Vertraue niemandem bevor die Uhr zwölfmal geschlagen hat

Der letzte Tag der Transferperioden im europäischen Fußball ist gewöhnlich voll von überraschenden Wendungen. In diesem Jahr spielte auch Borussia Dortmund eine größere Rolle bei den Spekulationen – jedoch nur mögliche Abgänge betreffend. Hier nun die Chronik der letzten 24 Stunden und was dabei herausgekommen ist.

Gestern Abend berichtete AGW vom Interesse des FC Fulham an Lucas Barrios. Dieser Wechsel scheiterte vermutlich an der Ablöseforderung der Borussia. Zehn Millionen Euro waren die Londoner nicht bereit zu zahlen (die inzwischen Pawel Pogrebnyak vom VfB verpflichtet haben). Dementsprechend verlautete heute Morgen, Barrios‘ Berater habe gesagt, sein Klient bliebe bis Saisonende in Dortmund. Am Nachmittag kamen neue, weniger glaubwürdige, wenn auch nicht überraschende Gerüchte auf: Last-Minute-König Felix Magath habe Interesse an einer Verpflichtung des Torjägers. Zwar hätte der VWL Wolfsburg sicher die Mittel gehabt, auch mehr als zehn Millionen zu zahlen, doch die Neigung bei Michael Zorc und Jürgen Klopp, Barrios innerhalb der Liga wechseln zu lassen, dürfte gering gewesen sein.

Endgültig geklärt war die Geschichte, als gleich zwei Stürmerwechsel bekannt wurden. Damien Le Tallec wechselt nach einer letztendlich fruchtlosen Zeit in Dortmund in die zweite französische Liga zum Traditionsklub FC Nantes. Der junge Franzose wurde durch eine Schulterverletzung in seiner Entwicklung zurückgeworfen, bekam allerdings auch nie eine echte Chance in schwarz-gelb. Er war eine der Verpflichtungen, die man schon damals für nicht zwingend hielt und die sich nun als halbgar herausgestellt haben, da Damien immer zwischen erster und zweiter Mannschaft stand. Aber es kann ja nicht alles funktionieren.

Für mehr Aufsehen sorgte der zweite Wechsel. Mohamed Zidan kehrt zu seinem Ex-Verein FSV Mainz 05 zurück. Er unterschreibt dort bis Saisonende, mit Option auf zwei weitere Jahre. Dieser Transfer stand schon in den letzten Tagen im Raum – jedoch nur für den Fall, dass Barrios in Dortmund bliebe. Der Südamerikaner schien in dieser Konstellation der entscheidende Faktor zu sein. Über die Ablöse für Zidan, der noch bis Saisonende beim BVB unter Vertrag stand, wurde zunächst nichts bekannt.

‚Mo‘ Zidan hatte seine Momente in schwarz-gelb. Ich verweise immer gerne auf dieses Spiel oder auf dieses. Der Kreuzbandriss nahm ihm vermutlich die letzte Chance, sich auf lange Sicht in der Startelf zu etablieren. Es ist Mohamed hoch anzurechnen, dass er sich entgegen seines Rufs in Dortmund weitestgehend tadellos verhielt. In Mainz dürfte er ein Umfeld finden, das ihn ähnlich willkommen heißt und ihm ähnlich gut liegt wie das Dortmunder. Alles Gute und viel Erfolg bei euren neuen Vereinen, Mohamed und Damien!

Zidan und Le Tallec weg, Barrios bleibt. Nach jetzigem Stand nur bis zum Saisonende. Für die Rückserie hat die Borussia damit einen Topstürmer auf der Ersatzbank, der sich für zukünftige Vereine empfehlen will – eine gute Konstellation. Sollte wider Erwarten dennoch ein Stürmer-Engpass eintreten, hätte Jürgen Klopp immer noch die Möglichkeit, einen Spieler aus der zweiten Mannschaft, wie etwa Terence Boyd, einzusetzen. Flankiert von den anderen torgefährlichen Offensivspielern wie Kagawa, Großkreutz oder Götze – es gibt schlimmere Szenarien. Im Notfall wären auch Kagawa oder Perisic im Sturm denkbar.

