Topspiel erfüllt die Erwartungen

1.Bundesliga, 31. Spieltag / FC Bayern München 3 BVB 1

Es kam, wie es kommen musste: Der FC Bayern sicherte sich die deutsche Meisterschaft. Junge Frauen in Trachtenkleidern standen bereit, um überdimensionierte Weißbiergläser zu reichen, von denen die einheimischen Akteure auf dem Rasen den üblichen Gebrauch machten. In der Simulation eines echten Saisonfinales war es ausgerechnet der Tabellenzweite und ewig unterlegene Widersacher Borussia Dortmund, der den Gastgebern als erstes gratulieren musste.

Dabei hatte sich der BVB zuvor vergleichsweise anständig aus der Affäre gezogen – gegenüber früheren Auswärtsspielen in München und den letzten „Topspielen“ zu Hause gegen Leverkusen und Leipzig. Die Partie begann, wie dieses Aufeinandertreffen so häufig beginnt: mit engagierten Schwarz-Gelben, deren erste Fehler von den Bayern sofort eiskalt bestraft wurden. Das 1:0 nach einer Viertelstunde war sicherlich ein sehenswerter Schuss von Serge Gnabry, der aber nach einer Ecke an der Strafraumgrenze auch sträflich allein gelassen wurde. Vor dem 2:0 durch Lewandowski in der 34. Minute hatte Dan-Axel Zagadou den Ball verloren, als er ihn schlampig-überhastet von hinten heraus spielte. Die Bayern dominierten nach der Führung wie so oft das Spiel.

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Schwarz-gelbes Status-Update

30 Spieltage vorbei, 4 to go – höchste Zeit für ein Update in Sachen Borussia Dortmund, nachdem ich die letzten Spiele alle nur teilweise verfolgen konnte. Es bleibt eine Spielzeit des Auf und Abs. Mit einigen extremen Ausschlägen – Partien, wegen denen man die Schwarz-Gelben als bipolar bezeichnen könnte. Wie kriegt man sonst das 1:4 gegen die Leipziger Fußball-Konstrukteure und das 6:1 gegen Wolfsburg zusammen? Es fällt zumindest schwer – trotz aller Form- und Qualitätsunterschiede bei den Gegnern.

Aus Borussen-Sicht darf 2021/22 lieber früher als später enden. Gefühlt haben schon jetzt das Thema Neuaufbau und aktuelle Transfergerüchte einen höheren News-Stellenwert als das kommende Auswärtsspiel beim FC Bayern. Im Fokus steht derzeit die künftige BVB-Abwehr, die u.a. aus den deutschen Nationalspielern Niklas Süle und Nico Schlotterbeck bestehen könnte. Doch zum einen hat der 22-jährige Noch-Freiburger Schlotterbeck gestern gegenüber Sky eine Einigung mit dem BVB oder einem anderen Verein ausdrücklich dementiert und will sich erst nach Saisonende festlegen. Zum anderen hat das Beispiel Götze/Schürrle gezeigt, das aus einem dynamischen Nationalmannschafts-Duo nicht unbedingt ein schwarz-gelber Volltreffer wird.

Worin sich BVB und Bayern ähneln

Der Blick auf den FC Bayern lohnt sich vielleicht nicht hinsichtlich tagesaktueller Fakten wie Personalsituation oder Ergebnisprognosen. Vergleicht man jedoch die bisherige Spielzeit des Tabellenersten und -zweiten, zeigen sich interessante Parallelen. Beide Klubs sind in den nationalen wie internationalen Pokalwettbewerben deutlich hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben. Beide Klubs stehen in der Bundesliga auf dem Tabellenplatz, mit dem sie am Ende zufrieden wären. Aber in der Summe überwiegen wohl die negativen Eindrücke, die kritischen Stimmen. So dass im Umfeld der Bayern genauso wie in Dortmund Umbauten im Kader angemahnt werden.

