BVB stolpert ins Achtelfinale

DFB-Pokal, 2. Runde / Hannover 96 0 BVB 2

Ein 0:2-Auswärtssieg beim Tabellenfünften der zweiten Liga ist zunächst mal ein vollkommen akzeptables Ergebnis. Die andere Borussia wäre sicher auch mit einem Sieg im Elfmeterschießen beim aktuellen Spitzenreiter jener Liga zufrieden. Doch war es natürlich die Art des BVB-Auftritts im Niedersachsenstadion, die gerade im Kontext der bisherigen Saison Fragezeichen hinterlässt. Denn in jenem Licht kann man den mühsamen Sieg eben nicht als „bad day at the office“ abtun. Trotzdem gab es auch etwas – jemanden – zu feiern…

Nach seinem angeblichen Fehler an der Alten Försterei präsentierte sich Torwart Gregor Kobel, als sei er die letzten Wochen nicht weg gewesen. Sieben gehaltene Schüsse auf sein Tor, davon mindestens drei wirklich starke Paraden, gute Strafraumpräsenz – da fallen auch zwei, drei ins Aus geschlagene Bälle nicht ins Gewicht. Ohne Kobel, das legte nach der Partie auch Emre Can nahe, hätte die Borussia in Hannover noch mehr, vielleicht sogar unlösbare, Probleme gehabt.

Besser als in Berlin, aber nicht in jeder Hinsicht

Dabei lief es zunächst gegensätzlich zum und deutlich besser als beim Union-Spiel: Schon nach zehn Minuten gingen die Schwarz-Gelben in Führung. Moukokos Schuss von rechts war eher eine Hereingabe, doch Hannovers Arrey-Mbi fälschte den Ball ins lange Eck ab. Trotzdem gebührt Youssoufa unbedingt Respekt dafür, wie er sich in der Szene flink durchsetzte – und Julian Brandt dafür, wie er den Ball über den Kopf zu Hazard weiterleitete. Überhaupt Brandt: Auch wenn bei ihm immer noch zu viel falsch läuft – er ist andererseits der Borusse für die besonderen Momente. Die münden nicht immer in einem Tor, aber man hat Spaß beim Zuschauen.

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Pokal-Auslosung: Es wird fast wie früher

Borussia Dortmund fährt im DFB-Pokal zu Hannover 96. Das hat am späten Sonntagnachmittag die Auslosung der 2. Runde im ZDF ergeben. Ab sofort muss man sich als stark auf den Pokal fixierter Verein ja freuen, wenn man keinen Erstligisten bekommt – das erfüllt dieses Los schon mal. Für mich fühlt sich Hannover weiterhin nach Liga 1 an. Nicht wegen der aktuellen sportlichen Situation, aber früher war das Niedersachsenstadion aufgrund seiner Lage eines der Auswärtsziele, die ich öfter mitgenommen habe. Es ist sicher kein absolutes Top-Stadion des deutschen Profifußballs, aber es gab auch selten was zu meckern.

Nun geht’s also im Pokal dorthin. Die 96er haben in der ersten Runde relativ problemlos 0:3 bei Schott Mainz gewonnen. In der 2. Liga stehen sie nach zuletzt vier Siegen in Folge inzwischen auf Platz 5, mit nur drei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Paderborn. Da könnte man ja fast denken, der Abstieg sei nur ein Ausrutscher gewesen. Aber auch dieser HSV kämpft sich schon länger in der aktuellen Spielklasse ab als ihm lieb ist: 2019 abgestiegen befindet man sich jetzt bereits in der vierten zweitklassigen Saison. Die bisherigen Endplatzierungen: 6, 13 und 11. Am meisten hört man jenseits von Niedersachsen von 96, wenn es mal wieder um Martin Kind geht.

