5:1 – Besuch vom Lieblingsgegner

1.Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 5 SC Freiburg 1

Manche BVB-Fans finden den SC Freiburg ok, aber unbedeutend. Sie würden lieber häufiger gegen den HSV, den Effzeh Köln oder die Blauen spielen – wegen der Tradition, den größeren Fanszenen. Für mich ist das ein Aspekt, aber nicht der entscheidende. Ich finde die Überheblichkeit gegenüber ‚kleinen‘ Vereinen fehl am Platz – zumindest, wenn jene es durch gute, ehrliche Arbeit in die Bundesliga geschafft haben. Auf keinen Club trifft das mehr zu als auf den SCF. Was gibt es da nicht zu mögen: Trainer, die eine Ära prägen. Starke Jugendarbeit, die für den Nachwuchs nicht selten in der ersten Mannschaft endet. Die Verbindung von sportlichem Ehrgeiz und Bescheidenheit. Ich gönne den Breisgauern jeden Erfolg. Aber natürlich ist es auch schön, dass es für sie im Westfalenstadion seit vielen Jahren nichts zu holen gibt – selbst in einer Spielzeit, in der für den Sportclub sogar die Champions League-Plätze noch in Reichweite sind.

Ob es da ein metaphysisches oder psychisches Element gibt, weswegen die Rot-Schwarzen irgendwie nicht in Dortmund gewinnen können, oder ob es einfach mit der Spielweise zu tun hat, sei mal dahingestellt. Der SCF ist die zweitfairste Mannschaft der Saison (nach dem FCB), hat bisher 19 Gelbe Karten und noch keinen Platzverweis zu verzeichnen. Die Borussia steht in dieser Statistik in 2021/22 nur auf Platz 14.

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Alles außer Langeweile: Später Auswärtssieg in Frankfurt

1.Bundesliga, 18. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 3

Man kann dem BVB einiges vorwerfen in den letzten Wochen: Unkonzentriertheiten, die löchrige Abwehr, temporäre Passivität. Doch es war selten langweilig, wenn Schwarz-Gelb beteiligt war – mit Ausnahme von Teilen des Fürth-Spiels. Gestern dann die Krönung: keine übermäßig attraktive Partie der Borussia, aber dafür mal wieder ein Wechselbad der Gefühle. Mit einer bis zum Schluss kämpfenden Mannschaft, die sich mit zwei späten Toren und drei Punkten belohnte. Nicht Malaga, aber doch mal wieder ein toller Schluss.

Das aktuelle Problem des BVB: Gegen ein Team, das halbwegs kicken kann und ein paar Pässe zusammenkriegt, laufen die Schwarz-Gelben immer Gefahr, durch eigene Unzulänglichkeiten in Schwierigkeiten zu geraten. Und die Eintracht ist mehr als so ein Team. Nehmen wir das 2:0 als Fallstudie: Es wurde eingeleitet durch einen Fehlpass im Spielaufbau. Es wurde am Ende ermöglicht durch einen technischen Fehler von Marco Reus, der den Ball im Strafraum erst eroberte und dann wieder verlor. Dazwischen lag eine ansehnliche Passstafette der Gastgeber, in die die Borussen es nicht schafften, einzugreifen.

Die Fehlerkette vor dem 1:0 endete an einer ungewöhnlichen Stelle: Ebenfalls ein unnötiger Ballverlust, gefolgt von einem unnötigen Freistoß für die Eintracht. Kostic führte aus, Reus konnte den Ball nicht aufhalten, Bellingham Borré nicht am Schuss hindern. Am Ende war es jedoch Torwart Gregor Kobel, der an die Kugel kam, sie aber nicht am Überqueren der Torlinie hindern konnte – einer der bisher wenigen klaren Fehler der neuen Nummer 1.

