Immobile verlässt Dortmund leihweise

Man könnte es sich nun leicht machen und vom „Ende eines Missverständnisses“ oder Ähnlichem schreiben. Vermutlich werden wir diese Schlagzeile noch irgendwo lesen. Doch der Abschied von Ciro Immobile, der für zunächst ein Jahr zum FC Sevilla wechselt, ist nicht so einfach zu bewerten. Die Anlagen für einen guten Mittelstürmer sind beim Italiener schon gegeben – allerdings fiel ihm anscheinend die Anpassung an eine sportlich ohnehin nicht richtig funktionierende Mannschaft schwer.

Wirklich vorauszuahnen war das nicht. Schade nur, dass Ciro seinen Abgang noch mit dem unrühmlichen Auftreten auf der Asien-Reise, wo er einen offiziellen Termin versäumte, garnieren musste. Hinzu kamen Bilder, auf denen er isoliert wirkte – und schon fällt das Urteil leicht, dass der Abschied das beste für beide Seiten ist.

Die Borussia wollte Immobile verständlicherweise lieber für einen ordentlichen Betrag verkaufen. Der FC Sevilla wollte – ebenso verständlich – nicht die Katze im Sack kaufen. Heraus kam ein Leihgeschäft, das den Schwarz-Gelben drei Millionen Euro einbringt. Vorteilhaft kann sich das nur auswirken, wenn der Stürmer in Sevilla einschlägt und sich sein Marktwert wieder erhöht. Immobile dürfte mit der Lösung weniger Bauchschmerzen haben – über eine Kaufoption der Andalusier wurde nichts bekannt und so könnte die Reise im nächsten Jahr doch noch in die geliebte Heimat führen.

Dem BVB fehlen zunächst mal die Transfer-Millionen. Ob das der alleinige Grund ist, dass Thomas Tuchel und Michael Zorc nach „Kicker“-Angaben keinen Ersatz verpflichten wollen, ist fraglich. Geht man davon aus, die meiste Zeit nur mit einem echten Stürmer aufzulaufen, macht es durchaus Sinn, nur mit Aubameyang, Ramos und Nachwuchsleuten in die Saison zu gehen. Schließlich gibt es ein breit aufgestelltes offensives Mittelfeld. Investitionen wären an anderer Stelle notwendiger.

Die nebulöse Zukunft des BVB

Lieber DFB, es war doch nur eine Metapher.
Lieber DFB, es war doch nur eine Metapher.

Am Mittwoch um 12 Uhr stellt sich Thomas Tuchel in Dortmund der schwarz-gelben Öffentlichkeit als neuer BVB-Trainer vor. Die meisten Fans dürften dem Termin trotz oder auch wegen des gerade erst verlorenen Pokalfinales mit großer Spannung entgegenblicken. Doch dass sich dann die Zukunft der Borussia so schnell klärt wie die gelben Nebelschwaden am Samstagabend im Olympiastadion ist nicht zu erwarten. Zwar ist nicht auszuschließen, dass Tuchel als Antrittsgeschenk einen weiteren festgeklopften Transfer bekommt – etwa 1860-Talent Julian Weigl – doch werden in den nächsten Monaten noch viele wichtige Entscheidungen fallen.

Die wichtigste Weichenstellung wird sein, ob die verbleibenden Vereinsverantwortlichen eine weithin verbreitete Rechtfertigung für den Klopp-Abgang wirklich glauben. Die besagte, dass ein echter Umbruch in der Mannschaft nicht mehr nötig sei, wenn der prominente Kopf der Schwarz-Gelben weg wäre. Diese Ansicht könnte sich als Trugschluss herausstellen. Es geht gar nicht darum, viel Geld für neue Spieler auszugeben oder wirklich zehn Mann auszutauschen. Nötig ist aber, wie schon gefordert, eine harte, ehrliche Analyse – ohne Schonung von Akteuren, über die bisher eher die Hand gehalten wurde.

