Harte Nacht in Amsterdam

Champions League, 3. Spieltag / Ajax Amsterdam 4 BVB 0

Die Borussia auf dem Boden der Tatsachen: Ja, die Pleite im Johan-Cruijff-Stadion war auch einem besonders gebrauchten Tag der Schwarz-Gelben geschuldet. Aber sie zeigte ebenso, wo sich der Verein derzeit international einordnen muss. Für die europäische Spitze reicht es jedenfalls nicht.

Manche Beobachter hatten es sich nach der Auslosung der CL-Vorrunde einfach und Dortmund zum klaren Favoriten der Gruppe C gemacht. Das war schon damals eine bequeme, oberflächliche Analyse, die auf einer statischen Sichtweise beruht. Vielleicht liegt diese ein wenig daran, wie zementiert die Verhältnisse in der Bundesliga erscheinen. Vielleicht glauben hiesige Fans und Experten deswegen, dass sich auch an der internationalen Stellung der deutschen Vereine wenig ändert. Ajax kommt aus Holland, verliert dauernd wichtige Spieler an größere Clubs und überhaupt hat der BVB sie vor neun Jahren in der Champions League klar dominiert. Dieses Narrativ scheint ein bisschen den Blick auf die jüngste Vergangenheit verstellt zu haben. Spätestens nach dem 1:5-Sieg von Ajax in Lissabon hätte man gewarnt sein müssen. Nicht zu vergessen: Noch 2019 scheiterte Ajax nur knapp im Halbfinale des Wettbewerbs an den Spurs.

Spielfreude gegen Ratlosigkeit

Fast forward in den Oktober 2021: Ajax hat wieder eine Super-Truppe zusammen und in Erik ten Hag einen ebenso starken Trainer. Es gibt keinen Grund, warum sie nicht wieder eine gute Rolle in der Champions League spielen sollten. Der BVB durfte das gestern erfahren. De facto hielten die Gäste acht, neun Minuten gut mit – tatsächlich so lange, wie Rauchschwaden über der Arena hingen. Dann stieg der Druck von Ajax gewaltig. Der BVB kam nicht mehr in die Zweikämpfe und wurde, teilweise auch auf engem Raum, schlicht ausgespielt. Dazu kamen einige erzwungene, aber auch unnötige Ballverluste. Es war insgesamt eine Demonstration der Spielfreude von Ajax, die sich in der Expected Goals-Wertung dieser Partie nur ansatzweise ausdrückt: 2,08 zu 1,23 für die Gastgeber heißt es da lediglich. In diesem Fall aussagekräftiger ist eine andere Zahl: Der BVB hatte immerhin 45 Prozent Ballbesitz, spielte aber nur 148 erfolgreiche Pässe in der gegnerischen Hälfte – Ajax 266.

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Ein Haaland = zwei Tore + drei Punkte

1.Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 3 FSV Mainz 05 1

Man konnte sich schon wundern, warum der gerade von einer Verletzung genesene Erling Haaland in der Partie gegen Mainz nicht ausgewechselt wurde. Bis er dann mal wieder in der Nachspielzeit zur Entscheidung traf – und sich offensichtlich gut dabei fühlte. Es war sein zweiter Treffer in einer Begegnung, die der BVB verdient gewann. Doch ob das ohne die Präsenz des Norwegers gegen größtenteils diszipliniert verteidigende Gäste auch gelungen wäre?

Der Start war zweifellos optimal und das auch ohne Zutun von Haaland: Meunier hatte nach drei Minuten geflankt, die Mainzer konnten den Ball nicht klären, der zu Marco Reus sprang. Und der Kapitän zog sehenswert ab zum 1:0. Angesichts des folgenden Dortmunder Dauerdrucks hätte man eine klare Angelegenheit erwarten können – doch Mainz ist nicht das Mainz der Vorsaison. Trotz erdrückendem Übergewicht beim Ballbesitz gelang es dem BVB nach der wirklich starken Anfangsphase kaum noch, gefährlich in den Strafraum vorzudringen. Die Gäste standen zwar sehr defensiv, attackierten aber rechtzeitig in der Mitte ihrer eigenen Hälfte. Den Querpässen der Schwarz-Gelben in dieser Zone des Spielfelds folgte selten ein kreativer Pass in die Spitze. Hier machte sich womöglich das Fehlen von Rafa Guerreiro und Mo Dahoud bemerkbar.

