Weiter geht’s: Toljan da, Passlack weg

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Keine Atempause auf dem Transfermarkt: Schon seit einigen Tagen wurde über eine Art Tauschgeschäft mit der TSG Hoffenheim spekuliert, das Jeremy Toljan und Felix Passlack betreffen sollte. Kurzzeitig schien der Deal wegen des geplatzten Verkaufs von Erik Durm an den VfB Stuttgart in Frage zu stehen. Gestern verdichteten sich wie berichtet die Erkenntnisse, dass er doch bevorsteht. Heute Vormittag war es so weit.

Der BVB holt also den U21-Europameister und beidseitigen Außenverteidiger Jeremy Toljan (23) aus Sinsheim. Er erhält einen Fünfjahresvertrag. Im Gegenzug wird der U19-Nationalspieler und beidseitige Außenverteidiger Felix Passlack ohne Kaufoption für zwei Jahre an die TSG verliehen. Die Borussia lässt sich Toljan laut Kicker sieben Millionen Euro plus Boni kosten.

Das macht nur Sinn, wenn Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Jeremy Toljan nicht nur für den derzeit besseren Außenverteidiger halten, sondern der Trainer auch vor hat, ihn einzusetzen. Denn Toljans Vertrag wäre nächsten Sommer ausgelaufen; er hätte dann ablösefrei zum BVB wechseln können. Das heißt im Idealfall: Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek haben sich ab sofort echter Konkurrenz zu stellen. Dan-Axel Zagadou hat auch schon gezeigt, dass er die Position ordentlich spielen kann.

Ob sich Toljan dauerhaft gegen einen der beiden Platzhirsche durchsetzen kann, ist eine andere Frage. In knapp vier Jahren seit seinem Bundesligadebüt für die TSG kam er dort auf 56 Einsätze. In der aktuellen Saison hat er allerdings die kompletten 180 Minuten absolviert. Was man mit großer Wahrscheinlichkeit sagen kann: Jeremy Toljan hat noch mehr Entwicklungspotenzial als Schmelle und Piszczu. Die wohl größte Baustelle der Borussia scheint endlich ernsthaft angepackt zu werden.

Felix Passlack könnte nach zwei Jahren zum BVB zurückkehren. Dafür steht ein Anderer, der wirklich ein schwarz-gelbes Herz hat, vor einem Wechsel zum prominenten Regionalligisten 1860 München. Torwart Hendrik Bonmann sagte Schwatzgelb.de: „Mein größter Traum ist und bleibt Borussia Dortmund.“ Doch schon zum Zeitpunkt des Interviews im April war klar, dass es Bonmann in der ersten Mannschaft wie in der U23 trotz guter Leistungen schwer haben würde. Die Ersatzbank im Westfalenstadion ist schließlich ein weiteres Jahr mit Roman Weidenfeller besetzt. Und im Kader der U23 gehen die Plätze für ältere Spieler aus. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Rückkehr als Nummer Eins oder Zwei.

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Tradition, Leidenschaft, Abstiegskampf

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Ein 146-jähriger Fußballverein aus der Stadt des ältesten Klubs überhaupt. Fans, die zu Tausenden zu Auswärtsspielen fahren und ein eigenes Stadion, das fast in jedem Spiel mit über 20.000 Menschen gefüllt ist. Und das, obwohl sich der englische Zweitligist Sheffield Wednesday wie in der vergangenen Saison am unteren Ende der Tabelle herumdrückt. Dabei hatten die ‚Owls‘ im Sommer auf mehr gehofft. Die Bestandsaufnahme nach 21 absolvierten Spieltagen ergibt jedoch Platz 22, den ersten Abstiegsrang in der Championship (die wegen Starkregens abgebrochene Partie gegen Wigan Athletic muss allerdings noch nachgeholt werden).

Die Aufbruchstimmung in der Liga wich im Herbst schnell der Ernüchterung: Erst Anfang November gelang Wednesday der erste Sieg. Trainer Dave Jones holte in Jeremy Hélan zwar einen jungen Flügelspieler von Manchester City permanent nach Hillsborough, doch insgesamt sind seine sommerlichen Transferaktivitäten bestenfalls als durchwachsen einzuschätzen. Der Einkauf des 24-jährigen albanischstämmigen Österreichers Atdhe Nuhiu für den Sturm hat sich noch nicht richtig ausgezahlt. Auf mehreren Positionen kommen Leihspieler zum Einsatz, die teilweise nach jetzigem Stand am Jahresende zu ihren Heimatklubs zurückkehren müssen. Außerdem wurden mehrere ältere vereinslose Spieler verpflichtet.

