Lasst es uns Ergebniskrise nennen!

Standard

Champions League, 4. Spieltag / BVB 1 Apoel Nikosia 1

Rein ergebnistechnisch ist das 1:1 im Heimspiel gegen Nikosia der Höhepunkt der neuen Tristesse, die Borussia Dortmund erfasst hat. Gleichzeitig lieferte es aber weniger Anhaltspunkte als zuletzt, um gleich von einer vom Trainer verursachten Systemkrise zu sprechen. Das Problem: Was die Borussia hinten falsch macht, bügelt sie vorne nicht mehr aus.

Zeit für eine stabile Abwehrformation

Man kann das wegen seiner Offensichtlichkeit banal nennen. Gemeint ist aber neben der Notwendigkeit, Fehler abzustellen noch etwas anderes. Peter Bosz sollte gerade in solch wackeligen Phasen die Abwehrspieler auf ihren stärksten Positionen einsetzen. Es wird Zeit, dass Marc Bartra in die Innenverteidigung zurückkehrt. Er hatte ohne Zweifel ein paar gute Momente außen und mit mehr offensiven Freiheiten. Doch seine Stärken kommen innen genauso zur Geltung und seine Schwächen weniger. Ömer Toprak spielte auch gestern nicht grottig, war aber wie Bartra am Gegentor beteiligt. Der Unterschied: Marc hatte bei seinem Ballverlust fernab seiner eigentlichen Position auch noch Pech, da der Ball unglücklich versprang.

Wer sollte an seiner Stelle außen spielen? Allzu viele Alternativen gibt es ja nicht. Sokratis wäre eine Möglichkeit, aber ich sähe ihn lieber an der Seite von Bartra innen. Ein weiterer Versuch mit Toljan ist denkbar, aber bitte nicht gegen Bayern. Man könnte sich bei der U23 umschauen. Am erfolgversprechendsten scheint aber, einfach Raphael Guerreiro mal auf rechts zu probieren. Der Mann kann doch fast alles. weiterlesen

Advertisements

Tuchel macht das Derby spannend

Standard

1. Bundesliga, 29. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 2

Von der Spannung her war das heute ein Derby wie in besten Zeiten – letztlich eng, mit Toren und Gesprächsstoff. Ob ihm von Dortmunder Seite die Bedeutung beigemessen wurde, die ihm zustand? Acht Mal Rotation ist schon heftig. Einiges konnte man nachvollziehen – die Pause für Aubameyang, den viel beschäftigten Mkhitaryan, für Schmelle. Ebenso die Einsätze für Pulisic oder Ginter. Aber ein Moritz Leitner, der ohnehin Wochen nicht gespielt hat, im Derby? No way.

Die erste Hälfte deutete an, wie die Partie mit einem BVB in Normalbesetzung wohl geendet hätte. Spielaufbau und -kultur waren bei den Gastgebern kaum erkennbar. Die Härte hatten die Blauen, kaum unterbunden von Schiedsrichter Zwayer, trotz mehrerer Ellbogenchecks. Die Borussia hätte mit einer zupackenderen Herangehensweise plus ein, zwei entscheidenden Pässen das Spiel in dieser Phase womöglich schon entscheiden können.

In der zweiten Halbzeit hatte Schalke zweimal eine Antwort auf Dortmunder Tore parat. Shinjis frechem Lupfer über Fährmann und Ginters Kopfball nach Ecke standen ein Strafraumgewusel-Tor von Sané und ein diskussionswürdiger Elfmeter von Huntelaar gegenüber. Letzterer sammelte wohl übrigens bei keinem Schwarz-Gelben Sympathiepunkte.

Der BVB hatte im Anschluss noch einige Gelegenheiten, auch die Gastgeber spielten munter mit. Doch es bleibt das Gefühl, dass hier deutlich mehr zu holen gewesen wäre. Wie hätte Thomas Tuchel wohl aufgestellt, wenn gestern der VfB triumphiert hätte? Vielleicht ist man aber in einer Woche, in der Jürgen Klopp in Dortmund war, auch nur besonders empfindlich, was die Emotionalität – oder deren Fehlen – rund um ein Derby angeht. Sollte die Rotation heute zum Weiterkommen am Donnerstag führen, wäre ja auch fast alles wieder gut.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Bender, Sokratis, Hummels (46. Mkhitaryan), Durm – Sahin, Leitner (73. Aubameyang) – Pulisic (73. Gündogan), Kagawa – Ramos. Gelbe Karten: Sahin, Sokratis, Durm. Tore: Kagawa, Ginter

BVB vermasselt Rehabilitation

Standard

1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 0 Hamburger SV 1

Da muss man nicht drum herumreden: Das war nichts als eine Enttäuschung, vielleicht die größte 2014. Denn trotz allem, was wir in dieser Bundesliga-Saison bereits erlebt haben, war dieses 0:1 nicht zu erwarten. Nicht gegen diesen HSV, eine Truppe von Tretern, Schauspielern, Nicolai Müller und Johan Djourou.

