Pulisic geht und bleibt erst mal

Chelsea hat also das Rennen gemacht: Für 64 Millionen Euro verpflichten die Londoner Christian Pulisic vom BVB – auch wenn Trainer Maurizio Sarri davon nichts gewusst haben will. Denn der wollte eigentlich sofortige Verstärkung für die Offensive. Und die ist der US-Wonderboy erst mal nicht – ganz einfach deswegen, weil er noch bis zum Sommer leihweise in schwarz-gelb auflaufen wird.

Warum hat sich der FC Chelsea auf diesen Deal eingelassen? Vielleicht weil die Konkurrenz so groß war, vielleicht, weil der Abramowitsch-Klub im Sommer ein Transferembargo aufgrund der Financial Fair Play-Regeln befürchtet? In Deutschland wird der Wechsel ja überwiegend als perfektes Geschäft für Borussia Dortmund gewertet. War Christian Pulisic zuletzt an Spieltagen nicht häufiger auf der Bank als auf dem Platz zu sehen?

Tatsächlich scheint der Weggang auch aus der Perspektive eines BVB-Fans verkraftbar zu sein, wenn die Vereinsführung mit dem Geld weise umgeht. Gleichzeitig ist es aber durchaus möglich, dass Christian in London oder anderswo aus seiner Stagnation herausfindet und sein großes Potenzial wieder entfaltet. Dass auch diese Transfersumme eigentlich zu hoch ist, darüber müssen wir nicht reden. Aber sportlich könnte Pulisic bald wieder Freude machen und haben – hoffentlich auch noch in Dortmund.

Mentalitätsmonster 1.0: Rode geht zurück nach Frankfurt

Der erste bekanntgegebene Wintertransfer bei Borussia Dortmund ist keine Überraschung: Nach zweieinhalb Jahren in schwarz-gelb wechselt Sebastian Rode Anfang Januar leihweise zurück zur Eintracht, dem Verein, der ihn groß gemacht hat. Der Vertrag läuft bis Saisonende; danach ist Rode auf dem Papier noch ein Jahr an den BVB gebunden.

Der Mittelfeldspieler hatte in Dortmund immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen – so oder so ähnlich wird man das aus dem schwarz-gelben Vereinsumfeld sicher zu hören bekommen. Ein wenig euphemistisch wäre das aus BVB-Sicht schon. Denn Rodes fehlende Spielpraxis lag auch an der großen Konkurrenz im Mittelfeld, das schon seit Jahren tendenziell überbesetzt ist. Dabei hatte man ihn einst aus München geholt, weil er jenen Spielertypen verkörpert, den man jetzt in Thomas Delaney gefunden zu haben glaubt: einen zweikampfstarken, entschlossenen Mann für die Zentrale. Das Mentalitätsmonster, das doch letzte Saison angeblich gefehlt hatte.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich fand die Verpflichtung von Delaney richtig und wichtig, nicht erst seit seinem Derby-Tor. Und auch der Weggang von Rode ist nun folgerichtig. Nur glaube ich nach wie vor nicht, dass es strategisch klug ist, bewusst oder fahrlässig Überkapazitäten in manchen Mannschaftsteilen zu schaffen. Obwohl es natürlich immer Spieler geben wird, die nicht auf die erhoffte Spielpraxis kommen.

Nun hat sich Sebastian Rode durch seine Äußerungen zu Peter Stöger am Ende der letzten Saison in Dortmund nicht gerade beliebt gemacht. Trotzdem wünsche ich ihm bei seiner Eintracht alles Gute. Ob es ein Wiedersehen im Sommer gibt?

Größe ist nicht alles: Alcacer kommt zum BVB

Borussia Dortmund bedient sich beim FC Barcelona – und zwar aus einer anderen Schublade als bei Marc Bartra. Das hört sich doch gut an. Vom katalanischen Superklub wechselt der 24-jährige Stürmer Francisco „Paco“ Alcacer zum BVB. Zunächst für ein Jahr auf Leihbasis. Aus Barcelona wurden auch Details des Transfers bekannt: Die Leihgebühr beträgt zwei Millionen Euro, es gibt eine Kaufoption über 23 Millionen plus bis zu fünf Millionen Boni. An einem Weiterverkauf würde Barca mit fünf Prozent beteiligt.