Bekanntester Mann im Kader ist zweifellos die Nummer 1: Ex-Nationalkeeper Ron-Robert Zieler, letztes Jahr zurückgekehrt aus Köln zu seinem bereits dritten Engagement in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Mir als nur oberflächlichem Zweitliga-Beobachter ist ansonsten vor allem Innenverteidiger Julian Börner bekannt – von seiner Zeit bei Sheffield Wednesday in England. Kicker-Topspieler ist bisher Abwehrkollege Derrick Köhn (Note: 2,92), die Top-Torschützen sind der 19-jährige Deutsche Maximilian Beier und der 29-jährige Norweger Havard Nielsen mit je drei Treffern. Und auf der Bank sitzt seit Juli der ehemalige Fürther Auf- und Abstiegstrainer Stefan Leitl.

Auch wenn ich mit Hannover immer noch Auswärtsspiele in der Bundesliga verbinde, sind die Niedersachsen inzwischen eher ein typischer Zweitligaverein, bei dem man nicht so recht weiß, wohin die Reise geht. Zuletzt – wenn auch nicht letzte Saison – war die 2. Liga oft ein großer Gleichmacher, in der man auch als Absteiger schnell versumpfen kann. Hannover 96 jedoch im Pokal zu unterschätzen sollten die Schwarz-Gelben unbedingt vermeiden. Das Potenzial für ein weiteres St. Pauli ist im Niedersachsenstadion sicher vorhanden. Stattfinden wird die Partie Hannover 96 v BVB am 18. oder 19. Oktober.

Pokal-Aus: Sisyphos Rose und der verpasste Serienstart

DFB-Pokal, Achtelfinale / FC St. Pauli 2 BVB 1

Man kann mitfühlen mit Marco Rose: Da steht er nach der Pokalpleite am Millerntor im ARD-Interview Rede und Antwort und so ziemlich das Einzige, was ‚Experte‘ Bastian Schweinsteiger zu den Schwarz-Gelben einfällt, ist, dass sie mehr Typen bräuchten, die auch mal den Mund aufmachen – so wie Thomas Müller bei den Bayern. Die, worauf Rose hinwies, im Pokal mit 0:5 an Gladbach gescheitert sind – übrigens mit Thomas Müller. Das Gespräch blieb eher kurz und inhaltlich substanzarm, natürlich auch wegen der Enttäuschung des BVB-Trainers. Die Crux sprach Rose aber schon an: Man schaffe es einfach nicht, eine Serie zu starten.

Die Borussia hatte in Frankfurt die nötige „Haltung“ gezeigt und gegen Freiburg eindeutige Verbesserungen erkennen lassen. Doch es bleibt dabei: Die Entwicklung ist nicht nachhaltig. Klar ist es schwer, wenn man gegen den Tabellenführer der 2. Bundesliga, der in der gestrigen Form allemal das Format für die höchste Spielklasse hat, in Rückstand gerät. Ohne eigene Fans auf anscheinend schwerem Boden gegen ein defensivstarkes Team. Doch der BVB hatte noch 86 Minuten Zeit und nutzte sie nicht entsprechend seiner Ansprüche.

Das 1:0 darf so nie fallen und offenbarte einen riesigen Kontrast zum aggressiven Auftreten gegen Freiburg. Auf der rechten Seite standen vor der verhängnisvollen Flanke zwei bis drei Hamburger fünf bis sechs Dortmundern gegenüber. Keiner der Schwarz-Gelben ging im entscheidenden Moment energisch in den Zweikampf. Ein Tackling/ein Zweikampf ist zwar nicht immer das beste Mittel des Defensivspielers, wenn er eins gegen eins steht, doch bei einer solchen Überzahl hätte ein Borusse problemlos aktiv werden können, um die Hereingabe zu verhindern. Doch die kam, in der Mitte waren Reus und Akanji auf sich gestellt und nicht in der Lage, den Torabschluss von Amenyido zu verhindern. Die Mannschaft offenbarte die gleiche Passivität wie früher, die gegen den SCF überwunden schien.

