Done Deal

Der nette Junge geht nach Gladbach

Matthias Ginter verlässt Dortmund und schließt sich der Borussia vom Niederrhein an. Über einen Weggang des 23-jährigen Nationalspielers war in diesem Sommer nicht zum ersten Mal spekuliert worden. Aus Vereinskreisen hieß es dann stets, Ginter genieße hohe Wertschätzung, obwohl er kein absoluter Stammspieler war. Aber er war der nette Junge mit BVB-Sympathien, den man auf verschiedenen Positionen einsetzen konnte, der die Junioren-Nationalteams durchlaufen hatte und zuletzt auch beim Confed Cup in vier von fünf Partien in der Startelf stand.

Man muss diese Dinge ins Verhältnis setzen, gewichten. Als Junioren-Nationalspieler hat Ginter seine mehrjährige Profierfahrung genutzt. Wenn er ins A-Team von Joachim Löw für die WM in Russland berufen werden sollte, dann wohl nicht als erste Wahl für die Startelf.

Ich mag nette Spieler, die es einem leicht machen, den eigenen Verein zu mögen. Deswegen hoffe ich inständig, dass Sven Bender in Dortmund bleibt, bei dem noch unbändiges Engagement dazu kommt. Matthias Ginter war sympathisch, aber seine Leistungen waren nicht über jeden Zweifel erhaben. Seine stärkste Halbserie war die erste unter Thomas Tuchel, als er Lukasz Piszczek rechts hinten temporär ersetzte bzw. verdrängte. Die Auftritte als Innenverteidiger oder in einer Dreierkette waren weit weniger überzeugend, obwohl Ersteres seine erklärte Lieblingsposition ist. Weiterlesen →

Hier sind die Big Points!

1. Bundesliga, 30. Spieltag / Mönchengladbach 2 BVB 3

Die Schwarz-Gelben drehen das Borussen-Duell erneut, nachdem sie nach einer zwischenzeitlichen Wende in Rückstand lagen. Es war kein Auftritt aus einem Guss, schon gar nicht bei den Gastgebern, doch was erwartet man mehr als eine solch engagierte Leistung mit später Belohnung in einer spannenden Partie?

Drei Gedanken zum Spiel

Wir müssen mit individuellen Fehlern leben und in Spielen wie diesem können wir das auch. Das war vor dem Anschlag so und das ist jetzt so, aus welchem Grund auch immer. Diesmal war es beim 1:1 kurz vor der Pause Mikel Merino, dem natürlich Spielpraxis fehlt, der relativ unbedrängt einen leichtsinnigen Querpass spielte. Das 1:2 kurz nach der Pause dann ein nicht gerade unvermeidbares Eigentor von Marcel Schmelzer. Und schon war der Spielverlauf auf den Kopf gestellt.

Dem BVB fehlte es an Präzision – vor allem in der dominant geführten ersten Hälfte. Da hatte Gladbach bis zum Ausgleich keine ernsthafte Torchance, die Schwarz-Gelben sahen auch nach der frühen Führung durch Reus‘ Elfmeter ein paar Mal gefährlich aus. Und doch hätte es bei genauerem Passspiel in der Offensive noch viel öfter gefährlich werden können. Das ist der Bereich, in dem die jungen Supertalente Dembelé und Pulisic noch Verbesserungsbedarf haben. Ebenso wie Merino, der nach 22 Minuten für den leider erneut verletzten Nuri Sahin kam. Wobei Mikel es nach seinem Fauxpas zumindest in der zweiten Hälfte nicht an Einsatz und guten Ansätzen fehlen ließ.

Wie die bessere Borussia die Partie nochmals drehte, zeugt von wiedergewonnener Stärke – auch mentaler Art. Natürlich ist es ein Luxus, Pierre-Emerick Aubameyang von der Bank bringen zu können. Der dann nach knapp 110 Sekunden traf. Aber nach dem Ausgleich befanden sich eher die Schwarz-Gelben im Aufwind, obwohl es für die gastgebenden Gladbacher auch noch um einiges geht. Nach diesem Spielverlauf war es mir eine besonders große Freude, als in der 87. Minute ein BVB-Freistoß endlich mal wieder perfekt in den Strafraum segelte und den richtigen Kopf fand. Castro hatte ausgeführt und der im Spielverlauf stärker werdende Guerreiro köpfte ein.