Laut Kicker soll mit Alcacer ein Anschlussvertrag bereits ausgehandelt sein. Was wohl soviel heißt wie: „Paco“ hat einem langfristigen Wechsel zum BVB – mit Vertrag bis 2023 – zugestimmt. Besonderes Augenmerk widmete nicht nur der Kicker der Körpergröße des Neuzugangs: ‚Nur‘ 1,75 Meter misst Alcacer und ist damit ein Stück kleiner als die letzten Mittelstürmer der Schwarz-Gelben.

Aber natürlich passt auch ein kleinerer, wendiger Angreifer zum Spielstil der BVB-Offensive – für den Fall, dass er abschließen kann. Die Daten aus Pacos Zeit in La Liga sprechen dafür, vor allem die aus Valencia, von wo aus er nach Barcelona wechselte. Auch 22 Vorlagen stehen zu Buche, was für den fluiden Favre-Stil ebenfalls nicht unwichtig ist. „Beidfüßig“ und ein „technisch beschlagener Stürmer“ sei er außerdem, so die BVB-Webseite.

Dass Paco Alcacer die Borussia stärker machen wird, ist wahrscheinlich. Dieser Transfer hat das Potenzial, mal als großer beurteilt zu werden. Mit diesem Transfer wächst der Dortmunder Kader aber auch auf 30 Spieler und das sind in jedem Fall zu viele. Noch drei Tage bleiben, um daran etwas zu ändern, danach schwinden die Optionen. Kein Jubel dürfte angesichts der heutigen Meldung etwa bei Maximilian Philipp und Alexander Isak ausgebrochen sein.

Favres Start und Susis Geschäfte

Borussia Dortmund trainiert wieder und es fallen weitere Entscheidungen: Gestern wurde ein weiterer Transfer bekanntgegeben, über den seit gut einer Woche spekuliert würde. Der marokkanische Außenverteidiger Achraf Hakimi, vor Kurzem noch bei der WM im Einsatz, wechselt von Real Madrid zum BVB. Allerdings wird der 19-Jährige nur ausgeliehen, wenn auch für zwei Jahre.

Kommt da also der neue Philipp Lahm zur Borussia? Positiv ist selbstverständlich, dass auf seiner Position etwas getan wurde. Die Außenverteidigung gehört schließlich seit Jahren zu den schwarz-gelben Baustellen. Außerdem ist unsicher ob Raphael Guerreiro in Dortmund bleibt. Hakimi spielt hauptsächlich rechts hinten, kann aber auch links. Für Real kam er letzte Saison immerhin 17-mal zum Einsatz. Ein Transfer mit Potenzial ist das also zweifellos – nur nicht mit dem des Profits. Für den BVB wird er sich Stand jetzt höchstens spielerisch auszahlen. Wäre aber nicht das Schlechteste, wenn wir bald wieder eine überzeugende Außenverteidigung hätten. Mal schauen.

Dass das Geschäft überhaupt zustande kam, soll auch dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Aki Watzke und Real-Präsident Florentino Perez zu verdanken sein. Andere europäische Vereine waren wohl ebenfalls an Hakimi interessiert.

Yarmolenko in die Premier League

Der Kader ist gestern jedoch nicht noch größer geworden, denn es gibt auch einen Abgang zu vermelden. Andriy Yarmolenko, als Dembelé-Ersatz geholt und stark gestartet, verlässt Dortmund in Richtung London. Der Außenstürmer geht zu West Ham United, die derzeit auf großer Einkaufstour sind. Der Kicker berichtet von einer Ablöse um die 20 Millionen Euro, was einen Verlust von rund fünf Millionen bedeuten würde. Der sportliche Verlust scheint überschaubar, aber diese Einschätzung wird sicher auch durch Verletzungspech und die bescheidene Mannschaftsleistung beeinflusst. Bleibt zu hoffen dass Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nächsten Sommer zufriedener auf ihre Transfers zurückblicken können.

