Und schon wieder Derbysieger

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 3 FC Schalke 0

Zeit für eine neue Serie: Mit dem überzeugenden zweiten Derbysieg in Folge erwecken die schwarz-gelben Jungs Hoffnung auf ein Ende der bescheidenen Auftritte gegen die Nachbarn aus Gelsenkirchen. Die Kräfteverhältnisse waren am Samstagabend noch eindeutiger als das Chancenverhältnis.

Gegner ohne Überraschungsmoment

Mats Hummels gab nach dem Derbysieg – und seinem ersten Derbytor – gegenüber Sky eine interessante Antwort auf die (sinngemäße) Frage, wie die immer wieder auftretenden Aussetzer-Spiele des BVB zu erklären seien. Man habe darüber intern schon öfter diskutiert und er glaube, einen Teil der Antwort zu kennen, sagte der Vize-Kapitän in dem Interview, das wie üblich qualitativ um Längen besser war als 98 Prozent der TV-Gespräche mit anderen Spielern. Ohne ins Detail zu gehen erweckt die Aussage immerhin die Hoffnung, dass man dem Mysterium auf der Spur ist.

Wie wäre das Derby wohl ausgegangen, wenn die Borussia unter der Woche in Rom gewonnen hätte? Braucht es immer erst einen schockierenden Rückschlag, um in die Nähe der vollen Leistungsfähigkeit zu kommen? Der Gegner Schalke taugte nicht als Beweis für diese vielleicht naheliegende, aber doch etwas oberflächliche Theorie. Die Blauen hätte man am Samstag in beiden Konstellationen und auch nach einem Unentschieden zuvor geschlagen. Ihre Akteure räumten es nach der Partie freimütig ein: Die Gäste wussten nichts mit dem Ball anzufangen und verloren ihn meistens sehr schnell wieder. Weiterlesen „Und schon wieder Derbysieger“

Sancho kriegt die nächste Überschrift

1. Bundesliga, 14. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 2

Dieses Mal ist alles anders: Der BVB hat endgültig alle Schatten der vergangenen Saison hinter sich gelassen und ist nach Bayern-Bezwinger nun auch Derbysieger. Hochverdient, ohne viel Glanz, aber mit einer umjubelten Rückkehr nach Dortmund.

Beim Eintreffen des Mannschaftsbusses am Trainingsgelände, natürlich schon im Dunkeln, erleuchtete Pyrotechnik die Szenerie. Hunderte Fans feierten, Axel Witsel und Achraf Hakimi mittendrin. Neu-Dortmunder, bei denen der Abend Eindruck hinterlassen haben dürfte. Schwarz-Gelbe, die schon länger dabei sind, fühlten sich natürlich an das erste Meisterjahr unter Jürgen Klopp erinnert.

Die Partie am Nachmittag hatte die Kräfteverhältnisse der laufenden Saison gut widergespiegelt. Natürlich kam Schalke über den Kampf, natürlich wollten die Blauen. Sie brachten Härte ins Spiel, die zum Glück nie ausuferte. Nerviger war das ewige Lamentieren der Gastgeber gegenüber dem Schiedsrichter, vor allem in der ersten Hälfte. Spielerisch zeigten sich die Blauen allerdings limitiert, vor allem offensiv. Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Burgstaller ging da kaum noch was. In Gelsenkirchen muss man sich langsam fragen, ob da nicht auch was in der Transferpolitik schief gelaufen ist.

Die Richtigen treffen

Eine Führung im Derby ist immer erfreulich – und noch mehr, wenn sie von einem Spieler wie Thomas Delaney erzielt wird. Einem Typen, den man in einem Derby braucht und der sich diesen Treffer durch seine Entschlossenheit verdiente. Ein wuchtiger Kopfball nach einer Ecke: Solche Tore dürfte der BVB gerne noch häufiger machen. Allerdings wurden die Gäste, die zuvor dominierten und ansehnlich kombinierten, nach dem 1:0 etwas passiver, ungenauer oder übermütig. Sagen wir es so: Schalke bestimmte jetzt das Niveau.

Es mangelte an echten Torszenen. Am Ende der Partie stand die Borussia bei neun, die Gastgeber bei sechs Torschüssen – und über deren Qualität sagt diese Statistik bekanntlich noch nichts aus. Burgstaller testete Roman Bürki aus kurzer Distanz, spielte aber zuvor Hand. Neben dem Elfmeter war das die einzige Großchance der Blauen. Schalke machte in der zweiten Hälfte etwas mehr, blieb auch nach dem Ausgleich dran, war aber nicht gefährlich. Und dann kam Jadon Sancho. Der 18-jährige Engländer spielte einen Doppelpass mit Raphael Guerreiro, zog dann über links in den Strafraum und traf an Fährmann vorbei ins rechte Eck. Ein großer Treffer von ihm, der in der Woche zuvor seine Großmutter verloren hatte. Ohne Zweifel hatte dieses Derby also die richtigen Torschützen. Und mit Guerreiro erneut einen eingewechselten Scorer.

