Malen, Haaland und drei Punkte

1.Bundesliga, 13. Spieltag / VfL Wolfsburg 1 BVB 3

Fußball eben: Da war Borussia Dortmund nach dem verfrühten Champions League-Aus gerade am Saison-Tiefpunkt und dreht dann am Samstag darauf nach frühem Rückstand die spannende Partie beim – nun ehemaligen – Verfolger Wolfsburg. Noch dazu kehrt eine Woche vor dem Topspiel gegen die Bayern unerwartet der Superstar zurück auf den Platz. Größer könnte der Unterschied in den Gefühlswelten zwischen Mittwoch und gestern nicht sein. Vielleicht bin es auch nur ich, wegen meines gestörten Verhältnisses zur Champions League, aber mit dem Auftritt von gestern hat der BVB stimmungsmäßig einiges wieder gut gemacht.

Es ist ein positives Zeichen hinsichtlich des Verhältnisses von Marco Rose zu seiner Mannschaft, dass er Spielern, die nicht überzeugt haben, eine zweite Chance gibt. Nicht blindlings – der Trainer wird seine Gründe haben. Nico Schulz und Emre Can waren in Lissabon am Ausgang des Spiels mitentscheidend beteiligt. In Wolfsburg zahlten sie Roses Vertrauen zurück; im Rahmen ihrer Möglichkeiten: Von Can kam mehr als von Schulz, aber auch Letzterer hatte ein paar gelungene Szenen vorzuweisen. Zwar fiel das frühe 1:0 der Gastgeber über Dortmunds linke Seite, aber Nico war diesmal nur mittelbar beteiligt.

Aktives Zentrum und zwei treffende Stürmer

Wie der BVB auf den frühen Rückstand reagierte, war eindeutig positiv. Mit Mo Dahoud und eben Can standen dafür genau die richtigen Spieler im Zentrum. Mit Marius Wolf kehrte ein weiterer Aktivposten nach Verletzung ins Team zurück und beackerte die rechte Seite. Marco Reus war vorne wie hinten an wichtigen Aktionen beteiligt und sein Lauf in den Strafraum führte zum Elfmeter zum 1:1. Die Borussia war auch danach das bessere, aktivere Team, kam wach und offensiv ausgerichtet aus der Pause zurück. Dass es dann Donyell Malen war, der mit einem tollen, jedoch nicht völlig unhaltbaren Schuss aus 18 Metern zum 1:2 traf, passte natürlich perfekt. Nun ist er wohl endgültig angekommen in der Bundesliga und wir mussten uns keine so großen Sorgen mehr machen, dass Erling Haaland nicht da war…

Vor allem aber, weil wir dessen Abwesenheit nach der Führung nur ganze 16 weitere Minuten ertragen mussten. Völlig überraschend für Fans und Medien hatte Marco Rose unter der Woche die Rückkehr von Haaland in den Kader bekanntgegeben – Wochen, bevor man das erwartet hatte. Und das Phänomen lieferte prompt. In einer Phase, in der der BVB unter Druck geriet und vor allem über die Seiten nicht unverwundbar wirkte, erwischte Erling eine Hereingabe von Brandt dank eines Sprungs mit seinem gestreckten Bein und bugsierte den Ball zum 1:3 ins Tor. Was soll man dazu noch sagen? Genießen wir es, so lange wir können!

Mi Zagadou kam fünf Minuten vor Schluss ein weiterer Spieler, der am Mittwoch an einer unglücklichen Aktion beteiligt war. Gestern ging alles gut aus und das wird nicht nur Schulz, Can und „Daxo“ Auftrieb geben. So sehr das CL-Aus sportlich und finanziell enttäuschend war, so sehr ist dem BVB trotzdem zuzutrauen, dass er in der Liga hinter den Bayern eine sehr gute Rolle spielen wird. Bleibt Haaland jetzt fit, könnte auch in der Europa League noch einiges gehen.

