Nur Training und Skibbe

Dede hat einen neuen Verein. Der liegt nun doch nicht in Deutschland oder Brasilien: Die BVB-Legende hat einen Zweijahresvertrag beim türkischen Erstligisten Eskisehirspor unterschrieben. Man kann es durchaus traurig finden, dass Dede von Dortmund zu einem Verein wechselt, dessen bisheriger Trainer im Zuge des Spielmanipulationsskandals, der den türkischen Fußball aktuell beschäftigt, festgenommen wurde. Der Skandal hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass der Start der Süper Lig um einen Monat verschoben wurde. In den nächsten Wochen stehen Dede also allenfalls Training und Testspiele bevor.

Immerhin wird er mit seinem ersten Dortmunder Trainer Michael Skibbe wieder vereint sein. So, wie wir Dede in den letzten Jahren kennengelernt haben, dürfte das der entscheidende Grund für diesen Wechsel gewesen sein. Unsere Nummer 17 braucht Bezugspersonen, gerade jetzt nach der langen Zeit in Dortmund. Wie lange Skibbe eine dieser Personen sein kann, weiß man im Profifußball nie. Auch in der Türkei müssen Trainer häufig vorzeitig gehen – wobei Skibbe eher nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten wird. Es wird sich dementsprechend zeigen, ob es die richtige Entscheidung von Dede war, sich zu einem zweijährigen Engagement überreden zu lassen.

Natürlich kann er auch in seinem neuen Team gute Kollegen vorfinden und es ist Dede allemal zuzutrauen, dass er im Verein und außerhalb davon neue Freunde gewinnt. Im Kader von Eskisehirspor stehen der brasilianische Innenverteidiger Diego Angelo, der portugiesische Mittelfeldmann Pelé, der ehemalige Dortmunder Mehmet Boztepe und einige weitere türkisch-deutsche Spieler. Sprachlich sollte es also keine Probleme geben. Trotzdem fragt man sich, ob Dede sich bei seiner Entscheidung nicht zu sehr von bekannten Gesichtern hat leiten lassen – vor allem, wenn man im „Kicker“ folgendes liest:

Den Transfer eingefädelt hat übrigens der frühere BVB-Manager Michael Meier. Laut Dede war der Wechsel innerhalb von zwei Tagen perfekt.

Aber auch wenn es noch schwer fällt, daran zu glauben: Ich wünsche Dede, dass er bei seinem neuen Verein genauso glücklich wird wie er es viele Jahre in Dortmund war. Wo wir ihn hoffentlich mal wiedersehen werden – irgendwie.

Deutscher Meister schreibt auf

1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 3 Eintracht Frankfurt 1

Das vergangene Wochenende war der Abschluss einer „grandiose Saison“, wie Roman Weidenfeller sagen würde. Borussia Dortmund verabschiedete sich mit einem Ergebnis und einer Meisterfeier, die absolut zu dieser tollsten aller Spielzeiten passten. 3:1 gegen die Eintracht, keine Ausschreitungen nach dem Spiel und keine Probleme bei der Meisterfeier am Sonntag, zu der geschätzte 400.000 Menschen kamen. Noch mehr meiner Leser als sonst werden die Ereignisse live vor Ort oder in den Medien verfolgt haben – daher besteht der letzte Spielbericht der Saison aus mehr Bildern und weniger Worten als gewöhnlich.

Gegenüber von DO Hbf um halb zwölf

Die Atmosphäre vor Anpfiff im Westfalenstadion war großartig. Auf der Videowand wurde ein erneut emotionales Abschiedsinterview von Dede gezeigt und anschließend machte sich unser Liebling auf die Stadionrunde und warf Trikots ins Publikum. Mir selber war nach Feiern zumute und ich denke, den meisten Fans ist es ebenso gegangen. Es war ein fröhlicher Abschied von Dede. Natürlich nicht ohne Wehmut, aber ich habe das Gefühl, dass wir ihn irgendwann wiedersehen. Mir scheint, er selber hat die Meisterfeier genossen und so ging es mir auch. Nuri Sahin wurde ebenfalls würdig verabschiedet und kurz vor dem Spiel entrollte die Südtribüne eine tolle Meisterchoreographie. Weiterlesen „Deutscher Meister schreibt auf“

Abschied, Abstieg, Meisterfeier

Eines ist sicher: Es wird am Samstag im Westfalenstadion viele verschiedene Gefühlslagen geben. Wehmut, Freude, Wut und Trauer sind möglich, wenn Borussia Dortmund zum letzten Saisonspiel gegen Eintracht Frankfurt antritt. Vor der Partie werden die BVB-Fans Dede und Nuri Sahin mit Tränen und Applaus verabschieden. So richtig will ich mir das noch gar nicht vorstellen, gerade bei Dede, und lasse mich überraschen, wie es sein wird.