Höchsten Respekt für eine nicht astreine, aber unter den Umständen tolle Leistung! Vielleicht kommt die von allen herbeigesehnte Normalität nach der Verhaftung des Bombenlegers früher als erhofft, zumindest auf dem Platz. Ohne dass wir vergessen, was man nicht vergessen kann. Und endlich nutzt der BVB die Vorlage der Konkurrenz: Dritter!

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Bender, Schmelzer – Durm, Sahin (22. Merino), Guerreiro, Castro – Dembelé (87. Mor), Reus (57. Aubameyang), Pulisic. Gelbe Karten: Castro, Merino, Bürki. Tore: Reus (EM), Aubameyang, Guerreiro

BVB verstärkt volles Mittelfeld mit Mahmoud Dahoud

Das Derby-Warm-up wurde heute durch eine Vollzugsmeldung unterbrochen: Mahmoud Dahoud wechselt im Sommer von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Dabei hatte die Bild heute noch berichtet, der FC Liverpool sei ins Rennen um den 21-jährigen U21-Nationalspieler eingestiegen. Die Initiative zur Bekanntgabe des Transfers scheint von Gladbach und dessen Noch-Sportdirektor Max Eberl ausgegangen zu sein. Kein Wunder, bei dieser Gerüchtedichte.

Heiß begehrt war Dahoud wohl tatsächlich. Ohne Zweifel bekommt der BVB für nach Kicker-Informationen 12 Millionen Euro einen zentralen Mittelfeldspieler mit viel Potenzial. Die Summe soll einer bestehenden Ausstiegsklausel in Dahouds Vertrag mit Gladbach entsprechen. Der Neuzugang könnte in der kommenden Saison neben oder etwas vor Julian Weigl agieren. Ohne Zweifel hat Mahmoud aber auch noch Probleme mit der Konstanz. So war die Hinserie beim VfL eher durchwachsen – natürlich nicht nur bei ihm. 2017 läuft es wieder besser und so darf es ab Juli weitergehen.

Man kann den BVB-Verantwortlichen zu einem gelungenen Transfer gratulieren, der dank Klausel wirklich „value for money“ verspricht. Gleichzeitig stellen sich Fragen nach der Transferpolitik allgemein. Ein weiterer Spieler fürs Mittelfeld, wo die Kaderdichte ohnehin sehr hoch ist – macht das Sinn? Das wird davon abhängen, ob es gelingt, den Kader an anderer Stelle zu reduzieren.

Im Netz werden nun schon wieder Streichlisten diskutiert. Dabei vergessen die Autoren gerne, dass es sich zum einen um Menschen mit Emotionen und eigenem Willen handelt, die teilweise viel für die Borussia geleistet haben. Zum anderen verkaufen sich Spieler von der Ersatzbank oder der Tribüne nicht so einfach wie gehypte Jungstars. Schon letztes Jahr gelang es Michael Zorc und Aki Watzke nicht, für alle ‚Überzähligen‘ Abnehmer zu finden. Meine persönliche Meinung: Zumindest Gonzalo Castro und Sven ‚Manni‘ Bender gehören in den Kader. Andere, auf die man vielleicht sportlich verzichten könnte, würden bei einem Abgang zum finanziellen Verlustgeschäft.

Borussia-Serien halten, Schwarz-Gelb darf feiern

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 4 Mönchengladbach 1

Nach frühem Schock schlägt diesmal die schwarz-gelbe Borussia blitzschnell zu und dreht das Borussen-Duell in beeindruckender Weise. Nur um die Halbzeitpause herum können die Gäste die Partie einigermaßen ausgeglichen gestalten, kommen jedoch nur zu wenigen Torszenen. Dann schlägt die brillante BVB-Offensive erneut zu und schon wirkt die „Tuchel-Wutrede“ so novembrig. Der Trainer bleibt in der Liga zu Hause ungeschlagen und der VfL wartet weiter auf einen Sieg.