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Akanji, Hummels, Schulz (85. Zagadou) – Can (85. Witsel), Dahoud – Wolf (62. Knauff), Reus, Brandt – Malen (72. Haaland). Gelbe Karte: Wolf. Tore: Can (EM), Malen, Haaland

Vergesst Leipzig: Daxo ist zurück!

1.Bundesliga, 11. Spieltag / RB Leipzig 2 BVB 1

Der BVB verliert beim Fußball-Projekt mit 1:2 und hat Glück und sich bei Gregor Kobel zu bedanken, dass es nicht noch höher ausgeht. Die Stimmen, die sich nun negativ überrascht äußern, gehören wohl zu jenen Beobachtern, die entweder immer etwas zu kritisieren oder die Borussia tatsächlich für einen Meisterschaftskandidaten gehalten haben. Um nicht falsch verstanden zu werden: Das Spiel war Mist und das sollte man auch sagen. Nichts macht weniger Spaß, als gegen das Projekt zu verlieren – es ist ja schon eine Zumutung, dagegen spielen zu müssen. Ich kann nur die Überraschung nicht verstehen: Die Vorzeichen waren miserabel.

Ohne eine überzeugende Lösung auf der Linksverteidiger-Position, ohne den Super-Stürmer und mit nur einem schnell handelnden Mittelfeldspieler mussten die Schwarz-Gelben in die Partie gehen. Für Leipzig, deutlich weniger von Verletzungssorgen gebeutelt, war es die Gelegenheit, vor heimischem Publikum endgültig in die Saison zu finden und den Anschluss bis zu Platz 2 wieder herzustellen. Und so kam es, wie es vielleicht kommen musste. Marco Reus formulierte es so:

Wir haben es einfach nicht geschafft, auf Augenhöhe zu sein. In der Aggressivität, in der Spieleröffnung. Im Gesamten war das zu wenig.

Kicker.de

So bitter das ist: Wer hätte gestern den Unterschied machen sollen? Mats Hummels, Jude Bellingham und mit Abstrichen Marco Reus traut man das zu; ebenso natürlich Gregor Kobel im Tor. Zu wenige gegen ein mit technisch und gestern auch mental starken Spielern gespicktes Leipziger Team. Wo selbst ein Defensivmann wie Mukiele im Vorwärtsgang den Schwarz-Gelben arge Probleme bereitet. Julian Brandt, Axel Witsel oder Thomas Meunier sollten eigentlich gestandene Spieler sein, aber sie sind zu druckanfällig. Alle drei hatten in Leipzig auch ein paar ordentliche Szenen, zuvorderst Meunier mit seiner starken Vorlage zu Reus‘ Ausgleich. Demgegenüber standen aber Gruselpässe (Brandt in Hälfte 1), verlorene Zweikämpfe, fehlende Ideen und Handlungsschnelligkeit.

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Dortmund gewinnt wie der Effzeh gegen Köln

1.Bundesliga, 10. Spieltag / BVB 2 1. FC Köln 0

Vertauschte Rollen im Westfalenstadion: 21:8 Schüsse und 58 Prozent Ballbesitz – für die Gäste. Der Effzeh über lange Strecken die aktivere Mannschaft. Doch der BVB holt sich dank Effektivität, einem Standard und einem starken Torwart die drei Punkte.

Die Aufstellung war das Beste, was Marco Rose bei der angespannten Personallage aufbieten konnte. Eine Dreierkette machte zunächst mal ebenso Sinn wie ein Sturm aus Hazard und Reus, mit Julian Brandt auf seiner eigentlichen Lieblingsposition dahinter. Donyell Malen nach seinem Magen-Darm-Infekt nicht von Beginn an zu bringen war ebenso nachvollziehbar. Gefährlich wurde der BVB aber nur wenige Male. Es waren eher Nadelstiche gegen einen in der Spielkontrolle mehr als ebenbürtigen Effzeh.

