Und jährlich grüßt CR7

Standard

Es reicht nicht, dass Cristiano Ronaldo erneut „Fußballer des Jahres“ geworden ist – er darf dieses Jahr auch wieder gegen Borussia Dortmund antreten. Außer wir erleben noch den spektakulärsten Last-Minute-Transfer seit Menschengedenken, der den von Ousmane Dembelé locker in den Schatten stellen würde.

Bei der Auslosung der Champions League-Gruppenphase in Monaco hat der BVB Real Madrid, Tottenham Hotspur und Apoel Nikosia zugeteilt bekommen. Und damit – so auch der Medientenor – die schwerste Gruppe mit deutscher Beteiligung. Unsere Freunde aus Leipzig, gezogen aus Lostopf 4, bekommen es mit unserem diesjährigen Viertelfinalgegner AS Monaco, dem FC Porto sowie Besiktas zu tun. Für den FC Bayern ist sportlich wohl nur das Duell mit PSG eine echte Herausforderung.

Man kann über die Einteilung der Lostöpfe diskutieren. In Topf 1 kommt man nicht mehr als Verein mit besonders gutem UEFA-Koeffizient, sondern als Meister einer der acht Topligen. Man kann aber auch das System der Lostöpfe insgesamt in Frage stellen. Denn hätten nicht kleinere Mannschaften viel bessere Chancen, wenn es auch mal zu einer wirklichen Hammergruppe kommen könnte? Wäre das nicht die sportlich fairste Lösung?

Jammern braucht also sicher keiner der Klubs in Topf 1 oder 2. Natürlich kann sich die Borussia gegen die Spurs durchsetzen. Auch wenn Dembelé gehen sollte. Das und seine Nachfolge sind derzeit ohnehin die spannenderen Fragen für Schwarz-Gelb.

Advertisements

Lieber Fürstentum als Königliche

Standard

Borussia Dortmund feiert eine Premiere und trifft erstmals in der Champions League auf den AS Monaco. So ergab es die Auslosung des Viertelfinales durch Ian Rush heute Mittag in Nyon. Monaco, das ist der Klub, der schon mal groß war, bevor er 2011 in die zweite Liga abstieg. Heute ist er mit drei Punkten Vorsprung auf PSG Tabellenführer der Ligue 1.

Diese Wende nach ganz oben hat der AS Monaco vor allem dem Geld von Dmitry Rybolovlev zu verdanken. Im Winter 2011 kaufte der russische Milliardär, um den sich auch einige Skandalgeschichten ranken, zwei Drittel der Klubanteile (der Rest gehört dem monegassischen Fürstenhaus). Seitdem hat er massiv investiert und unter anderem den heutigen Kapitän Radamel Falcao für rund 43 Millionen Euro (laut Transfermarkt.de) von Atletico Madrid geholt. Die Portugiesen Joao Moutinho und Bernardo Silva spielen ebenso im Fürstentum wie der bei europäischen Topklubs gefragte Teenager Kylian Mbappé.

Der BVB muss sich also auf viel, viel Qualität einstellen, wie auch schon Pep Guardiolas Manchester City erfahren durfte. Zudem findet das Rückspiel im Stade Louis II statt. Trotzdem: Die Monegassen haben in Manchester fünf Tore kassiert und sind noch kein in Europas absoluter Spitze etabliertes Team. Das Los ist also allemal besser als im April viermal gegen den FC Bayern spielen zu müssen. Oder etwa gegen den Titelverteidiger und Spitzenreiter der Primera Division. Da überlassen wir den königlichen Glanz doch gerne unserem deutschen Rekordmeister.

Wenn Halbfinale, dann in München

Standard

Gut, dass ich mir das nicht mehr angesehen habe: Ex-FCB-Sportdirektor und Ex-BVB-Meistertrainer Matthias Sammer hat am späten Mittwochabend das DFB-Pokalhalbfinale ausgelost. Gewinnt Borussia Dortmund das Nachholspiel in Lotte, muss man mal wieder in die Arroganz-Arena.

