Dortmund gewinnt Sieben-Tore-Thriller

1.Bundesliga, 4. Spieltag / Bayer Leverkusen 3 BVB 4

Spiele gegen Leverkusen… inzwischen kann man da ja fast schon mit einem Spektakel rechnen. Aber die Partie gestern hatte wirklich alles, was ein Fußballspiel ausmacht und wird in bester Erinnerung bleiben. Klar waren da auch ein paar Fehler und Fehlpässe bei – das schadete aber dem extrem hohen Unterhaltungswert keineswegs. Der BVB kam dreimal nach Rückstand zurück und traf per Elfmeter zum Sieg – mehr kann man nicht verlangen.

Marco Rose hatte Neuzugang Marin Pongracic direkt in die Startelf beordert. Alles in allem machte der Kroate seine Sache gut. Beim frühen 1:0 der Gastgeber offenbarten sich aber noch Abstimmungsprobleme zwischen ihm und Abwehr-Kollege Manuel Akanji, so dass Florian Wirtz zwischen den beiden durchdribbeln konnte. Die Schwarz-Gelben zeigten sich aber zu keiner Zeit des Spiels geschockt, sondern versuchten immer direkt zu antworten. Es ging hin und her, es gab kaum Verschnaufpausen, es war eine Begegnung, die immer – oder zumindest bis in die Schlussphase – im Fluss war.

Tore und Fehler

Auf die Tore lohnt es sich, kurz einzeln einzugehen: Das 1:1 durch Haalands Kopfball wurde von Thomas Meunier mit einer Flanke vorbereitet. Der Belgier war offensiv auffällig, defensiv hat er noch Verbesserungsbedarf. Trotzdem war es eine seiner besten Partien in schwarz-gelb, was natürlich auch am bisherigen Niveau liegt. Leverkusens 2:1 war stark nach vorne gespielt; der BVB-Fehler lag hier bei Julian Brandt, der in der Nähe des gegnerischen Strafraums den Ball verlor. Doch auch der Rückstand kurz vor der Pause schockte die Borussia nicht: Schon wenige Minuten nach der Pause konnte Brandt an alter Wirkungsstätte seinen Fehler mit einem Klasse-Abschluss wieder ausbügeln.

Beim 3:2 durch Diaby im Anschluss an eine Ecke war es der sonst wieder starke Jude Bellingham, der Diaby den auf die linke Dortmunder Seite geklärten Ball nicht streitig machen konnte. Es folgte aber auch ein gezielter Schuss. Doch der BVB kam erneut zurück und mehr als das: Ein zauberhafter direkter Freistoß von Raphael Guerreiro traf das Ziel ebenso wie Erling Haaland vom Elfmeterpunkt. Die Entscheidung zum Strafstoß war allemal eindeutiger als das, was die Leverkusener auf der anderen Seite reklamierten. Ja, Koussounou schirmte zunächst gegen Marco Reus nur den Ball ab, machte dann aber eine eindeutige und unnötige Schlagbewegung, die den BVB-Kapitän im Gesicht traf – was durch Marcos Blut hinreichend belegt sein dürfte.

BVB siegt statistisch korrekt

Im Anschluss an die erstmalige Dortmunder Führung in der 77. Minute hätte ich von den Gastgebern noch etwas mehr erwartet, aber es sprang nur noch eine echte Chance durch Alario raus. Da war dann wohl der Tank nicht mehr voll genug. Egal, für uns Schwarz-Gelbe sowieso, es war dennoch ein Fest. Und der Sieg statistisch nicht unverdient, vor allem, was die Qualität der Chancen angeht: Die Gastgeber kamen auf 0,86 Expected Goals, der BVB auf 2,33 (davon 0,79 durch den Elfmeter) – hier waren die Schwarz-Gelben in der ersten Hälfte deutlich überlegen. Laut der FotMob App hatten die Gäste insgesamt vier Großchancen, Leverkusen eine.

Spannung und Spektakel für drei Spiele in einem – ob da der Champions League-Auftakt bei Besiktas am Mittwoch, 18.45 Uhr, mithalten kann?

