Manni der Libero geht

Es ist die Nachricht, die ich niemals hören wollte und die mich trotz aller Abhärtung gegen die Zumutungen des modernen Fußballs traurig macht: Sven „Manni“ Bender verlässt Borussia Dortmund und wechselt mit sofortiger Wirkung zu Bayer Leverkusen. Dort spielt er künftig neben seinem Zwillingsbruder Lars und unter Ex-Borusse Heiko Herrlich.

Für mich stirbt damit ein Stück weit jener BVB, der mir und sicher vielen anderen Fans in den letzten Jahrzehnten die meiste Freude bereitet hat: die Klopp-Borussia der Meisterjahre. Bei allem Respekt: der spielerisch limitierte Marcel Schmelzer, der Rückkehrer Nuri Sahin und der spätgekommene Marco Reus können ihn in Sachen Identifikation nicht ersetzen. Sven Bender war, obwohl er natürlich keinen klassischen Libero gespielt hat, auf den Positionen zu Hause, wo es weh tun kann und wo man sich immer voll reinhauen muss. Ersteres hat er zu spüren bekommen, Letzteres hat er gemacht.

Nun hat sich Manni entschieden, dorthin zu gehen, wo er sich mehr Einsatzzeiten erhofft. Ob sich die Hoffnung erfüllt? Mal abwarten. Ich glaube Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke, dass sie Bender halten wollten. Es ist nachvollziehbar, dass der neue Trainer Peter Bosz für einen verletzungsanfälligen 28-Jährigen, der zuletzt wenig gespielt hat, nicht das Gleiche empfindet wie die meisten Fans. Letztlich ist Manni auch ein Opfer des großen Kaders geworden, zu dem es die Verantwortlichen haben kommen lassen.

Klar: Aus den bisherigen Absätzen spricht mehr das Gefühl als der rationale Verstand. Rein finanziell gibt es an dem Transfer nichts zu meckern: 15 Millionen Euro wären eine angemessene Summe – zumindest innerhalb der Branche, über die wir reden. Aber dem BVB wird ein Teil seines Herzens fehlen, denn – und jetzt wird’s erst richtig plakativ – wer hatte denn ein Kämpferherz wie Manni? Da fällt einem allenfalls noch der Papa ein.

Aus Mannis Perspektive ist der Wechselwunsch verständlich, die Prioritäten klar:

Es ging mir schon als kleiner Junge immer nur darum, auf dem Platz zu stehen.

Ich wünsche ihm, dass er das künftig häufiger kann und darf. Nur vielleicht nicht gerade gegen Schwarz-Gelb. Uns wird Sven Bender fehlen. Da muss man nur die jüngste Erinnerung hervorkramen, die allen BVB-Fans schnell präsent sein dürfte: Manni, der Pokalheld von München, der das sichere Gegentor verhindert.

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Große Punkte in großem Spiel

1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 6 Bayer Leverkusen 2

Man kann ja gegen Leverkusen sagen was man will, aber die Spiele unserer Borussia gegen die Werkself sind immer auf die eine oder andere Weise unterhaltsam. An diesem Samstag sahen wir die womöglich beste Partie mit BVB-Beteiligung in dieser Saison. Was nicht nur am deutlichen Sieg lag, sondern auch daran, dass die Gäste zweimal zurückkamen und die Schwarz-Gelben so weiter anstachelten. Deshalb kann man ihnen zugestehen, dass der Sieg vielleicht ein Tor zu hoch ausfiel.

