Nur noch vier Spiele – zum Glück!

1. Bundesliga, 30. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 0

Die sportlich gesehen enttäuschendste Spielzeit des BVB seit langem – ja, trotz der letzten unter Jürgen Klopp – geht bald zu Ende. Das ist die schönste Erkenntnis eines bis in die Nachspielzeit schwarzen Derby-Tags für Schwarz-Gelb. Die Borussia vergab auch die letzte Chance auf einen versöhnlichen Saisonausklang – ja, trotz der weiterhin möglichen CL-Qualifikation.

Schalke ging in eigener Halle verdient als Sieger vom Platz. Weil die Gastgeber länger die Mannschaft mit dem reiferen Spielaufbau waren. Weil sie mehr gute Abschlussmöglichkeiten hatten. Die ausgeglichene Zahl der Torschüsse (12:12) täuscht: Die des BVB waren harmloser, oft mit viel Hoffnung abgefeuert, manchmal eher Zufallsprodukte. Schalke gewann auch, wie Peter Stöger richtig erkannte, wegen individueller Fehler: Marcel Schmelzer verlor den Ball vor dem 0:1, die Spieler in der Freistoßmauer patzten beim 0:2. Aber das ist wirklich nicht mal die halbe Wahrheit.

Den schwarz-gelben Jungs gelang nach vorne zu wenig. Ganz wenig. Obwohl Christian Pulisic sich abmühte und in Ansätzen seine Klasse erkennen ließ. Aber fast alle anderen hatten einen gebrauchten Tag. Mal wieder, wenn es um etwas geht. Ausnahme: Roman Bürki, mal wieder. Mo Dahoud wirkte zunächst extrem engagiert, aber auch das legte sich im Laufe des Spiels. Ja, den Fehler vor dem Gegentor machte Schmelzer. Überraschung. Ist ja nicht so, dass man es nicht hätte wissen können, dass unsere Außenverteidigung nicht auf dem neuesten Stand ist. Eine Dreifach-Verneinung in einem Satz? Ja, auch das passt heute.

Dass es an ganz bestimmten Stellen – Außenverteidigung, Mittelfeldzentrale – weiter hakt, überrascht natürlich nicht. Inzwischen kann man aber auch davon sprechen, dass diese schwarz-gelbe Mannschaft ein Problem mit Topspielen hat. Mit dem Druck in diesen Spielen. Das Problem tritt nicht in jeder solchen Partie gleichermaßen auf – so fiel Leipzig positiv aus dem Rahmen. Es zieht sich auch nicht immer über 90 Minuten. Aber oft sind es die entscheidenden Momente, in denen das Team eben nicht auf der Höhe wirkt.

Man kann über die Gründe für die fehlende Druckresistenz jetzt wieder lange spekulieren. Man darf das letzte Frühjahr dabei nicht vergessen, aber es wird auch nie einen Beweis geben, dass da noch was nachhängt. Also bleibt uns nur, auf einen möglichst umfassenden Neuanfang im Sommer zu hoffen. Mit Watzke und Zorc, das wissen wir und das ist auch gut so. Aber vielleicht ohne viele andere. Und auch das könnte für alle Beteiligten gut sein. Ob Michy Batshuayi im Juli noch da sein wird? Eher unwahrscheinlich. Fehlen wird er der Borussia aber wohl schon vorher. Verletzte er sich doch in der Nachspielzeit dieses Derbys zum Vergessen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Schmelzer (86. Götze) – Sahin, Dahoud (79. Sancho) – Pulisic, Reus, Philipp (46. Schürrle) – Batshuayi. Gelbe Karte: Piszczek.

Hard Times

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 4 FC Schalke 4

Dieser verdammte Fußball: Der FC Schalke nimmt Revanche für die Jahre zurückliegende Aufholjagd der Borussia, die in einem der großen Derbys noch zum 3:3 führte. Und die Blauen setzen mit 4:4 nach 0:4 noch einen drauf. Einem absoluten Rausch in der ersten Hälfte folgte ein ganz dicker Kater, den man schon nach dem 4:1 anschleichen spürte.

