Das Ende der Super League und die Folgen

Das Scheitern war spektakulär: Nur zwei Tage, nachdem zwölf europäische Topvereine die Gründung einer Super League angekündigt hatten, ist das Projekt an einer Mauer des Widerstands zerbrochen. Alle sechs englischen Clubs haben sich zurückgezogen, ebenso Atletico und Inter. Am ehesten stehen noch Real Madrid und Juventus, die Clubs der mutmaßlichen Initiatoren Florentino Perez und Andrea Agnelli, hinter dem Plan. Doch Agnelli hat nun laut Reuters eingeräumt, dass die Super-Liga ohne die englischen Vertreter nicht funktionieren wird. Dass dieser Coup so schnell in sich zusammenfallen würde, hätten wohl nicht mal die kühnsten Optimisten gedacht. Auch ich hatte mit einer monatelangen, auch juristischen Auseinandersetzung gerechnet. Ausschließen kann man inzwischen, dass es sich nur um ein Manöver zur Ablenkung von der Champions League-Reform handelte – aufgrund des Vorgehens der Verschwörer erscheint das heute absurd.

Die wenigsten Fans werden alle Gegner der Super League sympathisch finden. Es war dennoch wichtig, dass sie alle zusammenstanden: Alexander Ceferins UEFA, Gianni Infantinos FIFA, Boris Johnsons Regierung, die nationalen Fußballverbände, darunter der DFB mit Fritz Keller und Rainer Koch, der BVB, FCB und PSG, die eine Einladung zur ESL ausschlugen, viele der betroffenen Spieler sowie natürlich und vor allem die Fans, gerade auch die der beteiligten Clubs. Alle haben eine klare, kompromisslose Botschaft an die Vereinsverantwortlichen der ESL gesendet; niemand ist von der harten Linie abgewichen. Wie lange diese Solidarität gehalten hätte, werden wir nun nicht erfahren – zum Glück. Bei allem, was den normalen Fan von den genannten anderen Akteuren trennt: Es ist gut zu wissen, dass es zumindest einen Minimalkonsens über die Grundwerte des Sports gibt. So bleibt auch ein wenig Hoffnung erhalten, dass Fußball das „beautiful game“ bleiben oder wieder werden wird.

Perez & Co inszenieren sich als Wohltäter

Ihre juristischen Hausaufgaben mag die ESL ja gemacht haben – zumindest glaubten ihre Vertreter das, aber die Wucht der öffentlichen Meinung wurde grandios unterschätzt. Die Solidarisierung ihrer eigenen Spieler und Trainer mit den Gegnern des Projekts, die ganz klaren Drohungen der nationalen wie internationalen Verbände sowie der britischen Regierung und die wütenden Fanproteste haben einen Verein nach dem anderen zum Einknicken gebracht. Als die erste Karte weggezogen wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Kartenhaus zusammenstürzte.

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Niederlage gegen Frankfurt: Was wird aus dem BVB?

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 1 Eintracht Frankfurt 2

Sogenannte Sechs-Punkte-Spiele hat man womöglich mehrmals in einer Saison. Deutlich seltener sind Partien, die für einen Verein über die Spielzeit hinaus langfristig richtungweisend sein können. Die Heimniederlage des BVB gegen Eintracht Frankfurt hat das Potenzial dazu. Doch wie schlimm kann es kommen?

Keine frohen Ostertage für Schwarz-Gelb

Als es gestern Nachmittag darauf ankam, blieb Borussia Dortmund hinter der Leistung zurück, die in dieser Spielzeit nötig ist, um vor Eintracht Frankfurt und dem VfL Wolfsburg zu landen. Diese beiden Teams sind bisher einfach besser als die Schwarz-Gelben. Es war auch nicht der Einsatz, der fehlte – es waren eine Reihe von Unzulänglichkeiten, in die man das unglückliche Eigentor von Nico Schulz gar nicht einbeziehen muss. Mats Hummels hat nach der Partie mal wieder alles treffend analysiert. Aus journalistischer Sicht mag es fragwürdig sein, das Spiel mit seinen Worten nachzuerzählen, aber besser als mit diesen Worten eines direkt Beteiligten kann man es kaum ausdrücken:

Zum einen müssen wir uns ganz klar die fehlende Chancenverwertung vorwerfen lassen – wir hatten so viele Torchancen und vor allem Situationen, die Hundertprozentige werden müssen. Ein gutes Dutzend haben wir da unsauber zu Ende gespielt. Zum anderen haben wir eine unkonzentrierte Spielweise zugelassen. (…) Wir waren in der zweiten Halbzeit mit dem Ball zu unsauber, zu unkonzentriert und technisch einfach nicht gut genug. Da sind uns andere Mannschaften voraus.