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Malens erstes Tor, Dortmunds zweiter CL-Sieg

Champions League, 2. Spieltag / BVB 1 Sporting Lissabon 0

Zu null gespielt, Donyell Malens ersten Treffer gesehen, schon sechs Punkte vor Platz 3 – ergebnistechnisch war es ein perfekter Champions League-Abend im Westfalenstadion. Auf den BVB-Trikots war sogar ein schwarz-gelbes Emblem zu sehen. Doch für den Erfolg war einiges an Mühe und Arbeit nötig…

Zurück zur Viererkette, wieder mit Marco Reus in der Offensive – Marco Rose knüpfte mit der Aufstellung an die erfolgreichen letzten Wochen an. Die offensichtliche Ausnahme: Wie am Samstag fehlte Erling Haaland erneut verletzungsbedingt, saß aber auf der Tribüne. Ein weiterer Rückschlag folgte bereits nach drei Minuten, als Mo Dahoud verletzt vom Feld musste und durch Julian Brandt ersetzt wurde. Der ist selbst erst seit Kurzem wieder spielfähig – das merkte man ihm gestern Abend an.

Überzeugend gegen den Ball, wenig zwingend mit ihm

Der BVB tat sich schwer, klare Torchancen zu kreieren. Vieles wurde von Sportings Verteidigern an oder kurz hinter der Strafraumgrenze geklärt. Ein Erling Haaland tankt sich da manchmal einfach durch – dies gelang Malen, Reus oder Hazard am Dienstag kaum. Und auch über außen ging wenig: Kaum Dribblings und von 18 Flanken kam gerade eine ans Ziel. Dass Sporting nicht erneut wie zuhause gegen Ajax die Schießbude öffnen würde, war klar. Etwas mehr Torgefahr hätte man sich aber schon gewünscht: Die Borussia kam gerade einmal auf einen xG-Wert von 0,28, Sporting vor allem aufgrund von Standardsituationen auf 0,36. Umso besser, dass Donyell Malen in der 37. Minute ein starkes Zuspiel von Jude Bellingham nutzen konnte und den Ball von rechts aus spitzem Winkel ins lange Eck schob.

Marco Rose lobte nach der Partie vor allem das „herausragende Gegenpressing“. Dieses war Voraussetzung dafür, dass die Schwarz-Gelben nur selten unter großen Druck gerieten. Es gab einige Angriffe der Gäste, in denen die Viererkette gefordert war. Es gab einige Fehler, die Mehrheit ausgerechnet von Mats Hummels, die aber wieder ausgebügelt oder nicht genutzt wurden. Gegen den Ball war es ein reifer CL-Auftritt des BVB gegen ein allerdings nicht übermäßig Furcht einflößendes Team. Darauf lässt sich aufbauen. Mit Erling Haaland sollte in dieser Gruppe nichts mehr schief gehen. Mit ihm stünden auch die Chancen am Samstag gegen Augsburg nicht schlecht.

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro (75. Schulz) – Witsel – Bellingham, Dahoud (8. Brandt) – Reus, Malen (75. Reinier), Hazard (71. Wolf). Gelbe Karten: Bellingham, Hummels. Tor: Malen

„Experiment“ gescheitert: no Haaland, no party!

1. Bundesliga, 6. Spieltag / Mönchengladbach 1 BVB 0

Be careful what you wish for: Nach dem letzten Spiel hatte ich geschrieben, dass ich mir als Experiment „einen Sturm aus Donyell Malen und Youssoufa Moukoko schon mal gerne anschauen“ würde – aber nicht unbedingt in der Realität. Warum wurde gestern mehr als klar.

Nicht nur hier wurde die große Abhängigkeit des BVB von Erling Haaland schon länger thematisiert. In Gladbach musste Marco Rose nun nicht nur den Über-Stürmer wegen muskulären Problemen ersetzen, sondern auch noch den ebenfalls formstarken Kapitän Marco Reus wegen einer Kapselreizung im Knie. Beide Verletzungen sollen keine längerfristigen Ausfälle nach sich ziehen. Inwiefern also der enge Terminkalender mit dem bevorstehenden Champions League-Spiel gegen Sporting Lissabon eine Rolle spielte, bleibt dahingestellt. Völlig klar ist natürlich, dass auch Erling Haaland mal eine Pause braucht.

