Nur noch vier Spiele – zum Glück!

1. Bundesliga, 30. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 0

Die sportlich gesehen enttäuschendste Spielzeit des BVB seit langem – ja, trotz der letzten unter Jürgen Klopp – geht bald zu Ende. Das ist die schönste Erkenntnis eines bis in die Nachspielzeit schwarzen Derby-Tags für Schwarz-Gelb. Die Borussia vergab auch die letzte Chance auf einen versöhnlichen Saisonausklang – ja, trotz der weiterhin möglichen CL-Qualifikation.

Schalke ging in eigener Halle verdient als Sieger vom Platz. Weil die Gastgeber länger die Mannschaft mit dem reiferen Spielaufbau waren. Weil sie mehr gute Abschlussmöglichkeiten hatten. Die ausgeglichene Zahl der Torschüsse (12:12) täuscht: Die des BVB waren harmloser, oft mit viel Hoffnung abgefeuert, manchmal eher Zufallsprodukte. Schalke gewann auch, wie Peter Stöger richtig erkannte, wegen individueller Fehler: Marcel Schmelzer verlor den Ball vor dem 0:1, die Spieler in der Freistoßmauer patzten beim 0:2. Aber das ist wirklich nicht mal die halbe Wahrheit.

Den schwarz-gelben Jungs gelang nach vorne zu wenig. Ganz wenig. Obwohl Christian Pulisic sich abmühte und in Ansätzen seine Klasse erkennen ließ. Aber fast alle anderen hatten einen gebrauchten Tag. Mal wieder, wenn es um etwas geht. Ausnahme: Roman Bürki, mal wieder. Mo Dahoud wirkte zunächst extrem engagiert, aber auch das legte sich im Laufe des Spiels. Ja, den Fehler vor dem Gegentor machte Schmelzer. Überraschung. Ist ja nicht so, dass man es nicht hätte wissen können, dass unsere Außenverteidigung nicht auf dem neuesten Stand ist. Eine Dreifach-Verneinung in einem Satz? Ja, auch das passt heute.

Dass es an ganz bestimmten Stellen – Außenverteidigung, Mittelfeldzentrale – weiter hakt, überrascht natürlich nicht. Inzwischen kann man aber auch davon sprechen, dass diese schwarz-gelbe Mannschaft ein Problem mit Topspielen hat. Mit dem Druck in diesen Spielen. Das Problem tritt nicht in jeder solchen Partie gleichermaßen auf – so fiel Leipzig positiv aus dem Rahmen. Es zieht sich auch nicht immer über 90 Minuten. Aber oft sind es die entscheidenden Momente, in denen das Team eben nicht auf der Höhe wirkt.

Man kann über die Gründe für die fehlende Druckresistenz jetzt wieder lange spekulieren. Man darf das letzte Frühjahr dabei nicht vergessen, aber es wird auch nie einen Beweis geben, dass da noch was nachhängt. Also bleibt uns nur, auf einen möglichst umfassenden Neuanfang im Sommer zu hoffen. Mit Watzke und Zorc, das wissen wir und das ist auch gut so. Aber vielleicht ohne viele andere. Und auch das könnte für alle Beteiligten gut sein. Ob Michy Batshuayi im Juli noch da sein wird? Eher unwahrscheinlich. Fehlen wird er der Borussia aber wohl schon vorher. Verletzte er sich doch in der Nachspielzeit dieses Derbys zum Vergessen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Schmelzer (86. Götze) – Sahin, Dahoud (79. Sancho) – Pulisic, Reus, Philipp (46. Schürrle) – Batshuayi. Gelbe Karte: Piszczek.

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Gut dass er kommt – ihr könnt ihn Motzki nennen!

Wer nach den Partien gegen den FC Schalke und Salzburg auch das dritte Desaster der schwarz-gelben Borussia in dieser Saison verfolgt hat, zweifelt nicht mehr daran: Es muss sich etwas ändern. Auf mehreren Ebenen. Ich habe die Partie in München nur am Rande mitbekommen. Darüber bin ich heute nicht traurig. Über den aktuellen Zustand des BVB aber natürlich schon ein wenig.