Borussia effektiv per Kopf

Die Gastgeber hatten jedoch besonders in der ersten Hälfte die gefährlicheren Szenen und gewannen die xG-Wertung hierfür mit 0,89 zu 0,31. Reus vergab zweimal, ehe Jude Bellingham nach Vorarbeit von Brandt auf Thorgan Hazard flankte und der per Kopf traf. In der zweiten Halbzeit ging die Wertung dann an die Kölner (0,72 zu 1,28), doch das Ergebnis war das Gleiche: Die Borussia traf durch den eingewechselten Nachwuchsstürmer Steffen Tigges, per Kopf nach einer Ecke von Brandt. Bis zu jener 63. Minute konnte man fast von einem Sturmlauf der Gäste sprechen. Uth und der zuvor formstarke Modeste forderten BVB-Keeper Kobel heraus, doch der behielt nicht nur in dieser Phase die Oberhand. Allerdings kamen auch nur fünf Kölner Schüsse aufs Tor – wie beim BVB – und diese meist zentral.

Das letzte Viertel der Partie gestalteten die Schwarz-Gelben mit der Zwei-Tore-Führung im Rücken wieder ausgeglichen, ohne selbst noch groß Gefahr auszustrahlen. Trainer Rose hatte in Hazard, Wolf und spät noch Brandt drei der Top-Performer ausgewechselt (dazu noch Pongracic, für den der Torschütze Tigges kam), was aber nichts an der wiedererlangten Souveränität der Gastgeber änderte.

Für alles, was zuvor passiert war, muss man dem Effzeh, der unter Steffen Baumgart unheimlich weit gekommen ist, ein Kompliment aussprechen. Keine Ahnung, ob die Kölner das über die gesamte Saison durchhalten, aber hier ist ein Team, das definitiv seine Stärken ausspielt. Nur die zuvor gezeigte Effektivität fehlte gestern. Der BVB muss sich einige Fragen zum Abwehrverhalten und der teilweise fehlenden Kontrolle im Mittelfeld stellen, darf sich aber auch über eine weiße Weste in einer schwierigen Phase gegen einen spielerisch unangenehmen Gast freuen.

Die Aufstellung: Kobel – Akanji, Hummels, Pongracic (58. Tigges) – Meunier, Witsel, Bellingham, Wolf (70. Passlack) – Brandt (87. Knauff) – Hazard (58. Malen), Reus. Gelbe Karten: Meunier, Bellingham. Tore: Hazard, Tigges

Ein Haaland = zwei Tore + drei Punkte

1.Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 3 FSV Mainz 05 1

Man konnte sich schon wundern, warum der gerade von einer Verletzung genesene Erling Haaland in der Partie gegen Mainz nicht ausgewechselt wurde. Bis er dann mal wieder in der Nachspielzeit zur Entscheidung traf – und sich offensichtlich gut dabei fühlte. Es war sein zweiter Treffer in einer Begegnung, die der BVB verdient gewann. Doch ob das ohne die Präsenz des Norwegers gegen größtenteils diszipliniert verteidigende Gäste auch gelungen wäre?

Der Start war zweifellos optimal und das auch ohne Zutun von Haaland: Meunier hatte nach drei Minuten geflankt, die Mainzer konnten den Ball nicht klären, der zu Marco Reus sprang. Und der Kapitän zog sehenswert ab zum 1:0. Angesichts des folgenden Dortmunder Dauerdrucks hätte man eine klare Angelegenheit erwarten können – doch Mainz ist nicht das Mainz der Vorsaison. Trotz erdrückendem Übergewicht beim Ballbesitz gelang es dem BVB nach der wirklich starken Anfangsphase kaum noch, gefährlich in den Strafraum vorzudringen. Die Gäste standen zwar sehr defensiv, attackierten aber rechtzeitig in der Mitte ihrer eigenen Hälfte. Den Querpässen der Schwarz-Gelben in dieser Zone des Spielfelds folgte selten ein kreativer Pass in die Spitze. Hier machte sich womöglich das Fehlen von Rafa Guerreiro und Mo Dahoud bemerkbar.

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„Experiment“ gescheitert: no Haaland, no party!