Inzwischen hat Jones ohnehin nicht mehr das Sagen: Anfang Dezember hatte der exzentrische Owls-Besitzer Milan Mandaric genug und entließ den Aufstiegstrainer. Sein Nachfolger Stuart Gray, zuvor First Team Coach bei Wednesday, gilt als Interimslösung. Aus fünf Spielen unter der Regie des 53-jährigen holte die Mannschaft sieben Punkte, darunter war ein Sieg gegen Aufstiegsaspirant Leicester City. Da dem Vorsitzenden Mandaric derzeit der Wille zu fehlen scheint, erneut eine größere Summe zu investieren – und dies wegen der künftigen Financial Fair Play-Regeln auch nicht opportun erscheint – könnte Gray den Job bei entsprechenden Resultaten allerdings sogar permanent kriegen. Oder bis Saisonende.

Allgemein wird im Umfeld des Vereins angenommen, dass Milan Mandaric seine Anteile an Sheffield Wednesday lieber heute als morgen loswerden und sich vielleicht sogar ganz aus dem Fußballgeschäft zurückziehen möchte. Äußerungen des Klub-Retters, der die Owls 2010 vor der Insolvenz bewahrte, gehen in diese Richtung. Hals über Kopf im Stich lassen wird er Wednesday nicht – den Verein endlich wieder in die Premier League führen aber wohl ebenso wenig.

Die nachlassenden Ambitionen Mandarics dürften auch dafür sorgen, dass in der Transferphase im Januar keine großen Geschäfte getätigt werden. Ein akutes Problem könnte sich im Sturm ergeben: Top-Torschütze Connor Wickham ist nur ausgeliehen und muss am 1.1. zurück zum Premier League-Klub Sunderland. Matty Fryatt ist schon wieder bei seinem eigentlichen Klub Hull City. Gray hat bereits den Schotten Chris Maguire von seiner Leihe beim Drittligisten Coventry City zurückbeordert, doch wenn Nuhiu weiter so selten trifft, müssen sich die Owls etwas einfallen lassen. Erste Option wäre wohl eine Verlängerung von Wickhams temporärem Aufenthalt – wenn die abstiegsbedrohten ‚Black Cats‘ ihn entbehren wollen.

Am traditionellen Boxing Day-Spieltag (26. Dezember) schlug sich Wednesday achtbar: Bei den ambitionierten Blackburn Rovers erarbeitete man sich ein 0:0. Nach der enttäuschenden Heimniederlage gegen Aufsteiger Bournemouth kurz vor dem Fest hatten damit die wenigsten gerechnet: Die zwei Online-Fanzines „Owls Alive“ und „Owlsonline“ sagten jeweils ein 1:3 vorher. Der zuletzt zugunsten der Arsenal-Leihgabe Damian Martinez auf die Ersatzbank versetzte Stammtorhüter Chris Kirkland durfte zurück zwischen die Pfosten und zeigte eine starke Leistung; der erfahrene Glenn Loovens überzeugte nach Verletzung in der Innenverteidigung.

Gut möglich, dass sich Sheffield Wednesday auch in dieser Spielzeit wieder aus dem Schlamassel zieht. Doch eigentlich ist es Zeit für den Traditionsverein, nach seiner Konsolidierung einen konzeptionellen Neuaufbau des Teams zu starten. Fragt sich nur, welcher Eigentümer die Geduld dafür hat und welcher Trainer das Vertrauen dafür kriegt.

Rückkaufrecht und Leihgeschäft

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Während sich viele Sportmedien im Sommerloch und im Gefolge der Stimmungsmacher mit den vier Buchstaben trotz Substanzmangels bereitwillig auf den Fall Lewandowski stürzen, hat Borussia Dortmund mehrere andere Transfers abgewickelt. Die jungen Spieler Julian Koch, Moritz Leitner und Leonardo Bittencourt werden den Verein verlassen – zumindest vorerst. Kochs Wechsel zum FSV Mainz ist schon seit einigen Tagen bekannt. Der verletzungsgeplagte Rechtsverteidiger / Mittelfeldspieler wünscht sich verständlicherweise, regelmäßig Fußball spielen zu können – angesichts der Sokratis-Verpflichtung hätte er darauf in Dortmund weiterhin wenig Chancen gehabt.