Schön zu sehen war, wie weit die Blauen derzeit von Schwarz-Gelb entfernt sind. Das tut gut, das wird man ja wohl mal sagen dürfen. Die Arbeit von Zorc, Watzke und vor allem Lucien Favre ist auch unter diesem Gesichtspunkt bewundernswert. Nach dem großartigen Freiburger 3:0 gegen Leipzig sind die Bayern zumindest bis heute Abend wieder erster Verfolger der Borussia. Alles ist möglich und derzeit fühlt sich das so richtig gut an.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Diallo, Hakimi – Witsel, Delaney – Sancho (89. Pulisic), Reus, Bruun Larsen (61. Guerreiro) – Paco Alcacer (77. Götze). Gelbe Karten: Piszczek, Hakimi, Reus. Tore: Delaney, Sancho

Boltons gefallene Wanderer richten sich wieder auf

Ganz aufrecht – um im Bild zu bleiben – geht der englische Zweitligist Bolton Wanderers noch nicht. Doch die ‚Trotters‘ sind dabei, den Beweis anzutreten, wie viel ein Trainerwechsel bewirken kann. Die Daten sind eindeutig: Neil Lennon, bis Mai vier Jahre Trainer bei Celtic, ersetzte Mitte Oktober Dougie Freedman. Damals stand der Klub auf dem 24. und letzten Platz der Championship. Zweieinhalb Monate später ist Bolton um zehn Plätze geklettert und musste in dieser Zeit nur zwei Niederlagen hinnehmen. Die Saison ist zwar noch lang, doch der Punkteabstand zu den Abstiegsrängen ist inzwischen genauso groß wie zu den Play-Off-Plätzen.

Einen weiteren Abstieg hätte der Verein, der noch vor sieben Jahren auf europäischer Ebene die Bayern ärgerte, nur schwer verkraftet. Die Trotters drückt ein Schuldenberg von über 200 Millionen Euro. Zwar ist der Hauptgläubiger gleichzeitig der Besitzer und Bolton-Fan, doch die Financial Fair Play-Regeln dürften dem Klub in der drittklassigen League One noch mehr zu schaffen machen. Mit Lennon kam vermutlich noch rechtzeitig die ideale Verbindung aus Fachkenntnis und Temperament ins Macron Stadium. Schon in der ersten Partie, einem 1:0-Auswärtssieg bei Birmingham City, musste der rothaarige Schotte wegen Protestierens auf die Tribüne. Doch wer jahrelang erfolgreich bei Celtic gearbeitet hat (obwohl es schwierigere Aufgaben im Weltfußball gibt), dem sieht man so manches nach.

Neil Lennon hat den Wanderers Entschlossenheit und Willen zurückgegeben, aber auch mutige Personalentscheidungen getroffen. Anfang des Monats horchte nicht nur die englische Fußball-Welt auf, als der Klub die Verpflichtung des zuvor vereinslosen Eidur Gudjohnsen bekanntgab. Der Vertrag des ehemaligen Chelsea- und Barca-Stars bei Club Brügge war im Sommer ausgelaufen. Der isländische Offensivmann ist inzwischen 36, doch Lennon überzeugte ihn, bis zum Ende der Saison nach Bolton zurückzukehren, wo er Ende des letzten Jahrtausends bereits zwei Jahre spielte.

Doch damit nicht genug: An Heiligabend kam ein weiterer großer Name des englischen Fußballs dazu, bekannt aus der Premier League und der Nationalmannschaft. Emile Heskey wird im Januar bereits 37, doch auch in ihm muss Neil Lennon noch eine mögliche Verstärkung gesehen haben. Nach zwei Jahren im australischen Newcastle wollte Heskey noch einmal in England spielen und überzeugte Boltons Trainer im Probetraining.

Derbysieg mit frischen Altstars

Alles nur fromme Wünsche oder ein bisschen PR? Die ersten Anzeichen sprechen dagegen – und für die sportliche Sinnhaftigkeit von Lennons Coup. Am gestrigen Boxing Day, traditionell ein Fußball-Spieltag in England, stand für Bolton ausgerechnet das Lokalderby gegen die Blackburn Rovers an. Nach einer ersten Hälfte mit allerlei Schnitzern und einem 0:1-Rückstand wechselte Lennon Heskey ein, der fortan knapp vor Gudjohnsen Sturmspitze spielte. Die Kombination sollte sich schon bald auszahlen: Gudjohnsen passte von links scharf in den Strafraum, wo Heskey nur noch zum Ausgleich einschieben musste. Mittelfeldmann Darren Pratley drehte die Partie wenig später mit dem 2:1 ganz. Trainer, Fans und Medien lobten im Anschluss Gudjohnsens Vision ebenso wie Heskeys Präsenz. Eines der besten Wanderers-Blogs, Lions of Vienna Suite, brach in eine wahre Lobeshymne über den Isländer aus:

Eidur Gudjohnsen is on another level. He’s quite easily the most intelligent player I’ve ever seen, you can almost see the quality oozing out of him. (…) It’s a privilege that I can watch this man play for my club, and I can’t thank Neil Lennon enough for letting it happen.

