Der DFL gelingt die Quadratur des Kreises

Der Verteilschlüssel für die Fernsehgelder aus dem neuen Milliardenvertrag der Deutschen Fußball-Liga ist kompliziert. Es gibt verschiedene Töpfe, es geht dabei um Begriffe wie „Wettbewerbszonen“ und nach der Präsentation letzte Woche wusste noch niemand genau, welcher Verein künftig wie viel abbekommen wird. Allein dieser Fakt ist schon positiv, deutet er doch darauf hin, dass sich keine Interessengruppe eindeutig durchsetzen konnte. Eine verständliche Übersicht zu den wichtigsten Kriterien der Aufteilung liefert FAZ.net.

Durch das Befüllen neuer Töpfe konnten neue Kriterien geschaffen werden, die – und das ist das wirklich Bemerkenswerte – allesamt sportlich fair und nachvollziehbar erscheinen. Auch künftig ist die sportliche Leistung der letzten fünf Jahre der mit Abstand wichtigste Maßstab. Belohnt werden aber auch die Bundesligaergebnisse der letzten 20 Jahre – eine Art Fallschirm für Traditionsvereine also. Weitere Gelder werden zu gleichen Teilen an die Vereine einer Tabellenregion (oder eben „Wettbewerbszone“) ausgeschüttet, wobei erste und zweite Liga hier zusammen zu betrachten sind. Außerdem hat die DFL auch noch daran gedacht, den Einsatz von im eigenen Verband ausgebildeten U23-Spielern zu belohnen – immerhin 2 Prozent der nationalen Gesamtsumme werden nach Einsatzminuten für den eigenen Nachwuchs vergeben.

Das Wichtigste: Es bleibt sportlich. Sachfremde, unpraktikable und unfaire Kriterien, wie sie dem Team Marktwert um Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hertha BSC, 1. FC Köln und dem VfB Stuttgart vorschwebten, wurden als Schaumschlägerei entlarvt. So sind die TV-Quoten der Einzelspiele bei Sky aufgrund der Ansetzungen schlicht nicht vergleichbar: ein Spiel am Freitagabend ohne Konkurrenz gegenüber fünf gleichzeitigen Begegnungen am Samstagnachmittag. Fanzahlen bei Auswärtsspielen sowie in den sozialen Medien sind wiederum manipulierbar. Die Größe von Vereinen oder deren Einzugsgebiet zu belohnen wäre einfach nur schreiend ungerecht.

Man hätte es einer kommerziell orientierten Organisation wie der DFL vorher nicht zugetraut, dass am Ende eine Regelung herauskommt, die so weit wie möglich die Interessen aller, auch der Kleinen wahrt. Der Preis sind schwierige Berechnungen. Die nehme ich gerne in Kauf – vor allem, da vorher das Schlimmste zu befürchten war.

Zur Kritik am Supercup

Eins mal vorweg: Klar soll mit dem DFL-Supercup Geld verdient werden. Wie mit jedem anderen Profi-Fußballspiel. Und man kann über die in diesem Jahr unglücklich frühe Terminierung streiten. Aber zwei Argumente gegen den ‚Wettbewerb‘, die in den letzten Tagen häufig zu hören und lesen waren, sind für mich absolut nicht nachvollziehbar.

1. Von manchen Fans ist zu hören, der Supercup habe keine Tradition. Diese Kritik wird dann häufig mit dem Geld-Argument verbunden. Zugegeben, DFL und DFB haben in den letzten Jahrzehnten viel an diesem Wettbewerb herumgedoktert. Der Modus wurde mehrmals verändert, zwischendurch der Cup ganz abgeschafft. Natürlich ging es gerade beim Versuch, die Zahl der Spiele zu erhöhen, um Profitmaximierung. Aber in seiner jetzigen Form kann man dem Cup international gesehen Tradition nicht absprechen. Es gibt das Duell Meister gegen Pokalsieger vor der Saison in vielen Ländern, von England bis Spanien. Und die Wurzeln der ganzen Supercups reichen durchaus schon einige Jährchen zurück.