In den letzten ein, zwei Tagen scheint ein weiterer Wechsel finalisiert worden zu sein, der bereits seit Wochen im Raum und kurz vor der Vollendung stand: Leonardo Bittencourt spielt ab Juli für Hannover 96, wo er einen Vierjahresvertrag unterschrieben haben soll. Die Ablösesumme soll rund zwei Millionen Euro betragen – etwas weniger, als der BVB im letzten Sommer an Cottbus gezahlt hat. Was die Fälle Koch und Bittencourt verbindet: Die Borussia hat anscheinend für beide Spieler ein Rückkaufrecht vereinbart. Für Bittencourt würde angeblich eine Summe von etwa sechs Millionen Euro fällig.

Eine solche Vereinbarung erinnert an die Ausstiegsklauseln, die die Schwarz-Gelben zu Lasten des Vereins nicht mehr akzeptieren wollen. Für den BVB ist es eine Win-Win-Situation, schließlich steht die Klausel bei Koch und Bittencourt exklusiv unserem Verein zu. Sollte sich einer der beiden sensationell entwickeln, könnte man ihn zurückholen – unklar ist allerdings, ob die Spieler zustimmen müssten. Gerade im Fall von Bittencourt macht das Vorgehen Sinn, denn der offensive Mittelfeldspieler war erst ein Jahr in Dortmund und hatte bei seinen gelegentlichen Einsätzen durchaus ansehnliche Szenen dabei.

Deutlich leichteren Herzens habe ich den Wechsel von Moritz Leitner zum VfB Stuttgart vernommen. Der 20-jährige Mittelfeldspieler wird für zwei Jahre ohne Kaufoption an die Schwaben ausgeliehen. Im Zuge des Deals wurde Leitners Vertrag in Dortmund bis 2017 verlängert. VfB-Sportdirektor Fredi Bobic freut sich mächtig:

Er ist jung, technisch hoch veranlagt und verfügt über ein sehr gutes Spielverständnis. Und nicht zuletzt ist er auf mehreren Positionen einsetzbar. Damit bringt er alle Fähigkeiten mit, um eine tragende Rolle in unserem Spiel einzunehmen.

Ob er das am Neckar wirklich schafft? Bei der Borussia hat Leitner bei deutlich mehr Spielzeit als Bittencourt weniger überzeugt. Für eine tragende Rolle fehlt ihm (noch?) die Präsenz; viel zu häufig spielte er anonym, war kaum eingebunden und obendrein nicht gerade zweikampfstark.

Was zwei Jahre in Stuttgart bewirken können, hat Philipp Lahm gezeigt. Auf einer anderen Position, doch mit ähnlicher Statur wie Leitner. Letztlich kann sich der BVB auch in diesem Fall bequem zurücklehnen und die Entwicklung beobachten – selbst wenn etwas mehr Skepsis angebracht scheint als bei Bittencourt.

Im Erfolgsfall könnten die drei neuen Vereine der Abgänger am Ende das Nachsehen haben – wie der BVB im Fall Götze. Doch sicher spekulieren Christian Heidel, Christoph Dufner und Fredi Bobic darauf, dass für die Spieler auch in zwei Jahren kein Platz in einer hoffentlich weiter stark besetzten und in der Champions League vertretenen Dortmunder Mannschaft sein wird. Für die Borussenfans stellt sich nun die spannende Frage, wie viele Mittelfeldspieler neben dem Götze-Ersatzmann noch kommen werden. Viel Bedarf besteht eigentlich nicht, da zu hoffen ist, dass auch Jonas Hofmann die ein oder andere Chance bekommen wird. Substanzielle Geldsummen sollte man daher, falls nötig, eher in einen konkurrenzfähigen Links-/Außenverteidiger stecken.

Die Rückkehr des Nuri Sahin – mehr als nur Sentimentalität?