Trotz manch verpasster Ziele dürften beide Vereinsführungen den Trainern Marco Rose und Julian Nagelsmann das Vertrauen für 2022/23 aussprechen. Weil man sie jeweils für dynamisch, progressiv sowie für Verfechter eines attraktiven Spielstils hält. Und deshalb an höhere Erfolgsaussichten im zweiten Anlauf glaubt. Gesprochen wird auch über den Verbleib der jeweiligen Stürmer-Stars, wobei die Bayern bei Robert Lewandowski natürlich bessere Karten haben als der BVB bei Erling Haaland.

Nun will es der Spielplan so (und vielleicht wollten es auch die Spielplaner), dass der FC Bayern am 31. Spieltag, natürlich am Samstagabend um 18.30 Uhr, gegen die Borussia die Meisterschaft perfekt machen kann. Dazu reicht den Hausherren aufgrund der überlegenen Tordifferenz im Grunde ein Punkt. Doch es wäre für die Roten in einer höhepunktarmen Saison wohl ein Ersatz-Highlight, wenn der gewohnte Meistertitel wenigstens mit einem Sieg zuhause gegen den vermeintlichen Rivalen aus Dortmund eingefahren würde. Deswegen ist es außerordentlich unwahrscheinlich, dass den Schwarz-Gelben dort ausgerechnet jetzt der erste Punktgewinn seit acht Jahren gelingt. Da müssen wir jetzt auch noch durch.

Dortmund Süle Nation

Wenn ein Spieler vom FC Bayern zu Borussia Dortmund wechselt, obwohl der Rekordmeister Interesse daran hatte, ihn zu halten, sorgt das für Schlagzeilen – und mehr als das. Auf den Sportseiten der Medien war es gestern bzw. heute im Print neben Biathlon-Gold bei Olympia das Hauptthema: Innenverteidiger Niklas Süle kommt im Sommer ablösefrei zum BVB. In München gibt sich unterdessen Bayern-Präsident Herbert Hainer nicht komplett erfolgreich Mühe, nicht beleidigt zu wirken.

Am Tag danach ist über den noch bevorstehenden Transfer des 26-jährigen Nationalspielers schon viel gesprochen und geschrieben worden. Schwatzgelb.de hat eine sehr lohnende Sonderausgabe des Podcasts Auffen Punkt veröffentlicht. und ist dabei unter anderem auf die teilweise gegensätzlichen Reaktionen auf den Wechsel eingegangen. Der Kicker spendierte uns eine Reihe von Artikeln zum Thema. Zu empfehlen ist besonders eine kleine Datenanalyse, die Süle mit der aktuellen Erstbesetzung der BVB-Innenverteidigung, Hummels und Akanji, vergleicht. SPOILER: Süle steht speziell bei Luftzweikämpfen, langen Pässen und mit seiner Geschwindigkeit gut da.

Die Rolle weicher Faktoren

Was zu Niklas Süle aus Dortmunder Fan-Sicht noch zu sagen bleibt, sind persönliche Einschätzungen. Grundsätzlich ist es ein Coup, einen aktuellen Nationalspieler ablösefrei von den Bayern zu verpflichten. Dass ein Jahresgehalt von 12 bis 15 Millionen Euro für jeden Borussen fragwürdig viel wäre, ist die andere Seite. Doch diese Summe wurde nur als Forderung der Süle-Seite kolportiert. Niemand außer den Beteiligten weiß, ob sie überhaupt zutreffend war und auf was man sich letztlich geeinigt hat – ich vermute, der Betrag liegt niedriger. Völlig abwegig erscheint es nicht, dass Süle von den um ihn werbenden BVB-Verantwortlichen subjektiv mehr Wertschätzung gespürt hat und ihm womöglich eine wichtigere Rolle versprochen wurde. Man sollte solche weichen Faktoren bei der Entscheidungsfindung eines Spielers nicht gleich als „Sweet Talk“ abtun – ein Spieler kann auch nicht immer funktionieren, vor allem nicht mental, nur weil er viel Geld verdient.