Begeben wir uns also auf die Suche nach der Lösung des Rätsels, wie dieses Heimspiel verloren gehen konnte. Am Anfang steht wie immer die Aufstellung. Jürgen Klopp setzte im Gegensatz zur Champions League auf Durm rechts hinten, Hummels in der Innenverteidigung und Adrian Ramos im Sturm. Diese Entscheidungen sind nachvollziehbar und doch darf man auch an ihnen zweifeln. Der Prämisse „Safety first“ haben sie jedenfalls nicht gedient.

Mats Hummels ist eigentlich ein Klasse-Verteidiger und braucht Spielpraxis. Bei ihm sprach gegen den HSV sicher am wenigsten gegen einen Platz in der Startelf. Lukasz Piszczek vor den Länderspielen eine Pause zu gönnen, war verständlich, aber im nachhinein angesichts seiner vergleichsweise guten Form doch fragwürdig. Erik Durm konnte am Samstag leider keine ähnlichen offensiven Akzente setzen. Adrian Ramos war am Mittwoch Doppel-Torschütze, davor jedoch Fehlpasser im Derby. Letztere Rolle erfüllte er auch vorgestern wieder und war eindeutig der Auslöser des Gegentors, selbst wenn sich dann noch Hummels und Sokratis täuschen ließen. Im Sinne eines risikoärmeren Spiels hätte Ciro Immobile beginnen sollen.

Doch wenn auch der Rest der Mannschaft viel zu oft auf planlos ins Mittelfeld oder hoch nach vorne geschlagene Bälle zurückgreift, können diese zwei Personalien nicht so ausschlaggebend gewesen sein. Stattdessen landen wir dann bei der fehlenden Kreativität. Das Problem wurde dadurch verstärkt, dass Kevin Großkreutz und Pierre-Emerick Aubameyang zwar wie immer ihre Kilometer liefen, aber gänzlich ideen- und glücklos blieben. Da reicht ein Shinji Kagawa allein eben nicht, der in der ersten Hälfte und gegen Ende noch ein paar brauchbare Szenen hatte. weiterlesen

Zu viel Abwechslung?

Standard

1. Bundesliga, 6. Spieltag / 1. FC Nürnberg 1 BVB 1

Jürgen Klopp machte am Samstagnachmittag in Nürnberg einiges anders als vergangenen Mittwoch. Er ließ sich auch von einem umstrittenen Gegentor nicht aus der Ruhe bringen und schüttelte nach gut 90 Minuten die Hand des vierten Offiziellen. Und er stellte die Startelf massiv um, ließ Sahin, Mkhitaryan und Lewandowski auf der Bank beginnen – was Stoff für Diskussionen bietet. Unter dem Strich war es die bisher schwächste schwarz-gelbe Woche der Saison, an deren Ende der BVB immerhin knapp die Tabellenführung behauptet.

Die Gedanken hinter der weitreichenden Rotation liegen auf der Hand: Das Trainerteam nimmt das Pokalspiel am Dienstag sehr ernst, denn bei jenem Wettbewerb ist der Titel am realistischsten. Außerdem wurden Spieler mit Einsätzen belohnt, die es sich verdient hatten: Aubameyang, Duksch, Sokratis, Durm. Doch das Ergebnis gibt Klopp Unrecht und auch der Spielverlauf zeigte, dass die Umstellungen zu massiv waren. Die Souveränität im Mittelfeld und das herrliche Kombinationsspiel aus dem HSV-Spiel waren selten zu sehen; die Taktik war eine Art 4-3-3 mit Sven Bender in der zentral defensiven Mittelfeldposition. Auch Kuba und Großkreutz agierten zentraler als gewöhnlich im Mittelfeld – und diese Formation funktionierte schlichtweg weit weniger flüssig als die der letzten Wochen. Kurioserweise machte Kevin Großkreutz dennoch ein gutes Spiel, nur füllte er nicht wirklich die ihm zugedachte Position aus und kehrte in der zweiten Halbzeit bedingt durch Schmelzers Auswechslung nach hinten rechts zurück.