Zu viel der Lorbeeren? Wer weiß. Dass ein Derbysieg nicht zwingend einen Aufschwung einleiten muss, hat am Boxing Day der AFC Sunderland, Subjekt meines letzten Beitrags, erfahren. Die Black Cats verloren in der Premier League zu Hause recht kläglich 1:3 gegen den Tabellenvorletzten Hull City. Die nächste Partie für Bolton findet bereits morgen statt – auswärts beim Neunzehnten, Huddersfield Town.

Zerfetzte Nerven beim Derbysieg

1. Bundesliga, 10. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 3

Eigentlich war es ein perfektes Derby: Zeitweise spannend, emotional und doch wurde ganz deutlich, wer die Nummer 1 im Pott ist. Wären da nicht die Minuten vor dem verzögerten Anpfiff gewesen. Die hier aus chronolgischen Gründen an den Anfang gestellt werden.

Eine niedrige dreistellige Zahl von Menschen, die behaupten, sie wären BVB-Fans begriff das Auswärtsderby mal wieder als Lizenz zu asozialem Verhalten. Was im Stadion vor sich ging, übertraf die Ereignisse bei den Derbys der letzten Jahre deutlich. Wäre es bei gelbem Rauch im BVB-Block geblieben, hätte sich kaum jemand groß darüber aufgeregt. Doch dann flog eine Rauchbombe und eine Leuchtrakete aufs Spielfeld – wo unser Torwart Roman Weidenfeller gerade versuchte, auf die eigenen Fans einzuwirken. Und es wurde eine Leuchtrakete in den vollbesetzten gegnerischen Block geschossen. Das ist nur noch kriminell – und ohne den ’schönen‘ gelben Rauch wäre es für die Täter womöglich schwieriger gewesen, das durchzuziehen.

Was wir Fans jetzt am wenigsten gebrauchen können, sind irgendwelche Apologeten, die die Vorkommnisse verharmlosen oder von einer vorherigen Eskalation durch die Polizei sprechen – die anreisenden Ultras am Bahnhof Essen West womöglich nicht deren freien Willen gelassen hat. Selbst wenn dort überreagiert wurde, darf das niemals als Erklärung oder gar Entschuldigung für den Beschuss von Menschen in der Turnhalle gelten. Ich habe von den verantwortlichen Gruppen und der Opferrolle, die sie gerne einnehmen, die Schnauze voll bis oben hin. Um ein Haar hätten sie uns den Derbysieg kaputt gemacht und es wird Zeit, dass sie keine Solidarität mehr bekommen. Es sind Einzeltäter, aber ihre Taten funktionieren nur aus dem Schutz einer Gruppe heraus. Die BVB-Verantwortlichen haben gesagt, was gesagt werden musste und Hans-Joachim Watzke verdient die Unterstützung der echten Fans, wenn er ankündigt:

Es wird etwas von unserer Seite geschehen, das ist sicher. Wir können einschätzen, wer die Rädelsführer waren, und wir werden handeln.

Cut. Zum Fußball. Schwer, aber bei einem Derbysieg durchaus machbar. Die Mannschaft hat sich durch den verzögerten Beginn nicht beeindrucken lassen. Schnell wurde deutlich, dass der FC Schalke derzeit weder die Torgefahr noch die defensive Sicherheit ausstrahlt, die nötig wäre, um an der Ligaspitze mitzuhalten. Nach zwei Derbypleiten zuletzt war der Wille bei den Schwarz-Gelben zu 100 Prozent vorhanden. Das zeigte sich an Laufbereitschaft und Gegenpressing – der BVB legte beides an den Tage wie in den Spielen, in denen das zum Markenzeichen des Klopp’schen Fußballs wurde.

Ein schneller Angriff führte bereits in der 14. Minute zur Führung. Der Ball wurde gut von hinten heraus gespielt. Der sensationelle Mkhitaryan, der alle drei Treffer vorbereiten sollte, passte aus zentraler Position nach halbrechts zu Reus, der in der Mitte Aubameyang und Lewandowski als freie Anspielstationen hatte. Pierre-Emerick stand näher zu Reus und lenkte den Ball ins Tor. In der Folge spielten die Schwarz-Gelben die Gastgeber phasenweise an die Wand und hätten weitere Tore erzielen müssen. Aubameyang kam einen Schritt zu spät, Lewandowski traf ein paar Mal falsche Entscheidungen. Schön zu sehen war trotz der ausbaufähigen Chancenverwertung, dass die zentrale Achse gut funktionierte: Hummels und Subotic spielten von hinten viele gute Pässe, die Kreativspieler Sahin und Mkhitaryan waren glänzend aufgelegt. Beweis: das spätere 2:0, als der Neuzugang den zentral freien Sahin fand, der dann mit einem wundervollen Schuss ins rechte Eck traf.