Ein Argument der Skeptiker des Wechsels war, dass die Borussia mit Verpflichtungen gestandener National- und/oder Ex-Bayern-Spieler nicht immer gut gefahren ist. André Schürrle, Mario Götze und Nico Schulz sind die Namen, die einem hier durch den Kopf gehen. Alle haben in Dortmund weniger gut gespielt als früher. Man kann dieses Argument durchaus verstehen, denn genau diese teuren Transfers und/oder hochdotierten Verträge kann sich die Borussia gerade jetzt nur leisten, wenn die Erfolgswahrscheinlichkeit sehr hoch ist. Bei Niklas Süle halte ich sie für annähernd so hoch wie bei Mats Hummels, dessen Rückkehr ich sportlich – und eigentlich auch sonst – immer begrüßt habe. Zu hoffen ist allerdings schon, dass die finanziellen Aspekte des Süle-Transfers nicht die im letzten Beitrag geforderte weitergehende Erneuerung des BVB unzumutbar einschränken.

Dortmund und der Spielverderber

1.Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 2 Bayern München 3

Da sieht man mal wieder ein über weite Strecken wirklich atemberaubendes Topspiel und dann wird es durch einen umstrittenen Handelfmeter entschieden. Das ist unabhängig von der Bewertung der Schiedsrichter-Entscheidung einfach nur traurig. Natürlich ist diese Sichtweise schwarz-gelb gefärbt, aber sicher hätten sich auch viele neutrale Fußballfans einen anderen Ausgang dieser Partie gewünscht. Nun wird es kommen wie immer: Bayern wird mit 12 Punkten Vorsprung Meister. Das mag die Fans vieler Bundesligavereine gar nicht so sehr stören – für die, die von der Spitze träumen oder sich einfach nur ein spannenderes Rennen wünschen, ist es einfach frustrierend.

Klar, man könnte das Spiel jetzt noch im Detail analysieren. Da muss man allerdings Lust zu haben. Es war bis zum Elfmeter in der 78. Minute eine tolle Partie, aus welcher der BVB mit erhobenen Köpfen rausgehen kann. Lassen wir mal Mats Hummels außen vor, der eben einen rabenschwarzen Tag hatte, obwohl ihn nur beim ersten Bayern-Tor klar die Schuld traf. Traumtore von Julian Brandt, dem es nach seinem Zusammenprall den Umständen entsprechend gut zu gehen scheint, und Erling Haaland. Klar, mehr als ein Unentschieden hatte sich der BVB spielerisch nicht verdient – aber es wäre eben eines der besten Unentschieden seit Langem gewesen.

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Dortmund, Bayern und das Unvermeidliche

1. Bundesliga, 24. Spieltag / Bayern München 4 BVB 2

Nicht einen Cent hätte ich vor diesem Spiel auf den BVB gesetzt, nachdem am Freitag bekannt geworden war, welche Schwarz-Gelben nicht im Flugzeug nach München saßen. Meine Einschätzung stellte sich als richtig heraus. Und doch war es mal wieder ein maximal frustrierender Spielverlauf. 4:2 nach 0:2 – aber das war noch längst nicht alles…

Angst essen Siegchancen auf

Edin Terzic stellte in der Arena auf drei Innenverteidiger um und brachte zudem Thomas Meunier für Mateu Morey. Eine vorsichtige Herangehensweise an das Topspiel, die dem BVB in den ersten 15 bis 20 Minuten nicht schadete, im Gegenteil. 0:2 nach neun Minuten – die Schwarz-Gelben traten genau so auf, wie es an diesem Ort nötig ist: hellwach und bereit, im Mittelfeld sofort dazwischenzugehen, sobald sich die Gelegenheit ergibt. War das erste Tor von Erling Haaland noch durch Boatengs Ballberührung begünstigt worden, ergab sich das zweite aus einem tollen Konter über mehrere Stationen; mit der entscheidenden Vorlage durch Thorgan Hazard, über dessen Rückkehr man nur froh sein kann.

