte Mitspieler – das wirkte eher wie Eigensinnigkeit. Als schließlich nach dem Wiederanpfiff Reus und Sahin kamen, rollten plötzlich die Angriffe auf das Schalker Tor und die Schwarz-Gelben waren drückend überlegen. In der 59. Minute startete Lewandowski mit seinem Anschlusstreffer nach tollem Kuba-Pass die Aufholjagd. Weiterlesen „Ein blauer Fleck, der schmerzt“

Verimprovisiert

1. Bundesliga, 23. Spieltag / Mönchengladbach 1 BVB 1

icon_spielberichtfinalEs waren die berühmten Millimeter, die zwischen der schwarz-gelben Borussia und einem gelungenen Nachmittag lagen. Denn wer hätte angesichts der Personalprobleme und des Bayern-Spiels am Horizont nach dem Zustandekommen eines 2:1 in Mönchengladbach gefragt? Doch Kapitän Sebastian Kehl setzte in der Nachspielzeit seinen Schuss bei freier Bahn aus wenigen Metern haarscharf auf die falsche Seite neben den Pfosten. Und so bleibt am Ende des Sonntags doch der Eindruck hängen, dass sich der BVB gegen durchaus schlagbare Gastgeber schwerer getan hat als es wohl nötig gewesen wäre.

Denn obwohl die Schwarz-Gelben gerade in der ersten Hälfte das Spiel kontrollierten, kamen Kreativität und schnelle, präzise Pässe über die ganzen 90 Minuten zu kurz. Gladbach stand bei Dortmunder Ballbesitz ohne Zweifel dicht gestaffelt mit zwei Viererketten, häufig fast am eigenen Strafraum. Meistens war das ein probates Mittel, denn es gelang unseren Offensivleuten zu selten, vorne Bälle gegen die Übermacht zu behaupten. Die Mehrzahl der BVB-Torschüsse waren harmlos oder allenfalls Halbchancen.

Selbst wenn man sich damit ins Reich der Spekulation begibt, erscheint die Frage legitim, ob der Trainer nicht bessere Voraussetzungen hätte schaffen können. Es ist bereits die dritte Partie, in der erzwungene personelle Veränderungen nicht funktionierten. Weil es die falschen waren? Die Intention, Moritz Leitner nach den Wechselgerüchten der letzten Tage Spielpraxis zu geben, erschließt sich durchaus. Doch bei dessen aktuellem Leistungsstand reicht es einfach nicht für die Startelf und schon gar nicht für die Kreativzentrale einer Mannschaft ohne Mittelstürmer. Leitner war nur an ein oder zwei der gefährlicheren BVB-Angriffe aktiv beteiligt; seine zwei Abschlüsse waren harmlos. Möglicherweise war er das nicht passende Teil des Kreativ-Puzzles, denn Reus, Götze, Gündogan und sogar Großkreutz deuteten zumindest an, was möglich gewesen wäre.

Als auch den zunächst agilen Piszczek und später Reus die Kräfte verließen und die Schwarz-Gelben die Flügel bis in die Nachspielzeit überhaupt nicht mehr zu nutzen wussten, kam Gladbach besser ins Spiel. Wobei Lucien Favre mit der Offensivleistung seines Teams trotz zufrieden klingender Statements nach der Partie auch zu hadern haben dürfte. Für eine Heimmannschaft war das insgesamt zu wenig – da tat sogar Fürth mehr gegen Leverkusen. Für zwei Großchancen und einen Treffer reichte es immerhin; bei dem war jedoch auch ein bisschen Dortmunder Pech dabei.

Jürgen Klopp versuchte seiner Elf noch mal neue Impulse zu geben. Mit Balint Bajner kam tatsächlich noch der im Vorbericht angesprochene Stoßstürmer-Debütant, der sich jedoch nicht entscheidend in Szene setzen konnte. Es fehlten ihm auch einfach gute Anspiele. Vielleicht hätte Klopp den spät für Piszczek eingewechselten Sahin früher gebracht, wenn er nicht schon zur Pause Santana für Hummels aufs Feld geschickt hätte. Mats bekam einen Pferdekuss am Oberschenkel ab, wird aber am Mittwoch in München spielen können.