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Da waren es schon neun

1.Bundesliga, 17. Spieltag / Hertha BSC 3 BVB 2

Nach dem Bayern-Spiel prophezeite ich, reichlich frustriert, eine FCB-Meisterschaft mit zwölf Punkten Vorsprung. Drei Partien später, zur Saison-Halbzeit, sind es bereits neun. Und das liegt nicht an den Schiedsrichtern, sondern daran, dass der BVB ein Team, das zuletzt 0:4 in Mainz verloren hatte, einfach mal 25 Minuten gewähren ließ. Mehr als alles andere muss man dafür die Spieler in Haftung nehmen – Marco Rose sprach anschließend von fehlender „Bedingungslosigkeit“. Doch der Trainer hatte es der Mannschaft mit der Besetzung der Defensive auch nicht leicht gemacht.

Vor der Partie sagte Rose auf Sky, dass Dan-Axel Zagadou nach sieben Monaten Verletzungspause kaputt sei. Tatsächlich hatte „Daxo“ am Mittwoch 90 Minuten gegen Fürth gespielt. Die Lösung des Trainers: In der Innenverteidigung liefen Witsel und Pongracic auf, Zagadou saß auf der Bank, Hummels und Akanji fielen bekanntlich krank bzw. verletzt aus. Fragt sich, wie man sich hier Roses Entscheidungsfindung vorstellen muss. Kam Daxo vor dem Spiel und sagte, er fühle sich nicht fit für einen Startelf-Einsatz? Ansonsten wäre es doch naheliegend gewesen, ihn im letzten Spiel vor der immerhin dreiwöchigen Winterpause nochmal von Beginn an zu bringen und, falls nötig, auszuwechseln. Es lief andersherum: Zagadou saß auf der Bank und wurde nach 72 Minuten eingewechselt. Danach erzielte der BVB noch den Anschlusstreffer und hielt hinten dicht.

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Wie der BVB beim Nachbarn nicht gewann

1.Bundesliga, 15. Spieltag / VfL Bochum 1 BVB 1

Unentschieden im „kleinen Derby“ (dass manche Dogmatiker sagen, es gäbe nur ein Derby, ist mir herzlich egal – von der Distanz und der Stimmung her war es gestern jedenfalls eins) – historisch gesehen ist das kein ungewöhnliches Ergebnis: Bei 22 von 68 Partien zwischen den beiden Revierklubs gab es keinen Sieger. Am Samstagnachmittag um halb sechs dürften sich jedoch zumindest alle Schwarz-Gelben gefragt haben, wie es dazu kommen konnte.

Nicht, dass das 1:1 wahnsinnig schwer zu erklären wäre – einigermaßen unglaublich war es trotzdem. Zunächst mal: größten Respekt für die gelungene Bundesliga-Rückkehr des VfL. Ich hätte nichts dagegen, wenn das kleine noch eine Weile das einzige Derby des BVB bliebe. Die Stimmung war dem Fernseher nach zu urteilen – und unter den gegebenen Bedingungen – grandios. Doch die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Es war über weite Strecken ein Spiel auf ein Tor. Am deutlichsten wird das für alle, die das Spiel nicht gesehen haben, an einer Statistik: Expected Goals aus dem Spiel heraus – 0,05 zu 2,34. Auf seinen xG-Wert von 1,06 kommt der VfL nur dank des Elfmeters (0,79) und einiger weniger Standards (0,22).

Eindeutige Zahlen, eindeutiger Elfer

Die Borussia machte gestern vieles richtig. Besonders wenn man die Gastgeber richtig früh anlief, gerieten diese in Schwierigkeiten – und auch die Zahl ihrer Ballverluste im Mittelfeld war beträchtlich. Laut der Fotmob App spielte der VfL 67 erfolgreiche Pässe in der gegnerischen Hälfte, der BVB 244. Die Schwarz-Gelben hatten eine Reihe hochkarätiger Chancen – Bellingham, natürlich Haaland, Reus, Schulz. Diese wurden teilweise erstklassig verteidigt – von Bochums Keeper Riemann, aber mehrere Male auch in höchster Not auf der Linie oder im Fünf-Meter-Raum von Abwehrspielern. Natürlich hätten die Gäste einige der Abschlüsse aber auch noch besser platzieren können. Und es hätte noch mehr Torgelegenheiten geben können, wenn etwa die Flanken des sonst sehr ordentlichen Nico Schulz an den Mann gekommen wären oder durch die Mitte die Entscheidungsfindung vor dem letzten Pass noch besser gewesen wäre.