Die flinken Offensivleute Reus und Aubameyang bekamen zu wenig Bälle auf den Fuß oder in den Raum gespielt und Duksch vermochte es weniger als bei seinen bisherigen Auftritten, den mitspielenden Stürmer zu geben. So kam es, dass die Borussen nach ordentlichen ersten Minuten die Dominanz verloren und nahezu auf das spielerische Niveau der Nürnberger sanken, bei denen eigentlich nur Hiroshi Kiyotake hin und wieder Brillanz aufblitzen ließ.

Die Dortmunder Führung fiel nach einem Freistoß – endlich mal wieder. Manchmal braucht es nur einen neuen Schützen. Marcel Schmelzer hätte man diesen perfekt ins rechte Eck geschossenen Freistoß nicht unbedingt zugetraut – umso schöner war er dann. Doch zuvor überhaupt Foul zu pfeifen war genauso ein Fehler wie letzte Woche vor dem Ausgleich des HSV – Kuba hielt sich an seinem Gegenspieler fest und fiel dann ohne nennenswerte Einwirkung desselben. Innerhalb der heutigen Partie wurde die Fehlentscheidung bereits fünf Minuten nach der Pause wieder ausgeglichen, als Nilsson aus Abseitsposition zum 1:1 traf. Ein absichtliches Handspiel war allerdings nicht zweifelsfrei zu erkennen. In der Szene sahen beide Dortmunder Innenverteidiger bei ihren Zweikämpfen im Strafraum etwas unglücklich aus.

Man kann nicht in Abrede stellen, dass die Borussia in der Folge zulegte. Hofmann und Sahin waren bereits zur Pause für die angeschlagenen Reus und Schmelzer gekommen und brachten wieder etwas Leben ins BVB-Spiel. Doch die erspielten Chancen wirkten zufälliger als noch letzte Woche und man stand einem klar suboptimal in die Saison gestarteten Team gegenüber. Kuba und Duksch hatten die Führung auf dem Fuß; gegen letzteren musste Schäfer retten. Jürgen Klopp stellte nach der Einwechslung von Lewandowski in der 65. Minute wieder auf das gewohnte System um. In der Folge dominierten die Schwarz-Gelben zwar die Schlussphase, aber ein Lewandowski-Schuss, eine Aubameyang-Hereingabe und ein Sokratis-Kopfball in Schäfers Arme sind kein Vergleich mit dem, was die Mannschaft letzten Samstag in einer ähnlichen Zeitspanne bot. Nicht zu vergessen: Der eingewechselte Esswein hatte die beste Chance der Schlussphase, als er allein vor Weidenfeller über das Tor zielte – zuvor hatte Subotic sich verladen lassen.

Machen wir einen Strich unter diese Woche. Der erste Punktverlust im sechsten Ligaspiel ist nichts, worüber man meckern kann. Für sich alleine genommen wäre in diesem Spiel mehr drin gewesen. Die Champions League habe ich aus Zeitgründen vernachlässigt; sie ist aber mit den Worten „dumm gelaufen“ ganz gut zusammengefasst. Für die nächsten Partien in allen drei Wettbewerben muss man allerdings drei Siege erwarten dürfen: Ein Ausscheiden im Pokal bei einem Zweitligisten wäre indiskutabel, ein Heimsieg gegen den SC Freiburg in seiner derzeitigen Verfassung ist Pflicht. Und auch in der CL muss man zuhause gegen Marseille drei Punkte holen, wenn die Perspektive in der schweren Gruppe stimmen soll. Vertrauen wir auf die oft bewiesene Lernfähigkeit des BVB!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Durm, Subotic, Sokratis, Schmelzer (46. Sahin) – Blaszczykowski (65. Lewandowski), Bender, Großkreutz – Aubameyang, Reus (46. Hofmann) – Duksch. Gelbe Karten: Reus, Subotic. Tor: Schmelzer

Erfolgreiche Korrekturen

Standard

1. Bundesliga, 28. Spieltag / BVB 4 FC Augsburg 2

icon_spielberichtfinalDie Hereinnahme der beiden Topspieler Götze und Lewandowski verhinderte gestern eine hausgemachte Heimniederlage der Borussia. Ob sich Jürgen Klopps gewagter Personal-Poker auszahlt, wird erst am Dienstagabend entschieden.