Drei Gedanken zum Spiel

Heute hat Thomas Tuchel gezeigt, wie man richtig rotiert. Ich meine, hallo, Reus und Dembélé – wie geil war das denn? Unglaublich, in welcher Form sich Marco bereits wieder befindet, da sieht man auch von einem kritischen Fehlpass ab. Mit einem perfekten Hackentrick bereitet er Aubas zweiten Treffer vor. Und Ousmane? Jeden Cent wert und mehr als das. Wenn er uns eine Weile erhalten bleibt, werden wir noch viel Spaß haben. Marc Bartra kehrte in die Abwehr zurück und gab eine Art Kopfballvorlage zum 0:1. Dafür verlängerte er aber auch die Ecke zum 2:1 und zeigte, dass er an guten Tagen den Hummels schon ganz gut kann. Rotation ist also dann eine feine Sache, wenn sie auf Schwachstellen reagiert und den richtigen Spielern verdiente Pausen einräumt.

Ebenfalls in die Mannschaft kam Nuri Sahin, den manche auch in Frankfurt erwarteten, nachdem er im Rekordmatch gegen Legia Warschau überzeugend mitgewirkt hatte. Nun kam also seine nächste Chance und Nuri musste nach 36 Minuten verletzt raus. Bitter für ihn nach langer Warte- und Leidenszeit. Ich habe zwar vermutet, dass es leistungsmäßig für ihn in dieser Saison schwer werden würde, aber so ein Pech kann einem nur leid tun. Allzu schlimm sah es allerdings nicht aus, in der zweiten Hälfte sah man ihn wieder auf der Bank mit Marco Reus plaudern.

Wenn sich diese Mannschaft eingespielt und Thomas Tuchel ihre Fähigkeiten komplett ausgelotet hat, wird die schwarz-gelbe Kaderdichte noch eine wichtige Errungenschaft sein. Der Trainer hat selbst gesagt, dass er noch nicht das perfekte System oder die perfekten Systeme für alle Spieler gefunden hat. Der Trainer wird daran aber akribisch weiterarbeiten. Und wenn man einen Christian Pulisic oder Rohdiamant Emre Mor bringen kann, ist das einfach ein gutes Gefühl. Vor allem ersterer begeisterte in rund zwölf Einsatzminuten wieder so richtig. Ob man das bald auch wieder über die Freunde Götze und Schürrle sagen kann? Da lassen wir uns mal überraschen.

Nun darf das Spiel im Estadio Bernabeu kommen und zuvor Schalke noch einmal gewinnen. Alles wieder im Lot bei der schwarz-gelben Borussia – was man von der anderen nicht sagen kann. Denn zu den tollen Spielzügen der einen gehörten auch Akteure der anderen, die sich mehr als einmal zu leicht ausspielen ließen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Sokratis, Bartra – Piszczek, Castro, Sahin (36. Weigl), Schmelzer – Dembélé (89. Mor), Reus (78. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Aubameyang (2), Piszczek, Dembélé

Die Traumstarter sind wieder da

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Borussia Mönchengladbach 1 BVB 3

Was will man mehr? Borussia Dortmund hat die Eindrücke aus den Testspielen bestätigt und zum Rückrundenauftakt auch das Spiel im Borussia-Park gegen Gladbach souverän gewonnen. Thomas Tuchel und sein Team scheinen die freie Zeit genutzt zu haben. Ein Fortschritt gegenüber den vollgestopften Wochen vor Weihnachten ist deutlich erkennbar.

Dabei hatte Tuchel noch gar nicht seine Bestbesetzung zur Verfügung. Für Nuri Sahin kam die Partie ohnehin zu früh, aber auch Marcel Schmelzer stand nicht im Kader. Für ihn kam erneut Joo-Ho Park zum Einsatz. Nach einer ordentlichen ersten Hälfte war der Linksverteidiger dann nicht unschuldig am Gladbacher Anschlusstreffer und wird über den Status des Ersatzmannes wohl nicht hinauskommen.

Abgesehen davon bewies das Team aber absolut Rückrundenreife. Auch wenn Gladbach nach einem Eckball die erste Chance per Lattenkopfball markieren konnte, wirkte der BVB schon vor der Führung wie die Heimmannschaft. Vor allem die Präsenz im Mittelfeld, die vielen gewonnenen Zweikämpfe und Balleroberungen waren beeindruckend. Und das betraf ja nicht nur die klassischen Mittelfeldspieler. Besonders stark agierte der Käpt’n: Mats Hummels brillierte sowohl in letzter Reihe wie auch in vorgezogener Position und selbst einen Sturmlauf ließ er sich nicht nehmen.