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Promi-Joker gewinnen Spiel

DFB-Pokal, 2. Runde / BVB 2 FC Ingolstadt 0

25.130 Zuschauer waren gestern Abend im Westfalenstadion. Der Hauptgrund für den spärlichen Zuspruch dürfte nicht die Aussicht auf einen wenig glanzvollen Arbeitssieg gewesen sein. Trotzdem passte die Kulisse zu dem, was lange Zeit auf dem Platz zu sehen war. Denn es fehlten zunächst nicht nur eine Reihe prominenter Kranker und Verletzter, sondern auch drei potenzielle Stammkräfte, die geschont wurden: Marco Reus, Thorgan Hazard und Manuel Akanji.

Der Gegner – der Tabellenletzte der 2. Bundesliga FC Ingolstadt – war gekommen, um zu verteidigen. Am Ende standen für die Schanzer drei Torschüsse, von denen keiner aufs Ziel kam. Das ist nur einer mehr, als mein lokaler Regionalligist Babelsberg 03 zuvor gegen RB Leipzig geschafft hatte. Trotzdem gelang es dem BVB lange nicht, aus seiner drückenden Überlegenheit Kapital zu schlagen. Eine Angriffs-Drei mit Julian Brandt, Steffen Tigges und Reinier ist schlicht nicht torgefährlich genug. Wenn zudem im Mittelfeld mit Jude Bellingham nur einer steht, der wirklich kreativ werden und in der gegnerischen Defensive für Aufregung sorgen kann, kommt selbst das Kellerkind aus Liga 2 nicht an seine Grenzen.

Game Management gelungen

Man muss das bis zur 71. Minute Gesehene allerdings nicht zu einem bleibenden Eindruck überhöhen. Dass Marco Rose mit den Kräften seiner Spieler haushalten muss, zeigen ja gerade die vielen Verletzungen. So gesehen war die Startelf nachzuvollziehen. Die Frage nach der qualitativen Tiefe des Kaders ist legitim, doch der Verein wird die Situation schon aus finanziellen Gründen nicht von heute auf morgen ändern können. Letztlich handelte der Trainer gestern noch rechtzeitig, wechselte in eben jener 71. Minute Reus und Hazard für Tigges und den schon gelb belasteten Meunier ein – und damit den Erfolg. Was einen ausgeruhten Hazard von den restlichen gestrigen Offensivkräften unterscheidet, war unverzüglich zu sehen: Läufe mit und ohne Ball in aussichtsreiche Positionen und schnelle Abschlüsse. Mit den zwei eingewechselten „Promis“ als Partner im Angriff wurde Julian Brandt doch noch zum Assist-Geber.

Obwohl er nicht so auffällig wie Jude Bellingham agierte, sollte der die linke Seite beackernde Marius Wolf mal Erwähnung finden. Er galt als abgeschrieben, als einer der ersten Wechselkandidaten im Sommer. Inzwischen ist Marco Rose angesichts der personellen Situation sicher froh, dass er ihn als sehr ordentliche Alternative für beide Seiten zur Verfügung hat. Wolf muss sich hinter keinem Konkurrenten verstecken; nur Raphael Guerreiro ist ihm in Normalform ein gutes Stück voraus. Das sagt etwas über die Schwachstellen des aktuellen schwarz-gelben Kaders aus, ist aber einfach auch eine schöne Geschichte.

Am Samstag kommt der Effzeh ins Haus – ein vermutlich deutlich schwererer Test für den verletzungsgeschwächten BVB. Danach geht’s gegen Ajax und Leipzig, immer noch ohne Erling Haaland. Der November hat es also in sich – im Fall des Norwegers nur gut, dass der Monat eine weitere Länderspielpause mit sich bringt.

Die Aufstellung: Hitz – Can, Hummels (83. Akanji), Pongracic – Meunier (71. Hazard), Witsel, Bellingham, Wolf (87. Knauff) – Brandt (87. Passlack), Tigges (71. Reus), Reinier. Gelbe Karte: Meunier. Tore: Hazard (2)

Pokalsieger 2021: Und wir freuen uns doch!