Kleinere Wechsel gab es auch noch. Schon vor einigen Tagen wechselte Innenverteidiger Marc Hornschuh auf Leihbasis zum FC Ingolstadt. Bleiben die Bayern in der zweiten Liga, wird er auch nächste Saison dort spielen. Heute hat außerdem der FC Arsenal für rund 450.000 Euro den 19-jährigen Thomas Eisfeld verpflichtet. Der war offensiver Mittelfeldspieler im Nachwuchsbereich des BVB, sein Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen. Doch wohl kein zweiter Marco Reus?

(Quellen: Spox, Kicker, BBC Sport)

Zwischen den Hügeln von La Manga

Testspiel / BVB 3 Standard Lüttich 0

So sieht wohl das perfekte Auftaktspiel eines Trainingslagers aus. In der Januarsonne von La Manga hat Borussia Dortmund die erste Partie des neuen Jahres gegen den belgischen Erstligisten Standard Lüttich souverän gewonnen. Das Ganze war dank eines Sponsors per Livestream zu verfolgen, kommentiert von Norbert Dickel und Boris Rupert. Genauso wird es auch bei der Begegnung am Mittwoch gegen den FC Elche sein.

Einer der Höhepunkte dieses Testspiels war die Rückkehr von Sven Bender und Neven Subotic. Beide machten nach ihren Verletzungen einen guten Eindruck und Neven verwandelte sogar den Foulelfmeter zum 2:0. Es war allgemein sehr erfreulich, wie sicher die BVB-Defensive die Partie über 90 Minuten im Griff hatte. Die Belgier konnten die zur Halbzeit umbesetzte Viererkette kaum in Verlegenheit bringen. Da musste Roman Weidenfeller schon mal über den Ball treten, um etwas Aufregung reinzubringen. In der zweiten Halbzeit wurde er – sicher nicht wegen dieser Szene – durch Zlatan Alomerovic ersetzt, da Mitchell Langerak zurzeit verletzt nicht zur Verfügung steht und auch den Rückrundenauftakt verpassen könnte. Das Spiel wurde von den Schwarz-Gelben allenthalben ernst genommen – eine professionelle Einstellung, wie man sie unter Jürgen Klopp gewohnt ist.

Was kann man aus einem solchen Testspiel ablesen, ohne es überzuinterpretieren? Von Interesse war der Auftritt derjenigen Spieler, die noch im Januar oder im Sommer den Verein verlassen könnten. Mohamed Zidan wirkte engagiert und erzielte im Nachschuss das 1:0, das Kuba über rechts vorbereitet hatte. Der Pole zeigte sich ebenfalls aktiv und wechselte desöfteren die Seiten. Zidans Offensivpartner der ersten Hälfte war Lucas Barrios. Es mag eine Überinterpretation sein, aber der Argentinier wirkte lustlos und wurde kaum gefährlich – im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Lewandowski, der in der zweiten Halbzeit zum Zug kam und den Endstand erzielte, übrigens nach einer schönen hohen Flanke von Damien Le Tallec, der ja auch noch da ist.

Um Lucas Barrios gibt es Gerüchte, aber Michael Zorc hat dementiert, dass ein konkretes Angebot vorliegt. Ein Verkauf wäre ein Wagnis, wenn nicht umgehend Ersatz geholt wird. Zorc wird einige Namen auf dem Zettel haben – was jedoch zu vernünftigen Konditionen im Januar realisiert werden kann ist eine andere Frage. Zidan und Le Tallec als Lewandowski-Backups für die Rückrunde wären okay, wenn es nicht um die Champions League-Qualifikation ginge. Toni da Silva kam gegen Lüttich ebenfalls zum Einsatz – bei dem Mittelfeldspieler, der von Anfang an als Backup eingeplant war, gibt es keine Gründe und Anzeichen für eine erneute Vertragsverlängerung.

Defensiv souverän, offensiv zeitweise kombinationsfreudig, personell gut aufgestellt – das Fußballjahr 2012 hat gut begonnen. Und es fällt mir momentan außer möglichem Verletzungspech kein Grund ein, warum es für die Borussia nicht genauso weitergehen sollte.