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Pongracic (84. Hummels), Akanji, Guerreiro – Witsel (66. Malen) – Bellingham (89. Wolf), Dahoud – Brandt – Haaland, Reus. Gelbe Karten: Meunier, Haaland, Wolf. Tore: Haaland (2, davon 1 EM), Brandt, Guerreiro

Was am Transfer Deadline Day nicht passierte

Es blieb nach Bekanntgabe der Pongracic-Verpflichtung ein ereignisarmer 31. August bei Borussia Dortmund. Schon etwas vor der Deadline hatte Sportdirektor Michael Zorc in seinem letzten Sommer-Transferfenster verkündet, dass es keine Zugänge für Schwarz-Gelb mehr geben würde. Weitere Aktivitäten waren zu einem großen Teil davon abhängig, ob der BVB noch Abgänge vermelden konnte. Nicht zum ersten Mal zeigte sich, dass diese schwerer zu bewerkstelligen sind als Verpflichtungen.

Kein Callum Hudson-Odoi also für die Borussia. Über den klangvollen Namen vom FC Chelsea war in den Medien spekuliert worden. Wie zu erwarten sehen nun einige Social Media-Kommentatoren, mögen es BVB-Fans sein oder nicht, den ausbleibenden Transfer als Zeichen des fehlenden Ehrgeizes auf Seiten des Vereins. Dieser Deal scheint aber im Bereich des Möglichen gewesen zu sein: Angeblich hatten sich der Spieler und die Borussia bereits auf ein Leihgeschäft geeinigt, ehe Chelsea absagte. Mit möglichen Animositäten zwischen Thomas Tuchel und dem BVB sollte das nichts zu tun haben – schließlich hatten die Blues in der Vergangenheit auch schon den FC Bayern abblitzen lassen.

Drei Fragezeichen bleiben

Nur, wer sich der schwarz-gelben Vergangenheit nicht bewusst ist, kann ernsthaft fordern, dass der BVB in Erwartung sportlicher Erfolge wieder finanziell unvernünftige Dinge macht. Abgesehen davon können aufgeblähte Kader ohnehin kontraproduktiv sein. Stand heute haben die Schwarz-Gelben 32 Spieler im Kader, von denen die Verantwortlichen wohl mindestens drei gerne abgeben würden. Weder am Transfer Deadline Day noch zuvor hat es geklappt. Mit dem Verbleib von Nico Schulz bis mindestens Januar wird man sich wohl schnell arrangieren. Abgesehen von vertragslosen Spielern dürfen deutsche Vereine nun niemand mehr verpflichten – und natürlich braucht die Borussia links hinten eine Alternative zu Raphael Guerreiro. Dass Schulz dabei nicht dem gewünschten Qualitätsstandard entspricht, muss man nun ihn Kauf nehmen.

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Transfer Deadline Day: BVB leiht Pongracic aus

Seit gestern verdichteten sich die Hinweise, dass Borussia Dortmund bei der Suche nach Verstärkung für die Defensive beim Tabellenführer fündig geworden ist. Die Bestätigung kam gegen Mittag am letzten Tag der Transferphase: Der in Landshut geborene zweimalige kroatische Nationalspieler Marin Pongracic kommt vom VfL Wolfsburg. Der gerade noch 23-Jährige Innenverteidiger wird für den Rest der Saison ausgeliehen. Im Anschluss soll der BVB laut Medienberichten eine Kaufoption für 10 bis 13 Millionen Euro haben – wofür es keine Bestätigung vom Verein gibt.

Angesichts der kurz- bis mittelfristigen Ausfälle von Mats Hummels und Emre Can macht der Transfer aktuell natürlich Sinn. Axel Witsel war kein wirklich überzeugender Ersatz in der Innenverteidigung. Über die Saison gesehen könnte Pongracic die erste oder zweite Alternativ-Option zum Duo Hummels/Akanji werden, da Dan-Axel Zagadou und Soumalia Coulibaly zumindest leistungsmäßig noch eine ganze Weile brauchen dürften, um wieder aufzuschließen.