Derby-Wahnsinn

Sieht man es mal einen Moment von der neutralen Seite, dann darf man begeistert sein: Ein solches Derby gab es seit Jahren nicht mehr. Es hatte einerseits seine eigenen Gesetze, aber am Ende zeigten sich doch Muster aus den letzten Wochen. Zunächst schien es ja, als ob die Blauen übermotiviert (durch das öffentliche Abschlusstraining?) und dadurch unkonzentriert ins Spiel gingen. Ja, sie hatten die erste Chance. Aber dann zeigten die Schwarz-Gelben, was mit einer Offensivreihe aus Yarmolenko, Pulisic und einem wachen Auba sowie den zunächst formstarken Sahin und Götze möglich ist. Eine halbe Stunde lang wurden die Gäste zerlegt und vorgeführt – inklusive einem Eigentor.

S04-Trainer Dominic Tedesco muss man eins zugutehalten: Er reagierte rechtzeitig. Mit einem Doppelwechsel schon nach 34 Minuten, bei dem Goretzka und mit Harit einer der Matchwinner – so muss man es nennen – kamen. Ohne diesen Wechsel hätte der BVB wohl deutlich gewonnen. Im Gegensatz dazu wirkten Peter Boszs Einwechslungen in der zweiten Hälfte mutlos. Weiterlesen „Hard Times“

Derby wieder ohne Sieger

1. Bundesliga, 26. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 1

Zwar gewinnt der BVB in dieser Saison das direkte Duell mit Schalke 04, aber nur wenn man mit Auswärtstorregel rechnet. In der Turnhalle sind die Schwarz-Gelben das bessere Team, vergeben aber wieder beste Gelegenheiten und müssen in Unterzahl den Ausgleich hinnehmen.

Drei Gedanken zum Spiel

Nachdem die Gastgeber über die ganze Saison deutlich hinter der Borussia standen, stellt sich die Frage: Was fehlt zum Derbysieg? Die Frage nach dem großen Ganzen also, wenn man berücksichtigt, wie wichtig diese Partie uns immer noch ist. Die erste Antwort hat sich bereits in der Einleitung angedeutet: Die Schwarz-Gelben müssen kaltblütiger bei der Chancenverwertung werden. In einem Derby darf Auba in aussichtsreichster Position einfach nicht querlegen, auch wenn das andererseits von Mannschaftsgeist zeugt. In anderen Szenen verhinderten aber auch das Können von Fährmann oder schlicht unglaubliches Pech einen Treffer. Ousmane Dembelés Schuss an den Innenpfosten war wahrscheinlich Millimeter davon entfernt, ins Tor anstatt wieder zurück zu springen.

Die Zahl der großen Chancen war allerdings recht überschaubar. Größer als beim Gegner in jedem Fall, aber vielleicht fehlt für solche Partien neben den letzten paar Prozent Glück und Einstellung auch noch ein klein wenig Qualität. Hätte Marco Reus gespielt oder Christian Pulisic etwas länger… Insofern macht auch die Verpflichtung von Mahmoud Dahoud Sinn, wenn er bald für das extra bisschen Kreativität sorgen kann. Weiterlesen „Derby wieder ohne Sieger“

Countdown zum Derby: Noch 1 Tag

Michael Zorc, Julian Weigl und Roman Bürki haben uns erklärt, wie wichtig ihnen das Derby ist. Nun müssen wir das nur noch morgen auf dem Platz sehen. Viele Gründe daran zu zweifeln gibt es nicht: Direkt nach der Länderspielpause scheint mir ein guter Zeitpunkt für das Spiel der Spiele zu sein. Auch wenn der eine oder andere viel unterwegs war.