Einerseits ist damit der Los-Dusel der Bayern komplett – zumindest was das Heimrecht angeht. Andererseits kommen Erinnerungen an eine der denkwürdigsten Pokalpartien der letzten Jahre hoch. Doch die liegt jetzt im Gestern. Buchstäblich gestern haben die Bayern den Revierrivalen aus Gelsenkirchen ordentlich hergespielt. Ja, sie nehmen Schwung auf, diese Rekordmeister. Noch kann niemand ihre Tagesform Ende April vorhersagen. So es denn zum Spitzenspiel kommt, hätte eine Borussia an der obersten Leistungsgrenze eine Chance gegen den FC Bayern.

Eigentlich ist mir ein Halbfinale gegen den FCB in der derzeitigen Situation fast lieber. Nicht schon wieder eine Finalniederlage. Und außerdem – so oder so – die Möglichkeit, sich ab Ende April halbwegs auf den Liga-Endspurt zu konzentrieren. Nur ein Heimspiel hätte es schon sein sollen.

Was anschließend geschah

Standard

Für alle, die ebenfalls im Urlaub waren: eine kurze Rekapitulation, was in der schwarz-gelben Welt zuletzt passiert ist.

1. Moritz Leitner ist weg. Dass es Abgänge geben würde, war klar. Regelmäßige Leser dieses Blogs ahnen, dass mich dieser Abschied wenig schmerzt. Leitner hat im schwarz-gelben Trikot weder vor noch nach seiner Ausleihe jene Konstanz zeigen können, die er auf diesem Niveau benötigt. Das hat dann auch etwas mit fehlender Klasse zu tun. Angesichts der illustren Namen im Kader war er auf meiner Liste der erste, der gehen durfte. Viel Erfolg bei Lazio!

2. Fast schon zu souverän gegen Trier gewonnen. Reden wir nicht drum herum: Es war einseitig im Moselstadion. Der übertragenden ARD und neutralen Zuschauern vermutlich zu sehr. Nachdem die Borussia in der ersten Halbzeit die Drei-Tore-Führung hergestellt hatte, verlegte man sich später aufs Auslassen von Chancen und wurde inkonseqenter. Aus der Innenperspektive gefielen zumindest drei Aspekte: Shinji Kagawa weiß, was die Stunde geschlagen hat und kämpft um seine Startelfchance. André Schürrle zeigt ordentliche Frühform und kann erwartungsgemäß gut mit Tuchel. Richtig begeistert hat gegen später dann aber vor allem Emre Mor. Was für ein Dribbler!

3. Wieder Real in der Champions League. Kein einfaches Los ergab die heutige Auslosung der CL-Gruppenphase. Über Real brauchen wir nicht reden; ein Leckerbissen ist es immer wieder. Sporting sollte man bloß nicht unterschätzen. Legia Warschau sollte man dann doch schlagen – noch ist der polnische Vereinsfußball nicht auf dem Niveau des Nationalteams. Diese Gruppenphase wird kein Selbstläufer – aber fragt mal die andere Borussia!

Bringt bloß nicht die 90er zurück!

Standard

Musikalisch bin ich in den Neunzigern sozialisiert worden – und fand das Jahrzehnt in dieser Hinsicht deutlich besser als viele behaupten. Neben mancher Verirrung gab es vor allem abseits des Mainstreams viel Gutes, vor allem Tanzbares zu entdecken. Borussia Dortmund hat in den Neunzigern die größten Erfolge seiner Vereinsgeschichte errungen – allerdings auch dank finanzieller Konstruktionen, die uns später an den Rande des Abgrunds brachten.