Ausführlich hatte der Dortmunder Trainer seinen Augsburger Kollegen in der Pressekonferenz vor der Partie gelobt, ihn als „Trainer des Halbjahrs“ bezeichnet (siehe Vorbericht) – am Samstag um 15.30 Uhr standen dennoch sieben neue Spieler in der Startelf der Borussia. Man könnte das mit dem Vertrauen in die Qualität des Kaders rechtfertigen; man kann sagen, Weidenfeller habe Rücken und Reus eine Bauchmuskelzerrung gehabt – so richtig korrespondiert die Notwendigkeit der Umstellungen trotzdem nicht mit dem behaupteten Respekt vor dem Gegner.

Zugegeben, auch ich gönnte den meisten der in die Startelf Gerutschten ihre Chance und als das Spiel begann, hoffte ich, dass es so klappen könnte. Mit Julian Schiebers Tor in der 22. Minute schien sich das zu bestätigen. Beteiligt waren zwei weitere neu in die Mannschaft Gekommene: Moritz Leitner war mit dem Ball über halbrechts in den Strafraum gerannt und hatte dann quergelegt; zentral verlängerte Leonardo Bittencourt irgendwie mit der Hacke zu Schieber.

Tatsache ist aber auch, dass die besten weiteren BVB-Chancen der ersten Hälfte aus Standards hervorgingen und das Aufbau- und Offensivspiel einiges zu wünschen übrig ließ. Mehrere Bälle wurden unbedrängt ins Aus gespielt, kombiniert wurde vergleichsweise wenig. Lange Zeit hatten die Schwarz-Gelben den Gegner im Griff, sie versäumten es aber, aus der Augsburger Ungefährlichkeit und der eigenen Überlegenheit Kapital zu schlagen.

Alles in allem war es keine ansehnliche erste Halbzeit, aber immerhin stand die Dortmunder Defensive solide – bis dem FCA die bei diesem knappen Ergebnis nie auszuschließende Wende gelang. Zunächst köpfte Schieber den Ball aus dem eigenen Strafraum unglücklich vor die Füße von Baier, der aus gut 20 Metern abzog. Der Ball hoppelte etwas und schlug in der Torwartecke ein – für Mitch Langerak kein Must-Save, doch der Schuss war eigentlich gut sichtbar. Nicht mal zwei Minuten nach dem Ausgleich konterten die Gäste die Borussia aus, da Santana das Abseits aufhob. Langerak ließ den Schuss von Werner nach vorne abprallen und niemand war zur Stelle, um Vogt am 1:2 zu hindern. weiterlesen

Ein blauer Fleck, der schmerzt

Standard

1. Bundesliga, 25. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 1

icon_spielberichtfinalBis zu diesem Samstag spielte Borussia Dortmund eine gute Saison, egal was einem manche Medien weismachen wollten. Platz 2 in der Liga, hinter dem investitionsfreudigen Krösus, ist mehr als nur ok. Eine erneut nahezu perfekte Spielzeit wie in den letzten beiden Jahren konnte man sich allenfalls wünschen, aber nicht erwarten – weshalb auch der enorme Rückstand auf den FC Bayern nicht sonderlich relevant ist. Im Pokal wäre man gerne weiter gekommen, doch das von Olaf Thon bescherte Auswärtsspiel in München war eine hohe Hürde. Und die Auftritte in der Champions League blendend zu nennen, wäre noch untertrieben.

Man hätte auch mal wieder eine Derbyniederlage akzeptiert, wenn die Bilanz gegen den Rivalen am Ende der Saison mindestens ausgeglichen wäre. Dieses Ziel hat der BVB deutlich verfehlt und damit für den einzigen sichtbaren Fleck auf der schwarz-gelben Weste gesorgt.

Über die Gründe wird bereits eifrig diskutiert. Festzuhalten bleibt zunächst, dass die Borussen sich gestern einige Unachtsamkeiten in der Defensive erlaubten, teilweise nicht reaktionsschnell und nicht nah genug an den Gegenspielern waren. Und weniger klare Chancen als die Gastgeber hatten. Besonders unglücklich verlief der Nachmittag für Mats Hummels: Er ließ beim 1:0 Julian Draxler gewähren, spielte ungewohnt viele Fehlpässe und wirkte einfach noch nicht fit. Zu allem Überfluss knickte er in der 30. Minute um, verletzte sich am Sprunggelenk und wird dem BVB voraussichtlich vier Wochen fehlen. Dass es so bescheiden laufen würde, konnte Mats jedoch nicht vorhersehen und Jürgen Klopp schon gar nicht.