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Dortmund und der Spielverderber

1.Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 2 Bayern München 3

Da sieht man mal wieder ein über weite Strecken wirklich atemberaubendes Topspiel und dann wird es durch einen umstrittenen Handelfmeter entschieden. Das ist unabhängig von der Bewertung der Schiedsrichter-Entscheidung einfach nur traurig. Natürlich ist diese Sichtweise schwarz-gelb gefärbt, aber sicher hätten sich auch viele neutrale Fußballfans einen anderen Ausgang dieser Partie gewünscht. Nun wird es kommen wie immer: Bayern wird mit 12 Punkten Vorsprung Meister. Das mag die Fans vieler Bundesligavereine gar nicht so sehr stören – für die, die von der Spitze träumen oder sich einfach nur ein spannenderes Rennen wünschen, ist es einfach frustrierend.

Klar, man könnte das Spiel jetzt noch im Detail analysieren. Da muss man allerdings Lust zu haben. Es war bis zum Elfmeter in der 78. Minute eine tolle Partie, aus welcher der BVB mit erhobenen Köpfen rausgehen kann. Lassen wir mal Mats Hummels außen vor, der eben einen rabenschwarzen Tag hatte, obwohl ihn nur beim ersten Bayern-Tor klar die Schuld traf. Traumtore von Julian Brandt, dem es nach seinem Zusammenprall den Umständen entsprechend gut zu gehen scheint, und Erling Haaland. Klar, mehr als ein Unentschieden hatte sich der BVB spielerisch nicht verdient – aber es wäre eben eines der besten Unentschieden seit Langem gewesen.

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Malen, Haaland und drei Punkte

1.Bundesliga, 13. Spieltag / VfL Wolfsburg 1 BVB 3

Fußball eben: Da war Borussia Dortmund nach dem verfrühten Champions League-Aus gerade am Saison-Tiefpunkt und dreht dann am Samstag darauf nach frühem Rückstand die spannende Partie beim – nun ehemaligen – Verfolger Wolfsburg. Noch dazu kehrt eine Woche vor dem Topspiel gegen die Bayern unerwartet der Superstar zurück auf den Platz. Größer könnte der Unterschied in den Gefühlswelten zwischen Mittwoch und gestern nicht sein. Vielleicht bin es auch nur ich, wegen meines gestörten Verhältnisses zur Champions League, aber mit dem Auftritt von gestern hat der BVB stimmungsmäßig einiges wieder gut gemacht.

Es ist ein positives Zeichen hinsichtlich des Verhältnisses von Marco Rose zu seiner Mannschaft, dass er Spielern, die nicht überzeugt haben, eine zweite Chance gibt. Nicht blindlings – der Trainer wird seine Gründe haben. Nico Schulz und Emre Can waren in Lissabon am Ausgang des Spiels mitentscheidend beteiligt. In Wolfsburg zahlten sie Roses Vertrauen zurück; im Rahmen ihrer Möglichkeiten: Von Can kam mehr als von Schulz, aber auch Letzterer hatte ein paar gelungene Szenen vorzuweisen. Zwar fiel das frühe 1:0 der Gastgeber über Dortmunds linke Seite, aber Nico war diesmal nur mittelbar beteiligt.