Der, der in dieser Frage eine große Rolle spielen wird, hatte nun seine ersten Auftritte in Dortmund. Lucien Favre auf der Pressekonferenz und dem Trainingsplatz. Auf letzterem fühlte er sich sichtlich wohler. Am flüssigsten sprach Favre vor den Journalisten, als es um seine präferierte Taktik ging. Mit Pressesprecher Sascha Fligge ist der Trainer per Sie. Was alles vollkommen OK ist, wenn hinter verschlossenen Türen vertrauensvoll kommuniziert wird. Die Hoffnung ist da und nicht gering, aber es bleibt spannend.

Weiter geht’s: Toljan da, Passlack weg

Keine Atempause auf dem Transfermarkt: Schon seit einigen Tagen wurde über eine Art Tauschgeschäft mit der TSG Hoffenheim spekuliert, das Jeremy Toljan und Felix Passlack betreffen sollte. Kurzzeitig schien der Deal wegen des geplatzten Verkaufs von Erik Durm an den VfB Stuttgart in Frage zu stehen. Gestern verdichteten sich wie berichtet die Erkenntnisse, dass er doch bevorsteht. Heute Vormittag war es so weit.

Der BVB holt also den U21-Europameister und beidseitigen Außenverteidiger Jeremy Toljan (23) aus Sinsheim. Er erhält einen Fünfjahresvertrag. Im Gegenzug wird der U19-Nationalspieler und beidseitige Außenverteidiger Felix Passlack ohne Kaufoption für zwei Jahre an die TSG verliehen. Die Borussia lässt sich Toljan laut Kicker sieben Millionen Euro plus Boni kosten.

Das macht nur Sinn, wenn Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Jeremy Toljan nicht nur für den derzeit besseren Außenverteidiger halten, sondern der Trainer auch vor hat, ihn einzusetzen. Denn Toljans Vertrag wäre nächsten Sommer ausgelaufen; er hätte dann ablösefrei zum BVB wechseln können. Das heißt im Idealfall: Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek haben sich ab sofort echter Konkurrenz zu stellen. Dan-Axel Zagadou hat auch schon gezeigt, dass er die Position ordentlich spielen kann.

Ob sich Toljan dauerhaft gegen einen der beiden Platzhirsche durchsetzen kann, ist eine andere Frage. In knapp vier Jahren seit seinem Bundesligadebüt für die TSG kam er dort auf 56 Einsätze. In der aktuellen Saison hat er allerdings die kompletten 180 Minuten absolviert. Was man mit großer Wahrscheinlichkeit sagen kann: Jeremy Toljan hat noch mehr Entwicklungspotenzial als Schmelle und Piszczu. Die wohl größte Baustelle der Borussia scheint endlich ernsthaft angepackt zu werden.

Felix Passlack könnte nach zwei Jahren zum BVB zurückkehren. Dafür steht ein Anderer, der wirklich ein schwarz-gelbes Herz hat, vor einem Wechsel zum prominenten Regionalligisten 1860 München. Torwart Hendrik Bonmann sagte Schwatzgelb.de: „Mein größter Traum ist und bleibt Borussia Dortmund.“ Doch schon zum Zeitpunkt des Interviews im April war klar, dass es Bonmann in der ersten Mannschaft wie in der U23 trotz guter Leistungen schwer haben würde. Die Ersatzbank im Westfalenstadion ist schließlich ein weiteres Jahr mit Roman Weidenfeller besetzt. Und im Kader der U23 gehen die Plätze für ältere Spieler aus. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Rückkehr als Nummer Eins oder Zwei.

Tradition, Leidenschaft, Abstiegskampf

Ein 146-jähriger Fußballverein aus der Stadt des ältesten Klubs überhaupt. Fans, die zu Tausenden zu Auswärtsspielen fahren und ein eigenes Stadion, das fast in jedem Spiel mit über 20.000 Menschen gefüllt ist. Und das, obwohl sich der englische Zweitligist Sheffield Wednesday wie in der vergangenen Saison am unteren Ende der Tabelle herumdrückt. Dabei hatten die ‚Owls‘ im Sommer auf mehr gehofft. Die Bestandsaufnahme nach 21 absolvierten Spieltagen ergibt jedoch Platz 22, den ersten Abstiegsrang in der Championship (die wegen Starkregens abgebrochene Partie gegen Wigan Athletic muss allerdings noch nachgeholt werden).