Und darum geht es doch wirklich – die Partie am Mittwoch. Die Meisterschaft ist entschieden, doch wer die größte Party feiert noch nicht. Sollte es mit dem nächsten Sieg in München klappen, wäre das spielerisch mäßige Borussen-Duell zur gefühlt unwichtigsten Begegnung der Saison degradiert. Bring them on!

Die Mannschaft: Weidenfeller – Piszczek (82. Sahin), Subotic, Hummels (46. Santana), Schmelzer – Gündogan, Kehl – Großkreutz, Leitner (71. Bajner), Reus – Götze. Gelbe Karte: Santana. Tor: Götze (EM)

Strukturelle Unwucht

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 1 Hamburger SV 4

Von einer Unwucht spricht man bei rotierenden Körpern, deren Masse nicht rotationssymmetrisch verteilt ist. Unwuchten führen zu Vibrationen und erhöhtem Verschleiß, weshalb sie durch Gegengewichte ausgewuchtet werden. (Wikipedia)

icon_spielberichtfinalNach einer 1:4-Heimniederlage sucht man nach Erklärungen. Die einfache Variante wäre, zu sagen, die Schwarz-Gelben seien nicht konzentriert genug gewesen und hätten zu viele individuelle Fehler gemacht. Doch im Jahr 2013, bei dieser Borussia und diesem Rückserien-Start, reicht das nicht. Deshalb gibt es heute eine steile These aus der Physik, die auf folgendes hinausläuft: Der BVB hat gegen den HSV geeiert.

Natürlich war gestern von Beginn an zu sehen, dass die Gäste im Westfalenstadion einen Plan hatten: früh zu attackieren und die Gastgeber nicht ins Spiel kommen zu lassen. Und da das gegen die Borussia nicht über 90 Minuten funktioniert, ging es auch darum, in der Defensive diszipliniert zu sein und allgemein die Breite des Spielfelds zu nutzen. Ersteres klappte ebenfalls nicht immer: Nach munterem Beginn der in himmelblau angetretenen Hamburger war es zur Freude vieler Borussen Heiko Westermann, der sich nicht richtig mit Torwart Adler abstimmte und es Lewandowski ermöglichte, sich den Ball zu schnappen und aus spitzem Winkel die Führung zu erzielen.

Doch dafür funktionierte der dritte Punkt des Hamburger Gameplans umso besser. Wenn die Gäste das Spiel breit machten, hatten sie unübersehbare Vorteile, gar ein strukturelles Übergewicht auf den Flügeln. Womit wir zur Physik zurückkehren: Der vor und zurück rotierende BVB war außen ungleich besetzt. Jürgen Klopp hatte auf den Ausfall von Marcel Schmelzer und Not-Linksverteidiger Kevin Großkreutz mit einer nicht positionsgetreuen Lösung reagiert und Sven Bender nach links hinten versetzt. Bender war zwar ’nur‘ an zwei der vier Gegentore entscheidend mitschuldig und Piszczeks und Kubas rechte Seite ebenfalls alles andere als sicher. Dass der linke Dortmunder Flügel völlig ungefährlich blieb, war allerdings ein struktureller Vorteil für den HSV.

Man konnte es vor dem 1:2 sehen: Hummels fühlte sich genötigt, von hinten raus ins Mittelfeld zu gehen, um einen Angriff der Gäste über rechts zu unterbinden. Er verlor jedoch seinen Zweikampf gegen Son und so war die Borussia hinten ziemlich offen; gegen den gewandten Hamburger Flügelspieler hatte Bender keine Chance und der Koreaner kam zu seinem Traumtor. Die Unterlegenheit der Dortmunder Außen über weite Strecken gefährdete gestern auch die Disziplin der Innenverteidiger. Jansen, Diekmeier, van der Vaart und Son, dessen Angriffe meistens außen begannen, wurden defensiv zu selten gefordert und hatten deshalb viel Kraft für ihre Laufwege nach vorne übrig. Weiterlesen „Strukturelle Unwucht“