2. Ziemlich hanebüchen ist das Argument, der BVB habe als zweifacher Vize ja gar nicht verdient gehabt, den Supercup zu spielen. Kann man einen Wettbewerb, den man pushen und ernsthaft betreiben will, denn einfach absagen, wenn ein Verein das Double gewinnt? Wie gesagt, ziemlicher Blödsinn! Nicht zu vergessen: In der Liga und im Pokal unterlegene Vereine können auch in die Europa League nachrücken, wenn die erfolgreicheren Klubs Champions League spielen – darüber hat sich noch niemand aufgeregt.

TV-Tipp: „Wem gehört der Fußball?“

(Updated) Sämtliche relevanten deutschen Fußball-Sender – ARD, ZDF, Liga total!, Sky, und Sport1 – schalten sich in die Debatte um Fankultur und Fangewalt ein und starten die etwas sperrig betitelte Initiative „100 Prozent das Spiel – 0 Prozent Gewalt“, die sich gegen „die zunehmende Gewalt im Stadion“ stellt. Man kann die Medien zwar mit vollem Recht für ihre Rolle als ‚Durchlauferhitzer‘ für immer neue Sensationsmeldungen kritisieren, doch in diesem Fall sollte man auch anerkennen, dass hier anscheinend versucht werden soll, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen.

Mit einer Diskussionsrunde bei Phoenix startet heute Abend die eingehendere Berichterstattung zur Fandebatte, die in den nächsten Monaten auf alle beteiligten Sender ausgeweitet werden soll. „Wem gehört der Fußball“ – dieser Frage stellen sich ab 22 Uhr die auf dem Papier nicht uninteressanten Gäste: DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig, der sich bisher Mühe gegeben hat, offen auf die Fans zuzugehen, Philipp Markhardt von der Initiative „Pro Fans“, WDR-Sportchef Steffen Simon und der Innenminister von Baden-Württemberg Reinhold Gall (SPD). Zu viel sollte man sich von der Runde trotzdem nicht erwarten – es wird wohl auch von den Fragen und der Gesprächsführung durch Moderatorin Christina von Ungern-Sternberg abhängen, ob da Mehrwert hängen bleibt.

Der Versuch ist sicher löblich – man kommt allerdings etwas ins Grübeln, wenn man den Titel der vorausgehenden halbstündigen Dokumentation (ab 21.30 Uhr) liest: „Dritte Halbzeit Randale„. Auch dort sollen Beteiligte von allen Seiten zu Wort kommen; anscheinend dreht sich der Film um die Frau des Fahrers eines Nürnberg-Fanbusses, der an einer Autobahn-Raststätte von Bayern-Fans attackiert wurde. Die Frau verlor durch einen Flaschenwurf ein Auge – der Fall ging als einer der brutalsten Fan-Übergriffe durch die Medien.

In jedem Fall ist es richtig, dass nach dem Ende des Stimmungsboykotts auf einer anderen Ebene weiterdiskutiert wird – hoffen wir, dass es nicht nur auf dem Papier ausgewogen zugeht.

UPDATE: Nun ja. Das Niveau der Doku bewegte sich auf dem ihres Titels und die einstündige Diskussion danach wurde sogar mir zu lang. Da weiß man gleich wieder, um was es wirklich geht: das nächste Wochenende.

Jahresabschlussfeier

Meisterschaft, Pokalsieg, Champions League-Achtelfinale – kann man das alles noch in andere Worte fassen, was Borussia Dortmund im ausklingenden Jahr 2012 gelungen ist? Man kann, aber sehr viel ist schon gesagt. Ich bin kein großer Freund von schriftlichen Jahresrückblicken, da fehlt mir die Unmittelbarkeit. In Bildern geht das besser, finde ich. Daher werde ich mich kurz fassen.