Die Aufbruchstimmung in der Liga wich im Herbst schnell der Ernüchterung: Erst Anfang November gelang Wednesday der erste Sieg. Trainer Dave Jones holte in Jeremy Hélan zwar einen jungen Flügelspieler von Manchester City permanent nach Hillsborough, doch insgesamt sind seine sommerlichen Transferaktivitäten bestenfalls als durchwachsen einzuschätzen. Der Einkauf des 24-jährigen albanischstämmigen Österreichers Atdhe Nuhiu für den Sturm hat sich noch nicht richtig ausgezahlt. Auf mehreren Positionen kommen Leihspieler zum Einsatz, die teilweise nach jetzigem Stand am Jahresende zu ihren Heimatklubs zurückkehren müssen. Außerdem wurden mehrere ältere vereinslose Spieler verpflichtet.

Inzwischen hat Jones ohnehin nicht mehr das Sagen: Anfang Dezember hatte der exzentrische Owls-Besitzer Milan Mandaric genug und entließ den Aufstiegstrainer. Sein Nachfolger Stuart Gray, zuvor First Team Coach bei Wednesday, gilt als Interimslösung. Aus fünf Spielen unter der Regie des 53-jährigen holte die Mannschaft sieben Punkte, darunter war ein Sieg gegen Aufstiegsaspirant Leicester City. Da dem Vorsitzenden Mandaric derzeit der Wille zu fehlen scheint, erneut eine größere Summe zu investieren – und dies wegen der künftigen Financial Fair Play-Regeln auch nicht opportun erscheint – könnte Gray den Job bei entsprechenden Resultaten allerdings sogar permanent kriegen. Oder bis Saisonende.

Allgemein wird im Umfeld des Vereins angenommen, dass Milan Mandaric seine Anteile an Sheffield Wednesday lieber heute als morgen loswerden und sich vielleicht sogar ganz aus dem Fußballgeschäft zurückziehen möchte. Äußerungen des Klub-Retters, der die Owls 2010 vor der Insolvenz bewahrte, gehen in diese Richtung. Hals über Kopf im Stich lassen wird er Wednesday nicht – den Verein endlich wieder in die Premier League führen aber wohl ebenso wenig.

Die nachlassenden Ambitionen Mandarics dürften auch dafür sorgen, dass in der Transferphase im Januar keine großen Geschäfte getätigt werden. Ein akutes Problem könnte sich im Sturm ergeben: Top-Torschütze Connor Wickham ist nur ausgeliehen und muss am 1.1. zurück zum Premier League-Klub Sunderland. Matty Fryatt ist schon wieder bei seinem eigentlichen Klub Hull City. Gray hat bereits den Schotten Chris Maguire von seiner Leihe beim Drittligisten Coventry City zurückbeordert, doch wenn Nuhiu weiter so selten trifft, müssen sich die Owls etwas einfallen lassen. Erste Option wäre wohl eine Verlängerung von Wickhams temporärem Aufenthalt – wenn die abstiegsbedrohten ‚Black Cats‘ ihn entbehren wollen.

Am traditionellen Boxing Day-Spieltag (26. Dezember) schlug sich Wednesday achtbar: Bei den ambitionierten Blackburn Rovers erarbeitete man sich ein 0:0. Nach der enttäuschenden Heimniederlage gegen Aufsteiger Bournemouth kurz vor dem Fest hatten damit die wenigsten gerechnet: Die zwei Online-Fanzines „Owls Alive“ und „Owlsonline“ sagten jeweils ein 1:3 vorher. Der zuletzt zugunsten der Arsenal-Leihgabe Damian Martinez auf die Ersatzbank versetzte Stammtorhüter Chris Kirkland durfte zurück zwischen die Pfosten und zeigte eine starke Leistung; der erfahrene Glenn Loovens überzeugte nach Verletzung in der Innenverteidigung.

Gut möglich, dass sich Sheffield Wednesday auch in dieser Spielzeit wieder aus dem Schlamassel zieht. Doch eigentlich ist es Zeit für den Traditionsverein, nach seiner Konsolidierung einen konzeptionellen Neuaufbau des Teams zu starten. Fragt sich nur, welcher Eigentümer die Geduld dafür hat und welcher Trainer das Vertrauen dafür kriegt.