Drei Gedanken zum Spiel

Thomas Tuchel hat die derzeitige Idealformation gefunden. Ob die nun mit Dreierkette hinten auflaufen MUSS, sei mal dahingestellt. Wesentlich scheint eher, dass Guerreiro und Durm Marcel Schmelzer offensive Qualitäten voraushaben und mit denen mehr gegnerische Spieler binden. Während zentral Gonzalo Castro in guter Form eine Entlastung für Julian Weigl ist. Über die geniale Offensivreihe mit Reus, Dembelé und Auba müssen wir keine Worte verlieren. Kein Wunder, dass die Stimmung offensichtlich prächtig war wie vor der Südtribünen-Sperrung lange nicht. Der Wermutstropfen: Marco Reus musste mit einer Muskelverletzung ausgewechselt werden und fehlt ausgerechnet gegen Benfica. Erster Kandidat für seinen Platz – und ich hoffe Tuchel sieht das genauso: Christian Pulisic, nicht nur wegen seines Tores.

Reus‘ Verletzung ist das Stichwort: Nicht zum ersten Mal gegen den BVB agierte Leverkusen hart an der Grenze. Euphemistisch könnte man von „robustem Einsatz“ sprechen. Oder man sieht es als Mittel zum Zweck, die Dortmunder Feintechniker zu verunsichern. Um es klar zu sagen: Solche Mittel sind legitim, bis der Schiedsrichter pfeift. Doch der muss das dann auch tun. Und nicht wie Christian Dingert ein klar gelb-rot-würdiges Einsteigen von hinten durchgehen lassen, wie im Fall von Karim Bellarabi gegen Dembelé.

Sechs Tore gegen Abwehrchef Toprak. Bekanntlich wechselt der Leverkusener Innenverteidiger im Sommer zur Borussia. Werbung für sich war das gestern natürlich nicht. Zwar war Toprak bei den meisten BVB-Toren nicht der Hauptschuldige, doch gut organisiert wirkte die Gäste-Defensive nur gelegentlich. Gerade bei Standards zeigte sie sich erstaunlich anfällig. Nun ist auch das nicht in erster Linie Toprak schuld, doch als Ältester in der Viererkette konnte er zumindest keine Ruhe reinbringen. Blicken wir dagegen auf die momentane BVB-Abwehrreihe, hat Marc Bartra durch die jüngsten Erfolge an Sicherheit dazu gewonnen. Es mag noch eine Momentaufnahme sein, aber seine Pässe haben schon fast Hummels-Qualität.

Die nächste Saison wird in dieser Hinsicht spannend. Gesetzt den Fall, dass Sokratis bleibt – was wir wohl alle hoffen – darf sich auch Ömer Toprak seines Stammplatzes nicht sicher sein. Was ich nicht schlimm finde. Nur die Summen, die wir auf der Ersatzbank geparkt haben, die sind beachtlich.

Mit dem Sieg hat die Borussia nun diesmal eine Leipziger Vorlage genutzt und gleichzeitig einen potenziellen Konkurrenten endgültig abgehängt. Frankfurt und Köln dürften uns nicht mehr gefährlich werden; bleiben Hoffenheim und Hertha BSC. Und nun hoffen wir am Mittwoch erst mal auf ein weiteres großes Spiel.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Durm, Weigl, Castro, Guerreiro – Dembelé (73. Kagawa), Reus (46. Pulisic) – Aubameyang (81. Schürrle). Tore: Dembelé, Aubameyang (2), Pulisic, Schürrle (EM), Guerreiro

Warum die Pokalspielabsage gut für den BVB ist

Eine nasskalte Nacht in Lotte erleben – macht mit Fußball sicher mehr Spaß. Darin dürften sich Spieler und Fans gestern Abend einig gewesen sein, als die Begegnung zwischen den gastgebenden Sportfreunden und Borussia Dortmund kurzfristig abgesagt wurde. Wer die Bilder vom Platz im Fernsehen gesehen hat, kann aber an Schiedsrichter Brychs Entscheidung nicht ernsthaft zweifeln. Selbstverständlich ist das bitter für die, die hingefahren sind. Aber wer kann erinnere sich mal zurück an die Achtziger – da gab es im Winter reihenweise Spielabsagen auch in der Bundesliga.