Nun hat Michael Zorc gestern im ZDF bestätigt, dass sich der Verein mit Matthias Sammer auf ein Engagement als „externer Berater“ geeinigt hat. Mit Sebastian Kehl sei man auf einem guten Weg – der Ex-Kapitän soll die Lizenzspieler-Abteilung leiten. Ein Posten, den es so bisher nicht gab. Letztlich darf man sich ihn als ein Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Sportdirektor einerseits sowie Mannschaft andererseits vorstellen. Dabei dürfte es viel um atmosphärische Dinge gehen.

Spannender erscheint die Rolle von Sammer, selbst wenn dieser nicht formell in die Vereinsstrukturen eingebunden wird. Unser ehemaliger Meistertrainer soll sich turnusmäßig mit den BVB-Entscheidern treffen und vermutlich sowohl strategische als auch ganz konkrete, etwa personelle Dinge diskutieren. Nachdem sich die Beziehung zu Sammer während dessen Bayern-Zeit stark abgekühlt hatte, ist man sich inzwischen wieder nähergekommen. Und angeblich hat der Sachse durchaus noch etwas für die Borussia übrig.

Aus dem Fernsehen geholt

Nun gibt es natürlich wieder Kritiker, die die beiden Personalien als erneute „Rückholaktion“ oder als Verzweiflungstat von zwei Versagern darstellen, die nur einmal einen Glücksgriff mit Jürgen Klopp tätigten. Die üblichen Online-Reflexe von außen eben. Ja, es handelt sich um zwei Ex-BVB-Angestellte und aktuelle TV-Experten. Aber natürlich ist Sebastian Kehl jemand, der weiß, wie eine Mannschaft tickt. Und natürlich kann man mal mit Matthias Sammer darüber diskutieren, wie man einem Team die richtige mentale Einstellung beibringt. Welche Leute du dafür brauchst. Es entscheidet ja immer noch die Geschäftsführung, man muss nicht immer einer Meinung sein.

Stellt sich die Frage, wie viel Substanz hinter der Eiferei von Sammer steckt, die man durchaus unsympathisch finden kann. Wegen seiner gelobten Tätigkeit als Eurosport-Experte wird Watzke ihn wohl nicht geholt haben. Ich kann zu der mangels Abo ohnehin nichts sagen. Matthias Sammer vertritt jedoch Werte, die man zwar nicht überbetonen sollte, die aber zweifellos für den BVB der Saison 2017/18 und den der kommenden Spielzeit wichtig bis entscheidend sind. Und man traut dem gebürtigen Dresdner auch einen Plan zu, wie die Schwarz-Gelben diese wieder verinnerlichen.

Ist es ein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe von außen zu holen? So eine Einstellung ist inzwischen zum Glück unmodern geworden. Ohne Zweifel gab es Versäumnisse von Aki Watzke und Michael Zorc in der Transferpolitik – die ich im letzten Artikel hier ja schon benannt habe. Aber die ganzen Kritiker in den Online-Kommentaren vergessen eine Tatsache oder lassen sie absichtlich weg: Der Busanschlag im letzten Jahr war etwas, das noch keine andere deutsche Profimannschaft so erleiden musste. Das betrifft zunächst die Menschen, die wirklich im Bus saßen. Aber natürlich war die Tat auch ein Schock, ein Einschnitt für Watzke und die anderen Verantwortlichen. Und hat auch für sie vieles erschwert.

Man kann mit den Ereignissen von 2017 nicht alles entschuldigen – aber den Spielern oder auch Watzke und Zorc jetzt Versagen vorzuwerfen, ist einfach unwahrscheinlich kurzsichtig und unsensibel.

Das andere Gesicht

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 1 Hannover 96 0

Es geht also doch: Rechtzeitig vor den Partien gegen die namhaftesten und formstärksten Konkurrenten in der Bundesliga hat Borussia Dortmund mal wieder ein überzeugendes Spiel abgeliefert. Gesehen habe ich davon dank des neuen Fernsehvertrags nur die Zusammenfassung auf „Sky“. Aber eine Statistik lügt wohl nicht: Mit 27 Torschüssen stellten die Schwarz-Gelben für sich eine neue Saisonbestmarke auf.