Nach dem Spiel wird BVB-Präsident Reinhard Rauball dem aktiven BVB-Kapitän Roman Weidenfeller die Meisterschale überreichen. Es wird ein großartiger Moment werden, ein Moment für die Geschichtsbücher. Ich glaube jedoch nicht, dass die Freude bei uns Fans so emotional sein wird wie nach dem Nürnberg-Spiel, als alles klar war.

Dazwischen liegen gut 90 Minuten, die vor allem darüber entscheiden werden, wie sich die Gäste – Fans, Funktionäre und Spieler – im Anschluss fühlen. Der Verein, der dem BVB am 17. Spieltag seine zweite Saisonniederlage beibrachte und dadurch auf dem siebten Platz überwinterte, steht vor dem Abstieg. Solche Abstürze hat es immer wieder gegeben, aber die meisten waren einfacher erklärbar als der der Eintracht. Verletzungen haben eine große Rolle gespielt und die fehlenden Tore des Torjägers Gekas. Fatal dürfte jedoch gewesen sein, dass der Mannschaftsgeist, der Zusammenhalt in der Rückrunde abhanden gekommen ist.

In den letzten Wochen hat die Eintracht dann einiges getan, das sie in meinen Augen zu einem verdienten Absteiger macht. Heribert Bruchhagen hat, möglicherweise auf Druck, einen nicht durchdachten Trainerwechsel vollzogen. Es scheint, dass sich die Spieler hinter dem Medienstar Daum bequem verstecken konnten. Ein ruhigerer, aber trotzdem konsequent arbeitender Mann wäre womöglich die bessere Lösung gewesen. Die Fans haben sich nach den Spielen in Mainz und gegen Köln daneben benommen. Es war nur ein kleiner Teil und ich habe den großen Teil, der ’nur‘ Stimmung macht, schon öfter gelobt. Sollten aber auch am Samstag irgendwelche Idioten gewalttätig werden, wäre das ein weiterer Grund, diesen ‚Fans‘ den Abstieg zu wünschen. Die Eintracht-Führung hat sich in den letzten Wochen zunehmend nervös gezeigt. Es gipfelte letzten Samstag in der Ansprache des Vereinspräsidenten Fischer an die durchdrehenden Fans. „Dann schlagen wir eben den Scheiß-BVB“, versprach Fischer den Anhängern. Dafür hat er sich allerdings inzwischen bei Hans-Joachim Watzke entschuldigt.

Personell hat die Eintracht weiterhin vor allem in der Defensive Probleme. Chris, Franz und Tzavellas fehlen langfristig und Ricardo Clark hat sich einen Muskelfaserriss zugezogen. Den Hessen wird kaum etwas übrig bleiben, als offensiver aufzutreten als in der Vergangenheit.

Ich würde es zwar dem VFL Wolfsburg noch eher gönnen, abzusteigen, aber da ich mir selbstverständlich einen BVB-Sieg zur Feier des Tages und der Saison wünsche, muss leider die Eintracht dran glauben. Ob es wirklich dazu kommt, weiß ich nach dem Auftritt der Schwarz-Gelben in Bremen nicht mehr. Jürgen Klopp versucht alles und lässt heute und morgen hinter verschlossenen Türen trainieren. Änderungen in der Mannschaftsaufstellung sind nicht zu erwarten – bis auf…ja, alle sind wohl gespannt, ob Dede noch einen Einsatz von Beginn an bekommt. Ich tippe stark darauf, dass Klopp ihm das zugesteht. Gut genug ist Dede dafür ohne Zweifel immer noch.