Ob Pongracic sogar erste Wahl werden und eine längerfristige Verpflichtung folgen könnte, ist schlicht nicht abzusehen. In Salzburg kam er unter Marco Rose einst regelmäßig zum Einsatz. In Wolfsburg stand er in dieser Saison erst einmal im Kader und noch nicht in der Mannschaft. Positiv ist, dass Pongracic auch Rechtsverteidiger spielen kann. Bei der nicht gerade übermächtigen Konkurrenz von Meunier, Passlack und in Zukunft wieder Morey könnte auf dieser Position sogar ein Nicht-Spezialist Einsatzchancen haben.

Dortmund gewinnt tolles Fußballspiel

1.Bundesliga, 3. Spieltag / BVB 3 TSG Hoffenheim 2

Man kann aus gutem Grund weiterhin ein Problem mit diesem Gegner haben, doch eine packende Partie haben sich der BVB und die wenig geliebten Gäste aus Hoffenheim gestern geliefert – mit vielem, was den Fußball so sehenswert macht: Emotionen, viele Torszenen und spätes Drama.

Sebastian Hoeneß‘ Team hat scheinbar einen großen Schritt gemacht und sollte zumindest spielerisch für das obere Tabellendrittel in Frage kommen. Hatte man in der Anfangsphase noch die Sorge, die Gäste würden wieder auf Klopper-Mentalität setzen – zwei berechtigte Gelbe Karten gab es in den ersten sieben Minuten, die erste nach neun Sekunden – zeigte die TSG danach ihr Können. Wobei der BVB nach einer guten Viertelstunde die Kontrolle übernahm und seinerseits gefällig und zügig nach vorne spielte.

Leise Zweifel an der Defensive

Die erste Halbzeit bot Chancen, aber keine Tore, die zweite dann beides und ein noch ausgeglicheneres Spiel. Auf die Treffer antwortete der Gegner jeweils mit Druckphasen, was für die Mentalität beider Teams spricht. Reyna wird sein 1:0 gut getan haben und Jude Bellingham hatte sich sein Tor schon lange verdient. Nicht ganz zufrieden wird Marco Rose erneut mit der Abwehrleistung gewesen sein. Meunier und Guerreiro waren wie erwartet in die Außenverteidigung gerutscht, Witsel begann erneut zentral neben Akanji.

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Delaney geht: It’s not all right, but it’s ok

Es ist also passiert, was zuletzt viele für möglich hielten, aber niemand so richtig wollte. Auch Borussia Dortmund betont ausdrücklich, dass Thomas Delaney den Verein „auf eigenen Wunsch“ in Richtung FC Sevilla verlässt. Bei den Andalusiern hat der 29-jährige dänische Nationalspieler einen Vertrag bis 2025 unterzeichnet. Zur Wahrheit gehört dazu, dass niemand der BVB-Verantwortlichen Delaney mehr oder auch nur genauso viel Einsatzzeit wie zuvor garantieren konnte. Die neue 4-4-2-Raute von Marco Rose – die natürlich nicht in Stein gemeißelt ist – sieht in der Regel nur einen defensiven Mittelfeldspieler vor und andere Akteure scheinen hier beim Trainer gefragter zu sein.

Thomas Delaney geht nicht leichtfertig und auch nicht unbedingt voller Freude – das klingt bei seinem Statement durch, das der BVB auf der Vereinswebseite veröffentlicht hat:

„Ich bin unglaublich stolz, für den BVB gespielt zu haben. (…) Die Atmosphäre im Signal Iduna Park werde ich immer vermissen. Das ist ein ganz besonderer Ort auf der Welt. Ich kann nur gute Dinge über Borussia Dortmund und die Menschen, die den Verein ausmachen, sagen. Es ist traurig für mich, den BVB zu verlassen, aber wir gehen alle als Freunde auseinander.

Webseite BVB

Ich hätte mir einen Verbleib von Delaney gewünscht. Da spielen weiche Faktoren eine Rolle – er scheint einfach ein angenehmer, guter Typ zu sein. Doch sein Einsatz und seine Mentalität können sich auch ganz konkret positiv auf die Mannschaft auf dem Platz auswirken. Die ungeliebte, aber oft gestellte Mentalitätsfrage wird der BVB so jedenfalls nicht seltener zu hören bekommen.