Rückkaufrecht und Leihgeschäft

Während sich viele Sportmedien im Sommerloch und im Gefolge der Stimmungsmacher mit den vier Buchstaben trotz Substanzmangels bereitwillig auf den Fall Lewandowski stürzen, hat Borussia Dortmund mehrere andere Transfers abgewickelt. Die jungen Spieler Julian Koch, Moritz Leitner und Leonardo Bittencourt werden den Verein verlassen – zumindest vorerst. Kochs Wechsel zum FSV Mainz ist schon seit einigen Tagen bekannt. Der verletzungsgeplagte Rechtsverteidiger / Mittelfeldspieler wünscht sich verständlicherweise, regelmäßig Fußball spielen zu können – angesichts der Sokratis-Verpflichtung hätte er darauf in Dortmund weiterhin wenig Chancen gehabt.

In den letzten ein, zwei Tagen scheint ein weiterer Wechsel finalisiert worden zu sein, der bereits seit Wochen im Raum und kurz vor der Vollendung stand: Leonardo Bittencourt spielt ab Juli für Hannover 96, wo er einen Vierjahresvertrag unterschrieben haben soll. Die Ablösesumme soll rund zwei Millionen Euro betragen – etwas weniger, als der BVB im letzten Sommer an Cottbus gezahlt hat. Was die Fälle Koch und Bittencourt verbindet: Die Borussia hat anscheinend für beide Spieler ein Rückkaufrecht vereinbart. Für Bittencourt würde angeblich eine Summe von etwa sechs Millionen Euro fällig.

Eine solche Vereinbarung erinnert an die Ausstiegsklauseln, die die Schwarz-Gelben zu Lasten des Vereins nicht mehr akzeptieren wollen. Für den BVB ist es eine Win-Win-Situation, schließlich steht die Klausel bei Koch und Bittencourt exklusiv unserem Verein zu. Sollte sich einer der beiden sensationell entwickeln, könnte man ihn zurückholen – unklar ist allerdings, ob die Spieler zustimmen müssten. Gerade im Fall von Bittencourt macht das Vorgehen Sinn, denn der offensive Mittelfeldspieler war erst ein Jahr in Dortmund und hatte bei seinen gelegentlichen Einsätzen durchaus ansehnliche Szenen dabei.

Deutlich leichteren Herzens habe ich den Wechsel von Moritz Leitner zum VfB Stuttgart vernommen. Der 20-jährige Mittelfeldspieler wird für zwei Jahre ohne Kaufoption an die Schwaben ausgeliehen. Im Zuge des Deals wurde Leitners Vertrag in Dortmund bis 2017 verlängert. VfB-Sportdirektor Fredi Bobic freut sich mächtig:

Er ist jung, technisch hoch veranlagt und verfügt über ein sehr gutes Spielverständnis. Und nicht zuletzt ist er auf mehreren Positionen einsetzbar. Damit bringt er alle Fähigkeiten mit, um eine tragende Rolle in unserem Spiel einzunehmen.

Ob er das am Neckar wirklich schafft? Bei der Borussia hat Leitner bei deutlich mehr Spielzeit als Bittencourt weniger überzeugt. Für eine tragende Rolle fehlt ihm (noch?) die Präsenz; viel zu häufig spielte er anonym, war kaum eingebunden und obendrein nicht gerade zweikampfstark.

Was zwei Jahre in Stuttgart bewirken können, hat Philipp Lahm gezeigt. Auf einer anderen Position, doch mit ähnlicher Statur wie Leitner. Letztlich kann sich der BVB auch in diesem Fall bequem zurücklehnen und die Entwicklung beobachten – selbst wenn etwas mehr Skepsis angebracht scheint als bei Bittencourt.