Das Problem: Dem FC Bayern ist jederzeit zuzutrauen, einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen und so spielte Borussia Dortmund auch. Abgesehen von besagter Anfangsphase der ersten Halbzeit und weiteren zehn Minuten zu Beginn der zweiten präsentierte sich der BVB so, wie man es von den letzten Gastspielen in München gewohnt ist: zunehmend defensiv und ängstlich. Die Schwarz-Gelben versammelten sich phasenweise um den eigenen Strafraum, wie man es von deutlich schwächeren Gegnern der Bayern kennt – und selbst die versuchen das inzwischen zu vermeiden, wenn auch nicht immer mit Erfolg. Wer so viele Räume preisgibt, den legen sich die Bayern zurecht. Dass es dann mal bis in die Schlussphase dauern kann, bis der Rekordmeister trifft, ist nichts Neues. Weiterlesen „Dortmund, Bayern und das Unvermeidliche“

Es ist, wie es war

1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 2 Bayern München 3

Nach dem Topspiel am Samstagabend wird Borussia Dortmund von vielen Seiten eine ordentliche Leistung bescheinigt, doch gleichzeitig zementiert die Heimniederlage gegen die Bayern die Rangordnung im deutschen Fußball weiter. Mit jeder Pleite schwindet die Hoffnung auf Änderungen.

Ist der BVB näher an Bayern dran?

Manche deuten den couragierten Auftritt gegen die „Besten der Welt“ schon als Fortschritt. Dabei darf man nicht vergessen, dass es für die Schwarz-Gelben ein Heimspiel – wenn auch eines ohne Zuschauer – war. Aus den letzten fünf Ligapartien gegen die Bayern im Westfalenstadion hat der BVB sieben Punkte geholt (S 2, U 1, N 2); die höchste der beiden Niederlagen war ein 1:3. Es hat sich also bisher nichts grundlegend geändert – da müssen wir schon noch das Rückspiel und allgemein den weiteren Saisonverlauf abwarten.

Spielerisch kann die Borussia dem FCB punktuell weh tun, aber dann schlägt der Rekordmeister in aller Regel mit der ihm eigenen Selbstsicherheit zurück. Die Frage, warum es Hoffenheim gelingt, diesen Gegner deutlich zu schlagen und uns nicht, ist nicht schwer zu beantworten: Die Bayern haben ihre gebrauchten Tage, aber nicht gegen Schwarz-Gelb. Für dieses Duell sind sie immer top vorbereitet und eingestellt – so braucht es selbst zu Hause außergewöhnliche Umstände, um gegen sie zu gewinnen. Weiterlesen „Es ist, wie es war“

Der BVB hat es wieder schwer

1. Bundesliga, 28. Spieltag / BVB 0 Bayern München 1

Wie beflügelt segelte die Borussia scheinbar durch die Rückserie, ließ sich auch von Corona nicht stoppen – bis der FC Bayern kam. Das Topspiel war zum diesmal aber wirklich echten weltweiten Knaller stilisiert worden, konnte die Erwartungen aber eher nicht erfüllen. Danach ist alles wie immer in den letzten Jahren und in Dortmund wird schon wieder die T-Frage diskutiert.

Das Spiel

Die Partie war kein Reinfall, aber einseitiger, als sie manche gesehen haben wollen. Zweifellos war Borussia Dortmund in der ersten Hälfte besser im Spiel als danach. Am besten dann, wenn schnelle Gegenzüge gelangen. Das setzt gegen die Bayern immer Kombinationssicherheit voraus, die in den ersten 45 Minuten ein paar Mal aufblitzte. Doch am Ende standen meist doch noch ein Bayern-Spieler oder eine eigene Fehlentscheidung. Noch schwieriger wurde es, wenn der BVB auf bedächtigen Aufbau setzte: Dann war quasi kein Durchkommen gegen gut nach vorwärts verteidigende Gäste.