Ganz realpolitisch gedacht kann man die Entscheidung von beiden Seiten nachvollziehen. Das Geld ist in der Corona-Pandemie knapp; der BVB hat das offen kommuniziert. Wenn nur ein halbwegs lukrativer Abgang – Delaney soll sechs Millionen Euro plus Boni einbringen – einen Zugang ermöglicht, macht der Wechsel halbwegs Sinn. Die Schwarz-Gelben haben auf den offensiven, vor allem aber defensiven Außenpositionen mehr Bedarf als im defensiven Mittelfeld. Wirklich nützlich wäre ein vielseitig einsetzbarer, vor allem aber defensivstarker Außenspieler. Im Idealfall wäre er links und rechts gleich stark. Hier eine überzeugende Lösung zu präsentieren, wäre das Einzige, was die Borussia in der derzeitigen Situation noch machen sollte und was mich vom Sinn des Delaney-Transfers überzeugen könnte.

Alles Gute, Thomas Delaney!

Same procedure as last year, Borussia

1. Bundesliga, 2. Spieltag / SC Freiburg 2 BVB 1

Am zweiten Spieltag der vergangenen Saison verlor Borussia Dortmund bereits seine erste Ligapartie, damals gegen Augsburg. Im letzten Auswärtsspiel in Freiburg unterlagen die Schwarz-Gelben 2:1, wie an diesem Samstag. Also alles so wie letztes Jahr bzw. letzte Saison? Natürlich nicht, auch wenn Freiburg mit Vincenzo Grifos Freistoßperle wieder einen veritablen Sonntagschuss im Programm hatte.

Nach diesem frühen Schock sah der BVB zunächst gar nicht so übel aus. Es war Zug drin im Dortmunder Spiel, ein Hauch von Rose lag in der Luft. Allerdings merkte man auch schnell, dass es hinten wackelig werden könnte, wenn die Gastgeber ihre Gegenzüge mal richtig ausspielten – was ihnen zunächst nicht gelang. Nach etwa einer halben Stunde schwand die Hoffnung auf einen baldigen Torerfolg der Schwarz-Gelben. Sie fanden die Lücken in den wachen Freiburger Defensivreihen nicht mehr. Und wie es dann so ist, wenn man mit aller Kraft gegen die Mauer rennt: Ein Ballverlust von Bellingham leitete den schnellen SC-Angriff vor dem 2:0 durch Sallai ein. Zur Ergebniskorrektur musste ein Eigentor von Keitel her.

Wenig Haaland = keine Party

Ich habe letzte Woche von der extremen Wichtigkeit Haalands geschrieben. Wenn der Norweger nicht dabei ist oder wie in Freiburg einen gebrauchten Tag hat, wird es sehr schwer für die Borussia. Drei Dinge passten gestern nicht für Erling: Die Freiburger ließen ihm wenig Raum. Die Räume, die er sich selber schuf, nutzte er mehrmals für Abspiele, obwohl ein eigener Abschluss vermutlich die bessere Option gewesen wäre. Und seine sechs Schüsse hatten allesamt nicht die Qualität, um Flekken im SC-Tor ernsthaft zu gefährden. Ja, der BVB spielte mit zwei Stürmern. Aber Donyell Malen ist – Stand heute – noch meilenweit davon entfernt, eine ähnlich wichtige Rolle einzunehmen wie Haaland.

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BVB startet Liga spektakulär

1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 5 Eintracht Frankfurt 2

Ein Statement zum Auftakt – welcher Fan wünscht sich das nicht? Es darf darüber diskutiert werden, wie lange die psychologische Wirkung eines starken Ergebnisses am ersten Spieltag tatsächlich anhält. Doch ein paar Tage Zuversicht können zumindest kaum schaden. Borussia Dortmund hat die EM- und verletzungsbedingt schwierige Vorbereitung hinter sich gelassen und ist mit souveränen Siegen in Pokal und Bundesliga gestartet.

