Schafböcke nach neun Monaten gerettet

Ein Happy End. Nur im Fußball, aber immerhin. Der Traditionsverein Derby County, gegründet 1884 und einst erfolgreich unter dem großen Brian Clough, hat einen neuen Besitzer, der die ersten drei Buchstaben seines Nachnamens mit der Trainerlegende gemeinsam hat. David Clowes beziehungsweise sein Unternehmen Clowes Developments hat heute die Übernahme der „Rams“ vollendet und somit den Klub aus den East Midlands aus der Insolvenz geholt.

Die ganze Vorgeschichte findet ihr im letzten Beitrag. Zwei Tage nach dem ursprünglich angepeilten Mittwoch hat die existenzbedrohende Situation nun ein Ende gefunden. Die Abwicklung des Deals sei beispiellos komplex gewesen, betonte Andrew Hosking, einer der Insolvenzverwalter – sicherlich nicht ganz ohne den Hintergedanken, die Länge des Verfahrens zu rechtfertigen, das im September 2021 begonnen hatte.

Clowes schreibt den Fans

Doch das Ende scheint nun beinahe ideal. Ein erfolgreicher und gleichzeitig bodenständiger Unternehmer aus der Region als Eigentümer – viel besser wird es im englischen Profifußball abseits der wenigen fangeführten Vereine nicht. David Clowes hat in einem offenen Brief an die Fans um Geduld gebeten. Er und sein Team bräuchten noch Zeit, um sich ein Bild von innen zu verschaffen, Gespräche zu führen und dann im Anschluss womöglich Veränderungen vorzunehmen.

Dort, wo es schnell gehen muss, soll es schnell gehen: Die Rams brauchen rund vier Wochen vor Saisonstart dringend Spieler – mehr als eine gute Handvoll Profis stehen derzeit nicht unter Vertrag. Natürlich wurden im Hintergrund schon Gespräche vor allem mit vertragslosen Spielern geführt. Es könnten also schon bald erste Vollzugsmeldungen folgen. Alle Transfers müssen einem Business Plan gehorchen, auf den sich die neuen Besitzer mit den Insolvenzverwaltern und dem Ligaverband EFL geeinigt haben. Das heißt: Neuzugänge können nur registriert werden, wenn Transfersumme, Spielergehalt und Beraterkosten vorgegebene Beträge nicht überschreiten. In diesem Rahmen steht es Derby County aber wieder frei, die Transfers zu tätigen, die der Trainer und andere künftig sportlich Verantwortliche für nötig halten.

David Clowes macht in seiner Botschaft an Fans und Angestellte des Vereins auch Hoffnung, dass Vieles, was bei den Rams in der Vergangenheit gut gelaufen ist, erhalten bleibt: Die Jugendakademie soll weiter zur höchsten Kategorie gehören, die gemeinnützige Arbeit des „Community Trust“ in Derby und Umgebung fortgeführt werden. Und Clowes will auch die Frauenmannschaft, Derby County FC Women, ein eigener Verein, aber eng mit den Männern assoziiert, weiter unterstützen. Das alles hört sich für lang leidende Fans sehr positiv an. Einfach wird der Weg zurück aber sicher nicht – für den Verein, der noch vor wenigen Jahren ans Tor zur Premier League klopfte und sich nun einen Kader für die dritte Liga basteln muss. Es könnte heute trotzdem ein entscheidender, womöglich historischer Schritt gelungen sein.

Weiche Landung in Sicht? Neue Hoffnung für Derby County

Seit fast zwei Jahren geht es für die „Rams“ abwärts. Nicht stetig, aber bisher unaufhaltsam. Genau das ist das besonders Schmerzhafte für die Fans: Immer wieder keimte Hoffnung auf, schien sich etwas zu bewegen. Und immer wieder wartete man vergebens. Die sportliche Talfahrt von Derby County begann bereits in der Saison 2020/21: Unter Trainer-Novize Wayne Rooney konnten sich die Rams erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg retten. Nicht geholfen hatte in jener Saison ein weiches Transferembargo aufgrund von Verfehlungen der Vereinsführung im finanziellen Bereich. Alles zur Situation im letzten Sommer könnt ihr in meinem damaligen Artikel nachlesen.