1. Bundesliga, 6. Spieltag / Mönchengladbach 1 BVB 0

Be careful what you wish for: Nach dem letzten Spiel hatte ich geschrieben, dass ich mir als Experiment „einen Sturm aus Donyell Malen und Youssoufa Moukoko schon mal gerne anschauen“ würde – aber nicht unbedingt in der Realität. Warum wurde gestern mehr als klar.

Nicht nur hier wurde die große Abhängigkeit des BVB von Erling Haaland schon länger thematisiert. In Gladbach musste Marco Rose nun nicht nur den Über-Stürmer wegen muskulären Problemen ersetzen, sondern auch noch den ebenfalls formstarken Kapitän Marco Reus wegen einer Kapselreizung im Knie. Beide Verletzungen sollen keine längerfristigen Ausfälle nach sich ziehen. Inwiefern also der enge Terminkalender mit dem bevorstehenden Champions League-Spiel gegen Sporting Lissabon eine Rolle spielte, bleibt dahingestellt. Völlig klar ist natürlich, dass auch Erling Haaland mal eine Pause braucht.

Es blieb auf schwarz-gelber Seite aber nicht bei personellen Veränderungen: Trainer Rose passte auch das System an das der Gastgeber an und ließ mit Dreierkette spielen, gebildet von Akanji, Pongracic und Hummels. Nicht, dass diese drei es nicht alle verdient hätten, zu spielen. Aber der Mannschaft insgesamt schien diese Umstellung, die nach der Pause zurückgenommen wurde, eine zusätzliche Bürde zu sein. Wenn die Außenverteidiger Guerreiro und Meunier weit aufrückten, wirkten die drei hinten einige Male entblößt. Man hätte auch ahnen können, dass ein Mittelfeld aus Witsel, Bellingham und Dahoud und der neue Sturm aus Moukoko und Malen von Anfang an die Unterstützung eines Thorgan Hazard gebraucht hätte, der zugegebenermaßen noch nicht lange wieder fit ist.

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Traumtore und Gegentreffer: 4:2 ist das neue 2:0

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 4 1. FC Union Berlin 2

Aber eins, das bleibt in dieser Saison bestehen: Borussia Dortmund schießt mindestens drei Tore und kassiert zwei. Sieht man mal großzügig vom Freiburg-Spiel ab, das hoffentlich die die Regel bestätigende Ausnahme bleiben wird. Im Ernst: Der spektakuläre BVB gefällt mir ganz gut. Auch das super Haaland-Tor, das in der Schlussphase die Entscheidung bringt, darf gerne zur Regel werden. Schon klar, dass solch ein Spielverlauf dem Mannschaftskapitän nicht hundertprozentig behagen kann. Aber die Schwarz-Gelben werden daran arbeiten und solange gilt: Fußball ist ein Ergebnis-Geschäft.

Die frühe Schrecksekunde, als Unions Awoniyi ein Abseitstor erzielte, war schnell vergessen. Die Borussia ging druckvoll ins Spiel und wenn nach zehn Minuten Raphael Guerreiro von links mit einem Traumschuss ins lange Eck trifft, stehen die Chancen auf einen schönen Fußball-Abend nicht schlecht. Union brachte in der ersten Hälfte Gregor Kobels Tor nicht mehr ernsthaft in Gefahr, kam auch nur selten überhaupt in den Strafraum. Die Borussia zeigte immer wieder, aber nicht durchgehend, sehenswertes Kombinationsspiel. Die Gästeabwehr stand dementsprechend meist gut, aber zum 2:0 reichte es trotzdem. Denn auch das gehört zum Rose-BVB: Thomas Meuniers Flanken kommen plötzlich an und Erling Haaland trifft nun auch mit dem Kopf.