Die Pressekonferenzen der Trainer haben noch die eine oder andere neue Info erbracht. Thomas Tuchel verriet heute, dass André Schürrle und Erik Durm verletzungsbedingt ausfallen. Schürrle hat sich bei seinem erfolgreichen Auftritt in Baku wehgetan, Erik im Training. Kein Grund zur Besorgnis, nur in mindestens einem Fall schade fürs Derby. Tuchel äußerte zudem, dass Shinji Kagawa frischer als Christian Pulisic vom Nationalteam zurückgekommen ist. Hinweis oder Täuschungsmanöver?

Generell hat man den Eindruck, dass der BVB-Trainer genau weiß, auf was es morgen ankommt. Doch den hatte man meistens vor den Spielen. Trotzdem schön, wie Thomas Tuchel die Derbyatmosphäre auf den Punkt bringt:

Die Entscheidungen sind noch einen Tick wichtiger. Jeder weiß, dass jeder Fehler entscheidend sein kann und man ihn erst in einem Jahr wieder korrigieren kann.

Gestern hatte auch Schalkes Markus Weinzierl noch nicht alle Karten aufgedeckt: Sead Kolasinac und Eric Maxim Choupo-Moting waren ebenfalls angeschlagen von ihren Länderspielen zurückgekehrt und der Trainer konnte noch nicht sagen, ob es bis morgen reicht. Der lange verletzte Spanier Coke wäre „nur im Notfall“ eine Option.

Mancherorts wurde in den letzten Tagen über das steigende oder ausbleibende Derbyfieber diskutiert. Ich bin zwar mit einigem, was den sogenannten „modernen Fußball“ ausmacht, nicht einverstanden. Aber trotzdem oder gerade deswegen und nach der Länderspielpause noch mehr freue ich mich auf dieses Derby. Und habe kein schlechtes Gefühl!

Countdown zum Derby: noch 3 Tage

Reinhard Rauball spricht vom emotional wichtigsten Spiel der Saison – und „das hat sich über die Jahre auch nicht abgenutzt“. Da will ich dem BVB- und DFL-Präsidenten nicht widersprechen, denn am Samstag zur besten Fußballzeit ist Derby in Gelsenkirchen. Natürlich darf darüber diskutiert werden, ob Partien gegen den FC Bayern nicht ähnlich aufgeladen sind. Rauball hält sie „rein sportlich und wirtschaftlich“ aktuell für wichtiger als das Revierderby. Das mag in der Regel so sein, aber das 150. Aufeinandertreffen von BVB und S04 ist auch in dieser Hinsicht für beide Klubs eminent wichtig: Für die Schwarz-Gelben geht es um Platz 2 oder zumindest um die direkte CL-Quali, für die Blauen darum, 2017/18 überhaupt europäisch spielen zu dürfen.

Grund genug, im Vorfeld all das aufzugreifen, was eine Erwähnung wert ist und mich noch mehr ins Derbyfieber zu schreiben. Während Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke gerade Lobeshymnen auf Ousmane Dembelé anstimmen, hätte Schalke-Trainer Markus Weinzierl gerne bessere Spieler – so einen wie Aubameyang beispielsweise. Ousmane oder Auba? Mein Lieblingsschütze für das Siegtor wäre ja ‚Papa‘ Sokratis, aber egal!

Zur Folklore vor einem Revierderby gehört leider, dass sich gewaltbereite Fans verabreden – im aktuellen Fall wohl aus dem BVB-, S04- und Effzeh-Umfeld. Doch die Polizei bekam glücklicherweise Wind von der am Flughafen Weeze geplanten Konfrontation. Außerdem sind gefälschte Tickets für das Spiel in der Turnhalle aufgetaucht.

Die Personalfragen vor dem Derby scheinen bei der Borussia weitgehend geklärt – sofern es darum geht, wer in der Lage ist, im Kader zu stehen. Für Marco Reus kommt die Partie wohl zu früh. Sven Bender und Nuri Sahin trainieren dagegen wieder voll, nachdem sie letztes Wochenende für das Spitzenspiel der zweiten Mannschaft gegen Viktoria Köln (2:3) absagen mussten. Julian Weigl sollte spätestens bis Samstag wieder voll belastbar sein, obwohl er für das Länderspiel in Aserbaidschan ausgefallen war.