Der damalige Klubbesitzer Mel Morris galt selber als Derby-Fan und hatte sich in den Jahren zuvor immer mal wieder in die Arbeit der Angestellten eingemischt. 2021 wollte er den Klub verkaufen. Zwei Übernahmeversuche waren bereits gescheitert (siehe den oben verlinkten Artikel). Dann folgte das Szenario, das die Fans nicht für möglich gehalten hätten und das Morris alle Sympathien gekostet hat: Der Eigentümer meldete für die Rams Insolvenz an. Allerdings nicht für das Stadion Pride Park, das er sich ein paar Jahre zuvor quasi selbst verkauft hatte.

Mit 21 Minuspunkten gegen den Abstieg

Die Konsequenz: In der abgelaufenen Saison wurden den Rams zunächst 12 Punkte für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens abgezogen. Als Insolvenzverwalter wurde die Firma Quantuma eingesetzt. Sie konnte nicht verhindern, dass im November ein weiterer Neun-Punkte-Abzug aufgrund von Verstößen gegen die Regeln zur Profitabilität und Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit dem Stadionverkauf erfolgte. Mit insgesamt 21 Minuspunkten war der Klassenerhalt der Rams schon mitten in der Saison in weite Ferne gerückt. Nicht, dass Wayne Rooney, sein Assistent Liam Rosenior und die Mannschaft nicht alles versuchten: Bis ins neue Jahr hinein hatten sie den enormen Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz so weit reduziert, dass der Klassenerhalt zumindest denkbar erschien. Die Fans zogen mit und feierten den fast aussichtslosen Kampf ihres Teams.

Weiterlesen „Weiche Landung in Sicht? Neue Hoffnung für Derby County“

Schlafender Riese oder Lachnummer: Schafböcke am Scheideweg

Es war Weihnachten, als sich Any Given Weekend zuletzt mit Derby County beschäftigte, einen Tag vor der Partie der „Rams“ gegen Preston North End in der zweitklassigen englischen Championship (Endstand 0:1). Beiden Vereinen geht es heute nicht besser als damals; in Derby sieht es sogar noch deutlich düsterer aus. Immerhin weiß der Verein noch im FC Hollywood-Style zu unterhalten – doch dazu später mehr.

Zum besseren Verständnis der Lage empfehle ich ganz uneigennützig die Lektüre des oben verlinkten Artikels. Nicht geändert haben sich seither zwei entscheidende Personalien: Wayne Rooney ist weiterhin Trainer der „Rams“ und Mel Morris Eigentümer des Clubs. Ausnahmsweise ist in diesem Fall der Verbleib des Manns an der Seitenlinie weniger überraschend als der des Besitzers. Morris, ein eingefleischter Fan, wollte Derby County schon seit einiger Zeit loswerden – aus gesundheitlichen, aber auch finanziellen Gründen. Monatelang stand, wie berichtet, eine Übernahme durch einen Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten „kurz bevor“. Der Mann hatte früher schon erfolglos versucht, Newcastle United zu kaufen – und auch der Deal mit Derby scheiterte.