Natürlich darf die Frage gestellt werden, ob die Problematik nicht absehbar war. Schließlich wurde am Wochenende bereits die Drittliga-Begegnung der Lotter gegen den Chemnitzer FC abgesagt. Doch wer regelmäßig zu den Spielen eines unterklassigen Vereins geht, weiß: In vielen Stadien muss improvisiert werden, im Winter häufen sich die – manchmal auch kurzfristigen – Spielausfälle. Und keiner dieser Vereine wird im Pokal ohne Not auf sein Heimstadion verzichten, wenn es halbwegs den Erfordernissen genügt. Deshalb wären Vorwürfe an die SF Lotte unangemssen.

Nun kommt es voraussichtlich am 14. März zum nächsten Versuch – im Lotter Frimo Stadion oder an einem Ausweichort. Ob der Gastgeber das Risiko eingehen will, die Viertelfinalbegegnung erneut zu Hause anzusetzen, sollte er selbst entscheiden. Nur müssten dann rechtzeitig Signale aus Lotte kommen, wenn auch der neue Termin in Gefahr gerät.

Für die Borussia sollte die Verschiebung eigentlich kein Nachteil sein. Erneut haben die Schwarz-Gelben jetzt eine Woche Zeit, um sich auf eine mutmaßlich heiße Partie gegen Leverkusen vorzubereiten. Im Anschluss dürften die Kraftreserven auch noch für mindestens 90 Minuten gegen Benfica am Mittwoch reichen. Vor Freiburg wurde die Zeit genutzt. Wer weiß, welche Opfer dagegen der sogenannte Rasen von Lotte gefordert hätte. Das Problem ist natürlich nicht aus der Welt, könnte sich aber bis Mitte März verkleinert haben.

Was Topraks Wechsel für den BVB bedeuten könnte

Wollen wir das mal nicht vergessen: Ömer Toprak wechselt nun definitiv im Sommer von Bayer Leverkusen zu Borussia Dortmund. Die Schwarz-Gelben zahlen gemäß der Ausstiegsklausel im Vertrag des 27-jährigen Innenverteidigers 12 Millionen Euro an den Werksverein. Toprak bekommt einen Vertrag bis 2021. Michael Zorc schätzt die Qualitäten des türkischen Nationalspielers so ein:

Ömer Toprak ist ein starker, international erfahrener Innenverteidiger mit hoher Führungsqualität.

Betrachtet man die aktuelle Transferpolitik der Borussia, fällt Toprak in die Kategorie „gestandener, bekannter Spieler“ – nicht ganz vom Format Mario Götzes oder André Schürrles, aber mit größerem Standing als Sebastian Rode, auch wenn der von Bayern kam. Gemeinsam haben die drei Letztgenannten, dass sie derzeit beim BVB keine Stammspieler sind.

Die andere Transfer-Kategorie ist jene, für die Borussia Dortmund renommiert ist: junge, entwicklungsfähige Spieler mit großem Potenzial. Gerade wurde Alexander Isak verpflichtet, mit Ousmane Dembelé hat man einen Volltreffer gelandet. Marc Bartra spielt relativ regelmäßig. Mit Emre Mor und Mikel Merino gibt es jedoch auch zwei letztes Jahr geholte Talente, die bisher nur selten in der Startelf standen.

Dennoch scheint der BVB – Stand jetzt – mit den jungen Leuten mehr Erfolg zu haben als mit Rückholaktionen und großen Namen, deren große Zeiten schon etwas zurückliegen. Natürlich sollten wir Götze, Schürrle, Rode, Sahin oder Kagawa noch nicht abschreiben, aber im Hintergrundgespräch würde vielleicht auch Aki Watzke zugeben, dass man sich von ihnen mehr versprochen hätte.