Bleibt die Personalie André Schürrle. Dortmunds Rekordtransfer überzeugte in Baku, tut das aber im Verein eher selten. Manche Medien wollen nun leise Kritik am BVB-Trainer aus seinen Worten nach dem Länderspiel herausgehört haben. Thomas Tuchel wird sich davon hoffentlich nicht beeinflussen lassen. Was die anderen offensiven Schwarz-Gelben machen, ist einfach gefährlicher als das, was Schürrle bisher für die Borussia gezeigt hat. Sollte natürlich er am Samstag den Siegtreffer erzielen, könnte sich sein Standing schnell verbessern…

Wenn es kein Derby wäre

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 0 FC Schalke 0

Hätten sich gestern nicht Borussia Dortmund und Schalke gegenübergestanden, sondern etwa Darmstadt und Freiburg, würde man die Begegnung mit dürren Worten abhaken: Typisches Kampfspiel, wenig Torszenen, immerhin bemüht haben sie sich. Nach dem Duell eines Bayern-Jägers gegen seinen stets ambitionierten Rivalen sah es nicht aus. Da es aber doch ein, oder besser das Derby war, hielt die Spannung natürlich bis zuletzt.

Es war laut, es gab den üblichen Kindergarten auf den Tribünen und im Spiel ging es hart zu. Thomas Tuchel wie Markus Weinzierl hatten ihre Teams auf mehreren Positionen verändert. So begannen beim BVB etwa Pulisic und Dembélé auf den Außen sowie der Derby-erfahrene Kagawa. Die junge Borussia fand sehr schwer ins Spiel und wurde von Dr. Felix Brychs Zweikampfbewertung in den ersten 20 Minuten auch nicht begünstigt.

Man merkte den Blauen den Aufwind an. Vor allem gelang es ihnen zunächst, das numerische Übergewicht im Mittelfeld, bedingt durch die Dreierkette hinten, auszunutzen. Thomas Tuchels Entscheidung für potenziell schnelle, trickreiche Außen war daher absolut verständlich – doch in der ersten Hälfte funktionierte auch das nicht. Schalke wirkte zwar in der ersten halben Stunde reifer und der Ball lief bei ihnen besser, doch eine echte Chance konnten auch sie nicht verbuchen. Weiterlesen „Wenn es kein Derby wäre“

Tuchel macht das Derby spannend

1. Bundesliga, 29. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 2

Von der Spannung her war das heute ein Derby wie in besten Zeiten – letztlich eng, mit Toren und Gesprächsstoff. Ob ihm von Dortmunder Seite die Bedeutung beigemessen wurde, die ihm zustand? Acht Mal Rotation ist schon heftig. Einiges konnte man nachvollziehen – die Pause für Aubameyang, den viel beschäftigten Mkhitaryan, für Schmelle. Ebenso die Einsätze für Pulisic oder Ginter. Aber ein Moritz Leitner, der ohnehin Wochen nicht gespielt hat, im Derby? No way.

Die erste Hälfte deutete an, wie die Partie mit einem BVB in Normalbesetzung wohl geendet hätte. Spielaufbau und -kultur waren bei den Gastgebern kaum erkennbar. Die Härte hatten die Blauen, kaum unterbunden von Schiedsrichter Zwayer, trotz mehrerer Ellbogenchecks. Die Borussia hätte mit einer zupackenderen Herangehensweise plus ein, zwei entscheidenden Pässen das Spiel in dieser Phase womöglich schon entscheiden können.

In der zweiten Halbzeit hatte Schalke zweimal eine Antwort auf Dortmunder Tore parat. Shinjis frechem Lupfer über Fährmann und Ginters Kopfball nach Ecke standen ein Strafraumgewusel-Tor von Sané und ein diskussionswürdiger Elfmeter von Huntelaar gegenüber. Letzterer sammelte wohl übrigens bei keinem Schwarz-Gelben Sympathiepunkte.