Dass die Gastgeber so viel mehr Torgefahr ausstrahlten als am Donnerstag in Salzburg, dürfte auch daran liegen, dass es 96 scheinbar kaum gelang, ein ähnlich aggressives Pressing aufzuziehen wie die Österreicher. Von außen betrachtet sieht es natürlich außerdem so aus, als ob die Borussen mit einer ganz anderen Einstellung auftraten als beim Brauseklub. Doch mit „Laissez-faire“ und „Nicht-kämpfen-wollen“ hatte die Leistung vom Europa League-Spiel wohl nichts zu tun – eher mit einer Negativspirale, in der sich die Spieler wiederfanden.

In der Liga dagegen hat Peter Stöger die schwarz-gelben Jungs stabilisiert, wie zuletzt gegen Frankfurt zu sehen war. Und vielleicht war das heute auch eine Reaktion auf die harte Kritik, die es nach Salzburg von allen Seiten gab. Allerdings hätte der BVB mehr Tore schießen müssen – wirklich souverän ist so eine Chancenverwertung natürlich nicht. Zumal das wegen Abseits nicht gegebene Tor der Gäste auch gleiche Höhe gewesen sein könnte.

Das Tor, das zählte, war allerdings mindestens drei Punkte wert. Eine Ecke, die Michy Batshuayi direkt mit der Hacke ins Tor lenkte – etwas Vergleichbares haben wir im Westfalenstadion schon lange nicht mehr gesehen. Ein Treffer, der auch in den Saisonrückblicken zu sehen sein dürfte.

Nach der Länderspielpause geht es dann zum Topspiel nach München. Wo sich die Bayern wohl wieder deutlich mehr Mühe geben werden als heute Abend in Leipzig.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Toprak (46. Sokratis), Schmelzer – Castro (64. Weigl), Dahoud – Pulisic (70. Philipp), Götze, Schürrle – Batshuayi. Gelbe Karten: Akanji, Sokratis. Tor: Batshuayi

Leider ein Topspiel

1. Bundesliga, 25. Spieltag / RB Leipzig 1 BVB 1

So was wollen wir in der Bundesliga sehen! Nach der Partie des Tabellensechsten gegen den vor dem Wochenende Tabellenzweiten darf man feststellen: Es geht doch noch spannend und temporeich. Einige Beobachter der höchsten deutschen Spielklasse hatten zuletzt ja die Qualitätsfrage gestellt. Sportlich sind diese Leipziger eine Bereicherung, auch den zuletzt vor sich hin verwaltenden Schwarz-Gelben rangen sie eine reife Leistung ab. Und dennoch: Für unseren Lieblingssport sind und bleiben sie ein Tiefschlag. Wer darin einen Widerspruch sehen will: bitte sehr!

Die Begegnung gestern Abend war leistungsmäßig von einem perfekten Spiel trotzdem weit entfernt. Gegen schnell agierende Offensivakteure gerieten die Abwehrreihen beider Seiten wiederholt in Schwierigkeiten. Aber genau deshalb entstand eine rasante Partie. Manuel Akanji, der in der Liga mal wieder für Sokratis ran durfte, leistete sich den ersten großen Fehler, wusste aber in der Folge meistens zu überzeugen.

Problematisch für beide Teams war weniger die Innenverteidigung, sondern eher der phasenweise kaum vorhandene Zugriff der zentralen Mittelfeldspieler. Bei den Gastgebern enttäuschte vor allem der Ex-Borusse Kampl, bei Schwarz-Gelb waren Weigl und Dahoud allenfalls hin und wieder Faktoren im Spielaufbau. Ja, Mo zeigte eine leichte Aufwärtstendenz, inklusive starker Vorbereitung des Ausgleichs. Aber die Zahl seiner ungenauen bis sinnlosen Pässe überstieg immer noch die besseren.