Es geht am Samstag darum, dass sich die, die Grund zur Freude haben, in Ruhe freuen können und die, die verlieren und eventuell absteigen, das in Würde tun. Über die Rollenverteilung wird hoffentlich sportlich auf dem Platz entschieden.

Ivan und der Löwe

Der bedauerliche Abschied von Nuri Sahin sorgt bei Borussia Dortmund für eine Verstärkung der Transferaktivitäten. In den vergangenen zwei Jahren war zu erkennen, dass der frühzeitige Vollzug von Verpflichtungen den Schwarz-Gelben Vorteile gegenüber so manchem Konkurrenten gebracht hat. Michael Zorc scheint auch 2011 wieder gemäß dieser Prämisse zu handeln.

Zwei Transfers stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Der Name Ivan Perisic zirkuliert schon einige Wochen durch Medien, Blogs und Foren. „Der Westen“ vermeldet nun, dass sich der 22-jährige Kroate mit dem BVB bereits einig sei und Michael Zorc mit dem FC Brügge Verhandlungen über einen Wechsel des offensiven Mittelfeldspielers führe. Perisic hat bei den Belgiern noch einen Vertrag bis 2015 und wird daher nicht ganz billig. Spekuliert wird über eine Ablöse zwischen fünf und sechs Millionen Euro. Dafür bekäme die Borussia einen torgefährlichen Spieler, der für alle offensiven Positionen im Mittelfeld in Frage käme.

Glaubt man den gewöhnlich gut informierten „Ruhr Nachrichten“, ist der Wechsel von Chris Löwe noch weiter gediehen. Der ebenfalls 22-jährige Linksverteidiger soll die Lücke schließen, die der Abgang von Dede hinterlässt. Ideell ist das kaum möglich, aber das kann man dem jungen Spieler auch nicht aufbürden. Löwe würde vom Spitzenreiter der Regionalliga Nord, dem Chemnitzer FC, kommen. Damit scheint klar, dass er wie Dede eindeutig die zweite Geige hinter Marcel Schmelzer spielen wird. Löwe ist auch im linken Mittelfeld einsetzbar und soll „einen niedrigen sechsstelligen Betrag kosten“. Als ‚zweiten Mann‘ auf der Linksverteidiger-Position einen günstigen Perspektivspieler zu holen, macht natürlich Sinn. Bleibt nur die Frage, ob der BVB für rechts hinten noch jemand holt oder auf die pünktliche Genesung von Patrick Owomoyela vertraut.

Die „Ruhr Nachrichten“ melden auch, dass Lasse Sobiech, in der laufenden Saison nominell vierter Innenverteidiger der ersten Mannschaft, an den FC St. Pauli ausgeliehen wird. Zuvor soll er seinen Vertrag nach dem Vorbild von Julian Koch verlängern.

In keinem der drei Fälle gibt es bereits einen offiziellen Vollzug zu vermelden. Die Wechselwahrscheinlichkeit liegt zwischen hoch (Perisic) und nahezu sicher (Sobiech). Es ist in jedem Fall gut zu sehen, dass sich Michael Zorc und die anderen Verantwortlichen weder aufhalten noch aus der Ruhe bringen lassen.

You’ve come a long way, Dortmund

1. Bundesliga, 30. Spieltag / BVB 3 SC Freiburg 0

Borussia Dortmund steht kurz vor dem Gewinn der deutschen Meisterschaft. Und es ist immer noch unglaublich, das zu schreiben – wenn man mal zurückdenkt. Als der BVB zum letzten Mal Meister wurde, stand Fatboy Slim, dessen LP-Titel mich zu der Überschrift inspirierte, auf dem Höhepunkt seiner Karriere und spielte vor 250.000 Leuten am Strand von Brighton. Die Borussia lernte nur wenig später, nach dem Verpassen der Champions League, die dunkle Seite des Geschäfts kennen und stand kurz vor dem Zwangsabstieg. Hans-Joachim Watzke hat kürzlich gesagt, dass der BVB kein Bundesligist mehr wäre, wenn die internationale Finanzkrise ein paar Jahre früher gekommen wäre.