Der Wechsel, der noch keiner ist: Amini kommt zum BVB

Borussia Dortmund holt einen zweiten Australier, lässt ihn jedoch noch ein Jahr ‚down under‘ spielen. Erst im Sommer 2012 wird der 18-jährige Mittelfeldspieler Mustafa Amini endgültig von den Central Coast Mariners zu den Schwarz-Gelben kommen. Sein Vertrag beim BVB läuft bis 2015. Amini, unschwer an seinem rötlichen Afro zu erkennen, hatte Jürgen Klopp im Februar beim Probetraining überzeugt. Der Transfer zog sich für Dortmunder Verhältnisse etwas hin, weil  Michael Zorc zunächst nur 100.000 Euro Ausbildungs-Entschädigung geboten hatte. In Australien gilt Amini jedoch als großes Talent, so dass selbst Ex-Australo-Borusse Ned Zelic das BVB-Angebot kritisiert hatte. Die Vereine dürften sich jetzt auf eine etwas höhere Summe geeinigt haben. Einen ersten Eindruck von unserem Neuzugang kann man wahrscheinlich bei der U20-WM in Kolumbien gewinnen, die am 29. Juli beginnt. Amini soll dort für Australien auflaufen. Bleibt nur zu hoffen, dass er sich bis 2012 keine neue Frisur zulegt.

Seine zukünftigen Mitspieler haben unterdessen ihr erstes Testspiel bestritten. Der BVB gewann dabei gestern gegen eine Hochsauerlandkreis-Auswahl mit 7:0. Solche Ergebnisse sind erst mal schwer zu bewerten. Hannover hat gestern 22:1 gesiegt – sind sie deshalb in besserer Frühform? Obwohl solche Diagnosen ohnehin kaum Aussagekraft haben, ein paar Details zur Einordnung: Während der Gegner die ersten 15 Minuten mit Kreisligaspielern bestritt, kamen danach Vertreter von Bezirks- bis Westfalenligavereinen (also auch Sechstligisten) zum Einsatz. Aus BVB-Sicht ist erwähnenswert und erfreulich, dass Shinji Kagawa in den 45 Minuten, die er spielte, vor Tatendrang sprühte und drei Tore erzielte. Ivan Perisic kam auf der rechten Seite zum Einsatz. In der zweiten Halbzeit traf Damien Le Tallec zweimal, dessen Ausleihe zum FC St. Pauli derzeit fraglich ist, nachdem sich die Hamburger nicht mehr gemeldet haben. Das nächste Spiel der Saisonvorbereitung findet bereits morgen in Rhede beim örtlichen VfL statt.

Dortmund trainiert und transferiert

Borussia Dortmund hat gestern als gemeinsam mit Werder Bremen letzte Bundesligamannschaft die Saisonvorbereitung aufgenommen. Etwas ungewohnt war, dass das erste Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Es ist jedoch einleuchtend, dass der amtierende Meister die ‚Erstintegration‘ der Neuzugänge und den obligatorischen Laktattest nicht auf der großen Bühne durchführen will. Für mich als räumlich entfernten Beobachter macht es ohnehin keinen Unterschied. Der Trainingsauftakt ist aber eine gute Gelegenheit, sich den personellen Stand der Dinge zu vergegenwärtigen.

Vier der fünf Neuzugänge von außerhalb des Vereins waren gestern schon dabei – auch Ivan Perisic, der wie alle anderen Nationalspieler noch bis 3. Juli Urlaub gehabt hätte. Angesichts der Konkurrenzsituation im BVB-Mittelfeld wollte er jedoch den Auftakt nicht verpassen. Julian Koch wird noch lange fehlen. An seinem verletzten Knie musste vor kurzem ein arthroskopischer Eingriff durchgeführt werden, so dass sich die notwendige Kreuzband-OP um fünf Wochen verzögert. Es ist somit sehr unwahrscheinlich, dass er zum Rückrundenauftakt wieder zur Verfügung steht. Ich wünsche weiterhin gute Besserung, Julian! Der 21-jährige Mittelfeldspieler Marvin Bakalorz ist ein weiterer ‚Neuzugang‘. Er kommt aus der zweiten Mannschaft und steht im Falle einer Verletzungskrise als Ergänzungsspieler bereit.