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Bei Hans-Joachim Watzke wurde gestern plötzliches Nasenwachstum festgestellt. Noch vor wenigen Tagen hatte er Spekulationen um die Rückkehr von Nuri Sahin zu Borussia Dortmund ins Reich der Fantasie verwiesen. Und so dürfte die Mehrzahl der Fans und Journalisten (inklusive mir) doch überrascht gewesen sein, als gestern durchsickerte, dass bei einer Pressekonferenz die Rückkehr des Ur-Borussen bekanntgegeben werden sollte. Watzke versuchte dann, die ganze Geschichte als einen Transfer innerhalb von 48 Stunden darzustellen – doch am Ende der PK verriet Nuri doch, dass bereits seit einer Woche Gespräche stattgefunden hatten.

Alles was Sahin gestern sagte, klang so, als ob er einfach wieder in seiner fußballerischen wie geographischen Heimat spielen wollte. Vermutlich hätte sich diese Erkenntnis bei ihm weniger schnell durchgesetzt, wenn er in Madrid oder Liverpool regelmäßig gespielt hätte. Und doch klangen seine Worte bescheiden und berührend ehrlich.

Die Formalien sehen folgendermaßen aus: Nuri wird 18 Monate – bis zum Ende der kommenden Saison – von Real Madrid ausgeliehen. Danach hat der BVB eine Kaufoption, auch wenn das von Michael Zorc nur implizit bestätigt wurde. Gegenüber seinem Gehalt bei Real hat Nuri offenbar große Abstriche gemacht, um wieder in schwarz-gelb spielen zu können.

Nuris Rückkehr, die warmen Worte, sind ein Grund zur Freude. Es wirkte alles menschlich, alles echt, was unsere neue Nummer 18 gestern sagte. Seinen Berater Reza Fazeli, der 2011 sicher zu seinem Wechsel beitrug, hat Sahin leider immer noch. Und deswegen sollte man auch einmal mit kühlem Kopf schauen, was der Transfer Borussia Dortmund bringt. Während seiner Abwesenheit hat Nuri nur unregelmäßig Spielpraxis bekommen, weswegen er nicht damit rechnen kann, sofort in die Startelf zu rutschen. Zunächst dürfte er der Edel-Back-up sein, der hineinkommt, wenn Gündogan oder sowohl Kehl als auch Bender fehlen. Vielleicht probiert ihn Jürgen Klopp auch mal auf der linken Seite aus.

Kann Sahin an seine Dortmunder Form der Vergangenheit anknüpfen, könnte sich die Rückkehr zum Glücksgriff für alle entwickeln. Dann allerdings dürfte früher oder später der ein oder andere Spieler neue Herausforderungen suchen, denn das BVB-Mittelfeld wirkt nun schon fast überbesetzt – zumindest auf den zentral offensiven Positionen. Doch heute ist nicht der Tag der Bedenkenträger – willkommen zurück, Nuri!

Vertraue niemandem bevor die Uhr zwölfmal geschlagen hat

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Der letzte Tag der Transferperioden im europäischen Fußball ist gewöhnlich voll von überraschenden Wendungen. In diesem Jahr spielte auch Borussia Dortmund eine größere Rolle bei den Spekulationen – jedoch nur mögliche Abgänge betreffend. Hier nun die Chronik der letzten 24 Stunden und was dabei herausgekommen ist.

Gestern Abend berichtete AGW vom Interesse des FC Fulham an Lucas Barrios. Dieser Wechsel scheiterte vermutlich an der Ablöseforderung der Borussia. Zehn Millionen Euro waren die Londoner nicht bereit zu zahlen (die inzwischen Pawel Pogrebnyak vom VfB verpflichtet haben). Dementsprechend verlautete heute Morgen, Barrios‘ Berater habe gesagt, sein Klient bliebe bis Saisonende in Dortmund. Am Nachmittag kamen neue, weniger glaubwürdige, wenn auch nicht überraschende Gerüchte auf: Last-Minute-König Felix Magath habe Interesse an einer Verpflichtung des Torjägers. Zwar hätte der VWL Wolfsburg sicher die Mittel gehabt, auch mehr als zehn Millionen zu zahlen, doch die Neigung bei Michael Zorc und Jürgen Klopp, Barrios innerhalb der Liga wechseln zu lassen, dürfte gering gewesen sein.