DFB-Pokal, Finale / RB Leipzig 1 BVB 4

Viel war darüber geredet worden, wie das wohl sein werde: ein Pokalfinale in Berlin mit schwarz-gelber Beteiligung, aber ohne Fans. Wer bei einem der vergangenen Endspiele dabei oder zumindest in der Stadt war, weiß, dass das noch mal etwas anderes ist als eine beliebige andere Partie vor leeren Rängen. Es hatte schon etwas Surreales, wie die glücklichen BVB-Profis am Ende mit dem Pokal auf den Rängen durchs leere Stadion liefen. Aber trotzdem: Die Situation ist wie sie ist. Und dafür war es schon ziemlich genial, was gestern im Olympiastadion passiert ist.

Perfekter Start, starke Konter

Die Dortmunder – inklusive dem fitten Erling Haaland – gingen wach und mit einer guten Portion Aggressivität ins Spiel und belohnten sich schon nach fünf Minuten. Eine Balleroberung von Marco Reus mündete schließlich in einen tollen Schlenzer von Jadon Sancho ins Tor. Womit schon zwei der Hauptfiguren des Abends erwähnt wären. Reus ist zum bestmöglichen Zeitpunkt wieder in Topform. Und Jadon – nicht nur Erling – werden wir hart vermissen, wenn er im Sommer tatsächlich wechseln sollte. Haaland zeigte dann beim 0:2, wieso es so wichtig war, ihn dabei zu haben, selbst wenn es am Samstag noch ohne ihn geklappt hatte. Wie er sich gegen Upamecano behauptete und dann trotz Bedrängnis die richtige Ecke in Gulascis Kasten fand – unnachahmlich!

Zuvor hatte die Partie bereits ihren Rhythmus gefunden: Es spielte vor allem die Leipziger, die alles in allem passsicherer und flüssiger agierten. Nur eben nicht bis vors Tor – zumindest in der ersten Hälfte nicht. Das frühe Pressen, das der BVB zunächst noch praktiziert hatte, sah man später nur noch punktuell. Zahlen untermauern die optische Überlegenheit der Brause-Kicker: 60 Prozent Ballbesitz, 248 zielgenaue Pässe in der gegnerischen Hälfte gegenüber 92 bei der Borussia. Allerdings machten es die Schwarz-Gelben offensiv eben besser: Sie brauchten nicht viele Pässe und auch nur zehn Torschüsse, von denen fünf zielgenau und vier drin waren (Leipzig: 22/4/1). Die Nadelstiche und Konter, die der BVB setzte, waren oft gefährlich und es hätte auch noch höher ausgehen können – wenn man etwa an die Chancen von Thorgan Hazard und vor allem Jadon Sancho denkt. Weiterlesen „Pokalsieger 2021: Und wir freuen uns doch!“

Dortmund glänzt, Berlin wartet

DFB-Pokal, Halbfinale / BVB 5 Holstein Kiel 0

Ohne Erling Haaland spaziert Borussia Dortmund ins Pokalfinale. Trotz des Ausfalls des schwarz-gelben Torjägers war das klare Weiterkommen nicht überraschend, allenfalls die Höhe des Sieges. Einfach guter Fußball – was will man mehr? Nur eine vermutlich schwere Verletzung dämpft die Freude.

Großer Fußball ohne klassische „9“

Als ob es diese Wendung noch gebraucht hätte, als ob dieser einseitigen Partie der Gesprächsstoff fehlte: Es waren bereits drei Viertel des Pokal-Halbfinales absolviert, der BVB führte immer noch 5:0, als sich der erst 13 Minuten zuvor eingewechselte Mateu Morey ohne Fremdeinwirkung in einem Laufduell wohl schwer am Knie verletzte und vor Schmerzen schrie. Scheinbar ist es in diesen Zeiten einfach nicht möglich, Fußball mal halbwegs unbeschwert zu genießen. Dabei denke ich natürlich nur ganz am Rande an mich und „uns Fans“, sondern zuallererst an Mateu Morey, der kurz vor seinem ersten Endspiel mit dem BVB stand und nicht nur das mit Sicherheit verpassen wird. Gute Besserung, Mateu!