Der BVB hat das tollste Jahr seiner Vereinsgeschichte hinter sich – da werden mir viele zustimmen, auch wenn es kein objektives Kriterium gibt, um ein nationales Double mit dem Gewinn der Champions League oder des Weltpokals zu vergleichen. Wir haben viele schöne und einige unglaubliche Momente erlebt – ein paar waren sogar unglaublich schön. Als Highlights kommen eine Handvoll oder mehr Spiele in Frage: der Sieg gegen Real, die Partie in Amsterdam, der erneute Auswärtssieg in München. Für mich – und auch da werde ich nicht der Einzige sein – war es das Pokalfinale in Berlin. Zum ersten Mal das Double geholt, den Rekordmeister und sportlich größten Konkurrenten mit 5:2 auseinandergenommen – das war ganz groß. Und ist schwer zu toppen – wie schon der damalige Beitrag auf „Any Given Weekend“ nahelegte.

Das DFL-Sicherheitskonzept und die Fanproteste dagegen können die fantastische Jahresbilanz  kaum trüben. Vieles daran war ein Sturm im Wasserglas. Die Dogmatiker auf beiden Seiten hatten sich hochgeschaukelt – gegenseitig und untereinander. Unnötig war der Protest selbstverständlich nicht. Es war wichtig, ein Zeichen zu setzen. Im Gegensatz zu den enttäuschten Aktivisten auf Fanseite glaube ich nicht, dass sich Verband, Vereine und Politik in den nächsten Jahren erlauben können und werden, die Freiheiten der Stadionbesucher unzumutbar einzuschränken. Dabei handelt es sich natürlich um eine Definitionsfrage.

Ich schließe mich zum Schluss diversen Altkanzlern an: Wir Schwarz-Gelben können mit Zuversicht ins neue Jahr gehen! Auf zu neuen Abenteuern! Ich wünsche allen Freunden und Lesern von Any Given Weekend eine schöne Silvesterfeier und ein gutes neues Jahr!

Stehplätze im Test?

Ich muss etwas gestehen: Mich beginnt die Debatte über das „sichere Stadionerlebnis“ zu langweilen. Auf der einen Seite regieren Populismus und Drohkulisse, aber von der anderen hört man ebenfalls wenig Konstruktives. Nach der Verabschiedung des überarbeiteten DFL-Sicherheitskonzepts könnte man meinen, der Untergang der Fußballkultur stünde bevor – wenn man den Angstmachern auf Seiten der Fans Glauben schenkt. Dabei sind der Kontrollwahn bei den einen und die Angst vor jeder Veränderung bei den anderen nur die Effekte einer ähnlich gelagerten, medienbefeuerten Paranoia.

Eine der vernünftigsten Aussagen der letzten Tage kam vom Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte Michael Gabriel:

Entscheiden wird sich ohnehin alles damit, wie die Fans in Zukunft behandelt werden. Am wichtigsten ist das Verhältnis zwischen dem jeweiligen Klub und seinen Fans. Dort muss man sich die Mühe machen, gemeinsam gegen die negativen Entwicklungen vorzugehen.

Die Devise kann nur lauten: Abwarten und im Dialog bleiben. Zwar sind die Formulierungen im DFL-Konzept sicher bewusst schwammig, doch kamen bisher aus der Fanszene auch kaum effiziente, konstruktive Vorschläge, was gegen die Gewalt getan werden kann, die – in welchem Ausmaß auch immer – da ist. Bisher war man vor allem gegen die Vorschläge der anderen Seite.

Anderswo sieht es ganz anders aus. In England kämpft die Fanvereinigung „Football Supporters Federation“ (FSF) um die Wiedereinführung der Stehplätze. Vorerst nur probeweise und mit zweifelhaften Erfolgsaussichten. Neben den Behörden und fast allen Premier League-Clubs gibt es einen besonders bedeutenden Gegner des Stehens im Stadion: Die Hillsborough Family Support Group, eine Vereinigung für die Opfer der Katastrophe von Hillsborough.

Es ist im Mutterland des Fußballs also deutlich umstrittener, sich für Stehplätze einzusetzen. Trotzdem unterstützen neben den aktiven Fans immerhin 13 Profivereine, darunter Aston Villa aus der Premier League und einer meiner englischen Lieblingsclubs, Derby County, einen Feldversuch. Doch der Premier League-Verband lehnt diesen aus durchsichtigen Gründen ab und um ihn zu starten, müsste erst das britische Parlament das entsprechende Gesetz ändern. Diese Debatte finde ich bedeutender und bedeutend spannender als die deutsche.