Vor einem Monat, nach dem Perisic-Transfer, haben die BVB-Verantwortlichen plausibel erklärt, dass keine weiteren Zugänge geplant sind. Die Medien, vor allem ausländische, ließen sich erwartungsgemäß nicht beirren und spekulierten über Namen wie Bendtner und Diakité. Die Aussage von Michael Zorc hat jedoch nach wie vor Bestand und es gibt nicht den geringsten Grund, an ihr zu zweifeln. Der schwarz-gelbe Kader soll sogar noch etwas verschlankt werden.

Vorgestern gab Energie Cottbus bekannt, dass sie ihren ehemaligen Spieler Dimitar Rangelov für ein Jahr von der Borussia ausleihen. Rangelov spielt in Dortmund keine Rolle mehr und war zuletzt an Maccabi Tel Aviv ausgeliehen, die eine Kaufoption für den Stürmer jedoch nicht wahrnahmen. Über die Modalitäten der Ausleihe in die Lausitz wurde laut des FC Energie Stillschweigen vereinbart und es sind auch noch keine Details bekannt geworden. Eine Leihgebühr werden die Schwarz-Gelben eher nicht kassieren – möglicherweise zahlt der Zweitligist jedoch das komplette Gehalt, denn es soll noch weitere Interessenten gegeben haben. Rangelov hat beim BVB noch einen Vertrag bis 2013.

Die „Ruhr Nachrichten“ berichten desweiteren, dass Damien Le Tallec mit dem FC St. Pauli über eine Ausleihe verhandelt. Angesichts des momentan von Jürgen Klopp favorisierten Spielsystems, zwei sehr guten vorhandenen Stürmern und einem Mohamed Zidan in der Hinterhand würde ein temporärer Wechsel für den jungen Franzosen Sinn machen. Über einen alternativen Verein für den lange verletzten Florian Kringe ist noch nichts bekannt.

Der BVB wirkt einen Monat vor dem Pokalspiel in Sandhausen und 3 1/2 Wochen vor dem Supercup in Gelsenkirchen (der immerhin wieder eine offizielle DFL-Veranstaltung ist) gut aufgestellt. Bei solchen Aussagen ist zu diesem Zeitpunkt natürlich viel Spekulation dabei. Aber außer dem unvermeidlichen FC Bayern gibt es keinen Konkurrenten, vor dem sich die Schwarz-Gelben in der gegenwärtigen Verfassung verstecken müssten. Das soll nicht heißen, dass sich nicht andere Vereine besser entwickeln als derzeit abzusehen. Es wird diese positiven Überraschungen geben und deshalb ist es nur zu begrüßen, dass Hans-Joachim Watzke keine übertrieben ehrgeizigen Saisonziele formuliert.

Hajnal und Le Tallec bleiben Dortmunder – vorerst

Die aktuelle Transferperiode verlief bei Borussia Dortmund bisher ereignislos und dabei könnte es bleiben. Zwei Abgänge, über die spekuliert wurde, sind am Wochenende eher unwahrscheinlich geworden. Das BVB-Mitgliedermagazin „Borussia“ berichtet in der Ausgabe zum Stuttgart-Spiel, dass Michael Zorc die Ausleihe von Damien Le Tallec zu Fortuna Düsseldorf gestoppt hat (Borussia 22.1.2011, S.35). Der Grund ist vor allem die Situation der zweiten Mannschaft: Theo Schneiders Jungs können sich noch gewisse Hoffnungen auf den direkten Wiederaufstieg in die Dritte Liga machen, brauchen dazu aber einen treffsicheren Stürmer. Torjäger Daniel Ginczek fällt nun jedoch mit einem Innenbandteilriss im Knie mehrere Wochen aus – bis zu seiner Rückkehr könnten die Aufstiegshoffnungen beerdigt sein.

Gleichzeitig ist Le Tallec ein Back-Up für die Bundesliga, quasi unserer vierter Stürmer, falls es dort mal ganz dumm läuft. Die einzige Alternative neben ihm und Ginczek wäre Marco Stiepermann, Christopher Kullmann ist der Sprung in die erste Mannschaft zurzeit nicht zuzutrauen. Damien hätte sich einen Wechsel in die zweite Liga um Spielpraxis zu bekommen, gut vorstellen können – vielleicht mit dem leuchtenden Beispiel Julian Koch vor Augen. Nun wird aus einsichtigen Gründen die Vereinsräson obenan gestellt.