Und nun also Ömer Toprak. Ein Fall mit zwei Seiten. Ja, die Abwehr hat mit Bartra oder Ginter neben Sokratis nicht immer einwandfrei funktioniert. Sven Bender war häufig verletzt. Andererseits sind das nach allem was man hört menschlich gute Typen, die auch der Mannschaft gut tun. Nicht, dass das bei Toprak anders sein muss. Aber der „erfahrene Innenverteidiger“ hat in der bisherigen Saison auch nur eine recht durchschnittliche Durchschnittsnote vom Kicker bekommen: 3,43. Vielleicht wird er uns weiterbringen. Vielleicht verdrängt er auch nur junge oder sympathische Spieler. Außer Abwarten hilft da nix!

Die Dilemmas des BVB

Kann doch nicht so schlimm sein, oder? Wollen wir wirklich von Problemen reden, nachdem Borussia Dortmund Testspiele gegen PSV Eindhoven und Standard Lüttich mit 4:1 respektive 3:0 gewonnen hat? Noch dazu ohne Pierre-Emerick Aubameyang. Womit wir beim ersten Thema wären, dass den BVB medial im neuen Jahr begleitet. Die beiden Partien während des Trainingslagers in Spanien waren natürlich NUR Vorbereitungsspiele und Auba wird auch zum Rückserienauftakt noch fehlen. Schließlich spielt er mit Gabun den Afrika-Cup.

Man muss die Winterloch-Spekulationen über Mega-Angebote aus China nicht ernst nehmen. Wichtiger ist die Frage: Wie stellt sich die Borussia im Sturm auf, wenn Aubameyang nicht da oder gar verletzt ist? Dass mir jetzt niemand von Götze als falscher 9 anfängt. Standardmäßiger Ersatz für unsere Nummer 17 ist Adrian Ramos. Doch genau diese Rolle behagt dem Kolumbianer nicht mehr und man kann das ein Stück weit nachvollziehen. Die China-Gerüchte um ihn scheinen deutlich plausibler zu sein.

So könnte es also sein, dass die Schwarz-Gelben Ende des Monats vorübergehend ohne zwei Stürmer da stehen. Das wäre kein Weltuntergang, denn natürlich kann Ousmane Dembélé Mittelstürmer spielen und auch Marco Reus ist torgefährlich. Bleibt zu hoffen, dass beide sich schnell von ihren Wehwehchen erholen. Trotzdem müsste Ramos perspektivisch ersetzt werden – ob noch im Januar oder im Sommer. Der Idealfall wäre eine Perspektivlösung, die Erfolg innerhalb eines Jahres verspricht, ohne sofort einschlagen zu müssen. Also mal wieder der Spieler kurz vor dem großen Sprung, den alle Vereine der 1B-Kategorie suchen. Schön wäre es, zumindest gelegentlich wieder mal einen Angreifer aus dem eigenen Nachwuchs zu sehen.

Erst heute ist ein Thema wieder aufgepoppt, das noch kontroverser diskutiert werden dürfte. Ömer Toprak hat im Trainingslager von Bayer Leverkusen bestätigt, dass er den Verein am Saisonende verlassen möchte. In seinem Vertrag gibt es eine Ausstiegsklausel über 12 Millionen Euro. Der Kicker will wissen, dass der 27-jährige Innenverteidiger nach Dortmund kommt. Hans-Joachim Watzke hat das letzten Sommer ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Doch aktuell gibt es dazu keine Äußerungen vom Verein oder vom Spieler.

Sicher ist der Wechsel aber nicht so unwahrscheinlich, dass er nicht zu diskutieren wäre. Er hätte mehr als einen Hauch von Halbherzigkeit an sich. Will man Bartra als Hummels-Nachfolger aufbauen, Bender als tollen Typen weiter in der Mannschaft haben und Ginter nicht verlieren, macht der Toprak-Transfer wenig Sinn. Nur wer knallhart sagt, dass diese drei nicht mit dem türkischen Nationalspieler mithalten können – eine gewagte Behauptung – vertritt eine nachvollziehbare Linie.