Mit Übertreibung, ohne Plan: die DFL-Sicherheitsdiskussion

Aufgeregte Reaktionen, reihenweise Vereine, die auf Distanz gehen und eine Fankampagne, initiiert von Schwatzgelb.de – die Vorschläge einer „Kommission Sicherheit“ des DFL-Ligaverbandes zur Verbesserung der Sicherheit in Fußballstadien haben ein großes Echo hervorgerufen. Diskutiert wird über ein Maßnahmenpapier (auffindbar via Ruhrbarone), das auf der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes Ende September präsentiert wurde, aber noch keineswegs beschlossene Sache ist. Leider gibt es dabei auf Seiten der Fans ein Äquivalent zur ausufernden Medien-Berichterstattung über Gewalt im Fußball-Umfeld. Auch die Äußerungen von Bloggern, Fan- und fanfreundlichen Vereinsvertretern beinhalten Übertreibungen und Schwarz-Weiß-Malerei.

Was die Diskussion wesentlich erschwert, ist die Uneinigkeit über die Dimension der Problematik. Durch aufgeregte Medienberichte wird das Fehlverhalten einiger Fans in immer kürzeren Abständen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit transportiert. Daraus konstruiert der Meinungsmainstream einen Handlungsdruck. „Ich fühl‘ mich sicher“, die schon erwähnte Kampagne von Schwatzgelb.de, bestreitet dagegen, dass der Besuch eines Fußballspiels in den letzten Jahrzehnten gefährlicher geworden sei und belegt, dass beispielsweise beim Münchener Oktoberfest das Risiko eines Personenschadens deutlich höher liegt.

Wir haben es hier allerdings mit einem generellen Problem von Statistiken zu Massenveranstaltungen zu tun. Während der Fußball über die Saison betrachtet sicher erscheint, gibt es bei einzelnen Partien Vorkommnisse, über die man nicht so einfach hinweggehen kann. Das Relegationsrückspiel zwischen Düsseldorf und Hertha BSC kommt einem in den Sinn, hierbei vor allem das Verhalten der Berliner Fans. Oder als jüngstes Beispiel der Platzsturm der Gästefans bei der Pokalpartie Hannover 96 gegen Dynamo Dresden. Die Ausschreitungen beim Revierderby in Dortmund fanden zwar überwiegend außerhalb des Stadions statt, sind aber nicht vom Ereignis zu trennen. Mag es auch bei den ersten zwei Beispielen keine Verletzten gegeben haben, so wandelt man da auf einem schmalen Grat. Wenn sich aggressive Fangruppen Zutritt zum Spielfeld oder womöglich zu anderen Blocks verschaffen können und dabei auch noch Pyrotechnik unsachgemäß benutzen, wird das nicht immer glimpflich ausgehen.

Am Beispiel der Pyrotechnik kann man die Problematik, der sich Vereine wie Fans gegenüber sehen, gut verdeutlichen. Bengalos könnten eine stimmungsvolle Zutat des „Stadionerlebnisses“ sein, doch stellen sie in den falschen Händen eine Gefahr nicht nur für die unmittelbar Umstehenden dar. Es gibt eine Minderheit von Menschen im Umfeld der Fußballvereine, je Club eine dreistellige oder niedrige vierstellige Personenzahl, die sich nicht an Spielregeln halten, die schlicht und einfach notwendig sind. Diese Personen nutzen Pyrotechnik mutwillig unsachgemäß. Sie werfen Bengalos aufs Spielfeld und in gegnerische Fanblocks oder zünden Rauchbomben. Zu den Problemfällen gehören auch Gewalttäter und Rechtsradikale, die den Fußball für ihre Zwecke missbrauchen. Weiterlesen „Mit Übertreibung, ohne Plan: die DFL-Sicherheitsdiskussion“