Zur Geschichte der Partie zuvor gibt es dagegen viel Erfreuliches zu sagen. Ob mit oder ohne Haaland: Die klare Maßgabe von Trainer Edin Terzic schien gewesen zu sein, Holstein Kiel von Beginn an unter Druck zu setzen und nicht ins Spiel kommen zu lassen. Endlich mal konsequentes, ganz frühes Anlaufen, endlich mal flüssiges Kombinationsspiel nach vorne! Natürlich geht das leichter gegen einen Zweitligisten, der vor nicht allzulanger Zeit noch in Quarantäne war und deswegen nun ein richtig volles Restprogramm hat. Aber der BVB schaffte es nicht nur, das auszunutzen, sondern glänzte dabei auch noch.

Bis zum ersten Tor durch Giovanni Reyna hielten die Kieler noch einigermaßen dagegen; in der Folge wurden sie dann regelmäßig überspielt. Vielleicht hätten es die „Störche“ zumindest taktisch einfacher gehabt, wenn Haaland als einzige Spitze auf dem Platz gestanden hätte. Nominell schlüpfte Thorgan Hazard in dessen Rolle, aber die eigentliche Gefahr entwickelten zunächst die Drei hinter ihm: Sancho, Reus und Reyna brillierten und die Gäste-Defensive bekam die schnellen Kombinationen auf allen Seiten nicht eingehegt. Der Fokus fehlte – was nicht heißen muss, dass es mit der Urgewalt Haaland tatsächlich leichter für die Kieler gewesen wäre.

Den Titel holen – für den Fußball!

Die zweite Hälfte konnte erwartungsgemäß nicht mit der Qualitäts-Demonstration der ersten 45 Minuten mithalten. Absolut nachvollziehbar, dass Edin Terzic Julian Brandt nach der Halbzeit und Reinier, Delaney und Morey nach 62 Minuten Spielpraxis verschaffte. Am Ende stand eine Passquote von 92 Prozent, die auch gegen einen Zweitligisten und selbst unter Einbeziehung der Quer- und Sicherheitspässe stark ist.

Es folgen nun zwei Partien gegen RB Leipzig. Das muss man so nicht haben, denn eigentlich gehört RB dahin, wo man auf Asche spielt; es ist aber die Realität. Leipzig schätze ich momentan nicht stärker ein als den BVB, sie haben aber einen Vorteil: Das Spiel am Samstag müssen sie nicht gewinnen, denn niemand glaubt, dass sie noch Meister werden. Eine interessante Frage ist, welche der beiden zweifellos wichtigen Begegnungen man für wichtiger hält. Für mich ist es das Pokalfinale. Weil es um einen Titel für den BVB geht und in zweiter Linie auch darum, einen Titel für Leipzig zu verhindern. Deshalb wird uns ein Großteil von Fußball-Deutschland die Daumen drücken – hoffentlich hilft’s!

Die Aufstellung: Hitz – Piszczek (62. Morey (74. Meunier)), Akanji, Hummels, Guerreiro – Bellingham, Can (62. Delaney) – Reyna (46. Brandt), Reus (62. Reinier), Sancho – Hazard. Tore: Reyna (2), Reus, Hazard, Bellingham

Typisch Pokal: Dortmund kämpft sich ins Halbfinale

DFB-Pokal, Viertelfinale / Mönchengladbach 0 BVB 1

Nach dem erwartet schweren und mäßig attraktiven Gastspiel im Borussia Park steht der BVB im Pokal-Halbfinale. Zerfallserscheinungen waren bei den bald Rose-losen Gladbachern nicht zu erkennen. Am Ende entschied die in einigen Szenen sichtbare etwas höhere Qualität im Abschluss die Partie für Schwarz-Gelb.

Kaum gepresst und doch gewonnen

Es gab wenige Torraumszenen im ersten Durchgang, dafür viele Ballverluste, auch dank wacher Defensivreihen. Thuram hätte Gladbach früh in Führung schießen können; Erling Haaland hatte die Gelegenheit in der 36. Minute, als er nach langem Pass von Mats Hummels hinter die Abwehr nur von einem Gladbacher verfolgt aufs Tor zulief, aber vorbeischob. Allerdings hatten die Gastgeber optisch mehr vom Spiel, liefen die Schwarz-Gelben häufig schon weit in deren Hälfte an und unterbanden so weitgehend einen konstruktiven Spielaufbau.