Der Sieg gegen die Eintracht kam per se nicht überraschend: Die Vorzeichen für die Gäste waren ungünstig, was spätestens durch das Pokal-Aus in Mannheim dick unterstrichen wurde. Die Art und Weise, wie die Borussia auftrat, hatten die meisten wohl trotzdem nur erhofft, aber in dieser Form nicht erwartet. Ich konnte nur die zweite Halbzeit der Partie sehen, deshalb bleibt die Spielbetrachtung in dieser Woche überschaubar. Der Schaden für die Eintracht war längst angerichtet und deren durchaus versuchte Rückkehr ins Spiel wurde nach einer ordentlichen Phase der Gäste durch Reynas 4:1 in der 58. Minute beendet.

Beim BVB stimmten Ein- wie Aufstellung. Etwas harsch war nur Marco Roses Entscheidung, den jungen Innenverteidiger Antonios Papadopoulos nach einer starken Vorbereitung durch Axel Witsel zu ersetzen. Immerhin kam „Papa II“ am Ende noch zu einer Viertelstunde Liga-Debüt. Die Außenverteidiger Passlack und Schulz, sicher nicht erste Wahl in einem verletzungsfreien Kader, wurden durch die Spielfreude der anderen angetrieben – mit dem Schönheitsfehler von Passlacks Eigentor.

Die Schwarz-Gelben stressten verunsicherte Frankfurter mit hohem Pressing, sicher das richtige Mittel bei diesem Gegner. Alle Dortmunder Offensivkräfte sind lobend zu erwähnen, aber natürlich kommt man auch in 2021/22 nicht drum herum, Erling Haaland zu huldigen. Zwei Tore, zwei Torvorlagen – sensationelle Frühform. Nein, Erling hat die Eintracht nicht im Alleingang geschlagen, aber seine Wichtigkeit ist kaum zu überschätzen. Ohne den Norweger sähen die Perspektiven für den BVB deutlich schlechter aus, weshalb die Verantwortlichen ihn hoffentlich für kein Geld der Welt vor Saisonende gehen lassen.

Die Aufstellung: Kobel – Passlack, Witsel (78. Papadopoulos), Akanji, Schulz – Reyna (87. Tigges), Dahoud, Bellingham (73. Delaney) – Hazard (73. Malen), Haaland, Reus (87. Moukoko). Tore: Reus, Hazard, Haaland (2), Reyna

Donyell Malen: der nächste Hit nach Sancho?

Hätte es ein „Malen“-Wortspiel auf halbwegs britischem Niveau gegeben, ich hätte es nicht verschmäht. Doch ich habe keins gefunden und auch noch keines gelesen. Deshalb bleiben wir mal seriös. Donyell Malens Verpflichtung ist perfekt, kurz nachdem Jadon Sanchos Wechsel zu Manchester United endgültig über die Bühne gegangen war. Dessen vermeintlicher Nachfolger kommt für rund 30 Millionen Euro plus mögliche Boni von PSV Eindhoven und hat einen Vertrag bis Juni 2026 unterschrieben.

Borussia Dortmund hat sich mit Donyell einen weiteren Schützling von Mega-Berater Mino Raiola ins Haus geholt. Schlägt er ähnlich ein wie der letzte Raiolaner – gemeint ist natürlich Erling Haaland – wird alles super. Natürlich können wir davon ausgehen, dass Raiola für Malen ebenfalls eine Ausstiegsklausel ausgehandelt hat. Dazu ist noch nichts bekannt, doch da der BVB schon bei Haaland von seiner zuvor ablehnenden Linie gegenüber derartigen Vereinbarungen abgewichen ist, dürfte es beim 22-jährigen Niederländer ähnlich sein. Einen Langzeitplan kann man als Verein mit Raiola-Klienten also eher nicht verfolgen.

Bekommt der BVB einen Jadon Haaland?