Schaut man jedoch nur auf einen speziellen Wettbewerb, den DFB-Pokal, dann sinkt die Lust an einem 90s Revival gewaltig. Die Erfolge sind da nämlich äußerst überschaubar. Das Jahrzehnt begann ein Jahr nach dem Pokalsieg in Berlin mit einer Niederlage gegen Fürth und endete mit einer gegen die Stuttgarter Kickers. Das höchste der Gefühle war eine Viertelfinalteilnahme in der Meistersaison 95/96 – man scheiterte am Karlsruher SC. Eine der peinlicheren Pleiten trug sich in der Saison 1997/98 zu. Als amtierender Champions League-Sieger unterlag der BVB im Achtelfinale Eintracht Trier, damals Drittligist, mit 1:2. Ob es der Ehrenrettung dient, dass die Moselstädter eine Runde zuvor auch die Nachbarn aus Gelsenkirchen ausgeschaltet hatten?

Beenden wir unsere kleine Zeitreise. In der kommenden Saison 2016/17 muss Borussia Dortmund erneut nach Trier reisen und in der ersten Pokalrunde im Moselstadion antreten – das ergab die Auslosung gestern Nacht. Die Eintracht ist wieder Regionalligist, die Spielklasse aber nur noch die vierthöchste. Trainer ist Peter Rubeck, sowohl als Spieler wie als Trainer ein Mann der Region. Schaut man sich den Kader der Trierer an, klingelt es bei mir bei keinem Namen. Die vergangene Saison beendete der Verein als Fünfter, bei einem Zuschauerschnitt von gut 2300.

Warum sollte die Borussia sich trotzdem noch mal an die Geschehnisse von vor 19 Jahren erinnern? Trier könnte dann erneut zum Stolperstein werden, wenn es Thomas Tuchel und seinem Team bis Mitte August nicht gelingt, aus einem beträchtlich veränderten Kader schon eine Mannschaft zu formen, die solch ein vermeintlich leichtes Pflichtspiel ernsthaft und konzentriert angeht. Schön, dass der BVB heute einen solchen Status hat, dass so gut wie niemand an ein solches Szenario glaubt. Völlig ausgeschlossen ist es dennoch nicht.

Eine der heißesten Pokalpartien der letzten Jahre findet unterdessen in Sachsen statt: Dynamo Dresden gegen RB Leipzig. Urlaubsstopp bei der sächsischen Polizei?

Mangala ist der Nächste, Guerreiro wird noch untersucht

Standard

Die Fußball-EM hat begonnen, schöne und schlimme Bilder aus Frankreich drohen, den Transfermarkt aus den Schlagzeilen zu verdrängen … aber nicht hier. Denn wir ahnten es bereits – Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke basteln unverdrossen weiter am BVB-Kader für die Saison 2016/17. Oder später. Denn mit Orel Mangala vom RSC Anderlecht haben sie nun einen Spieler verpflichtet, der zunächst in der U19 zum Einsatz kommen soll. Auch in Belgien hat er bisher im Nachwuchsteam gekickt. Mittelfeldspieler Mangala wird auf Leihbasis verpflichtet, die Borussia besitzt eine Kaufoption.

Für die Bundesligamannschaft ist die folgende Meldung zunächst deutlich interessanter: Auch der Transfer des 22-jährigen Linksverteidigers Raphael Guerreiro soll klar sein – vorbehaltlich des obligatorischen Medizinchecks. Da der Spieler jedoch mit Portugal bei der EM weilt, wird der Abschluss dieses Deals noch ein paar Wochen auf sich warten lassen. Der abgebende französische Verein FC Lorient soll 12 Millionen Euro plus mögliche Boni kassieren.

Das wäre nun ein Transfer ganz nach meinem Geschmack. Die Außenverteidigerpositionen sind seit Längerem eine Schwachstelle des BVB – da konnte weder die Verpflichtung von Joo-Ho Park helfen noch die Vertragsverlängerung mit Marcel Schmelzer darüber hinweg täuschen. Schmelle ist solide, aber eben keine „internationale Klasse“, wie es der Kicker nennen würde. Es gibt links hinten also künftig echten Konkurrenzkampf; außerdem kann Guerreiro auch weiter vorne spielen. Sollte dieser Transfer wie geplant über die Bühne gehen, wären die Schwarz-Gelben einen großen Schritt weiter.