Herbeifantasierte Übernahme

Im Frühjahr erfolgte dann ein Übernahmeversuch durch den Spanier Erik Alonso. Auch dieser wurde vom Verein als fast perfekt gemeldet – nur die Zustimmung des Ligaverbands EFL fehle noch. Doch auch Alonso konnte letztendlich nicht glaubhaft darlegen, dass er den Verein längerfristig hätte finanzieren können. Wenige Monate zuvor war er noch beim ebenfalls krisengeschüttelten und inzwischen abgestiegenen Konkurrenten Sheffield Wednesday als Berater tätig gewesen. Als sich Club-Besitzer Dejphon Chansiri von ihm trennte, unternahm Alonso einen eher komischen als ernsthaften Versuch, die „Owls“ zu übernehmen. Der renommierte Fußball-Finanzexperte Kieran Maguire vom exzellenten Podcast Price of Football hat den Spanier sicher nicht leichtfertig einen „Fantasten“ genannt. Mel Morris hatte also auch mit seinem zweiten Kandidaten innerhalb eines Jahres kein Glück.

Weiterlesen „Schlafender Riese oder Lachnummer: Schafböcke am Scheideweg“

Zwei Wege, ein Ziel: Derby County v Preston North End

Alle wollen in die Premier League. Für Neulinge in Englands zweitklassiger Championship ist das manchmal ein längerfristiges Ziel. Nicht jedoch für die dort etablierten Traditionsvereine Derby County und Preston North End, die am Boxing Day (26.12.) in Derbys Pride Park-Stadion aufeinandertreffen. Die Gastgeber, gegründet 1884, begreifen sich – nicht zu Unrecht – als großen Club, der einfach in die höchste Spielklasse gehört. Preston wiederum, gegründet 1880, war einst der erste und zweite Meister nach Einführung des englischen Ligafußballs, wartet inzwischen aber seit fast 60 Jahren auf die Rückkehr in die Erstklassigkeit.

Beide Vereine eint zwar ein Ziel, doch ihre Profile und ihre Herangehensweise könnten kaum unterschiedlicher sein. Derby – die „Rams“ – stand in den letzten Jahren für einen Zweitligisten oft im Rampenlicht. In der letzten Spielzeit gab es einen groß publizierten Zwischenfall nach einer Mannschaftsfeier, als mehrere Spieler betrunken ins Auto stiegen und einen Unfall verursachten, bei dem der damalige Mannschaftskapitän Richard Keogh verletzt wurde. Keogh wurde in der Folge gefeuert, andere Beteiligte ’nur‘ bestraft.

Sportliche Schlagzeilen schrieben die Rams mit der Verpflichtung von Wayne Rooney aus den USA, der zunächst als Spieler eingeplant war und inzwischen, zumindest temporär, auf der Trainerbank sitzt. Ermöglicht wurde der Giganten-Transfer offenbar durch den gemeinsamen Sponsor 32Red, einem Anbieter von Online-Casinos und Sportwetten. Dass Rooney in der Folge die Rückennummer 32 trug, war natürlich reiner Zufall. Weiterlesen „Zwei Wege, ein Ziel: Derby County v Preston North End“

Mit 38 von Los Angeles nach Derby

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres spricht die ganze Welt von Derby County. Vielleicht nicht ausnahmslos jeder Mensch, aber viele Fußballinteressierte und  Sportmedien nicht nur im Vereinigten Königreich dürften registriert haben, dass nach Frank Lampard erneut ein großer Name des englischen Fußballs zum Zweitligisten aus der 250.000-Einwohner-Stadt Derby in den East Midlands stößt.

Es ist natürlich kein Zufall, dass Linksverteidiger Ashley Cole zu Trainer Lampard kommt. Die beiden spielten lange zusammen bei Chelsea und in der Nationalmannschaft. Coles erster Klub war der FC Arsenal. Allerdings ist Cole nur zwei Jahre jünger als Lampard, nämlich 38. Alles deutete darauf hin, dass er seine Karriere in der MLS bei Los Angeles Galaxy ausklingen lassen würde. Doch nachdem im letzten Jahr sein Vertrag dort nicht verlängert wurde, zieht es ihn jetzt zurück in die Heimat, auch wenn es ’nur‘ die Championship ist.