Es blieb auf schwarz-gelber Seite aber nicht bei personellen Veränderungen: Trainer Rose passte auch das System an das der Gastgeber an und ließ mit Dreierkette spielen, gebildet von Akanji, Pongracic und Hummels. Nicht, dass diese drei es nicht alle verdient hätten, zu spielen. Aber der Mannschaft insgesamt schien diese Umstellung, die nach der Pause zurückgenommen wurde, eine zusätzliche Bürde zu sein. Wenn die Außenverteidiger Guerreiro und Meunier weit aufrückten, wirkten die drei hinten einige Male entblößt. Man hätte auch ahnen können, dass ein Mittelfeld aus Witsel, Bellingham und Dahoud und der neue Sturm aus Moukoko und Malen von Anfang an die Unterstützung eines Thorgan Hazard gebraucht hätte, der zugegebenermaßen noch nicht lange wieder fit ist.

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Traumtore und Gegentreffer: 4:2 ist das neue 2:0

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 4 1. FC Union Berlin 2

Aber eins, das bleibt in dieser Saison bestehen: Borussia Dortmund schießt mindestens drei Tore und kassiert zwei. Sieht man mal großzügig vom Freiburg-Spiel ab, das hoffentlich die die Regel bestätigende Ausnahme bleiben wird. Im Ernst: Der spektakuläre BVB gefällt mir ganz gut. Auch das super Haaland-Tor, das in der Schlussphase die Entscheidung bringt, darf gerne zur Regel werden. Schon klar, dass solch ein Spielverlauf dem Mannschaftskapitän nicht hundertprozentig behagen kann. Aber die Schwarz-Gelben werden daran arbeiten und solange gilt: Fußball ist ein Ergebnis-Geschäft.

Die frühe Schrecksekunde, als Unions Awoniyi ein Abseitstor erzielte, war schnell vergessen. Die Borussia ging druckvoll ins Spiel und wenn nach zehn Minuten Raphael Guerreiro von links mit einem Traumschuss ins lange Eck trifft, stehen die Chancen auf einen schönen Fußball-Abend nicht schlecht. Union brachte in der ersten Hälfte Gregor Kobels Tor nicht mehr ernsthaft in Gefahr, kam auch nur selten überhaupt in den Strafraum. Die Borussia zeigte immer wieder, aber nicht durchgehend, sehenswertes Kombinationsspiel. Die Gästeabwehr stand dementsprechend meist gut, aber zum 2:0 reichte es trotzdem. Denn auch das gehört zum Rose-BVB: Thomas Meuniers Flanken kommen plötzlich an und Erling Haaland trifft nun auch mit dem Kopf.

Licht und Schatten bei Meunier und Witsel

Über Haalands Beitrag auch zu diesem Spiel müssen wir nicht lange diskutieren. Bei Meunier muss man dagegen differenzieren: Nach vorne weiß er in dieser Saison durchaus zu überzeugen. Defensiv sah es gestern anders aus: Über seine Seite kamen zu viele Pässe und Flanken durch und die Ecke, die zum zweiten Gegentreffer führte, war von Thomas schlecht verteidigt. Licht und Schatten zeigte auch sein Landsmann Axel Witsel: einige gute Defensivaktionen, aber auch ein paar phlegmatische Momente. Überhaupt zog nach dem Eigentor zum 3:0, das Bellingham und Reus toll vorbereiteten, ein bisschen Phlegma, gemischt mit Schlampigkeit ins BVB-Spiel ein. Ein paar Ballverluste, weniger Druck auf den Gegner – und Union war wieder im Spiel. Man hatte nach dem berechtigten Elfmeter zum 3:1 nicht direkt Angst, dass gleich die nächste Bude fallen würde, aber es war eben auch kein souveränes Heimspiel mehr.

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Dortmund gewinnt Sieben-Tore-Thriller

1.Bundesliga, 4. Spieltag / Bayer Leverkusen 3 BVB 4

Spiele gegen Leverkusen… inzwischen kann man da ja fast schon mit einem Spektakel rechnen. Aber die Partie gestern hatte wirklich alles, was ein Fußballspiel ausmacht und wird in bester Erinnerung bleiben. Klar waren da auch ein paar Fehler und Fehlpässe bei – das schadete aber dem extrem hohen Unterhaltungswert keineswegs. Der BVB kam dreimal nach Rückstand zurück und traf per Elfmeter zum Sieg – mehr kann man nicht verlangen.