Doch noch in der ersten Hälfte hatte Schalke die große Chance zum Ausgleich. Subotic traf Fuchs im Strafraum bei einem Tackling leicht am Fuß, Schiedsrichter Kircher deutete vertretbarerweise auf den Punkt. Heilsbringer Boateng trat an, schoss kräftig, aber in einer für den Torwart dankbaren Höhe – trotzdem ein von Weidenfeller toll gehaltener Elfer. Erstaunlich, dass Roman vom chancenlosen Hinterherflieger zum Elfmetertöter geworden ist. Spätestens nach diesem emotionalen Highlight war aber klar, dass das Derby trotz Dortmunder Dominanz nicht zum Selbstläufer werden würde. Schalke kam besser ins Spiel, hatte zunächst aber nur eine halbe Chance durch Boateng. Nach dem 2:0 in der 51. Minute ließ die Borussia den Gastgebern zu viel Raum, was diese zumindest in viel Ballbesitz und einen gewissen Druck umzusetzen verstanden. Der Anschlusstreffer durch das kurz zuvor eingewechselte Talent Meyer war daher nicht unverdient.

Dass die Schwarz-Gelben bei vollem Einsatz mit den derzeit zur Verfügung stehenden Spielern und Trainern deutlich vor den Blauen stehen, zeigte sich jedoch in der Folge. Unsere Jungs standen wieder sicherer und nutzten eine sich bietende Gelegenheit in der 74. Minute brillant zur Entscheidung. Mkhitaryan diesmal nach Ballverlust von Draxler mit einem Lauf über den ganzen Platz und der Übersicht, nicht in die Mitte, sondern auf den weiter rechts völlig freien Kuba zu legen. 3:1. Danach war die Luft ziemlich raus, einige Akteure wirkten auch etwas platt, was aber verständlich und nicht weiter schlimm war.

Sportlich war es ein überzeugender, toller Derbysieg; nach dem Erfolg in London die gelungene Fortsetzung einer heißen Saisonphase. Nach gestern, dem zehnten Spieltag, kann man sagen, dass alle Neuzugänge – Sokratis vielleicht mit leichten Abstrichen – sich bisher als wichtige Verstärkungen erwiesen haben. Hoffen wir auf ein weises Vorgehen der DFL und des Vereins hinsichtlich der Ausschreitungen – freuen wir uns auf ein tolles Freitagabendspiel gegen den VfB Stuttgart!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Hummels, Schmelzer (46. Durm) – Bender, Sahin – Aubameyang (71. Blaszczykowski), Mkhitaryan, Reus (89. Hofmann) – Lewandowski. Gelbe Karte: Schmelzer. Tore: Aubameyang, Sahin, Blaszczykowski

Eine schriftliche Verneigung

1. Bundesliga, 31. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 2

Borussia Dortmund siegt auch in einem intensiven Derby und steht dicht vor dem erneuten Gewinn der deutschen Meisterschaft. Um das mal ganz nüchtern vorwegzuschicken. Und das war so an diesem Wochenende nicht unbedingt zu erwarten, obwohl es natürlich die Hoffnung auf einen Derbysieg gab und ich wie schon erwähnt überzeugt bin, dass es das richtige Spiel zu diesem Zeitpunkt war.

Die Mannschaft der Borussia hat innerhalb von drei Tagen zwei Topspiele gewonnen, beide Gegner in dieser Saison zweimal geschlagen und den Vorsprung an der Spitze auf acht Punkte ausgebaut. Das ist schlicht sensationell und war eine Energieleistung, die allerhöchsten Respekt und Bewunderung verdient. Denn medial stand die enge, bis zum Schluss umkämpfte Partie gegen die Bayern im Mittelpunkt und das Derby eher im Hintergrund. Ich hatte gehofft, dass die Spieler sich davon würden freimachen können und es gelang gut.

Es war jedoch – nicht unerwartet – eine schwerere Geburt als der Hinrundensieg. Selbstverständlich wollten die Gastgeber nicht nur den, sondern auch das schwache Auftreten unter der Woche in Nürnberg wiedergutmachen. Ob es auch an der Platzqualität oder vor allem an den kämpferischen und läuferischen Qualitäten des Gegners lag, sei mal dahingestellt – doch die Borussia musste richtig dagegenhalten und kam in der ersten Hälfte nur zu wenigen Chancen. Mit den Mitteln, die man gegen den BVB anwenden muss, aggressives Pressing, viel Laufarbeit bei gleichzeitiger Wachsamkeit in der Defensive, hielt der S04 das Spiel offen und hatte zeitweise ein leichtes Übergewicht. Doch herausgespielte Chancen waren nach Benders Schuss auf Unnerstall in der Anfangsminute auf beiden Seiten selten. Weiterlesen „Eine schriftliche Verneigung“

Klarstellung

1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 2 FC Schalke 0

Das ist geil! (Jürgen Klopp, 26.11.2011)

Derbysieger, Spitzenreiter. Am Mittwoch hatte Borussia Dortmund auf bittere Art und Weise auch das dritte Auswärtsspiel in der Champions League verloren. Am Samstag haben die schwarz-gelben Jungs erneut zurückgeschlagen und den ersten Derbysieg im Westfalenstadion seit 2007 geholt. Heute sprang als Bonus noch die Tabellenführung heraus.