Die zweite Hälfte der ‚Nullerjahre‘ lief von den Ergebnissen her meist so, wie man es erwarten konnte, es war aber dürftig anzusehen. Bert van Marwijk war der Trainer, der mithalf, die Krise zu meistern. Die nächsten beiden Übungsleiter waren alles in allem Fehlgriffe. Der Glücksgriff, der der Vereinsführung im Anschluss gelang, hat uns dorthin geführt, wo wir heute stehen. Egal wie es ausgeht – was für einen Weg hat dieser Verein mit Jürgen Klopp schon hinter sich gebracht!

Rechnerisch ist die Meisterschaft noch nicht entschieden. Sollte die Borussia nächsten Samstag bei der anderen Borussia verlieren und Leverkusen das Heimspiel gegen Hoffenheim gewinnen, hätten wir unter umgekehrten Vorzeichen die gleiche Konstellation wie nach dem 31. Spieltag der Saison 2001/02. Doch wer glaubt nach dem gestrigen Sonntag noch an einen Einbruch der Schwarz-Gelben?

Die Mannschaft zeigte nach dem Führungstor eine unglaublich souveräne, eines Meisters würdige Leistung. Schon in den ersten 20 Minuten hatte die Borussia dominiert, doch die Gäste standen in dieser Phase im Mittelfeld gut und ihre Gastgeber ließen noch etwas Biss vermissen. Die Freiburger spielten jedoch an der Grenze des Erlaubten, waren teilweise überaggressiv und für das Foul an Nuri Sahin, das zu dessen späterer Auswechslung führte, hätte Mujzda Gelb sehen müssen. Weiterlesen „You’ve come a long way, Dortmund“

Traumtore gegen den neuen Lieblingsgegner

1. Bundesliga, 28. Spieltag / BVB 4 Hannover 96 1

Lange Zeit war Hannover 96 eher ein Angstgegner der Borussia. Ich erinnere mich vor allem an viele unbefriedigende Auswärtsspiele. Nach dem heutigen Sieg hat der BVB jedoch in drei der letzten vier Partien gegen die Niedersachsen vier Tore erzielt (und jeweils gewonnen). Das könnte von mir aus gerne der neue Standard werden.

Der kleine HSV spielt ohne Zweifel eine hervorragende Saison, die ich Mirko Slomka trotz seiner blauen Vergangenheit sogar gönne. Es gab gestern allerdings schon die fünfte Niederlage mit drei oder mehr Toren Unterschied, die Mannschaft bricht nach einem Rückstand öfter ein. In diesen Fällen zeigt sich, dass das Team (noch) nicht die Geschlossenheit des BVB und auch nicht die gleiche Qualität hat.

Das Ergebnis fällt natürlich deutlicher aus als es das Spiel lange Zeit war. Die Borussia tat sich vor allem in der Anfangsphase schwer. Da mag etwas Nervosität dabei gewesen sein, aber Hannover versteht es auch sehr gut, mit Dortmunder Mitteln – defensive Disziplin, konsequentes Pressing – zu operieren. Es dauerte eine gute Viertelstunde, bis sich die Schwarz-Gelben eine Feldüberlegenheit erspielen konnten. Schnelles, schnörkelloses Spiel war in Ansätzen zu sehen, wurde jedoch von der gegnerischen Viererkette oder dem berühmten fehlenden letzten Pass in seiner Wirksamkeit eingeschränkt. So blieb es bei vereinzelten Chancen der Borussia, die mal wieder ungenutzt blieben.

Lucas Barrios hatte in der 18. Minute allein vor Fromlowitz die Führung auf dem Fuß – anstelle eines Schusses kam jedoch nur ein Schieber Richtung linke Ecke heraus, den der Torwart unschädlich machen konnte. Barrios entsprach gestern dem Klischee vom unsichtbaren Torjäger: Lange Zeit nicht zu sehen (was nicht lauffaul bedeutet), ohne Fortune, um dann in der letzten halben Stunde noch zwei Treffer und eine Vorlage rauszuhauen. Weiterlesen „Traumtore gegen den neuen Lieblingsgegner“

Gute und weniger gute Nachrichten aus Dortmund

Normalerweise wäre diese Überschrift deutlich überschwänglicher ausgefallen, aber angesichts der fürchterlichen Ereignisse in Japan halte ich es für unangebracht, die vergleichsweise unbedeutenden Vorgänge bei einem westfälischen Fußballverein zu überhöhen. Es ist nicht das erste Mal, dass man als Fußball-Blogger zwischen Weltlage und Sport in einem Dilemma steckt, aber nach meiner persönlichen Einschätzung ist es das größte bisher. Trotzdem hilft es niemandem in Japan, wenn ich meine Beiträge zu meinem eigentlichen Thema einschränke. Deshalb bleibt es bei dem Appell an alle, alles zu tun, damit sich die Teile dieser Katastrophe, die von Menschen verhinderbar sind, nirgendwo auf der Welt wiederholen können.