Endgültig geklärt war die Geschichte, als gleich zwei Stürmerwechsel bekannt wurden. Damien Le Tallec wechselt nach einer letztendlich fruchtlosen Zeit in Dortmund in die zweite französische Liga zum Traditionsklub FC Nantes. Der junge Franzose wurde durch eine Schulterverletzung in seiner Entwicklung zurückgeworfen, bekam allerdings auch nie eine echte Chance in schwarz-gelb. Er war eine der Verpflichtungen, die man schon damals für nicht zwingend hielt und die sich nun als halbgar herausgestellt haben, da Damien immer zwischen erster und zweiter Mannschaft stand. Aber es kann ja nicht alles funktionieren.

Für mehr Aufsehen sorgte der zweite Wechsel. Mohamed Zidan kehrt zu seinem Ex-Verein FSV Mainz 05 zurück. Er unterschreibt dort bis Saisonende, mit Option auf zwei weitere Jahre. Dieser Transfer stand schon in den letzten Tagen im Raum – jedoch nur für den Fall, dass Barrios in Dortmund bliebe. Der Südamerikaner schien in dieser Konstellation der entscheidende Faktor zu sein. Über die Ablöse für Zidan, der noch bis Saisonende beim BVB unter Vertrag stand, wurde zunächst nichts bekannt.

‚Mo‘ Zidan hatte seine Momente in schwarz-gelb. Ich verweise immer gerne auf dieses Spiel oder auf dieses. Der Kreuzbandriss nahm ihm vermutlich die letzte Chance, sich auf lange Sicht in der Startelf zu etablieren. Es ist Mohamed hoch anzurechnen, dass er sich entgegen seines Rufs in Dortmund weitestgehend tadellos verhielt. In Mainz dürfte er ein Umfeld finden, das ihn ähnlich willkommen heißt und ihm ähnlich gut liegt wie das Dortmunder. Alles Gute und viel Erfolg bei euren neuen Vereinen, Mohamed und Damien!

Zidan und Le Tallec weg, Barrios bleibt. Nach jetzigem Stand nur bis zum Saisonende. Für die Rückserie hat die Borussia damit einen Topstürmer auf der Ersatzbank, der sich für zukünftige Vereine empfehlen will – eine gute Konstellation. Sollte wider Erwarten dennoch ein Stürmer-Engpass eintreten, hätte Jürgen Klopp immer noch die Möglichkeit, einen Spieler aus der zweiten Mannschaft, wie etwa Terence Boyd, einzusetzen. Flankiert von den anderen torgefährlichen Offensivspielern wie Kagawa, Großkreutz oder Götze – es gibt schlimmere Szenarien. Im Notfall wären auch Kagawa oder Perisic im Sturm denkbar.

Kleinere Wechsel gab es auch noch. Schon vor einigen Tagen wechselte Innenverteidiger Marc Hornschuh auf Leihbasis zum FC Ingolstadt. Bleiben die Bayern in der zweiten Liga, wird er auch nächste Saison dort spielen. Heute hat außerdem der FC Arsenal für rund 450.000 Euro den 19-jährigen Thomas Eisfeld verpflichtet. Der war offensiver Mittelfeldspieler im Nachwuchsbereich des BVB, sein Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen. Doch wohl kein zweiter Marco Reus?

(Quellen: Spox, Kicker, BBC Sport)

Dortmund trainiert und transferiert

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Borussia Dortmund hat gestern als gemeinsam mit Werder Bremen letzte Bundesligamannschaft die Saisonvorbereitung aufgenommen. Etwas ungewohnt war, dass das erste Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Es ist jedoch einleuchtend, dass der amtierende Meister die ‚Erstintegration‘ der Neuzugänge und den obligatorischen Laktattest nicht auf der großen Bühne durchführen will. Für mich als räumlich entfernten Beobachter macht es ohnehin keinen Unterschied. Der Trainingsauftakt ist aber eine gute Gelegenheit, sich den personellen Stand der Dinge zu vergegenwärtigen.