Es ist kein Geheimnis, dass ich damit vor allem die in dieser Saison eingesetzten Außenverteidiger meine. Schmelle, Piszczu, Kevin, ja selbst Erik sind alles Jungs, die gefühlsmäßig zu uns gehören, aber auch auf den Prüfstand. Da muss man ja niemand direkt wegschicken, man sollte sich aber um die vorhandenen und eventuell verfügbare neue Alternativen kümmern. Um die defensive Stabilität wiederherzustellen muss Tuchel natürlich alle relevanten Positionen in den Blick nehmen – und die bisherigen Hierarchien überdenken. Weiterlesen „Die nebulöse Zukunft des BVB“

Ciro bestraft Dresden

DFB-Pokal, Achtelfinale / Dynamo Dresden 0 BVB 2

Dynamo Dresden hat im positiven Sinn alle Tugenden gezeigt, die sie auch schon bisher im Pokal auszeichneten: Defensive Kompaktheit, unheimlich viel Kampfgeist und ein enthusiastisches Publikum. Für andere Ruhrpott-Vereine mag das ausreichen, doch der BVB war für die Schwarz-Gelben des Ostens zu stark.

Ja, der BVB tat sich nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Marco Reus schwer. Doch die SG Dynamo bekam letztendlich, was sie verdiente. Nachdem Reus nach einem Dresdener Foul vom Platz musste, hätte es nach einem Ellbogencheck gegen Ciro Immobile noch vor der Pause Gelb und Elfmeter für die Borussia geben müssen. Es gab nichts und Ciro musste behandelt werden. Dafür traf er nach der Pause doppelt.

Wem die Leistung der heute Weißen, aber eigentlich Schwarz-Gelben zu wackelig erschien: Der Platz war offensichtlich in bescheidenem Zustand. Der Reviernachbar sah hier bedeutend schlechter aus. Und ohne Batman und Robin hat der Klub einfach noch nicht die nötigen Superkräfte.

Die Auslosung des Pokal-Viertelfinales findet übrigens am Sonntag zu einer zivilisierten Zeit, ab 18 Uhr, in der ARD-Sportschau statt.

Die Aufstellung: Langerak – Kirch, Subotic, Hummels, Schmelzer – Kehl, Gündogan – Blaszczykowski (90.+1 Bender), Kagawa (67. Ramos), Reus (24. Mkhitaryan) – Immobile. Gelbe Karte: Blaszczykowski. Tore: Immobile (2)

Ja, wir können absteigen

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 0 FC Augsburg 1

Es wird Zeit, sich mit diesem Gedanken vertraut zu machen: Leider ist es nicht so unwahrscheinlich, dass Borussia Dortmund nach 39 Jahren in der höchsten deutschen Fußballliga wieder mal absteigt. Zumindest nicht so unwahrscheinlich, wie die allermeisten Fans – und nicht nur schwarz-gelbe – bisher gedacht haben. Das ist der heutige Stand. Denn wenn man Winterpause-übergreifend die letzten Wochen betrachtet, gibt es nur zwei Klubs, die ähnlich schwach aufgetreten sind: Hertha BSC und Paderborn (auch wenn der VfB nur wenig besser war).

In der Verfassung vom gestrigen Spiel kann der BVB gegen alle anderen Teams verlieren, sogar gegen die genannten. Bis zum Gegentor lief die Partie leidlich ordentlich, die Borussia ließ wie gegen Leverkusen wenig zu, auch wenn sie sich wieder einige Fehlpässe zu viel erlaubte. Die Außenverteidiger – und diese Wiederholung macht mürbe – waren offensiv nahezu wirkungslos. Aushilfe Kevin Großkreutz machte ein besonders schwaches Spiel und leitete mit einem Fehlpass auch das Gegentor ein. Trotzdem ist sein Ausfall mit einem Muskelbündelriss eine weitere Schwächung. Schmelzer schlug eine gelungene Flanke, dafür sah er beim 0:1 am Ende der Fehlerkette zusammen mit Nuri Sahin auch besonders dumm aus. Leider kamen auch Pässe und Flanken der offensiveren Kampl und Aubameyang nicht gut, waren häufig zu lang – bei Letzterem nichts neues.