Vizekusen macht Pause

1. Bundesliga, 22. Spieltag / Bayer Leverkusen 0 BVB 1

Der Auswärtssieg in Leverkusen wird noch für Gesprächsstoff sorgen, doch für Borussia Dortmund ist eigentlich nur eins interessant: Mit nunmehr 15 Punkten Vorsprung ist die Vizemeisterschaft für die Schwarz-Gelben kaum noch zu verspielen. Die Hoffnungen der Gastgeber auf ihren ehemals angestammten Titel dürften sich auch in diesem Jahr nicht erfüllen.

Spiele gegen Bayer Leverkusen waren schon häufiger umkämpft und hitzig – heute stellte da keine Ausnahme dar. Thomas Tuchel ging es mit einem recht defensiv ausgerichteten Mittelfeld an: Etwas überraschend spielte unsere Nummer 6, Sven ‚Manni‘ Bender, wieder auf der ‚6‘; Matthias Ginter etwas davor im zentralen Mittelfeld. Dafür formierte sich bei eigenem Ballbesitz hinten zeitweise nur eine Dreierkette; Erik Durm rückte dann links weit nach vorne, ähnlich wie Schmelle gegen Porto.

Gewinnst du in Leverkusen, kann das nicht ganz falsch gewesen sein. Ich bin allerdings nach wie vor kein großer Leitner-Fan. Moritz in der Startelf und Castro nicht im Kader – das würde ich von Tuchel gerne mal erklärt haben. Um fair zu sein: Leitner war engagiert, spielte den ein oder anderen guten Pass. Aber ihm fehlen Physis, Präsenz und Übersicht, die etwa Ilkay Gündogan und Nuri Sahin – wenn auch jeweils in unterschiedlichem Maße – auszeichnen. Im Mittelfeld vermisste die Borussia einen, der die Bälle erst mal festmacht und dann effektiv weiterleitet. Weiterlesen →

Dortmund vom Besten

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 3 Bayer Leverkusen 0

In diesem Blog ist traditionell der (abgelaufene) 5. Spieltag Zeitpunkt für ein erstes Zwischenfazit der begonnenen Saison. Selbstverständlich wird dieses stets in dem Bewusstsein gezogen, dass es für Rückschlüsse auf den Stand der Dinge im Mai des Folgejahres noch zu früh ist. Doch der Saisonstart 2015/16 bietet Erstaunliches: So hat Borussia Dortmund mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel gerade einen Rekord gebrochen und mit 15 Punkten sowie 18:3 Toren nach fünf Partien den besten Bundesliga-Auftakt aller Teams und aller Zeiten hingelegt.

Gegen Champions League-Teilnehmer Leverkusen überraschte in der Startelf lediglich das Auftauchen von Jonas Hofmann. Bezeichnend für seine Leistung war, dass mich in der 63. Minute dann seine Auswechslung noch mehr überraschte. Doch wieder mal lag Thomas Tuchel mit allem goldrichtig. Gegen aggressiv pressende Gäste war es die richtige Entscheidung, den wiedergenesenen Marco Reus, ohnehin nicht der Zweikampfstärkste, noch auf der Bank zu lassen. Hofmann nutzte die Gunst der Stunde und trug sich nach genialem Kagawa-Pass und Leno-Patzer in die Torschützenliste ein. Weiterlesen →

Hertha kommt, Kevin geht

Einen Tag nach der Qualifikation zur Europa League und drei Tage vor Ende der Transferphase kommt Bewegung in die Personalpolitik von Borussia Dortmund. Nach einem guten halben Jahr verabschiedet sich Kevin Kampl bereits wieder nach Leverkusen. Für angeblich elf Millionen Euro schließt er sich bis 2020 dem Werksklub an. Die Verluste für die Borussia halten sich also in Grenzen.