Spielmacher Tamas Hajnal stand in intensiven Verhandlungen mit dem Gegner vom vergangenen Wochenende. Nun haben die Schwaben in Person von Sportdirektor Bobic Michael Zorc mitgeteilt, dass ein Transfer nur möglich ist, wenn ein anderer positionsgleicher Spieler den Verein verlässt. Dabei denkt Bobic an den Brasilianer Elson. Der spielt in Stuttgart keine Rolle mehr, es sind jedoch auch noch keine konkreten Angebote für ihn eingegangen. Es ist daher gut möglich, dass sich nichts mehr tut und der VfB zumindest auf dieser Position nicht tätig wird. So langsam scheint es ja ohnehin aufwärts zu gehen.

Weidenfeller pokert, Barrios trainiert, Dortmund spielt Remis

Keine Dramen, aber gewisse ‚Entwicklungen‘ gibt es aus dem Trainingslager von Borussia Dortmund im spanischen Jerez zu berichten. Torwart Roman Weidenfeller will die Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung in den nächsten vier Wochen abschließen. Gegenüber den „Ruhr Nachrichten“ hat er die zwei Knackpunkte klar benannt: ‚Weide‘ möchte einen längerfristigen Vertrag und eine ordentliche Gehaltsaufstockung. Bisher soll ihm Michael Zorc eine Verlängerung bis 2013 angeboten haben.

Die BVB-Verantwortlichen haben offensichtlich die Lehren aus der Vergangenheit gezogen und bieten nur den Ausnahmekönnern langfristige hochdotierte Verträge – wenn überhaupt. Es bleibt die Frage, wie gut Weidenfeller wirklich ist. Ein sehr guter Torwart mit Sicherheit, aber unverzichtbar? Wie so oft pokern beide Seiten ein bisschen, aber wird Roman in der jetzigen Situation wirklich zu Aston Villa wechseln? Meine Prognose: Kommt nicht noch ein Überraschungsangebot von einem Topverein, wird er bleiben. Bis 2014 oder 15, mit einer hoffentlich moderaten Gehaltserhöhung, möglicherweise mit einer Jobperspektive für die Zukunft.

Unterdessen hat Lucas Barrios im Trainingslager das Training aufgenommen. Alles ganz normal, nach den leicht übertriebenen Meldungen der letzten Tage. Lucas war in Argentinien zur Beobachtung im Krankenhaus, hatte einen Magen-Darm-Infekt mit hohem Fieber und im Zuge dessen „zwei drei Kilo und Substanz verloren“. Sowas ist fies, ich kenne das, aber sicher kein Grund zur Aufregung. Der Rückrundenauftakt ist in einer Woche – das sollte reichen. Und wenn nicht, spielt eben Robert Lewandowski.

Ohne Barrios, Kagawa und den noch geschonten Mario Götze hat der BVB im ersten von zwei Testspielen vor der Rückrunde gegen den französischen Erstligisten RC Lens 2:2 gespielt. Das Spiel soll von überschaubarem Niveau gewesen sein. Bemerkenswert waren drei Sachen: Nuri Sahin hat einen Handelfmeter verwandelt, Tamas Hajnal ebenfalls ein Tor erzielt und zur Pause wurde die komplette Mannschaft gewechselt. Von der A-Elf zur B-Elf. Sonderlich ernst sollte man dieses Spiel wirklich nicht nehmen. Vermutlich wird Jürgen Klopp die Partie in Basel am Sonntag anders handhaben.

Die „Ruhr Nachrichten“ vermelden auch noch, dass Fortuna Düsseldorf wegen einer Ausleihe von Damien Le Tallec angefragt hat. Hier soll frühestens nächste Woche eine Entscheidung fallen. Der BVB will vernünftigerweise nur einen Spieler abgeben – nicht ausgeschlossen, dass das der junge Franzose sein wird, wenn für Hajnal oder Feulner keine Angebote eingehen.

Zurück in die Vergangenheit

DFB-Pokal, 2. Runde / Kickers Offenbach 4 BVB 2 (n.E.)

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, da Silva (81. Le Tallec) – Kagawa (68. Großkreutz), Lewandowski, Götze (90.+1 Feulner) – Barrios.