Dennoch, die Rückkehr des schnellen Auba ist einer der wenigen Lichtblicke für die Borussia. Sein Lauf führte zu Jankers Platzverweis. Er hat auch schon bewiesen, dass er treffen kann. Es wäre mal einen Versuch wert, ihn neben Immobile in einem Zweier-Sturm einzusetzen. Dass der Italiener mit seinem Kopfball aus kurzer Distanz Torwart Manninger traf, ist verzeihbar. Es war eine Aktion aus vollem Lauf – immerhin kam er zum Abschluss.

Doch insgesamt blieb am Mittwoch der Eindruck, dass die Schwarz-Gelben derzeit zu viele Schwachstellen haben – Spieler, die ihr Potenzial nicht ausschöpfen und solche, die falsch eingeschätzt wurden und werden. Auch das Kollektiv gibt zu denken: Wie die Mannschaft nach dem Gegentor und erst recht nach dem Platzverweis gespielt hat, war schwer erträglich. Auch wenn es natürlich in der letzten Viertelstunde durch Augsburgs extreme Mauertaktik nicht einfach war.

Der Abstieg ist also eine reale Gefahr. Und doch gibt es noch genügend Chancen, ihn zu verhindern. Nur zwei Punkte ist Platz 15 entfernt, auf dem der nächste Gegner SC Freiburg steht. Und der VfB spielt gegen den FC Bayern. Da es derzeit spielerisch aber an fast allem hapert, ist dieser Trost kein echter. Vielleicht fehlt dem Team auch ein wenig das Gefühl des K.O.-Systems. Letztendlich bleibt dieser Erklärungsversuch wie die meisten anderen hilflos.

Jürgen Klopp und das Team müssen dennoch weiterarbeiten, mit den Spielern, die derzeit zur Verfügung stehen. Die Personaldebatten heben wir uns also noch ein Weilchen auf. Resigniert habe er nicht, versicherte der Trainer in der Pressekonferenz vor dem Freiburg-Spiel. Großkreutz steht sechs Wochen nicht zur Verfügung, ob Piszczek oder Durm rechtzeitig fit werden, um ihn zu ersetzen, steht noch nicht fest. Bei den Gastgebern, die von den Bürgern der Stadt Freiburg gerade das Ok für ein neues Stadion gekriegt haben, fällt unter anderem Offensivmann Admir Mehmedi aus – allerdings wussten die beiden Neuen vorne drin, Petersen und Möller Daehli, bisher durchaus zu gefallen. Für einen Auswärtssieg muss beim BVB noch einiges besser werden.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz (60. Subotic), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Sahin, Gündogan – Aubameyang, Reus (72. Kagawa), Kampl (72. Mkhitaryan) – Immobile

Gekämpft, gepunktet, abgerutscht

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Bayer Leverkusen 0 BVB 0

Borussia Dortmund verbessert sich gegenüber dem Heimspiel und holt einen Punkt in Leverkusen, doch Freiburg zieht vorbei. Jürgen Klopp sieht einen „Traumstart“ in die Rückserie, doch zunächst sind die Schwarz-Gelben Tabellenletzter. Was bedeutet das nicht völlig überraschende Unentschieden gegen die Werkself? Es gibt nicht die eine gültige Sichtweise, aber genügend Ansatzpunkte für eine Positiv-Negativ-Liste.