Und die Vorfreude auf die neue Saison steigt! Ganz nebenbei wird am Samstagabend gegen 23.30 Uhr in Beckmanns Sportschule in der ARD auch die erste Runde des DFB-Pokals ausgelost.

Jetzt also doch: Klopp kommt nach Dortmund

Standard

Ist es das Spiel, das wir möglichst lange vermeiden oder doch alle sehen wollten? Schon im Viertelfinale der Europa League trifft Borussia Dortmund laut der von unserem Ex-Stürmer Alex Frei vorgenommenen Auslosung auf Ex-Trainer Jürgen Klopp und den FC Liverpool. Dabei müssen die Schwarz-Gelben zunächst zu Hause antreten.

Sicher sind beide Sichtweisen nachvollziehbar, aber ich neige doch dazu, mich auf die beiden Partien zu freuen. Es gibt derzeit keinen Grund, der Klopp-Ära nachzutrauern. Sein neuer Verein ist zwar der mit Abstand attraktivste, aber vielleicht gar nicht der stärkste Gegner. Die Abwehr etwa ist nicht nur bei Standards anfällig. Weder wird Klopp in Liverpool scheitern, wenn er die EL nicht gewinnt, noch wird der BVB von einer verkorksten Saison sprechen müssen, wenn man gegen die Reds ausscheidet.

Nein, es ist vor allem reizvoll zu sehen, wie Klopp mit einer starken Mannschaft gegen Tuchel mit einer starken Mannschaft abschneidet. Dass das Duell einen Riesen-Medienhype auslösen wird, kann man da in Kauf nehmen. Und eigentlich ist er sogar gerechtfertigt. Solche Begegnungen braucht die Europa League, um ihre Position gegenüber der Champions League zu verbessern. Nicht jedes Viertelfinalspiel in letzterer ist ähnlich attraktiv.

Zwei hochemotionale und voraussichtlich denkwürdige Spiele erwarten uns. Nichts zu bedauern.

London calling again

Standard

Es geht mal wieder in die britische Hauptstadt: Nachdem Borussia Dortmund es in den letzten Jahren im Europapokal mehrmals mit dem FC Arsenal zu tun hatte und in Wembley im Endspiel stand, geht es nun an die White Hart Lane. Im Achtelfinale der Europa League treffen die Schwarz-Gelben auf die Tottenham Hotspurs, den Lokalrivalen der Gunners.

Obwohl Letztere noch Champions League spielen, könnten die Spurs sogar der schwerere Gegner sein. Michael Zorc sprach von der „schwierigsten Aufgabe“, die den BVB treffen konnte. Er hat allen Grund dazu: Das Team von Trainer Mauricio Poccetino ist Zweiter in der Premier League – es wird also ein reizvolles Kräftemessen zwischen der Bundesliga und der vermeintlichen künftigen Überliga.

Ein bisschen Namedropping gefällig? Bei den Spurs steht der neue englische Wunderstürmer Harry Kane unter Vertrag, auf dem auch die Hoffnungen der Three Lions-Fans ruhen. Außerdem in der Offensive tätig: Erik Lamela und der Däne Christian Eriksen, der auch schon in Dortmund im Gespräch war. Das eigentliche Prunkstück ist jedoch die Defensive der Nord-Londoner. Mit nur 20 Gegentreffern ist sie die beste der Liga. Das belgische Duo in der Innenverteidigung ist derzeit aufgrund einer Knieverletzung von Jan Vertonghen allerdings gesprengt.