So wenig wie der BVB presste, dürfte diese Ausrichtung bis zu einem gewissen Grad eine Vorgabe von Edin Terzic gewesen sein. Dass er sich die erste Halbzeit genau so wünschte, ist aber nicht anzunehmen. Mit der erwähnten Ausnahme fehlten die schnellen Gegenstöße, auf die die Gäste wohl spekulierten. Dass ein solcher später doch noch zum 0:1 führte, hatte mit der taktischen Marschroute wenig zu tun. Im Anschluss an eine eigene Ecke spielten die Gladbacher in der 66. Minute einen Fehlpass. Ausgerechnet Nico Schulz, der früh für den verletzten Guerreiro ins Spiel kam, nutzte die Szene, um einen schönen Konter über Reus und Sancho einzuleiten, den Letzterer mit dem Führungstreffer abschloss. Weiterlesen „Typisch Pokal: Dortmund kämpft sich ins Halbfinale“

Dortmund eine Runde weiter

DFB-Pokal, 2. Runde / Eintracht Braunschweig 0 BVB 2

Mehr als das Ergebnis wird von der Partie nicht in Erinnerung bleiben – es sei denn, ein gewisser Steffen Tigges kommt bald richtig groß raus. Der BVB erfüllt in Braunschweig eine Pflichtaufgabe, ohne Glanz, aber auch ohne große Probleme.

Mut, der nicht bestraft wird

Besagter Steffen Tigges, 22, ist normalerweise Stürmer und Kapitän von Dortmunds U23 in der Regionalliga West. Gestern durfte er von Beginn an im Sturmzentrum der ersten Mannschaft ran, denn auch Haaland-Vertreter Youssoufa Moukoko war nicht ganz fit. Dass Edin Terzic auf ihn setzte und nicht wie Lucien Favre so häufig auf eine falsche oder ungeeignete „9“, ist grundsympathisch. Es zeigt den Jungs im Nachwuchs einen Weg nach oben auf und es war gegen Eintracht Braunschweig auch nicht waghalsig.

Steffen Tigges hatte einige Abschlüsse, jedoch kein Glück dabei. In der 85. Minute parierte Eintracht-Keeper Fejzic einen ordentlichen Versuch von ihm, doch hätte Tigges in dieser Szene auch querlegen können. Trotzdem war es ein ordentliches erstes Pflichtspiel bei den Profis und es gibt wenig Anhaltspunkte, dass der BVB bei dieser personellen Lage in einer anderen Konstellation erfolgreicher gewesen wäre.

Auf der Suche nach kreativen Lösungen

Bedenklich ist, dass die Borussia sich auch gegen den Tabellen-15. der zweiten Liga schwer tat, Lücken im Abwehrverbund zu finden. Die Statistik besagt, dass die Schwarz-Gelben 19 Torschüsse abgaben, von denen vier aufs Tor kamen. Großchancen gab es ebenfalls vier. Es sind keine Werte, für die man sich schämen muss, aber angesichts vom geringen Offensivdrang bzw. -vermögen der Gastgeber – mit Ausnahme des fulminanten Lattenkrachers von Bär kam da wenig – hätte man sich deutlich mehr erhofft. Die Partie war weder ein spannender Schlagabtausch, noch glänzte der BVB mit Toren, Tricks und Sensationen. Über weite Strecken war es eher ermüdend, den beiden Teams zuzuschauen.

Thomas Delaney und Jude Bellingham besetzten diesmal die 6er- und 8er-Positionen und machten ihre Sache ganz OK. Julian Brandt durfte starten, bewegte sich ganz ordentlich, ohne durch irgendwelche Geistesblitze oder besondere Finessen aufzufallen. Und auch seine vergebene Riesenchance in der 22. Minute wird ihm nicht weiterhelfen. Um mit positiven Vibes zu enden: Dan-Axel Zagadou ist auf einem guten Weg, wieder erste Wahl in der Innenverteidigung zu werden. Und Jadon Sancho traf endlich wieder, nachdem er vom eingewechselten Reus in der Nachspielzeit steil geschickt worden war.