Ashley Cole hatte vor einigen Jahren einen exzellenten Ruf in England, zumindest sportlich: Er galt als der beste Linksverteidiger des Landes. Doch wie kommt er nun mit 38 nach Derby? Durch ein klassisches „Old Boys network“? Die gemeinsame Vergangenheit mit Lampard half sicherlich. Aber natürlich wird auch von Coles sportlichen Vorzügen gesprochen. Natürlich ist er nicht mehr die 28-jährige Version. Aber er ließ verlauten, dass er auch nicht in jeder Woche einen Startelfplatz erwartet. Der Veteran wäre wohl schon zufrieden, wenn er den in dieser Saison zahlreicheren jungen Spielern etwas mit auf den Weg geben könnte. Eine Rolle als Coach, in Derby oder anderswo, erscheint nach dieser Saison möglich. Weiterlesen „Mit 38 von Los Angeles nach Derby“

Was sind die guten Vorzeichen wert?

Ein Topspieler wird Trainer und startet gleich von null in die zweite Liga. Kein Wunder, dass es ein paar Fragezeichen gab, als Frank Lampard wie berichtet beim Championship-Sechsten Derby County übernahm. Diese sind noch nicht verschwunden – schließlich ist noch kein Pflichtspiel absolviert. Doch in Derbyshire ist viel Zuversicht zu spüren.

Die Saisonvorbereitung startete mit Licht und Schatten – einem deutlichen Sieg beim Nachbarn Notts County aus Nottingham folgte ein schwacher Auftritt beim 1:3 in Mansfield. Beide Gegner spielen zwei Klassen tiefer in der League Two. Doch rechtzeitig vor Saisonstart setzten die Rams Ausrufe- statt Fragezeichen: Gegen den Premier League-Klub FC Southampton gelang ein blitzsauberer 3:0-Heimsieg.

Und dann war da zuletzt das Match gegen den Premier League-Aufsteiger Wolverhampton Wanderers. Die haben einen portugiesischen Trainer, chinesische Investoren mit besten Verbindungen zu einem einflussreichen portugiesischen Spielerberater und gegen Derby standen fünf portugiesische Spieler in der Startelf. Das Endergebnis: 2:1 für die Rams.

Die Ergebnisse aus Testspielen sind das eine. Doch Frank Lampard packt auch die dringend nötige Verjüngung des Kaders an. Von bisher fünf Neuverpflichtungen sind vier unter 25 Jahre alt: Aus Liverpool wurde Flügelspieler Harry Wilson ausgeliehen, von Chelsea Mittelfeld-Hoffnung Mason Mount. Fest verpflichtet wurden Stürmer Jack Marriott, der letzte Saison Star des Drittligisten Peterborough United war, sowie Mittelfeldspieler George Evans, der soeben ausgerechnet vom ersten Gegner Reading kam. Der niederländische Flügelmann Florian Josefzoon (von Brentford) ist mit 27 Jahren schon der Oldie unter den Neuen. In der letzten Saison hatten die Rams zeitweise den ältesten Kader der Liga.

Wie so manch anderer Verein muss sich Derby County jetzt ’nur noch‘ darum kümmern, den Kader etwas zu verschlanken. Zuvor eröffnen die Rams am Freitagabend im Madejski Stadium des FC Reading die neue Championship-Saison. Und wir sind ein bisschen schlauer, was der eloquente Herr Lampard auf der Trainerbank kann.

Der Star auf der Trainerbank

Vor gut einer Woche schaffte es eine Nachricht aus der zweiten englischen Liga in den deutschen Videotext. Eine Ausnahme – dank Frank Lampard, der zum neuen Trainer von Derby County ernannt worden war. Lampard, bekannt als großer Mittelfeldstratege von Chelsea, als Opfer der „Rache für Wembley“ – jenes deutlich sichtbaren, aber nicht gegebenen Tores im WM-Spiel England gegen Deutschland 2010. Aber eben nicht bekannt als erfolgreicher Trainer – einfach deshalb, weil Derby seine erste Station als solcher ist.