Licht und Schatten bei Meunier und Witsel

Über Haalands Beitrag auch zu diesem Spiel müssen wir nicht lange diskutieren. Bei Meunier muss man dagegen differenzieren: Nach vorne weiß er in dieser Saison durchaus zu überzeugen. Defensiv sah es gestern anders aus: Über seine Seite kamen zu viele Pässe und Flanken durch und die Ecke, die zum zweiten Gegentreffer führte, war von Thomas schlecht verteidigt. Licht und Schatten zeigte auch sein Landsmann Axel Witsel: einige gute Defensivaktionen, aber auch ein paar phlegmatische Momente. Überhaupt zog nach dem Eigentor zum 3:0, das Bellingham und Reus toll vorbereiteten, ein bisschen Phlegma, gemischt mit Schlampigkeit ins BVB-Spiel ein. Ein paar Ballverluste, weniger Druck auf den Gegner – und Union war wieder im Spiel. Man hatte nach dem berechtigten Elfmeter zum 3:1 nicht direkt Angst, dass gleich die nächste Bude fallen würde, aber es war eben auch kein souveränes Heimspiel mehr.

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Dortmund gewinnt Sieben-Tore-Thriller

1.Bundesliga, 4. Spieltag / Bayer Leverkusen 3 BVB 4

Spiele gegen Leverkusen… inzwischen kann man da ja fast schon mit einem Spektakel rechnen. Aber die Partie gestern hatte wirklich alles, was ein Fußballspiel ausmacht und wird in bester Erinnerung bleiben. Klar waren da auch ein paar Fehler und Fehlpässe bei – das schadete aber dem extrem hohen Unterhaltungswert keineswegs. Der BVB kam dreimal nach Rückstand zurück und traf per Elfmeter zum Sieg – mehr kann man nicht verlangen.

Marco Rose hatte Neuzugang Marin Pongracic direkt in die Startelf beordert. Alles in allem machte der Kroate seine Sache gut. Beim frühen 1:0 der Gastgeber offenbarten sich aber noch Abstimmungsprobleme zwischen ihm und Abwehr-Kollege Manuel Akanji, so dass Florian Wirtz zwischen den beiden durchdribbeln konnte. Die Schwarz-Gelben zeigten sich aber zu keiner Zeit des Spiels geschockt, sondern versuchten immer direkt zu antworten. Es ging hin und her, es gab kaum Verschnaufpausen, es war eine Begegnung, die immer – oder zumindest bis in die Schlussphase – im Fluss war.

Tore und Fehler

Auf die Tore lohnt es sich, kurz einzeln einzugehen: Das 1:1 durch Haalands Kopfball wurde von Thomas Meunier mit einer Flanke vorbereitet. Der Belgier war offensiv auffällig, defensiv hat er noch Verbesserungsbedarf. Trotzdem war es eine seiner besten Partien in schwarz-gelb, was natürlich auch am bisherigen Niveau liegt. Leverkusens 2:1 war stark nach vorne gespielt; der BVB-Fehler lag hier bei Julian Brandt, der in der Nähe des gegnerischen Strafraums den Ball verlor. Doch auch der Rückstand kurz vor der Pause schockte die Borussia nicht: Schon wenige Minuten nach der Pause konnte Brandt an alter Wirkungsstätte seinen Fehler mit einem Klasse-Abschluss wieder ausbügeln.

Beim 3:2 durch Diaby im Anschluss an eine Ecke war es der sonst wieder starke Jude Bellingham, der Diaby den auf die linke Dortmunder Seite geklärten Ball nicht streitig machen konnte. Es folgte aber auch ein gezielter Schuss. Doch der BVB kam erneut zurück und mehr als das: Ein zauberhafter direkter Freistoß von Raphael Guerreiro traf das Ziel ebenso wie Erling Haaland vom Elfmeterpunkt. Die Entscheidung zum Strafstoß war allemal eindeutiger als das, was die Leverkusener auf der anderen Seite reklamierten. Ja, Koussounou schirmte zunächst gegen Marco Reus nur den Ball ab, machte dann aber eine eindeutige und unnötige Schlagbewegung, die den BVB-Kapitän im Gesicht traf – was durch Marcos Blut hinreichend belegt sein dürfte.