Nun ist dieses gruselige 2020, das auch für den BVB keine wahre Freude war, bald vorbei. Die letzte Aufgabe haben die Schwarz-Gelben erledigt. Anfang Januar eröffnet das Transferfenster, während dem keine aufsehenerregenden Aktivitäten in Dortmund zu erwarten sind. Wie sich die Mannschaft dann auf dem Platz präsentieren wird, lässt sich noch nicht absehen. Ich wünsche mir sehr, dass der Versuch mit Edin Terzic funktioniert. Aber dazu muss sich noch einiges ändern. Was das sein könnte – damit wird sich ein weiterer Artikel in den kommenden Tagen beschäftigen.

Die Aufstellung: Hitz – Morey (83. Meunier), Hummels (46. Akanji), Zagadou, Guerreiro – Delaney – Bellingham (76. Witsel), Brandt (63. Reus) – Sancho, Tigges, Reyna (83. Hazard). Gelbe Karten: Bellingham, Morey. Tore: Hummels, Sancho

Atemlos in Fürth

DFB-Pokal, 1. Runde / Greuther Fürth 1 BVB 2 (n.V.)

Und schon wieder Drama: Beim letzten Aufeinandertreffen mit der Spielvereinigung aus Fürth hatte der BVB in der Verlängerung gegen den Ersatztorwart der Franken den Einzug ins Pokalfinale klar gemacht. Gestern trafen die Schwarz-Gelben zweimal in der Nachspielzeit, davon einmal in der Verlängerung, und übertrafen somit noch das Drama vom letzten Mal.

Damals folgte eine magische Nacht in Berlin. Der Weg dorthin ist 2018 ungleich länger und schwieriger. Im ersten Pflichtspiel unter Lucien Favre offenbarten die Schwarz-Gelben noch einige Schwächen, die baldmöglichst abzustellen sind. Hier sind ganz kompakt meine Tops und Flops des Spiels.

Von heute auf morgen wird die Borussia auch unter Favre ihre Probleme gegen tief stehende Teams nicht los. Und die Fürther verteidigten sehr tief, oft komplett in der eigenen Hälfte. Trotz einiger Hochkaräter fehlten dem BVB noch zu oft die Ideen, wie man die Defensive der Gastgeber auseinanderspielen könnte.

Damit hängt eine nicht unerhebliche Personalie zusammen: Mahmoud Dahoud. Der Mittelfeldspieler hatte durchaus einige ansehnliche Aktionen. Sie endeten aber alle schrecklich uneffektiv. Zu hastig wirkte der mit seinem Gladbacher Trainer Wiedervereinte, traf zu oft falsche Entscheidungen und war auch beim Gegentreffer nicht auf der Höhe, wo er zur Abwechslung mal zu langsam reagierte. Bleibt zu hoffen, dass es hier kein Spezitum zwischen Trainer und Spieler gibt. Mo ist sicher ein Netter, aber nach gestern sollte so bald wie möglich Witsel neben Delaney spielen, von Anfang an.

Marco Reus erzielte in den letzten Momenten der Partie den Siegtreffer, nach toller Vorarbeit von Jadon Sancho. Doch zuvor hatte es schon über längere Phasen so gewirkt, als ob den Schwarz-Gelben ein Stoßstürmer fehle. Reus über außen oder als 10 macht für mich immer noch mehr Sinn. Philipp sehe ich trotz fehlenden Glücks gestern eher in der Mitte.

+++— Gut gestanden hat gestern die Abwehr. Eigentlich. Diallo und Akanji als gute Innenverteidiger, die auch kicken können, das passt so schon. Wie so oft nicht ganz zufriedenstellend war es außen. Marcel Schmelzer stand häufig sehr zentral und überließ anderen die Absicherung des Flügels. Wenn das eine Vorgabe des Trainers war, was ich so bezweifle, brachte es keine Souveränität auf die Flügel.