+ Der BVB hat den Abstiegskampf angenommen, ist gelaufen, hat gegrätscht und den Leverkusenern wenig Platz zur Entfaltung gelassen. Die Mannschaft wollte den Erfolg; das sah offensichtlich auch Roger Schmidt, Trainer der Gastgeber, so, der in der Nachspielzeit noch Defensivmann Papadopoulos einwechseln wollte.

+ Die Defensive stand deutlich stabiler als zuletzt. Vor allem das Duo Hummels/Sokratis in der Innenverteidigung hat seine Sache prima gemacht und sollte für die nächsten Wochen gesetzt sein. Selbst Marcel Schmelzer zeigte sich in den Defensiv-Zweikämpfen präsenter. Wenn man sich doch mal kalt erwischen ließ – etwa nach Mkhitaryans Fehlpass – bügelte man das mit starken Einzelaktionen (Hummels, Weidenfeller) wieder aus. Beim Lupfer von Castro kam etwas Glück hinzu.

+ Kevin Kampl scheint sich schnell als Verstärkung zu erweisen und den Aufstieg von Österreichs in Deutschlands höchste Spielklasse mühelos zu schaffen. Seine Handlungsschnelligkeit, etwa beim Weiterleiten von Bällen nach gewonnenen Zweikämpfen oder Laufduellen, lässt hoffen. Das Prädikat ‚Besonders wertvoll‘ gibt es auch für eine exemplarische Balleroberung im Mittelfeld, mithilfe einer seitlichen Grätsche. Denkt man daran, dass er hoffentlich in Kürze mit Gündogan und einem effizienteren Reus Pässe austauscht, braucht man sich keine Sorgen um die Spielkultur im Dortmunder Mittelfeld zu machen. Weiterlesen „Gekämpft, gepunktet, abgerutscht“

Was nicht passt (und hoffentlich passend gemacht wird)

1. Bundesliga, 17. Spieltag / Werder Bremen 2 BVB 1

Borussia Dortmund hat es geschafft und beendet die Hinserie 2014/15 auf einem Abstiegsplatz. Nicht einmal gegen die notorisch wacklige Bremer Abwehr gelang den Schwarz-Gelben mehr als ein Standard-Tor. Nicht einmal gegen das Team, in dem der neue Trainer Viktor Skripnik mutigerweise auf viel Jugend setzt, war der BVB die abgeklärtere Mannschaft. Alle guten Vorsätze waren nach drei Minuten Makulatur, als die Abseitsfalle nicht zuschnappte und der junge Selke die Bremer Führung erzielte. Gruselig war die erste Halbzeit, die folgte. Noch schlimmer als in Berlin. Dass die Borussia nicht 90 Minuten so spielen würde, war klar. Aber es traf nur Mats Hummels nach einer Ecke, der zuvor äußerst fahrig gewirkt und das 0:2 mitverursacht hatte.

Der dilettantische Auftritt beim ehemals Tabellenletzten schließt eine Halbserie ab, die sich so kein BVB-Freund oder -Feind vorgestellt hätte. Ich selbst habe durchaus damit gerechnet, dass die Schwarz-Gelben mal wieder ein echtes Tal würden durchschreiten müssen – aber natürlich nicht, dass es so schnell kommt und so tief ist. Wir brauchen uns gar nicht weiter mit dem Bremen-Spiel aufhalten. Alles was dazu gesagt werden könnte, ist auch allgemein für diese erste Saisonhälfte gültig. Vieles dazu wurde schon gesagt, manches verdient zu diesem Zeitpunkt dennoch eine Wiederholung.