Aktives Zentrum und zwei treffende Stürmer

Wie der BVB auf den frühen Rückstand reagierte, war eindeutig positiv. Mit Mo Dahoud und eben Can standen dafür genau die richtigen Spieler im Zentrum. Mit Marius Wolf kehrte ein weiterer Aktivposten nach Verletzung ins Team zurück und beackerte die rechte Seite. Marco Reus war vorne wie hinten an wichtigen Aktionen beteiligt und sein Lauf in den Strafraum führte zum Elfmeter zum 1:1. Die Borussia war auch danach das bessere, aktivere Team, kam wach und offensiv ausgerichtet aus der Pause zurück. Dass es dann Donyell Malen war, der mit einem tollen, jedoch nicht völlig unhaltbaren Schuss aus 18 Metern zum 1:2 traf, passte natürlich perfekt. Nun ist er wohl endgültig angekommen in der Bundesliga und wir mussten uns keine so großen Sorgen mehr machen, dass Erling Haaland nicht da war…

Vor allem aber, weil wir dessen Abwesenheit nach der Führung nur ganze 16 weitere Minuten ertragen mussten. Völlig überraschend für Fans und Medien hatte Marco Rose unter der Woche die Rückkehr von Haaland in den Kader bekanntgegeben – Wochen, bevor man das erwartet hatte. Und das Phänomen lieferte prompt. In einer Phase, in der der BVB unter Druck geriet und vor allem über die Seiten nicht unverwundbar wirkte, erwischte Erling eine Hereingabe von Brandt dank eines Sprungs mit seinem gestreckten Bein und bugsierte den Ball zum 1:3 ins Tor. Was soll man dazu noch sagen? Genießen wir es, so lange wir können!

Mi Zagadou kam fünf Minuten vor Schluss ein weiterer Spieler, der am Mittwoch an einer unglücklichen Aktion beteiligt war. Gestern ging alles gut aus und das wird nicht nur Schulz, Can und „Daxo“ Auftrieb geben. So sehr das CL-Aus sportlich und finanziell enttäuschend war, so sehr ist dem BVB trotzdem zuzutrauen, dass er in der Liga hinter den Bayern eine sehr gute Rolle spielen wird. Bleibt Haaland jetzt fit, könnte auch in der Europa League noch einiges gehen.

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Akanji, Hummels, Schulz (85. Zagadou) – Can (85. Witsel), Dahoud – Wolf (62. Knauff), Reus, Brandt – Malen (72. Haaland). Gelbe Karte: Wolf. Tore: Can (EM), Malen, Haaland

Vergesst Leipzig: Daxo ist zurück!

1.Bundesliga, 11. Spieltag / RB Leipzig 2 BVB 1

Der BVB verliert beim Fußball-Projekt mit 1:2 und hat Glück und sich bei Gregor Kobel zu bedanken, dass es nicht noch höher ausgeht. Die Stimmen, die sich nun negativ überrascht äußern, gehören wohl zu jenen Beobachtern, die entweder immer etwas zu kritisieren oder die Borussia tatsächlich für einen Meisterschaftskandidaten gehalten haben. Um nicht falsch verstanden zu werden: Das Spiel war Mist und das sollte man auch sagen. Nichts macht weniger Spaß, als gegen das Projekt zu verlieren – es ist ja schon eine Zumutung, dagegen spielen zu müssen. Ich kann nur die Überraschung nicht verstehen: Die Vorzeichen waren miserabel.

Ohne eine überzeugende Lösung auf der Linksverteidiger-Position, ohne den Super-Stürmer und mit nur einem schnell handelnden Mittelfeldspieler mussten die Schwarz-Gelben in die Partie gehen. Für Leipzig, deutlich weniger von Verletzungssorgen gebeutelt, war es die Gelegenheit, vor heimischem Publikum endgültig in die Saison zu finden und den Anschluss bis zu Platz 2 wieder herzustellen. Und so kam es, wie es vielleicht kommen musste. Marco Reus formulierte es so:

Wir haben es einfach nicht geschafft, auf Augenhöhe zu sein. In der Aggressivität, in der Spieleröffnung. Im Gesamten war das zu wenig.