Die Rückkehr des Torjägers

Generell war die erste Hälfte eher was fürs Auge und die Offensive, in der zweiten standen die Defensivreihen dann besser. Mit nur ein wenig mehr Glück hätte Michy Batshuayi trotzdem das zweite Tor machen können. So blieb es bei einer sicherlich gerechten Punkteteilung, auch wenn die Leipziger am Ende wieder was zu jammern hatten: War Marco Reus‘ Mittelfinger beim 1:1 möglicherweise einen Millimeter im Abseits? Das Beste aus Halbzeit 2 war die Rückkehr von Maximilian Philipp, der nach 78 Minuten für Götze kam. „Millie“ ist nach dem Abgang von Auba trotz seiner langen Verletzung immer noch führender Torschütze der Schwarz-Gelben in dieser Saison.

Gut zu sehen: Die Einstellung des BVB stimmte über 90 Minuten plus. Die Frage dazu: Bleibt das in Spielen gegen vermeintlich kleinere Gegner so? Während das 1:1 gestern einerseits als guter Punkt zu werten ist, hätte man gerne mit einem Sieg Revanche für das Heimspiel genommen. Und tabellentechnisch hilft das Unentschieden natürlich auch nicht weiter, haben doch alle anderen unmittelbaren Konkurrenten gewonnen. Die Frage bleibt also: Was kommt als nächstes? Zunächst gegen den Klub, der natürlich nur rein zufällig denselben Hauptsponsor hat wie der gestrige Gegner.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Toprak, Schmelzer – Weigl, Dahoud – Reus (88. Pulisic), Götze (78. Philipp), Schürrle – Batshuayi. Gelbe Karten: Weigl, Dahoud, Batshuayi, Piszczek. Tor: Reus

Tristesse noir-jaune

54.300 Zuschauer waren am Montag im Westfalenstadion – so die offizielle Zahl. Das heißt, rund 27.000 Plätze blieben leer. Es war ein starkes Zeichen nicht nur gegen die Montagsspiele an sich, sondern auch gegen eine Entwicklung, zu der man sich verhalten muss. Natürlich gibt es die Leute, die den Ultrakommerz für den Gang der Dinge halten, einen Weg ohne Umkehrmöglichkeit. Die sich damit arrangieren. Und natürlich waren nicht alle gegen Augsburg Fehlenden wirklich Protestler. Es gibt Menschen, die es am Montag tatsächlich nicht ins Stadion schafften. Etwa viele Fans aus Augsburg. Manchem wird es zu kalt gewesen sein.

Andere wiederum dürften sich gefragt haben, was sie im Stadion erwartet. Um zur Ansicht zu gelangen: Nicht genug, um den Boykott zu boykottieren. Ich selbst hatte keine Lust, an einem Montagabend in die ferne Kneipe zu gehen, um Eurosport zu gucken. Gerade als Blogger macht es nicht wirklich Spaß, ein BVB-Spiel zu verpassen, aber es gibt Schlimmeres.

Elf Beamte sollt ihr nicht sein

Und was muss man sagen: Ein offensichtlich tristes Spiel in trister Stimmung gab uns Nichtschauern recht. Selbst Peter Stöger äußerte sich nach der Partie für seine Verhältnisse sehr unzufrieden, ganz zu schweigen von Michael Zorc. Die Schwarz-Gelben wollten den frühen Vorsprung verwalten, von „Beamtenfußball“ war die Rede. Die Gäste hatten am Ende mehr Torschüsse zu verzeichnen als die Borussia.

Michael Zorc dürfte derzeit so angefressen sein, weil er mehr und mehr realisiert, dass es tiefgreifender Änderungen an der Zusammensetzung und Einstellung des Kaders bedarf, um den BVB wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Und würde Aki Watzke seine Andeutungen bezüglich Vertragsgesprächen mit Stöger nach dieser scheinbar blutleeren Vorstellung so wiederholen? Dessen ‚tolle‘ Bilanz relativiert sich doch angesichts der Tatsache, dass zumindest in der Bundesliga Peter Bosz in der Hinserie noch erfolgreicher war – gegen dieselben Gegner.