Zu den guten Nachrichten. Schneller als in den letzten Wochen erwartet hat Mats Hummels seinen Vertrag bei Borussia Dortmund bis 2014 verlängert! Der Innenverteidiger, der nach seinem Wechsel von den Bayern einen kometenhaften Aufstieg in schwarz-gelb hingelegt hat und der einer der wichtigsten Garanten für den Erfolg in dieser wunderbaren Saison ist, hat damit seinen Worten Taten folgen lassen. Natürlich bleiben die genauen Vertragsinhalte geheim, aber es ist davon auszugehen, dass Mats deutlich mehr verdienen wird und dass sich der Verein nicht erneut auf eine Ausstiegsklausel eingelassen hat – sollte es sie denn im bisherigen Vertrag überhaupt gegeben haben. Hummels Verbleib in Dortmund ist ein entscheidender Baustein für den langfristigen Erfolg, der nur durch eine vorzeitige Verlängerung von Nuri Sahin noch übertroffen werden könnte.

Kurzfristig viel bedeutender sind die positiven Neuigkeiten von Sven Bender. Seine Zwangspause wird sehr viel kürzer sein als selbst in den optimistischen Prognosen angenommen. Die Kernspinuntersuchung durch Doc Braun hat ergeben, dass sich der defensive Mittelfeldspieler nur eine Kapselzerrung in der Schulter zugezogen hat und somit lediglich für einige Trainingstage ausfallen wird. Bereits übermorgen soll er wieder einsteigen und am Samstag gegen Mainz spielen können!

Ungetrübt bleibt der Tag jedoch auch aus rein schwarz-gelber Sicht nicht. Neben Mats‘ Vertragsverlängerung gab der BVB heute ebenfalls bekannt, dass die Ära Dede im Sommer enden wird! Bei dieser Nachricht dürfte es den meisten BVB-Fans so gehen wie mir: Ich finde das sehr traurig. Dede war bekanntlich mit 13 schwarz-gelben Jahren der dienstälteste Dortmunder und ich hätte mir gewünscht, dass dieser Musterprofi seine Karriere bei uns beenden kann, so wie er es sich in den letzten Jahren gewünscht hatte. Aus der Verlautbarung des Vereins und der heutigen Pressekonferenz (anzuschauen bei den „Ruhr Nachrichten„) geht hervor, dass sich Dede nach Gesprächen mit Jürgen Klopp und Michael Zorc selbst entschieden hat zu gehen, da der Trainer auch in Zukunft auf Marcel Schmelzer setzen will. Nicht zu Unrecht findet sich der 32-jährige noch zu gut für die Ersatzbank:

Schmelle spielt gut, er ist ein super Kollege. Aber ich bin noch schnell, habe noch meine Qualitäten und fühle mich zu jung, um auf der Bank zu sitzen. (…) Die Entscheidung, so lange hier zu bleiben, war die richtige. Ich würde sie noch einmal treffen.

Da es scheinbar auch nicht um Geld ging, müssen wir die Entscheidung des Vereins und von Dede schweren Herzens akzeptieren. Es wird aber nicht leicht sein, ihn demnächst womöglich für eine gegnerische Mannschaft auflaufen zu sehen, denn ein Verbleib in der Bundesliga gilt als gut möglich. Eine ausführliche Würdigung von Dedes Zeit beim BVB folgt hier nach Saisonende – denn mindestens bis dahin ist er Dortmunder.