Der BVB knüpft an die unselige Vergangenheit an und scheitert im Pokal erneut an einem Drittligisten. Letztes Jahr Osnabrück, dieses Mal Offenbach. Das war mehr 2001 als 1989 – wenigstens waren es keine Wolfsburger Amateure. Muss man der Tatsache ins Auge sehen, dass die Borussen überspielt und durch Verletzungen geschwächt sind? Oder der, dass nun ein Rezept gegen Schwarz-Gelb gefunden scheint: Defensiv und aggressiv spielen und viel Laufarbeit verrichten?

Das Spiel der Offenbacher hatte durchaus ein paar Parallelen zum Hoffenheimer Auftritt in Dortmund. Die Hessen haben selbstverständlich nicht die gleiche Klasse, so dass deren Ziel spätestens Mitte der zweiten Hälfte nur noch das Elfmeterschießen zu sein schien. Dagegen muss man ein Mittel finden, das kann man ihnen nicht übel nehmen. Denn in der ersten Halbzeit sah es immerhin noch so aus, als sei ein Dortmunder Treffer nur eine Frage der Zeit. Die Schwarz-Gelben taten sich schwer, aber Lucas Barrios hatte doch zwei gute Möglichkeiten. Auch die Gastgeber hatten zwei gute Szenen, vor allem den Distanzschuss von Teixeira, den Weidenfeller noch an die Latte lenken konnte. Trotzdem sah es so aus, als habe der BVB das Spiel im Griff.

Je länger die Partie dauerte, desto mehr dämmerte es einem jedoch: Die Schwarz-Gelben fanden kein Rezept. Offenbach stellte die Offensivbemühungen völlig ein, schaffte es aber, nicht nur Tore, sondern sogar Torchancen des BVB zu verhindern. Das lag natürlich auch an unserem Spiel. Über die gesamten 120 Minuten versuchte die Mannschaft zu wenig über die Flügel und blieb zu oft in der Mitte hängen. Die nominellen Flügelspieler Kagawa und Götze rückten zu sehr ein, wobei Götze noch vergleichsweise agil wirkte und neben Weidenfeller bester Borusse war. Die Außenverteidiger kreierten ebenfalls keine Gefahr durch Flanken. Nuri Sahin blieb blass. Auffällig war zudem der oft schwache Spielaufbau der Viererkette. Man merkt, dass etwas schief läuft, wenn die Frequenz der langen hohen Bälle ungebührlich steigt – wie in der Vergangenheit.

Die Chancenverwertung ist zurzeit ebenfalls verbesserungswürdig. Lucas Barrios hat in der Partie gegen die Bayern zum letzten Mal getroffen. Das ist noch keine allzu lange Durststrecke, aber angesichts der Zahl seiner Chancen wäre ein Tor mal wieder schön. Lewandowski hatte kurz vor Ende der regulären Spielzeit nach einem geblockten Götze-Schuss die Riesenchance zum Happy End, aber Torwart Wulnikowski parierte. Der zwischendurch eingewechselte Le Tallec und Barrios (in der Verlängerung) scheiterten ebenfalls am Keeper.

Es war eine böse Überraschung, wie wenig Torraumszenen die Schwarz-Gelben in der Verlängerung hatten. Denn wenn der BVB ins Elfmeterschießen muss, lasse ich prinzipiell alle Hoffnung fahren. Auch das ist eine Erfahrung aus der Vergangenheit. Es nützte auch nichts, dass Roman Weidenfeller sogar mal einen Elfer hielt. Dann hält der gegnerische Torwart eben zwei! Und so wurde Wulnikowski zum Pokalhelden – wobei vor allem der Elfmeter von Lewandowski auch nicht so schwer zu halten war.

Nuri Sahin hatte mit folgender Aussage nach dem Spiel Unrecht:

Wir wussten, dass ein Rückschlag kommen würde. Vom Ergebnis ist er da, fußballerisch nicht.

Die Borussia hat sich gestern nicht auf ihre Stärken besonnen, hat nicht die nötige Geduld aufgebracht, sondern es mit der Brechstange versucht. Das war gar nix, das Ausscheiden ist bitter, auch wenn wir in prominenter Gesellschaft sind. Wollen wir hoffen, dass die Defizite pokalspezifisch bleiben. Am Sonntag werden wir beim Duell der Pokalversager in Mainz sehen, wer sich schneller berappeln kann.