+++ Natürlich muss man die Einstellung loben. Es gab auch andere Bundesligisten, die in dieser ersten Runde hart ums Weiterkommen kämpfen mussten, nicht zuletzt den amtierenden Meister. Es gab auch ein paar, die gescheitert sind. Aber keiner brauchte oder hatte die Nerven, einmal 30 Sekunden vor dem Ende der Nachspielzeit das Aus zu verhindern und dann kurz vor Ende der Verlängerung alles klar zu machen. Als die Beine schon sehr schwer und die Pause vor dem Elfmeterschießen schon ganz nah war.

Jetzt also: Leipzig. Ein Härtetest zum Bundesliga-Start, wenn es denn einen gibt. Auch die Brausesäufer wirkten im Pokal bei Viktoria Köln nicht souverän. Alles offen, alles drin also.

Die Borussia vor dem Start

Lange Zeit wurde dieser heiße Sommer in Sachen Fußball von den Nachwehen der WM bestimmt. Inzwischen wird wieder über anderes gesprochen. Spätestens ab Montagabend auch wieder über den BVB – hoffentlich aus den richtigen Gründen.

In der laufenden 1. Runde des DFB-Pokals hat es schließlich schon mehrere Überraschungen gegeben. Titelverteidiger Frankfurt scheiterte beim Viertligisten Ulm, der VfB beim Drittligisten Hansa Rostock. Der FC Bayern erzielte beim Regionalligisten Drochtersen nur ein Tor. Und Borussia Dortmund muss morgen Abend beim nominell schwerstmöglichen Gegner, dem Zweitligafünfzehnten der Vorsaison, antreten. Nach zwei Spieltagen der aktuellen Saison steht Greuther Fürth sogar mit vier Punkten auf dem dritten Tabellenplatz.

Ehrlicherweise muss man als Schwarz-Gelber ohnehin zugeben, dass man vor der Saison 2018/19 noch so gar nicht sagen kann, wohin die Reise geht. Ein neuer Trainer, eine Reihe von neuen Spielern, ein großer Kader, noch kein Mittelstürmer – das sind alles schwer einzuschätzende Faktoren. Der BVB ist die sprichwörtliche Gleichung mit vielen Unbekannten. Wie weit ist beispielsweise die Abwehr? Glaubt man jüngsten Berichten, hat sich Lucien Favre für eine junge, frische Innenverteidigung aus Abdou Diallo und Manuel Akanji entschieden. Außen sollen dagegen die BVB-Veteranen Schmelzer und der neue Vize-Kapitän Lukasz Piszczek die Seiten dicht machen – was in der letzten Spielzeit nur gelegentlich funktioniert hat. Im Tor bleibt Roman Bürki, der nicht über jeden Zweifel erhaben ist, aber natürlich in der letzten Saison von manchen viel zu heftig kritisiert wurde.

Weniger Fragezeichen bleiben bei der Qualität des zentralen Mittelfelds. Thomas Delaney und Axel Witsel sind allem Anschein nach Transfers, die der Borussia direkt weiterhelfen können. Die ‚Unbekannten‘ sind hier eher diejenigen, die nicht spielen oder im Kader stehen werden. Bei der Stürmerfrage gibt sich der BVB entspannt. Natürlich wird hinter den Kulissen geschaut was machbar ist. Sollte noch jemand für ganz vorne kommen, könnte das die Einsatzzeit von beispielsweise Maximilian Philipp stark einschränken – was schade wäre. Doch braucht man nicht doch eine stärkere Nummer 9 als Alexander Isak? Das bleibt vorerst unbekannt. Auch das Pokalspiel wird hierbei noch keinen Aufschluss geben.

Fraglich bei den Gastgebern ist für morgen Kapitän Marco Caligiuri, ein nicht unbekannter, erfahrener Abwehrmann. Sein Fehlen könnte die Aufgabe im ausverkauften Sportpark Ronhof etwas erleichtern. Schauen wir mal, wie lang die Borussen brauchen, um Licht ins Dunkel zu bringen.