Im Erfolgsfall könnten die drei neuen Vereine der Abgänger am Ende das Nachsehen haben – wie der BVB im Fall Götze. Doch sicher spekulieren Christian Heidel, Christoph Dufner und Fredi Bobic darauf, dass für die Spieler auch in zwei Jahren kein Platz in einer hoffentlich weiter stark besetzten und in der Champions League vertretenen Dortmunder Mannschaft sein wird. Für die Borussenfans stellt sich nun die spannende Frage, wie viele Mittelfeldspieler neben dem Götze-Ersatzmann noch kommen werden. Viel Bedarf besteht eigentlich nicht, da zu hoffen ist, dass auch Jonas Hofmann die ein oder andere Chance bekommen wird. Substanzielle Geldsummen sollte man daher, falls nötig, eher in einen konkurrenzfähigen Links-/Außenverteidiger stecken.

Die Rückkehr des Nuri Sahin – mehr als nur Sentimentalität?

Bei Hans-Joachim Watzke wurde gestern plötzliches Nasenwachstum festgestellt. Noch vor wenigen Tagen hatte er Spekulationen um die Rückkehr von Nuri Sahin zu Borussia Dortmund ins Reich der Fantasie verwiesen. Und so dürfte die Mehrzahl der Fans und Journalisten (inklusive mir) doch überrascht gewesen sein, als gestern durchsickerte, dass bei einer Pressekonferenz die Rückkehr des Ur-Borussen bekanntgegeben werden sollte. Watzke versuchte dann, die ganze Geschichte als einen Transfer innerhalb von 48 Stunden darzustellen – doch am Ende der PK verriet Nuri doch, dass bereits seit einer Woche Gespräche stattgefunden hatten.

Alles was Sahin gestern sagte, klang so, als ob er einfach wieder in seiner fußballerischen wie geographischen Heimat spielen wollte. Vermutlich hätte sich diese Erkenntnis bei ihm weniger schnell durchgesetzt, wenn er in Madrid oder Liverpool regelmäßig gespielt hätte. Und doch klangen seine Worte bescheiden und berührend ehrlich.

Die Formalien sehen folgendermaßen aus: Nuri wird 18 Monate – bis zum Ende der kommenden Saison – von Real Madrid ausgeliehen. Danach hat der BVB eine Kaufoption, auch wenn das von Michael Zorc nur implizit bestätigt wurde. Gegenüber seinem Gehalt bei Real hat Nuri offenbar große Abstriche gemacht, um wieder in schwarz-gelb spielen zu können.

Nuris Rückkehr, die warmen Worte, sind ein Grund zur Freude. Es wirkte alles menschlich, alles echt, was unsere neue Nummer 18 gestern sagte. Seinen Berater Reza Fazeli, der 2011 sicher zu seinem Wechsel beitrug, hat Sahin leider immer noch. Und deswegen sollte man auch einmal mit kühlem Kopf schauen, was der Transfer Borussia Dortmund bringt. Während seiner Abwesenheit hat Nuri nur unregelmäßig Spielpraxis bekommen, weswegen er nicht damit rechnen kann, sofort in die Startelf zu rutschen. Zunächst dürfte er der Edel-Back-up sein, der hineinkommt, wenn Gündogan oder sowohl Kehl als auch Bender fehlen. Vielleicht probiert ihn Jürgen Klopp auch mal auf der linken Seite aus.

Kann Sahin an seine Dortmunder Form der Vergangenheit anknüpfen, könnte sich die Rückkehr zum Glücksgriff für alle entwickeln. Dann allerdings dürfte früher oder später der ein oder andere Spieler neue Herausforderungen suchen, denn das BVB-Mittelfeld wirkt nun schon fast überbesetzt – zumindest auf den zentral offensiven Positionen. Doch heute ist nicht der Tag der Bedenkenträger – willkommen zurück, Nuri!

Vertraue niemandem bevor die Uhr zwölfmal geschlagen hat

Der letzte Tag der Transferperioden im europäischen Fußball ist gewöhnlich voll von überraschenden Wendungen. In diesem Jahr spielte auch Borussia Dortmund eine größere Rolle bei den Spekulationen – jedoch nur mögliche Abgänge betreffend. Hier nun die Chronik der letzten 24 Stunden und was dabei herausgekommen ist.