Der Nachzügler: Rangelov wechselt nach Tel Aviv

Beim BVB ist doch noch etwas passiert, das die Verpflichtung von Antonio da Silva mit Blick auf das Budget als akzeptabel erscheinen lässt. Kurz vor dem Ende der israelischen Transferperiode hat Maccabi Tel Aviv – leider nicht Lokalrivale und Schalke-Gegner Hapoel – Dimitar Rangelov für ein Jahr ausgeliehen. Über finanzielle Details oder eine Kaufoption wurde nichts bekannt.

Angesichts des aktuellen Spielsystems, in dem nur ein echter Stürmer gebraucht wird, ist das Ausleihgeschäft absolut verständlich. Die „RN“ berichten, dass bis zur Genesung von Mohamed Zidan Daniel Ginczek in der Rangordnung dritter Stürmer hinter Barrios und Lewandowski sein soll. Da frage ich mich erneut: Was ist eigentlich mit Le Tallec? In jedem Fall braucht man sich erst mal keine Sorgen um eine zu geringe Stürmerdichte zu machen. Wenn sich Barrios verletzt, ists so oder so blöd.

Vor dem Start IV: Der Sturm

„Any Given Weekend“ beleuchtet in einer fünfteiligen Serie den Stand der Dinge bei Borussia Dortmund kurz vor dem Saisonstart am 14. August in Burghausen. Ich nehme dafür die verschiedenen Mannschaftsteile unter die Lupe – unter besonderer Berücksichtigung von deren Konkurrenzfähigkeit in der Bundesliga. Daraus leitet sich die Saisonprognose ab, mit der die Serie schließt.

Über diesen Mannschaftsteil gibt es vergleichsweise wenig zu diskutieren. Im aktuellen Spielsystem des BVB ist nur eine nominelle Stürmer-Stelle zu vergeben und die Hierarchie ist eigentlich klar. Es gibt jedoch ein paar ‚wenn‘ und ‚aber‘, eines davon gleich zu Beginn. Sollte Lucas Barrios erschöpft oder gar verletzt von der Länderspielreise nach Südamerika zurückkehren, dürfte 4 1/2-Millionen-Neuzugang Robert Lewandowski doch in die Sturmspitze rücken und die Position bei einer Glanzleistung erst mal behalten.

In der Vorbereitung gelangen dem polnischen Spieler des Jahres mehrere Treffer, mit der Position hinter den Spitzen ist er allerdings noch nicht richtig warm geworden. Wenn Barrios und Lewandowski gut harmonieren, könnte Jürgen Klopp daher versucht sein, das System hin und wieder oder sogar längerfristig hin zu einem 4-4-2 zu verschieben. Und noch ein ‚wenn‘: Findet der Trainer die richtige Rolle für Lewandowski, ist der Stürmer für eine zweistellige Zahl von Toren gut. Bei Lucas Barrios scheinen sich die ‚Experten‘ wie zu Beginn seiner Dortmunder Zeit nicht einig über seine Fähigkeiten zu sein. Manche trauen ihm nicht zu, noch mal die beeindruckende Marke von 19 Treffern zu erreichen. Teilweise vermutet man Motivationsschwierigkeiten nach der WM. Vielleicht werden es tatsächlich ein paar Tore weniger – das könnte dann aber auch daran liegen, dass Barrios bessere Offensivpartner bekommt.

Eine erfolgreiche Offensive zu haben setzt selbstverständlich voraus, dass Jürgen Klopp die beste Spieler-Kombination findet. Und angesichts der ersten zwei Klopp-Jahre spricht nun wirklich nichts dagegen. Barrios und Lewandowski können mit der richtigen Unterstützung ein schlagkräftiges Duo werden. Zumindest Lucas hat schon bewiesen, dass er auch ein mitspielender Stürmer sein kann. Aber was macht der BVB mit den ganzen anderen Stürmern? Nelson Valdez wird wahrscheinlich in Kürze nach Alicante wechseln. Mohamed Zidan ist noch geraume Zeit verletzt und hängt zudem in Ägypten fest. Nach seiner Rückkehr und Genesung ist er sowohl eine Option für das offensive Mittelfeld als auch im Sturm. Dimitar Rangelov hat zwar seine Qualitäten, die er bisher nicht häufig zeigen konnte oder durfte – trotzdem dürfte er bei einem ordentlichen Angebot wohl gehen. Die Frage ist nur, wer zurzeit bereit ist, eine siebenstellige Summe zu zahlen, denn für viel weniger wird man ihn nicht abgeben wollen.