Vier der fünf Neuzugänge von außerhalb des Vereins waren gestern schon dabei – auch Ivan Perisic, der wie alle anderen Nationalspieler noch bis 3. Juli Urlaub gehabt hätte. Angesichts der Konkurrenzsituation im BVB-Mittelfeld wollte er jedoch den Auftakt nicht verpassen. Julian Koch wird noch lange fehlen. An seinem verletzten Knie musste vor kurzem ein arthroskopischer Eingriff durchgeführt werden, so dass sich die notwendige Kreuzband-OP um fünf Wochen verzögert. Es ist somit sehr unwahrscheinlich, dass er zum Rückrundenauftakt wieder zur Verfügung steht. Ich wünsche weiterhin gute Besserung, Julian! Der 21-jährige Mittelfeldspieler Marvin Bakalorz ist ein weiterer ‚Neuzugang‘. Er kommt aus der zweiten Mannschaft und steht im Falle einer Verletzungskrise als Ergänzungsspieler bereit.

Vor einem Monat, nach dem Perisic-Transfer, haben die BVB-Verantwortlichen plausibel erklärt, dass keine weiteren Zugänge geplant sind. Die Medien, vor allem ausländische, ließen sich erwartungsgemäß nicht beirren und spekulierten über Namen wie Bendtner und Diakité. Die Aussage von Michael Zorc hat jedoch nach wie vor Bestand und es gibt nicht den geringsten Grund, an ihr zu zweifeln. Der schwarz-gelbe Kader soll sogar noch etwas verschlankt werden.

Vorgestern gab Energie Cottbus bekannt, dass sie ihren ehemaligen Spieler Dimitar Rangelov für ein Jahr von der Borussia ausleihen. Rangelov spielt in Dortmund keine Rolle mehr und war zuletzt an Maccabi Tel Aviv ausgeliehen, die eine Kaufoption für den Stürmer jedoch nicht wahrnahmen. Über die Modalitäten der Ausleihe in die Lausitz wurde laut des FC Energie Stillschweigen vereinbart und es sind auch noch keine Details bekannt geworden. Eine Leihgebühr werden die Schwarz-Gelben eher nicht kassieren – möglicherweise zahlt der Zweitligist jedoch das komplette Gehalt, denn es soll noch weitere Interessenten gegeben haben. Rangelov hat beim BVB noch einen Vertrag bis 2013.

Die „Ruhr Nachrichten“ berichten desweiteren, dass Damien Le Tallec mit dem FC St. Pauli über eine Ausleihe verhandelt. Angesichts des momentan von Jürgen Klopp favorisierten Spielsystems, zwei sehr guten vorhandenen Stürmern und einem Mohamed Zidan in der Hinterhand würde ein temporärer Wechsel für den jungen Franzosen Sinn machen. Über einen alternativen Verein für den lange verletzten Florian Kringe ist noch nichts bekannt.

Der BVB wirkt einen Monat vor dem Pokalspiel in Sandhausen und 3 1/2 Wochen vor dem Supercup in Gelsenkirchen (der immerhin wieder eine offizielle DFL-Veranstaltung ist) gut aufgestellt. Bei solchen Aussagen ist zu diesem Zeitpunkt natürlich viel Spekulation dabei. Aber außer dem unvermeidlichen FC Bayern gibt es keinen Konkurrenten, vor dem sich die Schwarz-Gelben in der gegenwärtigen Verfassung verstecken müssten. Das soll nicht heißen, dass sich nicht andere Vereine besser entwickeln als derzeit abzusehen. Es wird diese positiven Überraschungen geben und deshalb ist es nur zu begrüßen, dass Hans-Joachim Watzke keine übertrieben ehrgeizigen Saisonziele formuliert.

In letzter Minute – Hajnal doch zum VfB

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Ob die Heimpleite gegen den SC Freiburg noch eine Rolle gespielt hat? Entgegen der bisherigen Planungen von Sportdirektor Fredi Bobic hat der VfB Stuttgart nun doch Tamas Hajnal verpflichtet – obwohl keine „Planstelle“ im offensiven Mittelfeld frei geworden ist. Der ungarische Spielmacher wird vom BVB zunächst bis Saisonende an die Schwaben ausgeliehen. Halten diese die Klasse, wird der Transfer permanent. Inklusive Leihgebühr würden dann etwa 1,5 Millionen Euro Ablöse fällig.