Der BVB hatte im Anschluss noch einige Gelegenheiten, auch die Gastgeber spielten munter mit. Doch es bleibt das Gefühl, dass hier deutlich mehr zu holen gewesen wäre. Wie hätte Thomas Tuchel wohl aufgestellt, wenn gestern der VfB triumphiert hätte? Vielleicht ist man aber in einer Woche, in der Jürgen Klopp in Dortmund war, auch nur besonders empfindlich, was die Emotionalität – oder deren Fehlen – rund um ein Derby angeht. Sollte die Rotation heute zum Weiterkommen am Donnerstag führen, wäre ja auch fast alles wieder gut.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Bender, Sokratis, Hummels (46. Mkhitaryan), Durm – Sahin, Leitner (73. Aubameyang) – Pulisic (73. Gündogan), Kagawa – Ramos. Gelbe Karten: Sahin, Sokratis, Durm. Tore: Kagawa, Ginter

Der verdienteste Derbysieg aller Zeiten

1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 3 FC Schalke 0

Solange ich diesen Verein verfolge, kann ich mich an kein derart einseitiges Derby erinnern. Und gerade deshalb war es 78 Minuten lang nicht nur spannend, sondern auch nervenaufreibend. Denn je überlegener der BVB die Blauen an die Wand spielte, desto größer war die Furcht, dass diese am Ende herrliche Partie durch einen einzigen Blackout ruiniert werden könnte.

Die Chancenverwertung der Schwarz-Gelben war jene 78 Minuten bis zur Führung eigentlich grotesk schwach, doch andererseits war es extrem beeindruckend, wie viele Möglichkeiten sie sich gegen die gelobte Schalker Defensive erspielten. Die Gäste mussten auf Innenverteidiger Joel Matip verzichten, den Roman Neustädter in der Fünferkette nicht adäquat ersetzen konnte. Bis zum 0:3 konnten sie sich beim jungen Torwart Wellenreuther bedanken, dass es nicht 0:6 oder höher stand – dann kam Marco Reus.

Offensiv ging bei den Blauen fast nichts. Nicht mal die drei, vier Dortmunder Fehlpässe in der ersten Hälfte vermochten sie zu nutzen. Rückkehr Huntelaar hing komplett in der Luft – unter anderem, weil Prinz Boateng dahinter ein Komplettausfall war und die beiden 6er Höger und Aogo schon mit der Defensivarbeit überfordert waren. Von der Spielfreude und der Zweikampfstärke des schwarz-gelben Mittelfeldes wurden die Gäste überrollt. Die ganze Ratlosigkeit des S04 zeigte sich auch in der Tatsache, dass es Roberto di Matteo bei einem Wechsel, Barnetta für Boateng, beließ. Weiterlesen „Der verdienteste Derbysieg aller Zeiten“

Derbysieg – und dann?

In den ersten zwei Wochen der Winterpause im deutschen Fußball haben zwei von mir verfolgte englische Klubs – der AFC Sunderland und die Bolton Wanderers – Derbys gewonnen, um anschließend direkt Niederlagen gegen in der Tabelle schlechter stehende Teams zu kassieren. Macht ein Sieg gegen den großen Lokalrivalen etwa leichtsinnig und übermütig – oder ist er entgegen der zwei Beispiele motivations- und erfolgsfördernd? Diese Frage habe ich angesichts noch in den Ferien weilender Spieler und ausbleibender weiterer Transfers für Borussia Dortmund untersucht.

Zugrunde liegen der Auswertung alle Derbys der letzten 20 Jahre gegen den FC Schalke – 40 Partien in der Liga und eine im Pokal – sowie das jeweils folgende Ligaspiel. Die relativ gute Bilanz der Schwarz-Gelben muss man natürlich vor dem Hintergrund der eigenen Leistungsfähigkeit und der Folge-Ansetzungen beurteilen. Tendenziell setzt die DFL nach dem Derby eher unspektakuläre Begegnungen an.