Und was für ein Derbysieg war das denn bitte? Das 3:1 in Gelsenkirchen war trotz Fanboykott mindestens ebenso genial, aber die Überlegenheit, die der BVB gestern an den Tag legte, hat man in diesem Aufeinandertreffen seit Jahren nicht mehr gesehen. Das Tabellenbild und der von den Ergebnissen her ordentliche Start von Huub Stevens hatten im Vorfeld suggeriert, die Gäste befänden sich nahezu auf Augenhöhe mit dem Meister. Auf die Gefahr hin besserwisserisch zu wirken – ich hatte nicht daran geglaubt. Die Schalker Mannschaft ist noch lange nicht so homogen wie die Dortmunder und spätestens seit dem Ausfall des Schlüsselspielers Farfan war mir nicht mehr bange vor dem Derby.

Allergrößten Respekt nötigen zurzeit die Personalentscheidungen von Jürgen Klopp ab. Nach der Niederlage in London wurde erneut rotiert. Es geschah aus Leistungsgründen und zahlte sich aus. Kevin Großkreutz saß fast 90 Minuten auf der Bank, was das Fanherz nicht verstehen muss, der Verstand aber schon. So wie der ebenfalls nur eingewechselte Shinji Kagawa hatte Kevin am Mittwoch ein schwaches Spiel gemacht. Das dürfte eher der Grund für die Nichtberücksichtigung gewesen sein als durchwachsene Derby-Auftritte in der Vergangenheit. Robert Lewandowski stand erstmals in dieser Saison zusammen mit Lucas Barrios in der Startelf – eine klare Reaktion auf die erwartete defensive Ausrichtung der Gäste. Die größere Überraschung: Kuba durfte mal wieder die rechte Seite übernehmen.

Und alle Überlegungen des Trainers trugen Früchte. Robert Lewandowski hat den sprichwörtlichen Lauf – auch auf der ’10‘ bzw. als hängende Spitze. Bei der verdienten Führung kam es gar nicht auf seine Position an. Einen Freistoß von rechts schlug Marcel Schmelzer lang in den Strafraum und Lewandowski war der Einzige, der richtig hochsprang und per Kopf traf. Als Blauer könnte man jetzt diskutieren, ob der Freistoß nach gestrecktem Bein von Fuchs gegen Kuba berechtigt war. Abgesehen davon, dass Schiedsrichter Meyer kaum sehen kann, was das Fernsehen nur mit der Lupe herausfand, hätte man in dieser Situation viel besser verteidigen können. Nicht ganz ausgeschlossen ist auch, dass der Schalker Stammkeeper der Vorsaison den Ball irgendwie hätte parieren können.

Lucas Barrios war zwar im Abschluss glücklos, beschäftigte und band jedoch Schalker Abwehrspieler. Kuba rechtfertigte seine Aufstellung erst recht. Er holte nicht nur den Freistoß heraus, sondern kam über rechts einige Male schön durch. Seine überlegte Flanke in den Rückraum führte zur größten Chance der ersten Halbzeit, bei der Unnerstall gegen Götze parierte und Barrios im Nachrutschen nur Matip und nicht den Ball traf. Eines hat sich jedoch nicht geändert: Der Torabschluss bleibt Kubas Schwäche Nummer eins.

Die Gäste waren 80 Minuten so unterlegen, dass sich der BVB gar nicht so viel Mühe geben musste wie in den letzten Spielen. In der ersten Halbzeit landeten lange Bälle aus der Schalker Hälfte reihenweise im Aus und bessere Mittel hatten die Blauen nicht. Natürlich verkauften sie sich auch unter Wert – diese Mannschaft kann immer noch kein Derby. Auf der anderen Seite standen ihnen aufmerksame Schwarz-Gelbe gegenüber, bei denen selbst die aus der Not geborene Paarung im defensiven Mittelfeld mit Kehl und Leitner sehr ordentlich funktionierte. Der 19-jährige Neuzugang von 1860 war sehr fleißig und hatte ein hohes Laufpensum (darf ja heute in keinem Bericht über den BVB fehlen), auch wenn von ihm noch lange nicht so viele Impulse ausgehen wie von Nuri Sahin. Das hat ja auch noch Zeit.

Die fünf bis zehn Minuten kurz nach der Pause, in denen die Schalker in die Offensive gingen, änderten kaum etwas am Gesamteindruck. Die Bilanz  der Gäste am Ende: Ein ernstzunehmender Weitschuss, den Weidenfeller wegfausten musste. Zwei Schüsse, die knapp neben oder über das Tor gingen. Der BVB hatte in der zweiten Hälfte eine Reihe von Chancen und nutzte eine. Nach einer Ecke von Götze und Vorarbeit von Kuba und Hummels parierte Unnerstall gegen Barrios. Der Ball sprang zu Santana, der im Rückraum lauerte und souverän einschob. Ein Tor, das man ihm nach der langen Warterei auf der Bank von Herzen gönnt.