Ruhr Nachrichten Online

Es waren tatsächlich die vielen schlampigen Abspiele, die nicht gut zu Ende gespielten Angriffssituationen, die der Borussia diese potenziell folgenschwere Pleite einbrachten. Selbst Erling Haaland agierte gestern technisch nicht sauber genug bei seinen Gelegenheiten. Die Eintracht blieb bei Weitem nicht fehlerfrei, machte aber den entscheidenden offensiven Fehler weniger und in der 87. Minute alles richtig. Torjäger André Silva triumphierte dank seines Tores über Torjäger Haaland. Weiterlesen „Niederlage gegen Frankfurt: Was wird aus dem BVB?“

So macht Europapokal Spaß

Champions League, Achtelfinale / BVB 2 FC Sevilla 2

Ich bin kein großer Freund der Champions League (mehr) – in einigen Texten dieses Blogs ist das schon durchgeklungen. Spiele wie gestern machen aber auch mir noch Spaß. Objektiv wie subjektiv gesehen hatte die Partie gegen Sevilla vieles, was zu einem Europapokal-Abend dazugehört: den K.O.-Modus, einen unbequemen, tendenziell unsympathischen Gegner, Kontroversen, einen Helden im eigenen Team, Spannung bis zum Schluss und den Erfolg für Schwarz-Gelb.

Hinten drin, aber mit viel Disziplin

Eine gute halbe Stunde sah die Partie ähnlich aus wie jene am Wochenende in München über weite Strecken: Durch frühes Attackieren setzten die Gäste die Schwarz-Gelben unter Druck und drängten sie weit in die eigene Hälfte zurück. Der BVB stand sehr tief und rückte selbst bei Ballgewinnen nicht konsequent genug raus, so dass es oft gar keine andere Option gab, als den Ball in der Nähe des eigenen Strafraums quer zu spielen oder wegzuschlagen. Das ließ nicht nur den Blutdruck der Fans steigen, sondern führte auch zu Ballverlusten. Positiv für die Borussia war, dass Sevilla nicht so präzise spielte wie die Bayern und vor allem die Dortmunder Innenverteidiger Hummels und Can vieles per Kopf ausbügelten. Die letzte Reihe hielt dem Druck stand.

So war es ein unverhofftes Glücksgefühl, als der BVB mit seinem zweiten nennenswerten Angriff mach 35 Minuten in Führung ging: ein schneller Konter nach Ballgewinn durch Delaney, an dessen Ende Marco Reus eine seiner seltener gewordenen Klasse-Vorlagen auspackte und Erling Haaland zur Stelle war. Der Norweger war kein unwahrscheinlicher Held, aber es ist nun mal erneut zu einem guten Teil ihm zu verdanken, dass die Schwarz-Gelben in der Champions League einen Erfolg feierten. Von seinem vermeintlichen bis zum gültigen 2:0 brauchte Haaland sechs Minuten – eine Story, wie sie nur der VAR schreiben kann.

VARrückte sechs Minuten

Zunächst überprüfte Schiedsrichter Cüneyt Cakir das Tor, das Erling mit einem Schuss im Strafraum erzielt hatte. Zuvor soll er Diego Carlos gefoult haben – allerdings stießen die beiden eher zusammen. Der BVB bekam das Tor dennoch aberkannt, dafür einen Elfmeter zugesprochen – für einen Zupfer an Haalands Trikot, der zeitlich weiter zurücklag. Den Elfmeter, den der Norweger selber schoss, parierte Torwart Bono. Die Partie lief weiter, bis Schiedsrichter Cakir schließlich auf Wiederholung des Strafstoßes entschied: Bono hatte zu früh die Torlinie nach vorne verlassen. Haaland schritt erneut zur Tat und traf genau ins rechte Eck, obwohl der Keeper auf die richtige Seite sprang. Die sechs Minuten bis dahin sorgten für Gesprächsstoff und trugen zur Geschichte des Spiels bei. Andererseits: Sollte dies nicht eher dem Sport vorbehalten bleiben? Von Spielfluss konnte während dieser Zeitspanne jedenfalls keine Rede sein.