Marco Rose hatte Neuzugang Marin Pongracic direkt in die Startelf beordert. Alles in allem machte der Kroate seine Sache gut. Beim frühen 1:0 der Gastgeber offenbarten sich aber noch Abstimmungsprobleme zwischen ihm und Abwehr-Kollege Manuel Akanji, so dass Florian Wirtz zwischen den beiden durchdribbeln konnte. Die Schwarz-Gelben zeigten sich aber zu keiner Zeit des Spiels geschockt, sondern versuchten immer direkt zu antworten. Es ging hin und her, es gab kaum Verschnaufpausen, es war eine Begegnung, die immer – oder zumindest bis in die Schlussphase – im Fluss war.

Tore und Fehler

Auf die Tore lohnt es sich, kurz einzeln einzugehen: Das 1:1 durch Haalands Kopfball wurde von Thomas Meunier mit einer Flanke vorbereitet. Der Belgier war offensiv auffällig, defensiv hat er noch Verbesserungsbedarf. Trotzdem war es eine seiner besten Partien in schwarz-gelb, was natürlich auch am bisherigen Niveau liegt. Leverkusens 2:1 war stark nach vorne gespielt; der BVB-Fehler lag hier bei Julian Brandt, der in der Nähe des gegnerischen Strafraums den Ball verlor. Doch auch der Rückstand kurz vor der Pause schockte die Borussia nicht: Schon wenige Minuten nach der Pause konnte Brandt an alter Wirkungsstätte seinen Fehler mit einem Klasse-Abschluss wieder ausbügeln.

Beim 3:2 durch Diaby im Anschluss an eine Ecke war es der sonst wieder starke Jude Bellingham, der Diaby den auf die linke Dortmunder Seite geklärten Ball nicht streitig machen konnte. Es folgte aber auch ein gezielter Schuss. Doch der BVB kam erneut zurück und mehr als das: Ein zauberhafter direkter Freistoß von Raphael Guerreiro traf das Ziel ebenso wie Erling Haaland vom Elfmeterpunkt. Die Entscheidung zum Strafstoß war allemal eindeutiger als das, was die Leverkusener auf der anderen Seite reklamierten. Ja, Koussounou schirmte zunächst gegen Marco Reus nur den Ball ab, machte dann aber eine eindeutige und unnötige Schlagbewegung, die den BVB-Kapitän im Gesicht traf – was durch Marcos Blut hinreichend belegt sein dürfte.

BVB siegt statistisch korrekt

Im Anschluss an die erstmalige Dortmunder Führung in der 77. Minute hätte ich von den Gastgebern noch etwas mehr erwartet, aber es sprang nur noch eine echte Chance durch Alario raus. Da war dann wohl der Tank nicht mehr voll genug. Egal, für uns Schwarz-Gelbe sowieso, es war dennoch ein Fest. Und der Sieg statistisch nicht unverdient, vor allem, was die Qualität der Chancen angeht: Die Gastgeber kamen auf 0,86 Expected Goals, der BVB auf 2,33 (davon 0,79 durch den Elfmeter) – hier waren die Schwarz-Gelben in der ersten Hälfte deutlich überlegen. Laut der FotMob App hatten die Gäste insgesamt vier Großchancen, Leverkusen eine.

Spannung und Spektakel für drei Spiele in einem – ob da der Champions League-Auftakt bei Besiktas am Mittwoch, 18.45 Uhr, mithalten kann?

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Pongracic (84. Hummels), Akanji, Guerreiro – Witsel (66. Malen) – Bellingham (89. Wolf), Dahoud – Brandt – Haaland, Reus. Gelbe Karten: Meunier, Haaland, Wolf. Tore: Haaland (2, davon 1 EM), Brandt, Guerreiro

Was am Transfer Deadline Day nicht passierte

Es blieb nach Bekanntgabe der Pongracic-Verpflichtung ein ereignisarmer 31. August bei Borussia Dortmund. Schon etwas vor der Deadline hatte Sportdirektor Michael Zorc in seinem letzten Sommer-Transferfenster verkündet, dass es keine Zugänge für Schwarz-Gelb mehr geben würde. Weitere Aktivitäten waren zu einem großen Teil davon abhängig, ob der BVB noch Abgänge vermelden konnte. Nicht zum ersten Mal zeigte sich, dass diese schwerer zu bewerkstelligen sind als Verpflichtungen.