Das war bereits im wesentlichen die Geschichte dieses wundervollen Derbys. Konzentriert, souverän und willensstark durchgezogen vom BVB. Von den ‚Anderen‘ kann man das nicht behaupten. Der Unterschied war gestern beinahe noch größer als in der Vorsaison. Es tut mir ja leid für den FC Schalke, aber wenn wir weiterhin so gute Spieler aus dem Osten dazubekommen, wird die Borussia auf Jahre hinaus unschlagbar sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (7), Santana (8), Hummels (8), Schmelzer (7) – Leitner (6), Kehl (7) – Kuba (7) (88. Großkreutz), Lewandowski (8), Götze (8) (78. Owomoyela) – Barrios (6) (88. Kagawa). Gelbe Karte: Kehl. Tore: Lewandowski, Santana

 

Duell der Spitzenreiter

(Updated) Ich war ziemlich überrascht, als ich gestern nach dem Sieg des FC St. Pauli im Hamburger Derby hörte, dass der Aufsteiger nun die beste Rückrundenmannschaft stellt. Tatsächlich hat der Kiezclub nach der Winterpause 11 Punkte aus fünf Partien geholt und dabei auch 11 Tore erzielt – so gesehen treffen am Samstag im Westfalenstadion zwei Spitzenreiter aufeinander. In der zweiten Hälfte der Hinrunde hatte St. Pauli noch unter der extremen Harmlosigkeit seines Sturms gelitten. Probleme mit der Chancenverwertung scheint inzwischen der BVB zu haben. Sind daher die Gäste am Samstag sogar favorisiert?

So weit ist es natürlich noch nicht. Wer gestern zumindest die Zusammenfassung des Spiels in Hamburg gesehen hat, weiß, wie glücklich der Sieg war. Der HSV hatte jede Menge hochkarätiger Torchancen, aber St. Pauli nutzte eine Standardsituation. Das hört sich bekannt an? Stimmt, bei diesen Worten könnte es manch Schwarz-Gelbem mulmig werden. Auf der anderen Seite befindet sich der Derbysieger von gestern nun im psychologischen Ausnahmezustand. Nach dem Spiel waren die Emotionen nach über 30 Jahren ohne Sieg gegen den HSV deutlich zu sehen. Und der Fußball  schrieb mal wieder ein Märchen: Benedikt Pliquett, dritter Torwart bei St. Pauli, wurde von Trainer Stanislawski mit einem Derby-Einsatz von Beginn an belohnt. Letztes Jahr war der Keeper, der vor sieben Jahren beim HSV ausgemustert wurde, von Hooligans des Erzrivalen attackiert worden. Nun gelang ihm die Revanche.

Pliquett wird am Samstag vermutlich nicht im Tor stehen. Aber auch die anderen Spieler müssen nach dem Derbysieg wieder mit dem Ligaalltag zurechtkommen – obwohl ein Auftritt beim Tabellenführer im Westfalenstadion nicht ganz alltäglich ist. Ob sie den Derbysieg bis dahin verdaut haben und noch mal so viel Glück haben werden? Beim üblichen Verdächtigen kann man zumindest an ersterem zweifeln. Gerald Asamoah sollte unbedingt zusammen mit der Mannschaft im Bus oder Zug anreisen, sonst findet er womöglich den Spielort nicht:

Wir wollen auch in Lüdenscheid siegen, sind immer für Überraschungen gut.

Die Borussia muss sich wieder mehr Chancen erarbeiten als in Kaiserslautern und mehr verwerten als gegen Schalke, dann klappt es auch mit den drei Punkten. Denn wir spielen weder auf dem Betzenberg noch gegen Manuel Neuer.

Personell sah es beim BVB schon besser aus in dieser Saison. Kuba musste gestern einen Comeback-Versuch im Training abbrechen und wird wegen seines Kapseleinrisses im Knie gegen St. Pauli fehlen. Da Mohamed Zidan nach der rüden Attacke von Rodnei noch Rückenschmerzen hat, wird vermutlich erneut Robert Lewandowski zentral offensiv beginnen und Mario Götze nach links oder rechts außen rücken. Das ist keine Optimallösung, könnte aber gegen eine weniger aufmerksame Abwehr trotzdem mal funktionieren. Prinzip Hoffnung, klar. Lewandowski muss im übrigen bis Samstag noch einen grippalen Infekt auskurieren.

Nicht sonderlich euphorisch hat Jürgen Klopp das Comeback von Sebastian Kehl in der Regionalliga aufgenommen. Er sieht den Kapitän noch entfernt von der Normalform und würde ihn lieber regenerieren lassen als ihn am Samstag im Kader zu haben. Die Personalie könnte dann wichtig werden, wenn Sven Bender wider Erwarten nicht rechtzeitig fit wird. Mit Toni da Silva und Markus Feulner stünden jedoch noch zwei Alternativen bereit. In der Abwehr muss bekanntlich Neven Subotic aus fragwürdigen Gründen erneut aussetzen und Felipe Santana bekommt eine weitere Chance.