Das Tor der Bayern fiel folgerichtig, weil es ihnen immer häufiger gelang, sich durch zu kombinieren. Schon spätestens gegen Ende von Halbzeit 1 war nicht zu übersehen, dass der FCB insgesamt spielerisch besser aufgestellt ist. Das sollte sich in der Folge noch verdeutlichen. Die Hereinnahme von Can und Sancho nach der Pause verpuffte wirkungslos. Bei Schwarz-Gelb nahm die Zahl der Ballverluste und Fehlpässe weiter zu und erst spät im Spiel gelangen noch mal Torannäherungen, bei denen aber Manuel Neuer zur Stelle war. Das einzige Aber gegen den verdienten Bayern-Sieg: Der BVB hätte nach dem ausgefahrenen Ellbogen von Jerome Boateng Elfmeter kriegen müssen – den gab es trotz VAR allerdings nicht.

Die Wirkung

Es war schon von Anfang an komisch, unter der Woche um halb sieben gegen Bayern zu spielen. Dazu natürlich noch die Geisterkulisse und schon kann man das Ergebnis im Anschluss ganz nüchtern (abgesehen vom geringen Pegel) in all seiner Bitterkeit betrachten: Auch 2020 wird es für den BVB zu keinem Titel reichen, es wird nicht mal mehr ein spannendes Rennen geben. Wäre es nicht der Rekordmeister, wäre die Hoffnung größer – aber sieben Punkte auf den FCB in sechs Spielen aufholen? Und damit ist – auch wenn man das anders sehen darf – die Luft doch schon wieder ziemlich raus aus diesem seltsamen Saisonfinale.

Die Trainerdiskussion

Ja, diese Diskussion ist wieder da. Nach nur einer Niederlage schwelte sie wieder in den Medien, auch den sozialen, auch unter Fans. Man kann das kritisch sehen. Verständnis kann man dafür dann haben, wenn man sich an die teils schwachen Auftritte im letzten Jahr erinnert. Dass auch BVB-intern diskutiert wird, soll aus ein paar kryptischen Worten von Lucien Favre nach dem Spiel bei Sky hervorgehen („ich werde darüber sprechen in ein paar Wochen“). Dass Lucien Favre schon mal missverstanden werden kann, wenn er nach einer Niederlage Deutsch spricht, weiß aber eigentlich jeder Dortmund-Kenner und Journalist.

Heute kam dann gleich die deutliche Klarstellung von Favre. „An Aufgeben denke ich überhaupt nicht“, sagte er in einer Vereinsmitteilung. Und wieder zu Sky:

Ich werde weitermachen. Ich habe einen Vertrag. Ich werde diesen Vertrag erfüllen. Es gefällt mir hier.

Meine Prognose: Favre bleibt, wenn die Borussia halbwegs überzeugend die Champions League-Plätze schafft. Er hat noch Vertrag bis 2021, also nicht bis in alle Ewigkeit. Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc werden in unsicheren Zeiten nicht noch ein unnötiges Fass aufmachen. Schwierig wird es für Lucien Favre nur, wenn die Schwarz-Gelben es nun noch mal schleifen lassen.

Die Mannschaft: Bürki – Piszczek (80. Götze), Hummels, Akanji – Hakimi, Delaney (46. Can), Dahoud (85. Witsel), Guerreiro – Hazard, Brandt (46. Sancho) – Haaland (72. Reyna). Gelbe Karten: Hummels, Dahoud

Und jährlich gibts die Auswärtsschlappe

1. Bundesliga, 11. Spieltag / Bayern München 4 BVB 0

Das fünfte Auswärtsspiel beim FC Bayern in Serie endet für Borussia Dortmund mit mindestens vier Gegentoren und drei Toren Unterschied. Immerhin bessern sich die Schwarz-Gelben: Vorletzte Saison gab es noch ein halbes Dutzend Bayern-Treffer, im Frühjahr fünf und gestern nur noch vier. Kämpfende Gastgeber gegen Angsthasen? Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen und trotzdem lohnt sich der schmerzhafte Blick zurück.