Jürgen Klopp und Michael Zorc sind offensichtlich zu der Überzeugung gelangt, dass das zentrale offensive Mittelfeld beim BVB trotz Shinji Kagawas Verletzung ausreichend besetzt ist. Auch da könnte der vergangene Spieltag eine Rolle gespielt haben. Und in der Tat haben wir mit Mario Götze, Mohamed Zidan und zur Not Robert Lewandowski drei Spieler, die diese Position spielen können. Ich halte zwar Tamas Hajnal nach wie vor für eine gute Nummer 10 und er kann tolle Standards schießen, hat aber gegenüber den Konkurrenten ein gewisses Geschwindigkeitsdefizit. Es gab zwar keine Notwendigkeit ihn abzugeben, aber in diesem Fall dem Wunsch des Spielers zu entsprechen, ist in Ordnung und angesichts seines momentanen Status als Ergänzungsspieler nur fair.

Tamas hat sich in der ganzen Angelegenheit immer vorbildlich verhalten und ich wünsche ihm alles Gute für seine Zukunft!

Weit mehr Überraschungen gab es am letzten Tag der Transferphase mal wieder in Gelsenkirchen. Kann sich eigentlich noch jemand an Nicolas Plestan erinnern? Nun hat Felix Magath die Hoffnungsträger Angelos Charisteas und Ali Karimi verpflichtet und feiert ein großes Nuller-Revival. Endspiel auf Schalke?

Moritz Leitner kommt zum BVB – bald

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Vor zwei Jahren wäre es sehr unwahrscheinlich gewesen, dass Borussia Dortmund einen Wettstreit um die Unterschrift eines talentierten Spielers gegen Bayer Leverkusen gewinnt. Noch vor dieser Saison ging der kroatische Rechts- und Innenverteidiger Domagoj Vida lieber zur Werkself als zum BVB. Bisher ließ ihn Jupp Heynckes zweimal in der Europa League spielen.

Die Zeiten ändern sich. Moritz Leitner von 1860 München, der als ein Riesentalent gilt, wechselt im Winter zur Borussia, wird jedoch noch bis Saisonende an die 60er ausgeliehen. Der 17-jährige hatte bereits frühzeitig dem FC Bayern abgesagt, weil er an seiner Perspektive dort gezweifelt hatte. Wie gesagt, die Zeiten ändern sich. Die Säbener Straße ist nicht mehr das Nonplusultra für den Fußball-Nachwuchs. Zuletzt waren neben dem BVB noch Bayer und der VfB an Leitner interessiert gewesen. Aber auch Rudi Völlers Besuch in München half nichts.

Die Borussia ist zu einer der ersten Adressen für junge Spieler in Deutschland geworden. Nicht, dass wir uns etwas darauf einbilden müssen. Es ist einfach die Konsequenz der Transferpolitik und der Philosophie, die Zorc, Klopp und Watzke vertreten. Der Verein hat eine hohe Glaubwürdigkeit, wenn er jungen Spielern zusichert, dass sie in Dortmund ihre Chance kriegen und optimal gefördert werden. Das kann nie in jedem einzelnen Fall klappen, aber es ist viel mehr Regel als Ausnahme.

Moritz Leitner wird einen Vertrag bis 2015 unterschreiben. Die Ablöse liegt angeblich nur im sechsstelligen Bereich. 1860 war gezwungen, den Spieler zu verkaufen, um die prekäre Finanzlage zu stabilisieren. Leitner ist ein vielseitiger Spieler, der auf allen Mittelfeldpositionen mit Ausnahme der defensiven ‚6er‘-Position spielen kann. In der letzten Saison lief er noch für die A-Junioren auf – und ist nun auf Anhieb zum Stammspieler der ersten Mannschaft geworden. Es versteht sich von selbst, dass so einer auch Junioren-Nationalspieler ist. Jürgen Klopps Aufgabe wird es ab dem Sommer sein, das Riesentalent fit für die 1. Bundesliga zu machen. Wir dürfen uns freuen.

Der Nachzügler: Rangelov wechselt nach Tel Aviv

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Beim BVB ist doch noch etwas passiert, das die Verpflichtung von Antonio da Silva mit Blick auf das Budget als akzeptabel erscheinen lässt. Kurz vor dem Ende der israelischen Transferperiode hat Maccabi Tel Aviv – leider nicht Lokalrivale und Schalke-Gegner Hapoel – Dimitar Rangelov für ein Jahr ausgeliehen. Über finanzielle Details oder eine Kaufoption wurde nichts bekannt.