Die Meistermischung

Wird der Deutsche Meister von der DFL bei der Ausarbeitung des Spielplans besonders ausgewogen behandelt? Etwa um die Spitzenspiele gleichmäßig zu verteilen? Man hatte in der Vergangenheit beim FC Bayern häufig diesen Eindruck, und in dieser Saison ist es bei unserer Borussia so ähnlich. Die Schwarz-Gelben haben einen Spielplan bekommen, bei dem die vermeintlichen Höhepunkte fein säuberlich über die knapp neun Bundesliga-Monate verteilt sind. Schon die ersten fünf Partien zeigen die Sorgfalt, mit der vorgegangen wurde:

Werder Bremen (H), 1.FC Nürnberg (A), Bayer Leverkusen (H), Hamburger SV (A), Eintracht Frankfurt (A)

Das ist schon wegen der drei Auswärtsspiele kein einfacher Auftakt, aber eben ein sehr ausgewogener. Das Eröffnungsspiel gegen Bremen ist ein Klassiker, der in den letzten Jahren häufig packende Begegnungen garantierte.

Die weiteren Highlights der Spielzeit folgen in gebührendem Abstand – das war 2011/12 noch anders. Zwischen den Heimspielen gegen Mönchengladbach (um den 29.9.) und Schalke (um den 20.10.) liegen zwar nur ein Ligaspiel, aber immerhin drei Wochen. Die Partie gegen den Vizemeister haben die Dramaturgen der DFL auf den drittletzten Spieltag gelegt, zunächst Anfang Dezember in München. Und der Saisonabschluss findet wieder im Westfalenstadion statt: Heimspiel gegen Hoffenheim – auch das hat seinen besonderen Reiz. Und bietet wohl besonders vielen Schwarz-Gelben die Chance, den nächsten Meistertitel Erfolg zu feiern.

Der Spielplan ist da: Höhepunkte im November und April

Heute Vormittag hat die DFL den Spielplan für die kommende Bundesliga-Saison auf einer Pressekonferenz vorgestellt und als PDF veröffentlicht. Borussia Dortmund hat im Vergleich zu den letzten Spielzeiten ein ausgewogeneres, aber kein einfaches Auftaktprogramm zugeteilt bekommen. An den ersten sieben Spieltagen müssen die Schwarz-Gelben gegen vier Vereine aus der Top 6 antreten, darunter jedoch drei der Überraschungsmannschaften von 2010/11. Im Auftaktspiel am 5. August geht es nicht völlig unerwartet gegen den Hamburger SV. Die ersten fünf Spieltage im einzelnen:

Hamburger SV (H), 1899 Hoffenheim (A), 1.FC Nürnberg (H), Bayer Leverkusen (A), Hertha BSC Berlin (H)

Die Saisonhöhepunkte – das Derby und das Spiel gegen den Rekordmeister – sind für November und April terminiert und zwar an aufeinanderfolgenden Spieltagen! Am 13. Spieltag muss der BVB zunächst nach München reisen, bevor eine Woche später der FC Schalke zu Gast im Westfalenstadion ist. Unglücklich ist die entsprechende Konstellation im April: Das Heimspiel gegen die Bayern findet unter der Woche statt, nur wenige Tage später folgt die Fahrt nach Gelsenkirchen. Immerhin ist der Weg nicht weit.

Das Saisonende sieht dagegen machbar aus: Heimspiele gegen Gladbach (32.) und Freiburg (34.) und eine sicher nicht zu unterschätzende Auswärtspartie beim FCK (33.). Mit der erwähnten Ausnahme halte ich den Spielplan daher für fair und gelungen. Der HSV ist in vielerlei Hinsicht der richtige Gegner für das erste Spiel und mir geht es wie sicher den Meisten: Ich kann es kaum erwarten!

Der Anwalt der Zweiten Liga

(Updated) Eines muss man Uli Hoeneß lassen: Er weiß, wie man Wahlkampf macht. Unmittelbar nach Bekanntgabe seiner Kandidatur für die Position des DFL-Präsidenten hat er die Themen aufgegriffen, die in aller Munde sind und sich an ein Wählerklientel gewandt, das ihm in seinen bisherigen Funktionen beim FC Bayern eher kritisch gegenüberstand.