Nicht über 90 Minuten miserabel

Kürzere Zusammenfassungen des „Topspiels“ zeigen dominante, spielsichere Bayern und einen weitgehend konfusen BVB. Dieses Bild trifft über weite Strecken der Begegnung auch zu. Die Schwarz-Gelben hatten viel zu viele einfache Ballverluste und ungenaue Pässe zu verzeichnen. Sie kamen oft nicht in die Zweikämpfe, standen zu weit weg von den Bayern, begleiteten häufig, anstatt zu attackieren. Die hoch stehenden Gastgeber behagten den Gästen überhaupt nicht.

Deutlich zu sehen war das aber erst nach dem Führungstreffer durch – natürlich – Lewandowski in der 17. Minute. Zuvor wirkten die Bayern zwar auch schon technisch stärker, aber noch nicht übermäßig dominant. Nein, es war das Gegentor, das den BVB scheinbar aller Energie beraubte – und danach sofort nachsetzende Rote. Es gab rund zehn Minuten in der zweiten Hälfte, in denen die Borussen wieder besser im Spiel waren – dann folgte das 0:3. Weiterlesen „Und jährlich gibts die Auswärtsschlappe“

Achtung, sie könnten wiederkommen!

Die Bayern kommen. Das Westfalenstadion ist ausverkauft, es ist das „erste Pflichtspiel“ der Saison, der Supercup. Es werden weltweit wohl sogar eine ganze Menge Menschen zuschauen. Trotzdem bin ich sicher nicht der Einzige, der es nicht so schlimm findet, die Partie nicht sehen zu können.

Spannend wird’s am Freitag drauf in Düsseldorf, wo der KFC Uerdingen nun umstrittenerweise spielt. Den Supercup sehe auch Lucien Favre nur als „einen Teil der Vorbereitung“, schreibt der Kicker. Diese Vorbereitung ist bisher zweifelsohne gut verlaufen. Dass sich die Neuzugänge Julian Brandt und Thorgan Hazard bereits leicht verletzt haben, ebenso Roman Bürki, kann zu diesem Zeitpunkt sicher aufgefangen werden.

Damit wären wir bei meinem ‚Aber‘ der letzten Wochen: dem großen Kader. Der umfasst Stand heute nach der Zählung von Transfermarkt.de immer noch 32 Spieler. Shinji Kagawa und Maximilian Philipp haben noch keinen neuen Verein gefunden. Berlin hat sich für „Milli“ zerschlagen, da Hertha BSC Ex-Fortune Dodi Lukebakio aus Watford geholt hat. Wie schon geschrieben: Aus Philipp hätten der BVB und seine Trainer mehr herausholen können. Es tut mir leid um ihn.

Was passiert 2020?

Zwei, die man loswerden wollte, sind gegangen: Jeremy Toljan und André Schürrle. Kaum jemand wird sie spielerisch vermissen. Doch beide Transfers sind eben nicht endgültig und bringen auch kein Geld ein, wenn man vom gesparten Gehalt absieht. Toljans neuer Klub UD Sassuolo sowie im Fall Schürrle Spartak Moskau haben zwar Kaufoptionen. Aber damit die gezogen werden, müssen die beiden sportlich überzeugen und sich persönlich wohlfühlen, denn auch die Spieler müssten einem endgültigen Wechsel zustimmen. Es würde mich nicht im Geringsten wundern, wenn Schürrle und Toljan Ende Juni 2020 wieder in Dortmund aufkreuzen.