Was zählt ist das, was jetzt kommt. Unter anderem Leipzig, Bayern und das Derby. Und natürlich RB Salzburg. Allzu optimistisch kann man da angesichts der letzten Auftritte nicht sein. Obwohl gegen die Großen wohl zumindest die Einstellung stimmen wird. Sollte das jetzt alles super laufen, spricht nichts gegen eine Verlängerung mit Stöger. Aber der sieht das selbst schon ganz richtig: Es gibt keinen Grund, in dieser hektischen, schwierigen Phase zu verhandeln.

Wer hat an der Uhr gedreht? Hamburg, ist es schon so spät?

Es gibt ja immer noch Leute, die finden, ein unzweifelhafter Traditionsverein wie der Hamburger SV dürfe nicht absteigen – wenn dafür Klubs wie Wolfsburg, Augsburg oder Leipzig in der 1. Bundesliga spielen. Manche unterscheiden bei den Namen mehr, manche weniger. Doch die Zahl der Leute, die diese Meinung vertreten, sinkt. Und zwar mit Recht.

Auch ich finde, RB gehört nicht in die Bundes- sondern in die Kreisliga. Aber abgesehen davon hat es über die letzten Jahre betrachtet kein Verein so sehr verdient abzusteigen wie der HSV. Wer aus so viel Potenzial so wenig macht, wer zuletzt immer Glück und Fehlentscheidungen brauchte, um drin zu bleiben, hat den Goodwill der Fans anderer Vereine aufgebraucht.

Und dann noch der Auftritt der eigenen ‚Fans‘ im Weserstadion gestern. Spätestens jetzt sage ich klar und deutlich: „Geil, schon sieben Punkte Rückstand. Und die Zeit wird knapp.“ Natürlich: Es waren wieder nur kleine Teile der Anhänger, die sich daneben benahmen. Aber es passt zum Gesamtbild, das der Verein abgibt. Und ich wüsste nicht, warum ich es den Fans von Freiburg, Wolfsburg oder Mainz eher gönnen sollte, abzusteigen als den Hamburgern.

Diesmal könnte es also tatsächlich klappen. Mit 17 Punkten zehn Spieltage vor Schluss steht der HSV drei Punkte schlechter da als 2013/14, der zu diesem Zeitpunkt der Saison  schlechtesten Spielzeit der letzten fünf Jahre. Damals schaffte es die Mannschaft noch in die Relegation, stand allerdings nach dem 24. Spieltag bereits auf Platz 16, punktgleich hinter dem 15. Die Situation jetzt ist also dramatisch schlechter. Sollten es die Hamburger allerdings erneut in die Relegation schaffen, dürften sie wieder gute Karten haben. Die Zweitligisten, die sich gerade um Platz 3 streiten, flößen nicht gerade Furcht ein.

Dortmund erntet drei Punkte auf Gladbacher Acker

28 zu 7 Torschüsse verbuchte Mönchengladbach am Ende der Sonntagabendpartie zu seinen Gunsten – hat der BVB daher glücklich oder gar unverdient gewonnen? Glücklich war im Borussia Park gestern alles. Deshalb kann man kaum von verdient oder unverdient sprechen. Selbst niederrheinische Bauern würden sich für solch einen Acker schämen. Dabei liegt Mönchengladbach nur gut 20 Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt – dort gibt es Gras nicht nur zum Rauchen, sondern auch als feinste Auslegeware fürs Stadion. Da kann man nur sagen: selber schuld, Gladbach!

Weil aufgrund der Platzverhältnisse so vieles in der gestrigen Partie zufällig wirkte, machte es als Fußballspiel nicht so viel Sinn und Spaß. Spannend war es trotzdem. Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte, in der auf Dortmunder Seite vor allem Mario Götze und Marco Reus Akzente setzen konnten, kamen die Gladbacher vor allem dank der zweiten 45 Minuten auf ihren imposanten Vorsprung an Torschüssen. Doch obwohl Roman Bürki zum Mann des Spiels werden musste, um die drei schwarz-gelben Punkte festzuhalten, täuscht die Zahl 28. Aufs Tor kamen davon ’nur‘ elf Schüsse. Dass die Abschlüsse auf beiden Seiten nicht gefährlicher waren, hatte zu einem guten Teil sicher ebenfalls mit den Bodenverhältnissen zu tun.