Die Vorgeschichte aus Sicht der ‚Rams‘: Lampards Vorgänger Gary Rowett führte den Klub in dieser Saison in die Play-Offs der Championship. Dort unterlag man im Halbfinale dem FC Fulham nach Hin- und Rückspiel mit 1:2. Eine wochenlange Schwächephase Anfang des Jahres kostete Derby den direkten Aufstieg. Nach der Saison kündigte Klubbesitzer Mel Morris wegen der Erfordernisse des Financial Fair Play eine zurückhaltende Transferpolitik an. Rowett zog es vor, trotz seines im Winter verlängerten Vertrages zum Premier League-Absteiger Stoke City zu wechseln. Dem stehen im Sommer die berühmten „Parachute payments“ zur finanziellen Abfederung des Abstiegs zur Verfügung.

Morris und Derby County hätten nun auf einen schon erprobten und gerade freien Trainer setzen können. Die gehandelten Namen waren allerdings nicht sonderlich inspirierend. So entschloss man sich zum Wagnis mit dem Starspieler, der zuletzt als TV-Experte gearbeitet hatte. Aber eben noch nie als Trainer. Frank Lampard gilt als sprachgewandt und intelligent – doch macht das die fehlende Erfahrung wett?

Zweiter Schritt vor dem ersten?

Natürlich gibt es dazu zwei mögliche Sichtweisen. Hätte sich Lampard seine Sporen nicht in kleineren Vereinen verdienen, erst mal in der League Two anfangen können? War er sich für viertklassige Klubs zu schade? Verpflichtete Derby ihn nur wegen seines großen Namens und weil er sich so gut verkaufen konnte? Für einen ambitionierten Zweitligisten ist diese Personalentscheidung ohne Zweifel ein Risiko.

Doch – und wir kommen zur anderen Denkschule – ist nicht jede Trainerverpflichtung ein Risiko? Ist Lampard nicht eine Persönlichkeit, die es verdient, dass man Vertrauen in sie hat? Über eines sind sich die meisten Fans jedenfalls einig: Es ist eine inspirierende Entscheidung, die das Potenzial hat, nicht nur die Aufmerksamkeit der Medien, sondern auch die von interessanten Spielern zu wecken. Die einen reden vom Chelsea-Nachwuchs, der bald auf Leihbasis in den Pride Park strömen könnte, die anderen von Lampards Ex-Mannschaftskameraden John Terry, der Zweitligist Aston Villa verlassen wird, nachdem die den Aufstieg verpasst haben.

Eine Chelsea-Connection hat schon mal funktioniert: Lampards Co-Trainer in Derby wird Jody Morris, ein weiterer ehemaliger Mitspieler. Der hat als Trainer im Jugendbereich bei Chelsea schon Beachtliches erreicht. Trotz des extrem aufgeblähten Profikaders beim West-Londoner Klub gilt die Jugendarbeit als ausgezeichnet. Morris‘ Verpflichtung könnte auch dahingehend interpretiert werden, dass die beiden jungen Trainer nun auch die Verjüngung des Rams-Kaders anpacken. Die ist dringend nötig: Derby County hatte 2017/18 zeitweise den ältesten Kader der Championship. Und wenn eines Anfang des Jahres fehlte, war es frischer Wind.

Eines ist natürlich klar: Alles was jetzt passiert und gesagt wird, gibt nur wenig Aufschluss darüber wie die nächste Saison verlaufen wird. Mit den fehlenden Erfahrungswerten müssen die Fans, der Verein und Frank Lampard selber leben. Ob Lampard Trainer so kann wie Mittelfeldspieler und Fernsehen ist ungewiss. Aber eines ist in Derby garantiert: Spannung. Nicht nur wenn es wieder los geht, sondern auch schon davor: Welche Spieler wird der Star auf der Trainerbank holen? Nicht nur in den East Midlands, sondern weit darüber hinaus wird man in den nächsten Monaten ein Auge auf die Rams haben.