Gerald Asamoah wird am Samstag seinem alten Freund Roman Weidenfeller voraussichtlich auf dem Spielfeld gegenüberstehen. Ein anderer Ex-Schalker, Innenverteidiger Zambrano, ist dagegen gesperrt. Außerdem fehlen den Gästen drei weitere Defensivkräfte: Kapitän Morena sowie die beiden Rechtsverteidiger Rothenbach und Lechner. Rechts hinten kam bei St. Pauli daher in den letzten Spielen der vor der Saison vereinslose und zuletzt in England tätige Moritz Volz zum Einsatz – ein möglicher Schwachpunkt (Kicker-Notenschnitt: 4,1).

Der Fakt, dass der FC St. Pauli Rückrunden-Spitzenreiter ist, sollte der Borussia als Warnung dienen. Überheblichkeit sehe ich momentan jedoch nicht als echte Gefahr. Wenn die Schwarz-Gelben wieder annähernd das Niveau vom Derby erreichen, werden sie gegen den Derbysieger von Hamburg erfolgreich sein.

UPDATE: Gerald Asamoah wird morgen weder in Lüdenscheid noch in Dortmund Fußball spielen. Dafür vermutlich auf der Couch sitzen und Fernsehen schauen. Eine Knieprellung macht den Einsatz des zuletzt erfolgreichen Stürmers unmöglich. Der engagierte Mittelfeld-Stammspieler Fabian Boll wird St. Pauli ebenfalls verletzungsbedingt fehlen. Ich sage nicht, dass das gut ist – aber der BVB steht jetzt in der Pflicht, die Situation auszunutzen.

Der Tag danach

Der Tag nach dem Derbysieg ist bizarrerweise zwei Tage vor Kaiserslautern. Zunächst aber noch mal zu dem, was sich gestern in Gelsenkirchen ereignet hat. Es war ein beinahe perfektes Spiel der Schwarz-Gelben, das alle Dortmunder glücklich machte. Nun sollten wir daran arbeiten, dass Derbysiege wieder verstärkt auftreten und die Merchandising-Abteilung nicht bei jedem ein „Derbysieger“-T-Shirt drucken ‚muss‘. Man fragt sich aber schon, wie Gelsenkirchen in die jetzige Lage geraten konnte. Es war aufgrund der Transferpolitik im Sommer zu ahnen, dass es schwer werden würde. Aber null Punkte nach vier Spielen? Ist da bisher der Trainer Magath am Manager oder der Manager Magath am Trainer gescheitert? Noch tendiere ich zu ersterem, was Schalke ein wenig Hoffnung geben kann.

Interessanterweise gibt es gewisse Parallelen in Österreich. Dort steht RB Salzburg, im Gegensatz zu S04 auch noch mit Abstand Liga-Krösus, zurzeit auf dem drittletzten Platz. Die Champions League wurde wie immer verpasst, das erste Spiel der Europa League-Gruppenphase verloren (immerhin gegen Manchester City). Und nun schieden die Limotrinker auch noch gegen den Drittligisten Blau-Weiß Linz aus dem ÖFB-Cup aus.

Felix Magath ist – wen wundert’s – ein Freund von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Aktueller Trainer in Salzburg ist Huub Stevens, der wiederum noch einige Freunde in Gelsenkirchen haben dürfte. Und mit Geld kann man doch alles regeln, wenn man Magath glauben darf…

Borussia Dortmund hat momentan nur eine Sorge: wie die Mannschaft sich nach dem Derby-Hoch auf das nächste Spiel gegen Kaiserslautern einstellen kann, das bereits am Mittwoch ansteht. Nach dem Erfolg in Lviv ging das erstaunlich reibungslos, aber der Hunger nach einem Derbysieg war auch riesengroß. Nun kommt der nicht zu unterschätzende Aufsteiger ins Westfalenstadion, der nur zwei Punkte weniger geholt hat als der BVB. Der FCK war bisher defensiv sehr stabil, wenn man bedenkt, gegen wen die Roten Teufel bereits gespielt haben. Die Abwehr dirigiert ein alter Bekannter, Martin Amedick, dem ich seinen Erfolg wirklich gönne. Der Verein hat den geteilten Top-Torschützen der Liga, Srdjan Lakic, in seinen Reihen. Und unter den Top 10 der Feldspieler führt der „Kicker“ auch die Mittelfeldkräfte Christian Tiffert und Ivo Ilicevic.

Sollte der BVB eine ähnliche Leistung wie in Gelsenkirchen abrufen, werden wir die drei Punkte trotz dieser Fakten in Dortmund behalten. Einfach wird das wahrscheinlich nicht, Geduld ist gefragt. Der FCK hat drei angeschlagene bzw. verletzte Spieler zu beklagen – Amri, Rivic und Simunek – die aber bisher zusammen erst zwei Spiele gemacht haben, also nicht unbedingt zur Erfolgself gehören. Jürgen Klopp muss auf die bekannten Verletzten verzichten, also Kehl, Dede, Hajnal, Kringe und Zidan. Nach heutigem Stand sind demnach keine Änderungen der Startelf zu erwarten, höchstens Kuba könnte aus Leistungsgründen eine neue Chance bekommen. Vielleicht ist das Spiel nach dem Derby das schwerste – es gibt jetzt aber nicht wirklich einen Grund, an der Mannschaft und ihrer Einstellung zu zweifeln.