Wichtig war gestern vor allem, dass alle ähnlich wach waren wie Mats. Das sah man beim 1:0: Präziser Abschlag von Bürki, der superstarke Gündogan leitet weiter auf Reus rechts außen und der schließt ins lange Eck ab. So schnell kann es gehen, wenn alle mitmachen. Tuchel und allen voran die Spieler können auch Klopp. Exemplarisch für das schwarz-gelbe Spiel war auch der zweite Treffer, den Hummels mit einem, ja, bockstarken Tackling einleitete, ehe es wieder über Gündogan und Reus lief und schließlich Miki vor dem Tor cool blieb.

Die Schwächen über die linke Seite versuchte Thomas Tuchel später mit der Hereinnahme des genesenen Erik Durm zu kompensieren; Mkhitaryan wechselte auf rechts. Sonst gab es tatsächlich wenig zu kritisieren, denn eine Mannschaft wie Gladbach schießt man eben nicht aus deren eigenem Stadion. Die Gastgeber bekamen nach dem Anschluss kurzfristig Oberwasser, aber die Mentalität eines griechischen Helden sorgte für die Entscheidung. Nach Hummels war es nun Sokratis, der den Ball eroberte und einfach mal nach vorne durchlief, um dann in den Laufweg von Miki zu legen. Flanke in den Rückraum und Ilkay hatte endlich mal Glück im Abschluss. Mehr als Aubameyang, dem das gestern fehlte.

Die schwarz-gelbe Borussia scheint gerüstet – selbst wenn Yunus Malli oder ein anderer nicht kommen sollten. Das Einzige, was einem nach diesem Auftakt zu denken gibt: Die Interessenten für Ilkay, Miki und – trotz null Toren – Aubama werden nicht weniger. Und ohne diese drei möchte man sich den BVB derzeit doch nicht vorstellen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Park – Weigl – Gündogan, Castro (70. Ginter) – Reus (70. Durm), Mkhitaryan – Aubameyang (76. Ramos). Gelbe Karte: Weigl. Tore: Reus, Mkhitaryan, Gündogan

Alles ehrbare Geschäftsleute

Kurz vor Beginn der nächsten Transferphase hat Borussia Dortmund den ersten Abgang zu verkünden: Jonas Hofmann wechselt am 1. Januar zur zweiten Borussia nach Mönchengladbach. Über den Abschied des Mittelfeldspielers war spekuliert worden; es ist die Ablösesumme, die aufhorchen lässt. Laut „Kicker“ zahlen Max Eberl und Co bis zu 8 Millionen Euro für den 23-jährigen.

Für ein junges Mittelfeldtalent mit offensiver Ausrichtung ist das an sich kein überzogener Preis. Doch die meisten Schwarz-Gelben würden Susi Zorc und Aki Watzke für dieses Geschäft sicher gerne auf die Schultern klopfen. Denn Jonas Hofmann, der sich formvollendet von den Dortmunder Fans verabschiedet hat, blieb doch eher ein Versprechen. Zu sehen war das kürzlich, als er einen tollen Sololauf sträflich unvollendet ließ. Gewisse Anlagen sind bei ihm sicher vorhanden, doch ob er beim BVB jemals über den Status des Ergänzungsspielers hinausgekommen wäre, ist fraglich.

Thomas Tuchel hat mit der hoffentlich nahen Rückkehr von Nuri Sahin und Erik Durm weitere Alternativen in der Hinterhand. Die Zahl der Verletzungen ist unter seiner Regie zurückgegangen. Somit gibt es keinen Grund für einen aufgeblähten Kader – das frei werdende Geld wäre für andere Positionen besser eingesetzt.

Jonas Hofmann hat sein Bestes für uns gegeben. In meiner Fußballkneipe wird er aber hauptsächlich mit herausgeholten Elfmetern assoziiert. Mal sehen, wie das in Gladbach wird. In Dortmund klingelt jetzt erst mal die Kasse. Fehlt nur noch, dass Moritz Leitner für fünf Millionen nach Hoffenheim geht.