BVB siegt statistisch korrekt

Im Anschluss an die erstmalige Dortmunder Führung in der 77. Minute hätte ich von den Gastgebern noch etwas mehr erwartet, aber es sprang nur noch eine echte Chance durch Alario raus. Da war dann wohl der Tank nicht mehr voll genug. Egal, für uns Schwarz-Gelbe sowieso, es war dennoch ein Fest. Und der Sieg statistisch nicht unverdient, vor allem, was die Qualität der Chancen angeht: Die Gastgeber kamen auf 0,86 Expected Goals, der BVB auf 2,33 (davon 0,79 durch den Elfmeter) – hier waren die Schwarz-Gelben in der ersten Hälfte deutlich überlegen. Laut der FotMob App hatten die Gäste insgesamt vier Großchancen, Leverkusen eine.

Spannung und Spektakel für drei Spiele in einem – ob da der Champions League-Auftakt bei Besiktas am Mittwoch, 18.45 Uhr, mithalten kann?

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Pongracic (84. Hummels), Akanji, Guerreiro – Witsel (66. Malen) – Bellingham (89. Wolf), Dahoud – Brandt – Haaland, Reus. Gelbe Karten: Meunier, Haaland, Wolf. Tore: Haaland (2, davon 1 EM), Brandt, Guerreiro

Dortmund gewinnt tolles Fußballspiel

1.Bundesliga, 3. Spieltag / BVB 3 TSG Hoffenheim 2

Man kann aus gutem Grund weiterhin ein Problem mit diesem Gegner haben, doch eine packende Partie haben sich der BVB und die wenig geliebten Gäste aus Hoffenheim gestern geliefert – mit vielem, was den Fußball so sehenswert macht: Emotionen, viele Torszenen und spätes Drama.

Sebastian Hoeneß‘ Team hat scheinbar einen großen Schritt gemacht und sollte zumindest spielerisch für das obere Tabellendrittel in Frage kommen. Hatte man in der Anfangsphase noch die Sorge, die Gäste würden wieder auf Klopper-Mentalität setzen – zwei berechtigte Gelbe Karten gab es in den ersten sieben Minuten, die erste nach neun Sekunden – zeigte die TSG danach ihr Können. Wobei der BVB nach einer guten Viertelstunde die Kontrolle übernahm und seinerseits gefällig und zügig nach vorne spielte.

Leise Zweifel an der Defensive

Die erste Halbzeit bot Chancen, aber keine Tore, die zweite dann beides und ein noch ausgeglicheneres Spiel. Auf die Treffer antwortete der Gegner jeweils mit Druckphasen, was für die Mentalität beider Teams spricht. Reyna wird sein 1:0 gut getan haben und Jude Bellingham hatte sich sein Tor schon lange verdient. Nicht ganz zufrieden wird Marco Rose erneut mit der Abwehrleistung gewesen sein. Meunier und Guerreiro waren wie erwartet in die Außenverteidigung gerutscht, Witsel begann erneut zentral neben Akanji.

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Same procedure as last year, Borussia

1. Bundesliga, 2. Spieltag / SC Freiburg 2 BVB 1

Am zweiten Spieltag der vergangenen Saison verlor Borussia Dortmund bereits seine erste Ligapartie, damals gegen Augsburg. Im letzten Auswärtsspiel in Freiburg unterlagen die Schwarz-Gelben 2:1, wie an diesem Samstag. Also alles so wie letztes Jahr bzw. letzte Saison? Natürlich nicht, auch wenn Freiburg mit Vincenzo Grifos Freistoßperle wieder einen veritablen Sonntagschuss im Programm hatte.

Nach diesem frühen Schock sah der BVB zunächst gar nicht so übel aus. Es war Zug drin im Dortmunder Spiel, ein Hauch von Rose lag in der Luft. Allerdings merkte man auch schnell, dass es hinten wackelig werden könnte, wenn die Gastgeber ihre Gegenzüge mal richtig ausspielten – was ihnen zunächst nicht gelang. Nach etwa einer halben Stunde schwand die Hoffnung auf einen baldigen Torerfolg der Schwarz-Gelben. Sie fanden die Lücken in den wachen Freiburger Defensivreihen nicht mehr. Und wie es dann so ist, wenn man mit aller Kraft gegen die Mauer rennt: Ein Ballverlust von Bellingham leitete den schnellen SC-Angriff vor dem 2:0 durch Sallai ein. Zur Ergebniskorrektur musste ein Eigentor von Keitel her.