Wenn einer nach nicht mal acht Monaten den Verein verlässt und niemand ihn zurückhalten will, kann es aber trotzdem nicht so gut gelaufen sein. Kampl, zumindest in seiner Jugend BVB-Fan, spielte in schwarz-gelb engagiert, aber uneffektiv. Verpflichtet wurde er in einer Notsituation, die sich möglicherweise negativ auf das Gespür von Michael Zorc und Jürgen Klopp ausgewirkt hatte. Ob er in Leverkusen regelmäßig zum Einsatz kommen wird, ist zu bezweifeln. Trotzdem alles Gute, Kevin!

Mit Jeremy Dudziak verlässt außerdem eine Nachwuchskraft den Verein und wechselt zum FC St. Pauli. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde er als Alternative zu Marcel Schmelzer gehandelt – so schnell ändern sich die Dinge. Immerhin hat sich der BVB eine Rückkaufoption gesichert. Dass Thomas Tuchel nun allein auf Schmelle links hinten setzt, kann man sich trotz dessen vergleichsweise sensationeller Frühform aber nicht vorstellen. Gut möglich, dass nun, wie spekuliert, der Mainzer Koreaner Joo-Ho Park zu seinem früheren Trainer wechselt. Die 05er sind nach „Kicker“-Informationen bereits an einem Ersatz dran: Gaetan Bussmann vom FC Metz.

Bei der heutigen Auslosung der Europa League hat der BVB unterdessen die gesamte Exotik des Wettbewerbs zu spüren bekommen. Die Schwarz-Gelben müssen nach Thessaloniki zu PAOK, nach Russland zum FK Krasnodar und nach Aserbaidschan zum Verein mit dem vielleicht komischsten Namen, dem FK Qäbälä. Sportlich ist das alles sicherlich machbar, ansonsten wohl eher strapaziös.

Zunächst geht es jedoch im heimischen Westfalenstadion gegen Hertha BSC. Das letzte Spiel gegen die Berliner wurde gewonnen; ansonsten waren diese in den letzten Jahren nicht immer ein angenehmer Gegner. Den ersten Partien der neuen Saison nach zu urteilen, hat die Hertha ihre Abwehr weiter stabilisieren können. Den Hauptstädtern fehlen unter anderem Änis Ben-Hatira, Jens Hegeler und Ex-Borusse Julian Schieber – dennoch dürfte am Sonntagnachmittag ein bisschen Geduld gefragt sein.

Gekämpft, gepunktet, abgerutscht

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Bayer Leverkusen 0 BVB 0

Borussia Dortmund verbessert sich gegenüber dem Heimspiel und holt einen Punkt in Leverkusen, doch Freiburg zieht vorbei. Jürgen Klopp sieht einen „Traumstart“ in die Rückserie, doch zunächst sind die Schwarz-Gelben Tabellenletzter. Was bedeutet das nicht völlig überraschende Unentschieden gegen die Werkself? Es gibt nicht die eine gültige Sichtweise, aber genügend Ansatzpunkte für eine Positiv-Negativ-Liste.

+ Der BVB hat den Abstiegskampf angenommen, ist gelaufen, hat gegrätscht und den Leverkusenern wenig Platz zur Entfaltung gelassen. Die Mannschaft wollte den Erfolg; das sah offensichtlich auch Roger Schmidt, Trainer der Gastgeber, so, der in der Nachspielzeit noch Defensivmann Papadopoulos einwechseln wollte.

+ Die Defensive stand deutlich stabiler als zuletzt. Vor allem das Duo Hummels/Sokratis in der Innenverteidigung hat seine Sache prima gemacht und sollte für die nächsten Wochen gesetzt sein. Selbst Marcel Schmelzer zeigte sich in den Defensiv-Zweikämpfen präsenter. Wenn man sich doch mal kalt erwischen ließ – etwa nach Mkhitaryans Fehlpass – bügelte man das mit starken Einzelaktionen (Hummels, Weidenfeller) wieder aus. Beim Lupfer von Castro kam etwas Glück hinzu.