Der Elfmeter für Sevilla in der 69. Minute war vertretbar. Dortmund hätte das Spiel ein-, zweimal entscheiden können, geriet erst gegen Ende noch mal richtig unter Druck. Und die Nachspielzeit hatte es in sich. Glücklicherweise war nach dem 2:2 nicht mehr lange zu spielen. Marwin Hitz hatte in der Schlussphase jedenfalls noch ein paar Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Neben ihm, Haaland und den Innenverteidigern muss man auch Thomas Delaney und vor allem in der zweiten Hälfte Jude Bellingham als Garanten für den Sieg nennen. Europapokal as it should be – und Dortmund steht im Viertelfinale.

Die Aufstellung: Hitz – Morey, Can, Hummels, Schulz – Delaney – Bellingham, Dahoud – Reus, Haaland, Hazard. Gelbe Karten: Morey, Haaland, Can. Tore: Haaland (2, davon 1 EM)

Dortmund feiert spanische Nacht

Champions League, Achtelfinale / FC Sevilla 2 BVB 3

Warum sind eigentlich so viele Beobachter so überrascht? Auch wenn vielleicht nicht mit einem Auswärtssieg und drei Toren zu rechnen war: Der BVB hat in der Champions League in den meisten Spielen ein anderes Gesicht als in der Liga gezeigt. Das gelang auch gestern in Andalusien und stellt eine kleine Revanche für die veritable „Shithousery“ der Gastgeber beim letzten Aufeinandertreffen dar.

Stabiler, wacher, stärker

Edin Terzic hatte Lehren aus den letzten beiden Partien gezogen: Emre Can rechts hinten hatte nicht so gut funktioniert. In Sevilla lief der Mentalitätsspieler im defensiven Mittelfeld auf, wo er wenn irgendwie möglich hingehört. Ihm zur Seite standen Jude Bellingham und Mo Dahoud, die etwas offensiver orientiert waren, aber auch in Zweikämpfen weitgehend überzeugten. Drei echte Offensivkräfte reichen eben aus, wenn zwei von ihnen Erling Haaland und Jadon Sancho heißen. Bei all diesen positiven Erscheinungen um ihn herum ließ sich auch Kapitän Reus nicht lumpen und war durch seine Balleroberung im Mittelfeld sowie seinen Pass auf Haaland maßgeblich am dritten Treffer beteiligt.

Obwohl Sevilla in der zweiten Hälfte über längere Strecken am Drücker war und der BVB zu viel Raum preisgab, stand die Abwehr sicherer als zuletzt. Beim 1:0 war viel Pech dabei, auch wenn Sancho natürlich nicht optimal verteidigte. Das späte 2:3 der Gastgeber entsprang dann mal wieder einem Standard, als Dahoud und Can den eingewechselten Luuk De Jong laufen ließen. Aber das Handwerk dazwischen verrichtete die Viererkette ordentlich, mit Abstrichen bei Morey.

Momente der Extraklasse gab es an anderer Stelle: Mo Dahouds satter Treffer zum Ausgleich aus fast 20 Metern. Die spielerische Urgewalt von Erling Haaland, der das 1:2 selbst einleitet, zu Sancho weitergibt und dann dessen schönen Lob zurück eiskalt verwertet. Das kann die Borussia alles und hat es in der Champions League auch schon gezeigt – selbst wenn die Gegner noch nicht die Klasse des FC Sevilla hatten.

Warum nicht immer so?

Natürlich hatte der BVB gestern einen Gegner, der selbst gerne den Ball in seinen Reihen hält. Das kam den Schwarz-Gelben entgegen: Sie mussten mal nicht das Spiel gestalten. Hätten die Andalusier Ballverluste besser vermieden, wäre es mit dem Auswärtssieg sicher noch ein Stück schwerer geworden. Aber dennoch: Beim Vergleich mit den nicht gewonnenen Partien in der Liga fragt man sich unweigerlich, warum gestern deutlich mehr Wachheit (wie bei Reus), mehr Einsatzwillen (etwa bei der von Edin Terzic bejubelten Grätsche von Emre Can) und mehr Bindung zwischen den Mannschaftsteilen zu spüren war.