Kein Callum Hudson-Odoi also für die Borussia. Über den klangvollen Namen vom FC Chelsea war in den Medien spekuliert worden. Wie zu erwarten sehen nun einige Social Media-Kommentatoren, mögen es BVB-Fans sein oder nicht, den ausbleibenden Transfer als Zeichen des fehlenden Ehrgeizes auf Seiten des Vereins. Dieser Deal scheint aber im Bereich des Möglichen gewesen zu sein: Angeblich hatten sich der Spieler und die Borussia bereits auf ein Leihgeschäft geeinigt, ehe Chelsea absagte. Mit möglichen Animositäten zwischen Thomas Tuchel und dem BVB sollte das nichts zu tun haben – schließlich hatten die Blues in der Vergangenheit auch schon den FC Bayern abblitzen lassen.

Drei Fragezeichen bleiben

Nur, wer sich der schwarz-gelben Vergangenheit nicht bewusst ist, kann ernsthaft fordern, dass der BVB in Erwartung sportlicher Erfolge wieder finanziell unvernünftige Dinge macht. Abgesehen davon können aufgeblähte Kader ohnehin kontraproduktiv sein. Stand heute haben die Schwarz-Gelben 32 Spieler im Kader, von denen die Verantwortlichen wohl mindestens drei gerne abgeben würden. Weder am Transfer Deadline Day noch zuvor hat es geklappt. Mit dem Verbleib von Nico Schulz bis mindestens Januar wird man sich wohl schnell arrangieren. Abgesehen von vertragslosen Spielern dürfen deutsche Vereine nun niemand mehr verpflichten – und natürlich braucht die Borussia links hinten eine Alternative zu Raphael Guerreiro. Dass Schulz dabei nicht dem gewünschten Qualitätsstandard entspricht, muss man nun ihn Kauf nehmen.

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Transfer Deadline Day: BVB leiht Pongracic aus

Seit gestern verdichteten sich die Hinweise, dass Borussia Dortmund bei der Suche nach Verstärkung für die Defensive beim Tabellenführer fündig geworden ist. Die Bestätigung kam gegen Mittag am letzten Tag der Transferphase: Der in Landshut geborene zweimalige kroatische Nationalspieler Marin Pongracic kommt vom VfL Wolfsburg. Der gerade noch 23-Jährige Innenverteidiger wird für den Rest der Saison ausgeliehen. Im Anschluss soll der BVB laut Medienberichten eine Kaufoption für 10 bis 13 Millionen Euro haben – wofür es keine Bestätigung vom Verein gibt.

Angesichts der kurz- bis mittelfristigen Ausfälle von Mats Hummels und Emre Can macht der Transfer aktuell natürlich Sinn. Axel Witsel war kein wirklich überzeugender Ersatz in der Innenverteidigung. Über die Saison gesehen könnte Pongracic die erste oder zweite Alternativ-Option zum Duo Hummels/Akanji werden, da Dan-Axel Zagadou und Soumalia Coulibaly zumindest leistungsmäßig noch eine ganze Weile brauchen dürften, um wieder aufzuschließen.

Ob Pongracic sogar erste Wahl werden und eine längerfristige Verpflichtung folgen könnte, ist schlicht nicht abzusehen. In Salzburg kam er unter Marco Rose einst regelmäßig zum Einsatz. In Wolfsburg stand er in dieser Saison erst einmal im Kader und noch nicht in der Mannschaft. Positiv ist, dass Pongracic auch Rechtsverteidiger spielen kann. Bei der nicht gerade übermächtigen Konkurrenz von Meunier, Passlack und in Zukunft wieder Morey könnte auf dieser Position sogar ein Nicht-Spezialist Einsatzchancen haben.

Dortmund gewinnt tolles Fußballspiel

1.Bundesliga, 3. Spieltag / BVB 3 TSG Hoffenheim 2

Man kann aus gutem Grund weiterhin ein Problem mit diesem Gegner haben, doch eine packende Partie haben sich der BVB und die wenig geliebten Gäste aus Hoffenheim gestern geliefert – mit vielem, was den Fußball so sehenswert macht: Emotionen, viele Torszenen und spätes Drama.