Auf Reisen: Derby, Pride Park

EFL Championship, 7.4.2018 / Derby County 3 Bolton Wanderers 0

Man kann nun wirklich nicht sagen, dass der englische Zweitligist Derby County besonders glücklich mit dem Jahr 2018 wäre. Vom Kandidaten für den direkten Aufstieg in die Premier League verwandelten sich die ‚Rams‘ in den letzten Monaten in ein Team, für das es nur noch darum geht, in die Play-Offs zu kommen. Es ist nicht das erste Mal, dass den Verein im Frühjahr eine mysteriöse Formschwäche befällt.

Anfang April war ich in Derby, nicht zuletzt um den Rams und dem Stadion Pride Park einen Besuch abzustatten. Das Heimspiel gegen die abstiegsbedrohten Bolton Wanderers folgte einem bitter nötigen und sehr glücklichen 1:0-Erfolg bei Preston North End, einem Konkurrenten um die Play-Off-Plätze. Zuvor hatten sich die Rams im eigenen Stadion gegen Sunderland, inzwischen als Absteiger feststehend, beim 1:4 bis auf die Knochen blamiert.

Abgesehen vom Sportlichen spricht einiges dafür, sich als Fußballfan ein Spiel im Pride Park anzuschauen. Derby, eine Stadt mit knapp 250.000 Einwohnern, steht ein wenig im Schatten eines größeren und berühmteren Nachbarn. In Nottingham gibt es eine Art Schloss, die berühmte Legende von Robin Hood, eine größere Altstadt, zwei Unis (Derby hat eine) und mehr Alternativkultur. Doch auch der Stadtkern von Derby kann sich sehen lassen, vor allem das Cathedral Quarter mit seinem Fixpunkt, der Kathedrale All Saints. Es gibt eine ganze Menge guter, atmosphärischer Pubs in Derby, während die Kriminalität niedriger ist als in Nottingham. Weiterlesen „Auf Reisen: Derby, Pride Park“

Derby County: Was kommt nach Wally?

In diesen Tagen steht Steve McClaren wieder im Regen: Vor knapp zwei Wochen wurde der ehemalige englische Nationaltrainer beim Zweitligisten Derby County entlassen. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren. Und schon sind sie wieder da, die Erinnerungen und Anspielungen an den „Wally with the brolly“, den „Depp mit dem Schirm“, der einst nach einer verregneten Niederlage gegen Kroatien seinen Job beim Nationalteam verlor. Mit seinen Äußerungen seit der jüngsten Entlassung macht es McClaren den Medien aber auch leicht. Er sei geschockt und überhaupt habe er die ihm gesetzten Ziele doch erreicht: Die „Rams“ aus der Gefahrenzone am Ende der Championship zu führen.

Die Aussagen passen zum Bild des immer etwas zu soften, zu naiven McClaren. Dass die eigentliche Mission erst mit dem Aufstieg in die Premier League vollendet ist, hätte er nicht nur deshalb wissen können, weil er selbst mit Derby 2014 bereits im Play-Off-Finale stand. Letzte Saison erreichten die Rams erneut die Play-Offs, scheiterten aber im Halbfinale. Auf dem Transfermarkt macht der Klub zwar keine ganz verrückten Sachen, ist aber durchaus bereit zu investieren. Viele Spieler haben bei Derby langfristige Verträge; so will man Bindungen schaffen, die etwa Leihspieler normalerweise nicht haben.