+ Kevin Kampl scheint sich schnell als Verstärkung zu erweisen und den Aufstieg von Österreichs in Deutschlands höchste Spielklasse mühelos zu schaffen. Seine Handlungsschnelligkeit, etwa beim Weiterleiten von Bällen nach gewonnenen Zweikämpfen oder Laufduellen, lässt hoffen. Das Prädikat ‚Besonders wertvoll‘ gibt es auch für eine exemplarische Balleroberung im Mittelfeld, mithilfe einer seitlichen Grätsche. Denkt man daran, dass er hoffentlich in Kürze mit Gündogan und einem effizienteren Reus Pässe austauscht, braucht man sich keine Sorgen um die Spielkultur im Dortmunder Mittelfeld zu machen. Weiterlesen →

Die Zeit der Vermutungen ist vorbei

Mats Hummels hat sie vor wenigen Tagen auf den Punkt gebracht, die „Krux an der Vorbereitung“ für eine Fußball-Saison:

Man kann eine Vermutung haben, wie man drauf ist, aber man kann es nie sicher sagen. Das werden wir sehen.

Noch nie in der Klopp-Ära waren die Auswirkungen einer Winterpause spannender und wichtiger für Borussia Dortmund als 2015. Haben die Schwarz-Gelben die vergleichsweise lange Zeit genutzt, um wieder zu alter Stärke zu finden? Weder die Testspiele noch die personelle Situation sahen so rosig aus, dass man die Frage klar und deutlich mit Ja beantworten könnte. Doch Vorbereitung ist eben genau das – und genau deshalb wissen wir nur, dass wir nichts wissen.

Erste Aufklärung erfolgt am Samstagabend bei Bayer Leverkusen – im Topspiel, auch wenn es die Tabellensituation nicht hergibt. Die positivste Statistik zu dieser Partie ist noch die, dass der BVB unter Jürgen Klopp im Pillen-Stadion noch nie verloren hat. Allerdings stand der Verein unter dem jetzigen Trainer selbstverständlich auch noch nie im Winter auf Platz 17.

Einer, der den Schwarz-Gelben in den letzten Jahren wiederholt zu schaffen gemacht hat, wird übermorgen fehlen: Heung-Min Son weilt mit Südkorea noch beim Asien-Cup und trifft dort im Finale auf Australien – mit Leverkusens Robbie Kruse und Dortmunds Torhüter Mitch Langerak. Letzterer wird dabei wohl auf der Bank sitzen. Die Gastgeber der Bundesliga-Begegnung müssen außerdem auf den vielversprechenden Außenverteidiger Tin Jedvaj verzichten. Son dürfte durch Josip Drmic ersetzt werden; für Jedvaj ist unter anderem Roberto Hilbert denkbar.

Jürgen Klopp wird sich sicher kurzfristig entscheiden. Pierre-Emerick Aubameyang und Shinji Kagawa sind von ihren Kontinentalturnieren zurück. In entsprechender Verfassung dürfte Auba sicher ein Startelf-Kandidat sein. Im offensiven Mittelfeld ist die Auswahl groß, obwohl noch nicht sicher ist, ob Ilkay Gündogan rechtzeitig fit wird. Der war jedoch ohnehin eher auf seiner angestammten ‚8‘ eingeplant. Ob ggf. neben ihm Sahin oder Ginter zum Einsatz kommt, bleibt eine der spannendsten Fragen. Eine Rückkehr von Sven Bender ist unwahrscheinlich, die von Kehl und Durm ausgeschlossen.

Tabelle, Tagesform, Reus, Kampl, Calhanoglu, Leno, Weidenfeller, Schiedsrichter – nicht mal welcher dieser Faktoren am Samstag eine entscheidende Rolle in Leverkusen spielen wird ist absehbar. Roger Schmidt hat sein Team in Kalifornien auf die Rückserie vorbereitet; auch er ist mit dem dort Geschafften zufrieden und zuversichtlich für die nächsten Monate. Einigen wir uns auf: Die Gastgeber sind Favorit, aber alles ist offen?