Fragwürdig erscheint im nachhinein die Entscheidung des Trainers, mit Kevin Großkreutz anstelle von Marco Reus zu beginnen. Man konnte das gerade als BVB-Fan vor dem Spiel nachvollziehen, doch Klopp hätte besser mit der stärksten Offensivformation begonnen. Manches an der Partie erinnerte an das Pokalspiel in München: Lewandowski hing weitgehend in der Luft, der Gegner hatte trotz zeitweise höherer Spielanteile der Schwarz-Gelben mehr Chancen. Wie in der Arroganz-Arena hätte man vielleicht mutiger beginnen sollen. Dabei waren die ersten 20-25 Minuten von Dortmunder Seite gar nicht so unansehnlich – nur fehlte deutlich die Effektivität nach vorne. Kevin Großkreutz war gestern leider sowohl nach vorne als auch nach hinten überfordert und keine Hilfe für Linksverteidiger Marcel Schmelzer. Über dessen Seite dann auch das 2:0 fiel, bei dem sich zusätzlich noch Subotic einen Stellungsfehler erlaubte.

Gerade über die Außen waren die Schalker gefährlich, während beim BVB viel durch die Mitte lief. Das funktionierte in der zweiten Hälfte besser, doch in den ersten 45 Minuten fehlte Gündogan und Bender immer wieder die Übersicht im Mittelfeld. Mario Götze wiederum übersah in Strafraumnähe mehrmals besser postierte Mitspieler – das wirkte eher wie Eigensinnigkeit. Als schließlich nach dem Wiederanpfiff Reus und Sahin kamen, rollten plötzlich die Angriffe auf das Schalker Tor und die Schwarz-Gelben waren drückend überlegen. In der 59. Minute startete Lewandowski mit seinem Anschlusstreffer nach tollem Kuba-Pass die Aufholjagd. weiterlesen

Verimprovisiert

Standard

1. Bundesliga, 23. Spieltag / Mönchengladbach 1 BVB 1

icon_spielberichtfinalEs waren die berühmten Millimeter, die zwischen der schwarz-gelben Borussia und einem gelungenen Nachmittag lagen. Denn wer hätte angesichts der Personalprobleme und des Bayern-Spiels am Horizont nach dem Zustandekommen eines 2:1 in Mönchengladbach gefragt? Doch Kapitän Sebastian Kehl setzte in der Nachspielzeit seinen Schuss bei freier Bahn aus wenigen Metern haarscharf auf die falsche Seite neben den Pfosten. Und so bleibt am Ende des Sonntags doch der Eindruck hängen, dass sich der BVB gegen durchaus schlagbare Gastgeber schwerer getan hat als es wohl nötig gewesen wäre.

Denn obwohl die Schwarz-Gelben gerade in der ersten Hälfte das Spiel kontrollierten, kamen Kreativität und schnelle, präzise Pässe über die ganzen 90 Minuten zu kurz. Gladbach stand bei Dortmunder Ballbesitz ohne Zweifel dicht gestaffelt mit zwei Viererketten, häufig fast am eigenen Strafraum. Meistens war das ein probates Mittel, denn es gelang unseren Offensivleuten zu selten, vorne Bälle gegen die Übermacht zu behaupten. Die Mehrzahl der BVB-Torschüsse waren harmlos oder allenfalls Halbchancen.

Selbst wenn man sich damit ins Reich der Spekulation begibt, erscheint die Frage legitim, ob der Trainer nicht bessere Voraussetzungen hätte schaffen können. Es ist bereits die dritte Partie, in der erzwungene personelle Veränderungen nicht funktionierten. Weil es die falschen waren? Die Intention, Moritz Leitner nach den Wechselgerüchten der letzten Tage Spielpraxis zu geben, erschließt sich durchaus. Doch bei dessen aktuellem Leistungsstand reicht es einfach nicht für die Startelf und schon gar nicht für die Kreativzentrale einer Mannschaft ohne Mittelstürmer. Leitner war nur an ein oder zwei der gefährlicheren BVB-Angriffe aktiv beteiligt; seine zwei Abschlüsse waren harmlos. Möglicherweise war er das nicht passende Teil des Kreativ-Puzzles, denn Reus, Götze, Gündogan und sogar Großkreutz deuteten zumindest an, was möglich gewesen wäre.