Dieser Vergleich macht einen bei aller Freude über den couragierten Auftritt gestern etwas ärgerlich. Bei allen taktischen Unterschieden: Wer in Sevilla gewinnt, muss auch gegen Hoffenheim drei Punkte holen. Das beste Mittel gegen diesen Ärger: ein Derbysieg, egal wie! Danach können wir ein neues Kapitel beginnen.

Die Aufstellung: Hitz – Morey, Akanji, Hummels, Guerreiro (76. Passlack) – Can, Bellingham, Dahoud (89. Meunier) – Reus (80. Brandt), Sancho – Haaland. Gelbe Karten: Hummels, Haaland. Tore: Dahoud, Haaland (2)

Edin Terzic stellt sich vor

Der neue BVB-Trainer stellte sich heute Mittag gemeinsam mit Michael Zorc erstmals den Fragen der Journalisten. Auf der Spieltags-Pressekonferenz zur Partie in Bremen blieb diese erwartungsgemäß Randnotiz. Edin Terzic, bisher Co-Trainer, ist voraussichtlich bis Sommer der neue starke Mann auf der Bank der Schwarz-Gelben. Er kam sympathisch rüber, wie ein Mann, der keine Allüren, aber auch keine Angst vor der Aufgabe hat.

Natürlich kündigte Terzic eine Analyse der Gemengelage rund um die Mannschaft an, die unabhängig von seiner bisherigen Mitarbeit im Trainerstab notwendig ist. Wenig Konkretes gab es zu möglichen Änderungen in der täglichen Arbeit oder im Umgang mit der Mannschaft zu erfahren. Terzic wollte sich auch nicht das Etikett „emotionaler Trainer“ anheften (lassen). Was durchschimmerte: Bei der Analyse, aber auch danach, wird er womöglich verstärkt auf den Dialog mit den Spielern setzen – ohne im Anschluss die Verantwortung zu scheuen, eigene Entscheidungen zu treffen. Ein wichtiger Satz von Terzic, den er hoffentlich dem Team nahebringen kann:

Wir müssen uns auch bei unangenehmen Situationen wehren. Und wir müssen alle die Verantwortung haben, uns da auch gegenseitig stets daran zu erinnern.

Sympathisch ist natürlich auch, dass Edin Terzic aus der Region kommt und nach eigenem Bekunden schon seit seiner Kindheit BVB-Fan ist. Das und seine Art werden ihm einen gewissen Bonus bei den Fans verschaffen. Diese wissen aber auch, dass Terzic als Cheftrainer unerfahren ist und der Verein sich sportlich kaum noch Ausrutscher erlauben kann. Der Ergebnisdruck wird also nur unwesentlich geringer sein als bei jedem anderen Trainer.

Viel mehr als ein menschlich positiver Eindruck von Edin Terzic fiel bei der PK nicht ab. Also keine knackigen neuen Infos – aber das war wohl auch nicht zu erwarten. Verständlich ist, dass der neue Trainer zum gerade ausgelosten Gegner im Achtelfinale der Champions League, dem FC Sevilla, noch nicht viel sagen konnte und wollte. Unangenehm sei Sevilla – das dürften Verantwortliche wie Fans des BVB noch ganz gut in Erinnerung haben. In sportlicher Hinsicht fällt mir da das eher unsportliche, sehr aufreizende Zeitspiel der Spanier ein.

Doch das ist Vergangenheit und hat mit den Partien im Februar/März erstmal nichts mehr zu tun. Nach wie vor stellt Sevilla eine große sportliche Herausforderung dar – selbst, wenn viele Dortmunder wohl erleichtert waren, dass nicht Atletico oder Barcelona aus dem Lostopf kamen. Wie der BVB ist Sevilla gerade Fünfter in der Liga, zwei Punkte vor Barca, das ebenfalls elf Spiele bestritten hat. Mit Ausnahme von Atletico haben alle Clubs vor Sevilla mindestens eine Partie mehr absolviert. Sportlich wird das also ein Duell auf Augenhöhe für die Borussia, in dem es keinen Favoriten gibt.

Bis es soweit ist, wird sich auch geklärt haben, was wir von Edin Terzic erwarten dürfen. Und ob er sich ein wenig Hoffnung auf ein längeres Engagement machen kann, was Michael Zorc zumindest nicht explizit ausgeschlossen hat.