Zunächst mal ist unbestreitbar, dass der Borussia das Verletzungspech arg zugesetzt hat. Und wir müssen eben nicht nur von den Spielern reden, die an den Spieltagen tatsächlich verletzt waren, sondern auch von denen, die die nötige Praxis aufgrund früherer Verletzungen noch nicht haben konnten. Was wiederum Auswirkungen auf das Mannschaftsspiel haben musste. Stellen wir uns einmal folgende Startelf vor:

Langerfeller
Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm
Bender, Gündogan
Mkhitaryan, Reus, Aubameyang
Immobile

Hätte diese Mannschaft den Großteil der Hinserie so zusammengespielt, stünde der Verein dann da, wo er jetzt steht? Weiterlesen „Was nicht passt (und hoffentlich passend gemacht wird)“

Vorne aufgebaut, hinten eingerissen

1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 2

Das vorletzte Ergebnis von Borussia Dortmund im Jahr 2014 lässt verschiedene Lesarten zu. Man kann sich aus der Warte des Tabellen-16. durchaus über einen Punkt gegen den Tabellenzweiten freuen, den man im Verein auch vor der Saison schon für einen ernsthaften Konkurrenten gehalten hat. Man kann aber auch sagen, dass die Schwarz-Gelben sich zu Hause gar keinen Punktverlust mehr erlauben dürften angesichts des hinter dem Horizont verschwindenden Saisonziels und des ebenfalls weit entfernten Minimalziels Europa League. Letzteres ist immerhin noch über den Pokal erreichbar.

Direkt nach der Partie gestern Abend dürften die wenigsten Variante 1 zugeneigt haben. Zweimal hatte die Borussia geführt, Ciro Immobile hatte einen Treffer erzielt, der es verdient gehabt hätte, das Siegtor zu sein. Doch Wolfsburg kam zweimal zurück, Naldo traf nach Ecke per Kopf zum 2:2. Die Art und Weise, wie die Tore fielen, war das eigentlich Ärgerliche. Zwar hätten die Gäste auch aus dem Spiel heraus das eine oder andere Mal treffen können, sie taten es aber durch einen Freistoß aus rund 18 Metern, den Mitch Langerak hätte abwehren sollen, und nach besagter Ecke, als sich ausgerechnet Riese Naldo völlig frei durch den Strafraum bewegen konnte. Jürgen Klopp rutschte im Sky-Interview nach dem Spiel heraus, dass Kehl für die Deckung hätte sorgen sollen.

Es war ohnehin nicht der Tag des ehemaligen Kapitäns, auch nicht der des wieder aufgebotenen Großkreutz – dafür der von Ciro Immobile. Der italienische Stürmer zeigte nahezu über die gesamte Spielzeit alle Qualitäten, die man von einem Mittelstürmer erwarten kann. Er bereitete mit seiner Flanke das 1:0 durch Aubameyang vor. Hier zeigte sich übrigens, dass der BVB davon profitieren kann, wenn er sein Spiel wieder breiter macht. Sein eigenes Tor, dem ein tolles Tackling des eingewechselten Oliver Kirch voranging, war ein Schuss wie ein Strahl ins linke Eck. Ciro hatte weitere Szenen, wo er den Ball gut an- und mitnahm, nur im Abschluss weniger Glück hatte. Wenn er diese Form irgendwie konservieren kann, erübrigt sich das Gemunkel der Medien über eine neue Offensivkraft ganz schnell wieder.

Bei allem Ärger über den späten Ausgleich und das Auf-der-Stelle-treten war es eine tolle Partie mit offenem Visier von beiden Teams. Also auch von Schwarz-Gelb. Wolfsburg hatte mehr Ballbesitz, es gab Phasen von Dominanz der Gäste, aber auch der Gastgeber. Gegen viele andere Bundesligamannschaften hätte die Leistung der Borussia zum Sieg gereicht. Doch die Wolfsburger sind angeführt von Kevin De Bruyne zu einem Spitzenteam geworden. Einen vergleichbaren Spieler hatte der BVB in Abwesenheit von Marco Reus nicht zu bieten. Das Passspiel auf engem Raum sah auch deswegen bei den Gästen besser aus, während die Schwarz-Gelben deutlich leidenschaftlicher wirkten.