Kicker.de

So bitter das ist: Wer hätte gestern den Unterschied machen sollen? Mats Hummels, Jude Bellingham und mit Abstrichen Marco Reus traut man das zu; ebenso natürlich Gregor Kobel im Tor. Zu wenige gegen ein mit technisch und gestern auch mental starken Spielern gespicktes Leipziger Team. Wo selbst ein Defensivmann wie Mukiele im Vorwärtsgang den Schwarz-Gelben arge Probleme bereitet. Julian Brandt, Axel Witsel oder Thomas Meunier sollten eigentlich gestandene Spieler sein, aber sie sind zu druckanfällig. Alle drei hatten in Leipzig auch ein paar ordentliche Szenen, zuvorderst Meunier mit seiner starken Vorlage zu Reus‘ Ausgleich. Demgegenüber standen aber Gruselpässe (Brandt in Hälfte 1), verlorene Zweikämpfe, fehlende Ideen und Handlungsschnelligkeit.

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Dortmund gewinnt wie der Effzeh gegen Köln

1.Bundesliga, 10. Spieltag / BVB 2 1. FC Köln 0

Vertauschte Rollen im Westfalenstadion: 21:8 Schüsse und 58 Prozent Ballbesitz – für die Gäste. Der Effzeh über lange Strecken die aktivere Mannschaft. Doch der BVB holt sich dank Effektivität, einem Standard und einem starken Torwart die drei Punkte.

Die Aufstellung war das Beste, was Marco Rose bei der angespannten Personallage aufbieten konnte. Eine Dreierkette machte zunächst mal ebenso Sinn wie ein Sturm aus Hazard und Reus, mit Julian Brandt auf seiner eigentlichen Lieblingsposition dahinter. Donyell Malen nach seinem Magen-Darm-Infekt nicht von Beginn an zu bringen war ebenso nachvollziehbar. Gefährlich wurde der BVB aber nur wenige Male. Es waren eher Nadelstiche gegen einen in der Spielkontrolle mehr als ebenbürtigen Effzeh.

Borussia effektiv per Kopf

Die Gastgeber hatten jedoch besonders in der ersten Hälfte die gefährlicheren Szenen und gewannen die xG-Wertung hierfür mit 0,89 zu 0,31. Reus vergab zweimal, ehe Jude Bellingham nach Vorarbeit von Brandt auf Thorgan Hazard flankte und der per Kopf traf. In der zweiten Halbzeit ging die Wertung dann an die Kölner (0,72 zu 1,28), doch das Ergebnis war das Gleiche: Die Borussia traf durch den eingewechselten Nachwuchsstürmer Steffen Tigges, per Kopf nach einer Ecke von Brandt. Bis zu jener 63. Minute konnte man fast von einem Sturmlauf der Gäste sprechen. Uth und der zuvor formstarke Modeste forderten BVB-Keeper Kobel heraus, doch der behielt nicht nur in dieser Phase die Oberhand. Allerdings kamen auch nur fünf Kölner Schüsse aufs Tor – wie beim BVB – und diese meist zentral.

Das letzte Viertel der Partie gestalteten die Schwarz-Gelben mit der Zwei-Tore-Führung im Rücken wieder ausgeglichen, ohne selbst noch groß Gefahr auszustrahlen. Trainer Rose hatte in Hazard, Wolf und spät noch Brandt drei der Top-Performer ausgewechselt (dazu noch Pongracic, für den der Torschütze Tigges kam), was aber nichts an der wiedererlangten Souveränität der Gastgeber änderte.

Für alles, was zuvor passiert war, muss man dem Effzeh, der unter Steffen Baumgart unheimlich weit gekommen ist, ein Kompliment aussprechen. Keine Ahnung, ob die Kölner das über die gesamte Saison durchhalten, aber hier ist ein Team, das definitiv seine Stärken ausspielt. Nur die zuvor gezeigte Effektivität fehlte gestern. Der BVB muss sich einige Fragen zum Abwehrverhalten und der teilweise fehlenden Kontrolle im Mittelfeld stellen, darf sich aber auch über eine weiße Weste in einer schwierigen Phase gegen einen spielerisch unangenehmen Gast freuen.