Erst Madrid, dann Gelsenkirchen

Felix Magath beweist schwarzen Humor und holt Christoph Metzelder zum FC Schalke – den Mann, der vor drei Jahren im BVB-Trikot mit zwei Torvorlagen im Derby maßgeblich daran beteiligt war, dass S04 im Jahr darauf erneut ein Jubiläum feiern durfte. Metzelder wird seinen jetzigen Verein Real Madrid nach der Saison ablösefrei verlassen. Er konnte sich beim spanischen Rekordmeister nie richtig durchsetzen und war seit geraumer Zeit nur noch höchstens zweite Wahl.

Seine Verletzungsanfälligkeit hat Metzelder bei seinem Spanien-Abenteuer natürlich nicht geholfen. Aber konnte man das Scheitern nicht vorherahnen? Schließlich hatte er schon in seinen letzten Jahren beim BVB nicht mehr an seine Glanzzeiten wie die WM 2002 anknüpfen können – außer im Derby eben. Die Lösung sah der ehrgeizige Metzelder damals in einem Wechsel – und überschätzte sich mit dem Ziel Madrid gewaltig.

Metzelders internationaler Ruf hat gelitten und so ist die Rückkehr in die Bundesliga nur folgerichtig. Angesichts seines Ehrgeizes ist auch sein neuer Verein keine wirkliche Überraschung. Um den Abstieg so gering wie möglich zu halten, musste es schon ein Champions League-Teilnehmer sein. Für die Bayern hat es nicht gereicht, auch wenn Metzelder vom selben Verein wie Arjen Robben kommt. Somit blieb der FC Schalke. Der Wechsel wird ihm in Dortmunder Fankreisen wenig Sympathien einbringen, aber es ist legitim, dass ein Spieler seine Karriere über seinen Ruf bei den Fans stellt. Vermutlich rechnet Metzelder auch damit, dass Messias Magath seine Nationalmannschafts-Karriere wiederauferstehen lässt.

Muss man sich als BVB-Fan über diesen Transfer ärgern? Ich finde nicht. Christoph Metzelder hat für die Borussia Großes geleistet und wird es schwer haben, das in Gelsenkirchen zu wiederholen. Ganz ehrlich, wir haben Hummels, Subotic und Santana – wozu brauchen wir einen 29-jährigen, der jahrelang im Standby-Modus war?

100 Jahre Schwarz-Gelb

Politisch wird es nicht so lange halten, sportlich sind nun die ersten 100 Jahre der schwarz-gelben Borussia vorbei und die nächsten 100 können beginnen. Kurz vor Weihnachten 2009 könnte die Stimmung rund um den BVB kaum besser sein. Mit einer stimmungsvollen Jubiläumsfeier, die natürlich nicht vollständig ohne Kitsch auskommen konnte, wurde am Samstagabend der 100-jährige Geburtstag des Vereins in der Dortmunder Westfalenhalle gefeiert. Da die Geschichte von Borussia Dortmund in den letzten Wochen vielfach thematisiert und ausreichend durchleuchtet wurde, möchte ich ein paar persönliche Geschichten anfügen: Meine eindrücklichsten Momente mit dem BVB. Da ist nichts Spektakuläres dabei – es sind ganz normale Fangeschichten von einem besonderen Verein.

Eines der größten Highlights wird immer das Champions League-Finale 1997 in München bleiben. Ich sah die Partie wie viele andere vor dem Fernseher und meine Erinnerungen werden immer mit den legendären Worten von Marcel Reif verknüpft bleiben:

Ricken…lupfen jetzt…jaaaaaaa!

Das herrliche 3:1 von Lars Ricken war damals die Entscheidung zugunsten des BVB und ich kann Reif bis heute wegen nichts böse sein. Warum er so oft so hart kritisiert wird, ob aus Bremen oder München, kann ich unabhängig davon ohnehin nicht verstehen. Perfekt ist er nicht, aber… ich schweife ab.

Fünf Jahre später, 2002, holte die Borussia zum bisher letzten Mal die Meisterschale. Ich war damals zum Auslandsstudium in England und hatte mir geschworen, dass ich, wenn wir vor dem letzten Spieltag vorne stünden, nach Dortmund fliegen würde. So kam es dann auch. Wir hatten keine Karten für das Spiel gegen Bremen und wollten auch keine Schwarzmarkt-Preise bezahlen. Es ging uns mehr um die Stimmung in der Stadt und so suchten wir nach einer geeigneten Kneipe, in der wir das Spiel sehen konnten. In der Kneipe stehend verfolgten wir die Anfangsphase, bis eine Bekannte meines Bruders einen Anruf ihres Vaters erhielt, dass das Spiel auch vor dem Stadion auf einer großen Leinwand gezeigt würde. Weiterlesen „100 Jahre Schwarz-Gelb“