Aus dem eigenen Nachwuchs stehen Marco Stiepermann und Daniel Ginczek im Kader. Stiepermann kam in der letzten Saison auf einige Kurzeinsätze in der ersten Mannschaft und sollte daher einen leichten Vorsprung vor Ginczek haben. Beide Spieler konnten sich allerdings in den Vorbereitungsspielen nicht so aufdrängen wie Mittelfeld-Hoffnung Mario Götze. Schließlich gibt es noch den ‚Vergessenen‘. Natürlich werden BVB-Fans wissen, von wem ich rede, aber Damien Le Tallec ist nach seiner Schulterverletzung letzte Saison ziemlich aus dem Fokus gerückt. Der 20-jährige Franzose hatte sich zuvor nah an die Stammelf herangearbeitet, scheint aber von diesem Status momentan wieder weit entfernt zu sein. Hier würde ich mir vom Verein, also konkret der Website und dem Mitgliedermagazin, mehr Informationen wünschen, denn Damien hat sein Talent bereits ansatzweise zeigen können.

Der BVB hat mit Lewandowski und Barrios ein vielversprechendes Sturmpaar gefunden – wenn die beiden harmonieren. Mit Zidan, zur Not Rangelov und ein paar entwicklungsfähigen jungen Leuten ist die schwarz-gelbe Offensive auch in der Breite sehr ordentlich besetzt. Daher gehört sie für mich, trotz der ‚wenn‘ und ‚aber‘, zum oberen Drittel der Bundesliga.

1. Bundesliga, 20. Spieltag / VFB Stuttgart 4 BVB 1

Eins zu was?

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer, Santana (85. Hajnal), Subotic, Owomoyela – Sahin, Hummels – Großkreutz, Valdez (85. Götze), Kuba (22. Le Tallec) – Barrios. Tor: Barrios.

Die begeisternd aufspielende Borussia ist ein fragiles Gebilde. Nimmt man ein Puzzle-Teil vom Tisch, heute Sven Bender, stimmt das Bild nicht mehr. In der erwarteten Aufstellung mit Sahin und Hummels im defensiven Mittelfeld und Santana in der Innenverteidigung hatten die Schwarz-Gelben Mühe, ins Spiel zu kommen. Trotzdem fällt das nackte Ergebnis um etwa drei Tore zu hoch aus.

Die Umstellungen gingen nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. In der Anfangsphase wirkte das Mittelfeld weit weniger präsent als gegen Hamburg und das Stellungsspiel der Viererkette hinten ließ zu wünschen übrig. Leider fiel in dieser Phase das umstrittene 0:1. Nach einer Flanke stochert ein am Boden liegender Stuttgarter, der Ziegler vor den Füßen rumliegt, den Ball zurück zu Pogrebnyak. Umstritten ist vor allem, was folgt. Santana bekommt den Ball an den Oberschenkel, danach nimmt Pogrebnyak den Ball anscheinend mit der Hand mit. Fragwürdige Führung der Gastgeber.

Im Anschluss versuchte der BVB, das Spiel in den Griff zu bekommen, was vorerst nur mäßig gelang. Die Spieler hatten den schönen Fußball der letzten Partien verinnerlicht und spielten viele spekulative Pässe, die einem den Atem geraubt hätten, wenn sie durchgekommen wären. Heute  gingen sie jedoch meist entweder ins Leere oder wurden von der in der ersten Hälfte gut stehenden VFB-Defensive abgefangen. Trotzdem hatte der BVB nach einer halben Stunde das Momentum auf seiner Seite, von den Gastgebern kam wenig. Weiterlesen „1. Bundesliga, 20. Spieltag / VFB Stuttgart 4 BVB 1“