BVB noch nicht am Zenit

Champions League, 2. Spieltag / BVB 2 Zenit St. Petersburg 0

Nichts wirklich Neues: Lange tut sich die Borussia schwer gegen ein tief stehendes Team. Doch Zenits Elfmeter-Geschenk öffnet schließlich die Räume für ein weiteres Tor. Im Grunde ein ähnliches Spiel wie das Derby, nur mit einem stärkeren Gegner.

Dominant, aber nicht zwingend

Sehen wir mal das Positive: Im Gegensatz zur Partie bei Lazio waren die Schwarz-Gelben gestern das eindeutig dominante Team, das hinten wenig zuließ. 69 Prozent Ballbesitz und nur vier Torschüsse für den Gegner sind für die Champions League ordentliche Werte. Das BVB-Spiel sah zwar vor allem in der ersten Hälfte eher dröge, aber wenigstens sicher aus. Eine Problemzone: die Mittelfeldzentrale. Witsel trug mit wenigen Ausnahmen nichts wirklich Kreatives vor. Dahoud wirkte wenigstens lebhafter, doch bei ihm kommen auf zwei gute Aktionen halt auch acht überflüssige.

Über außen gelang der Borussia lange Zeit auch wenig. Und so durfte man trotz der einen oder anderen Torannäherung schon guten Gewissens ungeduldig werden, als der eingewechselte Thorgan Hazard von Karavaev im Strafraum umgerissen wurde. Ein glasklarer und vermeidbarer Elfmeter, aber Glück oder Fehler des Gegners gehören seit jeher zum Fußball dazu. Danach spielte es der BVB recht souverän runter, mehr als ein Weitschuss kam nicht mehr von Zenit. Mit mehr Vorwärtsdrang hätten die Schwarz-Gelben womöglich früher die Entscheidung geschafft. So geschah es erst in der Nachspielzeit, als Bellingham den Ball per Kopf in den Laufweg von Haaland beförderte, der dann alles richtig machte.

Arbeiterverein BVB

Vielleicht kann es derzeit nur so funktionieren, dass die Borussia über viel Arbeit zum Erfolg kommt. Mit Glanz ist da gerade wenig, allenfalls in Momenten. Dieses perfekte Gefüge, das letztlich auch gar nicht so viele andere Klubs haben, gibt es in Dortmund nicht. So fällt es zum Beispiel auch schwer, eine Wunschelf aus dem aktuellen Kader zu bilden, von der man wirklich überzeugt ist. Klar sind da viele gute Kicker dabei, aber nur ein paar Erfolgsgaranten, die man ohne großes Nachdenken immer aufstellen würde. Mal sehen, wie das Lucien Favre in den nächsten Wochen hinkriegt.

Die Aufstellung: Bürki – Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro – Dahoud (67. Hazard), Witsel – Sancho (84. Delaney), Reus (74. Reus), Reyna (84. Bellingham) – Haaland. Tore: Sancho (EM), Haaland

Dortmund zeigt das zweite Gesicht

Champions League, 1. Spieltag / Lazio 3 BVB 1

Ärgerlich erwartbar sind inzwischen die Auftritte von Borussia Dortmund, bei denen die Mannschaft so viel vermissen lässt, dass eine „Mund abputzen, weitermachen“-Haltung schwer fällt. So wird der passable Saisonstart schon wieder durch den blutleeren Auftritt im Stadio Olimpico überschattet – den man mit erschwerten Bedingungen nur ein bisschen entschuldigen kann.

Schwarz-Gelb mit Löcherkette

Lucien Favre blieb trotz akutem Innenverteidiger-Mangel bei einer Dreierkette von zentralen Abwehrspielern. Mats Hummels wurde von Lukasz Piszczek und Thomas Delaney unterstützt und war gestern nicht zu beneiden. Die Diskussion um Dreier-/Fünferkette vs Viererkette wird in Dortmund ja schon eine Weile geführt. Favre galt bisher als Verfechter letzterer Variante, lässt den BVB aber schon seit geraumer Zeit mit drei Innenverteidigern auflaufen. In Rom änderte er dies nach 65 Minuten, um mit Julian Brandt für Piszczek mehr Offensivschwung reinzubringen – der Rest des Spiels endete 1:1.