Gestern Abend berichtete AGW vom Interesse des FC Fulham an Lucas Barrios. Dieser Wechsel scheiterte vermutlich an der Ablöseforderung der Borussia. Zehn Millionen Euro waren die Londoner nicht bereit zu zahlen (die inzwischen Pawel Pogrebnyak vom VfB verpflichtet haben). Dementsprechend verlautete heute Morgen, Barrios‘ Berater habe gesagt, sein Klient bliebe bis Saisonende in Dortmund. Am Nachmittag kamen neue, weniger glaubwürdige, wenn auch nicht überraschende Gerüchte auf: Last-Minute-König Felix Magath habe Interesse an einer Verpflichtung des Torjägers. Zwar hätte der VWL Wolfsburg sicher die Mittel gehabt, auch mehr als zehn Millionen zu zahlen, doch die Neigung bei Michael Zorc und Jürgen Klopp, Barrios innerhalb der Liga wechseln zu lassen, dürfte gering gewesen sein.

Endgültig geklärt war die Geschichte, als gleich zwei Stürmerwechsel bekannt wurden. Damien Le Tallec wechselt nach einer letztendlich fruchtlosen Zeit in Dortmund in die zweite französische Liga zum Traditionsklub FC Nantes. Der junge Franzose wurde durch eine Schulterverletzung in seiner Entwicklung zurückgeworfen, bekam allerdings auch nie eine echte Chance in schwarz-gelb. Er war eine der Verpflichtungen, die man schon damals für nicht zwingend hielt und die sich nun als halbgar herausgestellt haben, da Damien immer zwischen erster und zweiter Mannschaft stand. Aber es kann ja nicht alles funktionieren.

Für mehr Aufsehen sorgte der zweite Wechsel. Mohamed Zidan kehrt zu seinem Ex-Verein FSV Mainz 05 zurück. Er unterschreibt dort bis Saisonende, mit Option auf zwei weitere Jahre. Dieser Transfer stand schon in den letzten Tagen im Raum – jedoch nur für den Fall, dass Barrios in Dortmund bliebe. Der Südamerikaner schien in dieser Konstellation der entscheidende Faktor zu sein. Über die Ablöse für Zidan, der noch bis Saisonende beim BVB unter Vertrag stand, wurde zunächst nichts bekannt.

‚Mo‘ Zidan hatte seine Momente in schwarz-gelb. Ich verweise immer gerne auf dieses Spiel oder auf dieses. Der Kreuzbandriss nahm ihm vermutlich die letzte Chance, sich auf lange Sicht in der Startelf zu etablieren. Es ist Mohamed hoch anzurechnen, dass er sich entgegen seines Rufs in Dortmund weitestgehend tadellos verhielt. In Mainz dürfte er ein Umfeld finden, das ihn ähnlich willkommen heißt und ihm ähnlich gut liegt wie das Dortmunder. Alles Gute und viel Erfolg bei euren neuen Vereinen, Mohamed und Damien!

Zidan und Le Tallec weg, Barrios bleibt. Nach jetzigem Stand nur bis zum Saisonende. Für die Rückserie hat die Borussia damit einen Topstürmer auf der Ersatzbank, der sich für zukünftige Vereine empfehlen will – eine gute Konstellation. Sollte wider Erwarten dennoch ein Stürmer-Engpass eintreten, hätte Jürgen Klopp immer noch die Möglichkeit, einen Spieler aus der zweiten Mannschaft, wie etwa Terence Boyd, einzusetzen. Flankiert von den anderen torgefährlichen Offensivspielern wie Kagawa, Großkreutz oder Götze – es gibt schlimmere Szenarien. Im Notfall wären auch Kagawa oder Perisic im Sturm denkbar.

Kleinere Wechsel gab es auch noch. Schon vor einigen Tagen wechselte Innenverteidiger Marc Hornschuh auf Leihbasis zum FC Ingolstadt. Bleiben die Bayern in der zweiten Liga, wird er auch nächste Saison dort spielen. Heute hat außerdem der FC Arsenal für rund 450.000 Euro den 19-jährigen Thomas Eisfeld verpflichtet. Der war offensiver Mittelfeldspieler im Nachwuchsbereich des BVB, sein Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen. Doch wohl kein zweiter Marco Reus?