Auf Thomas Tuchel wartet also jede Menge Arbeit, um einen Weg ins Viertelfinale auszutüfteln. Zumal Dortmund zunächst zu Hause antreten muss. Eine Tatsache könnte die Aufgabe gegenüber der Papierform etwas erleichtern: Zum ersten Mal seit langer Zeit sind die Spurs wieder mitten im Meisterschaftsrennen. Vor ihnen steht nur der große Außenseiter Leicester. Die Premier League zu gewinnen dürfte Tottenham allemal wichtiger sein als die in England nicht übermäßig angesehene Europa League. Ob das im Achtelfinale zum Tragen kommt, ist aber reine Spekulation.

Hertha kommt, Kevin geht

Standard

Einen Tag nach der Qualifikation zur Europa League und drei Tage vor Ende der Transferphase kommt Bewegung in die Personalpolitik von Borussia Dortmund. Nach einem guten halben Jahr verabschiedet sich Kevin Kampl bereits wieder nach Leverkusen. Für angeblich elf Millionen Euro schließt er sich bis 2020 dem Werksklub an. Die Verluste für die Borussia halten sich also in Grenzen.

Wenn einer nach nicht mal acht Monaten den Verein verlässt und niemand ihn zurückhalten will, kann es aber trotzdem nicht so gut gelaufen sein. Kampl, zumindest in seiner Jugend BVB-Fan, spielte in schwarz-gelb engagiert, aber uneffektiv. Verpflichtet wurde er in einer Notsituation, die sich möglicherweise negativ auf das Gespür von Michael Zorc und Jürgen Klopp ausgewirkt hatte. Ob er in Leverkusen regelmäßig zum Einsatz kommen wird, ist zu bezweifeln. Trotzdem alles Gute, Kevin!

Mit Jeremy Dudziak verlässt außerdem eine Nachwuchskraft den Verein und wechselt zum FC St. Pauli. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde er als Alternative zu Marcel Schmelzer gehandelt – so schnell ändern sich die Dinge. Immerhin hat sich der BVB eine Rückkaufoption gesichert. Dass Thomas Tuchel nun allein auf Schmelle links hinten setzt, kann man sich trotz dessen vergleichsweise sensationeller Frühform aber nicht vorstellen. Gut möglich, dass nun, wie spekuliert, der Mainzer Koreaner Joo-Ho Park zu seinem früheren Trainer wechselt. Die 05er sind nach „Kicker“-Informationen bereits an einem Ersatz dran: Gaetan Bussmann vom FC Metz.

Bei der heutigen Auslosung der Europa League hat der BVB unterdessen die gesamte Exotik des Wettbewerbs zu spüren bekommen. Die Schwarz-Gelben müssen nach Thessaloniki zu PAOK, nach Russland zum FK Krasnodar und nach Aserbaidschan zum Verein mit dem vielleicht komischsten Namen, dem FK Qäbälä. Sportlich ist das alles sicherlich machbar, ansonsten wohl eher strapaziös.

Zunächst geht es jedoch im heimischen Westfalenstadion gegen Hertha BSC. Das letzte Spiel gegen die Berliner wurde gewonnen; ansonsten waren diese in den letzten Jahren nicht immer ein angenehmer Gegner. Den ersten Partien der neuen Saison nach zu urteilen, hat die Hertha ihre Abwehr weiter stabilisieren können. Den Hauptstädtern fehlen unter anderem Änis Ben-Hatira, Jens Hegeler und Ex-Borusse Julian Schieber – dennoch dürfte am Sonntagnachmittag ein bisschen Geduld gefragt sein.

Kommt jetzt der Bayern-Jäger?