Als auch den zunächst agilen Piszczek und später Reus die Kräfte verließen und die Schwarz-Gelben die Flügel bis in die Nachspielzeit überhaupt nicht mehr zu nutzen wussten, kam Gladbach besser ins Spiel. Wobei Lucien Favre mit der Offensivleistung seines Teams trotz zufrieden klingender Statements nach der Partie auch zu hadern haben dürfte. Für eine Heimmannschaft war das insgesamt zu wenig – da tat sogar Fürth mehr gegen Leverkusen. Für zwei Großchancen und einen Treffer reichte es immerhin; bei dem war jedoch auch ein bisschen Dortmunder Pech dabei.

Jürgen Klopp versuchte seiner Elf noch mal neue Impulse zu geben. Mit Balint Bajner kam tatsächlich noch der im Vorbericht angesprochene Stoßstürmer-Debütant, der sich jedoch nicht entscheidend in Szene setzen konnte. Es fehlten ihm auch einfach gute Anspiele. Vielleicht hätte Klopp den spät für Piszczek eingewechselten Sahin früher gebracht, wenn er nicht schon zur Pause Santana für Hummels aufs Feld geschickt hätte. Mats bekam einen Pferdekuss am Oberschenkel ab, wird aber am Mittwoch in München spielen können.

Und darum geht es doch wirklich – die Partie am Mittwoch. Die Meisterschaft ist entschieden, doch wer die größte Party feiert noch nicht. Sollte es mit dem nächsten Sieg in München klappen, wäre das spielerisch mäßige Borussen-Duell zur gefühlt unwichtigsten Begegnung der Saison degradiert. Bring them on!

Die Mannschaft: Weidenfeller – Piszczek (82. Sahin), Subotic, Hummels (46. Santana), Schmelzer – Gündogan, Kehl – Großkreutz, Leitner (71. Bajner), Reus – Götze. Gelbe Karte: Santana. Tor: Götze (EM)

Strukturelle Unwucht

Standard

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 1 Hamburger SV 4

Von einer Unwucht spricht man bei rotierenden Körpern, deren Masse nicht rotationssymmetrisch verteilt ist. Unwuchten führen zu Vibrationen und erhöhtem Verschleiß, weshalb sie durch Gegengewichte ausgewuchtet werden. (Wikipedia)

icon_spielberichtfinalNach einer 1:4-Heimniederlage sucht man nach Erklärungen. Die einfache Variante wäre, zu sagen, die Schwarz-Gelben seien nicht konzentriert genug gewesen und hätten zu viele individuelle Fehler gemacht. Doch im Jahr 2013, bei dieser Borussia und diesem Rückserien-Start, reicht das nicht. Deshalb gibt es heute eine steile These aus der Physik, die auf folgendes hinausläuft: Der BVB hat gegen den HSV geeiert.

Natürlich war gestern von Beginn an zu sehen, dass die Gäste im Westfalenstadion einen Plan hatten: früh zu attackieren und die Gastgeber nicht ins Spiel kommen zu lassen. Und da das gegen die Borussia nicht über 90 Minuten funktioniert, ging es auch darum, in der Defensive diszipliniert zu sein und allgemein die Breite des Spielfelds zu nutzen. Ersteres klappte ebenfalls nicht immer: Nach munterem Beginn der in himmelblau angetretenen Hamburger war es zur Freude vieler Borussen Heiko Westermann, der sich nicht richtig mit Torwart Adler abstimmte und es Lewandowski ermöglichte, sich den Ball zu schnappen und aus spitzem Winkel die Führung zu erzielen.

Doch dafür funktionierte der dritte Punkt des Hamburger Gameplans umso besser. Wenn die Gäste das Spiel breit machten, hatten sie unübersehbare Vorteile, gar ein strukturelles Übergewicht auf den Flügeln. Womit wir zur Physik zurückkehren: Der vor und zurück rotierende BVB war außen ungleich besetzt. Jürgen Klopp hatte auf den Ausfall von Marcel Schmelzer und Not-Linksverteidiger Kevin Großkreutz mit einer nicht positionsgetreuen Lösung reagiert und Sven Bender nach links hinten versetzt. Bender war zwar ’nur‘ an zwei der vier Gegentore entscheidend mitschuldig und Piszczeks und Kubas rechte Seite ebenfalls alles andere als sicher. Dass der linke Dortmunder Flügel völlig ungefährlich blieb, war allerdings ein struktureller Vorteil für den HSV.