Gegenüber Amtsinhaber und BVB-Präsident Reinhard Rauball will Hoeneß mit der Behauptung punkten, dass er näher dran sei an ‚den Leuten‘. Und gibt gleich ein anschauliches Beispiel für den Fall, dass er in einer parallelen Realität bereits Ligaverbandspräsident ist: Mit ihm wären die Vertragsverhandlungen mit Joachim Löw,  zuvorderst natürlich DFB-Aufgabe, anders verlaufen:

Ich glaube, meine Beziehungen zu allen Beteiligten und zur Nationalelf sind so gut, dass ich ein guter Vermittler in dem Geflecht DFB, DFL und Nationalelf wäre. Ich glaube, hätte ich diese Position schon innegehabt, hätten wir jetzt nicht die Problematik mit der Vertragsverlängerung von Löws Team.

Sagt das derselbe Mann, der immer wieder die Freundschaftsspiele der DFB-Auswahl kritisiert hat? Die guten Beziehungen zur Nationalelf hängen wohl in hohem Maße mit der Benennung des Bayern-lastigsten WM-Kaders seit langer Zeit zusammen.

Hoeneß‘ zweite Stoßrichtung macht aus wahltaktischer Hinsicht genauso viel Sinn wie die populistischen Äußerungen zu Löw. Der Bayern-Präsident will den kleinen Vereinen mehr Geld verschaffen. Ein Vorhaben, das bisher nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste stand. Dazu will er natürlich nicht von den Reichen nehmen, sondern insgesamt höhere Einnahmen für die Liga erzielen. Hoeneß verweist auf die Strahlkraft seiner Person, seine Erfahrungen im Lobbyismus. Und nicht zu Unrecht auf die Tatsache, was er in den letzten Jahrzehnten aus dem FC Bayern gemacht hat.

Nur musste Hoeneß in dieser Zeit keine widerstreitenden Interessen unter einen Hut bringen, sondern konnte sich allein dem Wohl des FCB widmen. Ob für die Aufgabe bei der DFL nicht der bedächtigere Rechtsanwalt Rauball besser geeignet wäre, dem Hoeneß vielleicht in öffentlicher Kommunikation überlegen sein mag, aber nicht, wenn es um Moderation und Ausgleich geht? Ich glaube nicht, dass der Bayern-Präsident das Thema ‚Dezentrale TV-Vermarktung‘ als DFL-Chef noch mal forcieren würde – ich traue ihm durchaus zu, dass er über solchen Partikularinteressen stehen kann. Hoeneß ist jedoch FC Bayern durch und durch – einer flacheren Verteilung der TV-Gelder würde er noch viel weniger zustimmen.

Wahlkampf macht er, wie man es von ihm gewohnt ist: Lautstark und mit deutlichen Ansagen. Das wäre ok, wenn Substanz dahinterstecken würde. Letztlich sind Hoeneß‘ Aussagen aber nur wolkige Versprechungen. Das Thema Löw ist in diesem Zusammenhang schlicht irrelevant. Woher neue Gelder für die 1. und 2. Liga kommen sollen, bleibt unklar. Höhrere TV-Einnahmen sind vorerst nicht zu erwarten. Am ehesten könnte unter Hoeneß‘ Führung doch noch ein Verkauf der Namensrechte der Bundesliga zustandekommen – vielleicht an die Spezis von T-Com.

Es ist nicht gesagt, dass Hoeneß die Aufgabe als DFL-Präsident schlecht machen würde. Ich traue ihm zu, dass er sich auf neue Herausforderungen einstellen kann. Trotzdem bezweifle ich, dass ein Lautsprecher wie er von Vorteil für die Liga ist. Alle wichtigen Themen, wie etwa den Glücksspiel-Staatsvertrag, hat auch Rauball erkannt und wird sie angehen. Und obwohl sich Hoeneß selbst als Anwalt der Kleinen bezeichnet, glaube ich nicht, dass ausgerechnet der Präsident des mit Abstand reichsten und mächtigsten Vereins der oberste Vertreter der 36 DFL-Clubs werden sollte.