Standard

Für die Mannschaft von Borussia Dortmund könnte es positiv sein, den schwachen Auftritt in Berlin schon am Mittwoch vor eigenem Publikum gerade rücken zu können, für mich als Fan kommt die Partie in jedem Fall wie gerufen. Mit dem VfL Wolfsburg kommt ein Team, das spielerisch überzeugen wollen wird und das auch von seiner individuellen Klasse lebt. Darüber hinaus haben die Niedersachsen zurzeit die Variabilität im Spiel, die den Schwarz-Gelben oft fehlt. Dennoch tun auch sie sich immer mal wieder schwer gegen gut verteidigende Mannschaften – wie es soeben erst Paderborn bewiesen hat. Ohne Zweifel sind die VW-Kicker derzeit die Nummer 2 in Deutschland, dafür spricht neben dem Tabellenplatz auch das Torverhältnis (+15), an das die Verfolger nicht rankommen. Nach Paul Breitner, dem ehemaligen Revolutionär und heute unerträglichen Apologeten der Macht, sind sie aber selber schuld daran, dass sie an den FC Bayern nicht heranreichen.

Der BVB wird sich mit aller Macht und aller Unterstützung der Fans in die Begegnung am Mittwoch werfen müssen. Die Spieler müssen in allen wichtigen Situationen nah am Mann sein und dürfen keine unnötigen Räume anbieten. Leicht gesagt, in der Realität wird es ein Kraftakt. Mit der eigenen Spielkultur sollten wir alle Geduld haben, denn ohne Mkhitaryan UND Reus fehlen zwei schnelle UND trickreiche Akteure. Man kann nur hoffen, dass Pierre-Emerick Aubameyang an früher in der Saison gezeigte Leistungen anknüpfen und seine Geschwindigkeit wieder effektiv einsetzen kann.

Wer Jürgen Klopp in der heutigen Pressekonferenz gesehen hat, weiß, dass der Trainer keinesfalls resigniert hat und ebenso wenig die Schuld für den Tabellenstand vorwiegend in externen Faktoren sucht – wie mancher externe Beobachter schnell mal behauptet. Seine Einschätzung, dass sich gerade im Offensivspiel noch nicht das perfekte Zusammenspiel entwickeln konnte, ist absolut nachvollziehbar. Schließlich haben häufig müde Spieler neben frisch genesenen trainiert, während andere nicht zur Verfügung standen. Dennoch räumt Klopp ein, dass viele Partien besser hätten laufen können und müssen.

Das Wolfsburg-Spiel wird außer Marco und Miki auch Sokratis verpassen. Mit dem griechischen Innenverteidiger, der in der jetzigen Situation eigentlich die Nummer 1 in der Viererkette sein müsste, rechnet der Trainer erst wieder Anfang Januar. Die Gäste dürften bis auf die Langzeit-Ausfälle Felipe und Ochs alle wichtigen Akteure zur Verfügung haben. Der BVB kann sich also auf eine Offensive mit Olic in der Spitze und dahinter Vierinha, de Bruyne und Ex-Borusse Perisic gefasst machen. Wollen wir nicht hoffen, dass Letzterer es dem Berliner Ex-Borussen Schieber gleich tut.

Juventus ganz weit entfernt

Die Champions League ist zum Glück bereits in der Winterpause, doch die Schwarz-Gelben haben heute ihren Achtelfinalgegner erfahren, gegen den am 24. Februar auswärts und am 18. März im Westfalenstadion gespielt wird. Natürlich werden beim Namen Juventus Turin Erinnerungen wach an den lupfenden Ricken oder den träumenden Riedle, der dem BVB übrigens heute dieses Los bescherte. Doch ob die Partie in den Gedanken aller überhaupt noch an Bedeutung gewinnt, wird sich einzig und allein in der Bundesliga entscheiden. Es könnte eines der seltsamsten und trostlosesten K.O.-Spiele überhaupt werden – oder eine sich hoffentlich bis dahin im Aufschwung befindliche Borussia weiter beflügeln.

Unschlagbar ist der italienische Tabellenführer trotz Spielern wie Buffon, Chiellini, Pirlo, Pogba, Vidal oder Tevez sicher nicht. Erst in den Rückspielen der CL-Gruppenphase sicherte sich Juventus das Weiterkommen. Über die Chancen der Borussia wird frühestens Mitte Februar zu reden sein – zum Glück.