Thomas Tuchels wunderbare Welt des Fußballs

1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 4 Mönchengladbach 0

Wer sich vor dem Spiel Borussia gegen Borussia eine packende, enge Partie mit Chancen hüben wie drüben und einem allenfalls knappen Sieg von wem auch immer ausgemalt hatte, wurde gestern Abend von der Realität blitzschnell überholt. Und diese Realität war strahlend schwarz-gelb. Im ersten Ligaspiel fabrizierte das Team von Thomas Tuchel eine Leistung, die sogar besser war als im schnöden Lehrbuch – und vor allem die beste Leistung des BVB seit langem.

Man könnte jetzt bereits von einem Meisterstück des neuen Trainers sprechen und sogar gewichtige Gründe dafür anführen. Die Schwarz-Gelben zeigten nicht nur flüssige Kombinationen nach vorne, sondern auch ein äußerst souveränes Ballbesitzspiel, wie es die sogenannten Experten bei Jürgen Klopp vermisst hatten. Ging der Ball verloren, wurde er häufig schon im Mittelfeld, und durchaus auch von den offensiv ausgerichteten Spielern, zurückerobert. Erstaunlich ist, wie es Tuchel geschafft hat, den jungen Julian Weigl, in der letzten Saison noch bei 1860, auf sein gestern gezeigtes Niveau zu bringen. Und betrachtet man nur den gestrigen Abend, würde man dem Trainer auch zutrauen, aus Marcel Schmelzer doch noch einen Dede zu machen.

Das Einzige, was man gegen die nun einsetzenden, berechtigten Lobeshymnen, das Gerede von der Rückkehr als Bayern-Jäger einwenden kann: Es war eben nur ein Spiel. Gegen einen Champions League-Teilnehmer, klar. Aber gegen einen, der sichtlich überrascht von der neuen Kraft des BVB war und der seine eigene Abwehr wegen Verletzungen und Sperren neu formiert hatte. Es zeigte sich, dass Gladbach unter diesen Voraussetzungen eben nicht das Niveau von Wolfsburg und den Bayern hat. Weiterlesen →

Die Luft vor dem Start

Was da nun genau in der Luft liegt – wer will das schon sagen? Der Bundesliga-Saisonauftakt 2015/16 beschert Borussia Dortmund ein Abendspiel gegen die andere Borussia, den amtierenden Tabellendritten und Champions League-Teilnehmer. Und es ist verdammt schwer abzuschätzen, wie die Schwarz-Gelben mit einem Gegner solchen Kalibers zurechtkommen.

Die bisherigen Partien unter Thomas Tuchel haben sich gut angelassen, es gab kein Gegentor in den Pflichtspielen. Aber natürlich sind Wolfsberg und Chemnitz nicht der Maßstab, um schon irgendwelche Aussagen zu tätigen. Wer sich unvoreingenommen auf den neuen Trainer einlässt, kommt dennoch zu dem Schluss, dass dieser einen positiven Eindruck macht. Niemand braucht einen zweiten Klopp, denn eine Kopie ist meist nicht so gut wie das Original. Dass ‚die BVB-Fans‘, ‚die Westfalen‘ oder ‚die Ruhrpott-Bewohner‘ nur einen Typ wie Kloppo akzeptieren, war schon immer eine bloße Zuschreibung von außen. Sichtbar ist dagegen: Tuchel lässt mehr den Ball zirkulieren, verschiedene Formationen erproben und hat bisher Erfolg.

Gegen Mönchengladbach wird natürlich gerade die scheinbar gefundene defensive Stabilität auf die Probe gestellt. Es ist bekannt, dass ich vor allem auf den Außenpositionen der Viererkette die Schwachstellen vermute. Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer dürften zunächst mal auflaufen, denn Erik Durm hat auch am Donnerstag noch nicht trainiert. Dudziak steht derzeit wohl noch hinter Schmelle. Es bleibt nur zu hoffen, dass Thomas Tuchel genau hinschaut.

Viele werden erst mal gespannt zwischen die Pfosten schauen. Alles andere als eine Entscheidung für Roman Bürki wäre dort eine Überraschung und eher kontraproduktiv. Noch spannender ist deshalb, ob Weigl, Castro oder Bender neben Ilkay Gündogan ran dürfen. Entscheidend für den Spielverlauf könnte sein, ob Henrikh Mkhitaryan seine ausgezeichnete Frühform gegen das Favre-Team konservieren kann und zum kongenialen Partner von Marco Reus wird.