Vorschau auf Bremen

Man kann auf diesem „Pünktchen Hoffnung“, wie der „Kicker“ es nennt, aufbauen. Aber vor allem dann, wenn nun endlich der Auswärtssieg gelingt. Wo sonst, wenn nicht bei den wackligen Bremern? Die neben Prödl mit dem gesperrten Caldirola einen weiteren Innenverteidiger ersetzen müssen. Mit drei Punkten am Samstag würde die Borussia fast sicher die Abstiegszone verlassen. Doch waren wir in dieser Saison schon zu oft Aufbaugegner, um nicht vorsichtig zu sein. Neben den bekannten Ausfällen muss Jürgen Klopp am Samstag ebenfalls auf einen gesperrten Innenverteidiger, Neven Subotic, verzichten. Für ihn wird Ginter spielen. Lukasz Piszczek sollte zumindest in den Kader zurückkehren; Fragezeichen gibt es noch bei Kehl und Bender. Fiele einer von ihnen aus, wäre Oli Kirch sicher eine interessante Option.

Die Aufstellung: Langerak – Durm, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Kehl – Aubameyang, Gündogan (75. Kirch), Großkreutz – Immobile. Gelbe Karte: Subotic. Tore: Aubameyang, Immobile

Dortmund steckt fest

1. Bundesliga, 8. Spieltag / 1. FC Köln 2 BVB 1

Warum sollte uns das nicht passieren – ein echter Rückschlag, nachdem es jahrelang bergauf gegangen ist? Nahezu alle Teams außer dem FC Bayern haben so etwas schon mitgemacht, allen voran unsere Reviernachbarn aus Gelsenkirchen. Ich habe nie geglaubt, dass dieser Rückschritt nicht kommen und der BVB Seit‘ an Seit‘ mit dem Rekordmeister an der Tabellenspitze einsam seine Kreise ziehen würde. Erneute Verletzungsmisere, die WM, der Verlust eines weiteren Schlüsselspielers – da kann man schon mal hinter Vereine wie Mönchengladbach, Wolfsburg oder sogar die Blauen zurückfallen.

Was nicht mehr normal ist: Nach acht Spieltagen steht die Borussia sogar zwei bzw. fünf Punkte hinter den Aufsteigern Köln und Paderborn. Für Letztere haben heute die Ex-Dortmunder Marvin Duksch und Uwe Hünemeier beim 3:1 gegen Frankfurt getroffen. Im direkten Duell mit den Ersteren hat der BVB zwar deutlich mehr Torschüsse und Ballbesitz zu verzeichnen, aber das Muster der letzten Wochen bleibt bestehen: Den Schwarz-Gelben fehlt die Effektivität nach vorne und hinten leistet man sich zwei bis drei entscheidende Fehler pro Spiel. Ob es nur an Details liegt, etwa dem kurzfristigen Ausfall von Erik Durm, wegen dem Kevin Großkreutz nicht so weit vorne wie gewohnt spielen konnte? Eher nicht. Es dürfte eine Mischung aus fehlender Eingespieltheit der Akteure und zunehmender Verunsicherung sein.

Entscheidend für den Kölner Erfolg war, dass die Gastgeber rechtzeitig zum momentanen Erfolgsrezept gegen Schwarz-Gelb fanden. Während der FC die Borussia in der ersten Viertelstunde noch zu frei agieren ließ, verschoben die Kölner danach besser von hinten raus, standen nicht mehr so tief und stellten das Mittelfeld gut zu. Die Konsequenz: Ballverluste und Fehlpässe des noch nicht eingespielten Mittelfelds, aber auch durch Mats Hummels, der ein besonders schwaches Spiel zeigte, allerdings auch eine lächerliche Gelbe Karte kassierte. Beim 0:1 konnte Rückkehrer Ilkay Gündogan einen Abschlag von Weidenfeller nicht unter Kontrolle bringen. Daraufhin sprintete Hummels ohne Not und Erfolg zum Ort des Geschehens und ließ so eine Zwei-gegen-zwei-Situation hinten entstehen, die letztlich Kölns Vogt nutzen konnte.