Die Aufstellung: Kobel – Akanji, Hummels, Pongracic (58. Tigges) – Meunier, Witsel, Bellingham, Wolf (70. Passlack) – Brandt (87. Knauff) – Hazard (58. Malen), Reus. Gelbe Karten: Meunier, Bellingham. Tore: Hazard, Tigges

Ein Haaland = zwei Tore + drei Punkte

1.Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 3 FSV Mainz 05 1

Man konnte sich schon wundern, warum der gerade von einer Verletzung genesene Erling Haaland in der Partie gegen Mainz nicht ausgewechselt wurde. Bis er dann mal wieder in der Nachspielzeit zur Entscheidung traf – und sich offensichtlich gut dabei fühlte. Es war sein zweiter Treffer in einer Begegnung, die der BVB verdient gewann. Doch ob das ohne die Präsenz des Norwegers gegen größtenteils diszipliniert verteidigende Gäste auch gelungen wäre?

Der Start war zweifellos optimal und das auch ohne Zutun von Haaland: Meunier hatte nach drei Minuten geflankt, die Mainzer konnten den Ball nicht klären, der zu Marco Reus sprang. Und der Kapitän zog sehenswert ab zum 1:0. Angesichts des folgenden Dortmunder Dauerdrucks hätte man eine klare Angelegenheit erwarten können – doch Mainz ist nicht das Mainz der Vorsaison. Trotz erdrückendem Übergewicht beim Ballbesitz gelang es dem BVB nach der wirklich starken Anfangsphase kaum noch, gefährlich in den Strafraum vorzudringen. Die Gäste standen zwar sehr defensiv, attackierten aber rechtzeitig in der Mitte ihrer eigenen Hälfte. Den Querpässen der Schwarz-Gelben in dieser Zone des Spielfelds folgte selten ein kreativer Pass in die Spitze. Hier machte sich womöglich das Fehlen von Rafa Guerreiro und Mo Dahoud bemerkbar.

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„Experiment“ gescheitert: no Haaland, no party!

1. Bundesliga, 6. Spieltag / Mönchengladbach 1 BVB 0

Be careful what you wish for: Nach dem letzten Spiel hatte ich geschrieben, dass ich mir als Experiment „einen Sturm aus Donyell Malen und Youssoufa Moukoko schon mal gerne anschauen“ würde – aber nicht unbedingt in der Realität. Warum wurde gestern mehr als klar.

Nicht nur hier wurde die große Abhängigkeit des BVB von Erling Haaland schon länger thematisiert. In Gladbach musste Marco Rose nun nicht nur den Über-Stürmer wegen muskulären Problemen ersetzen, sondern auch noch den ebenfalls formstarken Kapitän Marco Reus wegen einer Kapselreizung im Knie. Beide Verletzungen sollen keine längerfristigen Ausfälle nach sich ziehen. Inwiefern also der enge Terminkalender mit dem bevorstehenden Champions League-Spiel gegen Sporting Lissabon eine Rolle spielte, bleibt dahingestellt. Völlig klar ist natürlich, dass auch Erling Haaland mal eine Pause braucht.

Es blieb auf schwarz-gelber Seite aber nicht bei personellen Veränderungen: Trainer Rose passte auch das System an das der Gastgeber an und ließ mit Dreierkette spielen, gebildet von Akanji, Pongracic und Hummels. Nicht, dass diese drei es nicht alle verdient hätten, zu spielen. Aber der Mannschaft insgesamt schien diese Umstellung, die nach der Pause zurückgenommen wurde, eine zusätzliche Bürde zu sein. Wenn die Außenverteidiger Guerreiro und Meunier weit aufrückten, wirkten die drei hinten einige Male entblößt. Man hätte auch ahnen können, dass ein Mittelfeld aus Witsel, Bellingham und Dahoud und der neue Sturm aus Moukoko und Malen von Anfang an die Unterstützung eines Thorgan Hazard gebraucht hätte, der zugegebenermaßen noch nicht lange wieder fit ist.

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