Eine weitere negative Nachricht kommt aus Duisburg bzw. dem Klinikum Dortmund. Der an den MSV ausgeliehene Julian Koch wurde in besagtem Krankenhaus zum zweiten Mal an seinem verletzten Knie operiert und wird sich in zwei Monaten einer weiteren OP – dann am angerissenen Kreuzband – unterziehen müssen. Der 20-jährige hatte vor seiner Verletzung auf verschiedenen Positionen für Furore gesorgt und großen Anteil daran, dass die Duisburger das Pokalfinale erreicht haben und bis vor kurzem noch im Aufstiegsrennen waren. Koch hätte in der nächsten Saison auch in Dortmund gute Chancen auf einen Platz im Kader gehabt – nun wird er sich eventuell bis zur Rückrunde gedulden müssen. Daraus ergeben sich neue Perspektiven für Patrick Owomoyela. Michael Zorc wird entscheiden müssen, ob er dem Rechtsverteidiger doch den gewünschten Zweijahresvertrag anbietet oder möglicherweise ein Leihgeschäft mit einem anderen Spieler in Frage kommt. Das Wichtigste jedoch: Gute Besserung, Julian!

Die Geschichte der O’s

Vor gut 23 Jahren gewann Borussia Dortmund im DFB-Pokal zum letzten Mal gegen eine Mannschaft aus einem Ort, der mit ‚O‘ beginnt. Gegen den FV Offenburg benötigte man ein Wiederholungsspiel vor heimischer Kulisse. Dieses entschieden die Schwarz-Gelben am 6. Oktober 1987 mit 5:0 für sich. Übermorgen ist der BVB bei den Kickers OffenBACH zu Gast. Ein gutes Omen nach dieser langen Durststrecke? Zugegeben, es gab seither genau ein Pokalspiel gegen einen O-Verein: Das ärgerliche 2:3 in Osnabrück während der letzten Spielzeit. Das scheinbar noch so sehr nachwirkt, dass es mich auf diese herrlich sinnfreien statistischen Pfade geführt hat. Aber so macht man das doch in den Medien, wenn man einen Pokal-Vorbericht schreiben will, oder?

Es gibt durchaus Parallelen zu letztem Jahr: Offenbach ist wie zuvor Osnabrück ein Drittliga-Verein mit Aufstiegsambitionen. Momentan sind die Kickers sogar Spitzenreiter. Der BVB sollte und wird gewarnt sein. Die Hessen zeichnen sich auch durch ihre Heimstärke, ihre kämpferische Einstellung und den erfolgreichen Sturm aus. Olivier Occean, der führende Torschütze der Dritten Liga, wird denjenigen schon ein Begriff sein, die gelegentlich die Samstags-Sportschau von Anfang an verfolgen. Auf dem Trainerstuhl sitzt ebenfalls ein alter Bekannter: Wolfgang Wolf. Ein Trainer, dem ich zutraue, seine Mannschaft gerade auf ein Pokalspiel hin einstellen zu können.

Verzichten muss Wolf am Mittwoch auf Mittelfeldspieler Denis Berger, der einer der wichtigsten Vorbereiter der Kickers ist. Doch den BVB hat es ebenfalls hart getroffen. Sven Bender, der am Sonntag dann doch eine Halbzeit lang irgendwie mitwirkte, soll definitiv geschont werden. Er laboriert weiterhin an muskulären Beschwerden im Oberschenkel, die sich im Hinblick auf die nächsten Spiele lieber nicht verschlimmern sollten. Kuba hat sich gegen Hoffenheim dummerweise kurz vor seiner Auswechslung an den Adduktoren verletzt und wird ebenso fehlen wie  Patrick Owomoyela und die bekannten weiteren Rekonvaleszenten.

Und dann gibt es da noch die beiden, die Beschwerden haben: Marcel Schmelzer und Nuri Sahin. Bei Marcel könnte ich mir gut vorstellen, dass Klopp ihm eine Pause und Dede einen weiteren Einsatz gönnt. Sahins Ideen würden im Mittelfeld jedoch fehlen, zumal ja Kagawa in den letzten zwei, drei Spielen nicht so geglänzt hat wie zuvor. Deshalb wird Nuri wenn möglich spielen. Vorstellbar ist eine Rotation im offensiven Mittelfeld, die momentan nicht unbedingt einen Qualitätsverlust bedeuten würde. Kuba muss, Kagawa könnte und Großkreutz sollte ein Spiel aussetzen. Natürlich wird aber einer der beiden letzteren spielen müssen.