Was die meisten schon wissen dürften: Ein 1:1-Sancho-Ersatz ist Donyell Malen nicht. Seine bevorzugte Position ist das Sturmzentrum, auch wenn er schon häufiger als etwa Erling Haaland und nicht gänzlich erfolglos auf Außen gespielt hat. Der Vergleich mit seinem neuen Sturmkollegen zeigt: Malen hat in seiner Karriere 46 Einsätze mehr als der Norweger vorzuweisen und dabei 18 Tore weniger erzielt (88:106). Immerhin führt er aber bei den Vorlagen (37:28). Starke Werte sind das ohnehin.

Die entscheidende Frage wird sein, ob Marco Rose diese beiden Topspieler in einem funktionierenden Spielsystem vereinen kann. Denn selbstverständlich können es sich weder der Trainer noch der Verein leisten, Malen oder Haaland längere Zeit auf die Bank zu setzen. Vorstellbar sind etwa die Raute mit zwei echten Stürmern, wie sie der BVB schon lange nicht mehr gespielt hat, ebenso wie ein Dreier-Angriff mit Malen und Hazard/Reyna auf den Außen. Wichtig wird auch, ob Erling und Donyell den bis zu einem gewissen Grad natürlichen Egoismus des Stürmers beim Torschuss in den Griff bekommen. Ersterer hat das in der vergangenen Saison immer wieder gut hingekriegt – doch stand seine Position als Torjäger Nummer 1 auch nie in Frage. Klar ist: Sollte das Zusammenspiel der beiden halbwegs funktionieren, dürfen sich die BVB-Fans – und die Gegner – auf einiges gefasst machen.

Ob die Borussia allerdings von Saisonbeginn an glänzen wird, bleibt nach den jüngsten Auftritten und bei der momentanen Personalsituation zweifelhaft. Dem neuen Trainerteam steht noch viel Arbeit bevor.

Dortmund ohne Sancho und ein Rose ohne Dornen

Zum offiziellen Saisonbeginn am 1. Juli gibt es gleich zwei nicht unbedeutende Ereignisse rund um den BVB zu berichten. Die Transfer-Saga um Jadon Sancho geht ihrem Ende entgegen – wie bereits seit einigen Tagen abzusehen und in den Medien zu lesen. Heute bestätigte Manchester United in einer sehr kurzen Meldung auf der Vereinswebseite, dass man sich grundsätzlich mit Borussia Dortmund auf einen Transfer geeinigt habe, aber die Klärung von Vertragsinhalten – mutmaßlich mit dem Spieler – sowie der Medizincheck noch bevorstünden und nach Jadons EM-Teilnahme erfolgen sollen.

Von einer grundsätzlichen Einigung, aber noch bevorstehendem Vollzug sprach Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in einer seiner vernünftigeren Antworten auf der heutigen BVB-Pressekonferenz. Die Sache scheint also klar zu sein – es sei denn, Sancho fällt überraschend beim Medizincheck durch. Die Ablöse soll 85 Millionen Euro betragen und in fünf Raten bezahlt werden. 15 Prozent davon stehen Sanchos Jugendverein Manchester City zu. Unterschiedliche Angaben gibt es zu den Bonuszahlungen: Sind sie an „teils sehr niedrige“ Bedingungen geknüpft (Kicker) oder„quite difficult to reach“, wie der Guardian schreibt?

Bye Jadon, hallo Marco!

Zu Jadon Sancho muss man ansonsten nicht mehr allzu viel schreiben. Ein begnadeter bis genialer Kicker, der sich in der Transfer-Frage immer fair verhalten hat. Schade, dass er geht – er wird dem BVB (und uns Fans) fehlen. Trotzdem war es natürlich richtig, dem Wechsel jetzt zuzustimmen und unter Corona-Bedingungen ist die Ablöse fast schon obszön hoch. Man kann damit jedenfalls versuchen, Ersatz zu besorgen und vielleicht auch ein bisschen die Verluste reduzieren.