Eine wirklich nachhaltige Transferpolitik macht der BVB gerade nicht. Vieles ist aktuell auf den schnellen Erfolg ausgerichtet. Die Verantwortlichen sehen eine Chance auf die Schale und haben die Möglichkeit, dafür einiges auszugeben. Klar: Wenn es gelingt, haben sie alles richtig gemacht. So muss man das sagen, denn die Liga war mit Ausnahme der letzten Spielzeit zuletzt quälend einseitig. Klappt es nicht so gut, wird der Punkteabstand wieder größer, könnte das entschlossene Erfolgsdenken, das den großen Kader vielleicht derzeit vereint, nicht aufrechtzuerhalten sein.

Klingt zu negativ? Ja, mir geht das mit dem Kader seit geraumer Zeit zu sehr in Richtung Chelsea etc. Dennoch sind die Chancen auf sportlichen Erfolg so groß wie lange nicht. Im Moment überwiegt die Vorfreude gegenüber den Bedenken.

Return of the Mats

Ich hätte mit einer längeren Hängepartie gerechnet. Doch Borussia Dortmund handelt 2019 wie der Blitz, zumindest wenn es um Zugänge geht. Der Grund, warum die Rückkehr von Mats Hummels schon perfekt ist, sofern er den Medizincheck besteht: Der BVB zahlt den Bayern rund 30 Millionen Euro zuzüglich Boni (Ruhr Nachrichten, Der Westen) oder eben bis zu 38 Millionen inklusive Boni, wie der Kicker berichtet. Wahrscheinlich handelt es sich also um einen neuen Rekordeinkauf.

Hätte Mats 30 Millionen straight gekostet, wäre das ein nach heutigen Maßstäben gut vertretbarer Preis gewesen. In seiner Bayern-Zeit ist er nicht besser und nicht schlechter, aber 30 Jahre alt geworden. In der Rückserie war er laut Kicker der beste Innenverteidiger der Liga. Man sollte also nicht mehr für ihn ausgeben, als er vor drei Jahren eingebracht hat. Aber da Mats anscheinend zu uns und die Borussia ihn haben wollte, gab es nicht so viel Verhandlungsspielraum.

Sportlich macht der Wechsel Sinn, das sollten auch die zahlreichen Kritiker eingestehen. Hummels ist erfahrener und hat einen besseren Spielaufbau als die Spieler, die 2018/19 meist in der Innenverteidigung standen. Trotzdem ist es unglücklich, dass nun sechs Mann für zwei Positionen im Kader stehen. Womöglich muss neben Toprak auch einer der Jungen gehen.

Die Kritiker des Transfers führen auch die vielen Rückholaktionen der letzten Jahre an. Das ist so, aber sportlich kann man nicht gegen den Hummels-Transfer sein und die erneuten Verpflichtungen von Sahin und Kagawa als gelungen bezeichnen. Wer ein Problem mit Wechseln zum FCB hat, den kann ich verstehen. Andererseits möchte Mats nun aus freien Stücken zurück. Er hätte wahrscheinlich in der nächsten Saison mehr Konkurrenz in München gehabt, aber er kommt nicht als Gescheiterter zurück. Bei Mario Götze hat die Wiedereingliederung  am Ende funktioniert, die Fans akzeptieren ihn wieder. Kann man nicht das ganze Gepfeife und Gehate bei Mats überspringen? Dann wird er uns mit ziemlicher Sicherheit 2019/20 weiterhelfen.

Denn es ist doch offensichtlich: Watzke und Zorc wollen in der nächsten Saison die Bayern noch mal mindestens so hart ärgern wie in der vergangenen. Dazu braucht es noch mehr Willen und Glaube an die eigene Stärke. Man kann die Strategie angreifen, weil der BVB mal wieder in die vollen geht, ohne sich rechtzeitig um die Größe des Kaders zu kümmern. Aber wer die Voraussetzungen schaffen will, um trotz großen Einkäufen des FCB noch mal in deren Nähe zu kommen, muss leider auch selber protzen. Willkommen zurück, Mats Hummels (wenn du fit bist)!