Es wird am Bieberer Berg vermutlich keinen Dortmunder Spaziergang geben. Weder im positiven noch im negativen Wortsinn. Unsere Defensive hat schon eine andere Qualität als die eines Drittligisten. Die Mannschaft wird sich die Pleite von Osnabrück zu Herzen genommen haben. Andererseits treten wir definitiv nicht in Bestbesetzung an und müssen uns auf ein Team einstellen, das eine ähnlich kämpferische Einstellung haben wird wie die Hoffenheimer – nur nicht ganz deren Klasse.

Mutige Lehrlinge

Europa League, 3. Spieltag / BVB 1 Paris St. Germain 1

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (46. Götze) – Großkreutz, Kagawa (66. Lewandowski), Kuba (82. Feulner) – Barrios. Tor: Sahin (EM)

Trotz eines couragierten Auftritts steht Borussia Dortmund auch nach dem zweiten Europa League-Heimspiel mit weniger Punkten als erhofft da. Gegen PSG reichte es immerhin zu einem Unentschieden. Nicht jeder wird mir zustimmen, aber mMn hatten die Schwarz-Gelben gestern mehr Recht, sich beim Schiedsrichter-Team zu beschweren als gegen Sevilla.

Drei Minuten vor Ende der offiziellen Spielzeit kam es zu der unübersichtlichen Situation im BVB-Strafraum. Unter anderem durch eine Unachtsamkeit des eingewechselten Götze kam der eingewechselte Chantome aus kurzer Distanz zum Schuss. Dabei stand jedoch ein anderer PSG-Spieler im passiven Abseits und Roman Weidenfeller im Blickfeld. Der späte Ausgleich hätte nicht zählen dürfen. Ansonsten wirkte der schwedische Schiedsrichter Eriksson allerdings souveräner als Mike Dean gegen Sevilla. Er sah das Foul an Kuba (Sakho klammerte), das zum Elfmetertor durch Sahin führte, wertete allerdings das ‚Handspiel‘ eines PSG-Spielers fünf Minuten vor Schluss zu Recht als unabsichtlich.

Wie gegen Sevilla scheiterten die Borussen letztlich an der Chancenverwertung. Erwartungsgemäß traten die Franzosen im Westfalenstadion stärker auf als die Andalusier, die Schwarz-Gelben hatten jedoch trotzdem ein Chancenplus und das Spiel über weite Strecken in der Hand. Lucas Barrios hätte in der ersten Halbzeit mit Kopf oder Fuß treffen können – der Ball ging jedoch an den Pfosten und das andere Mal knapp vorbei. Ansonsten fehlte es gegen die gut stehenden Gäste zunächst an Effektivität, aus der optischen Überlegenheit wurde zu wenig gemacht und in der letzten Viertelstunde kam PSG besser ins Spiel. Sahin und vor allem Großkreutz spielten bis zur Pause unter ihren Möglichkeiten. Kevin hätte gestern m.E. in der zweiten Halbzeit anstelle des starken Kuba ausgewechselt werden sollen.

Die Führung in der 51. Minute, der schon ein leider abgefälschter Torschuss von Götze vorausgegangen war, tat uns wieder mal gut. In der Folge hätte das 2:0 fallen müssen, die Chancen waren da – unter anderem durch Kagawa, Barrios und Lewandowski. Aber wie in der ersten Hälfte fand PSG wieder ins Spiel. Zunächst waren der erneut gute Weidenfeller oder Lewandowski am Pfosten noch auf dem Posten. Dann gab es doch noch das tragische Zusammenspiel der beiden Einwechselspieler Hoarau und Chantome mit dem Schiedrichter-Assistenten. Trotzdem war es kein Ausgleich aus heiterem Himmel, also auch kein völlig ungerechtes Ergebnis.