Man konnte es vor dem 1:2 sehen: Hummels fühlte sich genötigt, von hinten raus ins Mittelfeld zu gehen, um einen Angriff der Gäste über rechts zu unterbinden. Er verlor jedoch seinen Zweikampf gegen Son und so war die Borussia hinten ziemlich offen; gegen den gewandten Hamburger Flügelspieler hatte Bender keine Chance und der Koreaner kam zu seinem Traumtor. Die Unterlegenheit der Dortmunder Außen über weite Strecken gefährdete gestern auch die Disziplin der Innenverteidiger. Jansen, Diekmeier, van der Vaart und Son, dessen Angriffe meistens außen begannen, wurden defensiv zu selten gefordert und hatten deshalb viel Kraft für ihre Laufwege nach vorne übrig. weiterlesen

Zeit für Neues

Standard

Vor der Reise nach Hannover werden sich die Schwarz-Gelben gerne an letzte Saison zurückerinnern, als der BVB nicht nur zum ersten Mal seit acht Jahren wieder beide Saisonspiele gegen die Niedersachsen gewann, sondern dabei auch noch acht Tore erzielte. Sich vor der morgigen Partie auf einen Favoriten festzulegen, fällt trotzdem schwer. Beide Clubs stehen zurzeit im Mittelfeld der Tabelle und bei beiden Clubs gibt es Gründe, warum sie morgen möglicherweise nicht gewinnen.

Hannover 96 hat die ersten beiden Ligaspiele gewonnen, danach zwei Unentschieden geholt und zuletzt in Stuttgart verloren. Zwischendurch hat man sich erfreulicherweise in den Europa League-Play-Offs gegen den unsportlichsten BVB-Gegner der letzten Spielzeit durchgesetzt. Ein wirklicher Trend lässt sich aus diesen Ergebnissen noch nicht ablesen. Wer aber vorgestern das lahme 0:0 der 96er gegen Standard Lüttich gesehen hat, der ahnt, woran es auch gegen den BVB hapern könnte: Die Niedersachsen entwickeln zu wenig Druck nach vorne und zu wenig Torgefahr. Der Torjäger der letzten Saison, Didier Ya Konan, kam nach einer Verletzung im Sommer noch nicht so richtig in Fahrt und stand nur im letzten Spiel beim VfB in der Startelf. Jan Schlaudraff wird wohl für immer das schlampige Talent bleiben. Und der Stürmer der Stunde, Mohammed Abdellaoue, fällt wegen einer Muskelverhärtung aus – angeblich. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein besonders wichtiger Spieler plötzlich doch auf dem Platz steht. Ein nicht unbedingt freudiges Wiedersehen gibt es mit dem Ex-Gelsenkirchener Christian Pander, der für seinen verletzten Namensvetter Schulz ins Team rücken soll.

Die Borussia hat sich am Dienstag in der Champions League gut erholt von der Niederlage gegen Berlin gezeigt. Allerdings haben sich die personellen Voraussetzungen gegenüber dem letzten Ligaspiel weiter verschlechtert. Neben dem gesperrten Sebastian Kehl fällt auch der zweite defensiv orientierte Mittelfeldspieler, Sven Bender, wegen eines Muskelfaserrisses aus. Jürgen Klopp wird improvisieren müssen und hat dabei drei grundsätzliche Möglichkeiten. Am wahrscheinlichsten ist die Rückkehr von Ilkay Gündogan in die Startelf. Neben ihm könnten der erfahrene Antonio da Silva oder der talentierte Moritz Leitner auflaufen. Eine Wahl zwischen jung und nicht mehr so jung also. Alle drei Spieler haben jedoch gemeinsam, dass sie eher offensiv orientiert und nicht die zweikampfstärksten sind.