Das Problem: McClaren, aber auch seine Vorgänger haben es nicht geschafft, eine homogene und stets hungrige Mannschaft zu formen. Den Rams fehlt die Konstanz. Manche Spieler scheinen sich auf ihren Verträgen gelegentlich auszuruhen. Der Altersschnitt des Kaders und vor allem der Akteure mit den meisten Einsätzen liegt über dem der Liga. Zeit für einen Umbruch! Aber wie soll der gelingen, wenn in zwei Jahren fünfmal der Trainer ausgewechselt wird? Der in Derby wie in den meisten englischen Klubs eine größere Rolle bei Transfers spielt als in Deutschland. Weiterlesen „Derby County: Was kommt nach Wally?“

Der Mann mit der Eckfahne

Manche FC Schalke- und Bayern-Fans denken (oder dachten) ja, Manuel Neuer sei einzigartig. Dabei gibt es noch einen anderen Spieler, der erst den Gegner mit der Eckfahne neckte, um dann zu ihm unter die Decke zu schlüpfen. Der neue Verein des 29-jährigen Nathan Tyson ist noch dazu der Lokal- und Erzrivale seines bisherigen Klubs. Der Stürmer wechselt nach Ablauf seines Vertrages vom englischen Zweitligisten Nottingham Forest (dem neuen Arbeitgeber von Steve McClaren) zum benachbarten Zweitligisten Derby County.

Wechsel zwischen den beiden mittelenglischen Vereinen sind ohnehin stets eine umstrittene Angelegenheit, besonders für die Fans. In diesem Fall ist die Sache besonders heikel, denn ausgerechnet Tyson feierte 2009 den Derbysieg über Derby, indem er sich nach Spielende die Eckfahne mit Forest-Emblem schnappte und vor den enttäuschten Gästefans damit herumwedelte. Nicht nur die Fans der ‚Rams‘ waren empört, es bildete sich auch ein Rudel aus Spielern und Offiziellen beider Seiten. Tyson wurde wegen des Vorfalls für zwei Spiele gesperrt und mit einer Geldstrafe belegt, auch beide Vereine wurden bestraft.

Dass sich der Spieler nun ausgerechnet für diesen Wechsel entschieden hat, dürfte mit den Ambitionen der Rams zusammenhängen. Wie bereits berichtet, sind die Verantwortlichen in Derby nach einer enttäuschenden Saison bereit, auch finanziell mehr zu investieren, um den Anschluss an obere Tabellenregionen herzustellen. Der Verein verfügt außerdem über das vielleicht schönste Stadion der Championship, gute Trainingseinrichtungen und treue Fans. Und er liegt nur einen Katzensprung entfernt von Tysons bisheriger Fußballheimat.

In Nottingham strebt man nach dem knapp verpassten Aufstieg nun erneut in Richtung Premier League. Es gab zwischen Tyson, dem soeben entlassenen Trainer Billy Davies und den anderen Verantwortlichen jedoch Unstimmigkeiten um einen möglichen neuen Vertrag. Der Stürmer bevorzugt die Position im Sturmzentrum, Davies ließ ihn in den letzten Jahren auf der Außenbahn spielen. Tysons Torquote verschlechterte sich gegenüber der Zeit bei seinem vorherigen Verein, den Wycombe Wanderers. Es bedurfte scheinbar nur eines guten Angebots und ein wenig Überzeugungsarbeit von Derby-Trainer Nigel Clough, um Tyson zum großen Rivalen zu locken.

Für den Spieler ist es nur ein Job bei einem ambitionierten Verein, aber wie sehen es die Fans? Nach der Einschätzung von „Derby County Mad“ gibt es geteilte Meinungen – wie in München:

Fans seem to be divided over the signing, some unable or unwilling to forgive the flag waving incident but others willing to give Tyson a chance to prove he has the pace and goal scoring ability that Derby need.

Mancher Derby-Fan würde es offensichtlich begrüßen, wenn ausgerechnet Nathan Tyson nun voll einschlagen würde – umso größer wäre der Stich, den man den ‚Trees‘ versetzen würde. Für viele steht jedoch im Vordergrund, dass der Stürmer mit seiner Schnelligkeit ein dringend benötigtes belebendes Element für die Rams-Offensive werden könnte. Erfolg bringt neue Freunde – nur nicht beim alten Verein.