UPDATE: Ok, das war extrem unglückliches Timing. Uli Hoeneß hat soeben seine Kandidatur als DFL-Präsident aus familiären Gründen zurückgezogen. Rauball bleibt wohl im Amt. Vorbildhaft finde ich das Vorgehen von Hoeneß nicht: Man gibt mit dem üblichen Mediengetöse seine Kandidatur bekannt, greift gleich im Interview den Amtsinhaber an (was im Wahlkampf natürlich legitim ist) und zieht dann wieder zurück. Hätte der Uli nicht vorher mit seiner Familie sprechen können oder steckt etwa ein Deal dahinter?

Erneut Schwerstarbeit zum Auftakt

Ohne Rücksicht auf die Play-Off-Spiele der Europa League hat die DFL Borussia Dortmund einen Auftakt in die neue Bundesliga-Saison beschert, der es in sich hat – mehr noch als letztes Jahr. Hier die ersten fünf Partien der Schwarz-Gelben:

Bayer Leverkusen (H), VFB Stuttgart (A), VFL Wolfsburg (H), FC Schalke (A), 1. FC Kaiserslautern (H)

Maximal drei Tage nach dem Hinspiel der Europa League-Play-Offs bestreitet der BVB den Liga-Auftakt zuhause gegen Leverkusen. Maximal drei Tage nach dem Rückspiel müssen wir zu den Schwaben fahren. Den Spielen gegen unsere beiden Tabellennachbarn der vergangenen Saison folgen das Duell gegen den vorletzten Meister und das Derby in Gelsenkirchen. Erst der fünfte Spieltag sieht auf dem Papier etwas einfacher aus. Am siebten Spieltag kommt allerdings bereits der FC Bayern ins Westfalenstadion. Das Saisonende bietet uns einen gemischten Salat: Nürnberg, Bremen und Frankfurt heißen die letzten drei Gegner, also etwas aus jeder Tabellenregion. Schön ist immerhin, dass sowohl das erste als auch das letzte Spiel daheim stattfinden.

Während der Saison kann man niemand aus dem Weg gehen. Man kann sich aber die Frage stellen, ob es nötig war, in den entscheidenden Auftaktwochen der Europa League dem BVB gleich zwei andere EL-Teilnehmer gegenüberzustellen. Vergleicht man das Startprogramm der ersten sechs der letzten Spielzeit, haben wir mMn das schwierigste erwischt. Gerade in den ersten drei Wochen der Saison wird die Mannschaft unter enormem Druck stehen: DFB-Pokal bei einem Drittligisten (kann immer mal schiefgehen, wer wüsste das besser als wir), EL-Play-Off, Leverkusen, EL-Play-Off, Stuttgart. Im Idealfall sind die Spieler so gleich von Saisonbeginn an hellwach. Aber selbst die beste Saisonvorbereitung kann nicht garantieren, dass gleich alles funktioniert.

Letztendlich müssen wir nehmen, was die DFL uns vorsetzt. Warum ausgerechnet der BVB als einziger Europapokal-Teilnehmer zwei Topspiele zum Auftakt hat und im Falle des Weiterkommens in der Europa League vor dem Derby in die Gruppenphase startet, weiß ich nicht. Es wäre schön, wenn in Zukunft auch mal die Startprogramme der vorangegangenen Spielzeit in die Überlegungen miteinbezogen würden, um das Ganze ein bisschen gerechter zu gestalten – mit der entsprechenden Software sollte das doch kein Problem für die DFL sein.

Zu viel Gemecker? Vielleicht ist es ja nur das Bedürfnis, endlich wieder über den BVB zu schreiben und zu diskutieren. Ich freue mich auf den Saisonauftakt, so oder so. Trotzdem sollte Reinhard Rauball mal ein ernstes Wörtchen mit seinen Spielplanern reden! 😉

(Den Spielplan zum Download gibt es bei bundesliga.de)