Bleibt die Frage, ob nicht zwei Innenverteidiger in einer Viererkette von Beginn an mehr Sinn gemacht hätten – angesichts von gefühlt zahllosen Lazio-Pässen durch die Abwehrreihe vor allem in der ersten Halbzeit. Die Antwort ist etwas für versiertere Taktiker. Tatsache ist aber, dass Piszczek und Delaney ihre Probleme hatten – der Däne kompensierte das immerhin in ein paar Szenen mit Härte. Weiterlesen „Dortmund zeigt das zweite Gesicht“

Vom Zypern-Freund zum Supercupsiegerbesieger

Champions League, 3. Spieltag / BVB 4 Atletico Madrid 0

Es ist erstaunlich bis atemberaubend wie sich die Europapokal-Geschicke von Borussia Dortmund gewandelt haben. Nach Nikosia und dem Ausscheiden gegen Salzburg nun der dritte Sieg in der Champions League, mit 4:0 gegen Atletico. Der Mannschaft, die angeblich so wenig zulässt.

Lucien Favre probierte es mit einem recht klassischen 4-2-3-1, wobei Marco Reus ganz vorne seine Rolle doch etwas anders spielte als Paco Alcacer. Zeitweise fehlte die Präsenz eines echten Neuners den Schwarz-Gelben: Wenn es keinen Abnehmer für die Flanken der flotten Außen gab. Dass unter den Torschützen des BVB letztendlich nur ein echter Offensivmann war, ist aber schon ein Hinweis, wie die Mannschaft des Fehlen von Paco ausgleichen konnte: mit einer fantastischen Mannschaftsleistung.

Wie so oft – außer in der letzten Saison – wirkte das Auftreten der Borussen in der Champions League noch etwas spritziger und engagierter als in der Bundesliga. Favre hatte es offensichtlich geschafft, die immense Qualität von Atletico allen klarzumachen. Wenn man jemand herauspicken will aus der Mannschaft, muss man mindestens diese Namen nennen: Witsel, Hakimi, die Innenverteidiger Diallo und Zagadou und Marco Reus. Auch dessen Kumpel Mario Götze hielt gut mit.

Die vier Tore fielen, weil das Team in entscheidenden Momenten heiß, schnell und kombinationssicher war. Sie fielen weniger durch herausragende Einzelleistungen. Es gab auch die Phase, in der die Partie wackelte und Madrid den Ausgleich hätte schießen können. Die Borussia kam gar nicht mehr ordentlich hinten raus. Mehr als ein Elftel Schuld daran hatte der für den verletzten Delaney eingewechselte Mahmoud Dahoud. Dessen Passspiel war zunächst absolut gruselig, nicht zum ersten Mal. Doch später bereitete er immerhin das 3:0 durch Sancho mit vor.

Aber ansonsten: Was waren das wieder für Einwechslungen von Favre? Okay, von Jadon Sancho erwartet die Fußballwelt das inzwischen fast schon. Aber zwei Tore vom schon ins zweite Glied gerückten Guerreiro? Klar: Das 0:2 in einer für sie bis dahin positiven zweiten Hälfte beeindruckte Atletico und euphorisierte Schwarz-Gelb sowie das Westfalenstadion. Aber wie das dann zu Ende gespielt wurde, war trotzdem extrem beeindruckend. Es spielte auch keine Rolle, dass Roman Bürki nur einen ordentlichen und keinen bockstarken Tag wie zuletzt immer erwischt hatte. Nicht jeder Pass und Abschlag von ihm saß.

Ein sehr großes Spiel also. Natürlich aber noch kein Fingerzeig, dass es der BVB auch in der Champions League weit bringen kann. Nun kommt mit Hertha BSC erst mal eine der derzeit unangenehmsten Mannschaften der Bundesliga nach Dortmund.

Borussia kompakt: Die neue Reife

Champions League, 2. Spieltag / BVB 3 AS Monaco 0

Nach dem Gewinn der High-Speed-Oper in Leverkusen zeigt Borussia Dortmund ein zweites Mal, dass das 7:0 gegen Nürnberg keinesfalls so bizarr war wie es sich nach der langen Wartezeit auf sieben eigene Tore zunächst anfühlte. Natürlich war es wieder nicht durchweg gut, was die Schwarz-Gelben spielten. Die erste Hälfte gehörte nach etwa einer Viertelstunde überwiegend den Monegassen. Doch der BVB 2018/19, der Favre-BVB, kann reagieren und findet Lösungen.