Wenig Haaland = keine Party

Ich habe letzte Woche von der extremen Wichtigkeit Haalands geschrieben. Wenn der Norweger nicht dabei ist oder wie in Freiburg einen gebrauchten Tag hat, wird es sehr schwer für die Borussia. Drei Dinge passten gestern nicht für Erling: Die Freiburger ließen ihm wenig Raum. Die Räume, die er sich selber schuf, nutzte er mehrmals für Abspiele, obwohl ein eigener Abschluss vermutlich die bessere Option gewesen wäre. Und seine sechs Schüsse hatten allesamt nicht die Qualität, um Flekken im SC-Tor ernsthaft zu gefährden. Ja, der BVB spielte mit zwei Stürmern. Aber Donyell Malen ist – Stand heute – noch meilenweit davon entfernt, eine ähnlich wichtige Rolle einzunehmen wie Haaland.

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BVB startet Liga spektakulär

1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 5 Eintracht Frankfurt 2

Ein Statement zum Auftakt – welcher Fan wünscht sich das nicht? Es darf darüber diskutiert werden, wie lange die psychologische Wirkung eines starken Ergebnisses am ersten Spieltag tatsächlich anhält. Doch ein paar Tage Zuversicht können zumindest kaum schaden. Borussia Dortmund hat die EM- und verletzungsbedingt schwierige Vorbereitung hinter sich gelassen und ist mit souveränen Siegen in Pokal und Bundesliga gestartet.

Der Sieg gegen die Eintracht kam per se nicht überraschend: Die Vorzeichen für die Gäste waren ungünstig, was spätestens durch das Pokal-Aus in Mannheim dick unterstrichen wurde. Die Art und Weise, wie die Borussia auftrat, hatten die meisten wohl trotzdem nur erhofft, aber in dieser Form nicht erwartet. Ich konnte nur die zweite Halbzeit der Partie sehen, deshalb bleibt die Spielbetrachtung in dieser Woche überschaubar. Der Schaden für die Eintracht war längst angerichtet und deren durchaus versuchte Rückkehr ins Spiel wurde nach einer ordentlichen Phase der Gäste durch Reynas 4:1 in der 58. Minute beendet.

Beim BVB stimmten Ein- wie Aufstellung. Etwas harsch war nur Marco Roses Entscheidung, den jungen Innenverteidiger Antonios Papadopoulos nach einer starken Vorbereitung durch Axel Witsel zu ersetzen. Immerhin kam „Papa II“ am Ende noch zu einer Viertelstunde Liga-Debüt. Die Außenverteidiger Passlack und Schulz, sicher nicht erste Wahl in einem verletzungsfreien Kader, wurden durch die Spielfreude der anderen angetrieben – mit dem Schönheitsfehler von Passlacks Eigentor.

Die Schwarz-Gelben stressten verunsicherte Frankfurter mit hohem Pressing, sicher das richtige Mittel bei diesem Gegner. Alle Dortmunder Offensivkräfte sind lobend zu erwähnen, aber natürlich kommt man auch in 2021/22 nicht drum herum, Erling Haaland zu huldigen. Zwei Tore, zwei Torvorlagen – sensationelle Frühform. Nein, Erling hat die Eintracht nicht im Alleingang geschlagen, aber seine Wichtigkeit ist kaum zu überschätzen. Ohne den Norweger sähen die Perspektiven für den BVB deutlich schlechter aus, weshalb die Verantwortlichen ihn hoffentlich für kein Geld der Welt vor Saisonende gehen lassen.

Die Aufstellung: Kobel – Passlack, Witsel (78. Papadopoulos), Akanji, Schulz – Reyna (87. Tigges), Dahoud, Bellingham (73. Delaney) – Hazard (73. Malen), Haaland, Reus (87. Moukoko). Tore: Reus, Hazard, Haaland (2), Reyna