Ein Spiel für Papa

Diese begünstigten dafür die Innenverteidiger. Niemand verlangte von ihnen gestern eine kreative Spieleröffnung. Es reichte völlig, zur Stelle zu sein und robust zu klären. Sokratis und Manuel Akanji machten das richtig gut. Gerade für ‚Papa‘ dürfte es ein Spiel nach seinem Geschmack gewesen sein. Von den Mittelfeldspielern erwartet man sich da gemeinhin etwas mehr, doch gestern war selbst Julian Weigl entschuldigt, der immerhin mit ein paar ordentlichen Tacklings gefallen konnte.

Die Gladbacher hatten am Ende ein Problem mit Schiedsrichter Bastian Dankert, als der kurz vor Schluss nicht auf Elfmeter für Vestergaard entschied. Sokratis hatte ihn im Strafraum kurz gehalten. Aber auch die Spielleitung stand unter dem Eindruck des schlechten Platzes und insofern war Dankert konsequent: Er ließ mehr laufen als gewöhnlich. Und über die ganzen 90 Minuten betrachtet pfiff er eher kleinlicher gegen den BVB.

Viel mehr zu bewerten fällt bei dieser Partie schwer. Alle interviewten Dortmunder gaben zu, dass vor dem Team noch viel Arbeit liegt. Auch wenn der BVB jetzt – Stand Montag, 21.15 Uhr – Platz 2 belegt. Wie stabil der Fortschritt ist, den man spätestens seit der Rückkehr von Marco Reus erkennt, wird die Partie in Bergamo zeigen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Akanji, Toljan – Weigl, Castro – Reus (79. Dahoud), Götze (74. Pulisic), Schürrle (87. Toprak) – Batshuayi. Gelbe Karte: Batshuayi, Castro, Bürki. Tor: Reus

Marcos Rückkehr und drei Punkte

1. Bundesliga, 22. Spieltag / BVB 2 Hamburger SV 0

Es war kein Spiel für originelle Überschriften heute im Westfalenstadion. Borussia Dortmund hat seinen 500. Heimsieg in der Bundesliga geschafft, das ist toll. Ansonsten war zu erkennen, dass fast jeder Gegner den Schwarz-Gelben derzeit Probleme bereiten kann. Grund zur Hoffnung gibt es dennoch.

Marco Reus stand wieder auf dem Rasen. In einem Pflichtspiel und etwas überraschend von Beginn an. Unsere Nummer 11 konnte nicht verhindern, dass es insgesamt eine zähe Partie war, aber Marco stellte den größten Lichtblick dar. Bei den meisten schnell vorgetragenen Angriffen der Borussia, von denen es zu wenige gab, war er beteiligt. Und wenn er jetzt schon wieder diese Leistung bringt, wie sieht es dann in zwei, drei Wochen aus – vorausgesetzt er bleibt gesund?

Stören nach Zahlen

Wenn wir jedoch von der Gegenwart reden, dann reicht ein zurückgekehrter Marco Reus noch nicht aus, um aus dem BVB wieder eine echte Spitzenmannschaft zu machen. Denn den Gegnern reicht derzeit ein Taktikbuch für Kinder, um den Schwarz-Gelben ernsthaft Schwierigkeiten zu machen. Die Mitte verdichten, möglichst schon beim Spielaufbau von hinten raus stören, ansonsten kompakt vor dem Strafraum stehen: So dürften in etwa die Anweisungen von Bernd Hollerbach an sein Team gelautet haben.