Auch heute hing das auch mit dem Gegner zusammen. Monaco hatte in den ersten 45 Minuten viel investiert und war wie in der Liga auch an der Chancenverwertung gescheitert. Normalerweise hätten sie über 90 Minuten ein, zwei Dinger machen müssen. Aber neben Roman Bürki überzeugten bei der Borussia auch die Innenverteidiger, Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou. Die spielen zwar nicht komplett fehlerfrei, aber weit souveräner, als man es aufgrund des Alters bzw. der bisherigen Einsatzzeiten vermuten würde.

Wieder schlug ein Wechsel von Lucien Favre voll ein. Unglaublich, wie Jacob Bruun Larsen sich selbst in der Champions League zurechtfindet. Ein Tor, eine herrliche Vorarbeit – wie schön, dass so eine Nachwuchs-Geschichte mal wieder funktioniert, auch wenn Larsen mit sechs Jahren noch kein Schwarz-Gelber war. Jadon Sancho, der gerade bis 2022 verlängert hat, legte Larsen das erste Tor vor. Die Zukunft kann kommen.

Stark auch, wie sich Paco Alcacer von seinem Elfmeter an die Latte erholte und umso entschlossener kurz danach das 2:0 machte. Weniger stark auch über 90 Minuten dagegen Axel Witsel, der mir in den letzten Partien öfter zu zögerlich wirkte und manchmal ins Fußgänger-Tempo verfiel. Für was die Borussia in dieser Saison reif ist? Sollen sich andere überlegen. Das CL-Achtelfinale erscheint jedenfalls möglich.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Zagadou, Diallo – Witsel, Delaney (65. Weigl) – Sancho (84. Philipp), Reus, Wolf (46. Larsen) – Paco Alcacer. Tore: Larsen, Alcacer, Reus

Sie nennen es Losglück

„Deutsches Quartett im Losglück“ – so wird selbst bei Kicker.de nach der heutigen Champions League-Auslosung pauschalisiert. Wer die vier Gruppen der deutschen Vertreter, mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen, so zusammenfasst, der findet natürlich auch gleich alles Scheiße, wenn die Deutschen international mal ein schwarzes Jahr haben.

Borussia Dortmund trifft in der CL-Gruppenphase also auf Atletico Madrid, AS Monaco und Club Brügge. Das mag etwas leichter sein als gegen Real und die Spurs. Aber es ist alles andere als Tiefstapelei, wenn das BVB-Vertreter unisono als anspruchsvoll bezeichnen. Diego Simeones Atletico ist nach wie vor eine ungeheuer stabile Mannschaft mit einem Superstar Antoine Griezmann. Das Finale des Wettbewerbs wird 2019 in ihrem neuen Stadion ausgetragen.

Der AS Monaco liegt vielleicht ein wenig unter dem Niveau der vorletzten Saison, als die Borussia unter unglückseligsten Umständen gegen den Klub aus dem Fürstentum der Reichen und nicht so gerne Steuern Zahlenden ausschied. Die Monegassen haben aber immer noch genügend illustre Namen in ihren Reihen wie Kolumbiens Stürmer Falcao, die junge belgische Mittelfeldhoffnung Youri Tielemans oder natürlich Kroatiens Nationalkeeper Danijel Subasic. Außerdem wird das erneute Aufeinandertreffen womöglich Erinnerungen zurückbringen, auf die die Borussen gerne verzichten würden. Angenehm wird Monaco sicher auch nicht.

Bleibt Brügge. Dieses Los kann man sicher als machbar bezeichnen. Man kann auch die Statistik ins Reich der Geschichte verweisen, die besagt, dass der BVB bei den letzten beiden Aufeinandertreffen jeweils ausgeschieden ist. Ganz aktuell ist aber die Tatsache, dass der belgische Fußball bei Länderturnieren gerade zum Ansehnlichsten weltweit gehört. Alles werden sie also auch im Klubfußball nicht falsch machen.

Ja, natürlich hat der BVB in Gruppe A Chancen, Zweiter oder gar Erster zu werden. Schließlich haben wir ordentlich aufgerüstet. Aber der Verein muss es sich von niemandem zur Pflicht erklären lassen. Lucien Favre hat schon die passenden Worte gefunden:

Ein schweres Los mit starken Gegnern. (…) Wir nehmen die Herausforderung gerne an.