Angesichts des aktuellen Spielsystems, in dem nur ein echter Stürmer gebraucht wird, ist das Ausleihgeschäft absolut verständlich. Die „RN“ berichten, dass bis zur Genesung von Mohamed Zidan Daniel Ginczek in der Rangordnung dritter Stürmer hinter Barrios und Lewandowski sein soll. Da frage ich mich erneut: Was ist eigentlich mit Le Tallec? In jedem Fall braucht man sich erst mal keine Sorgen um eine zu geringe Stürmerdichte zu machen. Wenn sich Barrios verletzt, ists so oder so blöd.

Der Vier-Monats-Mann

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Nicht nur Vereinswechsel von Trainern während der Saison sind in England häufiger als hierzulande. Deutlich öfter wird dort auch mit Leihgeschäften gearbeitet. Ab der Championship (2. Liga) abwärts gilt die Regelung, dass Vereine während zweier ‚Leihperioden‘ im Herbst und Februar/März Spieler temporär verpflichten können – außerhalb der allgemeinen Transferperiode. Gerade in den unteren Ligen führt das dazu, dass Spieler manchmal nur ein bis drei Monate bei einem Verein spielen und dann zu ihren eigentlichen Clubs zurückkehren.

Über den Wert solcher kurzzeitigen Leihgeschäfte lässt sich trefflich streiten. Viele der englischen Dritt- und Viertligisten haben keinen Scheich und sind knapp bei Kasse. Fallen dann wichtige Spieler durch Verletzungen aus, sind solche Deals mit Spielern bzw. Vereinen aus Championship und Premier League eine Möglichkeit, eine personelle Durststrecke zu überbrücken. Das Gegenargument liegt auf der Hand: Wird sich der Leihspieler wirklich einen Monat voll mit seinem Kurzzeit-Arbeitgeber identifizieren?

Premier League-Klubs müssen sowohl permanente wie auch temporäre Transfers von vertraglich gebundenen Spielern während des „transfer window“ abwickeln, das sich heute um Mitternacht schließt. Auch in der Premier League greifen bevorzugt die finanziell weniger gut ausgestatteten Vereine zum Mittel des Ausleihgeschäfts. Die Bolton Wanderers und ihr neuer Trainer Owen Coyle haben sich am Freitag die Dienste eines interessanten jungen Mannes gesichert: Vom FC Arsenal kommt der 18-jährige Mittelfeldspieler Jack Wilshere – bis zum Ende der Saison im Mai. Wilshere gilt als eines der größten englischen Talente und hat alle Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen.

Kreativität im Mittelfeld haben die Trotters nötig, wie sich offensichtlich wieder beim 0:2 an der Anfield Road zeigte. Auch wenn Liverpool nicht der Maßstab sein kann – es mangelt zu oft an zündenden Ideen, Chancen ergeben sich häufig nur aus Einzelaktionen oder langen Bällen in die Spitze. Kann ein junger Arsenal-Spieler, der im ersten Team der Londoner natürlich nur wenig Einsatzzeiten erhält, da Abhilfe schaffen? Solche Geschäfte sind ein Vabanque-Spiel. Hat der Leihspieler ein schnelles Erfolgserlebnis wenn er seine Chance erhält, kann sich auch eine kurzzeitige Ausleihe für beide Seiten lohnen. Allzu viel Geduld kann man im Abstiegskampf natürlich nicht haben. Wilshere scheint für sein Alter jedoch weit zu sein – ihm sind Ruhe und Wettkampfhärte zuzutrauen.

Die gleichen Modalitäten wie für den Wilshere-Transfer gelten auch für die Ausleihe des 20-jährigen slowakischen Flügelspielers Vladimir Weiss von Manchester City. Zu 95% ist im Mai sein Engagement im Reebok Stadium wieder beendet. Fest verpflichtet haben die Wanderers dagegen den amerikanischen Mittelfeldspieler Stuart Holden, der zuletzt in der MLS bei Houston Dynamo spielte – allerdings läuft auch sein Vertrag vorerst nur bis Sommer.