Dass diese vergleichweise simple Taktik so gut funktioniert, hat viel mit den drei Problemzonen der Borussia zu tun. Alle waren sie auch heute ersichtlich. Der Innenverteidigung mangelt es an Ideen bzw. Fähigkeiten im Spielaufbau. Ömer Toprak agierte defensiv sehr solide, aber einen öffnenden Pass spielt er vielleicht einmal im Spiel. Manuel Akanji, dem das zuzutrauen ist und der gegen den HSV Sokratis ersetzte, blieb noch etwas vorsichtig. Weiterlesen „Marcos Rückkehr und drei Punkte“

Die Storys aus Köln-Müngersdorf

Obwohl ich mich am Freitag für Regionalliga live vor Ort entschied, bekam ich die  packenden letzten 25 Minuten der Partie in Köln-Müngersdorf noch mit. Kurz nach meiner Ankunft vor dem Bildschirm trat Hector eine Ecke und Meré reagierte schneller als sein Bewacher Batshuayi. Der Effzeh hatte erneut ausgeglichen.

Für Michy Batshuayi war es allerdings der einzige echte Lapsus bei seinem Traumeinstand. Natürlich ist er in allen Medien die Top-Story des Spiels. Zwei Tore und eine Vorlage hätten wohl die wenigsten von einem Spieler erwartet, der bei Chelsea meist als Joker zum Einsatz kam. Er wird in schwarz-gelb nicht immer so erfolgreich sein, aber es spricht auch wenig dafür, dass es eine einmalige Geschichte bleibt. Michy scheint aus der Premier League Handlungsschnelligkeit und Entschlossenheit mitgebracht zu haben. Mit der WM immer im Hinterkopf wird er von sich aus nicht nachlassen.

Ob sich die andere Story der Partie auch so schnell wiederholen lässt? Ein Tor von André Schürrle? Natürlich fragte ich mich auch vor dieser Partie, warum der anstelle des zuletzt überzeugenden Sancho in der Startelf stand. Aber klar: Mit dem gut gezielten, wenn auch abgefälschten Schuss zum 3:2 hat sich Schürrle eine Ruhepause verdient. Ruhe vor der starken Kritik, die es zurecht an seinen Leistungen gab.

Peter Stöger war bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte mit etwas Glück siegreich. In Köln werden sich auch andere Klubs aus der oberen Tabellenhälfte noch schwer tun. Um in der Rückserie richtig ins Rollen zu kommen, muss jetzt allerdings zwingend noch ein Sieg gegen den vielleicht doch absteigbaren HSV her.

Wer beendet die Stagnation?

1. Bundesliga, 20. Spieltag / BVB 2 SC Freiburg 2

Drittes Unentschieden im dritten Spiel der Rückserie – und Borussia Dortmund ist mittendrin in einer Phase, die man bestenfalls als Stagnation beschreiben kann. Jeder halbwegs kompetente Beobachter der Begegnung mit dem Sportclub konnte auch sehen, dass eindimensionale Erklärungsversuche wie die Unruhe um Pierre-Emerick Aubameyang viel zu kurz greifen.

Ja, der viel diskutierte Maybe-soon-to-be-Londoner stand in der Startelf. Eine logische Personalentscheidung von Peter Stöger angesichts der letzten beiden Partien ohne ihn, obwohl oder gerade weil es Aubas letztes Spiel in schwarz-gelb sein könnte. Die ARD-Sportschau listete äußerst bescheidene Leistungsdaten für den Torschützenkönig von 2017 auf: Er war am wenigsten von allen Feldspielern gelaufen und hatte nur einen Gegenspieler überspielt. Aber er hatte zumindest eine veritable Torannäherung und es hakte an vielen anderen Stellen in der Mannschaft genauso. Was nichts daran ändert, dass die meisten BVB-Fans Auba nächsten Freitag nicht vermissen würden, sollte er in Köln nicht mehr dabei sein.

20 Minuten spielte die Borussia so, wie man es in einem Heimspiel erwarten kann. Zum ersten Mal in 2018 ging sie sogar in Führung und alles hätte einen besseren Verlauf nehmen können als zuletzt. Aber die Defensivprobleme sind eben noch nicht komplett behoben und auf der Gegenseite stand eine Freiburger Mannschaft, der man einfach nur höchsten Respekt zollen kann, wie natürlich ihrem großartigen Trainer. Beim 1:1 wirkte Jeremy Toljan vor der Flanke von Kübler sehr passiv, im Strafraum stand Sahin schlecht und so kam Petersen zum normaleren seiner beiden Tore. Weiterlesen „Wer beendet die Stagnation?“