Nach dem schönen 1:1, das mit dem Zusammenspiel von Reus und Immobile ein Vorgeschmack auf das hätte sein können, was sich die meisten Borussen-Fans von ihrem Verein nach der Länderspiel-Pause eigentlich erwarten, gab es eine kurze Drangphase. Es waren aber zu unpräzise und letztlich keine brandgefährlichen Schüsse, die etwa Reus und Mkhitaryan noch abgaben. Damit die Kölner die Partie mit drei Punkten beenden konnten, war allerdings noch ein dicker Patzer von Roman Weidenfeller nötig. Nun haben wir in der Hinsicht eigentlich die komplette Hintermannschaft durch, und nicht nur die.

Also doch Krise? Temporär sicher, aber wie schwer die derzeitige Flaute wiegen wird, zeigt sich erst im Frühjahr. Wenn für die Schwarz-Gelben dann die Aufholjagd zu lang sein sollte und die internationalen Plätze nicht erreicht würden, könnten sich weitere Leistungsträger verabschieden. Erst dann muss man sich langfristig Sorgen machen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Großkreutz – Gündogan (90. Subotic), Kehl – Mkhitaryan (68. Aubameyang), Kagawa, Reus – Immobile (75. Ramos). Gelbe Karten: Mkhitaryan, Hummels, Sokratis. Tor: Immobile

Der Wende erster Teil

Champions League, 2. Spieltag / RSC Anderlecht 0 BVB 3

Es ist ja schon komisch, wie schnell das geht mit den Wenden im Fußball. Der FC Schalke erlebt sie ungefähr nach jedem zweiten Spiel. Und die Sport Bild kann eigentlich heute ihr gestern erschienenes Heft schon einstampfen. Denn Borussia Dortmund ist wieder da, hat mit einem 3:0-Auswärtssieg seine blitzsaubere Champions League-Bilanz gewahrt. Und hofft nun, mit einem Sieg gegen den Tabellenletzten HSV in die Länderspielpause zu gehen, nach der einige Topspieler in den Kader zurückkehren könnten.

Die Schwarz-Gelben starteten gestern mit intensivem Pressing ins Spiel, was sich schon nach drei Minuten auszahlte. Nach einem Pass von Bender lupfte Kagawa den Ball in den Lauf von Immobile, der erzielte ein frühes und schönes Tor für die Gäste. Dass der BVB in der Folge den Fuß ein wenig zu sehr vom Pedal nahm und sich ein paar Unachtsamkeiten leistete – geschenkt. Denn die Phase ging vorüber. Über weite Strecken dominierte die Borussia, hatte weitere Chancen durch Aubameyang. Mit ihm, einem prächtig aufgelegten Shinji Kagawa, dem immer besser zurecht kommenden Immobile und dem wieder toll ackernden Kevin Großkreutz sah die Offensive trotz der ganzen fehlenden Akteure prima aus.

Jürgen Klopp setzte auf ein 4-2-3-1 und auf die Akteure aus dem zum Glück breiten Kader, die die nötige Form haben. Mats Hummels zunächst auf der Bank zu lassen entpuppte sich als ebenso richtig wie die Maßnahme, Adrian Ramos als Joker zu bringen. Prompt verwertete der zwei Hereingaben von Piszczek und Aubameyang zu zwei Treffern. Überlegt, ruhig, humorlos, wie ein Torjäger.

Das frühe Tor half der Borussia und schockte die Gastgeber, die eine Viertelstunde vor Schluss noch mal den Pfosten trafen. Aber eine solche Reaktion auf Derbypleite und Krisengerede musst du erst mal zeigen. Und deswegen hat Jürgen Klopp natürlich recht, wenn er es für lächerlich hält, den Charakter dieser Mannschaft in Frage zu stellen. Mir schwant nichts Gutes – für den HSV.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Sokratis, Schmelzer – Bender (82. Hummels), Kehl – Aubameyang, Kagawa, Großkreutz (65. Ramos) – Immobile (72. Durm). Tore: Immobile, Ramos (2)

Don’t call it Krise!