Gladbach sah im Pokalspiel bei St. Pauli zunächst gar nicht gut aus, um dann in der zweiten Hälfte umso überzeugender zurückzukommen und die Partie keine Minute mehr aus der Hand zu geben. Echte Formvorteile kann sich der BVB also nicht ausrechnen. Ja, die andere Borussia hat Christoph Kramer und Max Kruse verloren – aber das waren zuletzt zumindest nicht die Spieler, die den schwarz-gelben Jungs die meisten Probleme bereitet haben. Und mit Drmic sowie vor allem Lars Stindl haben Max Eberl und Lucien Favre echte Qualität ins Team geholt. In der Abwehr, wo bei den Gästen ein paar Spieler fehlen, wird voraussichtlich Chelsea-Leihgabe Andreas Christensen sein Liga-Debüt geben. Dennoch: Hier könnten die Gladbacher verwundbar sein.

Ein besseres Topspiel hätte sich die DFL für den ersten Spieltag nicht aussuchen können, das muss man den Verantwortlichen lassen. Hohes Tempo, viele Offensivaktionen und gehörige Spannung – es würde doch sehr verwundern, wenn wir nicht alle diese Attribute zu sehen bekommen.

Dortmund hat wieder einen Schweizer

Der BVB setzt wieder auf einen Eidgenossen und damit eine Tradition fort, die Stephane Chapuisat, Alexander Frei und, ähm, Philipp Degen begründet haben. Roman Bürki, in der abgelaufenen Saison Stammtorwart beim Absteiger SC Freiburg, kommt wie erwartet für rund vier Millionen Euro. Und bringt trotz des am letzten Spieltag verspielten Klassenerhalts aus dem Breisgau einiges an Vorschusslorbeeren mit: Laut „Kicker“ war er mit einer Durchschnittsnote von 2,72 zweitbester Keeper der Bundesliga.

Mit Mitch Langerak deutet sich ein hoffentlich offener und fairer Zweikampf an. Unsere aktuelle Nummer 1 hat lange auf seine Chance warten müssen, diese aber zumindest in der letzten Spielzeit ansatzweise bekommen. Nun sofort komplett unangefochten zu sein, kann er nicht erwarten. Thomas Tuchel äußerte sich in dieser Frage so:

Roman wurde auf jeden Fall verpflichtet, mit der Möglichkeit, die Nummer eins zu werden. (…) Wir haben ihm da nichts versprochen, da sind keine Dinge entschieden.

Alles deutet darauf hin, dass aus dem Top-Torhüter-Trio, das die Borussia nun in ihren Reihen hat, Roman Weidenfeller derjenige ist, der den Verein verlassen soll. Im selben „Sky“-Interview, aus dem das obige Zitat stammt, sagte Tuchel über Weide, dass man „sehr ehrlich miteinander sprechen und eine gute Lösung finden“ werde.

Bei allen Verdiensten, die der langjährige schwarz-gelbe Keeper hat, war klar, dass der Verein nach einer solchen Saison wie 2014/15 Dinge verändern und Weichen für die Zukunft stellen musste. Man könnte Langerak vermutlich nicht halten und hätte Bürki nicht bekommen, wenn man jetzt weiter uneingeschränkt auf Weidenfeller setzen würde.

Should Ginter stay or should he go now?

Nicht gut gelaufen ist diese Spielzeit auch für Matthias Ginter. Dass es für ihn gegen starke Konkurrenz in der Innenverteidigung nicht einfach werden würde, war klar. Doch der Ex-Freiburger konnte bei seinen wenigen Einsätzen auch selten überzeugen. Trotzdem wäre es traurig, wenn er nun tatsächlich zur falschen Borussia wechseln sollte – selbst wenn Max Eberl & Co mit zehn Millionen Euro eine ähnliche Summe bieten, wie sie der BVB letzten Sommer gezahlt hat. Gut möglich, dass Ginter in Gladbach tatsächlich aufblühen und sein Potenzial abrufen würde – und die Schwarz-Gelben mal wieder einen jungen Spieler mit Perspektive zu früh hätten gehen lassen.