Sebastian Hoeneß‘ Team hat scheinbar einen großen Schritt gemacht und sollte zumindest spielerisch für das obere Tabellendrittel in Frage kommen. Hatte man in der Anfangsphase noch die Sorge, die Gäste würden wieder auf Klopper-Mentalität setzen – zwei berechtigte Gelbe Karten gab es in den ersten sieben Minuten, die erste nach neun Sekunden – zeigte die TSG danach ihr Können. Wobei der BVB nach einer guten Viertelstunde die Kontrolle übernahm und seinerseits gefällig und zügig nach vorne spielte.

Leise Zweifel an der Defensive

Die erste Halbzeit bot Chancen, aber keine Tore, die zweite dann beides und ein noch ausgeglicheneres Spiel. Auf die Treffer antwortete der Gegner jeweils mit Druckphasen, was für die Mentalität beider Teams spricht. Reyna wird sein 1:0 gut getan haben und Jude Bellingham hatte sich sein Tor schon lange verdient. Nicht ganz zufrieden wird Marco Rose erneut mit der Abwehrleistung gewesen sein. Meunier und Guerreiro waren wie erwartet in die Außenverteidigung gerutscht, Witsel begann erneut zentral neben Akanji.

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Delaney geht: It’s not all right, but it’s ok

Es ist also passiert, was zuletzt viele für möglich hielten, aber niemand so richtig wollte. Auch Borussia Dortmund betont ausdrücklich, dass Thomas Delaney den Verein „auf eigenen Wunsch“ in Richtung FC Sevilla verlässt. Bei den Andalusiern hat der 29-jährige dänische Nationalspieler einen Vertrag bis 2025 unterzeichnet. Zur Wahrheit gehört dazu, dass niemand der BVB-Verantwortlichen Delaney mehr oder auch nur genauso viel Einsatzzeit wie zuvor garantieren konnte. Die neue 4-4-2-Raute von Marco Rose – die natürlich nicht in Stein gemeißelt ist – sieht in der Regel nur einen defensiven Mittelfeldspieler vor und andere Akteure scheinen hier beim Trainer gefragter zu sein.

Thomas Delaney geht nicht leichtfertig und auch nicht unbedingt voller Freude – das klingt bei seinem Statement durch, das der BVB auf der Vereinswebseite veröffentlicht hat:

„Ich bin unglaublich stolz, für den BVB gespielt zu haben. (…) Die Atmosphäre im Signal Iduna Park werde ich immer vermissen. Das ist ein ganz besonderer Ort auf der Welt. Ich kann nur gute Dinge über Borussia Dortmund und die Menschen, die den Verein ausmachen, sagen. Es ist traurig für mich, den BVB zu verlassen, aber wir gehen alle als Freunde auseinander.

Webseite BVB

Ich hätte mir einen Verbleib von Delaney gewünscht. Da spielen weiche Faktoren eine Rolle – er scheint einfach ein angenehmer, guter Typ zu sein. Doch sein Einsatz und seine Mentalität können sich auch ganz konkret positiv auf die Mannschaft auf dem Platz auswirken. Die ungeliebte, aber oft gestellte Mentalitätsfrage wird der BVB so jedenfalls nicht seltener zu hören bekommen.

Ganz realpolitisch gedacht kann man die Entscheidung von beiden Seiten nachvollziehen. Das Geld ist in der Corona-Pandemie knapp; der BVB hat das offen kommuniziert. Wenn nur ein halbwegs lukrativer Abgang – Delaney soll sechs Millionen Euro plus Boni einbringen – einen Zugang ermöglicht, macht der Wechsel halbwegs Sinn. Die Schwarz-Gelben haben auf den offensiven, vor allem aber defensiven Außenpositionen mehr Bedarf als im defensiven Mittelfeld. Wirklich nützlich wäre ein vielseitig einsetzbarer, vor allem aber defensivstarker Außenspieler. Im Idealfall wäre er links und rechts gleich stark. Hier eine überzeugende Lösung zu präsentieren, wäre das Einzige, was die Borussia in der derzeitigen Situation noch machen sollte und was mich vom Sinn des Delaney-Transfers überzeugen könnte.

Alles Gute, Thomas Delaney!