Es lag an der Chancenverwertung. Jedoch wäre es auch Wahnsinn, wenn bei dieser Mannschaft schon alles perfekt laufen würde. Nach dem Kurzauftritt vor zwei Jahren und der Abstinenz in der letzten Saison können die Schwarz-Gelben in der Europa League-Gruppenphase nicht die Favoriten sein. Die Hoffnung aufs Weiterkommen beruhte nicht unwesentlich auf der Prämisse, dass sich PSG in einer längerfristigen Krise befindet. Diese haben die Franzosen jedoch offensichtlich überwunden. Trotzdem: Es wird schwer, aber es ist noch was drin in der EL. Wir standen lange Zeit gut, Innen- wie Außenverteidiger. Dedes Comeback war sehr ordentlich. Und Kevin Großkreutz hat trotz seines mäßigen eigenen Auftritts Recht, wenn er sagt:

Mit vier Punkten stehen wir nicht schlecht und müssen jetzt einfach auswärts gewinnen, dann klappt das mit dem Weiterkommen. Und wir wissen, dass wir auch auswärts stark sind.

Nebengeräusche bleiben allein Sache der Medien. In den letzten Tagen hat sich Nuri Sahin zum BVB bekannt. Lucas Barrios hat sich sogar sehr deutlich zum BVB bekannt. Dortmund bietet Spielern offensichtlich wieder Argumente für einen längeren Aufenthalt.

Savoir vaincre

Borussia Dortmund bereitet sich auf den dritten Spieltag in der Gruppenphase der Europa League vor. Werden wir gegen PSG einen weiteren ‚Nägelkauer‘ erleben? Die ersten beiden Begegnungen haben die Latte jedenfalls hoch gelegt. In der Bundesliga sind die Schwarz-Gelben in Hochform und bester Laune. In der Europa League könnten wir am Donnerstag einen Sieg gebrauchen. So wie es aussieht, muss der BVB entweder die Franzosen oder den FC Sevilla hinter sich lassen, um die nächste Runde zu erreichen.

Das Rezept zum Sieg muss jedoch erst mal gefunden werden. Die Hauptstädter haben ihren schwachen Saisonstart vergessen gemacht und stehen mittlerweile punktgleich vor Meister Marseille auf Platz 3. Am Wochenende gelang ein 2:0-Auswärtssieg beim zuvor besser platzierten FC Toulouse. Die BVB-Website hebt die gefährlichen Offensivkräfte Nené und Hoarau hervor, die bisher die meisten Tore erzielt haben. Letzterer war bekanntlich, wie so viele andere, vor der Saison ein interessanter Spieler für Felix Magath. Nicht außer Acht lassen sollte man den türkischstämmigen Stürmer Mevlut Erdinc, der in Toulouse sein zweites Saisontor erzielt hat. Wie der BVB werden die Franzosen also mit Rückenwind in die Partie am Donnerstag gehen.

Bei den Schwarz-Gelben wird es ein Comeback geben, über das sich viele freuen. Bei aller Wertschätzung für Marcel Schmelzer ist es schön, dass Dede gegen PSG mal wieder ein Spiel machen darf. Marcel ist gesperrt, Dede wieder fit – daher wird Letzterer übermorgen links hinten alles geben, wie immer in seiner Dortmunder Zeit. Sein Motto dafür: „Einfach spielen, keine verrückten Sachen machen“. Ansonsten spricht in diesem wichtigen Spiel wenig für weitere Änderungen. Sollte Klopp doch ein bisschen rotieren wollen, könnten Götze oder Lewandowski in die Mannschaft rücken und ein oder zwei aus dem offensiven Mittelfeld bekämen eine Pause. Patrick Owomoyela sollte in den Kader zurückkehren können – letzte Infos stehen noch aus – aber hinten rechts wird vermutlich erst mal Lukasz Piszczek beginnen.

Ob es am Donnerstag erneut ein Drama wie in Lviv oder gegen Sevilla gibt, ist natürlich schwer zu sagen. Wir können aber von einem enorm spannenden Spiel ausgehen. PSG ist in der momentanen Verfassung vielleicht sogar stärker als Sevilla – umso wichtiger wäre ein Heimsieg und sei es auch mit Glück. Der Statistik der letzten Spiele nach hat auch die Defensive der Franzosen einen guten Job gemacht. Der BVB muss einen Weg da durch finden, z.B. durch intelligente Pässe in die Tiefe, denn PSG führt die Gruppe an und hat keinen Grund, übermäßig offensiv zu spielen. Eine echte Herausforderung!