BVB wird zur kleinen Borussia

1. Bundesliga, 28. Spieltag / Mönchengladbach 3 BVB 1

Die letzten beiden Ligapartien haben den Status Quo 2015 bei Schwarz-Gelb demonstriert: Der BVB ist nicht wirklich so schwach wie es in der Hinserie den Anschein hatte, doch in dieser Saison ein großes Stück von der Spitze entfernt. Mehr als ein Hineinrutschen in die Europa League, auf die eine oder andere Weise, wäre schlicht nicht verdient. Und die Borussia vom Niederrhein hat uns spielerisch derzeit einiges voraus. Warum Favres Team nicht im Pokal-Halbfinale steht, können sich die Gladbacher nur selbst beantworten.

Es gibt nicht wirklich eine Entschuldigung dafür, dass es zum dritten Mal in dieser Spielzeit schon in der ersten Minute hinten klingelte. Wendts Treffer wäre mehrfach zu verhindern gewesen, unter anderem, wenn Hummels nicht ausgerutscht wäre. Mit dem 1:0 hatten die Gastgeber ideale Voraussetzungen, um auf ihre Schnelligkeit in Kontersituationen zu vertrauen.

Natürlich war es ein Nachteil, dass die Schwarz-Gelben auf Marco Reus und den im Pokal überzeugenden Erik Durm verzichten mussten. Die Bilanz mit und ohne Reus ist eindeutig. Zwar schaffte der BVB nach dem frühen Gegentor ein eindeutiges Übergewicht, hatte viel Ballbesitz, aber es fehlten zwingende Gelegenheiten. Weitschüsse können manchmal ein probates Mittel sein – siehe Kehls Dropkick am Dienstag – aber häufiger sind sie auf Bundesliga-Niveau Ausdruck von Ideenlosigkeit oder gar Verzweiflung. Die vermeintlich Kreativen wie Gündogan oder Kagawa brachten wenig zustande; Mkhitaryan wirkte zumindest energischer.

Ein Problem, zu dem sich Jürgen Klopp zuletzt bekannt hat und das er gestern durch offensive Auswechslungen zu beheben versuchte, ist die mangelhafte Besetzung des gegnerischen Strafraums. Zu oft steht tatsächlich nur Aubameyang als Anspielstation ganz vorne zur Verfügung. Andere Akteure rücken zu langsam nach. Selbst wenn Marcel Schmelzer einmal eine gute Flanke in oder an den Sechzehnmeterraum bringt, kann diese dann nicht verwertet werden – nur einmal hätte es fast geklappt. Auch Gladbach bot gestern zeitweise viel Platz über die Flügel an, den der BVB zu selten zu nutzen verstand. Ich hätte gerne Dudziak länger und Durm überhaupt gesehen – letzteres war bekanntlich nicht möglich.

Die Art und Weise, wie Herrmann das 2:0 machte, zeigte Souveränität und Klasse – nicht nur beim Mittelfeldspieler selbst. Auch in dieser Szene kamen drei, vier Schwarz-Gelbe zu spät; am Ende schien es so, als würde Neven Subotic etwas zu früh aufgeben. Natürlich lag dieser Torerfolg vor allem daran, dass Herrmann ein Klassespieler ist – doch solche Spielzüge sieht man beim BVB in dieser Saison zu selten. An Herrmanns – und Reus‘ – Qualität kommen andere Dortmunder derzeit nicht ran.

Das dritte Gegentor, mal wieder nach einem Standard, war eine Mischung aus Pech und Unvermögen und brachte die Entscheidung. Viel mehr als den einen eigenen Treffer durch Gündogan – nach Vorlage von Dudziak – hatten die Schwarz-Gelben nicht verdient. Trotz Bemühen und 54 Prozent Ballbesitz. Mit nur ein, zwei entscheidenden Ausfällen – auch den bisher allenfalls in der Rückserie überzeugenden Nuri Sahin wünscht man sich sehnlichst zurück – geht die mannschaftliche Reife verloren. Zugegeben, ein wolkiger Begriff. Doch gegen gefestigte Teams mit Qualität macht so etwas den Unterschied aus: Gladbach machte gerade auch im Umschaltspiel weniger Fehler.

Es bleibt dennoch die Hoffnung auf die letzten sechs Begegnungen. Denn die Konkurrenz auf den Plätzen 5 bis 9 punktet auch nicht gerade regelmäßig und als nächstes stehen zwei Heimspiele an.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer (70. Schmelzer) – Kehl, Gündogan – Blaszczykowski, Kagawa (63. Ramos), Mkhitaryan – Aubameyang (77. Immobile). Tor: Gündogan