(Quellen: Spox, Kicker, BBC Sport)

Dortmund trainiert und transferiert

Borussia Dortmund hat gestern als gemeinsam mit Werder Bremen letzte Bundesligamannschaft die Saisonvorbereitung aufgenommen. Etwas ungewohnt war, dass das erste Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Es ist jedoch einleuchtend, dass der amtierende Meister die ‚Erstintegration‘ der Neuzugänge und den obligatorischen Laktattest nicht auf der großen Bühne durchführen will. Für mich als räumlich entfernten Beobachter macht es ohnehin keinen Unterschied. Der Trainingsauftakt ist aber eine gute Gelegenheit, sich den personellen Stand der Dinge zu vergegenwärtigen.

Vier der fünf Neuzugänge von außerhalb des Vereins waren gestern schon dabei – auch Ivan Perisic, der wie alle anderen Nationalspieler noch bis 3. Juli Urlaub gehabt hätte. Angesichts der Konkurrenzsituation im BVB-Mittelfeld wollte er jedoch den Auftakt nicht verpassen. Julian Koch wird noch lange fehlen. An seinem verletzten Knie musste vor kurzem ein arthroskopischer Eingriff durchgeführt werden, so dass sich die notwendige Kreuzband-OP um fünf Wochen verzögert. Es ist somit sehr unwahrscheinlich, dass er zum Rückrundenauftakt wieder zur Verfügung steht. Ich wünsche weiterhin gute Besserung, Julian! Der 21-jährige Mittelfeldspieler Marvin Bakalorz ist ein weiterer ‚Neuzugang‘. Er kommt aus der zweiten Mannschaft und steht im Falle einer Verletzungskrise als Ergänzungsspieler bereit.

Vor einem Monat, nach dem Perisic-Transfer, haben die BVB-Verantwortlichen plausibel erklärt, dass keine weiteren Zugänge geplant sind. Die Medien, vor allem ausländische, ließen sich erwartungsgemäß nicht beirren und spekulierten über Namen wie Bendtner und Diakité. Die Aussage von Michael Zorc hat jedoch nach wie vor Bestand und es gibt nicht den geringsten Grund, an ihr zu zweifeln. Der schwarz-gelbe Kader soll sogar noch etwas verschlankt werden.

Vorgestern gab Energie Cottbus bekannt, dass sie ihren ehemaligen Spieler Dimitar Rangelov für ein Jahr von der Borussia ausleihen. Rangelov spielt in Dortmund keine Rolle mehr und war zuletzt an Maccabi Tel Aviv ausgeliehen, die eine Kaufoption für den Stürmer jedoch nicht wahrnahmen. Über die Modalitäten der Ausleihe in die Lausitz wurde laut des FC Energie Stillschweigen vereinbart und es sind auch noch keine Details bekannt geworden. Eine Leihgebühr werden die Schwarz-Gelben eher nicht kassieren – möglicherweise zahlt der Zweitligist jedoch das komplette Gehalt, denn es soll noch weitere Interessenten gegeben haben. Rangelov hat beim BVB noch einen Vertrag bis 2013.

Die „Ruhr Nachrichten“ berichten desweiteren, dass Damien Le Tallec mit dem FC St. Pauli über eine Ausleihe verhandelt. Angesichts des momentan von Jürgen Klopp favorisierten Spielsystems, zwei sehr guten vorhandenen Stürmern und einem Mohamed Zidan in der Hinterhand würde ein temporärer Wechsel für den jungen Franzosen Sinn machen. Über einen alternativen Verein für den lange verletzten Florian Kringe ist noch nichts bekannt.

Der BVB wirkt einen Monat vor dem Pokalspiel in Sandhausen und 3 1/2 Wochen vor dem Supercup in Gelsenkirchen (der immerhin wieder eine offizielle DFL-Veranstaltung ist) gut aufgestellt. Bei solchen Aussagen ist zu diesem Zeitpunkt natürlich viel Spekulation dabei. Aber außer dem unvermeidlichen FC Bayern gibt es keinen Konkurrenten, vor dem sich die Schwarz-Gelben in der gegenwärtigen Verfassung verstecken müssten. Das soll nicht heißen, dass sich nicht andere Vereine besser entwickeln als derzeit abzusehen. Es wird diese positiven Überraschungen geben und deshalb ist es nur zu begrüßen, dass Hans-Joachim Watzke keine übertrieben ehrgeizigen Saisonziele formuliert.