Zu den Resultaten: Gegen die Blauen ist die Bilanz nach wie vor verbesserungswürdig. Von den 41 Partien seit 1995 wurden zehn gewonnen und 15 verloren. Generell bekommt die Borussia immerhin keinen Derby-Kater: In den Folgespielen waren die Schwarz-Gelben 25-mal erfolgreich und mussten nur sieben Niederlagen hinnehmen. Einen stichhaltigen Beweis für eine der beiden Thesen aus dem ersten Absatz gibt die Statistik nicht her. Höchstens eine leichte Tendenz ist ablesbar: Ein Vorteil scheint der Derbysieg für die Form der Spieler nicht zu sein. Den zehn untersuchten Erfolgen gegen S04 folgten ’nur‘ fünf Ligasiege. Die Siegquote nach Unentschieden (69%) und Niederlagen (60%) ist etwas höher. Allerdings verteilen sich die Post-Derby-Pleiten recht gleichmäßig auf vorhergehende Siege (zwei), Unentschieden (drei) und Niederlagen (zwei).

Was sagt uns diese nicht wirklich konklusive Statistik? Wird Zeit, dass es weitergeht. Und her mit dem Derbysieg!

Fußball-Geschichten von Freud und Leid

Weihnachten – Zeit der Besinnung und des Innehaltens. Und beinahe Gewissheit, dass man während der Feiertage nicht von Breaking News zum Lieblingsverein überrascht wird. Traditionell bietet sich daher die Gelegenheit für einen Blick nach England, wo das Fußball-Geschehen zwischen Weihnachten und Neujahr besonders geschäftig ist.

Im Nordosten des Landes haben die als besonders begeisterungsfähig geltenden Fans des Premier League-Klubs AFC Sunderland eine bemerkenswerte erste Saisonhälfte fast hinter sich. An der Tabelle lassen sich die Hochs und Tiefs, durch die die ‚Black Cats‘ gegangen sind, allerdings nicht ablesen. Dort steht ein unspektakulärer 14. Platz, immerhin vier Punkte vor den Abstiegsrängen. Insgeheim hatten sich die Anhänger vielleicht mehr von der ersten Saison, die mit Gus Poyet als Cheftrainer begann, versprochen. Doch die Tabellenregion sind sie gewöhnt. Poyet, früherer uruguayanischer Nationalspieler, war in England zuvor schon bei Brighton & Hove Albion erfolgreich als Trainer tätig – allerdings nicht in der Premier League.

In Sunderland hat er im Herbst 2013 das Erbe des berüchtigten Paolo di Canio angetreten, der nicht nur verbrannte Erde, sondern auch einen zusammengewürfelten Kader hinterließ. Der Italiener hat allerdings immer bestritten, für den allein verantwortlich gewesen zu sein und inzwischen wurde auch ein neuer Sportdirektor installiert. Poyet begreift sich seither nur als Head Coach – auch um Druck auf den Verein und seinen amerikanischen Besitzer Ellis Short zu machen. In der kommenden Transferphase möchte der ehrgeizige Cheftrainer personell nachlegen dürfen.

Die Black Cats haben in der Liga zwar nur vier Niederlagen, aber auch erst drei Siege zu Buche stehen. Sie sind bisher mit Abstand Meister des Unentschiedens. Was Poyet jedoch noch mehr zu schaffen macht: Sunderland hat in 17 Spielen bisher nur 15-mal getroffen. Stürmer Steven Fletcher, eigentlich ein guter Schütze, war lange verletzt. Dem jungen Kollegen Connor Wickham, der vor Kurzem einen neuen Vertrag unterzeichnet hat, wird viel zugetraut – noch fehlt ihm aber die Konstanz. Ganz zu schweigen vom US-Amerikaner Jozy Altidore, den wir noch von der WM kennen: Er macht vor allem durch spektakuläre Fehlversuche von sich reden. Weiterlesen „Fußball-Geschichten von Freud und Leid“