Der eigentliche Anlass der heutigen PK in Dortmund war natürlich der Amtsantritt von Marco Rose. Der kam schon ehrgeizig, aber auch unkompliziert rüber. Auf den ersten Blick keine Dornen, keine Ecken und Kanten erkennbar. Aber auch Thomas Tuchel oder Lucien Favre zeigten sich bei ihrer Vorstellung von ihrer besten Seite. Grundsätzlich gab es über Marco Rose hier wie anderswo ja schon einiges zu lesen, deshalb hier nur die unmittelbaren Erkenntnisse vom heutigen Termin: Der neue Trainer zeigte sich offen gegenüber verschiedenen Systemen und will „Arbeiter-Fußball“ mit schnellem Umschalten sehen. Die interessanteste Aussage: Neuzugang Gregor Kobel geht wie erwartet von der Pole Position ins Rennen um den Platz zwischen den Pfosten. Sollte er die Erwartungen nicht erfüllen, steht natürlich Marwin Hitz bereit. Roman Bürki wurde von Rose zwar gelobt, aber sein Weggang scheint trotzdem die favorisierte Lösung zu sein.

Die komplette PK gibt’s auf dem Youtube-Kanal des BVB zu sehen.

BVB erfindet Job für Terzic

Gute Nachrichten und drei Fragezeichen: Edin Terzic verlängert seinen Vertrag bei Borussia Dortmund bis 2025, wird aber nicht Teil des künftigen Trainerteams von Marco Rose, sondern rückt auf den neu geschaffenen Posten des „Technischen Direktors“ – ein Jobtitel, mit dem ich noch nie viel anfangen konnte. Glücklicherweise hat der BVB die Fragen der Fans vorausgeahnt und so gibt Edin Terzic der Vereinswebseite ein Interview, in dem er recht ausführlich auf seine Tätigkeit eingeht.

Die Idee, ein solches Stellenprofil im Verein zu schaffen, sei bei einer gemeinsamen Saisonanalyse mit den anderen BVB-Verantwortlichen entstanden, so Terzic. Erst im Laufe dieses Prozesses hätten er und die anderen erkannt, wie gut dieses Profil auf ihn selber passe. Dem kann man vollumfänglich glauben, es gibt aber keine zwingenden Gründe dafür. Hört man die Meldung zum ersten Mal, könnte man ja denken, die Borussia mache genau das, wovon ich sie im letzten Artikel für die jüngere Vergangenheit freigesprochen habe: für verdiente (Ex-)Angestellte einen Versorgungsposten schaffen.

Kooperation mit Kehl, Zorc und Addo

Das Terzic-Interview kann diesen Verdacht nicht direkt entkräften. Denn was sind nun die Aufgaben des künftigen Technischen Direktors? Er wird „fest“ in die Kaderplanung involviert und soll versuchen,„Spieler für den BVB zu begeistern“. Er wird „ein weiterer Ansprechpartner“ für das Nachwuchsleistungszentrum, der„wie Otto Addo auch direkt an der Schnittstelle zwischen Nachwuchs und Profis“ arbeitet. Außerdem soll Terzic Kontakt zu an andere Vereine verliehenen Profis und deren Trainern halten. Eine Aufgabe, die aller Ehren wert ist, aber wohl nicht den Großteil seiner Arbeitszeit in Anspruch nehmen wird. Edin Terzic fasst sein Aufgabenfeld abschließend so zusammen:

Im Grunde werde ich in Zukunft der Co-Trainer von Michael Zorc und Sebastian Kehl sein (lacht).

Es sind Tätigkeitsfelder, die sich mit denen der genannten BVB-Mitarbeiter überschneiden oder nicht besonders zeitintensiv sein dürften. Nun ist gegen Aufgabenteilung nichts einzuwenden, solange die Zusammenarbeit effektiv und harmonisch abläuft. Und hier dreht sich die Interpretation ins Positive: Vielleicht bräuchte der BVB nicht unbedingt einen Technischen Direktor, aber es spricht einiges dafür, dass Edin Terzic durch seine Persönlichkeit und seine vom Fragesteller im Interview nochmal aufgezählten Kompetenzen doch etwas im Verein bewegen kann. Auch zusammen mit anderen und vielleicht besser als im Trainerteam. Auch wenn sein Posten etwas konstruiert wirkt. Den Segen der Fans wird er spätestens mit diesem Satz haben:

Ich hatte nullkommanull Lust, Borussia Dortmund zu verlassen.