Möglichkeit 2 wäre ein Vorziehen von Mats Hummels ins Mittelfeld. Der Abwehrstar hat schon früher auf dieser Position gespielt, allerdings ist er weiter hinten deutlich stärker. Im Aufbauspiel fehlt Mats die nötige Konstanz. Er geht gerne mit nach vorne, sein Passspiel ist jedoch noch ausbaufähig. Da der vielseitig einsetzbare Florian Kringe auch in dieser Saison außen vor zu sein scheint, ist die dritte Möglichkeit ein Zurückziehen eines offensiveren Spielers wie Ivan Perisic oder Kevin Großkreutz auf die ‚6‘. Hierbei würde jedoch die Zweikampfproblematik noch viel stärker zum Tragen kommen. Vor allem werden beide Kandidaten im offensiven Mittelfeld gebraucht. Spätestens nach seinem Traumtor gegen Arsenal ist Perisic für die morgige Partie unverzichtbar geworden. Mario Götze ist erneut gesperrt und somit wird auch bei den Schwarz-Gelben nach Torgefahr gesucht werden. Kevin Großkreutz könnte auf die rechte Seite rücken, denn Kuba hat sich beim BVB zuletzt nicht für einen Einsatz empfohlen.

Eine neue Aufstellung gegen ein Team auf der Suche nach Toren – klingt jetzt erst mal nach Unentschieden. Wer noch mal die Statistik bemühen will, kann sich damit trösten, dass zwischen diesen beiden Clubs in der Regel viele Tore fallen. Wir werden sehen, ob sich die Vergangenheit morgen bestätigt. Ich freue mich auf mein erstes Live-Spiel der Saison vor Ort.

100.000 Trainer, ein Verein

Standard

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 1 Hertha BSC Berlin 2

Wenn ich Trainer von Borussia Dortmund wäre, hätte ich gestern Ivan Perisic anstelle von Kuba von Beginn an spielen lassen. Einer guten Halbzeit Kubas im Länderspiel standen mehrere überzeugende Auftritte Perisics als Einwechselspieler für den BVB gegenüber. Wäre ich Trainer, hätte ich zur Halbzeit nicht da Silva für Gündogan gebracht, denn ‚Toni‘ kann zwar schöne Freistöße treten (wie Ilkay), aber ohne Standards ist er keiner, der ein Spiel entscheidend beeinflusst. So kam seine Torvorlage per Freistoß leider zu spät. Ich hätte dafür den überfälligen Wechsel Perisic für Kuba schon nach der Halbzeit vollzogen. Ich bin jedoch nicht Jürgen Klopp, habe die Spieler nicht im Training gesehen und die 99.999 anderen potenziellen Trainer haben sicher noch ein paar andere Meinungen zu bieten.

Trotzdem: Die Fehlerkette, die zur überraschenden und verdienten Heimniederlage gegen Hertha BSC führte, zieht sich fast durch die ganze Mannschaft bis zur Trainerbank. Es kann keine zwei Meinungen geben – das war gestern viel zu wenig vom BVB. Roman Weidenfeller trifft am wenigsten Schuld. Er zeigte mehrere gute Reaktionen, paradoxerweise unter anderem vor dem 0:1, als er gegen den anstürmenden Raffael prima klärte – nur dass der Ball unglücklicherweise gegen Schmelzers Bein und von dort wieder in den Laufweg des Berliners prallte. Vor dem 0:2 wehrte der Keeper einen wuchtigen Kopfball von Mijatovic nach einer Ecke ab – es war wiederum Pech, dass der Ball direkt zum knapp vor dem Tor wartenden Niemeyer sprang. Fehler wurden in diesen Szenen trotzdem gemacht: Beim ersten Treffer holte sich Raffael den Ball im Mittelfeld, Hummels und Subotic konnten ihn nicht aufhalten. Beim zweiten Tor hätte Mijatovic nicht so frei zum Kopfball kommen dürfen.

Die Viererkette wirkte bei den schnellen Kontern der Hertha gelegentlich zu überrascht, doch gingen den Angriffen den Berliner (wie so häufig) meistens Ballverluste im Mittelfeld voraus. Es wurden allgemein zu viele Fehlpässe gespielt. Teilweise durch zu viel Hektik – nur hin und wieder hätte man schneller spielen können. Eher oberflächlichen Betrachtern fehlt die Schnelligkeit im BVB-Spiel. Dass man sich gegen eine trotz gelungener Konter teils sehr tief stehende Gästemannschaft nicht 1, 2, 3 durch die Viererketten kombinieren kann, sollten die noch von letzter Saison geblendeten Fans anfangen, zu verstehen. weiterlesen