1. Bundesliga, 6. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 1

Borussia Dortmund verliert das Derby und versinkt im Mittelfeld. Sieben Punkte Rückstand auf die Bayern, immerhin fünf auf die zweite Borussia – befriedigend ist das selbstverständlich nicht.

Die Geschichte des im und um das Stadion vergleichsweise Randale-freien Spiels ist recht schnell erzählt: Der BVB machte erneut zweimal eine ausgesprochen schlechte Figur in der Defensive und wurde dafür bestraft. 10. Minute: Ecke Aogo, Mats Hummels bleibt nicht an Matip dran, so dass der unbedrängt einköpfen kann. Noch schlimmer die Szene vor dem 0:2: Nach einem von Weidenfeller abgewehrten Schuss schlägt Adrian Ramos den Ball weg – nur dummerweise direkt in die Mitte des Strafraums, wo Choupo-Moting bereitsteht. Blöde Sache, selbst für einen Stürmer.

Erneut führten zwei absolut vermeidbare Fehler zu einem Zwei-Tore-Rückstand. Es wäre allerdings zu kurz gegriffen, nur über die Abwehrarbeit zu sprechen. Der FC Schalke spielte die Schwarz-Gelben ja nicht schwindlig, nicht mal in der ersten Halbzeit, in der die Tore fielen. Insgesamt hatte der BVB mehr vom Spiel; es fehlte allerdings zu oft der Punch. Vor allem kamen durch die Mitte zu wenig klare Spielzüge mit genauen Pässen. Besser, aber nicht perfekt wurde es in Hälfte 2, als Shinji Kagawa kam. Den hatte Jürgen Klopp zugunsten von Adrian Ramos auf der Bank gelassen und dann ausgerechnet für Ciro Immobile eingewechselt – beide Entscheidungen kann man hinterfragen, aber natürlich ohne Informationen aus erster Hand nicht abschließend beurteilen.

Tatsache ist, dass ohne Shinji (und Reus und Mkhitaryan und Gündogan und Sahin) nicht die nötige Kreativität aus dem Mittelfeld da war. Eine schnelle rechte Seite mit Piszczu und Aubameyang reichte da nicht. Haben wir nach der Derbyniederlage und Platz 12 jetzt also eine Krise? Vielleicht für diejenigen, die viel mehr erwartet haben und einen solchen Start für ausgeschlossen hielten. Aber solange die Situation erklärbar bleibt und temporär erscheint, muss man mit solchen Rückschlägen leben. Schauen wir uns die Startelf von gestern an: Wer von den Spielern daraus ist weder neu noch durch längere Verletzungen oder die WM belastet? Es sind nur zwei: Pierre-Emerick Aubameyang und Lukasz Piszczek. Beide gehören zu den besten oder besseren Akteuren.

Ich werde jedenfalls weiterhin gegenüber allen, die die Augenhöhe mit dem FCB einfordern, seien es Medien oder triumphierende Bayern-Fans, die finanzielle Kluft anführen, die ohne Zweifel noch lange existieren wird. Nur der amtierende Meister kann es sich erlauben, mal eben auf eine Verletzung kurz vor Transferschluss mit der Verpflichtung eines rund 25 Millionen Euro teuren Abwehrspielers zu reagieren. Die Borussia wird sich wieder nach oben arbeiten und sollte damit möglichst gegen den Tabellenletzten anfangen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels (80. Sokratis), Durm – Aubameyang, Bender, Ginter, Großkreutz (69. Jojic) – Ramos, Immobile (57. Ramos). Gelbe Karte: Subotic. Tor: Aubameyang